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2016 Umweltpolitischer Rückblick auf das Jahr (Südbaden, Elsass, Oberrhein & Rest der Welt)

17.12.2016

Umweltpolitischer Jahresrückblick auf die Jahre
20162015,2014, 2013, 2012, 2011, 2010, 2009, 2008, 2007, 2006, 2005, 2004, 2003, 2002, 2001
am Oberrhein (Südbaden, Elsass, Oberrhein & Rest der Welt)


Hier finden Sie einen umfangreichen Beitrag zur Geschichte, Umweltgeschichte und Regionalgeschichte am Oberrhein in Südbaden, Elsass und Nordschweiz.


2016 - Umweltpolitischer Jahresrückblick: Mensch, Natur und Umwelt (nicht nur) in Südbaden, Elsass und am Oberrhein



Beginnen wir den Jahresrückblick 2016 mit dem weihnachtlichen Zitat eines berühmten amerikanischen Politikers:
"It's freezing and snowing in New York--we need global warming!"
Donald J. Trump


Das Jahr 2016
war global und regional ein Jahr mit Erfolgen und Niederlagen für Mensch und Umwelt und für den BUND am südlichen Oberrhein auch ein Jahr des Erinnerns. Wir erinnern uns an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl und den Sandoz-Unfall vor 30 Jahren, aber auch an den großen regionalen BUND-Erfolg, den erfolgreichen Konflikt um die letzte Papierfabrik der Region ohne Kläranlage. Vor 20 Jahren konnten wir mit massivem Druck der Papierfabrik Kaysersberg eine Kläranlage aufzwingen. Ein Erfolg für Mensch, Natur und Rhein.

Die „großen“ Themen:


  • In den USA hat sich der Milliardär, Oligarch und das „wesentlich größere Übel“ Trump durchgesetzt. Mit Trump ist ein Lobbyist (nicht nur) der fossilen Energien und ein Klimawandelleugner an die Macht gekommen. In seiner Unberechenbarkeit gefährdet er auch den Weltfrieden. Es ist mehr als beunruhigend, dass die demokratisch gewählten Vertreter der Intoleranz, die Trumps, Erdogans und Orbans, immer stärker werden. Für eine Stärkung der gefährdeten Demokratie brauchen wir mehr soziale Gerechtigkeit und wir sollten versuchen die Gier als höchsten westlichen Wert zu verdrängen.
  • Die Staatengemeinschaft hat sich auf eine schrittweise Abschaffung der FKW-Gase geeinigt und damit einen kleinen Fortschritt bei der Bekämpfung des Klimawandels erreicht. Dennoch träumen Südbaden und die Welt immer noch den großen zerstörerischen Wachstumstraum, an dessen Ende jeder Mensch einen SUV vor seiner Tür parken kann.
  • In der Antarktis entsteht im Rossmeer das weltweit größte Meeresschutzgebiet. Nach jahrelangen Debatten und massivem Druck der Umweltverbände ist endlich der Durchbruch gelungen.
  • Der Dieselskandal zeigt mehr als deutlich, was die von vielen Politikern heißgeliebte "Selbstkontrolle" der Industrie den Menschen und der Umwelt tatsächlich bringt, nämlich nichts. Bei unserem Verkehrsminister Dobrindt stellte sich im Jahr 2016 immer stärker die Frage: "Ist er jetzt eigentlich mehr Lobbyist oder tatsächlich noch Politiker?" Die gleiche Frage stellt sich auch bei (nicht nur) Atomlobbyist Günther Oettinger, der bei der EU ins Haushaltsressort wechselt und zum mächtigen Vizepräsidenten aufsteigt.
  • Unternehmen und Regierungen sind - neun Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise - so stark verschuldet wie noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Gesamtschulden in der Welt belaufen sich auf 152 Billionen Dollar. Das entspricht 225 Prozent des globalen Bruttosozialprodukts. Ein erneuter großer Crash ist absehbar.
  • Eine Oxfam-Studie hat gezeigt, dass die Schere zwischen Arm und Reich so groß ist, dass das reichste Prozent der Weltbevölkerung (70 Millionen Menschen) über so viel Vermögen verfügt wie der ganze Rest (sieben Milliarden Menschen) zusammen. Das und die erscheckenden "Panama Papers 2016" sind durchaus auch ein Thema für einen Naturschutzverband, denn zur Nachhaltigkeit gehört immer auch soziale Gerechtigkeit.
  • Das Jahr 2016 war bestimmt von den Debatten um "Frei"handel, um TTIP und Ceta. Durch TTIP und Ceta werden die satzungsgemäßen Ziele des BUND - "Natur, Umwelt und Nachhaltigkeit" - massiv bedroht. Wir stehen für eine Globalisierung, die Mensch, Natur und Umwelt nützt. Eine Globalisierung, die Rücksicht nimmt auf Menschenrechte, Natur und Umwelt und bei der die Rechtsstaatlichkeit nicht durch Konzerngerichte ausgehebelt wird, will auch der BUND. Von diesen Zielen sind CETA und TTIP weit entfernt. Gerade die Umweltbewegung und der BUND am südlichen Oberrhein standen und stehen für das Europa der Menschen und der Nachhaltigkeit und nicht für das traurig-real erlebte Europa der Lobbyisten. Es gibt eine erschreckende, massive Entfremdung zwischen den Menschen, die mit heißem Herzen für Europa gekämpft haben und dem realen Europa der Konzerne und Lobbyisten. Gerade die aktuelle Maut-Debatte zeigt die europäische Kleingeistigkeit mancher TTIP-Lobbyisten.
  • Wo die Schere zwischen Arm und Reich auseinander klafft, nehmen immer auch Umweltzerstörung, Gewalt, Kriegsgefahr und Extremismus zu. Der neue Kalte Krieg wächst nicht nur in den Köpfen und wir vergessen zu gerne, dass wir den letzten nur durch einige glückliche Zufälle überlebt haben. Mit Sorgen sehen wir gerade auch in Europa eine wachsende Demokratiegefährdung. Ohne soziale Gerechtigkeit gibt es keinen Frieden.


Die regionalen Themen:


Auch regional gab es Erfolge und Niederlagen:
  • Das Wetter-Jahr 2016 folgte auf das "Warm-Jahr" 2015 und war am Oberrhein geprägt von vielen Extremwetterereignissen. Wir erlebten heftige Gewitter, Starkregen, drückende Schwüle, große Hitze und Temperaturschwankungen. In Baden-Württemberg sind die Durchschnittstemperaturen seit Beginn des Industriezeitalters um ein Grad gestiegen, am Oberrhein sogar schon um zwei Grad!
    Das Zwei-Grad-Ziel ist der verzweifelte Versuch, die globale Erwärmung auf weniger als zwei Grad Celsius gegenüber dem Niveau vor Beginn der Industrialisierung zu begrenzen. Am Oberrhein wurde diese Zwei-Grad-Marke schon überschritten.

    Es besteht also durchaus die Möglichkeit, dass aus zukünftigen globalen zwei Grad mehr, vier Grad zusätzlich am Oberrhein werden, mit absehbaren Folgen für Mensch und Natur. Die Hoffnung auf ein Erreichen des gewünschten globalen Zwei-Grad-Ziels ist in einer Welt, die auf "unbegrenztes Wachstum" setzt und in der selbst in der "Ökoregion Oberrhein" die Autobahn sechsspurig ausgebaut werden soll, äußerst unwahrscheinlich.
  • Am 27.11.2016 hat die Schweizer Bevölkerung über die "Initiative für den geordneten Atomausstieg" abgestimmt. Leider gab es ein unerfreuliches „Nein“ zum Atomausstieg und damit ein „Ja“ zur Gefahrzeitverlängerung. Wenn sich das älteste AKW der Welt in Beznau nicht irgendwann „selbst abschaltet“, muss es nächstes Jahr nicht vom Netz. Der reiche Schweizer Atomfilz und die Macht der Lobbys haben mit teuren, gut organisierten Angstkampagnen gewonnen.
  • Trotz aller Versprechen von Herrn Hollande ist das AKW Fessenheim immer noch nicht dauerhaft stillgelegt und nur wegen erschreckender technischer Mängel zeitweise abgeschaltet. François Fillon, der frisch gekürte Präsidentschaftskandidat der französischen Republikaner, ist ein neoliberaler Atomlobbyist.
    Der BUND hat wieder einmal sehr aktiv mitgeholfen, den Protest gegen das AKW Fessenheim zu organisieren. Auf sieben Rheinbrücken haben trinational gemeinsam über 4500 Menschen demonstriert. Das schreckliche Hin und Her der Abschaltdebatte führt zu einer zunehmenden Politikverdrossenheit. Die AKW Fessenheim, Leibstadt und Beznau werden leider auch in den nächsten Jahren wichtige Themen unserer BUND-Arbeit bleiben.
  • Mit Sorgen verfolgen wir die perfekte, massive globale PR-Kampagne für neue, kleine Thorium-Reaktoren. Viele, kleine, neue AKW sind der Traum jedes Terroristen und ein globaler Alptraum.
  • In einer Zeit, in der laut einer UN-Studie täglich bis zu 130 Arten aussterben, haben wir mit Presse-, Internetarbeit und 50.000 Flyern auf das stille Sterben der Schmetterlinge und Insekten in Südbaden aufmerksam gemacht.

Leider gab es für den Naturschutz am Oberrhein viele Rückschläge:
  • Die Tank- und Rastanlage an der B 31 wird nicht dorthin gebaut, wo die Landschaft bereits hässlich ist, sondern an einer wunderschönen Stelle bei Rötenbach.
  • (Nicht nur) der geplante EDEKA Markt in Sölden im Hexental ist eine Bausünde auf der (ehemals) grünen Wiese.
    Der Konflikt um die Ansiedlung des landschaftsgefährdenden Weinguts Vogel in Oberbergen musste mit einem Kompromiss beendet werden, der zumindest dazu führt, dass jetzt ein Wildkatzenbiotop besser geschützt ist.
  • Am Leopoldskanal im Taubergießen wird gegen die ökologische Vernunft der Damm wieder erhöht. Die auenverändernde, notwendige Dynamik wird eingeschränkt und für den Plastikmüll heißt es: "Ab in die Nordsee".
  • Die „Green“ City Freiburg überlegt allen Ernstes, 13 Hektar Mooswald abzuholzen und die Zersiedelung am Oberrhein führt zu einer massiven Verscheußlichung.


Erfolge
  • An der Elz zwischen Riegel und Teningen sind im Januar die Bagger aufgefahren und ein alter Traum des BUND (für den wir lange gekämpft haben) wird realisiert. Aus dem gerade gestreckten, naturfernen Kanal wird endlich wieder ein naturnaher Bach. Ein Fortschritt für unsere geschundene Natur und ein kleiner Beitrag zum dringend notwendigen Hochwasserschutz.
  • Die Bürgerentscheide gegen Flächenverbrauch in Emmendingen und Endingen wurden gewonnen. Beide Abstimmungen zeigen, dass es immer mehr Menschen gibt, welche die regionalen und globalen Grenzen des Wachstums erkennen und dennoch keinen Stillstand, sondern kluge, behutsame Weiterentwicklung von Heimat wünschen. Wohin geht die Region und die Welt? Das Emmendinger und Endinger "Nein" gibt erst einmal keine Antwort auf diese Frage, aber es verlangsamt an winzigen Stellen örtliche Zerstörungsprozesse...
  • Eine BUND-Idee zieht Kreise. Die aktuelle Planung, das Stromübertragungsnetz zu verstärken, die geplante "380-kV-Netzverstärkung Daxlanden-Eichstetten“ bietet jetzt die einmalige Chance, die Energiewende auch einmal für den Landschaftsschutz zu nutzen. Unsere Idee, die vielen, parallel laufenden Strom-Trassen zu einer einzigen Trasse zu bündeln, wird von der Politik aufgegriffen. Nur die Betreiber zieren sich noch.
  • Das gigantisch-flächenfressende Mosolf-Logistikzentrum in Kippenheim bei Lahr sollte nach dem Willen von CDU und Freien Wählern noch einmal um 18 Hektar erweitert werden. Durch Rücknahme des Grünzugs an dessen Südrand sollte eine Erweiterung auf fast 100 ha (= 1 km² = 1.000.000 m² !) ermöglicht werden. Ein solches PKW-Lager sollte nach BUND-Ansicht flächensparend, mehrgeschossig & hagelsicher gebaut werden und auf´s Dach gehört eine Solaranlage. Der BUND hat mit Stellungnahmen und intensiver Pressearbeit gegen dieses Wahnsinnsprojekt gekämpft und Recht bekommen.
  • Der Südschwarzwald wird Biosphärengebiet. Landwirtschaft, Natur und Tourismus sollen sich künftig im Einklang entwickeln.
  • Ein schöner, stiller Erfolg ist unser BUND-Nistkastenprojekt. Den 10.000sten Bausatz für Vogel-Nistkästen bekamen wir im Jahr 2016 überreicht. Zwischenzeitlich sind wir ein richtiger Großkunde in der regionalen Caritas-Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Ein Erfolg für den Vogelschutz und für die Menschen.

    Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer



    2016 - Umweltpolitischer Jahresrückblick:
    In einer Zeit in der nach UN-Angaben täglich bis zu 120 Arten aussterben, erinnerte der BUND an das große, stille Insektensterben am Oberrhein.








    2015: Umweltpolitischer Jahresrückblick - Mensch, Natur und Umwelt am Oberrhein



    Vorwort:


    Hölderlin schrieb: "Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch", doch Realität ist, dass in Gefahr und Krise nicht etwa das Rettende, sondern das Neurotische, Dummheit, Gewalt, Intoleranz, Verschwörungstheorien, Fundamentalismus und Nationalismen wachsen. Aus alter Gewalt wird neue und zukünftige Gewalt, Dummheit stärkt Dummheit, Intoleranz stärkt Intoleranz und religiöse Fanatiker und ihre barbarischen Anschläge stärken auf eine beängstigende Weise die Intoleranz der Politik und vieler Menschen in Europa und Deutschland.


  • Im Jahr 2015 wurden die Welt, Europa und Deutschland
    von einer Vielzahl schwerer Krisen aufgerüttelt und jede einzelne hat das Potential, die Welt und unsere Demokratie zu erschüttern. Viele dieser bedrohlichen Krisen haben ihre Wurzeln in nicht nachhaltigem Handeln, in vergangenen Kriegen für Öl, in einem Mangel an globaler Gerechtigkeit, in der unmoralischen Trennung von "guten, nützlichen" Dikaturen und "bösen" Diktaturen, in der weltweiten Raubbauwirtschaft und in nicht zukunftsfähiger Politik. Auf viele Krisenursachen haben wir jahrzehntelang vergeblich hingewiesen und vor ihnen gewarnt. Wir wissen, dass atomare Katastrophen, Klimawandel und das absehbare Ende vorhandener Ressourcen uns allen noch viel größere Probleme bereiten könnten. Erschreckend ist auch der mangelnde Mut zu selbstkritischer Analyse der Krisen-, Kriegs- und Fluchtursachen. Unsere Demokratie und Freiheit wird insbesondere durch Terror und Reaktionen auf Terror, aber auch durch die Selbstentmachtung der Politik durch das Freihandelsabkommen TTIP massiv gefährdet.

    Globales...


    • Die Klimakonferenz in Paris brachte zumindest auf dem Papier einen erfreulichen Durchbruch und ist ein Fortschritt gegenüber früheren Konferenzen. Das Ziel von nicht mehr als 1,5 Grad Erderwärmung gegenüber 1870 liegt aber noch in weiter Ferne. Es wird mit den völkerrechtlich nicht verbindlichen Zusagen von Paris eher drei Grad wärmer, sagen Klimaforscher. Und solange „Schneller kaufen – Schneller wegwerfen“, unser westlicher Überkonsum, noch Vorbild für die Welt ist, haben der BUND und die globale Umweltbewegung noch viel zu tun. Die friedlichen Aktionen vieler junger „friends of the earth“ AktivistInnen in Paris haben auch den BUND bestärkt, der Teil dieses globalen Netzwerkes ist.

    • Auch 2015 wurde wieder einmal gesagt,
      die Griechen, Franzosen, Italiener und der Rest der Welt sollten so arbeiten und produzieren wie die Deutschen und die ökonomischen Probleme Europas und der Welt wären gelöst. Nicht einmal Deutschland ist in der Lage, "in guten Zeiten" (in denen der private Reichtum wächst) den staatlichen Schuldenberg abzutragen. Wenn alle Länder nach deutschem Vorbild Exportländer werden, brauchen wir tatsächlich Kolonien auf dem Mars, denn irgendwo müssen die Rohstoffe herkommen und die Produkte schließlich hin.

    • Die Hintergründe vieler aktueller Probleme sind Staatsverschuldung,
      Banken- und Konzernmacht, Staatsgläubigkeit, Bürokratie, Deregulierung der Finanzmärkte und immer neue Finanzkonstrukte, Überkonsum, Wachstumswahn, soziales Unrecht (regional und global), Energie-, Rohstoff- und Arbeitszeitverschwendung. Wir leben in einem System, das nur funktioniert wenn es wächst und sich damit zwangsläufig selbst zerstört. Der weltweite Mythos vom "unbegrenzten Wachsen im sehr begrenzten System Erde" stößt an seine Grenzen.

    • Wie die Schlafwandler
      taumelt die Welt in eine neue Aufrüstungsspirale und einen neuen kalten Krieg, wiederholt die alten Fehler und vergisst dabei, dass wir den letzten kalten Krieg nicht durch Vernunft, sondern nur durch glückliche Zufälle überlebt haben.

    • Atomare Aufrüstung in Deutschland!
      Auf dem Bundeswehr-Militärflugplatz Büchel in Rheinland-Pfalz begannen im Herbst 2015 die Vorbereitungen für die Stationierung neuer, lenkbarer amerikanischer Atombomben. Das belegen US-Haushaltspläne, die der ZDF-Sendung "Frontal21" am 22.9.15 vorlagen. Wenn gegen den Willen des deutschen Bundestages, in einer Zeit massiver internationaler Spannungen, in Deutschland atomar aufgerüstet wird, dann stellt sich tatsächlich die Frage, ob Deutschland ein souveräner Staat ist.
      Info

    • Der VW-Abgasskandal war kein "Nur"-VW-Skandal
      7 Jahre lang hatten die Umweltbewegung und der BUND auf die Abgaslügen hingewiesen. 7 Jahre lang ist nichts geschehen.
      7 Jahre lang hat die Politik, die Kontrollbehörden und der TÜV gezielt weggeschaut. Der VW-Skandal zeigt die ungeheure Macht der Konzerne und Autolobby in Deutschland und ist auch ein Politikskandal. Er zeigt die Verfilzung von Konzernen, Politik und Kontrollbehörden. Im Jahr 2015 konnte auch der Eindruck entstehen, dass die positive Bewertung des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat durch wirtschaftsnahe europäische und deutsche "Kontrollbehörden" nach dem "VW-Prinzip" erfolgte. Wegschauen, wegducken und die Interessen der Industrie bedienen. Durch TTIP wird die Macht der Konzerne noch wachsen. Bei der anstehenden Landtagswahl 2016 werden wir „Risiken und Nebenwirkungen“ des Freihandels zum Thema machen.


    Regionales...



    • Im Jahr der Weltklimakonferenz in Paris wurde im "Ökoland" Baden
      von der EnBW in Karlsruhe ein neues 912-Megawatt-Kohlekraftwerk in Betrieb genommen, der sechsspurige Autobahnausbau vorangetrieben, in wärmsten Winterwetter das Parkhaus am Feldberg eingeweiht und mit der Zalando-Ansiedlung in Lahr eine unglaubliche Anzahl von zukünftigen Transporten, zusätzlichem Verkehr und klima- und menschenschädlichen Abgasen vorprogrammiert. An die Menschen wurde appelliert, umwelt- und klimafreundlicher zu leben, während gleichzeitig von Politik und Wirtschaft in der "Ökoregion" dauerhaft umwelt- und klimafeindliche Strukturen geschaffen wurden. Das Jahr 2015 war in Baden ein Jahr der schönen Umweltrhetorik und des ökologischen Rückschritts in der Realpolitik.

