1976 Sasbach Sonnentage: die erste große Solarausstellung & der Anfang der zukunftsfähigen Energien


Veröffentlicht am 01.10.2022 in der Kategorie Energie von Axel Mayer

Sasbach Sonnentage: die erste große Solarausstellung & der Beginn der zukunftsfähigen Energien


Ein regionaler Traum wird zum weltweiten Erfolg
1976 veranstalteten einige Aktive des damals frisch gegründeten Bund für Umwelt und Naturschutz und die badisch-elsässischen Bürgerinitiativen die weltweit erste und größte Ausstellung zu alternativen Energien in Sasbach am Kaiserstuhl. Der Widerstand gegen das im Nachbardorf Wyhl geplante AKW, das berühmte"Nai hämmer gsait" war den Aktiven nicht genug, es galt auch Alternativen zur Atomenergie aufzuzeigen.

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Werner Mildebrath (Solarpionier Sasbach), Erhard Schulz (BUND Mitbegründer), Siegfried Uhlmann, Irmgard Schneider und Carola Bury waren mit vielen Anderen die treibenden Kräfte.

Aus heutiger Sicht war es eine kleine, ja geradezu winzige, Ausstellung alternativer Energien, doch wir sagten selbstbewusst und durchaus auch verwegen: "Das ist die Zukunft!" Aber gerade dieses "aus heutiger Sicht" zeigt den unglaublichen Erfolg der damaligen Idee und der umgesetzten Vision.

Ich selbst habe damals als noch sehr junger Umweltschützer bei der Ausstellung mitgeholfen. Ich erinnere mich an Holzbottiche der Winzergenossenschaft, in denen Wasser solar erwärmt wurde, an die erste von mir bewusst wahrgenommene Fotovoltaikanlage, an Hohlspiegel, Windradmodelle an erste Informationen und Vorträge zu damals "exotischen Themen" wie Energieeinsparung, Endlichkeit der Rohstoffe, Klimaschutz und Wärmedämmung. Es gab Referenten, die sagten, dass irgendwann einmal der Liter Benzin 2 DM (1 Euro) kosten könnte. (Manche hielten solch verwegene Prognosen und Aussagen für Spinnerei ...)

Das ganze Dorf Sasbach war mit allen Vereinen an der Ausgestaltung der ersten "Sonnentage" aktiv beteiligt. Die Winzergenossenschaft stellte das Gelände für die Ausstellung und gleich daneben war der Festplatz, den uns der Musikverein überließ. Auch die alternative Volkshochschule Wyhler Wald war mit dabei. Zum alemannischen Sänger- und Dichtertreffen kamen André Weckmann, Roger Siffer und das Babbedeckel Theater. Unter den hohen Laubbäumen des Festplatzes war das Ganze ein großes Volksfest – mit (heute undenkbarem) Meerschweinchenrennen, Flohmarkt, Wein- und Bierausschank. Über 12 000 BesucherInnen kamen 1976 zu diesen ersten "Sonnentagen" nach Sasbach.

Es war tatsächlich eine sehr kleine, weltgrößte Ausstellung und es ist unglaublich und faszinierend, was sich in 50 Jahren aus diesen "Sonnentagen" entwickelt hat. Sie war noch einige Jahre in Sasbach, wuchs dann aber so schnell, dass sie nach Freiburg umziehen musste. Aus den Sasbacher Sonnentagen wurden die großen Ökomessen des BUND, aus denen sich die Intersolar-Messe entwickelt hat. Eine Messe, für die bald sogar für das Freiburger Messegelände zu klein geworden war. Zwischenzeitlich haben Windräder, Fotovoltaikanlagen, Umweltprodukte und Umweltideen längst die kleinen Nischen verlassen. Ökoprodukte und Umwelttechnik, die vor 50 Jahren in Sasbach noch bestaunte, neue Sensationen waren, gibt es heute häufig im Baumarkt um die Ecke.

Noch erstaunlicher aber sind die Entwicklungen im Bereich Solar- und Windenergie, die in Sasbach mit angestoßen wurden. Strom aus Wind und Sonne ist schon lange kostengünstiger als Strom aus neuen Kohle- und Atomkraftwerken.


Alte und neue Kampagnen gegen die Erneuerbaren Energien


Noch im Jahr 1993 behaupteten die vier großen deutschen Energieversorger und Atomkonzerne in einer Anzeige in der Zeit: „Regenerative Energien wie Sonne, Wasser oder Wind können auch langfristig nicht mehr als 4 % unseres Strombedarfs decken.“ Bis heute lässt die Kohle-, Öl-, Gas und Atomlobby die kostengünstigen und umweltfreundlichen Energien mit Fake-News, unsinnigen Vorschriften und Bürokratie bekämpfen.

