Erfolge und Niederlagen, Fortschritte wie unverändert negative Entwicklungen
bestimmen das Bild der regionalen Umweltgeschichte im Dreyeckland: Da ist die frühe Entdeckung der Nachhaltigkeit mit dem alten badische Waldgesetz und die Besetzungen der AKW-Bauplätze in Wyhl, Gerstheim und Kaiseraugst, der Genacker in Buggingen, der Widerstand gegen die Schwarzwaldautobahn, den Giftmüllofen Kehl und die Flachglasfabrik in Hombourg, der BUND-Erfolg gegen die Rheinverschmutzung durch die Usine Kaysersberg, die so wichtigen "Sonnentage" in Sasbach und viele andere, nicht so spektakuläre Aktionen. Damit die regionale Umweltgeschichte nicht in Vergessenheit gerät, tragen wir hier diese Informationen zusammen.
Für Ergänzungen und Berichtigungen sind wir dankbar.
Axel Mayer
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Geschichte & Umweltgeschichte & Regionalgeschichte am Oberrhein in Südbaden, Elsass und Nordschweiz

Regionalgeschichte Umweltgeschichte Oberrhein
Geschichte & Umweltgeschichte & Regionalgeschichte am Oberrhein in Südbaden, Elsass und Nordschweiz bis zum Jahr 2000
1100
Erste Erwähnung des zunehmenden Bergbaus in Kappel bei Freiburg, der erst im Jahr 1954 endet und zu einer massiven Bleiverseuchung des Bodens führt.
Winter 1349
Erste Pest-Epidemie im Breisgau
18. Oktober 1356
Basler Beben: Ein schweres Erdbeben erschüttert den Oberrhein und Basel. Der erste Erdstoß in Basel ereignete sich um 17 Uhr mit einer Magnitude von ca. 6,2; der zweite, der eigentliche Hauptstoß, ereignete sich um circa 22 Uhr mit einer Magnitude von ca. 6,5 bis 6,9. Die oberen Stockwerke ganzer Häuserzeilen stürzen bereits beim Vorbeben ein, ebenso Teile der Stadtmauer, des Münsters und anderer Kirchen. Das Hauptbeben und die nachfolgenden Brände zerstören die Stadt Basel und viele Burgen der Umgebung.
1452
Sélestat (Schlettstadt) wird das oberrheinische Zentrum der Humanisten. Die Humanistenbibliothek wird gegründet, u. a. von Beatus Rhenanus.
April 1525
Missernten und Ungerechtigkeit führen u.a. zum Aufstand von Kaiserstühler Bauern in Kiechlinsbergen (Bauernkrieg).
1631-1648
Der Dreißigjährige Krieg wütet auch im Breisgau und führt im Gebiet der Markgrafschaft Hochberg zu einem geschätzten Bevölkerungsverlust von 75%.
1662
Niederländische Kaufleute, die zu dieser Zeit an der verheerenden Abholzung der innerschweizerischen Wälder beteiligt waren, bieten an, den Rheinfall zu eliminieren, damit das Flößerholz hindernislos nach Holland gelangen könne. Dabei planen sie, das Felsmassiv in der Mitte des Flusses ganz einfach zu sprengen.
1812
Erste Pläne zur Rheinbegradigung durch eine Denkschrift von Johann Gottfried Tulla. Die Umsetzung verringert zumindest am Oberrhein die Hochwassergefahr, verstärkt flussabwärts aber die Hochwässer und bringt ökologische Folgeschäden.
1816-1817
Hungersnot führt zu Massenauswanderung aus dem Breisgau (angeblich 6000 Menschen). Die Auswanderungswelle der europäischen "Wirtschaftflüchtlinge" führt zum Genozid der Ureinwohner Amerikas.
1817
Ein bayrischer Kaufmann namens Illig aus Kulmbach hofft auf ein schönes Geschäft, indem er vorschlägt, "den Rheinfall durch einen unterirdischen Kanal [...] rheinisch gänzlich zu vernichten und denselben für Rhein-Schiffe fahrbar zu machen".