    • In Strasbourg war am 29.11.2015 der "Weltmarsch für das Klima" geplant
      Wegen der Terrorgefahr wurde die Demo verboten. Der Abwägungsprozess zwischen dem Schutz des Rechtsguts -Demonstrationsfreiheit- und dem Rechtsgut -Glühwein & Weihnachtsmarkt- wurde von der Präfektur "zeitgemäß" entschieden.
      Der BUND und das breite Bündnis, das die Klimaschutzaktionen mit über 1500 TeilnehmerInnen am Samstag 28.11. in Freiburg organisierte, hat sofort angeboten, dass ein Redner der abgesagten Strasbourger Kundgebung nach Freiburg eingeladen wird. Kurzentschlossen haben sich DemoteilnehmerInnen aus dem Elsass auf den Weg gemacht und der Präsident von Alsace Nature, Daniel Reininger, hat gesprochen. Diese kleine symbolische Geste zeigt die europäische Verbundenheit und Zusammenarbeit der Umweltbewegung am Oberrhein, auch in Zeiten der Barbarei und den Versuch, Europa zu leben. -Amitié Franco-Allemande!-

    • Nach siebenjähriger Abriss- und Bauzeit
      ist im Juli 2015 die neue Freiburger Universitätsbibliothek (UB) eröffnet worden. Die BUND-Fragen zum Abriss der alten UB nach nur 30 Jahren, die Fragen, ob wir es uns in der Vergangenheit leisten konnten eine Bibliothek zu erstellen, die nach nur 30 Jahren abgerissen werden musste, nach der Verschwendung von Rohstoffen, Energie und menschlicher Arbeitskraft, die Frage, ob es sich unser Gemeinwesen leisten kann, auch heute noch an vielen Stellen teure, kurzlebige Bauten zu erstellen, wird (nicht nur) in der „Green“ City Freiburg leider nicht öffentlich diskutiert. Lässt sich "Wachstum" bei uns nur noch durch "schneller bauen - schneller abreißen" erreichen?

    • In diesem Jahr fiel auch die Entscheidung, die neue Bahntrasse als Autobahnparallele zu bauen
      Seit vielen Jahren fordert der BUND, dass diese Baumaßnahmen so flächensparend und naturschonend als möglich und ohne weiteren Ausbau der Autobahn realisiert werden. Technische Maßnahmen zwischen Neubaustrecke und Autobahn sollten den Flächenverbrauch reduzieren und so die Sicherheit gewährleisten, die ansonsten mit den flächen- und naturfressenden Sicherheitsabständen erreicht werden soll. Schon im Jahr 2003 haben wir mit unseren BUND-Forderungen erste Fortschritte erzielt. Der Abstand zwischen Autobahn und Neubautrasse wurde bei Freiburg von 26,5 auf 16 Meter reduziert.

    • Jetzt gilt es, auch die geplante Netzverstärkung der Hochspannungsleitung am Oberrhein
      zu nutzen und mit der Energiewende die Landschaft zu schützen. Dort wo heute zwei bis drei Hochspannungstrassen die Landschaft durchschneiden, sollte eine Zusammenführung auf eine einzige Trasse ernsthaft geprüft werden.

    • Lobbyisten und Regionalpolitiker fordern jetzt auch den Ausbau der Autobahn A5 auf sechs Spuren
      Doch in Sachen Klimaschutz, Abgase und Feinstaub ist die Autobahn ein größeres Problem als der heftig diskutierte Bahnausbau. Sie bringt mehr Lärm, Abgase und weitere Zerstörung von Erholungsflächen. An einer zentralen europäischen Transitachse und am "Verkehrsdrehkreuz Oberrhein" zu leben, bedeutet Verlust an Lebensqualität und keinen Gewinn. Was nützt ein sechsspuriger Autobahnausbau, wenn der Gotthard immer noch eine nur zweispurige Röhre hat? Hier wird mit dem Sachzwangsprinzip die Schweiz bearbeitet, die am meisten unter dem Transitverkehr leidet. Die Güter im Fernverkehr gehören auf die Bahn und das nicht erst ab der Grenze.

    • Die gefährlichen Atomkraftwerke in Beznau und Fessenheim abschalten!
      Das älteste Atomkraftwerk der Welt im grenznahen schweizerischen Beznau und das älteste AKW Frankreichs in Fessenheim sind die größten Bedrohungen unserer Heimat. In Fessenheim zeigt sich die undemokratische Macht der französischen Atomlobby und der EDF. Ob sich "die Macht" oder die Regierung durchsetzt werden wir im Jahr 2016 sehen. Der BUND und die grenzüberschreitende Umweltbewegung werden auch 2016 den Abschaltdruck aufrecht erhalten.

    • Die reiche Schweiz erlaubt sich den riskanten Luxus,
      im grenznahen Beznau das älteste und damit eines der gefährlichsten AKW der Welt zu betreiben. In diesem Jahr wurden zudem massive Probleme im sicherheitstechnisch wichtigsten Kernbereich des AKW, im Reaktordruckgefäß, bekannt. Seit vielen Jahren ist der BUND-Regionalverband einer der konsequentesten Kritiker dieser beiden technischen Dinosaurier in Fessenheim und Beznau.

    • Im Mai 2015 wurde der weiter entwickelte Katastrophenschutz für das AKW Fessenheim vorgestellt.
      Doch der beste Katastrophenschutz ist die Abschaltung der AKW! Solange aber die gefährlichen alten Kisten in Fessenheim, Beznau, Leibstadt und anderswo noch laufen, braucht es zumindest den Versuch von Katastrophenschutz. Seit über vier Jahrzehnten drängen der BUND und die Umweltbewegung am südlichen Oberrhein, dass aus dem bisherigen Kataströphchenschutz endlich Katastrophenschutz wird. Viele tausend Postkarten zu diesem Thema haben wir in den letzten Jahre an Herrn Kretschmann geschickt.
      Wie ein BZ-Beitrag zeigt, gibt es zumindest kleine Fortschritte, aber der Fortschritt ist eine Schnecke...
      Die Atomkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima haben die möglichen Dimensionen von Atomunfällen gezeigt, Dimensionen, die 20 Kilometer-Radien bei weitem übersteigen.

    • Am 6. Mai 2015 reichten BUND und NABU eine Kaiserstuhl-Petition ein.
      Ein großes Weingut mit Gaststätte und Ferienwohnungen soll im FFH-Gebiet Kaiserstuhl und im Vogelschutzgebiet Kaiserstuhl gebaut werden. Wir wollen eine Erweiterung und Verlagerung des betroffenen Weingutes nicht verhindern. Wir halten aber den jetzt angestrebten Standort aus den in der Petition genannten Gründen für völlig ungeeignet. Es ist ein Skandal, dass die Großgemeinde Vogtsburg dem betroffenen Landwirt keine besser geeigneten Flächen für die Ansiedlung anbietet. Wenn Natur und Landschaft am Kaiserstuhl gefährdet werden, wenn eine Naturzerstörung der Präzedenzfall für das nächste Folgeprojekt wird, dann nehmen auch Weinbau und Tourismus Schaden. Der Flächen- und Naturverbrauch am Oberrhein ist enorm. Entlang der Vorbergzone entsteht ein zusammenwachsendes hässliches Siedlungsband und auch der schöne Kaiserstuhl wird mehr und mehr von Beton „umrahmt“. Da sollten doch zumindest die letzten FFH- und Vogelschutzgebiete für Mensch und Natur geschützt werden. Auch die unsäglichen Pläne zum überdimensionierten Straßenbau im Tennenbacher Tal sind noch nicht gestoppt und bei der Debatte um das Biosphärengebiet Südschwarzwald stehen die Zuschüsse im Vordergrund und nicht die Natur.

    • Un-Willkommenskultur für Wolf und Triel
      Einzelne Exemplare von Luchs und Wildkatze werden in Baden-Württemberg extrem selten wieder gesehen und nach 150 Jahren jetzt auch der Wolf. An der A5 bei Lahr ist im Juni 2015 ein toter, leider überfahrener Wolf entdeckt worden.
      Sofort nach dem bekannt geworden war, dass bei Lahr an der A5 ein Wolf überfahren worden sein könnte, meldete sich die Vorsitzende der Jungen Union (JU) in der Ortenau, Madline Gund, mit der Forderung zu Wort, dass man den Wolf zur Jagd freigeben müsse, wenn er denn tatsächlich wieder ansässig werden wolle.
      Auch der Triel, der schöne Vogel mit den gelben Augen, kehrt nach 100 Jahren wieder zurück und wurde in Grißheim im Markgräflerland entdeckt. Doch die notwendige Erweiterung des Vogelschutzgebietes trifft auf massive Proteste und Widerstand der Landwirte. Mehr Infos in der Badischen Zeitung.

    • Wir sind die Grund- und Trinkwasserlobby!
      Die Themen „Grundwasser und Grundwasserschutz“ sind wichtige Aufgaben des BUND und wir verstehen uns auch als Lobby der „Wassertrinker“ und des Bodenschutzes am Oberrhein.
      Kleinkinder sollen aus Gesundheitsgründen das Wyhler Leitungswasser nicht trinken, denn der Grenzwert für Nitrat im Trinkwasser von 50 Milligramm Nitrat pro Liter (mg/l) wurde im Jahr 2015 überschritten. Auch die massiven Grundwasser- und Trinkwasserprobleme in Breisach zeigen die Probleme exemplarisch. Tief unten das Salz aus den elsässischen Kaliminen, das die Rohre zerfrisst, und in den oberen Grundwasserstockwerken die hohen Nitratwerte. Dies führt dazu, dass Breisach jetzt für 3,5 Millionen Euro eine neue Verbundleitung ans Wasserwerk Hausen erhalten soll. Hier zeigt sich, dass es ernstzunehmende Sorgen gibt, dass die geplante Breisacher „Problemlösung“ - das Wasserschutzgebiet Hausen - wegen des Nitrats zum „Problemgebiet“ werden könnte. Seit vielen Jahrzehnten ist die Grundwasser- und Nitrat-Problematik am Oberrhein bekannt, aber die erzielten Fortschritte in unserer „Ökoregion“ sind leider klein. Der BUND drängt beim Nitrat auf einen stärkeren Schutz der Trinkwassertrinker und ein konsequenteres Vorgehen der Behörden. In Breisach sollte beim Salz aus dem Elsass endlich einmal das Verursacherprinzip durchgesetzt werden, aber Stadt und Badenova trauen sich nicht zu klagen. Der Salzberg in Buggingen muss auf Kosten der Kali und Salz-AG schnellstmöglich saniert werden.


    2015 wärmstes Jahr
    Das Jahr 2015 war im Durchschnitt 0,9 Grad wärmer als der Durchschnitt des 20. Jahrhunderts - und damit global das wärmste Jahr seit Beginn der Messungen 1880.

    Zum Jahresschluss
    gab es noch 120 Protestmails gegen den BUND wegen unserer Internetseite zum Thema Chemtrails. Ein Verband der auch der Aufklärung verpflichtet ist, muss so etwas erdulden.

    Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer





    Zitat des Jahres:
    "Der Rhythmus des Konsums, der Verschwendung und der Veränderung der Umwelt hat die Kapazität des Planeten derart überschritten, dass der gegenwärtige Lebensstil nur in Katastrophen enden kann."
    Umwelt-Enzyklika von Papst Franziskus im Juni 2015





    2014: Umweltpolitischer Jahresrückblick - Mensch, Natur und Umwelt am Oberrhein




    Das Jahr 2014 war weltweit kein gutes Jahr. Die globale Krise, die auch eine Krise nicht-nachhaltigen Wirtschaftens ist, ist noch lange nicht überwunden. Mit Ebola erleben wir die Wiederkehr der großen Seuchen und auch die weltweiten Kriege rücken immer näher an uns heran. Im hundertsten Jahr nach Beginn einer der schrecklichsten menschengemachten Katastrophen, dem Ersten Weltkrieg, wird uns bewusst wie wertvoll es ist, in Frieden zu leben.
    Das Krisen- und Kriegsjahr 2014 bestätigte wieder einmal die Unfähigkeit der Menschen aus den Katastrophen der Vergangenheit zu lernen. Gerade von "Qualitätsmedien" hätten wir uns mehr analytisch kluge Differenziertheit gewünscht.

    Überall in Europa und auch am Oberrhein fanden im Jahr 2014 hochoffizielle Erinnerungsfeiern zum Beginn des Ersten Weltkrieges statt. Ein trauriges Beispiel für "Erinnerungskultur" war das Treffen von Bundespräsident Joachim Gauck und dem französischen Staatspräsidenten Francois Hollande am 3.8.14 auf dem Hartmannsweilerkopf in den Vogesen. Bei der „militärisch umrahmten“ deutsch-französischen Friedensfeier waren Pazifisten und Friedensfahnen unerwünscht. Das Zeigen einer Friedensfahne erregte den Unmut der französischen Polizeikräfte derart, dass sie den Aktivisten ohne Angabe von Gründen ein Platzverbot erteilten und sie zu ihrem Fahrzeug geleiteten. Die Medien berichteten nicht über diesen Vorfall.

    An einer Stelle hat uns das bedrohliche Chaos im Nahen Osten auf eine traurige Art bestätigt: Schon im Jahr 2007 hatten wir die gefährlichen Pläne des französischen Staatspräsidenten Sarkozy kritisiert, Atomkraftwerke und damit Atomkraftwaffen nach Libyen und in andere Spannungsgebiete des Nahen Ostens exportieren zu wollen. Herr Gaddafi war damals gerade wieder ein „guter Diktator“, mit dem sich gute Geschäfte machen ließen. Wären 2007 AKW exportiert worden, dann hätten die kriegführenden Parteien im Nahen Osten jetzt vermutlich Atomwaffen oder „schmutzige“ Bomben.

    100 Jahre nach dem schrecklichen Ersten Weltkrieg konnten wir aber auch an ein sehr erfreuliches Kapitel badisch-elsässischer Geschichte erinnern. Im elsässischen Marckolsheim wurde im Jahre 1974, vor vierzig Jahren, ein wichtiges Kapitel der Umweltgeschichte geschrieben. Trinational-gemeinsam und erfolgreich besetzten Menschen aus Frankreich, aus Deutschland und der Schweiz das Gelände eines geplanten, extrem umweltbelastenden Bleichemiewerks und verhinderten die massive Umweltvergiftung. Der damalige Erfolg hat auch dem BUND am Südlichen Oberrhein wichtige Impulse gegeben.

    Entsetzt sehen wir das globale und regionale Verschwinden von Arten. Der Mensch hat in nur vier Jahrzehnten die Zahl der Wirbeltiere auf unserem Planeten um die Hälfte reduziert. Im Durchschnitt hat sich die Anzahl der weltweit untersuchten Säugetiere, Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische in den vergangenen 40 Jahren halbiert und aktuell sterben täglich 380 Tier- und Pflanzenarten aus.

    Unsere Aufgabe ist es, die Themen Naturschutz, Artenschutz und Landschaftsschutz
    immer wieder auf die Region zu beziehen und regional gegen den explodierenden Flächen-, Natur- und Landschaftsverbrauch und gegen die „Vermaisung“ anzugehen und Mensch und Natur zu schützen. Wir danken allen, die uns geholfen haben, unsere sehr umfangreiche und wichtige Stellungnahme zur Fortschreibung des Regionalplanes zu erstellen. Gerade die Fortschreibung des Regionalplanes zeigte überdeutlich, dass Flächenverbrauch, Verbreiung der Landschaft und Verscheußlichung am Oberrhein ungebrochen weiter gehen sollen, wenn sich die Mehrheit der Bürgermeister durchsetzt.

    Eines von vielen Beispielen ist das immer noch wunderschöne Tennenbacher Tal. Wenn es nach der Kreisverwaltung im Landkreis Emmendingen geht, dann wird die Straße im Tennenbacher Tal massiv ausgebaut und PKW und LKW fahren zukünftig mit hoher Geschwindigkeit direkt an der historischen Klosterkapelle vorbei.
    Der BUND will menschen-, landschafts- und naturgerechte Kompromisse in Sachen Tennenbacher Tal. Kompromisse, die den Menschen in Freiamt und den Straßenbenutzern nur wenige Sekunden Zeitverzögerung abverlangen, die gleichzeitig aber Respekt für Natur, Landschaft, Kapelle und eines der landschaftlich (noch) schönsten Täler in Südbaden aufzeigen.

    Elf Jahre nach dem Brand des "nicht brennbaren" Giftmülls in der Deponie Stocamine in Wittelsheim im Südelsass wurde 2014 damit begonnen den Müll in ein früheres Salzbergwerk in Thüringen zu bringen. Es ist gut und richtig den Giftmüll aus der maroden Deponie Stocamine zu bergen und die vom BUND immer kritisierte Billiglösung in der Vergangenheit, wird jetzt für die französischen Steuerzahler sehr teuer. Doch in einem so großen Land wie Frankreich müsste es möglich sein, den aus der Stocamine geborgenen Giftmüll im eigenen Land sicher zu deponieren.

    Am 19. September 2014 hat das Bundesverwaltungsgericht die Rechtmäßigkeit von Ökologischen Flutungen beim IRP bestätigt, eine wichtige Entscheidung für den massiv bekämpften, naturnahen Hochwasserschutz in den Auen am Rhein.

    Die Diskussion um die Windenergie nahm auch am Oberrhein an Heftigkeit zu.
    In Denzlingen gab es eine Großveranstaltung von Windradgegnern, die von Atomlobbyisten und den organisierten Klimawandelleugnern von EIKE dominiert wurde.
    Die Fragen des Artenschutzes und des Landschaftsbildes werden auch vom BUND sehr intensiv geprüft und in die Verfahren eingebracht. Dennoch müssen wir in der Windenergiedebatte auch immer auf die Folgen der bisherigen Energieerzeugung aufmerksam machen. Windräder erzeugen im Gegensatz zu Atomkraftwerken keinen Kinderkrebs, Atommüll und keine Atomunfälle und im Gegensatz zur Nutzung der letzten fossilen Energievorräte auch keinen Klimawandel. Gerade im Vergleich zu manchen neuen Bürgerinitiativen zeigt sich die gemeinwohlorientierte Differenziertheit eines Naturschutzverbandes.

    Globale und regionale Erfolge:
    • Das lebensbedrohende Ozonloch ist endlich kleiner geworden und unsere früheren Proteste gegen den Einsatz von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) haben sich gelohnt. Nach UN-Prognosen erholt sich die Ozonschicht, die die Erde vor den krebserregenden UV-Strahlen der Sonne schützt. Bis 2050 könnten wieder Ozonwerte wie in den 1980er Jahren erreicht werden.
    • Am 1. Januar 2014 wurde endlich, gegen den massiven Widerstand der Sägewerkslobby CDU und FDP, der viel zu kleine Nationalpark Nordschwarzwald gegründet.
    • Im Jahr 2014 war Strom aus Wind und Sonne bereits wesentlich billiger als Atomstrom.
    • Wer hätte noch vor wenigen Jahren geglaubt, dass die Atomkonzerne im Jahr 2014 ihre teuren atomaren Altlasten gerne verstaatlicht hätten, um die Kosten auf die Allgemeinheit abzuwälzen?
    • Regional freuen wir uns über die beginnende Renaturierung von Elz, Glotter und Dreisam. Nachdem wir jahrzehntelang und erfolgreich für eine bessere Wasserqualität gekämpft haben, geht es jetzt darum, mit den Ausgleichsgeldern für den Bahnausbau aus den geradgestreckten, naturfernen Kanälen wieder „richtige Bäche“ zu machen. Es freut uns sehr, dass unsere alten BUND-Forderungen langsam umgesetzt werden.
    • Gemeinsam mit dem BUND-Landesverband, der BUND-Bezirksgruppe Schönberg und der Bürgerinitiative „Bürger für den Urberg“ konnten wir einen schönen juristischen Erfolg erzielen. Der Abbau von Kalk am Urberg bei Bollschweil ist endgültig gestoppt und die Naturzerstörung verhindert.
    • Seit vielen Jahren sagen wir, dass der eingeschleppte Maiswurzelbohrer am besten mit der ökonomisch und ökologisch sinnvollen Fruchtfolge bekämpft werden kann. Jetzt zeigt sich auch in der Praxis, dass wir Recht hatten und dass der massive Gifteinsatz der letzten Jahre unnötig war. Das massive Bienensterben im Jahr 2008 hätte durch Fruchtfolge verhindert werden können.


