Kein AKW in Wyhl / Kein Atomkraftwerk im Wyhler Wald / Erfolgreicher Protest & Widerstand
Veröffentlicht am 12.03.2026 in der Kategorie Atomkraft von Axel Mayer
1975-2025 50 Jahre: Kein AKW / KKW in Wyhl / Kein Atomkraftwerk im Wyhler Wald, erfolgreicher Protest & Widerstand
Unten auf dieser Seite finden Sie eine kurze und eine lange aktuelle Zusammenfassung zum erfolgreichen Widerstand gegen das AKW Wyhl. Sie finden hier auch viele Fotos und Materialien zum erfolgreichen Protest im Wyhler Wald.
Vorab: Informative Einzelbeiträge zum AKW Wyhl Protest
(Kurztext)Kein AKW in Wyhl! 50 Jahre nach der Bauplatzbesetzung / Eine kurze Zusammenfassung
Am 18. Februar 1975, vor fast genau 50 Jahren, wurde im Wyhler Wald Geschichte geschrieben. Es war der Tag des Baubeginns für die geplanten Atomkraftwerke der Badenwerk-AG in Wyhl. Männer und Frauen stellten sich mit ihren Kindern vor die Baumaschinen und brachten diese zum Stillstand. Ein Fenster der Möglichkeiten hatte sich am Oberrhein geöffnet und beherzte Menschen ergriffen die Chancen, die ein solches geschichtliches "window of opportunity“ bietet. Wenige Tage zuvor hatten die badisch-elsässischen Umweltaktiven erfahren, dass die illegale Bauplatzbesetzung gegen ein extrem umweltvergiftendes Bleiwerk im benachbarten elsässischen Marckolsheim von Erfolg gekrönt war.
Nach der ersten Bauplatzbesetzung in Wyhl folgten die Räumung durch die Polizei, die Wiederbesetzung und ein langer rechtlicher und politischer Streit nach der Beendigung der Besetzung. Erst 1994, acht Jahre nach der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl, wurden die Baupläne für die Atomkraftwerke in Wyhl endgültig beendet und seit dem 20. Februar 1998 ist der Wyhler Wald Naturschutzgebiet.
Die frühen ökologischen Wyhl-Proteste waren nicht nur das erfolgreiche "NAI HÄMMER GSAIT" zur Atomkraft und der Beginn einer politischeren Umweltbewegung. Es war mit den Sonnentagen in Sasbach auch das "JA" und ein Startschuss für die erfolgreichen zukunftsfähigen Energien, ein "JA" für ein grenzenloses Europa der Menschen und ein Höhepunkt grenzüberschreitend-alemannischer Regionalkultur. Auf dem besetzten Platz entstand mit der Volkshochschule Wyhler Wald eine neue Form alternativer Bildungsarbeit. Das Erfolgskonzept der Proteste war die heute unvorstellbare gesellschaftliche Breite und Vielfalt der Bewegung. Da waren Kaiserstühler Winzerinnen und Freiburger Freaks, wertkonservative Landfrauen und dörfliche Honoratioren. Linke Studierende debattierten mit evangelischen Pfarrern. Das war nicht immer harmonisch. Der Konflikt um Wyhl stand auch für einen Streit um Demokratie in einer bleiernen Zeit, mit verkrusteten politischen Nachkriegsstrukturen und einem Ministerpräsidenten Hans Filbinger als Gegner, der in der Nazi-Zeit als Marinestabsrichter Todesurteile zu verantworten hatte. Die damalige junge Umweltbewegung war auch in politisch und ökologisch düsteren Zeiten hoffnungsfroh und optimistisch.
Nach Wyhler Vorbild folgten die erfolgreichen Bauplatzbesetzungen in Kaiseraugst(CH) und Gerstheim(F). Es begann der große, erfolgreiche Streit einer politischeren Umweltbewegung gegen die damals übliche, heute in dieser Form nicht mehr vorstellbare Vergiftung und Belastung von Wasser und Luft. Mit den erfolgreichen AKW-Bauplatzbesetzungen und der Verhinderung des extrem luftverschmutzenden Bleiwerks in Marckolsheim, mit den Kämpfen für eine saubere Wutach in Neustadt und für einen reinen Rhein in Kunheim und mit Demos und Aktionen gegen das Waldsterben 1.0 begann nicht nur am Oberrhein der Niedergang der "guten, alten, offenen, sichtbaren Umweltverschmutzung". Luft- und Wasserreinigungsanlagen wurden gebaut, Kraftwerke entstickt und entschwefelt, Autos bekamen Katalysatoren, FCKW, Asbest und oberirdische Atomtests wurden verboten und die zukunftsfähigen Energien begannen ihren langsamen Aufschwung.
Heute, 50 Jahre nach der Bauplatzbesetzung, nach Tschernobyl und Fukushima, sind die letzten deutschen Atomkraftwerke abgestellt. Strom aus Wind und Sonne ist um ein Vielfaches kostengünstiger als Strom aus neuen AKW und der Ökostromanteil in Deutschland lag 2024 bei 63 Prozent. Dennoch wird von Parteien und Lobbyisten erneut das alte Märchen des letzten Jahrhunderts von den billigen, 100 % sicheren, atommüllfressenden Atomkraftwerken erzählt. Dies passt gut zum aktuellen, politischen Rollback ins letzte Jahrhundert.
Im Wyhler Wald begann 1975 ein neues, wichtiges Kapitel im immerwährenden Streit für menschengerechten Fortschritt und für eine menschenfreundliche, nachhaltige Zukunft.
Axel Mayer, ehemaliger Bauplatzbesetzer, (Alt-)BUND-Geschäftsführer
(Langtext) Kein Atomkraftwerk in Wyhl! 50 Jahre nach der Bauplatzbesetzung
Nicht autorisiertes Vorwort meines verstorbenen Freundes Walter Mossmann, Liedermacher, Autor, Wyhl- und Gorleben Aktivist „Es gibt 28.000 Wyhl-Erzählungen, die alle voneinander abweichen, weil jeder, der damals dabei war, seine eigene Erzählung hegt und pflegt und abwandelt und anpasst an seine neuen Ideen und an seine Tagesform. Aber wenn Leute auftreten und eine angeblich verbindliche, weil angeblich wahre und wissenschaftlich erhärtete Wyhlerzählung zum Besten geben, dann sträuben sich bei mir die Nackenhaare. Dann wird ganz gewiss in irgend eine Richtung ideologisiert. Da wird dann beispielsweise eine linke Geschichte draus oder eine ganz gemütliche Kaiserstühler Dorfgeschichte oder eine religiöse oder eine typisch deutsche oder eine typisch grüne – alles Quatsch. Man muss alle 28.000 Geschichten gleichzeitig anhören, dann kriegt man aus dem chaotischen Gesumm und Gequiecke und Gekreisch eine Ahnung davon, was damals wirklich abging.“
Eine Variante dieser 28.000 Wyhl-Erzählungen von Axel Mayer
Am 18. Februar 1975, vor 50 Jahren, wurde im Wyhler Wald Geschichte geschrieben. Es war der Tag des Baubeginns für die geplanten Atomkraftwerke der Badenwerk-AG in Wyhl. Männer und Frauen stellten sich mit ihren Kindern vor die Baumaschinen und brachten diese zum Stillstand. Ein Fenster der Möglichkeiten hatte sich am Oberrhein geöffnet und beherzte Menschen ergriffen die Chancen, die ein solches geschichtliches "window of opportunity“ bietet. Wenige Tage zuvor hatten die badisch-elsässischen Umweltaktiven erfahren, dass die illegale Bauplatzbesetzung gegen ein extrem umweltvergiftendes Bleiwerk im benachbarten elsässischen Marckolsheim von Erfolg gekrönt war.
Nach der ersten Bauplatzbesetzung in Wyhl kam die Räumung durch die Polizei. Am 23. Februar 1975 folgte auf eine Großkundgebung mit 28.000 Menschen die Wiederbesetzung. Danach kam ein langer rechtlicher und politischer Streit und eine Beendigung der Besetzung. Erst 1994, acht Jahre nach der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl, wurden die Baupläne für die Atomkraftwerke in Wyhl endgültig beendet und seit dem 20. Februar 1998 ist der Wyhler Wald Naturschutzgebiet.
Apropos Tschernobyl und Fukushima. In den Broschüren der AKW-Betreiber stand damals: „Nimmt man an, dass sämtliche Sicherheitseinrichtungen eines Kernkraftwerkes nicht funktionieren, dann würde dies mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:1 Mrd. pro Jahr passieren.“ Die damaligen alten Lügengeschichten werden uns heute, im Jahr 2025 von Atomlobbyisten erneut erzählt.
Die frühen ökologischen Wyhl-Proteste waren nicht nur das erfolgreiche "NAI HÄMMER GSAIT" zur Atomkraft und der Beginn einer politischeren Umweltbewegung. Es war mit den Sonnentagen in Sasbach auch das "JA" und ein Startschuss für die erfolgreichen zukunftsfähigen Energien, ein "JA" für ein grenzenloses Europa der Menschen und ein Höhepunkt grenzüberschreitend-alemannischer Regionalkultur.
Eine Vielzahl elsässischer, badischer und Schweizer Künstlerinnen und Künstler, eine "Alemannische Internationale", traten bei Demos, Aktionen und im Rahmen des Programms der Volkshochschule Wyhler Wald auf. HAP Grieshaber erstellte Plakate und stellte sie den Bürgerinitiativen zur Verfügung. Bücher, Zeitschriften, Flugblätter, Plakate, Aufkleber, Schallplatten und Liederbücher entstanden und es wurde viel gesungen bei Demos und auf den besetzten Plätzen.
Mit derVolkshochschule Wyhler Wald entstand eine neue Form alternativer Bildungsarbeit. Prägende Kunst- und Kulturschaffende in dieser breiten trinationalen und häufig auch alemannischen Protestbewegung waren u.a. Walter Mossmann, Andre Weckmann, Rene Egles, Buki (Roland Burkhart), Ernst Born, François Brumpt, Karl Meyer, Meinrad Schwörer, Roland Engel, die Blaskapelle "Rote Note", der Männergesangverein Weisweil, die „Kaiserstühler Nachtigallen“, Ernst Schillinger, la Rue de Dentelles, Roger Siffer, Francis Keck ... und die lange Liste ist unvollständig. Viele Künstlerinnen und Künstler traten auch direkt bei Kundgebungen und Aktionen auf. Wenn Kulturschaffende so intensiv in politische Bewegungen eingebunden sind, dann „zivilisiert“ das auch den Protest und hilft Übertreibungen, Fehlentwicklungen und Engstirnigkeit zu verhindern.
Der Begriff "Heimat" wurde endlich entstaubt, erstmals nach dem Krieg von tümelnden Klischees befreit und weltoffen und tolerant definiert. "Heimat" war für viele Aktiven etwas trinational Grenzüberschreitendes. Ein gutes Beispiel ist die demokratische Weiterentwicklung des chauvinistischen Liedes "Die Wacht am Rhein".
Das Erfolgskonzept der Proteste war die heute unvorstellbare gesellschaftliche Breite und Vielfalt der Bewegung. Da waren Kaiserstühler Winzerinnen und Freiburger Freaks, wertkonservative Landfrauen und dörfliche Honoratioren. Linke Studierende debattierten mit evangelischen Pfarrern. Es ist nicht immer harmonisch, wenn so unterschiedliche politische Ideen und unterschiedliche Lebensentwürfe aufeinander treffen. Bereichernd ist es auf jeden Fall.
Der Konflikt um Wyhl stand auch für einen Streit um Demokratie in einer bleiernen Zeit mit verkrusteten politischen Nachkriegsstrukturen und einem Ministerpräsidenten Hans Filbinger als Gegner, der in der Nazi-Zeit als Marinestabsrichter Todesurteile zu verantworten hatte. Von ihm, dem damaligen Ministerpräsidenten des Landes, stammt der berühmte Satz: „Ohne das Kernkraftwerk Wyhl werden zum Ende des Jahrzehnts in Baden-Württemberg die ersten Lichter ausgehen.“ Die politische Karriere Filbingers war bis zum Wyhl-Konflikt steil verlaufen. Doch der Wyhl-Protest, insbesondere aber seine Tätigkeit als Marinerichter im Nationalsozialismus wurde ihm zum Verhängnis. Eine von Walter Mossmanns berühmten Balladen war die vom fahnenflüchtigen Matrosen Walter Gröger, an dessen Hinrichtung der Marinerichter 1945 maßgeblich beteiligt war: "Den heimwehkranken Matrosen traf zehnmal die Kugel aus Blei. In sauber gebügelten Hosen stand Herr Filbinger aufrecht dabei." Im August 1978 trat Filbinger zurück. Was die Umwelt-Aktiven und die Zeit um 1975 von heute unterscheidet: Die damalige junge Umweltbewegung war auch in politisch und ökologisch düsteren Zeiten hoffnungsfroh und optimistisch.