1833
Das Badische Forstgesetz beendet den Raubbau der Wälder und weist weltweit als eines der ersten Gesetze den Weg zur Nachhaltigkeit.
1848/49
Badische Revolution
1864
Gründung des Schwarzwaldvereins
1881
Gründung des "Badischen Landesvereins für Naturkunde und Naturschutz", der 1913 die "10 Gebote für Naturschutz" aufstellt
1. Oktober 1905
Gründung der Ortsgruppe Freiburg des Deutschen Bundes für Vogelschutz (heute Nabu)
ab 1910
Beginn des extrem grundwasserbelastenden Kaliabbaus im elsässischen Kalibecken bei Mulhouse (MDPA) und im badischen Buggingen
21. September 1911
In Freiburg wird im Restaurant Bertold Schwarz die erste südbadische Ortsgruppe des Arbeiter-Wanderbundes „Die Naturfreunde“ gegründet. Nach dem Ersten Weltkrieg bezog die Gruppe die Hütte in Breitnau, die bis heute genutzt wird.
04.01.1915
Erster deutscher Angriff am Hartmannsweilerkopf Vieil-Armand in den Vogesen im ersten Weltkrieg. Alleine das Morden am Hartmannswillerkopf kostet 30.000 Menschenleben.
1918–1920
Die Spanische Grippe wütet auch am Oberrhein. An der Grippe-Epidemie / Pandemie von 1918–1920 sterben in in Deutschland über 250 000 Menschen.
1928 bis 1959
Zwischen Märkt und Breisach wird der Rheinseitenkanal (Grand Canal d`Alsace) gebaut. Dies führt u.a. zu Naturzerstörung, Grundwasserabsenkungen und verstärkt nochmals die Hochwasserprobleme rheinabwärts.
15. Juni 1940
Der vorläufig letzte Weltkrieg erfasst mit dem Überfall auf Frankreich und dem Grenzübertritt deutscher Truppen am Rhein nun auch direkt den Südlichen Oberrhein.
1942 bis 1960
Pläne der Schluchseewerk AG, in der Wutachschlucht einen 62 Meter hohen Staudamm zu bauen; vielfältige, erfolgreiche Aktionen und Informationsarbeit gegen diese Pläne
nach 1945
Baggerseen im Umfeld Basels, aber auch an anderen Stellen der Region werden zu Müllkippen, teilweise sogar zu Giftmüllkippen. Ein Beispiel ist das Teninger Schuttloch, wo die FRAKO (Frankfurter Kondensatorenfabrik) und das Aluminiumwalzwerk Tscheulin jahrzehntelang ihren Abfall in einen See "entsorgen" und das Grundwasser u.a. mit Dioxin und PCB vergiften. Die Folgekosten tragen nicht die Firmen, sondern die SteuerzahlerInnen.
nach 1945
Bei der Chemieproduktion in Frankreich in Huningue (Hüningen) bei Basel fallen grosse Mengen des giftigen Insektizides Lindan an. Hochgiftige lindanverunreinigte Abfälle wurden oberirdisch auf Halde gelagert und vom Wind verweht. (es gibt ein unbestätigtes Gerücht, das Lindan wäre zur Agent Orange-Produktion für den Vietnam Krieg verwendet worden. Über konkrete Informationen zu diesem Sachverhalt würden wir uns freuen)
1953
Wäre es damals nach Freiburgs Oberbürgermeister Wolfgang Hoffmann gegangen, dann stünde das größte deutsche Atomforschungszentrum heute womöglich in Freiburg – nicht in Karlsruhe. Doch der Gemeinderat stoppte die von Hoffmann im September 1953 lancierte Bewerbung wenig später in nichtöffentlicher Sitzung.