    An unseren zwei sehr unterschiedlichen BUND-Infoblättern des Jahres 2014 lässt sich das breite Spektrum regionaler Natur- und Umweltarbeit sehr gut ablesen:

    • Dank einer kleinen regionalen Erbschaft konnten wir unseren schönen, kindgerechten Bilderbuch-Naturschutz-Flyer zum Thema “Vogelschutz“ nachdrucken lassen und an 1000 Grundschulen und Kindergärten am Südlichen Oberrhein versenden. Der Flyer liegt auch in den vielen tausend BUND-Nistkastenbausätzen, die wir jedes Jahr verkaufen und versenden.

    • Der andere Flyer behandelt das leidige Thema AKW Fessenheim. Seit „Fukushima“ waren unsere bisherigen Fessenheim-Flyer vergriffen und wir bekamen von vielen Menschen, Gruppen und Schulklassen immer wieder Anfragen nach einer kurzen, schriftlichen Basisinformation zum AKW. Die vielen zehntausend BUND-Flyer der letzten Jahrzehnte waren eine wichtige Informationsquelle. Jetzt haben wir 60.000 Flyer neu gedruckt.


    Ein großes und wichtiges Thema im Jahr 2014 war das Transatlantische Freihandelsabkommen TTIP.
    TTIP wird die demokratiegefährdende Macht der Konzerne verstärken. Es öffnet die europäischen Türen für Genfood, Hormonfleisch, Sozialdumping, geheime Schiedsgerichte und Monsanto. Eine der größten Gefahren des Abkommens sind die Schiedsgerichte- , eine Konzerngerichtsbarkeit, die den Rechtsstaat schon heute bedroht. 4,7(!) Milliarden Euro will der Energiekonzern Vattenfall dafür, dass er unser Leben nicht mehr mit Atomkraftwerken bedrohen darf und klagt vor einem geheimen Schiedsgericht.
    Das Finanzamt Frankfurt hat im Spätherbst 2014 Attac die Gemeinnützigkeit entzogen. Dieses Vorgehen war zwar formell und rechtsstaatlich begründet, hatte aber einen politischen Hintergrund. Es war ein massiver Angriff auf eine Nichtregierungsorganisation, der auch im Zusammenhang mit den bundesweiten Aktivitäten vieler NGO´s gegen das geplante Freihandelsabkommen mit den USA gesehen werden muss.

    Ende 2014 gab es leider wieder einmal ein typisches Urteil gegen einen großen Umweltvergifter. Das oberste italienische Gericht hat im Prozess um den Asbest-Tod vieler Menschen das Urteil der Vorinstanz gegen den Schweizer Unternehmer Stephan Schmidheiny aufgehoben. Der Kassationsgerichtshof in Rom annullierte die Verurteilung zu 18 Jahren Haft und hohe Schadensersatzzahlungen aus der Vorinstanz.
    In der Vergangenheit konnten sich in fast allen großen Umweltprozessen (Bhopal, Seveso, Bayer-Holzschutzgiftprozess, Contergan...) die Konzerne und die Verursacher von Leid, Tod und Krankheit mit teuren Anwälten und teilweise lächerlichen Entschädigungszahlungen fast ungestraft aus der Affäre ziehen. Einzelne, gelegentliche Fehlurteile können und müssen in demokratischen Rechtssystemen akzeptiert werden. Doch ein Rückblick auf die wirklich großen Umweltstrafverfahren zeigt eine nicht akzeptable, erschreckende Tendenz zu einseitigen und tendenziösen Urteilen und ein Nichtinteresse der Medien an solchen Themen.

    Die "konservativen" Parteien im Schweizer Nationalrat haben im Dezember 2014 eine zutiefst unverantwortliche und unmoralische Entscheidung getroffen und die mächtige und mitregierernde Atomlobby hat ihre Interessen durchgesetzt. Der Betrieb der Schweizer Atomkraftwerke soll nicht eingeschränkt werden. Nur für die ältesten unter ihnen – Beznau I und II – ist nach 60 Jahren Schluss. Beznau I geht also 2029 vom Netz, Beznau II zwei Jahre später. Das dritte Kraftwerk der ersten Generation, jenes in Mühleberg, wird ohnehin 2019 abgeschaltet. Es ist nicht erklärbar, warum ein modernes Land wie die Schweiz in Beznau und Mühleberg die ältesten und unsichersten Atomkraftwerke der Welt betreibt und so die Existenz des eigenen Landes und der Menschen auch in den Nachbarländern so unverantwortlich auf´s Spiel setzt.

    Im Dezember 2014 überraschte die französische EDF
    die Menschen am Oberrhein mit einem Genehmigungsverfahren für das AKW Fessenheim. Es zeigt sich schnell, dass es sich eher um ein Beteiligungsverhinderungsverfahren zur Wasserentnahme und zur genehmigten Einleitung von Radioaktivität, Bor und Abwärme in den Rhein -in die Trinkwasserquelle für Millionen EuropäerInnen- handelte.

    Das Jahr 2014 war ein schwieriges Jahr.
    Umwelt- und Naturzerstörung, Kriege, Krisen, Gefährdung von Demokratie und Freiheit, Überwachung, Hunger in der Welt, undemokratisch wachsende Konzernmacht, eine Zunahme von Gewalt, Irrationalität und Intoleranz... Ein Blick in die Welt zeigt zunehmende Gefährdungen, Krisen, politische und manchmal auch gesellschaftliche Auflösungserscheinungen...
    Eingebunden in die Großthemen ist es unsere Aufgabe, uns auch in zunehmend schwierigen Zeiten für Mensch, Natur, Umwelt, für Nachhaltigkeit und Zukunft zu engagieren.

    Ein persönlicher Meinungsbeitrag von Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer
    Nachtrag:
    Mein perönliches Unwort des Jahres 2014 war das (Un) - Social Freezing. Das (Un) - Social Freezing ist ein neues Steuerungselement amerikanischer Konzerne, das zutiefst in die private Lebensgestaltung von Frauen eingreift.



    Axel Mayer : «L‘année 2014 n‘a pas été une bonne année dans le monde.»

    Axel Mayer, Directeur du BUND, vice-président du TRAS et conseiller communal à Emmendingen, revient sur l‘année 2014 et jete un coup d‘œil sur l‘année à venir, 2015.

    (Par Axel Mayer) – La crise globale, qui est aussi une crise d‘une économie agissant de manière peu pérenne, est loin d‘être terminée. Avec l‘Ebola, nous assistons au retour des grands fléaux, et les guerres mondiales s‘approchent dangereusement. 100 ans après le début d‘une des pires des catastrophes produites par l‘homme, la Ière Guerre Mondiale, nous nous rendons compte à quel point vivre en paix représente une valeur immense. Mais l‘année des crises et des guerres 2014 nous confirme une nouvelle fois que l‘homme est incapable d‘apprendre des catastrophes du passé.

    La destruction de l‘environnement et de la nature, les guerres, les crises, la remise en question de la démocratie et de la liberté, la surveillance globale, la torture dans des pays démocratiques, la famine dans le monde, le pouvoir grandissant et pas démocratique des entreprises multinationales, l‘augmentation de la violence, les comportements irrationnels et intolérants… Le regard sur le monde montre les dangers, les crises et même un début de la dissolution politique et sociétale…

    Au cœur de ces grands sujets de notre époque, il nous incombe de nous engager, surtout par ces temps difficiles pour l‘homme, la nature et l‘environnement, en faveur d‘un développement durable et de notre avenir…

    Une date encourageante en 2014, était une autre commémoration. A Marckolsheim en Alsace, en 1974, il y a 40 ans, un chapitre important de l‘histoire du mouvement écologiste a été écrit. Le 20 septembre 1974, un chantier à Marckolsheim a été occupé par des activistes écologistes du Pays de Bade et d‘Alsace. Selon le modèle indien, une «maison de l‘amitié» en bois a été construite, la première maison de ce type dans la région du Rhin Supérieur. Sur un niveau tri-national, ensemble et avec un grand succès, la construction d‘une usine de blanchissement chimique, extrêmement toxique pour l‘environnement, a pu être empêchée et une intoxication grave de l‘environnement évitée. Pour moi, apprenti de 19 ans, cela représentait le début dans une thématique qui n‘allait plus me quitter – l‘environnement et le développement durable. Le succès de l‘époque avait alors donné une forte impulsion au mouvement écologiste au niveau fédéral, ainsi qu‘au BUND dans le Sud du Rhin Supérieur. Les occupations des chantiers à Wyhl (ALL), Kaiseraugst (CH), Gerstheim (F) et Heiteren (F) devaient suivre et les occupants des champs prévus à la culture de mais génétiquement transformé à Buggingen (pays de Bade) faisaient appel aux expériences faites à Marckolsheim des décennies avant.

    Mes espoirs et attentes pour l‘année 2015 sont «modestes». La chose la plus importante étant que la paix, qui est de plus en plus menacée, aussi chez nous, puisse être maintenue.

    A cette occasion des fêtes de fin d‘année, mes remerciements vont à tous ceux qui s‘engagent pour l‘homme, la nature, l‘environnement et la justice sociale et bien entendu, à tous les activistes pour l‘environnement qui contribuent, la faux, la pelle, l‘affiche à la main, en écrivant des courriers de lecteurs ou en écrivant des articles ou qui font des dons, à sauvegarder la nature et l‘environnement dans la région du Rhin Supérieur. Je souhaite aussi remercier mon «homme de l‘année», Edward Snowden et l‘équipe de l‘émission «Die Anstalt» du ZDF, cette minuscule niche de la vérité sur une chaine publique.

    Très cordialement

    Axel Mayer

    Quelle: http://eurojournalist.eu/axel-mayer-lannee-2014-na-pas-ete-une-bonne-annee-dans-le-monde/



    2013: Umweltpolitischer Jahresrückblick - Mensch, Natur und Umwelt am Oberrhein


    An Stelle eines Vorwortes
    Mit der Weihnachtsreklame flatterte uns ein Hochglanzprospekt für teure Edeljeans ins Haus. Für „nur“ 99 Euro wurde eine abgewaschene, stark zerlöcherte Jeans angeboten. Solange solche Produkte Käufer und Käuferinnen finden, hat es eine vernunftorientierte Umwelt- und Naturschutzarbeit nicht einfach.

    Im Frühjahr 2013 gab´s im Osten der Bundesrepublik
    ein heftiges Hochwasser. Die Rheinanlieger blieben verschont. Wir und alle Städte rheinabwärts hatten ein riesiges Glück, denn in der Zeit des Starkregens war es in den Alpen richtig kalt. Bei höheren Temperaturen wäre zum Starkregen noch die Schneeschmelze hinzugekommen und auch am Rhein wäre wieder einmal „Landunter“ gewesen. Der menschengemachte Klimawandel verstärkt diese Probleme, nicht nur auf den Philippinen, sondern auch bei uns. Darum engagieren wir uns schon lange für ein Miteinander von Hochwasserschutz und Naturschutz am Rhein, aber auch für die Renaturierung der naturfernen Rheinzuflüsse unserer Heimat, von Elz, Dreisam, Glotter, Kinzig. Gerade das schöne Naturschutzgebiet Taubergießen braucht regelmäßige Überflutungen.

    Der 28.November 2013 war ein guter Tag für Baden Württemberg
    Der Landtag von Baden-Württemberg beschloss endlich das Gesetz zur Errichtung eines Nationalparks im Schwarzwald mit 71 zu 63 Stimmen. Die FDP und fast die gesamte CDU stimmen gegen Natur und Nationalpark. GRÜNE und SPD stimmen dafür. Der "umstrittene" Nationalpark Nordschwarzwald soll leider nur die Mindestfläche von ca. 10.000 Hektar (100 Quadratkilometer) umfassen. Der tägliche Flächenverbrauch in Deutschland liegt bei ca. 100 Hektar am Tag. Der Park hat also diejenige Fläche, die in Deutschland in hundert Tagen bebaut, zersiedelt, entwertet und zerstört wird. Auch der BUND am Südlichen Oberrhein hat mit Veranstaltungen, Plakaten, Aufklebern und Aktionen für den Nationalpark gekämpft. Dennoch ärgert uns unsere eigene Argumentation. Wir mussten stets in der zerstörerischen „Mehr-Haben-Logik“ argumentieren, also beispielsweise mit den vielen zusätzlichen Arbeitsplätzen im Tourismus, die ein neuer Nationalpark schaffen wird. Der „Wert der Natur an sich“ spielt in Zeiten der Gier in der öffentlichen und veröffentlichten Debatte überhaupt keine Rolle. Da gibt es eigentlich keinen Unterschied zwischen Nationalparkdebatten im Schwarzwald, in Afrika oder Amazonien.

    Die Macht der Konzerne
    spürten wir durch einen massiven Konflikt mit dem Chemiegiganten Bayer. In einem Artikel zur umweltfreundlichen Bekämpfung des Buchsbaumzünslers hatten wir auf unserer Homepage ein Neonicotinoid, ein Produkt mit dem Bayer viel Geld verdient, als bienengefährlich bezeichnet. Doch wenn von 100 Bienen, die mit diesem Gift in Berührung kommen, am zweiten Tag noch 51 Bienen überlebt haben, dann darf dieses Gift nicht als bienengefährlich bezeichnet werden. Unter Androhung einer Vertragsstrafe von 10.000 Euro (!) mussten wir innerhalb von drei Tagen den Eintrag auf der Homepage ändern. Gleichzeitig wollten die Anwälte noch viele andere Änderungen im Sinne des Bayer-Konzerns, doch dort wo wir recht haben wird von uns nichts geändert. Unser kleiner BUND-Regionalverband muss mit jedem Cent rechnen, um seine Arbeit leisten zu können und dennoch müssen wir der Macht der großen Konzerne standhalten und dürfen uns nicht verbiegen lassen.

    Mit Sorge sahen wir im Jahr 2013
    auch die anderen, bundesweiten Medienkampagnen von Chemiekonzernen und Klimawandelleugnern. Wie war es möglich, den Veggieday, ein ökologisches Fürzlein aus einer Nische des GRÜNEN Wahlprogrammes zu einem bedrohlich-gigantischen Tornado aufzublasen und die Medienkampagne gegen einen vegetarischen Tag in Kantinen, als "Kampf für Freiheit" zu inszenieren? Gut organisierte Netzwerke organisierten einen Shitstorm gegen das Umweltbundesamt und verglichen die Behörde mit dem Nazi-Propagandaministerium. Es gab industriegelenkte Kampagnen gegen genkritische WissenschaftlerInnen, die an Bösartigkeit und Vernichtungswillen nicht mehr zu übertreffen waren. Auch als der BUND-Bundesverband im Herbst 2013, mit einem durchaus harten Video, den Einsatz des Unkrautkillers Glyphosat scharf kritisierte, wurde von den Agro-Konzernen eine Medienkampagne organisiert. In der Umweltbewegungen fehlt es an kritischer Analyse solcher Kampagnen und wer nicht analysiert, kann sich auch nicht wehren. Wenn sich die Umweltbewegung nicht wehrt, könnte uns im nächsten Jahr das Freihandelsabkommen mit den USA Genfood, Hormonfleisch, Chlorhähnchen und demokratiebedrohende Konzernmacht bringen.

    AKW-Fessenheim-Abschaltung 2016?
    Selbstverständlich hat sich auch der BUND am Oberrhein an den Gesprächen mit Herrn „Fessenheim-Abschalten“, dem Vertreter von Staatspräsident Hollande beteiligt.
    Unsere Forderungen waren:
    • Eine schnelle Abschaltung des Pannenreaktors
    • Eine schnellstmögliche Entleerung der hochgefährlichen Brennelementebecken
    • Kein Neubau eines AKW in Fessenheim durch eine „Nachfolgeregierung“

    Wir glauben, dass Herr Hollande das AKW Fessenheim tatsächlich abschalten will. Doch ob der immer mitregierende Atomkonzern EDF das zulässt und ob die Legislaturperiode für eine Abschaltung noch reicht, ist offen. Mit einer großen Postkartenaktion erinnern wir Ministerpräsident Kretschmann an den dringend notwendigen Katastrophenschutz für die Menschen in der Umgebung von Atomkraftwerken. Solange uns in Baden-Württemberg noch in- und ausländische Atomanlagen bedrohen, sollte aus dem alten, schwarz-gelben "Kataströphchenschutz" endlich ein realistischer Katastrophenschutz werden. Wir müssen den Druck aufrecht erhalten und darum wird die Umweltbewegung zum Fukushima-Jahrestag, am Sonntag, den 9.3.2014 um 14 Uhr auf vielen Rheinbrücken am Oberrhein kleine und große Aktionen durchführen.

    Traurige „Rechthabereien“


    • Das Thema Grundwasserversalzung durch die elsässischen Kaliminen
      beschäftigt uns seit Jahrzehnten. Schon lange machen wir darauf aufmerksam, dass eine Million Tonnen Salz, die auf der Fessenheimer Rheininsel versickerten, im Grundwasser in Breisach schon angekommen sind. Bei einer Veranstaltung in Breisach wurde jetzt deutlich, dass unsere alten Befürchtungen von der Realität weit übertroffen wurden. Viele Hauseigentümer beklagen salzbedingte Wasserrohrbrüche und massive, teure Schäden an Heizungsanlagen. Seit Jahrzehnten ärgert es uns, dass die Verursacher der Schäden, die Mines de Potasse d' Alsace nicht zur Verantwortung gezogen werden. Viele Jahre hieß es dazu aus dem Breisacher Rathaus, dass so eine Klage „nichts bringen würde“. Heute wird gesagt: „Wir würden ja gerne klagen, aber dafür ist es jetzt leider zu spät“. Bei fast allen großen Umweltkonflikten kommen die großen Umweltsünder ungeschoren davon und die Kosten tragen die SteuerzahlerInnen.

    • Auch bei der Giftmülldeponie Stocamine kommt es teuer,
      dass nicht auf die badisch-elsässischen Umweltverbände und den BUND gehört wurde. Jetzt endlich soll die Bergung der quecksilberhaltigen Abfälle aus dem Giftmülllager Stocamine bei Mulhouse beginnen. Als Stocamine 1999 in Betrieb ging, hielten die Behörden den Standort für absolut sicher und hörten nicht auf unsere berechtigte Kritik. Der „nicht brennbare Giftmüll“ brannte monatelang und früher oder später wird Salzsole in das einstige Kalibergwerk eindringen. Dann könnten die hochgiftigen Substanzen das Grundwasser kontaminieren. Stocamine liegt etwa 30 Kilometer vom Rhein entfernt. Auch hier setzt sich der BUND für „enkeltaugliche“ Lösungen der Probleme ein.


    Das leidige Thema „Flächenverbrauch“ und die damit verbundene Verscheußlichung der Landschaft
    beschäftigt uns Jahr für Jahr. Entlang der Bundesstraße 3 entsteht ein Siedlungsbrei. Zwischen Offenburg und Freiburg gibt es noch einen minimalen Freiraum von 17,7 km und Siedlungsstrukturen von 50,3 km. Im Rahmen der Fortschreibung des Regionalplanes engagieren wir uns für Mensch, Natur und eine lebenswerte nachhaltige Zukunft. Die sinnvollen, ersten, viel zu vorsichtigen Versuche der grün-roten Landesregierung, den Flächenverbrauch zumindest ein wenig zu bremsen, führten zu einem Aufschrei der Bürgermeister am Oberrhein. Es ist gut, dass aus der üblichen Ankündigungspolitik endlich politisches Handeln erwächst.

    Sehr gefreut haben wir uns über den SWR-Film zu 40 Jahren Wyhl-Protest,
    der auch jetzt noch in der SWR- Mediathek zu finden ist. Umstrittene Umwelt- und Naturschutzthemen finden häufig „mit einer gewissen Zeitverzögerung“ öffentliches Gehör und Lob.

    Ebenfalls gefreut haben wir uns über den Naturschutzpreis der Stadt Freiburg. Die Aktiven in unserem Arbeitskreis Naturschutz erhielten zusammen mit dem NABU den 1. Preis für den Amphibienschutz im Kappler Kleintal, wo wir seit Jahrzehnten eine der größten Amphibienpopulationen Südbadens betreuen.

