Sasbach Sonnentage vor 50 Jahren: Die erste große Solarausstellung in Deutschland & der Anfang der zukunftsfähigen Energien
Veröffentlicht am 17.05.2026 in der Kategorie Energie von Axel Mayer
Sasbach Sonnentage: die erste große Solarausstellung in Deutschland und der Beginn der zukunftsfähigen Energien
Aktueller Einschub: Am 16. Mai 2026 feierte die Umweltbewegung und die Gemeinde Sasbach am Kaiserstuhl ein besonderes Jubiläum: 50 Jahre „Sasbacher Sonnentage“. Bei dieser schönen Veranstaltung durfte auch ich eine kurze Rede halten. Meinen Beitrag: "Die "Vorgeschichte" der Sasbacher Sonnentage" finden Sie unter diesem Hauptbeitrag *Beeindruckende Fotos der Sonnentage zeigt die Badische Zeitung
Es waren bewegte Zeiten, vor 50 Jahren am Kaiserstuhl und Oberrhein. Im Elsass wurde ein extrem umweltvergiftendes Bleichemiewerk durch eine grenzüberschreitende Bauplatzbesetzung unterbunden. Im badischen Wyhl, im französischen Gerstheim und im Schweizer DorfKaiseraugst wurde der Bau von Atomkraftwerken durch eine trinationale Umweltbewegung verhindert. Ein Fenster der Möglichkeiten hatte sich am Oberrhein geöffnet und beherzte Menschen ergriffen die Chancen, die ein solches geschichtliches „window of opportunity“ bietet. In der Grenzregion am Oberrhein, im Dreyeckland, liegen wichtige Wurzeln der damals entstehenden neuen,erfolgreichen Umweltbewegung.
Ein regionaler Traum wird zum weltweiten Erfolg Ende Mai 1976 veranstalteten einige Aktive des damals frisch gegründeten Bund für Umwelt und Naturschutz und die badisch-elsässischen Bürgerinitiativen die deutschlandweit erste und größte Ausstellung zu alternativen Energien in Sasbach am Kaiserstuhl. Der Widerstand gegen das im Nachbardorf Wyhl geplante AKW, das berühmte"Nai hämmer gsait" war den Aktiven nicht genug. Es galt nicht nur "dagegen zu sein", sondern auch die Alternativen zur Atomenergie aufzuzeigen.
Aus heutiger Sicht waren die Sasbacher Sonnentage eine kleine, ja geradezu winzige, Ausstellung alternativer Energien, doch wir sagten selbstbewusst und durchaus auch verwegen: "Das ist die Zukunft! Das sind die Alternativen zur Atomenergie". Aber gerade dieses "aus heutiger Sicht" zeigt den unglaublichen Erfolg der damaligen Idee und der umgesetzten Vision.
Aus den Hoffnungen und Visionen von 1976 ist Realität geworden Der Preis für Solarmodule ist seit 1976 um 99,6 % gesunken. Der aggressiv bekämpfte Strom aus Wind & Sonne ist schon lange viel kostengünstiger als Gefahrstrom aus Kohle, Öl, Gas und Atom.
Werner Mildebrath (Solarpionier Sasbach), Erhard Schulz (BUND Mitbegründer), Siegfried Uhlmann, Irmgard Schneider und Carola Bury waren mit vielen Anderen die treibenden Kräfte. Solarpionier Mildebrath Aktiv bei den Sonnentagen war auch der Sasbacher Tüftler Werner Mildebrath. Er führte damals mit seiner Frau Erika, ein kleines dörfliches Elektrogeschäft in Sasbach. Wie viele aus der dörflichen Bevölkerung war er fest eingebunden in den örtlichen AKW Wyhl - Widerstand, als Elektriker aber hatte er einige „besondere“ Aufgaben. Bei vielen Kundgebungen und Aktionen war er zuständig für die „Demo-Technik“. Er organisierte die Elektrik, die damals noch „exotische“ Videotechnik und die Lautsprecheranlagen und bediente diese. Im Wyhler Wald sorgte sein Aggregat bei Veranstaltungen für Strom. Durch die Volkshochschule Wyhler Wald war er sehr früh auf die damals absolut „exotische“ thermische Erwärmung von Wasser mithilfe der Sonne aufmerksam geworden. Im Jahr 1975 baute der Elektriker, Tüftler und Handwerker für sein eigenes Haus eine sehr solide thermische Solaranlage die heute nicht nur immer noch existiert, sondern auch noch funktioniert. Es dürfte sich dabei um eine der ersten praxistauglichen Solaranlagen in Deutschland gehandelt haben. Für Werner Mildebrath war dies alles der Einstieg in die kleintechnische Produktion von Solaranlagen. Er gründete eine kleine Firma und baute in der ganzen Region seine Anlagen, die heute noch funktionieren.