Quelle: BZ
Januar 1953
Gründung der "Arbeitsgemeinschaft Heimatschutz Schwarzwald" zur Rettung der Wutachschlucht vor den Staudammplänen
1957
Das "aussichtsreichste Uran-Vorkommen Westdeutschlands" wird im Krunkelbachtal bei Menzenschwand am Südhang des Feldbergs entdeckt. Trotz lokalem Widerstand werden bis 1991 ca. 100 000 Tonnen Uranerz abgebaut. Das radioaktive Erz, aus dem Bomben und Energie gewonnen werden, löst nicht zuletzt bei der Weiterverabeitung in Ellweiler Krebserkrankungen aus.
1. Oktober 1957
Das Schlafmittel Contergan kommt in Deutschland auf den Markt. Es löste einen der größten Medizinskandale und eine Katastrophe für Tausende Menschen aus. Weltweit kamen 10 000 Kinder, davon etwa 5000 in Deutschland, mit Missbildungen vor allem an Armen und Beinen zur Welt. Es fehlten ganze Knochen. Die Betroffenen bekommen vom Aachener Pharmaunternehmen Chemie Grünenthal eine traurig lächerliche Rente.
Viele Schädigungen wären vermeidbar gewesen: Hinweise über Missbildungen bei Neugeborenen hatte es bereits 1959 gegeben, anderthalb Jahre nach Markteinführung des Präparats, das lange rezeptfrei erhältlich war.
Im Mai 1968 beginnt der Conterganprozess. Wie so häufig wird am 18. Dezember 1970 das Strafverfahren gegen acht leitende Angestellte von Grünenthal und Inhaber Hermann Wirtz wegen geringer Schuld eingestellt. Die "Contergan Erfahrung" prägt auch die entstehende Umweltbewegung am Oberrhein.
1963
Erste Pläne der später verhinderten Schwarzwaldautobahn werden bekannt. Die GegnerInnen des Projekts schließen sich 1969 in der "Aktionsgemeinschaft für demokratische Verkehrsplanung" zusammen.
20. März 1965
Gründung der Dachorganisation der elsässischen Umweltschützer "AFRPN", später umbenannt in "Alsace Nature"
Zwischen 1968 und 1982
versenkte die Schweiz 7420 Container mit radioaktivem Inhalt an drei verschiedenen Stellen im Nordostatlantik. Mitte der 60er Jahre mischte sich die OECD ein und schaffte eine offizielle Nukleardeponie, die rund 700 Kilometer nordwestlich der spanischen Küste liegt. Das Meer ist dort 4000 Meter tief - vermeindlich tief genug.
Im Jahr 1974 verzichten Deutschland, Frankreich, Italien und Schweden als Folge von massiver Kritik «freiwillig» auf die Atommüllversenkung im Meer. Die Schweiz kümmerte das wenig, sie nutzte weiterhin die billige Entsorgungsart. Erst 1983 gelang es auf Druck mehrerer Länder ein Internationales Versenkungs-Moratorium zu erwirken. (Quellen: «Strahlende Schweiz», Susann Boos, IAEA-Bericht)
1969
Inbetriebnahme von Block 1 des AKW Beznau (CH)
21. Januar 1969
Reaktorunfall und Kernschmelze im Schweizer AKW Lucens
Bei diesem schweren Atomunfall in einem kleinen Schweizer Versuchsreaktor, dem KKW Lucens, wurde ein Brennstoffelement überhitzt und zerstört. Dabei entwichen radioaktive Gase u.a. in die Kaverne die daraufhin so stark verseucht war, dass sie für Jahre zugemauert werden musste. Neben Tschernobyl, Sellafield und Harrisburg war diese Atomunfall in einem Schweizer AKW einer der gefährlichsten Atomunfälle in der Geschichte der Atomindustrie. Er führte nur desshalb nicht zu einer großen Katastrophe weil der Versuchsreaktor sehr klein und in eine Felskaverne eingebaut war. Seit 1969 versucht die Atomlobby die Erinnerung an diesen Unfall in der "sicheren" Schweiz zu löschen.