    Bei aller berechtigten Kritik an den Zuständen am Oberrhein und in Deutschland
    ist es wichtig, an den aktuellen, globalen Krieg gegen die Armen zu erinnern, denn Nachhaltigkeit gibt es nicht ohne soziale Gerechtigkeit. Im Jahr 2013 wurden die Sklavenhalterbedingungen deutlich, unter denen unsere Hemden in Bangladesch genäht und die Olympiabauten in Katar erstellt werden. Wir leben in einer Zeit, in der alle fünf Sekunden ein Kind unter zehn Jahren an Hunger oder seinen unmittelbaren Folgen stirbt und in der 843 Millionen Menschen schwerst unterernährt sind.
    Global denken und lokal für Nachhaltigkeit kämpfen bleibt auch im Jahr 2014 unsere Devise.

    Axel Mayer, Geschäftsführer



    2012: umweltpolitischer Jahresrückblick - Mensch, Natur und Umwelt am Oberrhein




    Alle Jahre wieder: unser BUND-Rückblick auf das vergangene Jahr. Ein kurzer, zwangsläufig unvollständiger Überblick zu einigen Umwelt- und Naturschutzthemen, nicht nur aus dem Dreyeckland.


    Mit großer Trauer
    haben wir vom schrecklichen Brand in der Caritas-Werkstatt in Neustadt erfahren. In Neustadt haben wir im November den fünftausendsten Nistkasten überreicht bekommen und uns mit Mitarbeiter/innen und Behinderten über diesen gemeinsamen Erfolg gefreut und gefeiert. Eine Woche später sind bei der Katastrophe 14 Menschen ums Leben gekommen. Wir sind sprachlos, traurig und entsetzt.

    Vorstand und Geschäftsführung





    AKW Fessenheim noch bis 2016?
    Wenn die altersschwache Dauerbedrohung für unsere Region im Jahr 2016 abgestellt werden soll, dann ist das auch ein Erfolg für den BUND. Seit Jahrzehnten engagieren wir uns intensiv gegen das AKW. Dass Herr Hollande ausgerechnet Fessenheim abstellen will, liegt auch am starken trinationalen Druck der Umweltbewegung. Dennoch: Eine sofortige Abschaltung des AKW ist die von uns geforderte Lösung, denn ein Erdbeben oder Atomunfall hält sich nicht an Abschaltpläne. Wir hoffen, dass das altersschwache AKW noch die letzten Jahre „durchhält“. Bei einem französischen Regierungswechsel 2017, ist eine „Energie- und Fessenheimwende“ rückwärts nicht ausgeschlossen. Das Regierungspräsidium Freiburg sollte dafür sorgen, dass aus AKW-Kataströphchenschutz mit unrealistischen Evakuierungszonen von 8 Kilometern endlich halbwegs realistischer Katastrophenschutz wird. Auch hier wird unser Druck nicht nachlassen.

    Ein "stiller", wichtiger Umweltskandal
    ist die bisherige "Nichtklage" der Stadt Breisach gegen die bekannten, aber mächtigen Verursacher der Breisacher Trinkwasserversalzung. Auf der Fessenheimer Rheininsel sind vor Jahrzehnten eine Million Tonnen Salz versickert. Die Spitze der massiven Versalzung ist in Breisach angekommen, doch nicht die einflussreichen Verursacher (Mines de Potasse d'Alsace) tragen die Kosten, (3 Millionen Euro ohne die Kosten für die Korrosion der Leitungen...) sondern die Menschen in Breisach. In was für einem Rechtssystem leben wir, wenn sich eine Stadt nicht traut, gegen einen mächtigen Grundwasserverschmutzer anzugehen?

    "Überraschungen" 2012


    Überraschung 1: Stuttgart 21 wird teurer
    Auf eine makabre Art bestätigen sich jetzt auch nach und nach unsere Befürchtungen beim Stuttgarter Protzprojekt. Entgleisende Züge, mangelhafter Brandschutz, explodierende Preise... Viele von uns vorhergesagte Probleme werden traurige und teure Realität. Der mangelhafte Brandschutz war vom BUND bereits während der Erörterungstermine zur Planung des Tiefbahnhofs vor fast zehn Jahren massiv kritisiert worden. Leider trifft „Wer nicht hören will, muss zahlen“ auch uns in Südbaden und nicht nur die Lobbyisten. Dafür hat allerdings der Parteispender, und Stuttgart-21-Lobbyist Martin Herrenknecht den Prix Bartholdi erhalten – für seine "besonderen Verdienste um die grenzüberschreitende Zusammenarbeit" am Oberrhein... Herr Herrenknecht wollte ja auch die unsinnigste und teuerste, für einen Tunnelbauer aber sehr profitable Lösung für den Bahnausbau am Oberrhein, den Kaiserstuhltunnel. Wann bekommen endlich einmal EuropäerInnen wie Jean-Jacques Rettig, Walter Mossmann, Frank Baum oder (posthum) Solange Fernex und Lore Haag solche Preise?

    Überraschung 2: Der Neubau der Freiburger Universitätsbibliothek wird teurer
    Die Freiburger Bevölkerung wurde nach dem Prinzip der Salamitaktik auf eine Erhöhung der Baukosten beim „Teilabriss und Neubau“ der 33 Jahre jungen Unibibliothek eingestimmt. Wie viel der Bau, der bisher 44 Mio. Euro kosten sollte, teurer wird, ist noch unklar. Was es „im Großen“ und heftig diskutiert bei Stuttgart 21, beim neuen Flughafen Berlin, beim Nürburgring und bei der Elbphilharmonie gibt, gibt es „im Kleinen“ und leider beinah undiskutiert eben auch in Südbaden und Freiburg.
    „Das ist doch kein Thema für den Bund für Umwelt und Naturschutz“, wird manchmal gesagt und es gibt immer noch Menschen, die unsere Hauptaufgabe darin sehen, den Menschen beizubringen, den sauber abgeschleckten Joghurtbecherdeckel in die richtige Tonne zu werfen.
    Wenn in der „Green City“ unkritisiert ein 33 Jahre junges Gebäude des Landes Baden-Württemberg abgerissen werden muss, weil (nicht nur in Freiburg!) vor drei Jahrzehnten grottenschlecht gebaut wurde, wenn Baustoffe, Rohstoffe, menschliche Arbeitskraft und Geld der SteuerzahlerInnen in Zeiten der Staatsverschuldung verschwendet werden, wenn die tatsächlichen Abrissgründe erst nach und nach an die Öffentlichkeit gelangen, dann ist dies alles ein wichtiges Nachhaltigkeitsthema und damit durchaus ein Thema für den BUND.


    Erfolge im klassischen Naturschutz am Oberrhein
    sind im Zeitalter der Gier und globalen und regionalen Zerstörung nicht dicht gesät. Mit einem neuen kostenlosen Plakat engagieren wir uns für den geplanten Nationalpark Nordschwarzwald, der insbesondere von der Holzlobby massiv bekämpft wird. Der Nationalpark Nordschwarzwald soll eine Mindestfläche von ca. 10.000 Hektar (100 Quadratkilometer) umfassen. Der tägliche Flächenverbrauch in Deutschland liegt bei ca. 100 Hektar am Tag. Der Park hätte also die Fläche, die in Deutschland in hundert Tagen bebaut, zersiedelt, entwertet und zerstört wird...


    Vermeisung und Entmaisung


    „Vermeisung“
    Die stillen, für viele Menschen unbekannten Seiten des BUND-Regionalverbandes sind unsere vielfältigen Naturschutzaktivitäten. In 5 Jahren haben wir, zumeist übers Internet, 5.000 Nistkästen verkauft, die in einer regionalen Werkstatt für Menschen mit Behinderung produziert werden. Im Internet informieren wir wie Nistkästen, auch für bedrohte Arten, gebaut werden können, und diese Informationen wurden seither bereits 1.030.990 Mal aufgerufen!

    „Entmaisung“
    Viele Jahre lang wurden wir angefeindet, weil wir sagten, die ökonomisch und ökologisch beste Bekämpfung des Maiswurzelbohrers sei die Fruchtfolge. Jetzt ist die Fruchtfolge tatsächlich vorgeschrieben und (viel zu langsam) geht die Vermaisung zurück. Der massive Pestizideinsatz gegen den Maiswurzelfiesling und die große Bienenvergiftung im Jahr 2008 wären nicht nötig gewesen. Nach dem Maiswurzelbohrer sind wir jetzt mit massiven Gifteinsätzen gegen den Buchsbaumzünsler konfrontiert und zeigen auf, dass es auch ohne Gift im Garten geht.


    Erfolge: Renaturierung von Elz, Dreisam, Glotter...
    In der Vergangenheit wurden die meisten Mittel- und Unterläufe der Bäche und Flüsse am Oberrhein zu geradegestreckten, kanalisierten und trostlosen Kanälen umgebaut. Die Renaturierung der zu Kanälen gewordenen Bäche und Flüsse unserer Heimat war und ist eine der Hauptforderungen des BUND. Jetzt wird die Deutsche Bahn tatsächlich der BUND-Forderung nachkommen und als Ausgleichsmaßnahme für den Bahnausbau in die Gewässerrenaturierung investieren. Auf der Gemarkung Riegel heißt das, dass der "Elzkanal" vor dem Zusammenfluss von Elz, Glotter und Dreisam eine neue, naturnahe Deichführung bekommen soll. Mit der Umsetzung dieser Forderung rückt das BUND-Ziel langsam näher „Grüne Bänder“ zu schaffen. Das heißt, breite, naturnahe Korridore an Elz, Dreisam, Kinzig, Neumagen und Glotter sollen langfristig Schwarzwald und Rheinauen verbinden, gerade auch um der zunehmenden Landschaftszerschneidung durch neue Verkehrsprojekte am Oberrhein entgegenzuwirken. Die immer komplizierter werdenden Abwägungsprozesse zwischen den Schutzgütern Mensch, Natur und Zukunft machen unsere Arbeit nicht einfacher.

    Nicht europäisch
    war die Art und Weise wie 2012 der "schweizerisch - deutsche Luftstreit" um den Anflug auf den Flughafen Zürich ausgetragen wurde. Alte und neue Nationalismen und gut organisierte traurige Feindbilder auf beiden Rheinseiten überlagerten den Europa-Regio-Dreyeckland Mythos . In diesem Konflikt und der Art, wie er ausgetragen wurde, scheiterte auch ein kleines regionales Stück Europa. Von den Folgen des Flugverkehrs sind (ähnlich wie in Sachen Atom) die Menschen in beiden Ländern betroffen. Nur hört man nichts von diesen grenzüberschreitend gemeinsamen Interessen. Es ist um so erfreulicher, wie gut, solidarisch und trinational über den Rhein hinweg die Zusammenarbeit in Sachen Anti-Atom funktioniert. Doch je ernsthafter über die Abschaltung von Fessenheim, Beznau und Leibstadt diskutiert wird, desto wahrscheinlicher werden die Betreiber, und ihre Lobbyisten in der Politik, versuchen, auf die kleinen Nationalismen zu setzen.

    Schweiz & Atom
    Seit Februar 2012 hat das grenznahe schweizer AKW Beznau die zweifelhafte Ehre, das älteste AKW der Welt zu sein. Es ist unglaublich: Die Schweiz, eines der schönsten und reichsten Länder betreibt die ältesten Atomkraftwerke der Welt. Eines der „neueren“ AKW, der Siedewasserreaktor in Leibstadt, (Reaktortyp Fukushima) hatte einen gefährlichen Riss.
    Eine als vertraulich eingestufte Aktennotiz der mit der atomaren Endlagersuche in der Schweiz beauftragten Genossenschaft Nagra bestätigt eine alte Befürchtung des BUND am Südlichen Oberrhein: Das angeblich transparente Auswahlverfahren unter sechs Standortvarianten soll intern bereits entschieden sein. Es geht beim aufwändigen "Beteiligungsverfahren" nicht um Partizipation sondern um die Illusion von Beteiligung.

    Andere große und wichtige Themen für den BUND am Südlichen Oberrhein
    waren die notwendige Bergung der Gifte aus der maroden Giftmülldeponie Stocamine im Elsass und die Konflikte um Straßenbauprojekte, bei denen die Menschen erstmals von einer Landesregierung nicht belogen, sondern mit der ökonomischen Wahrheit konfrontiert wurden. Auf großes Interesse stießen unsere Thesen zur „geplanten Obsoleszenz“: „Schneller kaufen, noch schneller wegwerfen“. Der zunehmende Flächenverbrauch , die Zersiedelung und zunehmende Verscheußlichung unserer Heimat sind und bleiben ein BUND-Dauerthema.

    Das Jahr 2012
    mit den multiplen Krisen, nicht nur in Südeuropa, mit globalen Kriegen (über die wir teilweise sehr einseitig und parteiisch informiert wurden) und Kriegsgefahren, war ein ökonomisches und ökologisches Krisenjahr. Die zunehmenden Folgen der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise sind politische Verwerfungen, Arbeitslosigkeit, Armut, Gewalt, Hunger und Kriegsgefahren. Unsere BUND-Krisen-Kritik und Ursachenanalyse wurde in in den "neuen Medien" und im Internet intensiv diskutiert.

    Die „alten Medien“
    haben diese Kritik, die aus dem klassischen neoliberalen und staatsidealistischen Lagerdenken ausbricht, nicht aufgegriffen. Wer immer noch die alten Mythen vom „unbegrenzten dauerhaften Wachstum“ wiedergibt und als Problemlösung anbietet, der scheut davor zurück darüber nachzudenken, dass dieses auf „unbegrenztem dauerhaften Wachstum“ beruhende System vielleicht an seine ökonomischen und ökologischen Grenzen gestoßen ist und die verkündeten Heilserwartungen nicht mehr erfüllt - und auch zukünftig nicht erfüllen wird. Während ein Teil der Welt hungert, wandern in Deutschland 50% der Nahrungsmittel auf den Müll. Wachstum ist nur noch möglich, weil immer unnötigere Produkte mit einer gezielt "eingebauten" verkürzten Produktlebensdauer produziert werden, während gleichzeitig die Endlichkeit der atomar-fossilen Energievorräte immer deutlicher wird. Für unsere Handy-Wegwerfkultur starben seit 1998 über 3 Millionen Menschen im "unbeachteten" Coltan-Rohstoffkrieg im Kongo.

    Als Umweltverband müssen wir in den kommenden Jahren stärker als bisher die Frage nach dem ökologisch und sozialverträglichen Bruttosozialglück in den Mittelpunkt unseres Handelns stellen.

    Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer





    2011 - Mensch, Natur und Umwelt am Oberrhein


    Ein kurzer Rückblick


    Alle Jahre wieder: unser BUND-Rückblick auf das vergangene Jahr. Ein kurzer, zwangsläufig unvollständiger Überblick zu einigen Umwelt- und Naturschutzthemen, nicht nur aus dem Dreyeckland.


    Eigentlich sollte der inhaltliche BUND-Schwerpunkt im Jahr 2011
    das Themenfeld Flächenverbrauch, Zersiedelung und die zunehmende „Verscheußlichung“ am Oberrhein sein, doch dann kam der Supergau im fernen Fukushima und alles kam anders. Über Monate war im kleinen Freiburger BUND-Büro „die Hölle los“. Am schlimmsten Tag der Katastrophe in Japan wurden auf unserer regionalen Internetseite www.bund-freiburg.de 543.100 mal die Atom-Seiten aufgerufen und im ganzen Monat März gab´s 4.594.000 Seitenaufrufe.

    Einen etwas makaberen Erfolg hat der Fukushima-Unfall
    gebracht. Endlich hat das Regierungspräsidium Freiburg die alte BUND-Kritik am Fessenheimer „Kataströphchenschutzplan“ aufgegriffen und zumindest den viel zu kleinen Evakuierungsradius von 10 auf 25 Kilometer erweitert. Doch wir wollen nicht die Evakuierungszone erweitern, sondern das älteste französische AKW schnellstmöglich abstellen. Es ist ein nicht hinnehmbarer Skandal, dass „unsere“ EnBW weiterhin vom Fessenheimer Stromverkauf profitiert und die Baumaßnahmen zur Gefahrzeitverlängerung sogar noch mitfinanziert. Hier ist Grün-Rot gefordert, die von der Vorgängerregierung geerbte Fessenheimer Altlast schnell zu „entsorgen“. Die Abschaltung von Fessenheim ist und bleibt eines der zentralen Ziele unserer BUND-Arbeit. Info

    Das „kleine Europa der Menschen“ wurde am Ober- und Hochrhein
    im Jahr 2011 wieder mit einer Vielzahl von grenzüberschreitenden Aktionen, Demonstrationen und Brückenaktionen praktiziert. Anti-Atom-Demos u.a. in Beznau (CH), Strasbourg (F), Freiburg (D) und an fast allen Grenzübergängen der Region zeigten das gelebte Europa der Bürgerinnen und Bürger. Es gibt tatsächlich noch grenzüberschreitende Aktionen von Menschen, die ohne europäische Zuschüsse und ohne INTERREG-Gelder funktionieren. Das „große Europa“, das von der grenzüberschreitenden Umweltbewegung im Dreyeckland vor fast 4 Jahrzehnten mit Herzblut miterkämpft wurde, hat in diesem Jahr viele Enttäuschungen gebracht. Das offizielle „große Europa“ entpuppt sich immer mehr als das Europa der Konzerne, Banken und Habgierigen.

    2011 mussten wir neue Wörter und Begriffe lernen.
    Der uns unbekannte Ort Fukushima hat es zu trauriger Berühmtheit gebracht und wir wissen jetzt auch dass das japanische „atomare Dorf“ die undemokratische Verfilzung von Wirtschaft, Politik und Medien bedeutet. Die „kleinen atomaren Dörfer“ in Deutschland und der Schweiz haben in diesem Jahr staufensche Fassadenrisse bekommen. Der viel zu langsame schweizer-deutsche „Atomausstieg“ ist zumindest ein Schritt in die richtige Richtung und der Regierungswechsel in Baden Württemberg zeigt, dass Demokratie funktionieren kann. Nur der Immerschon-Atomlobbyist Oettinger hat die Zeichen der Zeit nicht verstanden. Unverständlich bleibt, warum das „Technikmuseum“ Beznau (CH), der älteste Druckwasserreaktor der Welt in der reichen Schweiz nicht sofort abgestellt wird. Die demokratiegefährdende Verfilzung im „atomaren“ Dorf in Frankreich zeigt zumindest Haarrisse, aber im Elsass nimmt der erfreulich parteiübergreifende Widerstand gegen das AKW Fessenheim zu.