Vom 26.5.1976 bis zum 30.5.1976 fanden die Ausstellung und eine Vielzahl von Veranstaltungen statt. Ich selbst habe damals als noch sehr junger Umweltschützer bei der Ausstellung mitgeholfen. Ich erinnere mich an Holzbottiche der Winzergenossenschaft, in denen Wasser solar erwärmt wurde, an die erste von mir bewusst wahrgenommene Fotovoltaikanlage, an den "Lörracher Trichter" von Jürgen Kleinwächter, an frühe Windradmodelle und an erste Informationen und Vorträge zu damals "exotischen Themen" wie Energieeinsparung, Endlichkeit der Rohstoffe, Klimaschutz und Wärmedämmung. Es gab Referenten, die sagten, dass irgendwann einmal der Liter Benzin 2 DM (1 Euro) kosten könnte. (Manche hielten solch verwegene Prognosen und Aussagen für Spinnerei, denn der Benzinpreis lag damals bei 83 Pfennigen pro Liter ...) Die Ausstellung fand 3 Jahre nach der großen Ölkrise 1973 mit ihren vier Sonntagsfahrverboten statt, ein Ölpreisschock der heute wieder Erinnerungen weckt.
Das ganze Dorf Sasbach, geprägt vom AKW-Wyhl-Protest, war mit allen Vereinen an der Ausgestaltung der ersten "Sonnentage" aktiv beteiligt. Die Winzergenossenschaft stellte das Gelände für die Ausstellung und gleich daneben war der Festplatz, den uns der Musikverein überließ. Auch die alternative Volkshochschule Wyhler Wald war mit dabei. Zum alemannischen Sänger- und Dichtertreffen kamen Buki, André Weckmann, Roger Siffer und das Babbedeckel Theater. Unter den hohen Laubbäumen des Festplatzes war das Ganze ein großes Volksfest mit Flohmarkt, Wein- und Bierausschank und (heute undenkbarem) Meerschweinchenrennen. Über 12 000 BesucherInnen kamen 1976 zu diesen ersten "Sonnentagen" nach Sasbach.
Es war tatsächlich eine sehr kleine, weltgrößte Ausstellung und es ist unglaublich und faszinierend, was sich in 50 Jahren aus diesen "Sonnentagen" entwickelt hat. In den Jahren 1977 und 1978 wurde die Messe in Sasbach wiederholt, wuchs dann aber so schnell, dass sie nach Freiburg umziehen musste. Aus den Sasbacher Sonnentagen wurden die großen Öko-Messen des BUND, aus denen sich die Intersolar-Messe entwickelt hat. Eine Messe, für die bald sogar das Freiburger Messegelände zu klein geworden war. Zwischenzeitlich haben Windräder, Fotovoltaikanlagen, Umweltprodukte und Umweltideen längst die kleinen Nischen verlassen. Ökoprodukte und Umwelttechnik, die vor 50 Jahren in Sasbach noch bestaunte, neue Sensationen waren, gibt es heute im Baumarkt um die Ecke. Die vielen privaten Solaranlagen auf den Dächern führten auch zu einer Demokratisierung der Energieerzeugung. Zum Ärger der Energiekonzerne wurde ihr Energieerzeugungsmonopol gebrochen. Die Wirtschaftsministerin und Gaslobbyistin Reiche versucht gerade eine energiepolitische Zeitenwende rückwärts durchzusetzen.
Noch im Jahr 1993 behaupteten die vier großen deutschen Energieversorger und Atomkonzerne in einer Anzeige in der Zeit: „Regenerative Energien wie Sonne, Wasser oder Wind können auch langfristig nicht mehr als 4 % unseres Strombedarfs decken.“ Im Jahr 2025, 32 Jahre nach dieser Anzeige, hatten die erneuerbaren Energien einen Anteil von 59 Prozent an der Nettostromerzeugung erreicht. Bis heute lässt die Kohle-, Öl-, Gas und Atomlobby die kostengünstigen und umweltfreundlichen Energien mit Bürokratie und Fake-News bekämpfen. Doch Strom aus Wind und Sonne ist schon lange kostengünstiger als Strom aus neuen AKW. Wie sagte ein US-Präsident: „It’s the economy, stupid“.
"Solarstrom (PV) ist inzwischen weltweit fast überall am günstigsten: In der Wüste von Saudi-Arabien wird er für nur einen US-Cent pro Kilowattstunde (kWh) erzeugt, in Portugal für 1,4 US-Cent pro kWh. Heutige Kriege für Öl und die aktuelle Energiekrise zeigen, wie wichtig die zukunftsfähigen Energien für eine kostengünstige und nachhaltige Energieversorgung sind. Der „Atomkraftwaffenkrieg“ gegen den Iran zeigt auch mehr als deutlich die Verbindung zwischen der zivilen und der militärischen Nutzung der Atomkraft und die Gefahren, die durch den Bau und Export von neuen kleinen AKW entstünden. Sonne und Wind müssen nicht durch die Straße von Hormus.