Bauplatzbesetzung, das schreibt sich mit 50 Jahren Abstand und einsetzender Vergangenheitsverklärung so einfach. Doch diese Bauplatzbesetzungen bedeuteten auch Debatten und heftigen Streit, kontroverse Menschen und Meinungen, Angst vor der polizeilichen Räumung, Aktionen, Demovorbereitungen, Plakataktionen, Flugblattschreiben, Polizeigewalt, Freund- und Liebschaften, viele, viele gebackene Kuchen, Matsch, Regen, knöcheltiefer Schlamm und nasse, kalte Winter im Strohlager und Zelt.
Frauen spielten im aktiven Widerstand eine wichtige Rolle, eine Rolle die nicht unbedingt dem Geschlechterverständnis der 70er Jahre am konservativen Kaiserstuhl und im Elsass entsprach.
Nach Wyhler Vorbild folgten die erfolgreichen Bauplatzbesetzungen in Kaiseraugst(CH) und Gerstheim(F). Doch auch kleine „Revolutionen“ lassen sich nicht so einfach exportieren. In Brokdorf und Grohnde ließen sich die badisch-elsässisch-schweizerischen Erfolge nicht wiederholen. Das "window of opportunity“ hatte sich geschlossen und wurde später erst in Gorleben und Wackersdorf wieder geöffnet.
Dennoch führte der erfolgreiche Wyhl-Protest zu einem Erwachen einer damals neuen, jungen politischen Umweltbewegung. Es begann der große, erfolgreiche Streit gegen die damals übliche, heute in dieser Form nicht mehr vorstellbaren Vergiftung und Belastung von Wasser und Luft. Flüsse waren damals noch stinkende Kloaken, Kinder in der Umgebung von Verbrennungsanlagen litten an Pseudokrupp, in der Umgebung deutscher Bleichemiewerke starben die Kühe an Bleivergiftung. Auch oberirdische Atomwaffentests waren noch üblich. Baggerseen wurden mit Giftmüll verfüllt und der Schweizer Atommüll noch im Meer versenkt. Es war die unkritisch-technikbesoffene Nachkriegszeit, in der, trotz des Konzernwissens um die Gefahren, noch hemmungslos Asbest verbaut wurde. Und wie so manches in der Geschichte kommt eine konzerngelenkt-unkritisch-technikbesoffene Zeit leider gerade wieder.
Mit den erfolgreichen AKW-Bauplatzbesetzungen und der Verhinderung des extrem luftverschmutzenden Bleiwerks in Marckolsheim, mit den Kämpfen für eine saubere Wutach in Neustadt und für einen reinen Rhein in Kunheim und mit Demos und Aktionen gegen das Waldsterben 1.0begann nicht nur am Oberrhein der Niedergang der "guten, alten, offenen, sichtbaren Umweltverschmutzung". Luft- und Wasserreinigungsanlagen wurden gebaut, Kraftwerke entstickt und entschwefelt, Autos bekamen Katalysatoren, FCKW, Asbest und oberirdische Atomtests wurden verboten und die zukunftsfähigen Energien begannen ihren langsamen Aufschwung.
Der Wyhl-Protest war nicht nur das kämpferische"Nai hämmer gsait", sondern auch das Ja zu damals absolut neuen und exotischen Dingen wie Solar- und Windenergie bei den ersten Sonnentagen in Sasbach. Im Sommer 1976 veranstalteten einige Aktive des Bund für Umwelt und Naturschutz gemeinsam mit den Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen die deutschlandweit erste und größteAusstellung zu alternativen Energien in Sasbach am Kaiserstuhl. Der Widerstand gegen das im Nachbardorf Wyhl geplante AKW Wyhl war den Aktiven nicht genug, es galt auch Alternativen zur Atomenergie aufzuzeigen. Aus heutiger Sicht war es eine kleine, ja geradezu winzige Ausstellung alternativer Energien. Aber gerade dieses "aus heutiger Sicht" zeigt den unglaublichen Erfolg der damaligen Idee und der umgesetzten Vision. Wer hätte die unglaublichen Entwicklungen im Bereich alternativer Energien damals für möglich gehalten?
Heute, 50 Jahre nach der Bauplatzbesetzung, nach Tschernobyl und Fukushima, sind die letzten deutschen Atomkraftwerke abgestellt. Strom aus Wind und Sonne ist um ein Vielfaches kostengünstiger als Strom aus neuen AKW und der Ökostromanteil in Deutschland lag 2024 bei 63 Prozent. Dennoch wird insbesondere von rechten, liberalen und konservativen Parteien und Lobbyisten erneut das alte Märchen des letzten Jahrhunderts von den billigen, 100 % sicheren, „atommüllfressenden“ Atomkraftwerken erzählt. Dies passt gut zum aktuellen politischen Rollback ins letzte Jahrhundert.
Die frühen ökologischen Kämpfe in den 70er Jahren waren schwierig und mühsam und aus heutiger Sicht dennoch einfach, denn die Vergiftungen und Belastungen waren zumeist sichtbar, messbar und erkennbar. Heutige Kämpfe gegen den Klimawandel, die Artenausrottung, das unbegrenzte Wachstum, gegen das explosionsartige Wuchern des Kleinen und gegen die weltweite Verbreitung des zutiefst zerstörerischen "American Way of Live" sind schwieriger. Dennoch können wir aus den frühen Erfolgen Hoffnung und Kraft schöpfen.
Im Wyhler Wald begann 1975 ein neues, wichtiges Kapitel im immerwährenden Streit für menschengerechten Fortschritt und für eine menschenfreundliche, nachhaltige Zukunft.
Axel Mayer, ehemaliger Bauplatzbesetzer, (Alt-)BUND-Geschäftsführer
Kleine, wichtige Ergänzung:
In einer Rede am 19. November 2010 auf dem Bundesparteitag von Bündnis 90 / Die Grünen beschrieb Walter Mossmann erfrischend realistisch die Wyhler Besetzer und Besetzerinnen. "Was neu war: Auf den besetzten Plätzen in Marckolsheim, Wyhl oder Kaiseraugst trafen sich nicht mehr nur die üblichen Verdächtigen aus der linken Szene, auf die sich Polizei und Justiz längst eingeschossen hatten, vielmehr kamen dort Leute zusammen, die eigentlich gar nicht zusammen gehörten, deshalb ging es ja auch in Wyhl viel lustiger zu als bei den Parteimeetings der Moskau- oder der Peking-Kommunisten. Im Freundschaftshaus auf dem besetzten Platz in Wyhl trafen Winzergenossen und katholische Landfrauen auf eine Jugendgruppe der IG Metall aus NRW oder auf die Stuttgarter Gewerkschaftsopposition bei Daimler ("Plakatgruppe") mit Willi Hoss und Peter Grohmann, es trafen sich evangelische Pfadfinderinnen aus Heidelberg mit bündischen Jungs aus Hamburg und Grauen Panthern aus Westberlin, es kamen denkende Sozialdemokraten, die sich gerade mit Erhard Eppler gegen den Atompolitiker Helmut Schmidt aufrichteten, es kamen die Religiösen von den Anthroposophen bis zu den Zen-Buddhisten, dazwischen Linkskatholiken, Pfingstler, Basisgemeinden, orthodoxe Russen, reformierte Juden, laizistische Iraner, synchretistische und tolerante Brasilianerinnen, es kamen deutsche Männergesangsvereine, französische Feministinnen, geoutete Schwule, heimliche Heteros, Spontis, Maoisten, Trotzkisten, Anarchisten, Ornithologen, Vegetarier, Verteidiger des SED-Regimes, die absurderweise auf volkseigene Atomkraftwerke vom Typ Tschernobyl setzten, es kamen Leute vom Schwarzwaldverein, von den Vosges Trotter Colmar, von der Skizunft Brend, es kamen Pazifisten, Reserveoffiziere und die Schnapsnasen aus Webers Weinstuben, es kamen alte Leute, die ihre Ideen vom Naturschutz aus der nationalsozialistischen Erziehung mitbrachten, es kamen kritische Architekten, Mediziner, Pädagogen, Journalisten, frustrierte Orchestermusiker, grübelnde Polizisten, und sie trafen auf den Apotheker vom Kaiserstuhl, den Schmied, den Schreiner, die Ärztin, die Chemikerin, den Müller, den Fischereimeister, den Tabakbauer, die Winzerinnen, die Lehrer, die Pfarrer, und sie trafenWerner Mildebrath, den Elektriker aus Sasbach, der schon 1975/76 den Leuten seine Sonnenkollektoren aufs Dach setzte, denn die Bürgerinitiativen arbeiteten schon damals an erneuerbaren Energien, und sie organisierten 1976 die Sonnentage von Sasbach, als die Stuttgarter Regierung noch einfältig und doktrinär an das Perpetuum Mobile namens Atomkraft glaubte."
Noch(!) ungeordnete Materialsammlung zum Wyhl-Protest: Texte, Bilder, Plakate ...
NAI HÄMMER GSAIT - KEINE NEUEN ATOMKRAFTWERKE - 50 Jahre nach den Wyhl-Protesten
Über ein halbes Jahrhundert nach den Wyhl-Protesten und Jahrzehnte nach den schweren Atom-Katastrophen in Tschernobyl und Fukushima sind die AKW in Deutschland abgeschaltet und die Zahl der Atomkraftwerke nimmt weltweit ab. Strom aus Sonne und Wind ist schon lange viel kostengünstiger als Gefahrstrom aus Kohle und Atomkraft. Dennoch setzen eine marktradikale Atom-Lobby und die Atomparteien CDU, CSU, AfD und FDP immer noch auf die Hochrisikotechnologie und wollen neue kleine AKW bauen. Darum wurden 2026 (In Absprache mit dem Grafiker Hubert Hoffmann) von der Mitwelt Stiftung Oberrhein noch einmal 500 neue - alte NAI-Plakate gedruckt.
Kein AKW in Wyhl: Demo mit Meinrad Schwörer, Axel Mayer und vielen anderen
Wyhl Protest: Demo mit Balthasar Ehret (de Bälz) von der Fischerinsel und dem berühmten Transparent "Heute Fische morgen wir"
Volkshochschule Wyhler Wald: Eine von vielen Veranstaltungen auf den besetzten Plätzen in Wyhl und Marckolsheim Am Sonntag, den 23. Februar 1975 besetzten 28.000 Menschen den Wyhler Wald, das Gelände auf dem die Badenwerk AG zwei Atomkraftwerke bauen wollte. Das Gelände war jetzt dauerhaft besetzt. Nun galt es Menschen zu informieren und noch mehr Menschen dazu zu bewegen immer wieder auf den besetzten Bauplatz zu kommen. Einige Aktive gründeten aus diesem Grund die Volkshochschule Wyhler Wald, eine alternative Bildungseinrichtung. Ich selber erinnere mich an nächtelange Vorträge, Konzerte, Lesungen, Diskussionsrunden und viele, viele spannende Veranstaltungen... Der Sasbacher Solarpionier Werner Mildebrath installiert Lautsprecher bei einer AKW-Wyhl Demo.
Solange Fernex und Annemarie Sacherer bei einer Wyhl-Demo 1975 Frauen im Wyhl-Protest Frauen ( Lore Haag, Solange Fernex, Irmgard Schneider, Annemarie Sacherer ...) spielten im aktiven Widerstand eine wichtige Rolle, eine Rolle die nicht unbedingt dem Geschlechterverständnis der 70er Jahre am konservativen Kaiserstuhl und im Elsass entsprach. Eine später berühmt gewordene Besucherin des Wyhler Platzes war Petra Kelly.