    Gut, dass Herr Gaddafi im Krieg 2011
    über keine französischen Atomkraftwaffen verfügte. Schon am 11.12.2007 hatten die französische Umweltorganisation CSFR und der Bund für Umwelt und Naturschutz am Südlichen Oberrhein die gefährlichen Pläne des französischen Staatspräsidenten Sarkozy, Atomkraftwerke und damit Atomkraftwaffen nach Libyen zu exportieren, als Gefährdung des Weltfriedens scharf kritisiert. Die damalige Presseerklärung stieß in den meisten deutsch-französischen Medien auf „keine große Resonanz“, denn im Jahr 2007 war Herr Gaddafi gerade mal wieder ein „guter Diktator“ mit dem sich gute Geschäfte machen ließ. Im Libyen-Krieg 2011 wurde über dieses unangenehme alte Thema der Mantel des Schweigens gehängt. Info

    In Freiburg war der Abriss der 33 Jahre jungen Uni-Bibliothek
    der große „Hingucker“. 44 Millionen sollen die alten Bau- und Planungssünden, der so genannte „Umbau“ kosten. Nicht nur in Freiburg holen uns die teuren, politisch nie aufgearbeiteten Bausünden des letzten Jahrhunderts ein. Mehr als die Hälfte der Freiburger Brücken, Mauern und Tunnel sind so marode, dass sie dringend saniert werden müssen. Doch dafür fehlt das Geld. Um den weiteren Verfall zu verhindern, müssten jährlich sechs Millionen Euro investiert werden. Bislang sind pro Jahr jedoch nur 1,3 Millionen vorgesehen. Kurzlebige, teure Wegwerfgebäude sind nicht zukunftsfähig und „enkelgerecht“ und sie vergrößern den Schuldenberg. Langlebig, schön, nützlich, funktional und energiesparend muss nach unserer Ansicht gebaut werden. Info

    Auch Stuttgart 21
    war in Südbaden in diesem Jahr ein großes Thema und angesichts der öffentlich nie diskutierten finanziellen Macht der S21-Bau- und Immobilienlobby war das Abstimmungsergebnis in großen Teilen Südbadens höchst erfreulich. Auch für Bahnhöfe sollte gelten: „Erhalten statt wegwerfen“. Stuttgart 21 kostet „höchstens“ 4,5 Milliarden Euro, und das in einer Zeit, in der Deutschland mit über 2000 Milliarden Euro verschuldet ist. Staat und Bahn müssen in Zeiten knappen Geldes Prioritäten setzen. Und Priorität hat für uns die vernachlässigte Nord-Süd-Trasse am Oberrhein. An dieser zentralen europäischen Verkehrsachse rollen immer mehr Personen- und laut ratternde Güterzüge. Hier brauchen wir gute, menschenfreundliche Bahntrassen und Lärmschutz. Von der erwarteten S21-Kampagne von CDU und FDP war die Umweltbewegung weniger enttäuscht als von der bundesweit erstarkenden S21-Autobahnausbau-Flughafenausbau-Beton-Fraktion in der SPD. Was im Abstimmungskampf von den Medien nie thematisiert wurde, waren die ungleich langen Spieße der Befürworter und der Gegner. Wäre die direkte Demokratie ein Vogel, so könnte sich dieser nur hüpfend vorwärts bewegen, denn er hätte Geld in den Flügeln... Die nächsten Jahre werden zeigen, ob die versprochenen Baukosten in Stuttgart auch tatsächlich eingehalten werden, und hier werden wir die Lobbyisten an ihre Aussagen und Versprechen erinnern. Info

    Jahrelang hatte der BUND am Oberrhein vergeblich gefordert, den Maiswurzelbohrer
    mit der ökologisch und ökonomisch sinnvollen Fruchtfolge zu bekämpfen. Endlich, mit jahrelanger Verspätung wird diese alte BUND-Forderung jetzt Realität. Der massive Pestizideinsatz der letzten Jahre und die große Bienenvergiftung im Jahr 2008 wären wirklich nicht nötig gewesen. Info

    Die massive Gefährdung der Landschaft und Natur
    am Oberrhein wurde dann zum Ende des Fukushima-Jahres doch noch zum BUND-Thema. Während die Bevölkerung im Bundesgebiet abnimmt, boomt der Flächenverbrauch in Südbaden und insbesondere in der Rheinebene. „Flächen sparen“ wollen zwischenzeitlich die PolitikerInnen aller Parteien, doch die Realität sieht anders aus. Städte, Dörfer, Straßen und Einkaufsmärkte wuchern in die Landschaft, die Autobahn wird privatisiert und dreispurig ausgebaut und entlang der Vorbergzone wachsen die Gemeinden zu einem hässlichen Siedlungsbrei zusammen. Die Lebensqualität im immer mehr verbauten und verlärmten Transitland Oberrhein nimmt ab. Dort, wo mit einem neuen Nationalpark Nordschwarzwald Natur erhalten werden soll, wächst der Widerstand der Sägewerksbesitzer.

    Das andere große, nicht regionale Thema im Jahr 2011
    war die globale Krise. Es wird gesagt, die Griechen, Italiener und der Rest der Welt sollten so arbeiten und produzieren wie wir Deutschen, und die Weltprobleme wären gelöst. Doch trotz Wirtschaftswachstum und hoher Produktivität wuchs in Deutschland der gigantische staatliche Schuldenberg auch im Jahr 2011 weiter an. Nicht einmal Deutschland ist in der Lage "in guten Zeiten" den Schuldenberg abzutragen. Wenn "der Rest der Welt" so leben und produzieren würde wie die Deutschen, dann wären die globalen Rohstoffreserven in wenigen Jahren erschöpft, und wer sollte dann die ganzen Produkte eigentlich kaufen und konsumieren? Das Versprechen vom unbegrenzten Wachstum, in dem die Gier immer schneller wächst als die Menge der produzierten Produkte, ist eine Illusion und einer der nicht diskutierten Gründe für die global wachsende Krise. Wenn Menschen, Staat und Bahn mit Geld, das sie nicht haben, Dinge kaufen und bauen, die sie nicht brauchen, dann führt das zwangsläufig zum Kollaps. Info

    Axel Mayer, Geschäftsführer
    Nachtrag:
    Das Jahr 2011 war das Jahr der Krisen: Wirtschaftskrise, Finanzkrise, Griechenlandkrise... Zu den Ursachen der Krisen gab es eine Vielzahl von Thesen und Überlegungen und dabei ist die Antwort auf die Frage nach den Krisenursachen so einfach. Es ist die Gier.




    2010 - Mensch, Natur und Umwelt am Oberrhein


    Ein kurzer Rückblick

    An die Medien

    Alle Jahre wieder: unser BUND-Rückblick auf das vergangene Jahr. Ein kurzer, zwangsläufig unvollständiger Überblick zu einigen Umwelt- und Naturschutzthemen, nicht nur aus dem Dreyeckland.

    Umwelt- und Naturschutz in Zeiten der Habgier
    Die Umweltsituation am Oberrhein kann nicht losgelöst von weltweiten Entwicklungen betrachtet werden. Global und regional gab es in Sachen Biodiversität und Klimaschutz im Jahr 2010 wenig Fortschritte.Wer sich auf den Internetseiten der deutschen Klimawandelleugner umschaut wird dort viele Argumente der reaktionären amerikanischen Tea Party- Bewegung finden. Die Krise scheint in Deutschland überwunden, aber das erwirtschaftete Geld fließt als Kredit an Länder, die diese Kredite vermutlich nicht zurückzahlen werden. Dauerhafte 3,5% Wachstum brächten über 20 Jahre gerechnet eine Verdoppelung des deutschen Bruttosozialprodukts. Die Verursacher der Weltwirtschaftskrise wurden belohnt, die Kosten tragen weltweit die ArbeitnehmerInnen. Das ist mit ein Grund, warum die sozialen Konflikte an Härte zunehmen. Der Unterschied zwischen Regierungsparteien und Regierungskonzernen verschwimmt nicht nur im Berlusconi-Italien. Die CDU - FDP Regierung schafft die Wehrpflicht ab und trifft in Sachen Bundeswehr Entscheidungen, die bei den gleichen Parteien einen Sturm der Entrüstung ausgelöst hätten, wenn sie in der Opposition wären. Im Golf von Mexiko, im Nigerdelta und an den Anzeigetafeln der Tankstellen zeigt sich die Gier der Ölkonzerne und die absehbare Endlichkeit der Ressourcen. In Korea droht ein Atomkrieg, eine Situation, wie sie auch in wenigen Jahren im Mittelmeerraum bedrohliche Realität werden könnte, wenn Herr Sarkozy Atomkraftwerke nach Libyen und in andere Spannungsgebiete liefert. Die Proteste gegen die Unterdrückung der Meinungsfreiheit in China nehmen zu und gleichzeitig ist Wikileaks und die Freiheit des Internets einem heftigen politischen Druck ausgesetzt. Die globalen Probleme und Konflikte nehmen an Heftigkeit zu und ökologische Konflikte stehen immer auch in einem engen Zusammenhang mit ökonomischen Entwicklungen.

    Seit September 2010
    warnen Experten der französischen Bergbaubehörde, dass Giftmüll aus der "modernsten und sichersten", mittlerweile allerdings durch einen Brand zerstörten Giftmülldeponie Stocamine bei Mulhouse schon in 100 bis 150 Jahren das Grundwasser am Oberrhein vergiften könnte. Diese Nachricht war ein Schock für den BUND, denn gemeinsam mit Alsace Nature hatten wir lange und leider vergeblich gegen dieses Projekt gekämpft. Wir warnten vor den massiven Gefahren und vor Billiglösungen und organisierten Einsprachen und Proteste. Auf der anderen Seite gaben Behörden, Betreiber und „Experten“, wie immer bei solchen Projekten, Entwarnung. Es ist dieser eine Satz, den UmweltschützerInnen immer wieder hören und der in den Medien in solchen Zusammenhängen häufig zu lesen ist: „Nach übereinstimmender Ansicht der Experten gibt es keinerlei ernstzunehmende Gefahren“. Jetzt gefährdet der Brand von 45.000 Tonnen angeblich „nicht brennbaren“ hochgiftigen Giftmülls das Grundwasser vor unserer Tür und die Verantwortlichen werden (wieder einmal) nicht angemessen bestraft. Die Giftmülldeponie Stocamine und das Atommülllager Asse sind zwei Beispiele, die zeigen, wie unverantwortlich mit den giftigsten Giften des Industriezeitalters umgegangen und wie Zukunft gefährdet wird. Mit Sorge schauen wir auf die von Gewinninteressen geleitete Gefahrzeitverlängerung für AKW, auf das altersschwache Atomkraftwerk Fessenheim und auf die höchst umstrittenen geplanten Atommülllager in Gorleben und Benken / Schweiz; dort heißt es wieder einmal, dass „nach übereinstimmender Ansicht der Experten langfristig alles absolut sicher sein wird“. Was stets fehlt, ist der Zusatz: „Alle Angaben ohne Gewähr“. Info

    Baden Württemberg

    kann „auf keinen Fall“ den deutschen Atommüll endlagern, denn die Opalinustonschichten im Land sind viel zu dünn. Vergleichbar dünne Tonschichten in der Schweiz sind erstaunlicherweise ideal als Endlagerstätten für die eine Million Jahre strahlenden atomaren Abfälle. Info

    Das Jahr 2010 war das Internationale Jahr der Biodiversität
    Die Artenvielfalt ist nicht nur in weit entfernten, exotischen Ländern bedroht, sondern auch hier vor unserer Haustür, in Südbaden und im Elsass. Raubbau an Natur und Umwelt war und ist auch ein Thema in der so genannten „Ökoregion“ am Südlichen Oberrhein.
    Wie immer haben wir uns im Jahr 2010 auch in Sachen Naturschutz engagiert:

    • Für die durch Kalkabbau bedrohte Natur am Urberg bei Bollschweil.
    • Für die letzten Wiesen in der Rheinebene, die immer stärker von der ausufernden Maissteppe bedroht werden.
    • Für die ökologischen Aspekte des Integrierten Rheinprogramms, die Naturschutz, Hochwasser- und Menschenschutz verbinden. Wir waren die Ersten, die auf den massiven Druck der Kiesindustrie hingewiesen hatten und wurden durch die „Affäre Fleischer“ in unseren Befürchtungen bestätigt.


    Wir haben das Internationale Jahr der Biodiversität genutzt, um die Naturschutzprobleme der Oberrheinregion in einem Infoblatt zusammenzutragen. Info

    Die Laufzeitverlängerung (=Gefahrzeitverlängerung) für Atomkraftwerke

    war überall in Deutschland und auch am Oberrhein ein beherrschendes Thema und wir haben uns mit Demonstrationen, Aktionen, Reden, Infoblättern, Veranstaltungen, Aufklebern, Kleinanzeigen und mit Bannern, die an vielen Balkonen hängen, intensiv eingebracht. Die Bundesregierung verlängerte die Laufzeiten der deutschen Atomkraftwerke um durchschnittlich 12 Jahre. Bleibt es bei dieser skandalösen Entscheidung, dann geht das letzte deutsche AKW frühestens 2040 vom Netz. Die Entscheidung bedeutet mehr Atommüllproduktion, mehr Kinderkrebs in der Umgebung von Atomkraftwerken und insbesondere ein höheres atomares Risiko durch überalterte Atomanlagen. Es bedeutet aber auch satte Profite für die Atomkonzerne auf Kosten der Allgemeinheit. Der riskante Betrieb von Atomkraftwerken funktioniert nur in Ländern, in denen die politisch Verantwortlichen nicht damit rechnen müssen, im Falle eines schweren Unfalls zur Rechenschaft gezogen zu werden. Info

    Wenn in Stuttgart
    Menschen und Naturschutzverbände wie BUND, NABU und Naturfreunde, Gewerkschaften (u.a. die lokale Gewerkschaft der Lokomotivführer) und Verkehrsverbände wie VCD, Pro-Bahn und ADFC für eine kluge, sparsame und ressourcenbewusst bescheidene Bahnhofslösung kämpfen, dann ist das auch ein Thema für den Oberrhein. Denn Gelder, die in Zeiten einer Staatsverschuldung von 1.712.986.500.980 Euro für teure Protzprojekte ausgegeben werden, fehlen der Bahn an anderen Stellen. Die erstaunliche Freundlichkeit, die Bahnchef Grube plötzlich in Sachen Bahnausbau am Oberrhein zeigt, hat viel mit dem Widerstand in Stuttgart zu tun. Auch zur geplanten Neubaustrecke am Oberrhein haben wir differenzierte Stellungnahmen abgegeben. Wir engagieren uns für Problemlösungen, die Menschen, Natur und BahnfahrerInnen nützen. Info

    Das französische Atomkraftwerk Fessenheim
    hat seit dem 1. September 2010 eine eigene, aus 38 Personen bestehende Polizeitruppe, „zum Schutz vor Katastrophen und Zwischenfällen“. Die Idee Atomanlagen mit Polizeitruppen zu schützen zu können, entspringt einem rückwärtsgewandten Sicherheitsdenken aus der Vor-AKW-Zeit. Die Polizisten sollen die Illusion von Sicherheit erzeugen. Vor den realen Gefahren des alternden AKW Fessenheim schützen sie die Bevölkerung aber nicht. Bei der so genannten „großen Fessenheiminspektion im Jahr 2010“ drängt sich immer mehr der Eindruck auf, dass es nicht um Kontrolle des alternden AKW, sondern um den Versuch der Akzeptanzbeschaffung für die von der EDF geplante Gefahrzeitverlängerung für das französische Atomkraftwerk geht. Info

    In Offenburg wurde im Dezember
    die Trinationale Metropolregion Oberrhein gegründet. „Eine Metropolregion ist eine stark verdichtete Großstadtregion von hoher internationaler Bedeutung.“ Quelle: Wikipedia. Eines der Ziele der Metropolregion Oberrhein ist eine rasche Verwirklichung der europäischen Verkehrsprojekte am Oberrhein (Verkehrsdrehkreuz Oberrhein). Die "Natur am Oberrhein" kommt als Feigenblatt zum Schluss und von Nachhaltigkeit kein Wort. "Fortschritt am Oberrhein" war bisher häufig die Metapher für Verkehrslärm, Flächenverbrauch, Zersiedelung, Zerstörung von Kultur, Natur und Lebensräumen. Info

    Nicht nur Freiburgs Tunnel und Brücken bröckeln

    Mehr als die Hälfte der Freiburger Brücken, Mauern und Tunnel sind so marode, dass sie dringend saniert werden müssen. Vermutlich ist sogar noch mehr kaputt, denn bislang hat die Stadtverwaltung erst rund ein Drittel aller Bauwerke untersucht. Um den weiteren Verfall zu verhindern, müssten jährlich sechs Millionen Euro investiert werden. Bislang sind pro Jahr jedoch nur 1,3 Millionen vorgesehen. Dabei gibt es schon jetzt einen Sanierungsstau von 20 Millionen Euro. Wir erleben nicht nur am Oberrhein und in Freiburg, wie das Land mit einer teuren Infrastruktur, mit Beton und Asphalt überzogen wird, wie der Flächenverbrauch anhält und Natur verschwindet, während gleichzeitig Städte, Land und Bund nicht in der Lage sind, die bestehende Infrastruktur zu unterhalten. Info

    „Ökoregion“ Oberrhein und „Green City“ Freiburg
    bedeuten noch lange nicht: "Vorwärts zu Ökologie und Nachhaltigkeit". Unter Mühen ist es regional gelungen, die weltweiten Zerstörungsprozesse etwas zu verlangsamen. Der Rohstoff- und Energieverbrauch, die Atommüll- und CO2- Produktion am Oberrhein ist auch nicht ansatzweise nachhaltig und zukunftsfähig und lässt sich keinesfalls auf den "Rest der Welt" übertragen.
    Axel Mayer, Geschäftsführer



    2010: Ölpest im Golf von Mexiko und im Nigerdelta


    2010: Jahresrückblick - Mensch, Natur und Umwelt, nicht nur am Oberrhein





    Jahresrückblick des BUND-Regionalverband Südlicher Oberrhein 2009: Mensch, Natur und Umwelt (nicht nur) am Oberrhein



    An die Medien

    alle Jahre wieder - unser BUND-Rückblick auf das vergangene Jahr. Ein kurzer, zwangsläufig unvollständiger Überblick zu einigen Umwelt- und Naturschutzthemen, nicht nur im Dreyeckland. Und auch - wie alle Jahre wieder - Informationen über Erfolge und Misserfolge.

    Na endlich! Maiswurzelbohrer wird mit Fruchtfolge bekämpft
    Seit der Maiswurzelbohrer erstmals am Oberrhein entdeckt wurde, wurde er wenig erfolgreich mit Gift bekämpft. Diese Giftstrategie in der „Maissteppe“ führte zu Fischvergiftungen im Elsass und im letzten Jahr zum Bienensterben am Oberrhein. „Alle Jahre wieder“ hatten wir gefordert und gedrängt, die Bekämpfung des Käfers mit Fruchtfolge durchzuführen und auf die Schweiz verwiesen, wo diese giftfreie Bekämpfung sehr erfolgreich praktiziert wird. Jetzt endlich will das baden-württembergische Landwirtschaftsministerium den Monokulturwurzelbohrer in den Landkreisen Ortenau und Emmendingen mit der Fruchtfolge bekämpfen. In diesem langjährigen Konflikt um eine giftfreie Bekämpfung des Schädlings waren wir die Lobbyisten von Mensch, Natur, Umwelt und „Trinkwassertrinkern“.

    Erneut und zum wiederholten Mal
    wurde 2009 im Rheintal gentechnisch verunreinigtes Maissaatgut gefunden. Die so genannte „Verwertung“ in Biogasanlagen kann nach BUND-Ansicht zu einer Auskreuzung der Pollen auf benachbarte Felder führen und ist nicht akzeptabel! Vor genau 10 Jahren hatte der BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein schon einmal einen vergleichbaren Fall mit gentechnisch verunreinigtem Saatgut der Firma Pionneer aufgedeckt und angezeigt. Seither treten solche „Verunreinigungen“ immer wieder auf. Gentechnisch verunreinigtes Saatgut ist kein Zufall, sondern eine „sanfte“ und perfide Durchsetzungsstrategie der Genlobby. Noch haben die Bürgerinnen und Bürger die Wahl zwischen gentechnikfreien und genmanipulierten Nahrungsmitteln. Diese freie Wahl soll durch eine gezielt herbeigeführte „leichte“ Verunreinigung aller Nahrungsmittel aufgehoben werden. Zukünftig sollen die VerbraucherInnen nur noch die „Wahl“ zwischen stark genmanipulierten und „leicht“ genveränderten Nahrungsmitteln haben. Auch so kann Resignation erreicht und Akzeptanz erzwungen werden. Die Menschen haben nach Ansicht des BUND ein Recht darauf, zwischen Genfood und sauberer Nahrung zu wählen. Eine gewollte, langsame und schleichende Vermischung wird vom BUND und den VerbraucherInnen abgelehnt.