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1969 bis 1982
Legale Meeresvergiftung durch die Schweizer AKW-Betreiber. 7677 Container Atommüll, auch aus dem grenznahe AKW Beznau, werden im Meer versenkt.
9. November 1970
Gründung der Aktion Umweltschutz, des Vorläufers des BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein in Freiburg
2. Juni 1971
Antrag der Badenwerk AG auf Standortgenehmigung für das AKW Breisach; erfolgreicher Widerstand (u.a. Unterschriftensammlung) gegen diese Pläne
7. Februar 1971
Die Frauen in der Schweiz bekommen Stimmrecht und Wahlrecht.
ab 1972
Widerstand gegen die landschaftsverschandelnden Großflurbereinigungen amKaiserstuhl. Die damaligen Kritiker der überdimensionierte Maßnahmen bekommen Jahrzehnte später recht.
1972
Inbetriebnahme von Block 2 des AKW Beznau (CH)
1972
Aktive der Aktion Umweltschutz und des Schwarzwaldvereins verlangen die Abwasserklärung der Papierfabrik in Neustadt und die Beendung der massiven Wasserverschmutzung der Wutach. Nach vielfältigen Aktionen wird eine Kläranlage eingebaut, ein weiterer Schritt zur Reinhaltung des Rheins.
ab 1973
Erfolgreicher Widerstand gegen das geplante AKW Wyhl (siehe separate Chronik)

1974-75
Bauplatzbesetzung im elsässischen Marckolsheim. Verhinderung des Baus eines extrem umweltbelastenden Bleichemiewerks. Weltweit erste ökologisch begründete Bauplatzbesetzung, die auch einen wirtschaftlichen Flop verhindert, denn das Werk der Chemischen Werke München (CWM) in Marckolsheim sollte Bleizusätze für PVC produzieren, die heute nicht mehr verwendet werden.
18. Januar 1975
Beginn der Bauplatzbesetzung in Wyhl. Der Widerstand gegen das AKW in Wyhl führt u.a. zu einer Politisierung der Natur- & Umweltschutzbewegung und gibt wichtige Impulse zur Gründung der Partei "Die GRÜNEN"

15. April 1975
Beginn der Bildungsarbeit der Volkshochschule Wyhler Wald auf dem besetzten AKW-Bauplatz in Wyhl
1975
Erfolgreicher Widerstand mit Bauplatzbesetzung gegen das geplante AKW Kaiseraugst (CH)
ab 1975
Die zunehmenden Waldschäden im Schwarzwald führen zu vielfältigen Aktionen gegen das Waldsterben. Die Debatte um das Waldsterben verstärkt sich insbesondere im Jahr 1983 auch am Oberrhein. Große Demonstrationen und Aktionen (Aktion Waldsterben Dreyeckland, Freudenstädter Aktionseinheit, BUND, BI Riegel... ) führen mittel- und langfristig zu einer massiven Verbesserung der Luftqualität. Die Debatte führt zu einer Zunahme des Umweltbewusstseins. Gesetze werden auf Druck der Umweltbewegung verschärft, der Katalysator wird eingeführt, verbleites Benzin wird verboten, Kraftwerke und Industrieanlagen werden entstickt und entschwefelt. Kollateralerfolge der Debatte um das Waldsterben und des geschärften Umweltbewusstseins sind die Einführung der preisgünstigen Regiokarte in und um Freiburg, der Ausbau des ÖPNV, aber auch das Verbot des klimaschädigenden Gases FCKW und die Verbesserung der Luftreinhaltung bei Industrieanlagen und Müllverbrennungsanlagen (Dioxin). Die bessere Luftqualität ist auch ein Segen für Baudenkmäler. Die Waldsterbensdebatte hat den ökologischen Fortschritt beschleunigt und die Lebensqualität erhöht.Info Waldsterben

ab 1975
Langjähriger kontinuierlicher Widerstand gegen Fluglärm, Flugplatz und Militär in Lahr
nach 1975
die Niederlagen der Atomindustrie in Wyhl, Kaiseraugst und Gerstheim und massive Akzeptanzprobleme mancher umweltbelastender Betriebe führen zu einer verstärkten Anwendung von Akzeptanz fördernden Strategien, zu Greenwash und besserer Propaganda der Umweltzerstörer.
