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EMAS & ISO 14001 & Greenwash: Umweltzertifikat für Umweltzerstörer?

Umweltzertifikat EMAS und ISO 14001 für umweltgefährdende Firmen und Atomanlagen

Seit dem Jahr 2006
"schmückt" sich der Atomkonzern EnBW mit dem Umweltzertifikat nach ISO 14001. Der Konzern, der seinen Strom u.a. aus überalterten, umweltbelastenden und gefährlichen Atomkraftwerken bezieht, der für Energie verschwendende Elektroheizungen wirbt, versucht sich so mit ISO 14001 ein grünes Image zu geben.

Viele Umweltschützer waren erstaunt
als das französische Atomkraftwerk Fessenheim in Paris die „Umweltzertifizierung“ nach ISO 14001 erhielt. Ein so genannter Umweltpreis für den Schutz von Fauna, Flora und Orchideen um das Kernkraftwerk, für Mülltrennung und für einen Umweltschutz-Notfallwagen bei nichtnuklearen Betriebsunfällen. Das alles ist zwar erfreulich, aber umweltfreundliches Papier benutzen, Wasser sparen, Orchideen schützen und Energiesparlampen verwenden, sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Ein solches „Umweltzertifikat“ für ein Atomkraftwerk ist vor allem Greenwash, der Versuch, durch die Überbetonung von umweltschützerischen Selbstverständlichkeiten von den Gefahren der Atomanlage in Fessenheim abzulenken. Mit den menschengefährdenden Problemen des Kernkraftwerks, d.h. mit den Fragen der atomaren Sicherheit, mit den Fragen der Sicherheit vor Flugzeugabstürzen, der Versprödung des Reaktordruckgefäßes, der ungeklärten Atommüllfrage, der umweltbelastenden Rheinerwärmung und der ungeklärten Frage der Erdbebensicherheit beschäftigte sich die Zertifzierung nach ISO 14001 nicht.

Die "schützenswerten Orchideen" beim AKW Fessenheim,
die bei der Zertifizierung eine wichtige Rolle spielten, stehen auf dem bestbewachten Biotop der Regio. Wo irgendwann zwei neue "Europäische Druckwasserreaktoren" von EDF und EnBW gebaut werden sollen, ist auf dem festungsartig eingezäunten Gelände für diese zwei weiteren AKWs ein wunderbares, gut bewachtes Biotop entstanden. Von der Hausmülltrennung und dem Orchideenschutz auf dem Werksgelände soll ein postiver Imagetransfer auf das ganze AKW ausgehen. So dient die ISO 14001 der Desinformation und Akzeptanzbeschaffung und die gut bezahlten Zertifizierer schieben diesem Missbrauch keinen Riegel vor.

Hier einige exemplarische Beispiele für weitere umweltgefährdende Firmen, die nach ISO 14001 zertifiziert wurden:

Cogema - la Hague (F) Atommüll Aufarbeitung
Cattenom (F) AKW
Fessenheim (F) AKW
Isar 1 und 2 (D) AKW
Beznau (CH) AKW
Stracel (F) umweltbelastende Papierfabrik
EnBW (D) Atomkonzern

Es ist schier unglaublich, dass Isar 1 und Isar 2,
die Atomkraftwerke der Energiekonzerns E.ON, schon 1999 als erste deutsche Kerkraftwerke sogar mit dem Umweltzertifikat EMAS ausgezeichnet worden ist. Auch die umstrittene, umweltbelastende Atomfabrik Urenco, im westfälischen Gronau hat das "Umweltprädikat" EMAS und "Ethics in Business" erhalten. Kontrolle und ganzheitliches, ökologisches Denken scheint es bei den EMAS Zertifizierern nicht immer zu geben. Da ruht das Auge wohlgefällig auf dem verwendeten Recyclingpapier und den eingeschraubten Energiesparlampen. "Kleinigkeiten" wie radioaktive Emissionen und Umweltgefahren gehören nicht zum "Prüfungsauftrag".

Massive Konsumenten-Täuschung
sehen Umweltorganisationen hinter dem Paneuropäischen Forst Zertifikat (PEFC). Das Gütesiegel ist eine Initiative der europäischen Forstindustrie. Es wurde in Finnland auch an Betriebe verliehen, die Holz aus unberührten Urwäldern und aus Konfliktregionen mit Ur-Einwohnern schlagen. 50 Beispiele von ökologisch bedenklichen Quellen, die mit dem Zertifikat ausgezeichnet wurden, liegen vor. Das PEFC soll in erster Linie die steigende Nachfrage der Konsumenten nach ökologisch verträglichen Holz erfüllen. Der finnischen Umwelt-Gruppe "Finnish Nature League" ist es gelungen, einen Report zu erstellen, in dem die wiederholt angeprangerten Schwächen des PEFC anhand 50 konkreter Beispiele in Finnland erstmals nachgewiesen wurde.