(Hans Filbinger & AKW Wyhl: Plakat-Montage, aufgenommen auf dem Bauplatz des AKW Wyhl)
Das AKW Wyhl, Walter Mossmann & Hans Filbinger Eine von Walters berühmten Balladen ist die vom fahnenflüchtigen Matrosen Walter Gröger, an dessen Hinrichtung der Marinerichter und spätere Ministerpräsident Hans Filbinger 1945 maßgeblich beteiligt war: "Den heimwehkranken Matrosen traf zehnmal die Kugel aus Blei. In sauber gebügelten Hosen stand Herr Filbinger aufrecht dabei."
Wyhl-Protest: Erfolg oder Niederlage?
Mit den erfolgreichen AKW-Bauplatzbesetzungen in Wyhl, Kaiseraugst und Gerstheim und der Verhinderung des extrem luftverschmutzenden Bleiwerks in Marckolsheim, mit den Kämpfen für eine saubere Wutach in Neustadt und für einen reinen Rhein in Kunheim und mit Demos und Aktionen gegen das Waldsterben 1.0 begann auch am Oberrhein der Niedergang der "guten, alten, offenen, sichtbaren Umweltverschmutzung". Luft- und Wasserreinigungsanlagen wurden gebaut, Kraftwerke entstickt und entschwefelt, Autos bekamen Katalysatoren, DDT, FCKW und Asbest wurden verboten und die zukunftsfähigen Energien begannen ihren langsamen Aufschwung. Also eine Erfolgsgeschichte!? Es stellt sich die Fragen, warum sich seit diesen frühen Kämpfen die regionale und globale Artenausrottung und der Klimawandel beschleunigt haben, warum die Meere vermüllen und die diffusen Belastungen zunehmen? Das hat schlicht mit der Explosion des deutschen und des globalen Bruttoinlandsproduktes zu tun. 1975, zur Zeit der Wyhler Bauplatzbesetzung, lag das deutsche Bruttoinlandsprodukt bei 552 Mrd. Euro. Im Jahr 2021 hat es schon 3564 Mrd. Euro erreicht. Die Produktionsprozesse wurden sauberer und die schmutzigen Fabriken (leider) ins Ausland verlagert. Das scheinbar unbegrenzte Wachstum im begrenzten System Deutschland brachte mehr Konsum, Handys, Plastik, Müll, Autos, PS, Strassen, SUVs, Rüstung, Flüge, Wohnraum, Agrargifte wie Neonicotinoide, Agrarfabriken, Urlaubsfabriken, Flächenverbrauch, Straßenbau, gigantische Bildschirme, Regenwaldvernichtung für deutschen Konsum, energiefressende Bitcoins und mehr soziale Ungleichheit... Die frühen Erfolge gegen die "gute, alten, offene, sichtbare Umweltverschmutzung" werden schlicht vom unbegrenzten Wuchern des Kleinen aufgefressen und dieses Wachstum bringt der Mehrzahl der Menschen nicht einmal mehr Glück und Zufriedenheit.
Wyhl-Protest & Sonnentage in Sasbach: Die erste Solar-Ausstellung 1976 Entnommen aus "Solare Zeiten - die Karriere der Sonnenenergie" von Bernward Janzing
"HEUTE TANNEN, MORGEN WIR".
Das alte Wyhl-Plakat von Hubert Hoffmann zeigt die Zusammenhänge zwischen Anti-Atom- und Klimaschutzbewegung. Die erfolgreichen, frühen Protesten 1974 gegen das geplante, extrem luftverschmutzende Blei-Werk im elsässischen Mackolsheim stärkten die Bewegung gegen das AKW-Wyhl. Jahre später engagierten sich Marckolsheim-Wyhl-Aktive gegen das Waldsterben 1.0. Auch in diesen frühen Kämpfen liegen Wurzeln der heutigen Klimaschutzbewegung.
AKW Wyhl und eine Plakat-Kritik am damaligen "Bürgerdialog Kernenergie"
KKW und (Bürgermeister) Zimmer - Dafür sind wir immer Selbstverständlich gab es in Wyhl auch eine starke "KKW-Ja-Gruppe". Immerhin waren den kleinen Dorf ein Schwimmbad, eine Umgehungsstrasse, hohe Gewerbesteuern und Arbeitsplätze versprochen worden. Nach Tschernobyl und Fukushima haben viele "Ja-ler" ihre Meinung geändert.
Wyhler Atom-Propaganda Hier ein Auszug aus einer Broschüre die damals verteilt wurde. Sie erinnert stark an heutige Broschüren mit denn für neue AKW und Thorium-Reaktoren geworben wird:
Broschüre der HEW/NWK 1973: 66 Fragen 66 Antworten. Zum besseren Verständnis der Kernenergie Frage 42: Sind Kernkraftwerke sicher? Antwort: Ja. Kernkraftwerke sind sicher. (...) Der Technische Überwachungsverein hat einmal ausgerechnet, dass die Eintrittswahrscheinlichkeit für den sogenannten „Größten anzunehmenden Unfall“ (GAU), das heißt eines hypothetischen Unfallablaufes, für den jede Kernkraftanlage ausgelegt ist, 1:100 000 pro Jahr beträgt. Mit anderen Worten: Hätte der bekannte König Cheops aus der 4. altägyptischen Dynastie statt der von ihm errichteten Pyramide 20 große Kernkraftwerke gebaut und diese wären bis heute in Betrieb gewesen, dann müsste man damit rechnen, dass sich seither einmal ein solcher Unfall hätte ereignen können. Die Auswirkungen dieses Unfalls wären überdies so gewesen, dass jedermann am Kraftwerkszaun tagaus tagein hätte zuschauen können, ohne dabei mehr als die zulässige Strahlendosis zu empfangen. Nimmt man an, dass sämtliche Sicherheitseinrichtungen des Kernkraftwerkes nicht funktioniert hätten, dann wäre dies mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:1 Mrd. pro Jahr passiert. Das bedeutet, dass die Vormenschenaffen im Alt-Tertiär vor 50 Millionen Jahren besagte 20 Kernkraftwerke hätten bauen und seither betreiben müssen, dann hätte man einen solchen Unfall vielleicht einmal registrieren können."
In den alten Pro-Atombroschüren wurden die Möglichkeiten der Stromversorgung ohne Kohle und Atom gezielt mit scheinwissenschaftlichen Argumenten heruntergespielt. So stand in der Broschüre "Fragen und Antworten zur Kernenergie":
Frage: Welche Bedeutung kommt der Sonnenenergie in der Bundesrepublik zu? Antwort: (...) Äußerst unwahrscheinlich ist dagegen, dass die Sonnenenergie bei uns für die Elektrizitätserzeugung genutzt eingesetzt wird. (...) Die direkte Nutzung der Sonnenenergie wird für unsere Energieversorgung keine bedeutende Rolle spielen.(...)
Ökostrom deckte im Jahr 2020 fast die Hälfte des Stromverbrauchs ab. Den größten Beitrag dazu leisteten Windkraftanlagen – vor allem an Land. On- und Offshore-Anlagen kamen gemeinsam auf einen Anteil von 27,4 Prozent. Photovoltaik deckte 9,7 Prozent. Die übrigen 12,2 Prozent entfielen auf Biomasse, Wasserkraft und sonstige Erneuerbare.
Auch aus dem erfolgreichen „NAI hämmer gsait“ der Bauplatzbesetzungen in Marckolsheim (F), Wyhl (D), Gerstheim (F) und Kaiseraugst (CH) und aus dem zeitgleichen „JA hämmer gsait“ der Sonnentage in Sasbach] und den Anfängen der Umweltbewegung entwickelte sich nach und nach ökologischer, menschengerechter Fortschritt. Die Umweltbewegung am Kaiserstuhl stand auch für den Kampf für die zukunftsfähigen Energien, die von Lobbyisten 50 Jahre lang aggressiv bekämpft wurden.
Medien schauen im Rückblick zumeist auf die demonstrierenden Landwirte Vergessen wird häufig die wichtige Rolle Freiburger Initiativen im Protest. Gerade von Freiburger Studierenden und AkademikerInnen wurden viele Argumente geliefert und ein intensiver Schriftverkehr mit Behörden und Politik geführt.
Wichtige Freiburger Gruppen: * "Aktionsgemeinschaft gegen Umweltgefährdung durch Atomkraftwerke e.V." * Die am 9. November 1970 gegründete "Aktion Umweltschutz, Vorläufer des "BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein" in Freiburg (In dieser Geschichtsphase wurden aus "Nur-Naturschutzverbänden" politische "Umwelt- und Naturschutzverbände") * GAF "Gewaltfreie Aktion Freiburg"
Dazu kamen auch linke und rechte Initiativen wie K-Gruppen und der "Weltbund zum Schutz des Lebens", die aber keinen großen Einfluß hatten.
Brückenbesetzung auf der alten Pontonbrücke in Sasbach: Gegen das Bleiwerk in Marckolsheim und das AKW in Wyhl
Einschub: Von ungewollten GRÜNEN Vaterschaften... Im Konflikt um das geplante AKW gab es bei uns Bürgerinitiativlern auch die Überlegung, einen Menschen als Vertreter in den Landtag zu bringen. Die "Schwarzen" kamen nicht in Frage, denn sie waren für´s AKW und die "Roten" kamen am schwarzen Kaiserstuhl nicht so richtig in Frage.Herr Dr. Schött, Endinger Apotheker und ein wichtiger Vertreter der Bürgerinitiativen, war bereit, den Weg ins Parlament über die FDP zu machen. Auf seinen Wahl-Plakaten stand aber kein Partei-Logo, sondern nur „Dr. Hans Erich Schött – Bürgerinitiative“. Und er wurde tatsächlich gewählt, auch ohne Partei-Logo. Staunend stellten wir damals fest, dass es möglich war als Umweltschützer in den Landtag zu kommen und dieser ungewöhnliche FDP-Umweg war auch ein Impuls, eine Umweltpartei zu gründen. Die Geschichte kennt nicht nur gerade Wege. 1976 wurde Herr Dr. Schött in den Landtag gewählt und 1980 wurden die GRÜNEN gegründet.
AKW-Wyhl-Chronik
Der Umweltbote (aus einem alten Infoblatt der Bürgerinitiativen)
Eine (alte) Information der BADISCH - ELSÄSSISCHEN BÜRGERINITIATIVEN
AKW - KKW - Wyhl Chronik: Der Widerstand im Wyhler Wald
Was geschah bisher um Wyhl
Bereits im Mai 1972 wird mit linksrheinischen Atomkraftgegnern ein Protestmarsch gegen das geplante Atomkraftwerk in Fessenheim durchgeführt.
Im September 1972 formiert sich der Widerstand der Kaiserstühler Winzer gegen den geplanten Standort eines Atomkraftwerks bei Breisach. 560 landwirtschaftliche Fahrzeuge demonstrieren mit Transparenten und Sprüchen wie "Lieber heute aktiv, als morgen radioaktiv" und "Kein Ruhrgebiet am Oberrhein".
Im Oktober 1972 werden 65.000 Einsprüche gegen das geplante Atomkraftwerk bei Breisach im Landratsamt Freiburg hinterlegt. Anhörungstermin/Breisach.
Am 19. Juli 1973 wird durch den Rundfunk erstmals der neue Standort eines Atomkraftwerkes - Wyhl - bekannt. Spontan bilden sich in Wyhl, Weisweil, Endingen und anderen Orten am nördlichen Kaiserstuhl Bürgerinitiativen. Umfassend informieren sich die betroffenen Bürger über Klimaveränderungen, vermehrte Nebelbildung, Grundwasserabsenkung, über Funktionsweise und Sicherheitsprobleme beim Betrieb von Atomkraftwerken. Die Badenwerk AG informiert inzwischen mit kostenlosen Informationsfahrten (Kaffeefahrten) auf andere Weise die Bevölkerung. Pro- und Contra Diskussionen verstärken nur den Widerstand in der Bevölkerung.
Wyhl Protest
Im April 1974 werden im Landratsamt Emmendingen 96.000 Unterschriften abgegeben.
Juli 1974: Erörterungstermin in der Turnhalle in Wyhl.
Juli 1974: Bekanntgabe des Standortes für ein Bleichemiewerk der Chemischen Werke München (in der Bundesrepublik sind die Umweltauflagen zu hoch) in Marckolsheim/Elsaß, direkt gegenüber von Sasbach/Rhein.