19760
Weltweit erste große Solar- Alternativenergie- und Umweltmesse des BUND und der badisch-elsässischen Bürgerinitiativen: die Sonnentage in Sasbach. Der BUND will mit der erfolgreichen Ökomesse Alternativen zur Atomenergie aufzeigen. Die Entwicklung der regionalen Alternativenergienutzung ab diesem Zeitpunkt ist eindrucksvoll.
1976
Erfolgreicher Widerstand mit Bauplatzbesetzung gegen das geplante AKW Gerstheim (F) bei Straßburg. Hier und im bretonischen Plogoff verhindert die französische Umweltbewegung den Bau eines AKW.

1976-1978
Inbetriebnahme der beiden Reaktorblöcke des AKW Fessenheim (F); kontinuierlicher Widerstand französischer und deutscher Umweltgruppen seit der Planungsphase bis Heute
1973 bis 1975
Widerstand und Verhinderung des Baus einer Brennelementefabrik (Uran- und Plutoniumverarbeitung) in Heitersheim (D)
1976
Besetzung eines im Bau befindlichen Hochspannungsmasten des AKW Fessenheim im elsässischen Heiteren (F); Errichtung eines Freundschaftshauses. Bei einem Brandanschlag militanter AKW-Befürworter auf die gewaltfreien Besetzer wird ein Umweltschützer schwer verletzt. Hungerstreik französischer Umweltschützer in Roggenhouse.
4. Juni 1976
Erste, illegale Sendung von Radio Verte Fessenheim. Aus dem Widerstand gegen die Atomanlagen im Dreyeckland entsteht Radio Verte Fessenheim, das spätere Radio Dreyeckland.
29.05.1978
1978 wurde von der Schweizer Zementindustrie der Ausstieg aus der Asbestproduktion "angekündigt". Am 29.05.1978 hat die Schweizer Asbestlobby gleichzeitig aus PR-Gründen den „Arbeitskreis Asbest“ gegründet. Dieser hatte das Ziel Werbung für Asbest zu machen und die Klassifizierung von Asbest in die Giftklasse 1 zu verhindern. Die Klassifizierung konnte um neun Jahre hinausgeschoben werden, was wiederum das Eintreten des notwendigen, schnellen Asbest-Verbots hinausschob. Die Verantwortlichen im Arbeitskreis Asbest sind für das Sterben vieler Menschen verantwortlich.
1980
Inbetriebnahme des Großklärwerkes "Breisgauer Bucht" in Forchheim.
1984
Inbetriebnahme des AKW Leibstadt (CH).
1984
Besetzung auf der Rheininsel bei Fessenheim durch französische Umweltschützer, um die Verpressung von Salzlösungen in tiefere Schichten zu verhindern
April 1986
Eröffnung der ersten Freiburger BUND-Ökostation im Rahmen der Landesgartenschau in Freiburg
26. April 1986
Reaktorunfall in Tschernobyl. Die radioaktive Wolke von Tschernobyl erreicht kurz danach den Rhein, wird aber von den Propagandaabteilungen der französischen Atomlobby zumindest medial am Rhein gestoppt. Großkundgebung gegen Tschernobyl, Fessenheim und für Atomausstieg in Breisach. Zusammenschluss der Südbadischen Bürgerinitiativen. Wie man heute weiß, sind die Auswirkungen des Reaktorunfalls verheerend für das menschliche Erbgut.