Im Wyhler Wald steht ein Gedenkstein, der an das "NAI HÄMMER GSAIT", an den Erfolg der AKW GegnerInnen erinnert. Millionen von Solaranlagen auf den Dächern erinnern an einen Traum, der vor 50 Jahren in Sasbach und Wyhl geträumt wurde. In Sasbach am Kaiserstuhl liegen wichtige Wurzeln des heutigen Solar- und Windbooms. Im Sommer 1976 war die Zeit reif für diese neuen Ideen.
"Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen", soll Altbundeskanzler Helmut Schmidt einmal gesagt haben. Gut, dass sich die BUND-Aktiven und Bürgerinitiativen damals nicht an den Spruch des Altkanzlers gehalten, sondern ihre Träume in Realität umgesetzt haben. Sonnen- und Windenergie sind inzwischen selbstständige Wirtschaftsbereiche geworden. Die "Kinder" der Sasbacher Sonnentage sind groß, eigenständig und mehr als lebenstüchtig geworden. Doch das System der "Großen Beschleunigung" und des unbegrenzten globalen Wachstums lässt sich auch mit den zukunftsfähigen Energien nicht fortsetzen.
In Sachen Mensch, Natur, Umwelt, Atomgefahren, Klimaschutz und echter Nachhaltigkeit gibt es für die Umweltbewegung auch in Zukunft genug zu tun. Träume von einem Ende der aktuellen weltweiten Raubbauwirtschaft und einer zukunftsfähigen, nachhaltigen Welt werden geträumt und umgesetzt.
Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein (der Autor war als junger Umweltschützer bei den Sasbacher Sonnentagen aktiv)
Am 16. Mai 2026 feierte die Umweltbewegung und die Gemeinde Sasbach am Kaiserstuhl ein besonderes Jubiläum: 50 Jahre „Sasbacher Sonnentage“. Bei dieser schönen Veranstaltung durfte auch ich eine kurze Rede halten. Meinen Beitrag: "Die "Vorgeschichte" der Sasbacher Sonnentage" finden Sie hier.
Die "Vorgeschichte" der Sasbacher Sonnentage / Axel Mayer
Salli Alli
Vor 55 Jahren war Sasbach noch ein ganz normales Dorf. Es war bekannt für seinen guten Rotwein und für die „Rumbilibruck“ über den Rhein Vor 55 Jahren war Werner Mildebrath noch ein ganz normaler kleiner Sasbacher Dorfelektriker
Heute steht Sasbach für den frühen Beginn der Energiewende, für die deutschlandweit erste Solarausstellung
Wer heute in Stuttgart das Haus der Geschichte betritt findet dort im Eingangsbereich viele berühmte Frauen und Männer aus Baden-Württemberg. Und eine dieser berühmten Personen im Haus der Geschichte ist der Sasbacher Elektriker Werner Mildebrath. Der 2020 gestorbener Solarpionier und Wyhl-Aktivist, ist Teil einer Dauerausstellung zur Geschichte Baden-Württembergs.
Ich werde heute kurz erzählen wie es dazu kam.
Im Jahr 1974 veränderte sich das Dorf Sasbach und der Mensch Mildebrath
Ein extrem umweltvergiftendes Bleiwerk war 1974 in Marckolsheim geplant
Wer 1974 20 war, ist heute 72 Wer vor 50 Jahren 50 war, ist heute vermutlich tot
Wie war das damals? *Neun erlaubte Tonnen Blei hätte die neue Fabrik in Marckolsheim jährlich über den Schornstein abgegeben *Neun erlaubte Tonnen Blei. Stellt Euch das vor *Neun Tonnen Blei auf Mensch Natur Umwelt auf Reben und Äcker *Bleivergiftung führt zu verminderter Intelligenz, Hirnschäden, Krämpfen, Fehlgeburten und Krebs.