    Bahnausbau, Autobahnausbau, Lärm und Abgase im „Verkehrsdrehkreuz Oberrhein“
    Auch in diesem Jahr haben wir uns wieder mit den zunehmenden Problemen beschäftigt, die uns das „Transitland Oberrhein“ beschert. Dazu gehören natürlich auch unsere Stellungnahmen zur Neubaustrecke der Bahn. Es gibt keine „guten Lösungen“ für die geschundene Landschaft und die lärmgeplagten Menschen dieser Region, sondern nur „unterschiedlich schlechte“ Lösungen. Der Verkehr auf Straßen und Schienen am Oberrhein nimmt zu. Südbaden wird in Sachen Verkehr immer stärker zur zentralen europäischen Nord-Süd-Achse mit zunehmend unerträglichen Abgas-, Lärm- und Flächenverbrauchsproblemen. In der öffentlichen Diskussion spielt dabei das Hauptproblem, der PKW- und LKW-Verkehr, der Ausbau der Straßen und insbesondere die Pläne, die teilprivatisierte Autobahn A5 sechsspurig auszubauen, leider eine untergeordnete Rolle.Viele Planer, Politiker und Teile der Wirtschaft wollen eine zukünftige Metropolregion Oberrhein, welche die rasanten Zerstörungsprozesse in unserer Heimat noch beschleunigen könnte. Eine rasche Verwirklichung der europäischen Verkehrsprojekte in unserer Region (Verkehrsdrehkreuz Oberrhein) ist ein zentrales Ziel der angedachten Metropolregion Oberrhein, die bisher nur „von oben nach unten“ diskutiert und geplant wird.

    Drei Millionen Euro Landesgelder

    für ein fragwürdiges Parkhausprojekt am Feldberg sind ein gutes Beispiel für den, an manchen Stellen immer noch nicht überwundenen, rückwärtsgewandten, umweltzerstörenden Fortschrittsglauben in Sachen Verkehr am Oberrhein. Bei der überraschenden Entscheidung der Landesregierung für das Parkhausprojekt ging es vor allem darum, Südbaden ruhig zu stellen und den am Tag danach folgenden Beschluss für das Milliardengrab Stuttgart 21 vorzubereiten: Drei Millionen für ein Parkhaus, während in der fernen Landeshauptstadt weit über vier Milliarden versenkt werden sollen.

    Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke ist Gefahrzeitverlängerung
    Dies gilt für die alternden AKW in Beznau und Fessenheim genau so wie für deutsche Atomkraftwerke. Deutlich wurde dies beim großen Ölunfall im altersschwachen AKW Fessenheim. Aus einem "gerade überprüften" Rohr liefen im "umweltzertifizierten" AKW Fessenheim 13 Tonnen Diesel nicht etwa in eine Auffangwanne, sondern ins Grundwasser... Gegen die atomaren Gefahren, nicht nur am Oberrhein, haben wir gemeinsam mit unseren französischen Freundinnen und Freunden im Oktober in Colmar friedlich, freundlich und selbstbewusst demonstriert. Im Vorfeld der Kundgebung haben französische Politiker versucht, die Bevölkerung grenzüberschreitend gegeneinander auszuspielen. Gerade für den BUND in der Region ist die gute Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg ein zentrales Anliegen und es ist uns gelungen diesen Zusammenhalt deutlich zu machen.
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    Die Wildkatze ist wieder da
    In einer Zeit, in der positive Meldungen aus dem Umwelt- und Naturschutzbereich eher Seltenheitswert haben, freut sich der BUND am Südlichen Oberrhein besonders über das im Februar 2009 endgültig bestätigte Vorkommen der Wildkatze in den Rheinauen und am Kaiserstuhl. Durch eine umfassende Untersuchung konnte nachgewiesen werden, dass die seit 1912 in Baden-Württemberg "ausgestorbenen" Wildkatzen wieder in den Wäldern des Landes umherstreifen.

    Zu den ebenfalls positiven Meldungen im Jahr 2009
    zählt auch der Baubeginn für das Integrierte Rheinprogramm im Bereich Hartheim. Leider werden in Sachen IRP die ökologischen Aspekte der Planung immer stärker zurückgedrängt.

    Vom 7. bis 18. Dezember 2009 fand in Kopenhagen
    die gescheiterte UN-Klimakonferenz statt. Das skandalöse Scheitern des Klimagipfels hat viel mit der "erfolgreichen" Arbeit der weltweit gut organisierten Klimawandelskeptiker zu tun. Die Strippenzieher der Öl-, Kohle-, und Autokonzerne haben insbesondere in den USA "gute Arbeit" geleistet.

    Im EDF - EnBW AKW Fessenheim
    wurde am 20.10.2009 festgestellt, dass gerade 20 000 Liter Dieselöl (für die Notstromaggregate) ausgelaufen waren. 14 000 Liter gingen direkt ins Grundwasser, auf dem eine 2 Zentimeter dicke Ölschicht schwimmt. Das korrodierte Rohr war im Rahmen der „großen Fessenheiminspektion“ erst wenige Wochen zuvor, am 28.9.09 “gründlich“ untersucht worden...

    Die Katastrophe hat längst begonnen
    Gerne wird in den Medien und der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert ob der Welt (und Südbaden) ökologische oder andere Katastrophen drohen. Doch Realität ist, dass diese Katastrophe schon stattfindet, nur eben bisher noch nicht bei uns am Oberrhein und vor allem gut verdrängt.

    Seit 2008 stieg global die Zahl der chronisch hungernden Menschen von 850 Millionen auf über eine Milliarde. Dies ist eine unvorstellbare Katastrophe die u.a. ökologische und ökonomische Ursachen hat und es ist auch eine Verteilungsfrage.


    Die Menschen der Umweltbewegung am Oberrhein haben viel erreicht.
    Luft und Wasser sind tatsächlich sauberer geworden. Das bedeutet aber nicht mehr und nicht weniger, als dass die weltweiten Zerstörungsprozesse hier in unserer „Öko“-Region ein wenig langsamer ablaufen als anderswo. In einem Jahr verbrauchen wir gerade weltweit so viele fossile Rohstoffe, wie die Erde innerhalb einer Million Jahre herausgebildet hat. Gleichzeitig erzeugen wir in Fessenheim Atommüll, der eine Million Jahre sicher gelagert werden muss. Immer noch gehören auch wir am Oberrhein zu dem zumeist unzufrieden gehaltenen kleinen Teil der Menschheit, der den Großteil der Energie und Rohstoffe verschwendet und der damit für den Großteil der weltweiten Umweltverschmutzung verantwortlich ist. Und die restlichen 80% der Welt (insbesondere China und Indien) sind gerade dabei, unser zerstörerisches Modell einer Verschwendungswirtschaft nachzuahmen. Zur Umweltzerstörung kommt im Zeitalter der Globalisierung ein zunehmend ungehemmter Konsumismus, eine Gefährdung der Demokratie, eine erschreckende Zunahme des Fundamentalismus, Ungerechtigkeit, Sozialabbau und eine verstärkte Innenweltverschmutzung. Die Zukunftsaufgabe auch der regionalen Umweltbewegung wird es sein, aufzuzeigen, dass unbegrenztes Wachstum begrenzte Systeme zerstört. "Gut leben statt viel haben" ist die Zukunftsdevise. Es gilt, eine tatsächlich nachhaltige Entwicklung einzuleiten. Doch davon sind wir auch am Oberrhein und in der "Green" City Freiburg weit entfernt.

    Axel Mayer / Regionalgeschäftsführer


    BUND-Jahresrückblick 2009





    2008 - Mensch, Natur und Umwelt im Dreyeckland
    Ein kleiner umweltpolitischer Rückblick



    An die Medien,
    alle Jahre wieder - unser BUND-Rückblick auf das vergangene Jahr. Ein kurzer, zwangsläufig unvollständiger und subjektiver Überblick über einige wichtige Umwelt- und Naturschutzthemen, nicht nur im Dreyeckland. Und eben auch - wie alle Jahre wieder - Informationen über Erfolge und Misserfolge.


    Nistkästen und Infoblätter
    „Erfreulich unordentlich“ und gar nicht wie in einem Büro sah es in diesem Jahr manchmal bei uns in der Wilhelmstraße aus. Palettenweise kamen die Nistkästen aus der Werkstatt für Menschen mit Behinderung in Neustadt und wurden von unseren Zivis an die fast 800 Kindergärten der Region ausgeliefert. Eine zweckgebundene Erbschaft an den BUND-Regionalverband hat uns diese schöne umweltpädagogische Aktion zum Thema Tier- und Artenschutz ermöglicht. Ja, und dann lagerte bei uns auch die unglaubliche Menge von 100 000 Infoblättern zum Thema Fessenheim. Fast 60.000 Stück wurden von aktiven Helfern und Helferinnen jeweils in ihrer Gemeinde oder Straße schon ausgeteilt.

    Nistkästen und Infoblätter: Nichts zeigt das erfreulich breite Spektrum unserer Natur- und Umweltarbeit deutlicher als diese Mischung aus bewahrendem Naturschutz und engagiertem Umweltschutz.

    Das Jahr 2008 war das Jahr der Finanz- und Wirtschaftskrise,
    die auch eine ökologische Krise war und ist, die Krise einer weltweiten Verschwendungs- und Raubbauwirtschaft. „Immer mehr und immer dümmere Produkte kaufen mit Geld, das Mensch nicht hat“. Diese zentrale Grundidee des „American Way of Life" (an der auch Wahlen in den USA wenig ändern) stand am Beginn der US-Immobilienkrise. Wenn sich die Menschen vorstellen könnten, wie viel 500 Milliarden Euro sind, die alleine für die Bankenrettung zur Verfügung gestellt wurden, dann wäre die berechtigte Empörung noch größer. Ein Eindruck bleibt: So richtig verantwortlich war für diesen Zusammenbruch eigentlich niemand. Die Lobbyisten sind kurzfristig „in Deckung gegangen“, so wie die Atomlobbyisten nach der Tschernobyl-Katastrophe.

    Bienenvergiftung am Oberrhein:
    Eines der wichtigsten und traurigsten Themen im Jahr 2008 war das massive Bienensterben, ausgelöst durch eine verfehlte Bekämpfung des Maiswurzelbohrers mit der Saatgutbeize Poncho. Rund 11.500 Bienenvölker waren betroffen, das heißt, sie wurden durch das Pflanzenschutzgift des Herstellers Bayer CropScience entweder dezimiert oder ganz vernichtet. Gemeinsam mit den betroffenen Imkern hat der BUND vor dem Regierungspräsidium Freiburg eine kleine Kundgebung organisiert. Die zentrale Aussage des BUND ist und bleibt: Der Maiswurzelbohrer muss, wie es erfolgreich in der Schweiz geschieht, mit Fruchtfolge und nicht
    mit Gift bekämpft werden.

    Neue AKW Schweiz?
    Gefährlich spät, um das Jahr 2020, gehen drei alte schweizer AKW vom Netz: Beznau I, Beznau II und Mühleberg. Zusammen haben sie eine Leistung von 1085 Megawatt. Sie liefern heute 15% der Stromversorgung in der Schweiz. Die jetzt neu geplanten Atomkraftwerke in Mühleberg, Beznau und Gösgen haben dereinst eine Gesamtleistung von 4800 Megawatt. Das ist kein Ersatz, sondern ein Atomausbau um fast das Fünffache.
    Mit großer Wahrscheinlichkeit ist die beantragte Überkapazität ein psychologischer Trick. Kurz vor wichtigen Abstimmungen wird die Atomindustrie “großzügig” auf den Bau eines AKW verzichten um mit diesem Trick die Abstimmung zu gewinnen. Der grenzüberschreitende Widerstand gegen diese Pläne nimmt zu.

    Unseren Protest gegen Flächenverbrauch, Zersiedelung
    und die zunehmende Verscheußlichung der Landschaft am Oberrhein haben wir mit einer kleinen Aktion nach außen getragen. „Ohne Boden kein Leben“, das BUND-Banner war genau passend zur Tagung von Bürgermeistern, Kreis- und Gemeinderäten, zu der der neue Regierungspräsident Julian Würtenberger eingeladen hatte. Auch der Bahnausbau am Oberrhein und seine Folgen für Mensch, Natur und Umwelt sind ein BUND-Thema.

    In diesem Jahr bekam die so genannte Kontrollkommission CLS
    des französischen AKW Fessenheim einen neuen Vorsitzenden. Der bisherige Vorsitzende Pierre Schmitt wurde abgelöst durch den Bürgermeister von Ensisheim und Generalrat Michel Habig. "Herr" Habig ist ein vorbestrafter Brandstifter. Er hat die alte Geschichte der Pogrome am Oberrhein fortgesetzt und die Wohnwagen von Roma angezündet. Es ist eine Peinlichkeit, politische Dummheit und Blamage ersten Ranges, Herrn Habig weiterhin mit öffentlichen Ämtern zu betrauen.

    Ein ungewollter “Erfolg” des Trinationalen Atomschutzverbandes TRAS
    ist die zukünftige Beteiligung deutscher Regionalpolitiker an der so genannten Kontrollkommission CLS. Einige südbadischen Atomlobbyisten versuchen über die CLS die “Illusion von Beteiligung” zu wecken und dieses Gremium als Alternative zu TRAS aufzubauen. Dazu kommt ein neues badisches “Kontrollgremium” das nichts zu kontrollieren hat. Es ist ein Skandal: In der neuen “Begleitkommission” des RP sind Atomkritiker nicht vertreten. Der TRAS hat 2008 auch seine wichtige Klage gegen das marode AKW Fessenheim eingereicht.

    Einen „Medienflop“ haben wir uns Anfang des Jahres geleistet:
    Gemeinsam mit unseren elsässischen Freunden von der CSFR hatten wir in einer Medienmitteilung den französischen Staatspräsidenten Sarkozy kritisiert. Er versteht sich nicht nur als Staatspräsident, sondern auch als „Außendienstmitarbeiter der EDF“ und will Atomkraftwerke an den libyschen Staatspräsidenten Ghaddafi und auch in andere Spannungsgebiete verkaufen. Doch die Beispiele Pakistan, Nordkorea und evtl. auch Iran zeigen: Wer AKW hat, kann in Kürze auch Atomwaffen haben. So gefährdet Herr Sarkozy mit seinen atomaren Exportwünschen langfristig den Frieden auf diesem Planeten. Die meisten Medien hatten an dieser Meldung kein großes Interesse. Umso häufiger war er mit seiner damaligen Geliebten und jetzigen Frau Bruni in der Presse. Wir hatten der großen Illusionsmaschine das falsche Futter gegeben. Wer interessiert sich für langfristige Gefährdung von Umwelt und Frieden, wenn über hübsche Affären berichtet werden kann? Wir bedanken uns bei allen JournalistInnen die dieses “langweilige” Thema aufgegriffen haben.

    Der 79-jährige Solarpionier Werner Mildebrath aus Sasbach
    wurde, stellvertretend für viele andere, BUND-Ehrenmitglied. Der Umweltaktivist gehört zu den Ersten, die in Deutschland gut funktionierende thermische Solaranlagen bauten. Am Samstag, den 26.4.2008, erhielt er bei der Landesdelegiertenversammlung des BUND in Bad Boll die Ehrenmitgliedschaft. Er ist das erste Mitglied aus der Region am Südlichen Oberrhein, das diese Ehrung erhält. Wir sind stolz, dass BUND-Aktive wie Werner Mildebrath schon 1976 aufzeigten, dass die alternativen Energien gefördert werden müssen. Diejenigen, die damals mit ihren Visionen von Nachhaltigkeit häufig nicht ernst genommen wurden, heute zu ehren, ist uns eine Freude.

    Traurige „Rechthaberei“
    Dieses Jahr hat viele alte Aussagen und Thesen des BUND bestätigt. Wir hatten in der Vergangenheit immer gesagt, dass große Autos und Benzinschlucker nicht zukunftsfähig sind. Wir haben vor Cross Border Leasing gewarnt (hier geht unser Dank an Nikolaus Geiler vom AKW Wasser BBU!) und schon vor Jahrzehnten mit dem Club of Rome auf die Endlichkeit der Rohstoffe und der atomaren wie fossilen Energievorräte hingewiesen. Während die Endlichkeit von Gas und Erdöl zwischenzeitlich offen diskutiert und anerkannt wird, wird die Beschränktheit der Uranvorräte von den Konzernen und Lobbyisten (vorerst) mal wieder bestritten.

    Klimaschutz
    Auch in Sachen Klimaschutz waren die BUND-Aktiven 2008 engagiert. Auch wenn es nervt: Wir erinnern die Behörden und die Öffentlichkeit immer wieder daran, dass „unsere“ Müllverbrennungsanlage TREA in Bremgarten seit vier Jahren zwar Müll verbrennt und Strom erzeugt, dass das tägliche Wärmeäquivalent von
    120 000 Litern Erdöl aber ungenutzt an die Umwelt abgegeben wird. Das neue Pelletswerk in Ettenheim wäre ein großer, ganzjähriger Wärmeabnehmer gewesen. Das Pelletswerk nicht in Bremgarten zu bauen, war eine Fehlplanung.

    Diese kleine Auflistung von Themen
    muss zwangsläufig stark verkürzt sein. Viele Infos, Newsletter und alle unsere Presseerklärungen finden Sie unter www.bund-freiburg.de. Unsere Internetseiten werden jetzt von ca. 1400 Menschen täglich besucht.

    Mit freundlichen Grüßen

    Axel Mayer / Regionalgeschäftsführer
    Und der Regionalvorstand: Ellen Koppitsch, Frank Baum, Ilse Weghaupt, Silvia Wagner, Gerhard Völker und Roland Burkhart



    Ausblick: Am 3. und 4. Oktober 2009 planen
    die französischen Umweltschützer in Colmar große Demonstrationen gegen Atomenergie, gegen das AKW Fessenheim und zur Förderung des elsässischen Pressewesens. (nach großen, erfolgreichen Atom-Kundgebungen im Elsass schaltet die EDF gerne drei-bis vier ganzseitige Anzeigen in den regionalen Medien)




    2007 - Mensch, Natur und Umwelt im Dreyeckland
    Ein kleiner umweltpolitischer Rückblick



    An die Medien,

    alle Jahre wieder – unser umweltpolitischer BUND-Rückblick auf das vergangene Jahr. Ein kurzer, zwangsläufig unvollständiger Überblick über einige Umwelt- und Naturschutzthemen, nicht nur im Dreyeckland. Und eben auch - wie alle Jahre wieder - Informationen über Erfolge und Misserfolge.

