Kein AKW in Wyhl, kein KKW Wyhl: 45 Jahre - Kein Atomkraftwerk im Wyhler Wald (Chronik - Widerstand - Regionalkultur & KKW-Ja)


Veröffentlicht am 29.02.2020 in der Kategorie Atomkraft von Axel Mayer

Kein AKW in Wyhl, kein KKW Wyhl: 45 Jahre - Kein Atomkraftwerk im Wyhler Wald (Chronik - Widerstand - Regionalkultur)


Kurzes Vorwort im Februar 2020:
Am 18.2.2020 jährte sich die Wyhler Bauplatzbesetzung und kurz danach, am 22.2.2020, wurde endlich einer der beiden Fessenheimer Reaktoren abgestellt.
45 Jahre nach der erfolgreichen Bauplatzbesetzung im Wyhler Wald ist in Südbaden und am Oberrhein zwischenzeitlich "alles irgendwie Wyhl". Jede und Jeder scheint damals dabei gewesen zu sein und alles war Friede, Freude, Eierkuchen...

Es ist gut und wichtig sich an die großen Erfolge der Umweltbewegung zu erinnern, doch sollten wir ein wenig darauf achten, dass das Erinnern nicht in´s nostalgisch Kitschige abdriftet.

Dies gilt insbesondere in einer Zeit in der egoistische, industriegelenkte Bürgerinitiativen immer stärker werden und in der die globalen Kampagnen für Gefahrzeitverlängerung und neue AKW an Heftigkeit zunehmen. Auch im Jahr 2020 gibt es keinen Grund für Nostalgie! Wer NEIN zur Atomkraft und Kohle sagt, muss JA sagen zu den erneuerbaren Energien und zur massiv bekämpften Energiewende.

Axel Mayer, (Alt-)Bauplatzbesetzter & (Alt-)BUND-Geschäftsführer, Mitwelt Stiftung Oberrhein

Nicht autorisiertes Vorwort von meinem Freund Walter Mossmann
Es gibt 28.000 Wyhl-Erzählungen, die alle voneinander abweichen,
weil jeder, der damals dabei war, seine eigene Erzählung hegt und pflegt und abwandelt und anpasst an seine neuen Ideen und an seine Tagesform. Aber wenn Leute auftreten und eine angeblich verbindliche, weil angeblich wahre und wissenschaftlich erhärtete Wyhlerzählung zum Besten geben, dann sträuben sich bei mir die Nackenhaare. Dann wird ganz gewiss in irgend eine Richtung ideologisiert. Da wird dann beispielsweise eine linke Geschichte draus, oder eine ganz gemütliche Kaiserstühler Dorfgeschichte, oder eine religiöse oder eine typisch deutsche oder eine typisch grüne – alles Quatsch. Man muss alle 28.000 Geschichten gleichzeit anhören, dann kriegt man aus dem chaotischen Gesumm und Gequiecke und Gekreisch eine Ahnung davon, was damals wirklich abging.



Vor 45 Jahren! Bauplatzbesetzung in Wyhl


„Die Umweltbewegung wird für das gelobt, was sie in der Vergangenheit getan und erreicht hat und sie wird dafür kritisiert, was sie aktuell fordert und durchsetzen will“

Das geplante Kernkraftwerk Wyhl bei Wyhl am Kaiserstuhl sollte ursprünglich zwei Reaktorblöcke der 1300-Megawatt-Klasse umfassen. In den beiden Reaktoren wäre jährlich die kurz- und langlebige Radioaktivität von ca. 2600 Hiroshima-Bomben entstanden. Der in Wyhl produzierte Atommüll müsste ca. einen Million Jahre sicher aufbewahrt werden...

Am 18. Februar 1975,
vor 45 Jahren, wurde im Wyhler Wald Geschichte geschrieben. Es war der Tag des Baubeginns für die geplanten AKW. Männer und Frauen stellten sich mit ihren Kindern vor die Baumaschinen und brachten diese zum Stillstand, um ihre bedrohte Heimat zu schützen. Es folgte die erste Räumung des Platzes durch die Polizei am 20. Februar. Nach einer Großkundgebung am Sonntag, den 23. Februar 1975 kam es zur zweiten Besetzung.

Auch aus dem erfolgreichen „NAI hämmer gsait“ der Bauplatzbesetzungen in Marckolsheim (F), Wyhl (D), Gerstheim (F), und Kaiseraugst (CH) und aus dem zeitgleichen „JA hämmer gsait“ der Sonnentage in Sasbach und den Anfängen der Umweltbewegung entwickelte sich nach und nach ökologischer, menschengerechter Fortschritt.

Wyhl war ein wichtiger optimistischer Impuls für die globale Anti-Atom-Bewegung und die Opfer der Atomunfälle in Tschernobyl und Fukushima haben den damals Aktiven Recht gegeben. Der Wyhl-Protest stand aber immer auch für einen grenzüberschreitenden, weltoffenen, europäischen, toleranten, alemannischen Regionalismus.

Aus konservativen Nur-Naturschutzverbänden wurden Umwelt- und Naturschutzverbände. Luft und Wasser sind durch die langen Kämpfe der letzten 45 Jahre sauberer geworden, der Atomausstieg ist eingeleitet, Strom aus Wind und Sonne ist zwischenzeitlich billiger als Strom aus neuen AKW und Kohlekraftwerken.

Dies alles ist kein Grund für Nostalgie. Wir leben immer noch in Zeiten globaler und regionaler Umwelt- und Naturzerstörung. Klimawandel, Artenausrottung, Kriege, ökonomisch-ökologische Krisen, Hunger in der Welt, eine Zunahme von Gewalt, Irrationalität und Intoleranz prägen unsere Zeit. Ein Blick in die Welt zeigt zunehmende Gefährdungen, Krisen, Kriegsgefahren, politische und manchmal auch gesellschaftliche Auflösungserscheinungen. Die umwelt- und demokratiegefährdende Macht der großen, steuervermeidenden Konzerne hat in den letzten Jahren massiv zugenommen. Wenn es um deren ökonomische Interessen geht, dann haben trotz neuer, geschickterer Durchsetzungsstrategien und Greenwash, die Angriffe auf die Umweltbewegung die gleiche „Qualität“ wie vor 45 Jahren.