Stromwäsche mit dem Ökozertifikat "Renewable Energy Certificate System" (RECS)
SPIEGEL ONLINE berichtete am 05. Januar 2008, wie Energiekonzerne Atomstrom als Ökostrom
verkaufen:
“Nach Informationen des SPIEGEL tricksen europäische Stromanbieter ihre Kunden gezielt aus. Sie etikettieren Atom- oder Kohlestrom einfach in Ökostrom um. Eine legale Praxis, die durch Ökozertifikate möglich ist.
Als "reinen Verschiebebahnhof" bezeichnet es Thorsten Kasper von der Verbraucherzentrale, Uwe Leprich von der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes spricht sogar von einer "Täuschung des Verbrauchers": Europäische Stromversorger verkaufen ihren Kunden Ökostrom, der in Wahrheit aber in Atom- oder Kohlekraftwerken erzeugt wurde. Nach Informationen des SPIEGEL etikettieren sie den Atom- oder Kohlestrom einfach in Ökostrom um.
Wie das geht? Ein Stromversorger kauft Strom an der Börse, etwa aus dem AKW Krümmel, für 7 Cent je Kilowattstunde. Den veredelt er dann mit einem Ökozertifikat eines norwegischen Wasserkraftwerks, was ihn lediglich noch mal 0,05 Cent pro Kilowattstunde kostet. Seinen Graustrom darf er dann als Ökostrom verkaufen. Der norwegische Betreiber muss im Gegenzug die entsprechende Menge seines Ökostroms dann in konventionell erzeugten Strom umetikettieren. Diesen für Stromkunden in etlichen europäischen Ländern wenig transparenten Tausch ermöglicht das "Renewable Energy Certificate System" (RECS).
Ein Trick, der nach Meinung von Thorsten Kasper überhaupt erst ermöglicht, dass ganze Städte auf einen Schlag angeblich komplett mit Ökostrom versorgt werden.”

Zitatende

Umweltzertifikate wie ISO 14001 und EMAS,
werden durch einen solchen gezielten Missbrauch diskreditiert und stellen sich selbst und die damit häufig verbundene, auswuchernde Bürokratie in Frage. Nach der teuren Zertifizierung ist dann immer auch vor der nächsten Zertifizierung und alles zum Wohlgefallen einer zunehmend mächtiger werdenden Zertifizierungsindustrie. Irgendwann werden die umweltbelastenden Firmen mit "Ökozertifikat" ihre Aktien, dann auch als Ökoaktien, als so genannte grüne Geldanlage verkaufen. Wenn in den AKWs Tschernobyl und Harrisburg und in den Chemieanlagen von Union Carbide in Bhopal und Ciba in Seveso der Müll sauber getrennt, Orchideen gepflegt und ein Umweltmangagement erstellt worden wäre, hätte einer Zertifizierung nach ISO 14001 oder EMAS sicher nichts im Wege gestanden.

Eine kritische Debatte zum offensichtlichen Missbrauch
von Umweltzertifikaten wie EMAS und ISO 14001, zu Greenwash, zunehmender Bürokratie und neuen Durchsetzungsstrategien der Umweltzerstörer, gibt es in der Umweltbewegung leider nur in Ansätzen.

Wie es enden könnte,
wenn wir derartige Manipulationen zulassen und akzepzieren hat George Orwell im Roman »1984« eindrucksvoll beschrieben. Die drei Leitsätze der von Orwell beschriebenen Gedankendiktatur waren: »Krieg ist Frieden«, »Freiheit ist Sklaverei«, »Unwissenheit ist Stärke«. Von Umweltzertifikaten für Umweltverschmutzer wusste Georg Orwell noch nichts.

Axel Mayer (Der Autor ist BUND - Geschäftsführer in Freiburg und Vizepräsident des Trinationalen Atomschutzverbandes in Basel)


Hintergrundinformation zu Lug und Trug bei Umweltzertifikaten am Beispiel der Urenco:


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Dieser Artikel wurde 712 mal gelesen und am 29.2.2008 zuletzt geändert.