Europapark 2020 - Seilbahn über den Taubergießen?


Veröffentlicht am 08.01.2019 in der Kategorie Natur & Naturschutz von Axel Mayer

Europapark - Seilbahn über den Taubergießen?


Einschub


Kehrtwende oder taktische Verschiebung in Sachen Europapark Seilbahn?



Wie wir soeben erfahren haben, hat Michael Mack, einer der Inhaber des Parks, über Twitter mitgeteilt, dass die „Seilbahn über das Naturschutzgebiet Taubergießen", jetzt sprachlich gut verpackt "Seilbahn der Freundschaft" genannt, in den nächsten fünf Jahren nicht weiterverfolgt werden soll.

Die bisherige Kritik des BUND an diesem Projekt finden Sie hier

Der BUND Regionalverband begrüßt den jetzigen Schritt des Europaparks, der erst einmal Druck aus dem Kessel nimmt. Wir hoffen, dass es jetzt nicht darum geht, das naturgefährdende Projekt "netter" als bisher durchzusetzen und einfach nur geschickter und besser zu kommunizieren. Neue Begrifflichkeiten wie "Seilbahn der Freundschaft" klingen eher nach nach neuen Durchsetzungskonzepten.

Die massiven Parkplatzprobleme des expandierenden Parks dürfen auch in fünf Jahren nicht auf Kosten der Natur gelöst werden.

Wenn Herr Mack den Park endlich besser an den ÖPNV anzuschließen will, wenn ein ICE Halt gefordert wird und dieser umweltfreundlich angeschlossen werden soll, dann ist der BUND gerne bereit, solche Konzepte zu unterstützen.

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer



Europapark - Seilbahn über den Taubergießen? Erste Stellungnahmen von BUND, NABU, LNV, LPO...



Der ständig expandierende Europapark Rust plant eine Seilbahn über das Naturschutzgebiet Taubergießen. Wie immer, wenn in der "Ökoregion" Südbaden Natur gefährdet ist, wird solchen Projekten gerne ein "grünes Mäntelchen" umgehängt und Greenwash betrieben.
Die Naturschutzverbände und Planungsbehörden waren vom Vorstoß Herrn Macks, einer der mächtigsten und einflussreichsten Personen in Südbaden, überrascht. Einer der genialsten Schachzüge der Werbeabteilung von Herrn Mack ist es, aus dem naturgefährdenden Projekt eine "Vision für Europa" zu machen. Dennoch lehnen die badisch-elsässischen Umweltverbände dieses Projekt einhellig ab - Verbände, die das Europa der Menschen seit Jahrzehnten praktizieren.


Wir tragen hier nach und nach einige Stellungnahmen und Äußerungen von Naturschutzverbänden zu diesem Thema zusammen:

BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein
Auch der BUND findet Seilbahnen besser als den bisherigen PKW Verkehr. Sinnvoll und vertretbar wäre eine solche Seilbahn allerdings nur über Nicht-Naturschutzflächen zum nächstgelegenen deutschen Bahnhof. Aber bei den aktuellen Vorüberlegungen handelt es sich leider um eine Seilbahn über eines der wichtigsten Naturschutzgebiete am Oberrhein. Es geht nicht um ein Entweder-oder, um ein „Seilbahn statt Auto-Verkehr“, sondern um Autoverkehr plus Seilbahn, denn an einen Wegfall der Kappler-Fähre wird nicht gedacht.

Es wird mehr, es muss mehr werden, es muss wuchern... Das sind die Grundregeln des Europaparks und einer zutiefst selbstzerstörerischen Fun-Gesellschaft in Zeiten des Klimawandels und der absehbaren Endlichkeit der Ressourcen.

Die Verkehrsbelastung in den Parkgemeinden wird kurzfristig abnehmen und dann wieder zunehmen und zusätzlich kommt dann noch die Seilbahn. Und wenn Hunderttausende über den Taubergießen schweben, dann wollen noch mehr Menschen im Naturschutzgebiet spazieren gehen. Bei Herrn Mack vom Europapark gibt es scheinbar keine Grenzen des Wachstums, im Naturschutzgebiet Taubergießen sind sie teilweise schon überschritten.

Es gab bisher eine „einigermaßen friedliche Koexistenz“ zwischen dem Naturschutzgebiet und dem Park, ein trotz Lärmzunahme immer noch „wenig störendes“ Nebeneinander von Natur und Freizeitgesellschaft. Eines der vielen Probleme des Parks ist der explodierende Flächenverbrauch und die massive Ausbreitung Richtung Autobahn, eine Expansion, die jetzt auch mit der Seilbahn in´s Elsass getragen werden soll.