Heute, lange nach dem Wyhl-Konflikt, gibt es leider immer mehr industriegelenkte Bürgerinitiativen, Stiftungen und egoistische Gruppen, die mit vorgeschobenen Umwelt- und Naturschutzargumenten gegen Mensch, Natur und Umwelt agieren.

Es gibt viele Gründe sich über vergangene Erfolge zu freuen und unendlich viel zu tun.
Im großen, globalen Krieg des Menschen gegen die Natur und damit gegen uns selber, haben wir in Wyhl und Marckolsheim die globalen Zerstörungsprozesse entschleunigt und einen kleinen, wichtigen, regionalen Teilerfolg erzielt. Es lohnt, sich zu engagieren. Mein Dank geht an die unzähligen Wyhl-Aktiven, an Freundinnen und Freunde.

Axel Mayer, ehemaliger Bauplatzbesetzer und Sprecher der BI Riegel, heute (Alt-)BUND-Geschäftsführer, Vizepräsident TRAS & Kreisrat






Kein AKW / Atomkraftwerk in Wyhl: Ein "subjektiver & persönlicher" Rückblick von Axel Mayer



Im Wyhler Wald, in den Rheinauen am Kaiserstuhl stehen mächtige Bäume mit großen Wurzeln.
Doch nicht nur Bäume haben hier ihre Wurzeln, sondern auch der BUND, das Ökoinstitut, die GRÜNEN, das badische „NAI hämmer gsait“ zur Atomkraft und das erste, frühe JA der Sasbacher Sonnentage zu den zukunftsfähigen alternativen Energien.

Mit dem Jahr 1970 begann ein spannendes, wichtiges Jahrzehnt.
Der Nachkriegsglaube an das unbegrenzte Wachstum bekam erste Risse, aus konservativen Nur-Naturschutzverbänden wurden politische Umweltverbände und am Oberrhein, im Elsass, in der Nordschweiz und Südbaden schwoll der Protest gegen umweltvergiftende Industrieanlagen und geplante Atomkraftwerke zu einer massiven Bürgerprotestbewegung an. In kurzer Folge wurden ab dem Jahr 1974 das Gelände für ein geplantes, extrem umweltvergiftendes Bleichemiewerk in Marckolsheim(F) und für drei Atomkraftwerke -Wyhl(D); Gerstheim(F), Kaiseraugst(CH)- besetzt. Alle diese umstrittenen Projekte wurden durch massiven Bürgerprotest und illegale Bauplatzbesetzungen verhindert und nie realisiert. Bauplatzbesetzung, das schreibt sich mit 45 Jahren Abstand so einfach. Doch diese Bauplatzbesetzungen bedeuteten auch Debatten und heftigen Streit, Demovorbereitungen, Plakataktionen, Flugblattschreiben, Polizeigewalt, Freund- und Liebschaften, viele, viele gebackene Kuchen, Matsch, Schnee, knöcheltiefer Schlamm und nasse, kalte Winter im Strohlager und Zelt.


AKW KKW Wyhl: Demo mit Meinrad Schwörer, Axel Mayer und vielen anderen

Natürlich war ich damals in Wyhl dabei.
Für den jungen Lehrling aus dem Wyhler Nachbardorf Teningen war es doch keine Frage, sich gegen die Bedrohung von Mensch, Natur und Heimat, gegen das Bleichemiewerk in Marckolsheim und später gegen das AKW in Wyhl zu engagieren. Im Winter 1974 bin ich mit meiner Freundin Barbara auf der Vespa zur ersten Besetzung nach Marckolsheim gefahren. Hätten wir uns damals nicht mit so vielen Menschen engagiert, dann wären in den letzten 45 Jahren viele hundert Tonnen Blei auf den Kaiserstuhl und das elsässische Ried herabgeregnet. Bei einem vergleichbaren Bleichemiewerk in Norddeutschland starben in der Umgebung ab und zu die Kühe an Bleivergiftung und die Kinder hatten Pseudokrupp und Hustenanfälle. Es gab damals in Europa noch Formen der Umweltverschmutzung und Vergiftung, die heute nicht mehr vorstellbar sind und die Fortschritte für Mensch und Natur wurden in vielen mühsam-erfolgreichen Konflikten erkämpft. Hätten wir uns später in Wyhl nicht gewehrt, dann stünde im Erdbebengebiet am Oberrhein ein weiteres, gefährliches AKW.


Wyhl Protest: Demo mit Balthasar Ehret (dr Bälz) von der Fischerinsel und dem berühmten Transparent "Heute Fische morgen wir"

Auf den besetzten AKW-Bauplätzen in Wyhl (D), Kaiseraugst (CH) und Gerstheim (F)
wurde drei Jahrzehnte nach Kriegsende auch der europäischen Traum vom grenzenlosen Europa geträumt und erkämpft. Die europäischen Nachbarn haben grenzüberschreitend gemeinsam die Grenzen und die alte, verlogene "Erbfeindschaft" überwunden, Bauplätze und Brücken besetzt, Gifteinleitungen in Rhein und Luft abgestellt, für Leben und Zukunft gekämpft und gemeinsam viele Gefahren am Oberrhein abgewehrt. Hier wurde der Traum vom grenzenlosen Europa geträumt, ausgedrückt im Lied von François Brumpt: "Mir keije mol d Gränze über de Hüfe und danze drum erum". Der damaliger Traum von einem schlagbaumlosen Europa ist heute am Oberrhein Realität. Und was mensch gegen Luftverschmutzung, Klimaveränderung und zerstörerische Auswirkungen der Globalisierung tun kann, haben die Aktionen vor 45 Jahren auch gezeigt.