    - Nie waren die Schornsteine grüner als im Jahr 2007
    Der menschengemachte Klimawandel ist ein ziemlich altes BUND-Thema. Dennoch waren auch die BUND-Aktiven in Freiburg überrascht, mit welcher Vehemenz der Klimaschutz zum zentralen umweltpolitischen Thema wurde. Je mehr der Klimawandel politisch in den Vordergrund rückte, desto „grüner“ wurden die Anzeigen der Kohle- und Atomkonzerne, insbesondere der EnBW. Die Forderung nach Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke dient auch der psychologischen Entlastung vieler Politiker der Atom- und Kohleparteien. Sie tragen die Hauptverantwortung für die bisherige und zukünftige Verschwendung von Energie, Rohstoffen und für die drohende Klimaveränderung. Die Werbeabteilungen der Atomkonzerne bieten ihnen jetzt eine schöne Illusion, mit der sie sich scheinbar aus der Verantwortung stehlen können.
    http://vorort.bund.net/suedlicher-oberrhein/burson-marsteller-nuklearforum-schweiz.html

    - Die Auseinadersetzung mit Greenwash beschäftigt

    uns schon lange. Mit der Gründung des so genannten Umweltvereins "Au fil du Rhin" (dt.: "Am Rhein entlang") in Fessenheim versuchten die beiden AKW-Betreiber EDF und EnBW den Begriff der Nachhaltigkeit für sich zu besetzen und die Umweltbewegung nach amerikanischem Vorbild zu spalten und zu kaufen. Vier Jahre lang haben wir uns intensiv mit diesem Greenwash-Verein auseinander gesetzt und intensiv gegengehalten. Jetzt berichtete das Magazin der Süddeutschen Zeitung über das "Verschwinden von "Au fil du Rhin", das uns auch schon aufgefallen war. Wenn das stimmt, hat das viel mit unserer BUND-Arbeit und Gegeninformation (auch im Internet) zu tun.
    http://vorort.bund.net/suedlicher-oberrhein/au-fil-du-rhin-greenwash.html

    - Keine zweite Müllverbrennungsanlage und keine Müll(fern)transporte nach Bremgarten
    Die unglaubliche Abwärmeverschwendung (nicht nur!)bei der bestehenden Müllverbrennungsanlage TREA im Gewerbepark Breisgau ist und bleibt ein wichtiges Thema unserer BUND-Umweltarbeit. 50 Megawatt Abwärme, d.h. täglich das Wärmeäquivalent von 120 000 Litern Erdöl, wird ungenutzt an die Umwelt abgegeben. 2007 war in Bremgarten eine zweite MVA in Planung, für die der Müll aus großer Entfernung herangekarrt worden wäre. Angesichts des drohenden Klimawandels dürfen nach unserer Ansicht zukünftig keine Kraftwerke und Großverbrennungsanlagen mehr ohne Abwärmenutzung gebaut werden. Unser Engagement bei der Verhinderung der zweiten Müllverbrennungsanlage in Bremgarten ist ein wichtiger Beitrag des BUND-Regionalverbandes zum Klimaschutz. Unser kontinuierlicher Druck zur Nutzung der Abwärme des bestehenden Müllofens wird nicht nachlassen.
    http://vorort.bund.net/suedlicher-oberrhein/trea-pelletswerk-biogas-forchheim.html

    - Auch im Breisgau müssen Pendler für Stuttgart 21 auf Zugverbindungen verzichten

    „Stoppt das Milliardengrab Stuttgart 21!“ Mit dieser Forderung haben BUND-Aktive im Rahmen einer kleinen Aktion gegen die Zug-Streichungen im regionalen Bahnverkehr demonstriert. Unnötige, überdimensionierte Protzprojekte in der fernen Landeshauptstadt fressen die Gelder, die der ÖPNV am Oberrhein und der dringend benötigte Lärmschutz bei neuen Bahntrassen benötigen.
    http://vorort.bund.net/suedlicher-oberrhein/verkehr-strassen-suedbaden.html

    - Die geplante, problematische „Stinkefabrik“ (Auto-Schredderanlage) am Rhein bei Nambsheim (F) wird (vermutlich) nicht gebaut
    Das Problem der geplanten 456 Hektar Industriezone nördlich von Fessenheim aber bleibt. Erstaunlich ist das geringe deutsche Medieninteresse an Planungen, die unsere Lebensqualität massiv bedrohen. Die neue französische Schwerindustriezone, aber auch die zunehmende Verscheußlichung der Landschaft und der Flächenverbrauch am Oberrhein sollten nach unserer Ansicht ein Schwerpunkt der Zusammenarbeit mit Alsace Nature werden. Was der BUND generell vermisst, ist eine inhaltliche Debatte um Vor- und Nachteile der geplanten Metropolregion Oberrhein, um Flächenverbrauch und Zersiedelung.
    http://vorort.bund.net/suedlicher-oberrhein/gde-guy-dauphin-erfolg.html

    - Über 1100 Menschen informieren sich zwischenzeitlich täglich
    auf unserer regionalen BUND-Homepage www.bund-freiburg.de über Naturschutz und Umweltthemen am Oberrhein. Dort finden Sie auch einige Infos über unsere 35 BUND-Gruppen in der Region, die sich insbesondere im klassischen Naturschutz engagieren.

    - Drei illegale Werbeschilder an der Autobahn wurden abgebaut
    Unsere Initiative gegen die illegale „Verschilderung“ der Landschaft war erfolgreich. Auf Grund unserer Aktivitäten wurde das IKEA-Schild in Teningen und zwei große Werbebanner bei Hartheim an der Autobahn abgebaut. Bundesweit haben andere Umweltgruppen unsere Initiative aufgegriffen. Zwischenzeitlich finden sich gute Tipps und Gerichtsurteile gegen die „Verschilderung“ auf unserer Homepage www.bund-freiburg.de und werden rege nachgefragt. Werbeschilderreihen wie in Italien soll es in unserer Landschaft nicht geben.
    http://vorort.bund.net/suedlicher-oberrhein/autobahn-werbung.html

    - Ein großes und wichtiges BUND-Thema war in diesem Sommer der Maiswurzelbohrer
    Der „Maiswurzelfiesling“ ist 2007 in unserer Region erstmals angekommen. Jetzt entscheidet sich, in welche Richtung sich die Landwirtschaft langfristig entwickeln wird. Wird der Monokulturwurzelbohrer mit Gift und Genmais oder mit ökologisch und ökonomisch sinnvollen Fruchtfolgen bekämpft? Das erste deutsche Befallsgebiet war bei uns am Südlichen Oberrhein. Jetzt wird er bundesweit an immer neuen Stellen gefunden. Wir haben das Thema intensiv aufgegriffen und mit der in der Schweiz praktizierten Fruchtfolge erfolgversprechende Alternativen zu Gifteinsatz und Genmais aufgezeigt. Grundwasserschutz hat hier am Oberrhein leider nur eine kleine Lobby...
    http://vorort.bund.net/suedlicher-oberrhein/maiswurzelbohrer.html

    - Das altersschwache AKW Fessenheim
    ist und bleibt leider unser Dauerthema. In diesem Jahr rückte die Bedrohung des AKW durch Erdbeben und Terrorismus in den Vordergrund. Auf der ungesicherten Ostseite des Atomkraftwerks gibt es einen für jedermann nutzbaren Fahrweg mit „freiem Blick“ auf das Atomkraftwerk. Gemeinsam mit französischen Umweltgruppen engagieren wir uns für die Schließung des AKW. Solange es aber noch läuft, muss es „so sicher als möglich“ betrieben werden, d.h. der Fahrweg sollte gesperrt und gesichert werden.
    http://vorort.bund.net/suedlicher-oberrhein/fessenheim-akw-terrorgefahr.html

    - Teninger Schuttloch
    Endlich wird eine der problematischsten Altlasten in Südbaden saniert: die ehemalige Teninger Müllkippe an der Autobahn. Die im Volksmund "Schuttloch" genannte Müllkippe zeigt exemplarisch, wie leichtfertig und verantwortungslos in der Vergangenheit mit gefährlichen Giften umgegangen wurde. Ärgerlich ist aber auch, dass wie so häufig die Allgemeinheit für die Kosten aufkommt. 5,2 Mio. Euro soll die jetzt geplante Sanierung kosten, für die das Land (zu 86,25%) und die Gemeinde - also immer wir SteuerzahlerInnen - zahlen müssen.
    http://vorort.bund.net/suedlicher-oberrhein/teningen-altlast-frako-tscheulin.html

    - Auch im „klassischen“ Naturschutz sind wir an vielen Stellen aktiv
    Im Kappler Kleintal kümmert sich unser Arbeitskreis Naturschutz um den Amphibienschutz, und gerade im Naturschutz sind auch unsere Gruppen in den Gemeinden sehr aktiv. In einer Zeit, in der positive Meldungen aus dem Naturschutzbereich eher Seltenheitswert haben, freut sich der BUND-Regionalverband besonders über das jetzt bestätigte Vorkommen der bedrohten Wildkatze am Kaiserstuhl.
    http://vorort.bund.net/suedlicher-oberrhein/bund-arbeitskreise.html

    Axel Mayer / Regionalgeschäftsführer
    Und der Regionalvorstand: Ellen Koppitsch, Frank Baum, Ilse Weghaupt, Silvia Wagner, Gerhard Völker und Roland Burkhart





    2006 - Mensch, Natur und Umwelt im Dreyeckland
    Ein kleiner umweltpolitischer Rückblick



    An die Medien

    Alle Jahre wieder - unser Rückblick auf das vergangene Jahr. Ein kurzer, zwangsläufig unvollständiger Überblick über einige wichtige Umwelt- und Naturschutzthemen nicht nur im Dreyeckland. Und eben auch Informationen über Erfolge und Misserfolge und die Bitte um journalistische Verwertung

    Freiburg 19.12.2006
    Das Jahr 2006 begann für den BUND mit einer freudigen Überraschung. Unsere langjährigen Kämpfe und Auseinandersetzungen um Wasserreinhaltung, Kläranlagen und um die Durchlässigkeit der Bäche und Flüsse bringt jetzt Erfolge für Mensch und Natur. Im Jahr 2005 gab es nach 50 Jahren den ersten Fund von Lachslaich in der Kinzig. 2006 fand sich nach über 100 Jahren wieder Lachslaich in der Murg. Wenn das Symboltier Lachs in seine alten Heimatgewässer zurückkehrt, wenn Menschen wieder in Bächen und Flüssen baden können, dann ist das auch mit ein Ergebnis unserer Natur- und Umweltarbeit der letzten Jahrzehnte. Jetzt muss sich der BUND verstärkt darum kümmern, dass aus den zu Kanälen geronnenen Gewässern wie Elz, Dreisam, Glotter und Kinzig wieder naturnahe Bäche und Flüsse werden. Beim Integrierten Rheinprogramm wurden 2006 die Aspekte des Naturschutzes leider immer mehr zurückgedrängt.

    Der Atomkonzern EnBW schmückt sich seit diesem Jahr mit dem "Umwelt"zertifikat nach ISO 14001. Der Konzern, der seinen Strom u.a. aus überalterten, umweltbelastenden und gefährlichen Atomanlagen bezieht, versucht sich so ein grünes Image zu geben.

    Die chemische Vergiftung unserer Gewässer wurde erfolgreich bekämpft und darüber haben wir die thermische und radiologische Belastung ein wenig aus den Augen verloren. Das französische AKW Fessenheim hat keine Kühltürme und setzt zu hundert Prozent auf die für die Betreiber EDF und EnBW profitable, für den Rhein aber höchst problematische Flusswasserkühlung. Im warmen Frühsommer 2006 wurde die kritische Hitzemarke beinah erreicht. Der Rhein darf durch die beiden Kraftwerksblöcke im Juni, Juli und August um skandalöse 4 °C und im September, Oktober, November, März, April und Mai um 6,5 °C erwärmt werden. Im Dezember, Januar und Februar darf der Rhein sogar um 7 °C wärmer werden. Bis auf 30 °C darf das Atomkraftwerk den Rhein aufheizen. Wenn alle Kraftwerke am Rhein auf Kühltürme verzichtet hätten, wäre der Rhein biologisch tot. Zusätzlich zur Erwärmung des Rheins kommt noch die radioaktive Verschmutzung. Alle Atomkraftwerke belasten, auch im so genannten Normalbetrieb, die Flüsse mit radioaktivem Tritium. Der Grenzwert für erlaubte Radioaktivitätsabgabe in den Rhein liegt in Fessenheim bei 74.000 Milliarden Becquerel im Jahr. Hier wird sich der BUND in Zukunft verstärkt engagieren.

    Ein weiteres wichtiges Thema für uns ist die zunehmende Zersiedelung, Verscheußlichung und Verlärmung unserer Heimat am Oberrhein. Am Beispiel des geplanten Bahnausbaus wird deutlich, was es bedeutet in einem europäischen Transitraum zu leben. Wir brauchen das dritte und vierte Gleis. Das "Schutzgut Mensch" muss aber bei allen Planungen im Mittelpunkt stehen.

    Zu Beginn des Jahres 2006 lag die Staatsverschuldung in Deutschland bei ca. 1469 Milliarden Euro und die Neuverschuldung nimmt weiter zu. Die Verschuldung pro Kopf der Bevölkerung beträgt etwa 17.000 EURO. In einer Zeit, in der die bestehende Infrastruktur in Deutschland fast nicht mehr unterhalten werden kann, fordern auch südbadische Politiker immer noch unsinnige neue, teure und klimaschädliche Projekte (Parkhaus am Feldberg, neue Straßen, Ausbau Flugplatz Lahr...) "Stuttgart 21" ist überall, auch in Südbaden. Wenn diese mit Schulden gebauten Projekte dann irgendwann endlich abgezahlt sind, haben die teuren Reparaturen schon längst begonnen. Eine der Ursachen des Freiburger Schuldenberges ist das nicht nachhaltige "billige" Bauen der letzten Jahrzehnte. Diese Analyse war in der hitzigen Freiburger Debatte nicht gefragt. Kritische Analysen waren 2006 generell wenig gefragt.

    Eine sinnvolle Investition war die Entgiftung der Straßburger Hausmüllverbrennungsanlage. Nach jahrzehntelangen Protesten von Umweltschützern auf beiden Seiten des Rheins wurden 35,8 Millionen Euro in die absolut notwendige Entgiftung der alten Dioxinschleuder gesteckt. Luftreinhaltung, technischer Fortschritt und bessere Umweltgesetze fallen nicht vom Himmel, sie wurden und werden immer auch von UmweltschützerInnen erstritten.

    Im Elsass haben 110 gewählte Abgeordnete verschiedener Parteien und verschiedener politischer Ebenen die Stilllegung des Atomkraftwerks Fessenheim gefordert. Die teilweise mit großer Heftigkeit geführte Debatte in Südbaden um den Trinationalen Atomschutzverband TRAS zeigt, dass dieser Verband von den Atomkraftwerksbetreibern und ihren Lobbyisten in der südbadischen Politik sehr ernst genommen wird. Der BUND-Regionalverband prüft gerade, ob wir gemeinsam mit TRAS gegen das altersschwache und zunehmend gefährlicher werdende AKW Fessenheim klagen können.

    Anfang des Jahres hat das Amtsgericht Mulhouse (F) ein skandalöses Urteil in Sachen Umwelt verkündet. Hintergrund war die gravierende Grundwasserverschmutzung vom Jahreswechsel 2002 – 2003 bei der Rhodia in Chalampé. Unbemerkt war damals die unglaubliche Menge von 1200 Tonnen (!) Cyclohexan "ausgetreten" und teilweise ins Grundwasser versickert. Nur 7500 Euro Bußgeld für 1200 Tonnen Cyclohexan im Grundwasser muss die Firma Rhodia in Chalampé jetzt zahlen. Der BUND wird 2007 weiter gegen derartige Ungerechtigkeiten angehen.

    Das gleiche gilt auch für unser altes Dauerthema Grundwasserversalzung. Eine Million Tonnen Salz sind auf der Fessenheimer Rheininsel "einfach so" ins Grundwasser versickert. Wenige Kilometer unterhalb der Fessenheimer Rheininsel finden sich auch in Südbaden bereits jetzt bis zu 50 Gramm Salz in einem Liter Grundwasser - Meerwasser enthält im Schnitt nur 35 Gramm! Diese Salzlauge fließt ca. 100 Meter unterhalb der Geländeoberkante langsam nach Norden. Die verdünnte Spitze der Salzfahne bereitet der Wasserversorgung in Breisach Probleme.

    Der BUND hat vor Jahren die Verursacher dieser größten Umweltverschmutzung am Oberrhein angezeigt, um das Verursacherprinzip durchzusetzen. Wir begrüßen alle Untersuchungen und alle sinnvollen Maßnahmen zur Gefahrenabwehr. Mit 260 000 Euro der Steuerzahler fördert die EU auch dieses Jahr wieder Untersuchungen der Grundwasserversalzung. Warum zahlen wir Steuerzahler und nicht die Verursacher der Verschmutzung, die "Mines de Potasse d`Alsace"? Die Folgekosten, beispielsweise die Verlegung der Breisacher Brunnen und alle teuren Untersuchungen zahlten in der Vergangenheit stets die Verbraucher- und SteuerzahlerInnen auf beiden Rheinseiten. Wenn der Verursacher einer Umweltbelastung zweifelsfrei feststeht, dann muss dieser bestraft werden und die Sanierungs- und Untersuchungskosten tragen. Doch dieses Prinzip wird allzu häufig nur bei kleinen Umweltsündern angewandt. Gegen diese Ungerechtigkeit anzugehen wird eines der wichtigen Themen des BUND im Jahr 2007.

    Beinahe hätten wir in diesem Jahr eines der schönsten und wichtigsten regionalen BUND-Jubiläen verpasst. Im Sommer vor 30 Jahren veranstalteten einige Aktive des damals frisch gegründeten Bund für Umwelt und Naturschutz die weltweit erste Ausstellung zu alternativen Energien in Sasbach am Kaiserstuhl. Der Widerstand gegen das im Nachbardorf Wyhl geplante AKW, das berühmte "Nai hämmer gsaid", war uns BUND-Aktiven nicht genug, es galt auch Alternativen zur Atomenergie aufzuzeigen. Aus heutiger Sicht war es eine kleine, ja geradezu winzige Ausstellung alternativer Energien. Aber gerade dieses "aus heutiger Sicht" zeigt den unglaublichen Erfolg der damaligen Idee und der umgesetzten Vision. Es ist unglaublich und faszinierend, was sich in 30 Jahren aus diesen "Sonnentagen" entwickelt hat. Umweltprodukte und Umweltideen haben längst die kleinen Nischen verlassen. Ökoprodukte und Umwelttechnik, die vor 30 Jahren in Sasbach noch bestaunte Sensationen waren, gibt es heute häufig im Baumarkt um die Ecke.

    Geheimgehaltene Genmaisverursuchen am Oberrhein hat die Genlobby von 1999 bis 2004 durchgeführt. Dies wurde 2006 bekannt. Ein (nie zugegebenes ) Ziel solcher Versuche ist es, eine Kontamination der umliegenden Felder zu erreichen. Inseln gentechnikfreier Nahrungsproduktion stören die Gewinninteressen der Industrie und ihrer Lobby in den Parlamenten. Irgendwann sollen die VerbraucherInnen nur noch die Wahl zwischen stark und leicht gentechnisch veränderten Nahrungs-mitteln haben. So soll Zwangsakzeptanz für Genfood geschaffen werden.

    Die Wälder am Oberrhein und im Schwarzwald sind auf Grund der Trockenheit, des Klimawandels und der Luftschadstoffe in einem verheerenden Zustand. Das öffentliche und veröffentlichte Interesse am Thema ist minimal.

    Einen geheimen Brief der Umweltverbände in Sachen "Schutz des AKW Fessenheim vor Terrorgefahren" wurde von Behördenvertretern leider veröffentlicht. Der BUND und die grenzüberschreitenden Umweltverbände wollen die Schließung eines Dammweges beim AKW Fessenheim. Von diesem Weg aus trennt nur noch der Seitenkanal des Rheins, ein lächerlich niedriger Zaun und dünner Beton einen möglichen Angreifer vom radioaktiven Reaktorkern und vom noch schlechter geschützten Zwischenlager für Atommüll. Erschreckend ist die Tatsache, dass überall der Überwachungsstaat ausgebaut und BürgerInnenrechte eingeschränkt werden. Dort wo allerdings konkrete Gefahren bestehen, schlafen AKW Betreiber, Behörden und Politik.

    In Sachen Mensch, Natur, Umwelt, Atomgefahren, Klimaschutz und echter Nachhaltigkeit gibt es für den BUND im Jahr 2007 genug zu tun. Träume von einem Ende der aktuellen regionalen und weltweiten Raubbauwirtschaft und von einer zukunftsfähigen, nachhaltigen Welt müssen aktiv angegangen und umgesetzt werden. In den örtlichen BUND-Gruppen der Region, im BUND-Regionalverband und bei "Friends of the earth", dem weltumspannenden Netzwerk von Umweltgruppen, in dem wir aktiv mitarbeiten.

    Axel Mayer / Geschäftsführer





    2005 - Mensch, Natur und Umwelt im Dreyeckland
    Ein kleiner umweltpolitischer Rückblick



    An die südbadischen Medien

    Alle Jahre wieder - unser Rückblick auf das vergangene Jahr. Ein kurzer, zwangsläufig unvollständiger Überblick über einige Umwelt- und Naturschutzthemen nicht nur im Dreyeckland. Und eben auch - wie alle Jahre wieder - Informationen über Erfolge und Misserfolge. Für den BUND und die Umweltbewegung war das Jahr 2005 auch ein Jahr der makaberen "Rechthaberei". Nicht nur in Sachen Klimaänderung, Verknappung und Verteuerung der Energie wurden und werden alte Prognosen der UmweltschützerInnen immer mehr zur Realität.

    Januar 2005

    Nach über 50 Jahren laicht zum ersten Mal wieder ein Lachs in der Kinzig. So wurden auch unsere langjährigen, mühsamen Kämpfe um saubere Bäche und Flüsse (Usine Kaysersberg!) mit einem weiteren Erfolg gekrönt.

    8. März 2005


    Ein enttäuschendes VGH-Urteil in Sachen Bugginger Grundwasserversalzung bestätigt wieder einmal die Erfahrung, dass in Sachen Umwelt zumeist nur die "kleinen Sünder" bestraft werden. Wer sich als Umweltverschmutzer teure Anwälte leisten kann (wie die Kali und Salz AG) kommt meistens ungeschoren davon. Die Sanierung der Altlast "Abraumhalde Buggingen" wird durch dieses Urteil der Allgemeinheit aufgebürdet und das Verursacherprinzip ausgehebelt.