1. November 1986
Brand bei Sandoz (Basel / Schweizerhalle) Umweltkatastrophe und massive Rheinvergiftung durch auslaufende Pestizide. Am 13. und 14. Dezember findet das INTERNATIONALE RHEIN-TRIBUNAL statt. Das Internationale Rhein-Tribunal verurteilte neben der von Sandoz verursachten Verseuchung vor allem die amtlich genehmigte
Dauer-Vergiftung der Flüsse. Es gibt Protestdemonstrationen in der ganzen Region u.a. eine Menschenkette am Rhein. In dieser Umweltkatastrophe liegen auch die politischen Wurzeln des "Basler Appell gegen Gentechnologie".
1986
Großkundgebung zum Thema Waldsterben am Thurner mit Bundespräsident Richard von Weizsäcker als Hauptredner
ca. 1990
Folgenloses Nein der Naturschützer zu den Kunstschneeplänen und Schneekanonen im Fahler Loch am Ahornbühl / Feldberg. Ein Jahrzehnt später zeigt sich dass die Kritik berechtigt war. Das Projekt ist finanziell am Ende.
1. Mai 1990
Der Widerstand und die Demonstrationen gegen den Bau der Jungbunzlauer - Syral - Zitronensäurefabrik in Marckolsheim können den Bau der Anlage im wertvollen Auewald nicht verhindern. Ein Vertrag in Folge des Konflikts schützt jetzt allerdings die restlichen Auewälder im Elsass. Die als abwegig bezeichneten Befürchtungen der Umweltschützer (Gestank) wurden leider Realität für die Menschen in Marckolsheim, Mackenheim, Sasbach und Wyhl. Der erste Mais für die Fabrik kommt aus den USA.
1990
Über eine Milliarde Mark hat das Engagement des BUND und anderer Umweltschützer dem Steuer- und Gebührenzahler in den Kreisen Emmendingen und Ortenau erspart. 1990 hatte das Planungsbüro AEW-Plan (eng verbunden mit Firmen, die Müll-Öfen bauen) den beiden Kreisen den Bau eines Müll-Ofens für 360.000 Jahrestonnen empfohlen. Der BUND und einige Bürgerinitiativen wehrten sich gegen die überzogenen Verbrennungspläne. Im Jahr 2000 lieferten die Menschen in beiden Landkreisen statt der geplanten 360.000 Jahrestonnen real aber nur noch 140.000 Tonnen Müll bei der Deponie Kahlenberg an. Mit Hilfe einer Biologisch-Mechanischen-Abfallbehandlungsanlage kann in Zukunft der brennbare Müllrest auf rund 30.000 Tonnen pro Jahr reduziert werden (Als die wegen Bestechungsskandalen umstrittene Müllverbrennungsanlage Köln Niehl gebaut wurde, arbeitete u.a. die AEW Plan Köln die Planungs- und Ausschreibungsunterlagen aus / Quelle TAZ)
1991
Ende des umweltgefährdenden Uran - Abbaus in Menzenschwand . Südbaden ist atomanlagenfrei. Die Firma "Gewerkschaft Brunhilde", die jahrzehntelang Gewinne eingefahren hat, geht nach dem Abbau von 80.000 bis 100.000 Tonnen Uranerz "rechtzeitig" bankrott, so dass die Sanierung der Uran-Grube von den SteuerzahlerInnen getragen werden muss (ca. eine Million Euro).
Juli 1991
Umweltgruppen, Verbände und Bürgerinitiativen aus Südbaden, der Nordschweiz und dem Elsass geben eine kritische gemeinsame Umwelt - Erklärung zu Europa heraus. Unter dem Motto: "Das Europa das wir bekommen ist nicht das Europa das wir wollen" setzen sie sich kritisch mit regionalen Globalisierungstendenzen und dem erlebten Europa der Konzerne auseinander und sprechen sich für ein Europa der Menschen aus.