Dennoch deckte Ökostrom im Jahr 2020 fast die Hälfte des deutschen Stromverbrauchs ab. Den größten Beitrag dazu leisteten Windkraftanlagen – vor allem an Land. On- und Offshore-Anlagen kamen gemeinsam auf einen Anteil von 27,4 Prozent. Fotovoltaik deckte 9,7 Prozent. Die übrigen 12,2 Prozent entfielen auf Biomasse, Wasserkraft und sonstige Erneuerbare.

Diese aggressiven frühen Kampagnen wurden und werden heute von AfD, FDP, CDU, CSU, von der Springer-Presse und alten-neuen atomar-fossilen Seilschaften fortgesetzt.



Alte und neue Kampagnen gegen die Erneuerbaren Energien


Noch im Jahr 1993 behaupteten die vier großen deutschen Energieversorger und Atomkonzerne in einer Anzeige in der Zeit: „Regenerative Energien wie Sonne, Wasser oder Wind können auch langfristig nicht mehr als 4 % unseres Strombedarfs decken.“
Ökostrom deckte im Jahr 2020 fast die Hälfte des Stromverbrauchs ab. Den größten Beitrag dazu leisteten Windkraftanlagen – vor allem an Land. On- und Offshore-Anlagen kamen gemeinsam auf einen Anteil von 27,4 Prozent. Photovoltaik deckte 9,7 Prozent. Die übrigen 12,2 Prozent entfielen auf Biomasse, Wasserkraft und sonstige Erneuerbare.

Diese aggressiven frühen Kampagnen werden heute von der Springer-Presse und alten-neuen atomar-fossilen Seilschaften fortgesetzt.


Aktueller Einschub:


Die Zahl weltweit betriebsbereiter Atomkraftwerke ist zwischen Mitte 2021 und Mitte 2022 um vier auf 411 in 33 Ländern weiter gesunken. Trotz Inbetriebnahme von sechs neuen Anlagen sank im Jahr 2021 zugleich der Anteil der Atomkraft an der kommerziellen Stromerzeugung weltweit mit 9,8 Prozent auf den niedrigsten Stand seit 40 Jahren, während der Anteil von Wind- und Solarkraft auf über 10 Prozent anstieg und damit die Atomkraft erstmalig überholte.
Quelle: World Nuclear Industry Status Report 2022

Im Wyhler Wald steht ein Gedenkstein, der an den Erfolg der AKW GegnerInnen erinnert. Millionen von Solaranlagen auf den Dächern (nicht nur in der Region) erinnern an einen Traum, der vor 50 Jahren in Sasbach und Wyhl geträumt wurde. In Sasbach am Kaiserstuhl liegen wichtige Wurzeln des heutigen Solar- und Windbooms. Im Sommer 1976 war die Zeit reif für diese neuen Ideen.

"Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen", soll Altbundeskanzler Helmut Schmidt einmal gesagt haben. Gut, dass sich die BUND-Aktiven und Bürgerinitiativen damals nicht an den Spruch des Altkanzlers gehalten, sondern ihre Träume in Realität umgesetzt haben. Sonnen- und Windenergie sind inzwischen selbstständige Wirtschaftsbereiche geworden. Die "Kinder" der Sasbacher Sonnentage sind groß, eigenständig und mehr als lebenstüchtig geworden.

In Sachen Mensch, Natur, Umwelt, Atomgefahren, Klimaschutz und echter Nachhaltigkeit gibt es für die Umweltbewegung auch in Zukunft genug zu tun. Träume von einem Ende der aktuellen weltweiten Raubbauwirtschaft und einer zukunftsfähigen, nachhaltigen Welt, werden geträumt und umgesetzt.


Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein (der Autor war als junger Umweltschützer bei den Sasbacher Sonnentagen aktiv)
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AKW, Atomkraftwerk, Wyhl, 1975, Protest, Sonnentage, sasbach, beginn, alternative, energien, Solarausstellung


(Einen aktuellen Rückblick auf den Wyhl-Konflikt und eine umfangreiche Wyhl-Chronik finden Sie hier)


Sonnentage in Sasbach: Die erste Solar-Ausstellung 1976
Entnommen aus "Solare Zeiten - die Karriere der Sonnenenergie" von Bernward Janzing


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Werner Mildebrath in Sasbach: Ein Solarpionier der Sasbacher Sonnentage








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Axel Mayer Mitwelt Stiftung Oberrhein
Mit Zorn und Zärtlichkeit auf Seiten von Mensch, Natur, Umwelt & Gerechtigkeit.


Getragen von der kleinen Hoffnung auf das vor uns liegende Zeitalter der Aufklärung (das nicht kommen wird wie die Morgenröte nach durchschlafner Nacht)



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