Brückenbesetzung auf der alten Pontonbrücke in Sasbach: Gegen das Bleiwerk in Marckolsheim und das AKW in Wyhl
Einschub: Von ungewollten GRÜNEN Vaterschaften...
Im Konflikt um das geplante AKW gab es bei uns Bürgerinitiativlern auch die Überlegung, einen Menschen als Vertreter in den Landtag zu bringen. Die "Schwarzen" kamen nicht in Frage, denn sie waren für´s AKW und die "Roten" kamen am schwarzen Kaiserstuhl nicht so richtig in Frage. Herr Dr. Schött, Endinger Apotheker und ein wichtiger Vertreter der Bürgerinitiativen, war bereit, den Weg ins Parlament über die FDP zu machen. Auf seinen Wahl-Plakaten stand aber kein Partei-Logo, sondern nur „Dr. Hans Erich Schött – Bürgerinitiative“. Und er wurde tatsächlich gewählt, auch ohne Partei-Logo. Staunend stellten wir damals fest, dass es möglich war als Umweltschützer in den Landtag zu kommen und dieser ungewöhnliche FDP-Umweg war auch ein Impuls, eine Umweltpartei zu gründen. Die Geschichte kennt nicht nur gerade Wege. 1976 wurde Herr Dr. Schött in den Landtag gewählt und 1980 wurden die GRÜNEN gegründet.



Volkshochschule Wyhler Wald: Eine von vielen Veranstaltungen auf den besetzten Plätzen in Wyhl und Marckolsheim
Am Sonntag, den 23. Februar 1975 besetzten 28.000 Menschen den Wyhler Wald, das Gelände auf dem die Badenwerk AG zwei Atomkraftwerke bauen wollte. Das Gelände war jetzt dauerhaft besetzt. Nun galt es Menschen zu informieren und noch mehr Menschen dazu zu bewegen immer wieder auf den besetzten Bauplatz zu kommen. Einige Aktive gründeten aus diesem Grund die Volkshochschule Wyhler Wald, eine alternative Bildungseinrichtung. Ich selber erinnere mich an lange Vorträge, Konzerte, Lesungen, Diskussionsrunden und viele, viele spannende Veranstaltungen...

KKW und (Bürgermeister) Zimmer - Dafür sind wir immer
Selbstverständlich gab es in Wyhl auch eine starke "KKW-Ja-Gruppe". Immerhin waren den kleinen Dorf ein Schwimmbad, eine Umgehungsstrasse, hohe Gewerbesteuern und Arbeitsplätze versprochen worden. Nach Tschernobyl und Fukushima haben viele "Ja-ler" ihre Meinung geändert. Die PR für´s AKW Wyhl auf auch aufwändig und verlogen.

Hier ein Auszug aus einer Broschüre die damals verteilt wurde. Sie erinnert stark an heutige Broschüren mit denn für neue
AKW und Thorium-Reaktoren geworben wird:

Broschüre der HEW/NWK 1973: 66 Fragen 66 Antworten. Zum besseren Verständnis der Kernenergie
Frage 42: Sind Kernkraftwerke sicher?
Antwort: Ja. Kernkraftwerke sind sicher.
(...) Der Technische Überwachungsverein hat einmal ausgerechnet, dass die Eintrittswahrscheinlichkeit für den sogenannten „Größten anzunehmenden Unfall“ (GAU), das heißt eines hypothetischen Unfallablaufes, für den jede Kernkraftanlage ausgelegt ist, 1:100 000 pro Jahr beträgt. Mit anderen Worten: Hätte der bekannte König Cheops aus der 4. altägyptischen Dynastie statt der von ihm errichteten Pyramide 20 große Kernkraftwerke gebaut und diese wären bis heute in Betrieb gewesen, dann müsste man damit rechnen, dass sich seither einmal ein solcher Unfall hätte ereignen können. Die Auswirkungen dieses Unfalls wären überdies so gewesen, dass jedermann am Kraftwerkszaun tagaus tagein hätte zuschauen können, ohne dabei mehr als die zulässige Strahlendosis zu empfangen. Nimmt man an, dass sämtliche Sicherheitseinrichtungen des Kernkraftwerkes nicht funktioniert hätten, dann wäre dies mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:1 Mrd. pro Jahr passiert. Das bedeutet, dass die Vormenschenaffen im Alt-Tertiär vor 50 Millionen Jahren besagte 20 Kernkraftwerke hätten bauen und seither betreiben müssen, dann hätte man einen solchen Unfall vielleicht einmal registrieren können."



Solange Fernex und Annemarie Sacherer bei einer Wyhl-Demo 1975

Sasbacher Frauen auf dem besetzten Gelände in Marckolsheim (und später auch in Wyhl)
Frauen spielten im aktiven Widerstand eine wichtige Rolle, eine Rolle die nicht unbedingt dem Geschlechterverständnis der 70er Jahre am konservativen Kaiserstuhl und im Elsass entsprach.