Eine Seilbahn über eines der letzten großen Naturschutzgebiete am Oberrhein könnte die winzige Restnatur wieder ein kleines Stück gefährden. Die ganz großen Zerstörungen sind am Oberrhein politisch nicht mehr durchsetzbar. Heute wird mit Greenwash und dem Prinzip der Salamitaktik vorgegangen. Im Regierungsbezirk Freiburg sind nur knapp 3,4 % der Gesamtfläche Naturschutzgebiete, es gibt nur noch winzige Fragmente von Natur. Wir erleben, wie die Medien aktuell über das globale und regionale Artensterben und Naturverluste berichten und beobachten gleichzeitig in der "Ökoregion" Oberrhein immer heftigere Angriffe auf die verbliebene Restnatur. Dazu gehört auch der Flächenverbrauch, das krebsartige Wuchern des Europaparks und eine Europaparkisierung Südbadens.

Jetzt wird auch gerne von Ausgleich für die geplante Naturzerstörung gesprochen. Doch die Praxis des Ausgleichs in Deutschland ist leider gesetzeskonform lächerlich, wie der Ausgleich für den Freiburger Stadionsbau durch Böschungspflege am Kaiserstuhl gerade wieder gezeigt hat.

Der BUND sieht eine neue Seilbahn über die Restnatur im Taubergießen äußerst kritisch und ablehnend. Wir wissen allerdings, wie ungeheuer groß die politische Macht von Herrn Mack ist, und wir kennen die Kniefälle von Regionalpolitik und Behörden vor dieser Macht. Politisch sind Konflikte um den Europapark eigentlich immer schon von Anfang an verloren. Die einzige Hoffnung sind unabhängige Gerichte.

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer






Die Elsässischen Vogelschutzliga (LPO) zu den Seilbahnplänen:


Christan Braun, Vorsitzender der elsässischen Vogelschutzliga (LPO):
"Die negativen Auswirkungen von Seilen und Leitungen auf Zugvögel sind wohlbekannt. Dabei ist das Gebiet um Rhinau und Dieblosheim das zweitgrößte französische Überwinterungsgebiet für Wasservögel. Die dort vorhandenen Ökosysteme sind extrem bedeutsam und schutzbedürftig. Deswegen gehört es zum Natura-2000-Netzwerk. Wir glauben nicht, dass ein Seilbahn-Projekt mit den strengen Naturschutzauflagen des Gebietes vereinbar ist."
Quelle: (Badische Zeitung, 7.11.2018)




Der NABU:


NABU: Mit Seilbahn-Idee geht Europapark auf Konfrontationskurs zum Naturschutz

Europapark Rust plant schwerwiegenden Eingriff in Naturschutzgebiet Taubergießen


Zu den Plänen des Europaparks, möglicherweise eine Seilbahn über den Rhein und mitten durch das Naturschutzgebiet Taubergießen von Rust nach Dieboldsheim im Elsass zu bauen, sagt der NABU-Landesvorsitzende Johannes Enssle:

„Einen Eingriff in das sensible Naturschutzgebiet Taubergießen lehnt der NABU ab. Der Taubergießen ist einer der letzten großen Auwälder am Rhein. Er gehört zu unserem europäischen Naturerbe. Die deutsch-französischen Bemühungen zum Schutz dieses einzigartigen Schutzgebietes sind ein Zeichen der Europäischen Einigung und der deutsch-französischen Freundschaft. Auch der NABU betreibt dort gemeinsam mit seinem französischen Partner LPO ein Informationszentrum für Besucherinnen und Besucher. Mit dieser Schnapsidee, eine Seilbahn quer durch dieses Naturjuwel zu bauen, bringt sich der Europapark auf Konfrontationskurs mit dem Naturschutz. Sollten diese Planungen ernsthaft weiterverfolgt werden, werden sich die Naturschützer in der Region mit vereinten Kräften dagegen wehren.“

Der NABU macht aber auch deutlich, dass er sich nicht grundsätzlich gegen eine bessere Erreichbarkeit des Europaparks für Besucher und Mitarbeiterinnen aus Frankreich verschließe. „Eine umweltschonende Alternative zu einer Seilbahn wäre beispielsweise die Einrichtung eines Shuttleservice mit Elektrobussen von Rhinau nach Rust. Dieser könnte wesentlich flexibler auf die Besucherspitzen am Morgen und am Abend reagieren“, so Enssle.