Wie war das damals? *„Jetzt awer langt´s Nai hämmer gsait“ damals * Wir haben den Platz besetzt damals *Viele Sasbacher und Sasbacherinnen waren dabei *Wir Deutschen haben die Franzosen unterstützt (später in Wyhl haben sie uns geholfen) *wir waren das frühe Europa *Es war kalt, matschig, dreckig, anstrengend, mühevoll, romantisch, schön und wichtig
Wer war das damals? *Frauen, Männer, Arbeiter, Akademikerinnen, Studierende, Bauern, der Zahnarzt, die Professorin, Menschen aus den Dörfern beiderseits des Rheins, der Fischermeister, die Angler, badisch-elsässische Poeten, die Künstlerinnen und fast die gesamte Sasbacher Bevölkerung. Und Werner Mildebrath mit seinen Lautsprechern
Vor 52 Jahren haben wir erfahren *Der Präfekt gibt nach *Das Bleiwerk wird nicht gebaut *Der Kampf und die illegale Besetzung haben sich gelohnt *Wir haben die Vergiftung unserer Heimat verhindert *Wir haben den technischen Fortschritt beschleunigt und menschengerechter gemacht
Wenn heute die Luft sauberer ist, wenn in Bächen wieder gebadet werden kann, wenn Greifvögel nicht mehr an DDT sterben, dann ist das nicht von Himmel gefallen. Es wurde erkämpft und die Kämpfe für eine menschliche Zukunft sind noch lange nicht ausgestanden
Marckolsheim im Elsass war der Anfang *einer jungen, erfolgreichen Umwelt-und Klimaschutzbewegung
Marckolsheim war der Anfang * der offenen Grenzen in Europa, ohne Pass. Wir waren Europa
Marckolsheim war der Anfang *vom Ende der alten sichtbaren Umweltverschmutzung, dem Ende von Bleivergiftung, Luftverschmutzung, Wasserverschmutzung, dem Ende von FCKW, Asbest, Atom und Atomtests. Der frühe Anfang der Klimaschutzbewegung.
Marckolsheim war der Anfang vieler Erfolge und Menschen aus Sasbach haben zu diesem Erfolg beigetragen
Und dann kam 1975 Wyhl. *2 geplante Atomkraftwerke *die alte neue Lüge von den 100% sicheren Atomkraftwerken bis dann Tschernobyl und Fukushima kamen *Geplante Kühltürme *Bauplatzbesetzung *Polizeieinsatz
Und wieder ganz vorne mit dabei *Viele Kaiserstühler, viele Sasbacher und Sasbacherinnen *Und natürlich Werner Mildebrath mit seinen Lautsprechern. Wer erinnert sich noch an Werner Mildebrath? Wer erinnert sich: *Werner auf der Dach, wenn er eine Antenne baut *Werner im Elektromobil im Dorf *Werner bei den Wyhl-Marckolsheim Demos *Werner als örtlicher Aussteller bei den Sonnentagen *Werner beim Vereinsfest, wenn er die Lautsprecheranlage installiert *Werner der immer half, wenn er gefragt wurde *Werner der frühe Solar-Unternehmer
Es gibt da so ein "Werner-Bild" in meinem Kopf Werner bei der Wyhl-Demo am Lautsprecher auf der Leiter, von hinten "gestibbert" von seiner Frau Erika
*Werner Mildebrath, der Sasbacher Solar-Pionier. *Er hat die ersten Solaranlagen gebaut *Er wurde erst verlacht und später bekämpft *Die damals gebauten Solaranlagen funktionieren heute noch * Heute ist Werner der berühmte Sasbacher im Stuttgarter Haus der Geschichte *
Unser Werner Mildebrath hat gezeigt: *Man muss nicht Doktor oder Professor sein oder "studiert" haben um etwas für alle Menschen Nützliches zu erreichen *Man muss nicht Doktor oder Professor sein oder "studiert" haben um den menschlichen Fortschritt zu dienen.
Der Marckolsheim Protest und der Wyhl Protest waren bekannt für das erfolgreiche „NAI HÄMMER GSAIT“ Wir wollten aber nicht nur NEIN sagen, wir wollten JA sagen zur Zukunft und so kam die Idee der Sonnentage.
Doch dazu werden jetzt andere etwas erzählen. Axel Mayer
Am Anfang der Solarenergie in Deutschland. Die Sonnentage in Sasbach: Die erste Solar-Ausstellung 1976 Der Anfang der alternativen Energien in Deutschland. Die Sonnentage in Sasbach: Die erste Solar-Ausstellung 1976 (Einen aktuellen Rückblick auf den Wyhl-Konflikt und eine umfangreiche Wyhl-Chronik finden Sie hier)
Sonnentage in Sasbach: Die erste Solar-Ausstellung 1976 Entnommen aus "Solare Zeiten - die Karriere der Sonnenenergie" von Bernward Janzing
Die Sonnentage in Sasbach: Fortschritt & gute Technik für Alle - Das gute Leben und die gute, umweltfreundliche Technik. Glück, Zufriedenheit & weniger Gier
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Axel Mayer Mitwelt Stiftung Oberrhein Mit Zorn und Zärtlichkeit auf Seiten von Mensch, Natur, Umwelt & Gerechtigkeit.
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