25. August 1974. Zusammenschluß deutscher und französischer Umweltschützer und Gründung des Internationalen Komitees der 21 Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen. Gemeinsame Aktionen der Badisch-Elsässischen Bürger. Über 3000 Menschen beim Sternmarsch zum geplanten Standort in Wyhl, über 4000 Menschen beim Demonstrationszug unter Glockengeläute, gegen das Bleichemiewerk in Marckolsheim.
Verstärkte Information und Diskussion in allen Ortschaften links und rechts des Rheins.
Oktober 1974: Der Badische Weinbauverband und der Landwirtschaftliche Hauptverband melden verstärkt Bedenken gegen das Bleichemiewerk und das Atomkraftwerk an.
Dezember 1974: 700 Kaiserstühler warten erfolglos drei Stunden im Regen vor dem Stuttgarter Landtagsgebäude, um Wirtschaftsminister Eberle ihre Bedenken vorzutragen.
Januar 1975: Verhöre und Hausdurchsuchungen. Das Wirschaftsministerium genehmigt den Bau eines Atomkraftwerkes in Wyhl.
Stellvertretend für alle Bürger der Region erheben 10 betroffene Bürger und 4 Gemeinden Klage.
Februar 1975: Schon früh dringen Nachrichten aus den französischen Behörden, dass die Regierung den Bau der umweltvergiftenden deutschen Fabrik verbieten könnte. Mitte Februar 1975 werden aus Gerüchten Gewissheit. Die Freude bei den Aktiven ist unbeschreiblich und die Marckolsheimer Besetzung wird am 15. Februar beendet. Am 25. Februar 1975 untersagt die französische Regierung der deutschen Firma CWM offiziell die Errichtung der Bleifabrik in Marckolsheim. Doch zu diesem Zeitpunkt hat sich die Situation im 4 Kilometer entfernten Wyhl schon massiv zugespitzt.
Februar 1975: Baubeginn in Wyhl. In letzter Verzweiflung stellen sich am 18. Februar Männer und Frauen mit ihren Kindern vor die Baumaschinen und bringen diese zum Stillstand, um ihre bedrohte Heimat zu schützen.
Erste Räumung des Platzes durch die Polizei am 20. Februar mit Hundestaffeln und Wasserwerfern. Mit Panzerdraht wird das Gelände eingezäunt.
Täglich stehen Tausende ohnmächtig am Stacheldraht.
Nach einer Kundgebung am Sonntag, den 23. Februar 1975, an der laut polizeilichen Angaben 28.000 Menschen teilnehmen, überwinden Kundgebungsteilnehmer die Barrikaden mit bloßen Händen.
Die Polizei verläßt unter Wahrung der Verhältnismäßigkeit der Mittel den Platz.
Somit wird der Platz wieder besetzt und ist in den Händen der Bevölkerung.
Das Freundschaftshaus im Wyhler Wald wird errichtet.
Die Volkshochschule Wyhler Wald wird gegründet.
Schadensersatzforderungen, Berufsbehinderungen, Stromabschaltungen, Telefonüberwachungen, Anzeigenkampagnen sollen die Bevölkerung einschüchtern.
Im Sommer 1975 erste Kontakte mit der Landesregierung (CDU Fraktionsvorsitzender L. Späth).
November 1975 verlassen die Bürgerinitiativen den Platz, der nun von den Bürgerinitiativen, der Landesregierung und der KWS gemeinsam bewacht wird; dies als Voraussetzung für die Verhandlungen mit der Landesregierung.
31. Januar 1976: nach vier Verhandlungsrunden kommt die "Offenburger Vereinbarung" der Bürgerinitiativen mit der Landesregierung Baden-Württemberg zustande, die mit großer Skepsis von den Bürgerinitiativen angenommen wird.
Der Verlauf des Jahres 1976 wird vom ,,Burgfrieden" um Wyhl geprägt. Es werden neue beidseitig vereinbarte Gutachten erstellt, welche Ende des Jahres erörtert werden. Im Anschluß daran beginnt im Januar 1977 in Herbolzheim die Hauptverhandlung des Wyhl-Prozesses vor dem Freiburger Verwaltungsgericht. 10 Tage lang stehen 50 Pro-Gutachter und Kernenergiebetreiber, sowie drei Kernenergiekritiker dem Gericht vor viel Publikum Rede und Antwort.
Anfang April 1977 bescheidet das Gericht in Freiburg, daß der Atomkraftwerksbau wegen eines fehlenden Berstschutzes unzulässig sei.
Die erneute Ruhephase wird zur Ausarbeitung von neuen Gutachten genutzt.
Wyhl Protest
1977 erste Sonnenenergieausstellung in Sasbach.
Die im Freundschaftshaus im Wyhler-Wald ins Leben gerufene Volkshochschule Wyhler Wald wirkt in den Ortschaften im Umkreis von 50 km um Wyhl weiter.
März 1979: aus Solidarität mit den Gorlebener Bauern demonstrieren über 2000 Menschen in Sasbach (über 100 Traktoren)
Sonderzug der Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen zum Gorleben-Treck nach Hannover.
30. Mai 1979: Beginn des Wyhl-Prozesses vor dem VGH in Mannheim. Befangenheitsanträge gegen 2 Richter wegen "konspirativer" Beweiserhebung im Hiltonhotel in San Francisco.
Besorgter Brief zum Wyhl-Prozeß von 22 Pfarrern des Ev. Kirchenbezirks Emmendingen. Zu allen Prozeßterminen fahren die Kaiserstühler in mehreren Bussen.
1980: Bürgerinitiativen und klagende Gemeinden fordern, daß die Mannheimer Wyhlverhandlungen in Weisweil fortgesetzt werden.
VGH lehnt ab.
Spätjahr 1981: letzte Plädoyers. Gericht weist alle Beweisanträge und Befangenheitsanträge der Kläger ab.
30. März 1982 verkündet der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim das Urteil, das den Betreibern den Baubeginn zuläßt/ freigibt. Spontane Kundgebungen und Sorge, dass jetzt doch noch mit dem Bau des AKW begonnen wird
Winter 1982-1983: Hubert Hoffmann entwirft das "Nai hämmer gsait" Plakat. Das Plakat gehört in die Mobilisierungsphase gegen die drohende Wiederaufnahme der Bauarbeiten in Wyhl 1982/83, genauso wie "S'Weschpenäscht" (April 1982) und unzählige Aktivitäten in den Dörfern und Städten der Region
Im Jahr 1983: Gespräche der Ministerpräsidenten mit den regionalen Politikern und dem Weinbau- und Bauernverband.
März 83: 45.000 Einsprüche während einer Unterschriftensammlung gegen die sogenannte Baulinie 80.
Juli 83: über 300 Widersprüche gegen das Wasserrechtsverfahren.
Bekanntgabe eines geheimen Einsatzplanes der Polizei bei einem eventuellen Baubeginn in Wyhl. Danach herrscht große Unruhe in der Bevölkerung.
Hans Filbinger und Wyhl Protest
Am 30. August 1983 sagt Ministerpräsident Späth: "Der Zeitdruck für Wyhl ist weg." (Zitat)
Aufatmen der Bevölkerung. Trotzdem bleibt die Region hellwach.
Anläßlich der Aktionstage am 18. September 1983 wird ein symbolischer Bündnispakt zwischen Schweizer-, Badener-, und Elsässer Bürgerinitiativen geschlossen.
Übrigens, bei den Wahlen im Oktober 1984 werden 5 Atomkraftwerksgegner in den Gemeinderat in Wyhl gewählt.
1985: die Volkshochschule Wyhler Wald schreibt zur 10-jährigen Platzräumung und Besetzung ihr 72. Programm.
Kein Atomkraftwerk in Wyhl und anderswo Aus einem alten Flugblatt der BADISCH-ELSÄSSISCHEN BÜRGERINITIATIVEN
Nachtrag: * Erst 1994, acht Jahre nach der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl, wurden die Baupläne für die Atomkraftwerke in Wyhl endgültig beendet. * Der Wyhler Wald ist seit dem 20. Februar 1998 als Naturschutzgebiet ausgewiesen.
Nai hämmer gsait! Dieser Satz und das alte Plakat im Winter 1982 - 1983 (als der Bau des AKW wieder einmal kurz bevor stand) entworfen von Hubert Hoffmann, stehen für die erfolgreiche, selbstbewusst-alemannische, grenzüberschreitend-trinationale Umwelt- und Anti-Atombewegung im Dreyeckland, die in Wyhl (D), Kaiseraugst (CH) und Gerstheim (F) den Bau von drei Atomkraftwerken verhindert hat. Ursprünglich allerdings stammt das Motiv von einem Transparent der Bauplatzbesetzung 1974/75 in Marckolsheim Das "awer" (siehe unten im Foto) im Ursprungstext zeigt deutlich, dass hier elsässische Transparentmaler am Werk waren und dass der grenzüberschreitend-gemeinsame Dialekt viele Variationen hat.
Als Plakatidee hat Hubert Hoffmann den Satz eines Transparents auf dem besetzten Platz in Marckolsheim aufgegriffen. Hubert war in der Zeit der Wyhl-Proteste ein vielbeschäftiger niebezahlter Hobbygrafiker der Bürgerinitiativen und der Umweltbewegung. Auf vielen der alten Wyhl-, Fessenheim-, Waldsterben- und Dreyecklandplakaten findet sich irgendwo versteckt ein kleines Schneckensymol, das Zeichen, dass die Grafik von Hubert Hoffmann stammt. Von ihm kam die Idee des ersten NAI-Plakats und ich erinnere mich noch wie schwierig es für mich war, die erste Ablehnung in den BI´s für das Motiv zu überwinden und endlich in Druck zu gehen. Es war damals nicht anders als heute: Ein Plakatmotiv, drei Leute, vier Meinungen und viel Kritik... Später wurde das anfänglich umstrittene und teilweise sogar abgelehnte Motiv zu dem Symbol des erfolgreichen Widerstands gegen das Atomkraftwerk Wyhl und heute ziert es im Wyhler Wald den Gedenkstein der Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen. Ich selber habe vor über 30 Jahren das Plakat vielhundertfach an Kaiserstühler Hoftore getackert.
Das Motiv findet sich auch als "Widerstandskitsch", beispielsweise auf kleinen Weingläsern, es wurde bei der Debatte um die Gefahrzeitverlängerung für AKW und nach dem GAU in Fukushima aber auch wieder politisch wichtig. "Atomausstieg jetzt" stand jetzt unter dem "Nai" auf 16.000 neuen BUND- und BI-Plakaten und auf vielen Aufklebern. Aus dem Fahnenmeer der gelben Anti-Atom-Sonnen leuchtet es als Fahne selbstbewusst-alemannisch bei den vielen Fukushima- und Fessenheim-Demos hervor (sogar bei einer Demo in Tokio) und Plakate und Fahnen hängen an vielen Balkonen am Oberrhein. Ein aktuelleres Motiv stammt wieder aus der Zusammenarbeit von Hubert Hoffmann und Axel Mayer. Das "Nai hämmer gsait" steht jetzt etwas kleiner unter dem Plakat, das AKW-Motiv mit Kühlturm wurde durch ein Fessenheim-Foto ersetzt und oben am Plakat steht in großen Lettern "FESSENE?" Immer noch wird trinational gemeinsam die Gefahrenquelle am Rhein angegangen.
Kleiner sind die NAI-Plakate geworden, denn die Zeit der schönen, großen alten Holzhoftore ist vorbei. Es wird auch in den Städten immer schwieriger große Plakate aufzuhängen und so wurden die Plakate im Laufe der Jahre immer kleiner. Immer mehr tritt der Aufkleber oder der "Spucki" an Stelle des Plakats als Vermittler von politischen Botschaften.