Sommer 1991
Die neu errichtete BUND - Ökostation wird wiedereröffnet. Das Umweltbildungszentrum lockt jährlich mit Veranstaltungen und Grünen Klassenzimmern über 12.000 Besucher an. Darunter über 200 Schulklassen und Besuchergruppen aus Freiburg, dem Dreiländereck, Europa und dem fernen Japan.
1992
Erfolgreicher grenzüberschreitender Widerstand gegen die Pläne, in Kehl einen Giftmüllofen zu bauen
1992
Parallel zur United Nations Conference on Environment and Development (UNCED) in Rio findet im Freiburger Seepark ein großes internationales, politisches Jugend-Umweltfestival statt. Durch die UNCED Konferenz rücken auch im Dreyeckland die Fragen der Nachhaltigkeit, Zukunftsfähigkeit und des Lebensstils in den Mittelpunkt der Umweltdiskussion.
1992
Freiburg wird "Ökohauptstadt". Ein Erfolg für die Umweltbewegung und die Menschen. Ökohauptstadt bedeutet, dass die weltweiten Zerstörungsprozesse in Freiburg langsamer ablaufen als in anderen Städten.
1993
Gründung der "Umwelt- und Projektwerkstatt", die im gleichen Jahr eine Sternradtour zum Thema Rassismus und Umweltschutz nach Magdeburg organisiert
1994
Der grenzüberschreitende Widerstand gegen die neue, umweltbelastende Flachglasfabrik in Hombourg (F) kann den Bau zwar nicht verhindern, erzwingt aber den Einbau modernster Technik zur Luftreinhaltung (Entstickungsanlage).

Usine Kaisersberg: Vorher

Usine Kaisersberg: Nachher
1994-1996
Usine Kaysersberg: Kampf gegen Rheinverschmutzung. BUND Geschäftsführer BUND-Geschäftsführer Axel Mayer entdeckt die letzte Papierfabrik am Rhein ohne Kläranlage. Der BUND verlangt die Abwasserreinigung der Papierfabrik Usine Kaysersberg in Neu Breisach (F) und die Beendung der Verschmutzung des Rheins. Nach massivem Druck und intensiver Öffentlichkeitsarbeit wird von der Usine Kaysersberg 1996 eine Kläranlage installiert und das Abflußrohr in den Rhein abmontiert..
29. November 1995
Bei einem Mordanschlag vor der Freiburger BUND - Ökostation wird Eva-Maria Christof erschossen und eine zweite Mitarbeiterin schwer verletzt. Der Täter oder die Täterin ist noch nicht gefasst, die Motive sind weiterhin unklar.
1995 und 1997
Ackerbesetzungen in Buggingen. Der gentechnische Freilandversuch der holländischen Firma van der Have in Buggingen (D) wird durch vielfältige Aktionen verhindert. Der Genmais mit Antibiotikagenen kann wegen zwei Ackerbesetzungen in Buggingen (D) nicht ausgesäht werden.

1996
Aktionen und Demonstrationen auch in Baden und Elsass gegen die französischen Atomtests auf den Atollen Muraroa und Fangataufa in Französisch-Polynesien
1996
Die Freiburger Solar-Fabrik wird als rein privat finanziertes, mittelständisches und von Konzernen unabhängiges Unternehmen gegründet. Mit Solarfabrik und Fesa entwickelt sich in der Region die Alternativenergie zur Wachstumsbranche.
Oktober 1996
Der langjährige Widerstand gegen den Ausbau der B31 durch Freiburg führt zur Besetzung des Konrad-Günther-Parks und zu den "Böhmischen Dörfern", einem Baumcamp als kreativer, gewaltfreier Widerstandsform gegen den Straßenbau. Räumung der "Böhmischen Dörfer" durch eine massive Polizeiaktion.
ab 1996
Zersiedelung, der Flächenverbrauch und die zunehmende Verscheußlichung Die der Rheinebene und des Breisgaus werden immer stärker zu Themen der regionalen Umweltbewegung.