Weiterlesen auf der NABU-Seite




Seilbahn durch Naturschutzgebiet Taubergießen ist „Schnapsidee“
LNV lehnt Planung des Europapark Rust ab



Überregional bedeutsames Naturjuwel in Gefahr

Die Planung des Europaparks, eine Seilbahn aus dem Elsass quer über den Rhein und durch zwei Naturschutzgebiete als Zulieferer zum Europapark zu bauen, stößt auf heftige Ablehnung beim Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg (LNV).

”Bei allem Verständnis für den Wunsch des Europaparks, den französischen Markt besser zu erschließen: die Seilbahn wäre ein krasser Verstoß gegen europäisches Naturschutzrecht und ist eine Schnapsidee.”, so LNV-Vorsitzender Dr. Gerhard Bronner. Um die Verbindung ins Elsaß zu schaffen, müsste die Seilbahn quer durch das Naturschutzgebiet Taubergießen gebaut werden, ein ”4-Sterne-Schutzgebiet”, wie LNV-Chef Bronner betont. Auwälder, Rheinaltarme, als Gießen bezeichnet Quellaufbrüche kennzeichnen den Taubergießen und machen ihn zu einem überregional bedeutenden Naturjuwel. Der ganze Taubergießen ist Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes ”Natura 2000”. Verschlechterungen des Naturwertes sind dort schlicht unzulässig.

Nach Ansicht des LNV würde eine Seilbahn, die täglich tausende Personen transportieren soll, durch Rodungen, Stützkonstruktionen, Lärm und Beleuchtung einen ganzen Korridor quer durch das Naturschutzgebiet entwerten. Störungsempfindliche Vogelarten, die einen wesentlichen Wert des Schutzgebietes ausmachen, könnten dort nicht mehr brüten.

Wenn die Planung tatsächlich weiterverfolgt werde und nicht an technischen oder finanziellen Problemen scheitere, müsse sich der Europapark auf die Ausschöpfung aller Einspruchs- und Rechtsmittel durch die Naturschutzverbände gefasst machen, bis hin zur EU-Beschwerde, kündigt Bronner an. Und er fragt sich angesichts der Planung im Naturschutzgebiet: ”Ist den Verantwortlichen im Europapark denn gar nichts mehr heilig?”

Quelle: Landesnaturschutzverband



Infosammlung 2020: Natur, Naturschutz & Naturgebiete, in Südbaden, im Elsass und am Oberrhein



Aktuell & wichtig!


Flächendeckend stirbt der Wald. Wer da noch von "Waldumbau" redet, der verharmlost und lügt. Wir erleben aktuell ein Waldsterben 2.0 welches das Waldsterben in den 80er Jahren des letzten Jahrhundert bei weitem übertrifft. In den 80er Jahren gab es massive Aktionen, Demos & Proteste der Umweltbewegung. Doch wo ist die Protestbewegung gegen das Waldsterben 2.0? Angesichts der Dimension der Schäden genügt es nicht die Proteste an Fridays for Future zu delegieren!" Angesichts von Waldsterben und Artenausrottung ist die Naturschutzbewegung erschreckend brav.
Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein











Infos zum Schmetterlingssterben / Insektensterben / Artensterben




Aktuell:


Insektenrückgang weltweit - in Deutschland besonders stark


Eine Analyse weltweiter Langzeitstudien im Jahr 2020 zeigt, dass die Zahl landlebender Insekten zurückgeht. Sie sank in 30 Jahren um fast ein Viertel. Zu diesen Ergebnissen kommt die bislang umfassendste Meta-Analyse von Insektenbeständen an 1676 Orten weltweit. Die Studieist in der jüngsten Ausgabe der Fachzeitschrift "Science" erschienen.
Ein internationales Forscherteam stellte Daten aus 166 Langzeitstudien an weltweit 1676 Orten zusammen, um Veränderungen der Insektenzahlen (Individuen, nicht Arten) zu untersuchen. Diese Daten wurden im Zeitraum zwischen 1925 und 2018 erhoben. Die komplexe Analyse offenbarte große Unterschiede in den lokalen Trends - selbst zwischen nahe gelegenen Orten. So gab es in Ländern mit vielen Langzeitstudien wie Deutschland, Großbritannien oder den USA sowohl Orte mit Rückgängen als auch Orte mit wenig Veränderungen oder sogar Zunahmen. 
Im globalen Durchschnitt gingen landlebende Insekten wie Schmetterlinge, Heuschrecken oder Ameisen um 0,92 % pro Jahr zurück.
Erstautor Dr. Roel van Klink, der bei iDiv und der UL forscht, sagt: "0,92 Prozent klingt vielleicht nicht nach viel, aber es bedeutet 24 Prozent weniger Insekten über 30 Jahre und sogar eine Halbierung über 75 Jahre. Der Rückzug der Insekten findet leise statt - in nur einem Jahr bemerken wir das nicht. Es ist wie wenn man an den Ort zurückkehrt, wo man aufgewachsen ist. Nur wenn man jahrelang nicht dort war, bemerkt man, wie viel sich tatsächlich verändert hat - leider oft zum Schlechteren."
Die Insekten-Rückgänge waren in Teilen der USA sowie in Europa, insbesondere in Deutschland, am stärksten. In Europa verstärkten sich die negativen Trends in den letzten Jahren - die größten Rückgänge wurden seit 2005 beobachtet.
Quelle: www.sonnenseite.com



Linkliste:




Axel Mayer, BUND-Regionalgeschäftsführer








Mitwelt-Warnungen 2020 & Hinweise zu diesen Seiten...


  • 1) Diese Internetseiten der Mitwelt Stiftung Oberrhein sind "altmodisch-textorientiert" und manchmal lang. Wir bieten keine modischen Infohäppchen, sondern wenden uns an die kleine Minderheit, die noch in der Lage ist längere Texte zu lesen und zu erfassen.
  • 2) Wenn Sie hier "Die Wahrheit" suchen, werden Sie sie nicht finden. Es gibt sie nicht, "Die Wahrheit", sondern immer nur Annäherungen daran, Wahrheitsfragmente. Es wird Ihnen nichts übrigbleiben, als sich mit den "anderen Wahrheiten" auseinander zu setzen, um zu einer eigenen Meinung zu kommen. Verlassen Sie auch einmal den engen "Echoraum" der eigenen Meinung im Internet. Misstrauen Sie Wahrheitsverkündern. Haben Sie Mut Ihren eigenen Verstand zu gebrauchen.
  • 3) Im Zweifel ist die -Allgemeine Erklärung der Menschenrechte- immer noch eine gute Quelle zur Orientierung.

Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein

Getragen von der Hoffnung auf das vor uns liegende Zeitalter der Aufklärung (das nicht kommen wird wie die Morgenröte nach durchschlafner Nacht)




Nachtrag 1: Aktueller Corona-Einschub


Leider irrte Hölderlin als er schrieb:
"Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch" Neben dem "Rettenden" wächst leider auch das Neurotische, die Gier & die Dummheit, Sündenbocksuche, private & staatliche Verschwörungstheorien und Sündenbocksuche (Trump, Murdoch, Bild-Zeitung...), Blockwart-Mentalität & die kleinen & großen Nationalismen...
Umso wichtiger ist der Dank an die vielen engagierten, solidarischen, helfenden Menschen, die in Corona-Zeiten nicht in mittelalterliches Denken & Handeln zurückfallen.
Corona zeigt auch die massiven Probleme von Gesellschaftssystemen, in denen die Gesundheitssysteme privatem Profitstreben unterworfen sind. Experten rechnen bis Ende Juli mit fast 150.000 Corona-Tote in den USA. Das libertäre amerikanische System der organisierten Gier versagt in Corona-Zeiten.

Nachtrag : iHuman - Ziemlich wichtiger Arte-Film


Seit Jahren beschäftigt und beunruhigt mich das Thema Transhumanismus, der organisierte Traum den menschlichen Menschen zu überwinden. Es ist die Idee mit Hilfe von Technikoptimismus, libertärem und neoliberalem Denken, Gentechnik, Nanotechnologie, Eugenik und künstlicher Intelligenz den „alten Menschen“ abschaffen und einen „neuen Menschen“ schaffen.
Der Film „iHuman“ von Tonje Hessen Schei zeigt, was Anhänger der künstlichen Intelligenz erträumen. Es ist eine nahe Zukunft, in der die Macht Maschinen gehört. Ein Albtraum und ein Thema, das die Umweltbewegung bisher verdrängt...
Hier geht´s zum Arte- Film iHuman verfügbar vom 20/04/2020 bis 19/07/2020