Ein Plakat muss plakativ sein und die Aussage auf ein zentrales Motiv beschränken, alles andere wäre ein plakatives Flugblatt. Doch hinter dem gemeinsamen "NAI" der Menschen am Oberrhein zu den Todestechnologien stand immer auch ein vielstimmiges "JA". Da war das erst verlachte, bekämpfte und später vielkopierte "JA" zu den nachhaltigen, zukunftsfähigen alternativen Energien bei den Sonnentagen in Sasbach. Und dann natürlich der mühsam erkämpfte Traum, das "JA" zu einem grenzenlosen Europa der Menschen, nicht nur am Oberrhein, ausgedrückt im alten Lied unseres elsässischen Mitstreiters François Brumbt: "Mir keije mol d Gränze über de Hüfe und danze drum erum". Im heutigen Europa der ökonomisch-ökologischen Krisen und der Habgier ist die erkämpfte Realität der offenen Grenzen durch Intoleranz und (noch) kleine Nationalismen wieder einmal massiv gefährdet und braucht erneut die Kräfte der Zivilgesellschaft ... Hoffentlich werden wir zumindest das "NAI" zur Atomkraft auch am Oberrhein in wenigen Jahren nicht mehr benötigen und die alten Plakate werden zu Sammlerstücken für die Museen.
Nai hämmer gsait: Das erste, elsässische Banner mit diesem Motiv bei der Bauplatzbesetzung in Marckolsheim 1974/75
Das Motiv als BUND-Plakat in der Zeit der von schwarz-gelb geplanten Laufzeitverlängerung für AKW.
"Nai hämmer gsait" als hundertfach gezeigte Fahne nach dem Atomunfall in Fukushima.
Das Motiv als Längs-Banner ist noch im Druck und wird Ende Juli ausgeliefert...
"Nai hämmer gsait" exotisch: Die Fahne bei einer Fukushima-Demo von Friends of the Earth Japan in Tokio
Das Plakat ist eine von vielen Möglichkeiten kritische, politische und ökologische Inhalte zu transportieren. Gerade auch im Zusammenhang mit dem geplanten AKW Wyhl ist eine Vielzahl von Plakaten entstanden. Wir beginnen hier eine kleine Auswahl von Wyhl-Plakaten zusammen zu stellen. Ein Plakat ist immer auch ein Schrei, denn Betroffenheit, Zorn, Trauer und Wut sind häufig auch Motive, Plakate zu entwerfen, zu drucken und zu plakatieren. Und darum gehören in eine Plakatausstellung auch die plakativen Klischees, der städtisch-idealisierte „knollennasige” Kaiserstühler Bauer und der „böse, knüppelschwingende” Polizist. Wer wütend ist, übertreibt plaktiv. Viele dieser Plakate stammen aus meinem persönlichen Archiv. Manche wurden bei der BUND-Plakat-Ausstellung "30 Jahre Umweltplakate am Oberrhein" 2005 in Freiburg und Lörrach gezeigt.
An dieser Stelle möchte ich mich auch einmal herzlich bedanken:
Bei allen Grafikern und Grafikerinnen, die zumeist in ihrer Freizeit diese bunte Vielfalt von Plakaten erstellt haben. Insbesondere bei meinem Freund Hubert Hoffmann, von dem nicht nur das NAI HÄMMER GSAIT entworfen wurde.
Bei allen Menschen, die auch heute noch aktiv plakatieren (Fessenheim, Beznau, Frieden...).
Axel Mayer
Umwelt-Plakate, Friedens-Plakate, Naturschutz-Plakate und Plakate der sozialen Bewegungen: Hier finden Sie eine kleine Auswahl aus der Plakatsammlung Axel Mayer. Zwischenzeitlich liegt von jedem Plakat-Motiv (1466 unterschiedliche Plakate) und von jedem Aufkleber (835 unterschiedliche Aufkleber) zumindest ein Exemplar im Archiv des Badischen Landesmuseums, aber auch die Archive des Haus der Geschichte in Baden-Württemberg, der Bürgerinitiativen in Weisweil, das Heimatmuseum in Wyhl, das Archiv Soziale Bewegung und das Archiv Deutsches Atomerbe wurden beliefert.
Hier finden Sie die Plakate zum Thema Atomkraft, AKW, Fessenheim
Hier finden Sie die Plakate zum Thema Atomkraft, AKW, Wyhl und eine umfassende Hintergrundinformation zum "Politischen Plakat"
Hier finden Sie die Plakate zum Thema Atomkraft, AKW, Oberrhein
Hier finden Sie die Plakate zum Thema Atomkraft, AKW, Schweiz
Hier finden Sie die Plakate zum Thema Umwelt, Frieden, Demokratie am Oberrhein
Hier finden Sie die Plakate zum Thema Natur, Naturschutz, Oberrhein
Plakat AKW Wyhl: Nai hämmer gsait / Das wohl bekannteste Wyhl-Plakat von Hubert Hoffmann. Aus diesem Motiv wurde eine Vielzahl weiterer Plakate entwickelt. Hier finden Sie mehr Infos zu diesem Plakat.
Plakat AKW Wyhl: Eberle, CDU / Dieses Schablonen-Plakat entstand am Tag der Bauplatzbesetzung im Wyhler Wald. Es war die damals schnellste Methode Plakate zu erstellen.
Plakat AKW Wyhl: 3 Plakate
Plakat AKW Wyhl: 15 Jahre
Plakat AKW Wyhl: Aktionstag
Plakat AKW Wyhl: Bauernoper, VHS Wyhler Wald
Plakat AKW Wyhl: Bauernkrieg, Bauplatzbesetzung
Plakat AKW Wyhl: Der Widerstand geht weiter
Plakat AKW Wyhl: Filbinger, Montage
Plakat AKW Wyhl: Foto, Protest
Plakat AKW Wyhl: Gorleben, Fotos
Plakat AKW Wyhl: Jetzt - Stilllegung alles Atomanlagen
Plakat AKW Wyhl: Katastrophenschutzplan
Plakat AKW Wyhl: KKW nein
Plakat AKW Wyhl: Menzenschwand, Gorleben
Plakat AKW Wyhl: Natorampe 2.2.1976
Plakat AKW Wyhl: Stop KKW, Schablonen
Plakat AKW Wyhl: VHS Wyhler Wald, Atomstaat
Plakat AKW Wyhl: Volkshochschule Wyhler Wald, 1975-1979
Plakat AKW Wyhl: Volkshochschule Wyhler Wald, 1975-1980
Plakat AKW Wyhl: Wache im Wyhler Wald, 23.11.-06.12.
Plakat AKW Wyhl: Waldsterben
Plakat AKW Wyhl: Wandzeitung, Fotos
Plakat AKW Wyhl: Wandzeitung
Plakat AKW Wyhl: 10 Jahre. Das Plakat "Wyhl - 10 Jahre danach" zeigt verschiedene Fotos von Protestveranstaltungen und Demonstrationen der Anti-Atomkraft-Bewegung. Darauf montiert wurde die Darstellung des Bannerträgers aus der Flugschrift von Thomas Murner "Von dem großen lutherischen Narren" aus dem Jahre 1522. Das Motiv des Holzschnitts von 1522, der "Bannenträger der Freiheit", mit der geänderten Fahnen-Aufschrift, stellt die Kernkraftgegner in die Tradition der Bauern und Bürger, die bereits vor 500 Jahren im "Bundschuh" und im "Bauernkrieg" gegen ihre Obrigkeiten revoltiert hatten. Das Gleiche gilt für das folgende "Whyl - 15 Jahre danach"-Plakat.
Plakat AKW Wyhl: 15 Jahre danach.
Plakat AKW Wyhl: 1978
Plakat AKW Wyhl: Kernenergie Dialog
Plakat AKW Wyhl: Programm, Volkshochschule, Wyhler Wald
Plakat AKW Wyhl: Wandzeitung, Das KKW wird nicht gebaut
Plakat AKW Wyhl: Widerstand
Plakat AKW Wyhl: CWM, Marckolsheim, Chanson Alsaciennes et Badoises
Plakat AKW Wyhl: Parkplatzwegweiser
Plakat AKW Wyhl: 2. Jahrestag, Besetzung
Plakat AKW Wyhl: CDU, Demokratie
Plakat AKW Wyhl: Mensch, Natur
Plakat AKW Wyhl: Widerstand lebt
Plakat AKW Wyhl: 3 Jahre Widerstand Zum Schluss noch ein "wunderbares" Pro-Atom-Plakat
«Ich komm aus einer anderen Provinz»
[b]Ein Wyhl-Text von Walter Mossmann im Buch "S Eige Zeige. Jahrbuch des Landkreises Emmendingen für Kultur und Geschichte / Siebenunddreißig Wyhl-Geschichten" vom Dezember 2014 Danke Walter für die Abdruckerlaubnis Im Beitrag von Walter Mossmann gibt es eine Vielzahl von Querverweisen und Fußnoten. Diese finden Sie nur im lesenswerten Buch. Die Auseinandersetzungen um die oberrheinischen Atomkraftwerke Kaiseraugst und Fessenheim (1970) sowie Breisach (1971), mit denen heute jede Wyhl-Erzählung anfängt, sind mir damals schlicht entgangen. Ich habe davon nichts mitgekriegt. Ich denke, jenes vollkommen neue Epochen-Thema, für das wir heute die Chiffre «Ökologie» verwenden, hat mich Anfang der 70er Jahre noch nicht interessiert. Was mich aber sehr wohl interessiert hat, das war diese neuartige Organisationsform «Bürgerinitiative». Bürgerinitiativen schossen ab etwa 1970 wie die Pilze aus dem Boden, und man wusste nicht, ob sie bekömmlich sind oder giftig. Aber mir schien, diese neue Entwicklung versprach ein paar weitere Schritte in Richtung Demokratisierung, weg vom deutschen Obrigkeitsstaat, und das hat mich außerordentlich interessiert. Willy Brandt hatte 1969 angekündigt, seine Regierung wolle «mehr Demokratie wagen!».1 Das klang in meinen Ohren nun wirklich gut. Auch wenn Willy Brandt wohl etwas anderes gemeint hatte, als das, was dann kam, was in Gestalt der Bürgerinitiativen die Routine der repräsentativen Demokratie herausforderte. Da wurden plötzlich Leute politisch aktiv, die überhaupt nicht dazu vorgesehen waren, die sozusagen keine Lizenz für Politik hatten. Das waren keine Parteipolitiker, keine Gewählten, keine Leute aus der Administration. Das waren ganz normale Staatsbürger, normalerweise nur Stimmvieh, aber erklärten jetzt: «Da leider weder die Regierung noch die politischen Parteien unsere Interessen vertreten, müssen wir sie selber vertreten. Gezwungenermaßen machen wir Politik!» – wobei, nein, ich muss mich korrigieren, das Wort «Politik» haben sie bewusst vermieden, das hätte man ja als «Parteipolitik» missverstehen können, und das wollte niemand – aber in der Sache haben sie natürlich durchaus Politik gemacht. Ich habe seit 1967 hauptberuflich als Radiojournalist gearbeitet, und zwar in der Jugendfunkredaktion des SWF-Baden-Baden, die damals im Funkhaus Freiburg-Günterstal untergebracht war. Im Sommer 1973 habe ich zusammen mit meiner Freundin und Kollegin Freia Hoffmann1 für den Südwestfunk eine zweistündige Featuresendung über das Phänomen Bürgerinitiativen entwickelt. Die Sendung handelte vom Protest und vom Widerstand gegen einen Truppenübungsplatz auf dem Larzac2, gegen einen Bombenabwurfplatz in Nordhorn und gegen das geplante KKW in Wyhl. Freia und ich sind im Juni auf den Larzac geraten. Das wurde dann für mich so eine Art Schlüsselerlebnis. So etwas gibt es nicht oft, dass man in zwei Tagen viel mehr erlebt und begreift und bei sich selbst im Kopf verändert als sonst in zwei Jahren. Der Larzac! – Ich war hingerissen von der Art und Weise, wie diese Leute, die ja aus vollkommen unterschiedlichen Ecken kamen, gemeinsam an einer Sache gearbeitet haben. Da waren zunächst die Schafbauern, darunter auch beispielsweise ein Mann wie Guy Tarlier, der in den 50er Jahren noch Kolonialoffizier in Äquatorialafrika gewesen war und erst in den 60ern mit seiner Frau Marizette auf den Larzac zog, um dort Schafe zu züchten. Dann waren da diese Gauchisten3 aus Paris, die die Nase voll hatten von ihrer Maoisten-Partei4 und die sich nun überall in den fast entvölkerten südfranzösischen Dörfern ansiedelten und das alternative Leben probierten. Da waren Naturfreunde, okzitanische Heimattümler, Pazifisten, Anarchisten, Regionalisten, Ornithologen – diese Liste könnte ich endlos verlängern. Die Art und Weise, wie die Leute vom Larzac Politik gemacht haben, hat mich einfach begeistert. Das Prinzip Gewaltfreiheit war ihnen sehr wichtig. Die heiligmäßige, religiös begründete Nonviolence war nicht so meine Sache, aber Gewaltfreiheit als kluge, strategische Überlegung hat mich beeindruckt, und dafür stand auf dem Larzac Guy Tarlier1. Er hat u.a. auch die berühmte Aktion mit den Schafen unterm Eiffelturm organisiert. Er und seine Freunde schmuggelten im Herbst 1972 verbotenerweise 60 Schafe durch die Straßensperren nach Paris und machten dort Propaganda für ihre Sache: «Wenn uns das Militär unsere Weidegründe auf dem Larzac wegnimmt, müssen wir eben die Schafe auf dem Marsfeld weiden lassen!». Die Aktion hat mächtig gewirkt! «Öffentlichkeit herstellen» hieß das damals. Und die Schäfchen unterm Eiffelturm waren natürlich für die Medien ein gefundenes Fressen! Im Spätsommer hat mich dann Freia dazu überredet, nach Weisweil zu fahren zu einer der ersten Versammlungen der Bürgerinitiativen gegen ein KKW in Wyhl. Das war am 28. August 1973. Im evangelischen Gemeindehaus von Weisweil habe ich fast alle die Menschen kennengelernt, mit denen ich danach ein Jahrzehnt lang sehr eng verbandelt war. (Die Elsässer aus Marckolsheim waren noch nicht dabei, die kamen ein Jahr später dazu.) Bei diesem Meeting in Weisweil haben mich erstens die Leute überzeugt, als