1. Juli 1997
Erstmalig in Deutschland übernimmt in Schönau eine Bürgerinitiative die Stromversorgung einer Gemeinde. EWS nennt sich das Unternehmen seither, Elektrizitätswerke Schönau GmbH.
22. Dezember 1997
Anzeige gegen die Grundwasserversalzung durch die elsässischen Kaliminen und die salzhaltige Abraumhalde in Buggingen durch den BUND Regionalverband. Im Grundwasser finden sich bis zu 50 Gramm Salz im Liter Wasser.
1999
Beginn der Giftmülleinlagerung in der französischen Giftmülldeponie Stocamine Umweltschützer auf beiden Rheinseiten protestieren und warnen vor den Gefahren für Mensch und Umwelt.
1999
Keine Primatenzuchtstation in Holtzheim. Eines der umstrittensten Projekte im Elsass wurde 1999 endgültig verhindert. In Holtzheim bei Straßburg war ein Primatenzentrum geplant. 1500 Brüllaffen sollten dort jährlich 300 Versuchstiere für Tierversuche "produzieren". Gegen dieses ethisch sehr umstrittene Projekt waren jahrelang französische Umwelt- und Tierschützer, unterstützt von vielen Künstlern, angegangen.
1999
Der BUND Regionalverband entdeckt gentechnisch verunreinigtes Saatgut und zeigt die Produzenten an.

Axel Mayer
Für Ergänzungen und Berichtigungen sind wir dankbar.
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Unser Zeitalter des Raubbaus und der Barbarei
Die Menschen der Umweltbewegung am Oberrhein (Südbaden, Elsass, Nordschweiz) haben viel erreicht. Luft und Wasser sind tatsächlich sauberer geworden. Das bedeutet aber nicht mehr und nicht weniger, als dass die weltweiten Zerstörungsprozesse hier in unserer Region ein wenig langsamer ablaufen als anderswo. "In einem Jahr verbrauchen wir gerade weltweit so viele fossile Rohstoffe, wie die Erde innerhalb einer Million Jahre herausgebildet hat." Quelle: Zukunftsfähiges Deutschland 2008. Gleichzeitig erzeugen wir Atommüll der eine Million Jahre sicher gelagert werden muss. Immer noch gehören auch wir am Oberrhein zu den, zumeist unzufrieden gehaltenen, 20% der Menschheit, die 80% der Energie und Rohstoffe verschwendet und die damit für den Großteil der weltweiten Umweltverschmutzung verantwortlich sind. Und die restlichen 80% der Welt (insbesondere China und Indien) sind gerade dabei unser zerstörerisches Modell einer Raubbauwirtschaft nachzuahmen. Zur Umweltzerstörung kommt im Zeitalter der Globalisierung ein zunehmend ungehemmter Konsumismus, eine Gefährdung der Demokratie, Ungerechtigkeit und Sozialabbau und eine verstärkte Innenweltverschmutzung. Hundertfünfzig Jahre Industrialisierung haben dazu geführt, dass die in vielen Millionen Jahren geschaffenen Energievorräte und die Rohstoffreserven der Welt zu Neige gehen und gleichzeitig haben wir u.a. mit Atommüll Gifte produziert, die über eine Million Jahre sicher gelagert werden müssen. Das menschengemachte Artensterben
und der Klimawandel nehmen zu und eine Milliarde Menschen hungert. Die nachfolgenden Generationen werden unser Zeitalter eine Zeit des Raubbaus und der Barbarei nennen. Die Zukunftsaufgabe auch der regionalen Umweltbewegung wird es sein, aufzuzeigen, dass unbegrenztes Wachstum begrenzte Systeme zerstört. "Gut leben statt viel haben" ist die Zukunftsdevise. Es gilt, eine tatsächlich nachhaltige Entwicklung einzuleiten.
Axel Mayer