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Sasbach Sonnentage: die erste große Solarausstellung


Sasbach Sonnentage: die erste große Solarausstellung


Ein regionaler Traum wird zum weltweiten Erfolg
Im Sommer vor 30 Jahren veranstalteten einige Aktive des damals frisch gegründeten Bund für Umwelt und Naturschutz die weltweit erste und größte Ausstellung zu alternativen Energien in Sasbach am Kaiserstuhl. Der Widerstand gegen das im Nachbardorf Wyhl geplante AKW, das berühmte "Nai hämmer gsaid" war den Aktiven nicht genug, es galt auch Alternativen zur Atomenergie aufzuzeigen.

Werner Mildebrath (Solarpionier Sasbach), Erhard Schulz (BUND Mitbegründer) und Carola Bury waren mit vielen Anderen die treibenden Kräfte.

Aus heutiger Sicht war es eine kleine, ja geradezu winzige, Ausstellung alternativer Energien. Aber gerade dieses "aus heutiger Sicht" zeigt den unglaublichen Erfolg der damaligen Idee und der umgesetzten Vision.

Ich selbst, damals ein noch sehr junger Umweltschützer, erinnere mich an Holzbottiche der Winzergenossenschaft, in denen Wasser solar erwärmt wurde, an die erste von mir bewusst wahrgenommene Photovoltaikanlage, an Hohlspiegel, Windradmodelle an erste Infos und Vorträge zu damals "exotischen Themen" wie Energieeinsparung, Endlichkeit der Rohstoffe, Klimaschutz und Wärmedämmung.

Das ganze Dorf Sasbach war mit allen Vereinen an der Ausgestaltung der ersten "Sonnentage" aktiv beteiligt. Die Winzergenossenschaft stellte das Gelände für die Ausstellung und gleich daneben war der Festplatz, den uns der Musikverein überließ. Auch die alternative Volkshochschule Wyhler Wald war mit dabei. Zum alemanischen Sänger- und Dichtertreffen kamen André Weckmann, Roger Siffer und das Babbedeckel Theater. Unter den hohen Laubbäumen des Festplatzes war das Ganze ein großes Volksfest – mit Meerschweinchenrennen, Flohmarkt, Wein- und Bierausschank. Über 12 000 BesucherInnen kamen 1976 zu diesen ersten "Sonnentagen" nach Sasbach.

Es war tatsächlich eine sehr kleine, weltgrößte Ausstellung und es ist unglaublich und faszinierend was sich in 30 Jahren aus diesen "Sonnentagen" entwickelt hat. Da gab es z.B. die großen Ökomessen des BUND, aus denen sich die Intersolar entwickelt hat. Eine Messe für die zwischenzeitlich sogar für das Freiburger Messegelände zu klein geworden ist. Zwischenzeitlich haben Umweltprodukte und Umweltideen längst die kleinen Nischen verlassen. Ökoprodukte und Umwelttechnik, die vor 30 Jahren in Sasbach noch bestaunte Sensationen waren, gibt es heute häufig im Baumarkt um die Ecke.

Noch erstaunlicher aber sind die Entwicklungen im Bereich Solar- und Windenergie. Von 1995 bis 2005 haben sich die Preise für atomar-fossile Energien mehr als verdoppelt, während sie sich für erneuerbare Energien halbiert haben. Windstrom ist global die am schnellsten expandierende Form der Energienutzung. Der globale Wachstumskurs für Photovoltaik-Anlagen setzt sich auch 2006 fort. Rund eine Million Solaranlagen sind in Deutschland installiert. Damit nutzen über drei Millionen Menschen Solarenergie zur Erzeugung von Wärme und Strom. Allein im Jahr 2005 wurden gut 175.000 Anlagen neu errichtet. Biomasse, Windenergie und Photovoltaik schaffen Strom und Arbeitsplätze.

Im Wyhler Wald steht ein Gedenkstein, der an den Erfolg der AKW GegnerInnen erinnert. Millionen von Solaranlagen auf den Dächern (nicht nur in der Region) erinnern an einen Traum, der vor 30 Jahren in Sasbach und Wyhl geträumt wurde. In Sasbach am Kaiserstuhl liegen wichtige Wurzeln des heutigen Solar- und Windbooms. Im Sommer 1976 war die Zeit reif für diese neuen Ideen.

"Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen", soll Altbundeskanzler Helmut Schmidt einmal gesagt haben. Gut, dass sich die BUND-Aktiven damals nicht an den Spruch des Altkanzlers gehalten, sondern ihre Träume in Realität umgesetzt haben. Sonnen- und Windenergie sind inzwischen selbstständige Wirtschaftsbereiche geworden. Die "Kinder" der Sasbacher Sonnentage sind groß, eigenständig und mehr als lebenstüchtig geworden.

In Sachen Mensch, Natur, Umwelt, Atomgefahren, Klimaschutz und echter Nachhaltigkeit gibt es für den BUND auch in Zukunft genug zu tun. Träume von einem Ende der aktuellen weltweiten Raubbauwirtschaft und einer zukunftsfähigen, nachhaltigen Welt, werden geträumt und umgesetzt.

(auf Wunsch mailen wir Ihnen auch Fotos zu)

Axel Mayer (der Autor war als junger Umweltschützer bei den Sasbacher Sonnentagen aktiv)

(Einen aktuellen Rückblick auf den Wyhl-Konflikt und eine umfangreiche Wyhl-Chronik finden Sie hier)










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Axel Mayer

Getragen von der Hoffnung auf das vor uns liegende Zeitalter der Aufklärung (das nicht kommen wird die Morgenröte nach durchschlafner Nacht)


Artenausrottung in Deutschland 2019: Neue Studien


Während bundesweit Landwirte mit Grünen Kreuzen & Demos für Agrargifte & Glyphosat demonstrierten, gab es 2019 neue, erschreckende Studien zum Artensterben in Deutschland:

  • Vogelsterben


    "Die Fachgruppe „Vögel der Agrarlandschaft“ der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft hat ermittelt, dass die Zahl der abnehmenden und stark abnehmenden Arten von 55 Prozent auf 68 Prozent gestiegen ist. Die Bestandsrückgänge von Rebhuhn (89 Prozent seit 1992), Kiebitz (88 Prozent seit 1992), Feldlerche (45 Prozent seit 1992) und vieler weiterer Arten halten nicht nur an, sie haben sich sogar noch beschleunigt. Als wesentliche Ursache für die Bestandsrückgänge sehen die Fachleute die fortschreitende Intensivierung der Landwirtschaft, insbesondere durch Pestizideinsatz, starke Düngung, den Verlust von Landschaftselementen wie Ackerbrachen und die Einengung der Fruchtfolgen.
    Quelle: Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) e.V.

  • Insektensterben / Insektenausrottung


    Der Rückgang der Insekten und Spinnen in Deutschland reicht weiter, als bislang angenommen. Seit 2009 ist etwa ein Drittel aller Arten aus Wiesen und Wäldern verschwunden. Die Auswertung ergab insgesamt: Sowohl die Zahl der Insektenarten nahm massiv ab wie auch die Biomasse – allein auf den Wiesen um mehr als zwei Drittel. Der Insektenschwund war überall dort besonders stark, wo die Wiesen von Ackerland umgeben waren. Damit weist das Forscherteam um den Ökologen Sebastian Seibold darauf hin, dass die Hauptursache in der Landwirtschaft zu finden ist.
    Quelle: Studie der TU München

  • Lügen und Realitätsverdrängung


    Der Bauernbund bezeichnet das Insektensterben als „Agrarlüge“
    Landwirte sollen ein Mitschuld am Insektensterben haben? Davon will der Bauernbund nichts wissen. Geschäftsführer Reinhard Jung spricht von der „größten Agrarlüge seit BSE“... Landwirte tragen aus Sicht des Brandenburger Bauernbunds gar keine Mitschuld am Insektensterben. „Die Behauptung des Nabu, in den letzten 25 Jahren sei die Masse der Insekten um mehr als 70 Prozent zurückgegangen, können wir nicht nachvollziehen“, sagte Bauernbund-Vorstand Thomas Kiesel. „Fest steht allerdings, dass sich auf landwirtschaftlicher Seite die Lebensbedingungen für Insekten in den letzten 25 Jahren nicht verschlechtert haben.“
    Quelle: Märkische Allgemeine vom 25.3.2019


Mehr Infos: Insektensterben, Ursachen & Studien





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Dieser Artikel wurde 1741 mal gelesen und am 17.3.2019 zuletzt geändert.