Einzelne, als Personen – eine wunderbare Auswahl von Menschen aus den Dörfern und aus Freiburg. Und dann ihre Aktionsformen, die ich als eine Art Widerstandspoesie erlebt habe: Alle diese theatralischen Inszenierungen wie etwa die Treckerdemo2 durch den Kaiserstuhl, u.a. auch mit Masken aus der Fasnet-Tradition. Überhaupt die Theatralik aus der historischen und aktuellen Volkskultur, aus der Fasnet, aus dem Dreikönigs-Volkstheater, dem Gesangverein, später dann die Dialektgedichte und Lieder, die wunderbare alemannische Rhetorik, mal direkt und unverblümt, mal hinterfotzig verblümt, je nach Bedarf. Sie haben an ihre durchaus lebendige Volkskultur angeknüpft und die traditionellen Muster ganz aktuell geschärft und eingesetzt. Das hat mir alles unglaublich gut gefallen. Über den Zusammenhang zwischen Volkskultur und Politik hatte ich schon jahrelang gearbeitet, mit Material aus Italien, Spanien, Schottland, Chile, Brasilien, und jetzt konnte ich feststellen: Aha, so etwas geht also auch hier! – 1977 habe ich zusammen mit Peter Schleuning und Frans van der Meulen beim WDR einen Dokumentarfilm für die ARD gedreht: «Zweierlei Volksmusik», in dem der Buki1 auftritt, der Karl Meyer2 , der Männergesangverein «Rheintreue» und die Kanonenwirtin Inge Sexauer und ihre Partnerin aus Weisweil («Die singenden Winzerinnen»). Und als Kontrast dazu das TV-Volksmusikduo Maria und Margot Hellwig3. Ein Dokumentarfilm, der ohne ein einziges Wort Kommentar auskam, der lief dann am 1. Mai 1977 im ersten Programm. Das war nämlich eine meiner Aufgaben im Rahmen der Bürgerinitiativen: Werbung, Reklame, Propaganda für die Bürgerinitiativen im Radio, im Fernsehen, in Zeitungen, Büchern, auf Schallplatten, und natürlich auch auf der Bühne, wenn ich als Liedermacher unterwegs war, nicht nur in Hamburg, Berlin oder Wien, sondern eben auch in Weisweil, beispielsweise im Gasthaus «Kanone». Wohlbemerkt: Wir rannten damals noch keine offenen Türen ein, ganz im Gegenteil: Der Begriff «Anti-AKW-Bewegung» existierte noch gar nicht, kein Mensch hatte je von Brokdorf oder Gorleben gehört (ganz zu schweigen von Tschernobyl!), die Anne Lund in Arhus hatte das berühmte Symbol «Atomkraft – nej tak!» mit der Sonne noch nicht erfunden, und wenn jemand «die Grünen» sagte, dann meinte er die baden-würrtembergische Landespolizei. Das ist heute schwer vorstellbar. Zurück zu diesem 28. August 1973. Damals haben mich in Weisweil die BI-Leute erstaunlich schnell davon überzeugt, dass die Idee von der allerneuesten industriellen Wunderwaffe, diesem Perpetuum Mobile namens Atomstrom eine blöde Idee ist, und eine verdammt riskante. Damals lernte ich ein «Neues Denken», um einen Begriff von Michajl Gorbatschow aufzugreifen, das neue Denken der Ökologen. Meine Kritik an der kapitalistischen Industrialisierung bekam eine neue Wendung. Erstmals wurde nicht nur die Produktionsweise kritisiert, sondern das Produkt selbst. In unserem Fall der Atomstrom und die Produkte einer Bleichemiefabrik. Damals begann eine ganz neue Sensibilisierung für derartige Probleme. Umweltkatastrophen hatte es zwar schon seit langem gegeben, aber in dieser Epoche traten sie erstmals ins öffentliche Bewusstsein, denn sie wurden aufgedeckt und dokumentiert, und die investigativen Kollegen von Presse, Funk und Fernsehen Alarm. Wir – meine Freiburger Freunde und ich – haben uns dann im Herbst 1973 in kürzester Zeit in diese Thematik reingearbeitet, um zu den Kaiserstühler Aktivisten aufzuschließen. Denn die hatten einen gewaltigen Wissensvorsprung, beispielsweise Annemarie und Günter Sacherer1, Siegfried Göpper2, Lore Haag3, Balthasar Ehret4, Frank Baum5, Hans Erich Schött6, Margot Harloff7, alle diese BI-Menschen, die wir im evangelischen Gemeindehaus von Weisweil getroffen hatten, von den spezialisierte Wissenschaftlern ganz zu schweigen. Wir haben dann in Freiburg – das war im Winter 1973 – eine weitere Bürgerinitiative gegründet, die «Initiativgruppe KKW NEIN». Der harte Kern kam aus der Freiburger Frauengruppe. Am Kaiserstuhl hießen wir «D Schtudänte», obwohl wir fast alle berufstätig waren, aber viele waren halt «Studierte» und mehr oder weniger von der 68er-Studentenbewegung beeinflusst. Allerdings verstanden wir uns als «undogmatisch» und lagen mit den Parteisoldaten von den K-Gruppen prinzipiell im Clinch. Mir scheint, die Jahre 1972/73 markieren eine Wende. Einen Paradigmenwechsel. Eine Umwertung von Werten. Dafür steht die berühmte Studie «Die Grenzen des Wachstums», die der Club of Rome 1972 in St. Gallen veröffentlichte. Und getragen wurde diese Wende nicht von irgendwelchen politischen Parteien – im Deutschen Bundestag gab es überhaupt nur Atomparteien! – sondern von den Bürgerinitiativen. Freia und ich haben in unserem Feature, das am 30. September und am 7. Oktober 1973 über den Sender ging, behauptet: «Die Bürgerinitiativen sind die außerparlamentarische Opposition der Siebzigerjahre.» Dass es dann tatsächlich so kam, konnten wir damals nicht wissen. Aber wir waren davon überzeugt, weil uns die Leute in Weisweil überzeugt hatten. Zur Atomindustrie: Ich hatte mich zuvor schon einige Jahre auch wissenschaftlich mit Entwicklungspolitik beschäftigt, vor allem mit Lateinamerika. Da bin ich erstmals auf das Thema Atomkraftwerke gestoßen. Denn 1968 war Gerhard Stoltenberg im Auftrag der BRD-Regierung nach Argentinien gereist, um das Atomkraftwerk Atucha I einzuweihen, das Siemens gebaut hatte. Sowas nannte man Entwicklungshilfe. Aber die Generäle der argentinischen Diktatur gierten natürlich nach dieser Technologie, sie kannten den militärischen Nutzwert. Soweit hatte ich schon etwas begriffen. Aber die ganze Tragweite der möglichen Proliferation1 – dazu brauchte ich Jahrzehnte, um diese Zusammenhänge zu verstehen.
Alle engagierten AKW-Gegner haben in den folgenden Jahren ziemlich viel riskiert, alle. Besonders die Landwirte, die sollten mit unglaublich hohen Schadensersatzforderungen eingeschüchtert und weichgekocht werden. Oder auch die Lehrer, überhaupt alle möglichen Angestellten im öffentlichen Dienst. Wir reden vom Jahrzehnt der Radikalenerlässe, der Berufsverbote und der «Schere im Kopf». Und selbstverständlich bekamen auch die Journalisten ganz spezielle Probleme. Ein Beispiel: Im Oktober 1979 fand in Ottenheim (Nähe Offenburg) eine Veranstaltung statt mit dem Titel «Heimat in einer bedrohten Umwelt», eine Veranstaltung im Rahmen der Männerarbeit der evangelischen Landeskirche Baden. Anwesend allerlei Publikum, drei Abgeordnete, ein Dekan und außerdem mein damaliger Kollege Thomas Lehner, Redakteur im SWF Landesstudio Freiburg mit seinem Tonbandgerät. Die Veranstaltung zog sich ohne Publikumsbeteiligung träge hin, und irgendwann schaltete Thomas Lehner sein Mikro aus und erklärte, er sei ja nicht nur Journalist, sondern auch betroffener Bewohner dieser Region und als solcher wolle er nun auch über den Fall Wyhl reden. Zumal an diesem Tag die größte Demonstration der bundesrepublikanischen Geschichte stattfand1. 150.000 Menschen, darunter sehr viele aus Südbaden, waren in Sonderzügen nach Bonn gefahren, um gegen die Projekte der Atomindustrie zu demonstrieren. Es habe sich nach Lehners Einmischung eine lebhafte Diskussion entwickelt, nur der CDU-Abgeordnete für den Ortenaukreis sagte kein Wort. Aber am nächsten Tag schrieb er an seinen CDU-Parteigenossen Willibald Hilf einen Brief – der Mann war damals Intendant des SWF. Der Abgeordnete beklagte sich bitter über den Journalisten und forderte Hilf auf, doch bitte «Maßnahmen zu ergreifen». Kurz danach bekam Lehner eine Abmahnung, was bekanntlich im Arbeitsrecht der halbe Weg zur Kündigung ist. Der Abgeordnete, der sich derart engagierte, um dem Journalisten das Maul verbieten zu lassen, hieß Wolfgang Schäuble. Ich sollte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass es damals noch keinen Hörfunk außerhalb der ARD gab, wer also bei der ARD rausflog, konnte seinen Beruf nicht mehr ausüben. Meine politische Aktivität fing ja nicht an mit Wyhl, ich war schon fünf Jahre früher aktiv in der Studentenbewegung, und habe mich seit Anfang der 60er Jahre mit meinen Liedern am deutschen Obrigkeitsstaat gerieben. Wir – d.h. meine Generation, die Nazikinder – sind aufgewachsen mit der Entschuldigungssuada der Erwachsenen: «Man musste damals gehorchen, man musste mitmachen, alles wurde oben entschieden, wir hatten nichts zu sagen, Widerstand war zwecklos». Anscheinend hatte die gesamte Nazigeneration im permanenten Befehlsnotstand gelebt und war infolgedessen für nichts verantwortlich. Und wir, nun wir sind mit den Ideen der amerikanischen Demokratie aufgewachsen. Einer meiner Freunde, der gerade von einem Studienjahr in Amiland zurückkam, wurde nicht müde, diese Idee zu predigen: «Jeder erzogene Amerikaner», so hat er das educated übersetzt, «ist für sein Tun wie für sein Nichtstun selbst verantwortlich und ist mitverantwortlich für Staat und Gesellschaft». Das war nun der schärfste Widerspruch zur Untertanengesinnung im Obrigkeitsstaat, und diese Idee hat möglichweise die sogenannten 68er mehr geprägt als sämtliche marxistische Theorien, die später aufkamen. Was die Arbeit in den Bürgerinitiativen betrifft – da war nichts einfach. Sie hat verdammt viel Zeit und Nerven und Kraft gekostet, gerade weil es kein formales, hierarchisches, autoritäres System gab. Natürlich gab es Autoritäten, Dorfkönige am Kaiserstuhl oder Frontmen in der Stadt, manche hatten mehr Einfluss, andere weniger. Aber das konnte sich auch ändern, und zwar nicht bei irgendwelchen Kampf-Abstimmungen, sondern infolge dieser komplizierten persönlichen Beziehungen. Die Bürgerinitiativen – das waren ein paar hundert Personen diesseits und jenseits der Grenze, und die waren sehr kompliziert miteinander vernetzt, und alles ging – persönlich, Aug in Aug sozusagen. Ich nenne mal ein Beispiel: Ich glaube, es war am 25. August 1974, als wir im Gasthaus Fischerinsel feierlich die Föderation der 21 badisch-elsässischen Bürgerinitiativen gegründet haben. Da kam die Idee auf, wir bräuchten jetzt eine Erklärung, eine Art Charta 74, ein Manifest, in dem wir uns hieb- und stichfest erklären, sowohl der Welt gegenüber als auch untereinander, als Verabredung und Selbst-Vergewisserung. Der Zufall wollte es, dass ich damit beauftragt wurde, das war mir grad recht, und ich hab mich sofort an die Arbeit gemacht. Aber die Arbeit – das war nicht nur das bisschen schreiben, das war vor allem das herumfahren und jede kleine Wendung durchsprechen mit allen möglichen Leuten. Ich musste zum Schött1 nach Endingen fahren, mit ihm den Text durchdiskutieren, nach Weisweil, mit dem Belz2 und mit der Lore3 jeden Satz, jede Wendung durchdiskutieren, und alles noch mal, und hin und her und vorwärts und rückwärts. Und dann ins Elsass. Jean Jacques Rettig4 war damals in Saales in den Vogesen Volksschullehrer und er hat den Marckolsheim-Teil der Erklärung geschrieben. Er und seine Frau Inge haben den ganzen deutschen Text ins Französische übersetzt und daran auch noch dies und das nach ihrem Geschmack geändert. Ich hatte geschrieben: «Passiver Widerstand», und die haben «friedlicher (pacifique) Widerstand» daraus gemacht. Aber das war okay. – Irgendwann war dieser Text mit allen besprochen und akzeptiert. Das passierte also nicht in einem bestimmten Moment und nicht in irgendeiner Versammlung, wo sich der beste Volksredner durchsetzt. Das war ein sehr komplizierter und langwieriger Prozess, und alles wurde geklärt bei persönlichen Begegnungen.