Wyhl-Protest und alemannische Regionalkultur
Die Proteste und Bauplatzbesetzungen in Marckolsheim, Wyhl, Gerstheim und Kaiseraugst fielen in eine Hoch-Zeit der europäischen Regionalbewegungen. Im Baskenland und in Katalonien gärte es und auf dem Larzac-Plateau in Südfrankreich gab es erfolgreiche Proteste gegen einen geplanten Truppenübungsplatz. Der Begriff "Heimat" wurde endlich entstaubt und erstmals nach dem Krieg von tümelnden Klischees befreit.
Das Elsass erlebte eine Blüte (und leider auch einen Schwanengesang) elsässisch-alemannischer Regionalkultur. Eine Vielzahl elsässischer, badischer und schweizer Künstlerinnen und Künstler, eine "Alemannische Internationale", traten bei Demos, Aktionen und im Rahmen des Programms der Volkshochschule Wyhler Wald auf. HAP Grieshaber erstellte Wyhl-Plakate und stellte sie den Bürgerinitiativen zur Verfügung. Schallplatten und Liederbücher entstanden und es wurde viel gesungen bei Demos und auf den besetzten Plätzen. Prägende Kunst- und Kulturschaffende in dieser breiten trinationalen Protestbewegung waren u.a. Walter Mossmann, Andre Weckmann, Rene Egles, Buki (Roland Burkhart), Ernst Born, François Brumpt, Karl Meyer, Meinrad Schwörer, Roland Engel, die Blaskapelle "Rote Note", Ernst Schillinger, la Rue de Dentelles, Roger Siffer, Francis Keck... und die lange Liste ist unvollständig.
Der Wyhl-Protest war immer auch Protest für Vielfalt, Demokratie und für ein grenzenloses Europa der Menschen und Regionen. Ohne die massive Einbindung der Kultur in den Protest wäre der Erfolg nicht möglich gewesen.

Aktuell und hörenswert bei SWR 2:Elsässisch, die "Alemannische Internationale", Dialekt, Ökologie, Wyhl-Protest, Heimatgeschichte & Schreiben in einer sterbenden Sprache...


(Hans Filbinger & AKW Wyhl: Plakat-Montage, aufgenommen auf dem Bauplatz des AKW Wyhl)
Wyhl war auch der Anfang vom politischen Ende von Hans Filbinger
Von ihm, dem damaligen Ministerpräsidenten des Landes stammt der berühmte Satz: „Ohne das Kernkraftwerk Wyhl werden zum Ende des Jahrzehnts in Baden-Württemberg die ersten Lichter ausgehen.“ Die politische Karriere Filbingers war bis zum Wyhl-Konflikt steil verlaufen. Doch Wyhl, insbesondere aber seine Tätigkeit als Marinerichter im Nationalsozialismus wurde ihm zum Verhängnis. Im August 1978 trat er zurück. Er war in der Nazi-Zeit Marinerichter und Mitglied der NSDAP.
"Walter Gröger war ein Matrose der deutschen Kriegsmarine während des Zweiten Weltkriegs. 1943 versuchte er sich der weiteren Beteiligung an den Kriegshandlungen zu entziehen, wurde verhaftet und zunächst zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Wenige Monate vor Kriegsende wurde das Urteil mit dem Vorwurf der Fahnenflucht ins Ausland in ein Todesurteil umgewandelt und Gröger daraufhin erschossen. Den Antrag dazu stellte der damalige Marinestabsrichter des NS-Regimes Hans Filbinger. Im Verlauf der Filbinger-Affäre 1978 entdeckte und veröffentlichte der Dichter Rolf Hochhuth den Fall Walter Gröger." schreibt Wikipedia.


Walter Mossmann & Hans Filbinger
Eine von Walters berühmten Balladen ist die vom fahnenflüchtigen Matrosen Walter Gröger, an dessen Hinrichtung der Marinerichter und spätere Ministerpräsident Hans Filbinger 1945 maßgeblich beteiligt war: "Den heimwehkranken Matrosen traf zehnmal die Kugel aus Blei. In sauber gebügelten Hosen stand Herr Filbinger aufrecht dabei."

45 Jahre nach den Wyhl-Protesten
bleiben Erinnerungen und grenzüberschreitende Freundschaften. Es bleiben Erinnerungen an die besetzten Plätze in Wyhl, Marckolsheim, Gerstheim, Kaiseraugst (und später das Gencamp in Buggingen), ans Wyhler Freundschaftshaus, die Volkshochschule Wyhler Wald, an engagierte Frauen und Männer, an Kaiserstühler Winzer, an konservative Forchheimer Bauern und linksalternative Freiburger Freaks, an Menschen wie Solange Fernex, Annemarie Sacherer, Lore Haag und Balthasar Ehret, an die heute noch aktiven Frank Baum, Erhard Schulz, Walter Mossmann und den unermüdlichen Jean-Jacques Rettig..., an den mühsam glücklichen Tag der Wyhler Besetzung, an die Blüte der alemannischen Regionalkultur, an die Überwindung der nationalen Grenzen und ein Stück gelebtes Europa, an mancherlei Gesichter, an Reden, Streit, Gespräche und Lieder. Die Vergangenheitsverklärung bricht Ecken und Kanten der Erinnerung.

JA hämmer gsait


Der Wyhl-Protest war nicht nur das kämpferische "Nai hämmer gsait", sondern auch das Ja zu damals absolut neuen und exotischen Dingen wie Solar- und Windenergie bei den ersten Sonnentagen in Sasbach. Im Sommer 1976 veranstalteten einige Aktive des Bund für Umwelt und Naturschutz gemeinsam mit den Bürgerinitiativen die weltweit erste und größte Ausstellung zu alternativen Energien in Sasbach am Kaiserstuhl. Der Widerstand gegen das im Nachbardorf Wyhl geplante AKW Wyhl war uns Aktiven nicht genug, es galt auch Alternativen zur Atomenergie aufzuzeigen. Werner Mildebrath (Solarpionier Sasbach) und Erhard Schulz (BUND Mitbegründer) waren mit vielen anderen die treibenden Kräfte. Aus heutiger Sicht war es eine kleine, ja geradezu winzige, Ausstellung alternativer Energien. Aber gerade dieses "aus heutiger Sicht" zeigt den unglaublichen Erfolg der damaligen Idee und der umgesetzten Vision. Wer hätte die unglaublichen Entwicklungen im Bereich alternativer Energien damals für möglich gehalten? Viele Aktive aus den damaligen Bürgerinitiativen sind heute aktive BUND-Mitglieder und gerade der BUND am Südlichen Oberrhein steht immer noch für die kämpferische Tradition der erfolgreichen trinationalen Umweltbewegung am Oberrhein.