Die Erklärung der 21 wurde bei der Druckerei Vollherbst in Endingen auf ein DIN-A3-Plakat gedruckt, auf der einen Seite Deutsch auf der andern Seite Französisch. Über die Initiativgruppen haben wir dann 30.000 Plakate rechtsrheinisch und linksrheinisch verbreitet. Ich weiß ein Hoftor in Königschaffhausen, da hing es über zehn, vielleicht zwanzig Jahre. Die Erklärung wurde auch sonst überall ausgelegt und angepinnt: beim Zahnarzt, im Laden, in der Kneipe, in der Kaiserstühler Winzergenossenschaft, in der Freiburger Wohngemeinschaft, und sie wurde verschickt an Sympathisanten in der BRD, in Frankreich, in der Schweiz, Österreich, und nachgedruckt, und übrigens anderthalb Jahre später von den Brokdorfern Anti-AKW-Initiativen als ihre eigene Erklärung fast wörtlich übernommen. Was meine Liedermacherei angeht: Ich hatte damals meine Karriere als «Chansonpoet» schon hinter mir, die hatte stattgefunden zur Zeit der Waldeck-Festivals1, also von 1965 bis 1969. In der Zeit habe ich meine ersten beiden LPs gemacht, das hatte mir gereicht. 1969 war das für mich zu Ende, da habe ich aufgehört. Seltsamerweise gibt es ein Lied, das einen Bogen schlägt von 1967 zu zu 1976, es heißt «Meine Provinz». Als ich es 1967 geschrieben habe, kannte ich weder Wyhl noch Marckolsheim noch Fessenheim, aber ich hatte offenbar einen Wunsch. Die Strophen arbeiten sich an der Idee des Nationalstaates ab, und die Refrainzeile lautet: «Ich komm aus einer anderen Provinz».
Da ist ein Land, wo wir in vielen Zungen reden Ein Weinberg im Markgräfler LandDer Wind aus Burgund, aus der Campagna die RebenUnd Schnee von den Alpen kühlt die HandIm Westen das Siècle des lumières –»Democratie – ma femme!«Im Norden vor dem Barbarenheer Der Limes, der nützliche Damm!
Das war so eine poetische Utopie. Eine Wunschfantasie. Ich wollte nicht zuhause sein im starren Rahmen eines Nationalstaates, sondern in einer Region, die keine Grenzen hat, sondern fließenden Übergänge, und wo wir «in vielen Zungen reden». Fast ein Jahrzehnt später hatten wir dann diese Provinz – das Dreyeckland, und der Widerstand war dort in der Tat vielsprachig: deutsch, französisch, alemannisch, und für internationalen Besuch haben wir selbstverständlich auch noch unsere Englisch- oder Spanisch-Kenntnisse hervorgekramt. 1973 bin ich nicht als der Liedermacher nach Weisweil gekommen, sondern als der Typ vom Südwestfunk. Und die BI-Menschen in den Dörfern waren halt kluge und moderne Leute, die genau wussten: Öffentlichkeitsarbeit ist wichtig, und die Journalisten sollten wir uns warm halten, mit denen müssen wir arbeiten – insofern hatten Freia und ich es leicht, dort zu landen. Schließlich habe ich dann aber doch wieder Lieder gemacht, weil sie offenbar gebraucht wurden, z.B. im Oktober 1974, auf dem besetzten Platz in Marckolsheim. Auslöser war ein tolles Transparent, das dort der Jean Gilg (Elsässer, Volksschullehrer, Sozialist) in den Schlamm gepflanzt hatte: «Deutsche und Franzosen – die Wacht am Rhein.» Das fand ich eine geniale Idee, dass man die dämliche Formel der alten Franzosenfresserhymne aus dem 19. Jahrhundert vom Kopf auf die Füße stellt. Dass wir diesmal nämlich nicht gegeneinander die Wacht halten, als mörderisch feindselige Nachbarn wie in allen diesen Kriegen seit 1870, sondern dass wir gemeinsam gegen die neuartige Bedrohung der Region eine ganz neuartige Wacht am Rhein halten. Und dazu habe ich ein Lied gemacht nach dem Modell eines amerikanischen Streikliedes, das ich von Pete Seeger1 kannte: «Which Side Are You On?», übersetzt «Auf welcher Seite stehst du?» Ich habe «Die andere Wacht am Rheim» geschrieben, damit man nachts am Lagerfeuer nicht nur La Paloma und solche Sachen bei der Hand hat, sondern, dachte ich, vielleicht auch einen Song, womit wir uns als Platzbesetzer ausdrücken können. – Dieses Lied wanderte in der Folge durch die Lande und wurde auch überregional in Gebrauch genommen, umgesungen, umgetextet. Le Monde2 hat es als eine neue deutsch-französische Hymne am Oberrhein bezeichnet. Es war für eine bestimmte Periode sozusagen unsere musikalische Fahne. Annemarie Sacherer hat im Wyhl-Buch 13 wunderbar darüber geschrieben, wie die Besetzer bei der Polizeiräumung dieses Lied gesungen haben. Das ging mir sehr zu Herzen, als ich es gelesen habe. Jedenfalls bin ich dann nach sechs Jahren Abstinenz wieder gelegentlich zur Folk- und Chanson-Community gegangen und habe dort die Bühne genutzt, um die Trommel zu schlagen gegen die Atom-Mafia. Ich bin an Pfingsten 1975 das erste Mal nach langer Zeit wieder zum Open-Ohr-Festival nach Mainz gefahren und habe dort sofort einen Workshop über Wyhl und die Atomindustrie gemacht und dafür noch ein paar weitere Lieder geschrieben. Dann hat die Evangelischen Studentengemeinde (ESG) eine Tournee organisiert, bei der es fast nur um die Frage der Atomindustrie und der Bürgerinitiativen ging. Ich war nur zufrieden, wenn sich sofort nach dem Konzert eine Bürgerinitiative gründete, und ich hatte sehr oft Grund zur Zufriedenheit. So kam ich also wieder herum und hatte eine gute Möglichkeit, unsere Geschichten zu verbreiten. Wichtig war natürlich nicht, was ich über die Gefahren der Atomindustrie zu sagen hatte – da gab es überall schon längst Leute, die zum Teil viel mehr wussten als ich – aber wir aus dem Dreyeckland waren die Einzigen, die sagen konnten: wenn man es so und so anstellt, dann kann es erfolgreich sein! Wir haben es bewiesen in Marckolsheim, Wyhl, Kaiseraugst! Das war ja das absolut Neue. Das gab es sonst nirgends. Die Botschaft war eigentlich ziemlich einfach: Schaut her, bei uns gibt es Leute, die kommen von sehr weit rechts und von sehr weit links, und die meisten sind mittig oder halbrechts oder halblinks, aber wir haben bestimmte Regeln gefunden, wie wir alle unsere Energien für die gemeinsame Sache nutzbar machen können. Wir haben gelernt, wie wir den Karren nicht an die Wand fahren, wie wir verhindern, dass irgendeine Parteipolitik den Widerstand in die Hand kriegt und instrumentalisieren kann. – Gerade die K-Gruppen1 hatten sich ja die Aufgabe gestellt, die Führung zu übernehmen und uns unwissende arme Leute so nach und nach in die Klassenkämpfe und zur politischen Reife zu führen. Aber Bürgerinitiativarbeit – das war eben das absolut Andere. Es gab in den Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen beispielsweise nie einen Vorsitzenden. Kein Zentralkomitee und kein Zentralorgan. Und es gab zwar in einigen Fragen Einigkeit, aber niemals Einheitlichkeit. Es handelte sich um eine Föderation von zunächst 21 ganz selbstständigen Gruppen. Allein in Freiburg gab es die Aktion Umweltschutz, die Aktionsgemeinschaft, die Fachschaft Chemie an der Uni, die Initiativgruppe KKW NEIN und die GAF (Gewaltfreie Aktion Freiburg)2. Jede dieser Gruppen war für sich eine eigene Community, die ihrerseits Zugang zu vielen andern mit uns verbandelten Menschen hatte, und von denen war auch wieder jeder Einzelne eingebunden in diverse Netzwerke. Und dann haben wir uns zusammengesetzt, sehr oft informell, aber gelegentlich auch offiziell, und haben Verabredungen getroffen. Und eine der wichtigen Verabredungen war: Keine Parteipolitik! Diejenigen, die für die Bürgerinitiativen reden, dürfen nicht im Auftrag ihrer Partei reden! Das musste ausbalanciert werden und war nicht immer leicht durchzusetzen. Aber es gab eigentlich nur zwei wichtige Leute, die sowohl Bürgerinitiativler als auch prominente Parteimitglieder waren: der Hans-Erich Schött mit seiner FDP-Kandidatur und der Belz mit seiner DKP-Mitgliedschaft. Die haben es selber begriffen, dass sie hier keine Parteireden halten dürfen, und sie haben es auch nicht gemacht. Das föderative Element war deshalb so wichtig, weil es den einzelnen Gruppen, die alle selbstverantwortlich waren, sehr viel Spielraum ließ. Allerdings immer im Rahmen unserer Verabredungen. Also: Keine Parteipolitik! Und zweitens: Keine Gewalt! Das war nach links wie nach rechts gar nicht so leicht durchzusetzen. Es kam beispielsweise auch mal vor, dass irgendwelche Jungs aus dem Dorf, die beim Bund gewesen waren und die ihre Flinten im Kofferraum hatten, wegen irgendeiner Provokation wütend wurden und sagten: «Jetzt zeigen wir aber den Ja-lern1, wo der Bartl de Moscht holt!» – Man musste nach allen Seiten immer wieder aufs Neue darüber diskutieren, weil die Gewaltfreiheit nunmal eine sehr ungewohnte und unübliche Idee war. Mir scheint, die Kaiserstühler waren nicht weniger erfinderisch als die Schafbauern vom Larzac, angefangen von der Kahn-Demonstration auf dem Altrhein bis hin zu Einzelkämpfern wie dem Meyer Karle aus Bottingen, der ja immer alles ganz alleine ausgebrütet hat und zu jeder Demonstration mit einer neuen Installation kam. Einmal zum Beispiel montierte er echten NATO-Stacheldraht vom Wyhlerwald auf ein Schild, darunter das Portrait von Filbinger und dazu die Schrift: «Des Landesvaters Heiligenschein». Ich fand es großartig, als der Männergesangverein in Weisweil das Lied «Freiheit, die ich meine» umgetextet hat, Freiheit wurde in der neuen Version ganz aktuell und konkret so definiert: «Freiheit für den Kaiserstuhl: Kein Kernkraftwerk am Rhein!». Wunderbar! Und dann die Elsässer wie Franz Brumbt oder Jean Dentinger oder Francis Keck oder der große Dichter André Weckmann. Denen ging es ja zunächst vor allem um ihre elsässische Sprache, aber in Marckolsheim und Fessenheim und in Wyhl haben sie auch dazugelernt und ihr Repertoire erweitert – und unseren Liedschatz bereichert! Oder der Buki, der damals angefangen hat und diesen wunderbaren Strauß von kaiserstühlerischen Anti-AKW-Liedern gemacht hat, die dann von allen Leuten in den Dörfern und in der Stadt gern übernommen wurden – dieser Poet hat Volkslieder geschrieben. Es gibt 28.000 Wyhl-Erzählungen, die alle voneinander abweichen, weil jeder, der damals dabei war, seine eigene Erzählung hegt und pflegt und abwandelt und anpasst an seine neuen Ideen und an seine Tagesform. Aber wenn Leute auftreten und eine angeblich verbindliche, weil angeblich wahre und wissenschaftlich erhärtete Wyhlerzählung zum Besten geben, dann sträuben sich bei mir die Nackenhaare. Dann wird ganz gewiss in irgend eine Richtung ideologisiert. Da wird dann beispielsweise eine linke Geschichte draus, oder eine ganz gemütliche Kaiserstühler Dorfgeschichte, oder eine religiöse oder eine typisch deutsche oder eine typisch grüne – alles Quatsch. Man muss alle 28.000 Geschichten gleichzeit anhören, dann kriegt man aus dem chaotischen Gesumm und Gequiecke und Gekreisch eine Ahnung davon, was damals wirklich abging. Es ist wichtig, sich klar zu machen, dass da Leute über lange Zeit sehr eng zusammengearbeitet haben. Leute, die sich sonst wahrscheinlich nie getroffen hätten. Man wusste genau, mit dem oder mit der habe ich das und das zusammen erlebt und durchgestanden. Auf die oder auf den kann ich mich verlassen, auch wenn sie jetzt gerade einen Stuß erzählen, der mir gar nicht gefällt – egal, die Bindung hält! Da hat sich eine menschliche, aber auch eine politische Verlässlichkeit entwickelt. Und wir hatten Glück in diesem dramatischen historischen Moment gerade an diesem Ort zu leben, hier am Oberrhein, wo uns die Regierung glücklicherweise so unterschätzt hat, dass wir tatsächlich gewinnen konnten. Ganz anders verlief die Sache zwei Jahre später in Brokdorf1. Dort war die Staatsmacht schon vorbereitet, als die Demonstranten kamen. Die Regierung von Stoltenberg wusste, was auf sie zukommt, und sie hat sich bemüht, die Auseinandersetzung zu militarisieren, und ein Teil der Demonstranten ist darauf reingefallen und hat das Spiel mitgespielt. Und in Hamburg, wo das Zentrum der Brokdorf-Widerstandes lag, dort haben die Genossen dann fruchtlose parteipolitische Linienkämpfe durchgespielt, um herauszukriegen, wer denn nun «die Führung übernehmen» darf. – Der Ort, wo ich mich später fast wie zuhause fühlte, war Gorleben, also das Wendland. Die haben dort eine ganz ähnliche Widerstandskultur entfaltet wie die badisch-elsässischen Bürgerinitiativen einige Jahre zuvor. Wenn man aus der Wyhl-Erzählung einen Teil wegnähme, egal welchen, den linken, den rechten, den mittigen, den rationalen, den irrationalen, den feministischen, den spinnerten, den träumerischen – egal, ein Steinchen weg, und das historische Gebäude würde lautlos in sich zusammenfallen. Und auch die Vorgeschichte darf man nicht wegretouchieren. Die Wyhlerzählung fängt 1970 in Kaiseraugst und in Fessenheim an. Von dort kamen wichtige Ideen und Ideen-Kuriere nach Breisach und nach Wyhl, in Kaiseraugst haben die jungen Leute eine «Probebesetzung» inszeniert, als bei uns das Wort «Besetzung» noch gar vorkam. Kurz: aus diesem unglaublichen explosiven Gemisch kann man kein Teilchen wegnehmen. Sonst hat man nur ein bisschen Ideologie und Erinnerungskitsch in der Hand. Es war eine Riesenarbeit, die unübersehbar viele Leute geleistet haben, und zu keinem Zeitpunkt konnte jemand wissen, wie es wirklich ausgehen würde. Für mich war es das Großartigste, was ich in meiner inzwischen doch ziemlich langen politischen Biografie erlebt habe. Die wichtigste Erfahrung, und ein großer Genuss: über die Grenzen der eigenen, gut bekannten Gruppe mit ihren Gewohnheiten und Selbstverständlichkeiten hinausgehen, aus dem gemütlichen Vorurteil über die guten «Eigenen» und die verdächtigen «Fremden» ins Vorurteilsfreie zu gelangen, sozusagen «ins Offene». Und dann nicht versuchen, die Differenzen wegzulügen oder gewaltsam eine Vereinheitlichung zu erzwingen – alles Unfug! Aus diesen Differenzen ergeben sich Reibungen, die Funken schlagen, sie können lästig sein oder produktiv – nun ja, meistens beides, gleichzeitig.
Ein Text von Walter Mossmann im Buch "S Eige Zeige. Jahrbuch des Landkreises Emmendingen für Kultur und Geschichte / Siebenunddreißig Wyhl-Geschichten" vom Dezember 2014 Danke Walter für die Abdruckerlaubnis Im Beitrag von Walter Mossmann gibt es eine Vielzahl von Querverweisen und Fußnoten. Diese finden Sie nur im lesenswerten Buch.
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Hiergeht's zum umfangreichen inhaltlichen Hauptbeitrag zum AKW Wyhl
An dieser Stelle möchte ich mich auch einmal herzlich bedanken:
Bei allen Grafikern und Grafikerinnen die zumeist in ihrer Freizeit diese bunte Vielfalt von Plakaten erstellt haben. Insbesondere bei meinem Freund Hubert Hoffmann, von dem nicht nur das NAI HÄMMER GSAIT entworfen wurde.
Bei allen Menschen, die auch heute noch aktiv plakatieren (Beznau, Frieden, Klimawandel, Artensterben ...).
Axel Mayer
Umwelt-Plakate, Friedens-Plakate, Naturschutz-Plakate und Plakate der sozialen Bewegungen: Hier finden Sie eine kleine Auswahl aus der Plakatsammlung Axel Mayer. Zwischenzeitlich liegt von jedem Plakat-Motiv (1466 unterschiedliche Plakate) und von jedem Aufkleber (835 unterschiedliche Aufkleber) zumindest ein Exemplar im Archiv des Badischen Landesmuseums, aber auch die Archive des Haus der Geschichte in Baden-Württemberg, der Bürgerinitiativen in Weisweil, das Heimatmuseum in Wyhl, das Archiv Soziale Bewegung und das Archiv Deutsches Atomerbe wurden beliefert.
Hier finden Sie die Plakate zum Thema Atomkraft, AKW, Fessenheim
Hier finden Sie die Plakate zum Thema Atomkraft, AKW, Wyhl und eine umfassende Hintergrundinformation zum "Politischen Plakat"
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Hier finden Sie die Plakate zum Thema Atomkraft, AKW, Schweiz
Hier finden Sie die Plakate zum Thema Umwelt, Frieden, Demokratie am Oberrhein
Hier finden Sie die Plakate zum Thema Natur, Naturschutz, Oberrhein
Plakat AKW Wyhl: Nai hämmer gsait / Das wohl bekannteste Wyhl-Plakat von Hubert Hoffmann. Aus diesem Motiv wurde eine Vielzahl weiterer Plakate entwickelt. Hier finden Sie mehr Infos zu diesem Plakat.
Plakat AKW Wyhl: Eberle, CDU / Dieses Schablonen-Plakat entstand am Tag der Bauplatzbesetzung im Wyhler Wald. Es war die damals schnellste Methode Plakate zu erstellen.
Plakat AKW Wyhl: 3 Plakate
Plakat AKW Wyhl: 15 Jahre
Plakat AKW Wyhl: Aktionstag
Plakat AKW Wyhl: Bauernoper, VHS Wyhler Wald
Plakat AKW Wyhl: Bauernkrieg, Bauplatzbesetzung
Plakat AKW Wyhl: Der Widerstand geht weiter
Plakat AKW Wyhl: Filbinger, Montage
Plakat AKW Wyhl: Foto, Protest
Plakat AKW Wyhl: Gorleben, Fotos
Plakat AKW Wyhl: Jetzt - Stilllegung alles Atomanlagen
Plakat AKW Wyhl: Katastrophenschutzplan
Plakat AKW Wyhl: KKW nein
Plakat AKW Wyhl: Menzenschwand, Gorleben
Plakat AKW Wyhl: Natorampe 2.2.1976
Plakat AKW Wyhl: Stop KKW, Schablonen
Plakat AKW Wyhl: VHS Wyhler Wald, Atomstaat
Plakat AKW Wyhl: Volkshochschule Wyhler Wald, 1975-1979
Plakat AKW Wyhl: Volkshochschule Wyhler Wald, 1975-1980
Plakat AKW Wyhl: Wache im Wyhler Wald, 23.11.-06.12.
Plakat AKW Wyhl: Waldsterben
Plakat AKW Wyhl: Wandzeitung, Fotos
Plakat AKW Wyhl: Wandzeitung
Plakat AKW Wyhl: 10 Jahre. Das Plakat "Wyhl - 10 Jahre danach" zeigt verschiedene Fotos von Protestveranstaltungen und Demonstrationen der Anti-Atomkraft-Bewegung. Darauf montiert wurde die Darstellung des Bannerträgers aus der Flugschrift von Thomas Murner "Von dem großen lutherischen Narren" aus dem Jahre 1522. Das Motiv des Holzschnitts von 1522, der "Bannenträger der Freiheit", mit der geänderten Fahnen-Aufschrift, stellt die Kernkraftgegner in die Tradition der Bauern und Bürger, die bereits vor 500 Jahren im "Bundschuh" und im "Bauernkrieg" gegen ihre Obrigkeiten revoltiert hatten. Das Gleiche gilt für das folgende "Whyl - 15 Jahre danach"-Plakat.
Plakat AKW Wyhl: 15 Jahre danach.
Plakat AKW Wyhl: 1978
Plakat AKW Wyhl: Kernenergie Dialog
Plakat AKW Wyhl: Programm, Volkshochschule, Wyhler Wald
Plakat AKW Wyhl: Wandzeitung, Das KKW wird nicht gebaut
Plakat AKW Wyhl: Widerstand
Plakat AKW Wyhl: CWM, Marckolsheim, Chanson Alsaciennes et Badoises
Plakat AKW Wyhl: Parkplatzwegweiser
Plakat AKW Wyhl: 2. Jahrestag, Besetzung
Plakat AKW Wyhl: CDU, Demokratie
Plakat AKW Wyhl: Mensch, Natur
Plakat AKW Wyhl: Widerstand lebt
Plakat AKW Wyhl: 3 Jahre Widerstand
AKW Wyhl und Filbinger: Eine Montage vom Wyhler Platz [b]Zum Schluss noch ein "wunderbares" Pro-Atom-Plakat