Wenn ich auf über vier Jahrzehnte intensiv erlebte regionale Umweltarbeit zurückschaue, dann muss ich sagen, dass wir einen "Fehler" gemacht haben. Überall dort, wo wir dem Staat oder der Allgemeinheit durch unsere Aktivitäten Kosten erspart haben ( oder hätten ersparen können, wenn man auf uns gehört hätte, wie bei schlechten, überteuerten Müllverbrennungsanlagen oder Stuttgart 21), überall dort hätten wir 5% dieser Summen einfordern sollen.


Aus dem langhaarigen Vermessungstechnikerlehrling
wurde der grau-und kurzhaarige (ALT-)BUND-Geschäftsführer und Kreisrat, der sich in der Mitwelt Stiftung Oberrhein immer noch für Natur, Umwelt, Frieden, Klima- & Artenschutz, Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit engagiert, der manchmal über den Hunger in der Welt, Kriege für Öl und die schleichende Zerstörung seiner Heimat am Oberrhein verzweifelt und dennoch immer noch Kraft aus Wyhl, den damaligen und manchen aktuellen Erfolgen zieht. Auf den besetzten Bauplätzen habe ich meine Lebensbatterie geladen. Ob diese Batterie ein Leben lang hält, wird sich zeigen...

Axel Mayer, (Alt-)BUND-Geschäftsführer, Vizepräsident TRAS, Kreisrat, Mitwelt Stiftung Oberrhein





BauplatzbesetzerInnen in Wyhl & Marckolsheim...


Auszug aus einer Rede von Walter Mossmann (Dezember 2010)
Was neu war:
Auf den besetzten Plätzen in Marckolsheim, Wyhl oder Kaiseraugst trafen sich nicht mehr nur die üblichen Verdächtigen aus der linken Szene, auf die sich Polizei und Justiz längst eingeschossen hatten, vielmehr kamen dort Leute zusammen, die eigentlich gar nicht zusammen gehörten, deshalb ging es ja auch in Wyhl viel lustiger zu als bei den Parteimeetings der Moskau- oder der Peking-Kommunisten.

Im Freundschaftshaus
auf dem besetzten Platz in Wyhl trafen Winzergenossen und katholische Landfrauen auf eine Jugendgruppe der IG Metall aus NRW oder auf die Stuttgarter Gewerkschaftsopposition bei Daimler ("Plakatgruppe") mit Willi Hoss und Peter Grohmann, es trafen sich evangelische Pfadfinderinnen aus Heidelberg mit bündischen Jungs aus Hamburg und Grauen Panthern aus Westberlin, es kamen denkende Sozialdemokraten, die sich gerade mit Erhard Eppler gegen den Atompolitiker Helmut Schmidt aufrichteten, es kamen die Religiösen von den Anthroposophen bis zu den Zen-Buddhisten, dazwischen Linkskatholiken, Pfingstler, Basisgemeinden, orthodoxe Russen, reformierte Juden, laizistische Iraner, synchretistische und tolerante Brasilianerinnen, es kamen deutsche Männergesangsvereine, französische Feministinnen, geoutete Schwule, heimliche Heteros, Spontis, Maoisten, Trotzkisten, Anarchisten, Ornithologen, Vegetarier, Verteidiger des SED-Regimes, die absurderweise auf volkseigene Atomkraftwerke vom Typ Tschernobyl setzten, es kamen Leute vom Schwarzwaldverein, von den Vosges Trotter Colmar, von der Skizunft Brend, es kamen Pazifisten, Reserveoffiziere und die Schnapsnasen aus Webers Weinstuben, es kamen alte Leute, die ihre Ideen vom Naturschutz aus der nationalsozialistischen Erziehung mitbrachten, es kamen kritische Architekten, Mediziner, Pädagogen, Journalisten, frustrierte Orchestermusiker, grübelnde Polizisten, und sie trafen auf den Apotheker vom Kaiserstuhl, den Schmied, den Schreiner, die Ärztin, die Chemikerin, den Müller, den Fischereimeister, den Tabakbauer, die Winzerinnen, die Lehrer, die Pfarrer, und sie trafen Werner Mildebrath, den Elektriker aus Sasbach, der schon 1975/76 den Leuten seine Sonnenkollektoren aufs Dach setzte, denn die Bürgerinitiativen arbeiteten schon damals an erneuerbaren Energien, und sie organisierten 1976 die Sonnentage von Sasbach, als die Stuttgarter Regierung noch einfältig und doktrinär an das Perpetuum Mobile namens Atomkraft glaubten.





Der Umweltbote (aus einem alten Infoblatt der Bürgerinitiativen)

Eine (alte) Information der BADISCH - ELSÄSSISCHEN BÜRGERINITIATIVEN


AKW - KKW - Wyhl Chronik: Der Widerstand im Wyhler Wald


Was geschah bisher um Wyhl


Kein Atomkraftwerk in Wyhl und anderswo
Aus einem alten Flugblatt der BADISCH-ELSÄSSISCHEN BÜRGERINITIATIVEN




Nai hämmer gsait! Kein Atomkraftwerk in Wyhl und anderswo


Dieser Satz und das alte Plakat
im Winter 1982 - 1983 (als der Bau des AKW wieder einmal kurz bevor stand) entworfen von Hubert Hoffmann, stehen für die erfolgreiche, selbstbewusst-alemannische, grenzüberschreitend-trinationale Umwelt- und Anti-Atombewegung im Dreyeckland, die in Wyhl (D), Kaiseraugst (CH) und Gerstheim (F) den Bau von drei Atomkraftwerken verhindert hat. Ursprünglich allerdings stammt das Motiv von einem Transparent der Bauplatzbesetzung 1974/75 in Marckolsheim Das "awer" (siehe unten im Foto) im Ursprungstext zeigt deutlich, dass hier elsässische Transparentmaler am Werk waren und dass der grenzüberschreitend-gemeinsame Dialekt viele Variationen hat.

Als Plakatidee
hat Hubert Hoffmann den Satz des Transparents für die Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen aufgegriffen. Hubert war in der Zeit der Wyhl-Proteste ein vielbeschäftiger niebezahlter Hobbygrafiker der Bürgerinitiativen und der Umweltbewegung. Auf vielen der alten Wyhl-, Fessenheim-, Waldsterben- und Dreyecklandplakaten findet sich irgendwo versteckt ein kleines Schneckensymol, das Zeichen, dass die Grafik von Hubert Hoffmann stammt. Von ihm kam die Idee des ersten NAI-Plakats und ich erinnere mich noch wie schwierig es für mich war, die erste Ablehnung in den BI´s für das Motiv zu überwinden und endlich in Druck zu gehen. Es war damals nicht anders als heute: Ein Plakatmotiv, drei Leute, vier Meinungen und viel Kritik... Später wurde das anfänglich umstrittene und teilweise sogar abgelehnte Motiv zu dem Symbol des erfolgreichen Widerstands gegen das Atomkraftwerk Wyhl und heute ziert es im Wyhler Wald den Gedenkstein der Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen. Ich selber habe vor über 30 Jahren das Plakat vielhundertfach an Kaiserstühler Hoftore getackert.

Das Motiv findet sich auch als "Widerstandskitsch",
beispielsweise auf kleinen Weingläsern, es wurde bei der Debatte um die Gefahrzeitverlängerung für AKW und nach dem GAU in Fukushima aber auch wieder politisch wichtig. "Atomausstieg jetzt" stand jetzt unter dem "Nai" auf 16.000 neuen BUND- und BI-Plakaten und auf vielen Aufklebern. Aus dem Fahnenmeer der gelben Anti-Atom-Sonnen leuchtet es als Fahne selbstbewusst-alemannisch bei den vielen Fukushima- und Fessenheim-Demos hervor (sogar bei einer Demo in Tokio) und Plakate und Fahnen hängen an vielen Balkonen am Oberrhein.
Das neueste Motiv
stammt wieder aus der Zusammenarbeit von Hubert Hoffmann und Axel Mayer. Das "Nai hämmer gsait" steht jetzt etwas kleiner unter dem Plakat, das AKW-Motiv mit Kühlturm wurde durch ein Fessenheim-Foto ersetzt und oben am Plakat steht in großen Lettern "FESSENE?" Immer noch wird trinational gemeinsam die Gefahrenquelle am Rhein angegangen.

Kleiner sind die NAI-Plakate geworden,
denn die Zeit der schönen, großen alten Holzhoftore ist vorbei. Es wird auch in den Städten immer schwieriger große Plakate aufzuhängen und so wurden die Plakate im Laufe der Jahre immer kleiner. Immer mehr tritt der Aufkleber oder der "Spucki" an Stelle des Plakats als Vermittler von politischen Botschaften.

Ein Plakat muss plakativ sein
und die Aussage auf ein zentrales Motiv beschränken, alles andere wäre ein plakatives Flugblatt. Doch hinter dem gemeinsamen "NAI" der Menschen am Oberrhein zu den Todestechnologien stand immer auch ein vielstimmiges "JA". Da war das erst verlachte, bekämpfte und später vielkopierte "JA" zu den nachhaltigen, zukunftsfähigen alternativen Energien bei den Sonnentagen in Sasbach. Und dann natürlich der mühsam erkämpfte Traum, das "JA" zu einem grenzenlosen Europa der Menschen, nicht nur am Oberrhein, ausgedrückt im alten Lied unseres elsässischen Mitstreiters François Brumbt: "Mir keije mol d Gränze über de Hüfe und danze drum erum". Im heutigen Europa der ökonomisch-ökologischen Krisen und der Habgier ist die erkämpfte Realität der offenen Grenzen durch Intoleranz und (noch) kleine Nationalismen wieder einmal massiv gefährdet und braucht erneut die Kräfte der Zivilgesellschaft ...
Hoffentlich
werden wir zumindest das "NAI" zur Atomkraft auch am Oberrhein in wenigen Jahren nicht mehr benötigen und die alten Plakate werden zu Sammlerstücken für die Museen.




Nai hämmer gsait: Das erste, elsässische Banner mit diesem Motiv bei der Bauplatzbesetzung in Marckolsheim 1974/75 Info



Das Motiv, jetzt als BUND-Plakat in der Zeit der von schwarz-gelb geplanten Laufzeitverlängerung für AKW.



"Nai hämmer gsait" als hundertfach gezeigte Fahne nach dem Atomunfall in Fukushima.





Das Motiv als Längs-Banner ist noch im Druck und wird Ende Juli ausgeliefert...


"Nai hämmer gsait" exotisch: Die Fahne bei einer Fukushima-Demo von Friends of the Earth Japan in Tokio


Demo in Breisach



Wyhl und die Anti-Atomkraft-Bewegung


Quelle: Martin Oversohl / Deutsche Presseagentur /DPA März 2009
Wir danken Herrn Oversohl für die Abdruckerlaubnis


Da ist immer noch Stolz
in seiner Stimme. Stolz, gemeinsam etwas vollbracht zu haben im Kampf David gegen Goliath. Axel Mayer, so etwas wie ein Veteran der Anti-Atomkraft-Bewegung, war dabei, als sich eine ganze Region - Bauern, Studenten, Beamte - auflehnte gegen den geplanten Bau eines Atom-Meilers vor ihrer südbadischen Haustür. Mayer trug 1975 seinen Teil zum Mythos von Wyhl bei - und er marschierte am 28. Februar 1981 an der Seite von 100 000 anderen mit bei den größten Anti-Atom-Protesten der deutschen Geschichte in Brokdorf an der Elbe. Jetzt spürt er wieder so etwas wie ein Aufleben der Proteste. „Sie sind im Aufwind“, sagt der 53-jährige Arbeitersohn.

Ende der 1960er Jahre hatte selbst Mayer die Kernkraftwerke noch akzeptiert. „Als Kind und Schüler habe ich die Atomkraft unterstützt“, sagt er. Kernkraftwerke galten schließlich als sicher, als wirtschaftlich, als umweltfreundlich, als Segen für die Menschheit. Aber dann sollte ein Bleichemiewerk in Marckolsheim gebaut werden - und der langhaarige Vermessungstechnikerlehrling ging auf die Straße.

„Für mich war es doch keine Frage, sich gegen die Bedrohung von Mensch, Natur und Heimat, gegen das Bleichemiewerk und später gegen das AKW in Wyhl zu engagieren.“ Also schwang sich Mayer 1974 mit seiner Freundin auf den Motorroller und fuhr zur ersten Besetzung nach Marckolsheim.


„Nai hämm'r gsait (Nein haben wir gesagt)“ - unter dem alemannischen Motto wird die 3613 Einwohner zählende Gemeinde Wyhl am Kaiserstuhl wenig später zum Symbol für den Widerstand gegen technische Klötze.
Hunderte von Menschen stellen sich den anrückenden Baumaschinen entgegen, darunter viele Weinbauern, die Angst hatten, dass die Schwaden der Kühltürme ihren Weinbergen die Sonne wegnehmen, aber auch Landwirte mit ihren Traktoren. Die Kernkraftwerk Süd GmbH will auf dem Gelände zwei Kraftwerksblöcke bauen.
Die Protestler besetzen im Februar 1975 den Bauplatz, wenige Tage später müssen sie Polizisten, Wasserwerfern und Hundestaffeln weichen. Doch der erzwungene Friede währt nicht lange. Nach einer Kundgebung bewegen sich 28 000 Menschen auf das mit Stacheldraht eingezäunte Gebiet zu, etliche überwinden die Absperrung.

Erst knapp neun Monate später verlassen die letzten Demonstranten den Bauplatz wieder, nachdem sie dort ein „Freundschaftshaus“ errichtet, eine „Volkshochschule Wyhler Wald“ gegründet, nächtelang zusammengesessen und diskutiert hatten. „Wer dort saß, der war sich sicher, dass sein Protest rechtens war“, erinnert sich Mayer. 1978 gibt die Regierung das „Aus“ für Wyhl bekannt - mangels Bedarfs. „Wir haben erlebt, dass man mit einer illegalen Besetzung etwas erreichen kann“, sagt Mayer.

Den Erfolg der badisch-elsässischen Bürgerinitiativen auf dem besetzten Bauplatz feiert nicht nur er als Geburtsstunde der deutschen Anti-Atomkraft-Bewegung und als Wiege der Grünen. „Der Umweltschutz war damals ein exotischer Gedanke, er brauchte diesen Schub, und die Zeit war reif.“


Der Region verpasst der Protest mit seinem frühen Ja zu alternativen Energien eine Art ökologisches Wirtschaftswunder: Forschungsinstitutionen werden rund um Freiburg aus der Taufe gehoben, die Stadt im Breisgau gilt heute als Mekka der Solarindustrie.

„Friedlich war der Protest damals, tief verwurzelt und solidarisch“, erinnert sich Mayer, der heute als Geschäftsführer des BUND-Regionalverbands Südlicher Oberrhein „sein Hobby zum Beruf“ gemacht hat. Dennoch, ein bisschen Wehmut meint man aus seiner Stimme zu hören. „Ganz im Gegensatz zu den Protesten in Brokdorf Jahre später.“

Brokdorf - ein Schlagwort, ähnlich wie es heute Gorleben ist mit seinen regelmäßigen Massenprotesten gegen das Zwischenlager und die Transporte der abgebrannten Brennstäbe. Der Erfolg der Wyhler war den Atomkraftgegnern in Norddeutschland nicht vergönnt: „Die Betreiber hatten aus den Fehlern von Wyhl gelernt, es gab eine bessere Propaganda und massive Aufrüstung bei der Polizei“, sagt Mayer, der sich damals mit einem Bus auf den Weg in den Norden gemacht hatte. Wasserwerfer wurden vor genau 28 Jahren gegen die Demonstranten auf dem Acker eingesetzt, es hagelte Stahlkugeln gegen Polizisten. Es sind vor allem diese Bilder der Gewalt, die im Gedächtnis hängengeblieben sind.
Die Kieler Regierung zog mit mehr als 10 000 Beamten das bis dahin größte Polizeiaufgebot in der deutschen Geschichte zusammen. Etliche Polizisten und Demonstranten wurden verletzt. Brokdorf, das steht für eine Niederlage der Bewegung. Für viele politisch Bewegte mag dieser Frust der Anfang vom Ende ihres Engagements gewesen sein.

Dennoch: Hin und wieder blitzte auch in den Jahren danach noch der Erfolg auf. „Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv“ schrieben sich die Atom-Gegner auf die Schilde. „Der Bau der Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf Mitte der 80er Jahre konnte verhindert werden“, sagt Mayer. Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl in der Ukraine schürte weitere Ängste vor einem deutschen GAU, und immer wieder sorgt seit Mitte der 1990er Jahre der Protest gegen die Castor-Transporte mit abgebrannten Brennelementen aus der Wiederaufarbeitungsanlage La Hague ins Zwischenlager Gorleben für massiven Protest.

Nach wie vor lacht hier und dort eine rote Sonne auf gelbem Grund, der berühmte „Atomkraft? Nein Danke!“-Aufkleber, der eine Generation geprägt hat. Der Sticker hat seinen Platz im Berliner Deutschen Historischen Museum gefunden.
„Man fühlt sich belogen und betrogen,“ schimpft Mayer, als das Gespräch auf den Atomkonsens kommt, der Absprache von Politik und Atomwirtschaft über einen Ausstieg bis etwa zum Jahr 2021. Mayer spürt so etwas wie damals, in Wyhl, eine Aufbruchstimmung, die die Massen wieder auf die Straßen treiben könnte. „Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass die Umwelt- und Anti-Atom-Bewegung wieder stärker wird.“



Plakate: Atomkraft, AKW, KKW, Atom, Wyhl (Eine Plakatsammlung)



Das Plakat ist eine von vielen Möglichkeiten kritische, politische und ökologische Inhalte zu transportieren. Gerade auch im Zusammenhang mit dem geplanten AKW Wyhl ist eine Vielzahl von Plakaten entstanden. Wir beginnen hier eine kleine Auswahl von Wyhl-Plakaten zusammen zu stellen.
Ein Plakat ist immer auch ein Schrei, denn Betroffenheit, Zorn, Trauer und Wut sind häufig auch Motive, Plakate zu entwerfen, zu drucken und zu plakatieren. Und darum gehören in eine Plakatausstellung auch die plakativen Klischees, der städtisch-idealisierte „knollennasige” Kaiserstühler Bauer und der „böse, knüppelschwingende” Polizist. Wer wütend ist, übertreibt plaktiv.
Viele dieser Plakate stammen aus meinem persönlichen Archiv. Manche wurden bei der BUND-Plakat-Ausstellung "30 Jahre Umweltplakate am Oberrhein" 2005 in Freiburg und Lörrach gezeigt.

An dieser Stelle möchte ich mich auch einmal herzlich bedanken:

Axel Mayer

Plakate:
Hier finden Sie die Plakate zum Thema Atomkraft, AKW, Fessenheim
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Hier können Sie BUND-Plakate kaufen!

Postkarten:
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Image "Plakat, AKW, Wyhl, Nai hämmer gsait.jpg" not found!
Plakat AKW Wyhl: Nai hämmer gsait / Das wohl bekannteste Wyhl-Plakat von Hubert Hoffmann. Aus diesem Motiv wurde eine Vielzahl weiterer Plakate entwickelt. Hier finden Sie mehr Infos zu diesem Plakat. Einige wenige alte, orginal "NAI-Plakate" gibt´s noch im BUND-Laden.



Plakat AKW Wyhl: Eberle, CDU / Dieses Schablonen-Plakat entstand am Tag der Bauplatzbesetzung im Wyhler Wald. Es war die damals schnellste Methode Plakate zu erstellen.


Plakat AKW Wyhl: 3 Plakate


Plakat AKW Wyhl: 15 Jahre


Plakat AKW Wyhl: Aktionstag


Plakat AKW Wyhl: Bauernoper, VHS Wyhler Wald


Plakat AKW Wyhl: Bauernkrieg, Bauplatzbesetzung


Plakat AKW Wyhl: Der Widerstand geht weiter


Plakat AKW Wyhl: Filbinger, Montage


Plakat AKW Wyhl: Foto, Protest


Plakat AKW Wyhl: Gorleben, Fotos


Plakat AKW Wyhl: Jetzt - Stilllegung alles Atomanlagen


Plakat AKW Wyhl: Katastrophenschutzplan


Plakat AKW Wyhl: KKW nein


Plakat AKW Wyhl: Menzenschwand, Gorleben


Plakat AKW Wyhl: Natorampe 2.2.1976


Plakat AKW Wyhl: Stop KKW, Schablonen


Plakat AKW Wyhl: VHS Wyhler Wald, Atomstaat


Plakat AKW Wyhl: Volkshochschule Wyhler Wald, 1975-1979


Plakat AKW Wyhl: Volkshochschule Wyhler Wald, 1975-1980


Plakat AKW Wyhl: Wache im Wyhler Wald, 23.11.-06.12.


Plakat AKW Wyhl: Waldsterben


Plakat AKW Wyhl: Wandzeitung, Fotos


Plakat AKW Wyhl: Wandzeitung


Plakat AKW Wyhl: 10 Jahre. Das Plakat "Wyhl - 10 Jahre danach" zeigt verschiedene Fotos von Protestveranstaltungen und Demonstrationen der Anti-Atomkraft-Bewegung. Darauf montiert wurde die Darstellung des Bannerträgers aus der Flugschrift von Thomas Murner "Von dem großen lutherischen Narren" aus dem Jahre 1522. Das Motiv des Holzschnitts von 1522, der "Bannenträger der Freiheit", mit der geänderten Fahnen-Aufschrift, stellt die Kernkraftgegner in die Tradition der Bauern und Bürger, die bereits vor 500 Jahren im "Bundschuh" und im "Bauernkrieg" gegen ihre Obrigkeiten revoltiert hatten.
Das Gleiche gilt für das folgende "Whyl - 15 Jahre danach"-Plakat.



Plakat AKW Wyhl: 15 Jahre danach.


Plakat AKW Wyhl: 1978


Plakat AKW Wyhl: Kernenergie Dialog


Plakat AKW Wyhl: Programm, Volkshochschule, Wyhler Wald


Plakat AKW Wyhl: Wandzeitung, Das KKW wird nicht gebaut


Plakat AKW Wyhl: Widerstand


Plakat AKW Wyhl: CWM, Marckolsheim, Chanson Alsaciennes et Badoises


Plakat AKW Wyhl: Parkplatzwegweiser


Plakat AKW Wyhl: 2. Jahrestag, Besetzung


Plakat AKW Wyhl: CDU, Demokratie


Plakat AKW Wyhl: Mensch, Natur


Plakat AKW Wyhl: Widerstand lebt


Plakat AKW Wyhl: 3 Jahre Widerstand





Zum Schluss noch ein "wunderbares" Pro-Atom-Plakat






[b]Mehr Infos:





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  • 3) Im Zweifel ist die -Allgemeine Erklärung der Menschenrechte- immer noch eine gute Quelle zur Orientierung.
  • Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein

Getragen von der Hoffnung auf das vor uns liegende Zeitalter der Aufklärung (das nicht kommen wird wie die Morgenröte nach durchschlafner Nacht)


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