    29. April 2005

    Die Umweltverbände am Oberrhein und auch der BUND fordern in Sachen Neukonzessionierung des Kraftwerks Kembs mehr Wasser in den Restrhein zu leiten. Das älteste, südlichste Wasserkraftwerk am Oberrhein bei Kembs befindet sich im Besitz der EDF und die Konzession läuft im Jahr 2007 aus. Damit die Ziele internationaler Programme wie "Rhein 2020" (aus dem Rhein einen Fluss voller Lachse zu machen), die Ziele der Wasserrahmenrichtlinie und des Hochwasserschutzprogramms der IKSR erreicht werden können, fordern die Umweltorganisationen, dass der Mindestabfluss im Restrhein 100m3/s beträgt und die Abflüsse das ganze Jahr über an die Abflüsse z.B. am Pegel bei Basel oder Rheinfelden angepasst werden (naturnahe statt konstante Abflüsse). Aus dem "Restrhein" muss wieder ein naturnaher Fluss für Mensch, Lachs, Kormoran und Eisvogel werden.

    11. Mai 2005

    Der "Ausstiegs"beschluss der rot-grünen Bundesregierung führt zur Abschaltung des Atomkraftwerk Obrigheim. Fast gleichzeitig wird ein schwerer Atomunfall in der britischen Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield bekannt. Das Regierungspräsidium Freiburg und der Regionalverband Südlicher Oberrhein verstärken ihre Verhinderungsplanung gegen Windräder in Südbaden und setzen so die politischen Vorgaben der Stuttgarter Atomparteien um. In den letzten 10 Jahren haben sich die Preise für atomar-fossile Energien mehr als verdoppelt, während sie sich für erneuerbare Energien halbiert haben.

    Juni 2005

    Der Benzinpreis erreicht auch in Südbaden mit Preisen von bis zu 1,25 Euro/Liter Superbenzin seinen bisherigen Höchststand. Das weltweit knapper werdende Öl löst beim abhängigen Patienten Mensch klassische Suchtsymptome aus. Statt Energie zu sparen und Alternativen zu fördern rufen wachstumsgläubige Politiker nach einer intensiveren Ölförderung und nach der noch härteren Energiedroge Atomenergie.

    17. Juni 2005

    Der Trinationale Atom-Schutzverband der Bevölkerung um das AKW Fessenheim (TRAS) wird von Vertretern aus Frankreich, Deutschland und aus der Schweiz in Basel gegründet. Das AKW Fessenheim fällt auch im Jahr 2005 wieder mit Pleiten, Pech und Pannen auf. Bei allen französischen AKW der 900 MW-Klasse gibt es Probleme mit den Kühlwasserpumpen.

    September 2005

    Der Bundestagswahlkampf steuert mit Getöse seinem Höhepunkt entgegen. "Unbegrenztes Wachstum ist dauerhaft möglich und die einzige Lösung aller Probleme" ist die nicht hinterfragte, zentrale Botschaft von FDP und CDU, aber auch fast aller anderen Parteien. Der BUND Regionalverband kritisiert die Mythen vom unbegrenzten Wachstum in einem Thesenpapier. Bei einem anhaltenden Wachstum von 3% verdoppelt sich das Bruttosozialprodukt alle 23 Jahre, bei 5% sogar bereits alle 14 Jahre. Und eine Menge, die exponentiell wächst, vertausendfacht sich jeweils nach der zehnfachen Verdoppelungszeit. Dauerhaftes, exponentielles Wachstum einer Wirtschaft ist nicht möglich und führt zwangsläufig zur Selbstzerstörung. Eine erfreuliche, intensive Debatte im Internet beginnt.

    November 2005

    In den Vorstädten Frankreichs, in Paris, aber auch im Elsass, in Straßburg und Mulhouse brennen Autos. Zur Umweltverschmutzung kommt immer auch die Innenweltverschmutzung. In trostlosen Vorstädten mit fehlgeplanter Massenmenschhaltung kumuliert eine verfehlte Einwanderungspolitik und eine ungerechte Verteilung von Chancen und Arbeit zu massiven Jugendkrawallen. Die Krawalle sind auch ein Menetekel zukünftiger sozialer Entwicklung.

    10. Dezember 2005

    Der Friedensnobelpreis wird im Rathaus von Oslo an die IAEO/IAEA verliehen. Eine Initiative des BUND Regionalverband löst eine weltweite Protestkampagne gegen diese Fehlentscheidung des Nobelpreiskomitees aus. An der Kampagne, die den Zusammenhang von Atomkraftwerken und Atomwaffen aufzeigt, beteiligen sich 135 weltweite Umwelt- und Friedensgruppen und 250 Einzelpersonen. Mit dem Friedensnobelpreis für die IAEA wird der atomare Bock zum Gärtner gemacht.

    Dezember 2005

    Nach der öffentlichen Auflage des Entsorgungsnachweises für ein politisch gewolltes, geologisch schlechtes Atommüllendlager am Rheinfall gehen rund 3800 Stellungnahmen ein. Die vielen Einsprüche sind ein gutes Beispiel für die Zusammenarbeit der Umweltorganisationen im Dreyeckland.

    Axel Mayer

    Absolut notwendiger Nachtrag, der manche der oben geschilderten wichtigen Themen und Probleme relativiert:

    Der Hunger tötet weit mehr Menschen als jeder gegenwärtig geführte Krieg oder Terroranschlag. Jean Ziegler, UNO-Berichterstatter für das Recht auf Nahrung, schreibt 2005 in einem Bericht für die UNO, dass täglich 100 000 Menschen wegen fehlender Nahrung sterben. Im Jahr 2004 stirbt jede Sekunde ein Kind unter fünf Jahren an den Folgen des Hungers. Im Jahr 2004 litten gemäß Ziegler 842 Millionen Menschen an chronischer Unterernährung. Die Tendenz ist steigend: Zwei Jahre zuvor waren es noch 826 Millionen Menschen gewesen. Diese gerne verdrängte Katastrophe muss auch die Arbeit der Umweltbewegung am Oberrhein in Zukunft stärker beeinflussen. Ökologie und Gerechtigkeit sind die Schlüssel für Nachhaltigkeit.

    Zu fast allen oben aufgeführten Themen finden Sie im Internet unter www.bund-freiburg.de umfangreiche Hintergrundinformationen und Presseerklärungen




    2004 - Mensch, Natur und Umwelt im Dreyeckland
    Ein kleiner umweltpolitischer Rückblick



    An die Medien

    Jahresbeginn 2004

    Der schweizerisch-deutsche Luftstreit um den Anflug auf den Flughafen Zürich nimmt an Heftigkeit zu. Alte Nationalismen und traurige Feindbilder auf beiden Rheinseiten werden geschickt genutzt und überlagern den Regio- / Dreyeckland-Mythos. Nicht nur in diesem grenzüberschreitenden Konflikt und der Art, wie er ausgetragen wird, scheitert ein kleines regionales Stück Europa. Auch in den Konflikten um das Atommülllager Benken, die zollfreie Straße und das AKW Fessenheim werden Nationalismen gerne und geschickt genutzt um wirtschaftliche und politische Interessen durchzusetzen. Politiker, die deutsche AKW loben und gleichzeitig Fessenheim abstellen wollen sind zurecht unglaubwürdig.

    16. Januar 2004

    Auch die Landesregierung lehnt die geplante Skihalle in Sasbachwalden wegen negativer Umweltfolgen ab.

    24. Januar 2004

    Premiere in Fessenheim: Bei einem weltweit bisher einmaligen Störfall gelangen 300 Liter Harz in den Primärkreislauf des Atomkraftwerks. In den folgenden Tagen werden zwölf Mitarbeiter des AKW leicht verstrahlt. Für das AKW Fessenheim beginnt ein gefährliches Jahr mit Pleiten, Pech und Pannen. Eine Serie kleiner und mittlerer Erdbeben erinnert am Oberrhein an die Gefährdung des unsäglichen AKW-Standorts. Viele badische Städte und Gemeinden sprechen sich in Resolutionen für die Abschaltung des AKW und gegen den Neubau von Reaktoren aus.

    24. April 2004

    Über 2000 Menschen aus Frankreich, Deutschland und der Schweiz demonstrieren in Breisach und Fessenheim gegen das marode EDF- / EnBW-Kernkraftwerk und gegen den geplanten europäischen Druckwasserreaktor von Siemens.

    Sommer 2004

    Nach dem Hitze- und Dürrejahr 2003 leidet insbesondere der Schwarzwald unter einem massiven Baumsterben. Weltweit machen sich die Auswirkungen des Klimawandels bemerkbar.

    Sommer 2004

    Der Streit um die zollfreie Straße bei Basel eskaliert. Mit einer Besetzung versuchen Menschen des Großraumes Basel den unnötigen Straßenbau durch das wertvolle Naturgebiet zu verhindern.

    12. September 2004

    Weit über 1000 Menschen demonstrieren in Benken (CH) gegen die Gefährdung der Umwelt und des Rheins durch ein geplantes Atommülllager. Kurz nach der Kundgebung erklärt die NAGRA, dass auch der leicht- und mittelaktive Atommüll ins Grenzgebiet am Rheinfall, in die viel zu dünne Schicht Opalinuston kommen könnte. Der Hochrhein würde dann endgültig zum Atomklo. Auch wenn der geologische Untergrund am Rheinfall denkbar ungeeignet ist, so sind zumindest die neuen Durchsetzungsstrategien der NAGRA perfekt. Es beginnt die Phase, in der sich die Atommüllplaner ihre Pläne öffentlich von scheinbar neutralen Pro-Atom-Organisationen loben lassen.

    November 2004

    Die Trea Breisgau, die regionale Müllverbrennungsanlage im Gewerbepark Bremgarten geht hochgelobt von den Medien in Betrieb, verschwendet aber unglaubliche Abwärmemengen. 50 Megawatt nutzbarer Abwärme werden in Zeiten weltweiter Klimaveränderungen in die Umwelt geblasen. Täglich wird eine Abwärmemenge entsprechend 119178 Liter Erdöl ungenutzt in die Umwelt abgegeben. 50 MW Abwärme entsprechen dem Wärmebedarf von 52.083 Niedrigenergie-Wohnhäusern. Erstaunlich ist das geringe öffentliche Interesse an diesem Skandal und an den unglaublichen Preisunterschieden zwischen den Müllverbrennungsanlagen in Baden-Württemberg. Der BUND wird sich auch in Zukunft gegen die Energieverschwendung in Bremgarten engagieren und den Druck auf die Entscheidungsträger verstärken.

    Naturschutz

    Mit einem schönen Faltblatt macht der BUND auf den Wert alter Obstbäume, nicht nur am Kaiserstuhl, aufmerksam. BUND und NABU sprechen sich gemeinsam gegen den Herbizideinsatz im Naturschutz aus und engagieren sich auch gemeinsam für die ökologischen Aspekte des Integrierten Rheinprogramm BUND-Aktive engagieren sich überall in der Region im klassischen Natur-, Amphibien- und Vogelschutz.

    Im Jahr 2004

    treibt Greenwash, der Versuch umweltschädliche Planungen und Projekte mit einem verlogenen Umweltimage zu versehen, seltene Blüten am Oberrhein. Das AKW Fessenheim wirbt mit dem scheinökologischen Umweltzertifikat ISO 14001 und EDF und EnBW lassen ihre Tarnorganisation, den "Umweltverein" "au fil du rhin" für sich arbeiten. Mit vorgeschobenen, nur scheinbar ökologischen Argumenten wird insbesondere in Breisach gegen die Umweltaspekte des Integrierten Rheinprogramms (IRP) gekämpft, und so eines der wichtigsten Hochwasser- und Naturschutz-projekte am Oberrhein gefährdet.

    "Vorwärts in die 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts"

    war nicht nur im Dreyeckland, in Sachen Umwelt, das Motto des Jahres 2004. In den USA wurde mit Georg Bush ein Lobbyist der Umweltverschmutzer, ein Mann, der Verbrecher mit Verbrechen bekämpft und dabei gegen die Menschenrechte verstößt, erneut zum Präsidenten gewählt. Und auch in Deutschland wurde mit Michael Schuhmacher ein Vertreter der Automobilanbetung zum Sportler des Jahres und des Jahrhunderts gewählt, ein "Motorsportler", der seine Steuern lieber in der Schweiz als in Deutschland zahlt. In Zeiten der Globalisierung könnte in Zukunft nach dem Sozialen wohl auch die Umwelt auf der Strecke bleiben. Den falschen Mythos der 60er Jahre, unbegrenztes Wachstum sei im begrenzten System Erde dauerhaft möglich, tragen Politik und Medien wie eine Monstranz vor sich her und beklagen die zu geringe Verschwendungssucht und den mangelhaften Konsum der Bevölkerung. Die Frage, was denn passiert, wenn eine Milliarde Chinesen unser zerstörerisches Wachstumsmodell übernehmen, wird öffentlich lieber nicht gestellt. Der ökologisch und ökonomisch unsinnige Druck, mehr zu kaufen und zu konsumieren nimmt zu. Die Auseinandersetzungen in Sachen Umwelt-, Natur-, und Menschenschutz werden in den kommenden Jahren an Härte zunehmen.

    Axel Mayer / Geschäftsführer






    2003 - Mensch, Natur und Umwelt im Dreyeckland
    Ein kleiner umweltpolitischer Rückblick



    An die Medien am Oberrhein

    Mit einem richtigen „Knaller“
    eröffnete der Chemiekonzern Rhodia in Chalampé (F) das Internationale Jahr des Süßwassers. Kurz vor dem Jahreswechsel meldete die Rhodia den Behörden einen „kleinen“ Störfall. Cyclohexan, ein Lösungsmittel, sei in kleinen Mengen ausgetreten. Die Bevölkerung wurde nicht informiert. Ein Rhodia-Mitarbeiter meldete dann heimlich den Medien, 30 Tonnen seien versickert. Nach heftigen Reaktionen von BUND und Alsace Nature wurde nach und nach die unglaubliche Dimension des Skandals deutlich. Erst wurden 400 Tonnen zugegeben, später gingen die Behörden davon aus, dass bis zu 1200 Tonnen Cyclohexan unbemerkt (!) ausgetreten waren. Das entspricht dem Inhalt der Kesselwagen eines 300 Meter langen Zuges. Und das in einem Betrieb, der stündlich 28 Tonnen Blausäure produziert. 4 Millionen Euro wird der Unfall die Rhodia nach eigenen Angaben kosten. Im Gegensatz zu allen Aussagen der Firmenleitung hätte ein Funke zu einer Katastrophe führen können. Gemeinsam mit Alsace Nature verstärkten wir den Druck auf die Firmenleitung, um endlich Sicherheit für die Menschen der Umgebung zu erreichen. Nur durch solchen Druck wird bei Firmen wie Rhodia der technische Fortschritt in Sachen Sicherheit beschleunigt. Erschreckend ist der harte Umgang der Behörden mit kleinen Umweltsündern und der freundliche Umgang mit Rhodia. Auch im Internationalen Jahr des Süßwassers bleibt die Wasser-, Grundwasser- und Trinkwassersituation im Rheingraben mehr als problematisch. An beinahe der Hälfte der Wasserpegel am Südlichen Oberrhein sind ein oder mehrere Grenzwerte für Trinkwasser (Salz, Nitrat, Atrazin,...) überschritten.
    Die vom BUND und Alsace Nature lange geforderte Stilllegung der Giftmülldeponie Stocamine (F) wurde im Jahr 2003 Realität. Ein Erfolg über den wir uns nach dem großen unterirdischen Brand der “nicht brennbaren“ Gifte nicht so richtig freuen können.

    Die regionalen Proteste gegen den Irak Krieg
    wurden auch vom BUND unterstützt. Der Irak-Krieg war für die Umweltbewegung auch ein Zeichen für die Zuspitzung der weltweiten Kämpfe um Ressourcen. Als der irakische Diktator seine schlimmsten Verbrechen beging, war er noch ein Partner der USA und wurde von dort mit Waffen beliefert. Es gab und gibt für uns keine „guten Diktaturen“. Unsere Befürchtungen zu Beginn des Krieges haben sich eigentlich alle bestätigt. Die Kriegsgründe (Massenvernichtungswaffen) waren vorgeschoben. Wie ist es in Demokratien möglich, dass bei zentralen Entscheidungen über Krieg und Frieden die Menschen so belogen werden?

    Der Euroreaktor EPR,
    die neue Reaktorlinie die von der EnBW und EDF finanziert und von Siemens gebaut werden soll wirft ihre Schatten voraus. Angela Merkel und Ministerpräsident Teufel haben in diesem Jahr die CDU als Atompartei in Wartestellung geoutet. Auch das Rot-GRÜNE Rumgeeiere um den Export der Plutoniumfabrik nach China und die Siemens Lieferungen für den EPR in Finnland zeigt die Gefahren einer Wiederbelebung der Atomindustrie. Wer, wie Siemens, neue Atomkraftwerke bauen und exportieren will, sorgt damit auch für die Verbreitung von Atomwaffen. Regional lief eine gut gemachte, verlogene Werbekampagne für das AKW Fessenheim an. Fessenheim wäre aus Sicht von EnBW und EDF ein idealer Standort für neue AKWs, wenn nur die Umweltschützer nicht wären. So erhielt das Atomkraftwerk Fessenheim für „Schutz von Fauna, Flora und Orchideen um das Kernkraftwerk, für Mülltrennung, u.a.“ die Umweltzertifizierung nach ISO 14001. Ein „schönes“ Beispiel für Greenwash in der Region. Mit der Gründung des so genannten Umweltvereins „Au fil du Rhin“ (dt.: „Entlang des Rheins“) in Fessenheim durch EnBW und EDF, versuchen die beiden AKW Betreiber den Begriff der Nachhaltigkeit für sich zu besetzen und die Umweltbewegung zu spalten. Auch die Kampagne für den Euroreaktor EPR, der von Siemens und Framatome irgendwann in Fessenheim gebaut werden soll, läuft unter dem Deckmäntelchen der Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes.
    Kontrovers diskutiert
    werden in der Regio die neuen Windräder, insbesondere am Schauinsland. Die umweltfreundliche Form der Energieerzeugung steht im Konflikt mit dem Landschaftsschutz. Auch zu diesem Thema erarbeitete der BUND ein differenziertes Positionspapier, mit deutlicher Sympathie für Windenergie und Landschaft.

    Der Maiswurzelbohrer,
    ein amerikanischer Maisschädling, wurde im August 2003 erstmals im Elsass und im Baselland gefunden. Die gefunden 4 Exemplare von „Diabrotica virgifera“ wurden mit einer heftigen Giftdusche empfangen. 1,5 Tonnen Insektizide wurden in einer umweltgefährdenden Hubschrauberaktion alleine im Elsass ausgebracht. 250 Menschen demonstrierten bei einer Regenschirmdemo in Hegenheim (F). Nur in der Schweiz wird der Maiswurzelkäfer kostengünstig und umweltfreundlich mit Fruchtfolgen bekämpft. Jahrzehntelanger Maisanbau auf den gleichen Flächen ist schädlich für das Grundwasser und hat seine deutlichen Nitrat-Spuren hinterlassen. Doch für die Landwirte, die im Rahmen der Globalisierung in direkter Konkurrenz mit riesigen Maisanbauflächen in den USA stehen, ist Maisanbau eine Möglichkeit zum wirtschaftlichen Überleben in Zeiten der Globalisierung. Breitet der Maiswurzelbohrer sich 2004 am Oberrhein aus, dann gibt es zwei Möglichkeiten: Ökologisch sinnvolle Fruchtfolgen wie in der Schweiz, oder heftiger Insektizideinsatz wie im Elsass. Die Folgen intensiver Landwirtschaft aufs Grundwasser wurden im Jahr 2003 am Nördlichen Kaiserstuhl deutlich. Nach Sasbach musste auch die Stadt Endingen am Kaiserstuhl und die Gemeinde Weisweil einen millionenschweren neuen Brunnen bohren.

    Eine hervorragende neue Studie
    bestätigte die alten Argumente des BUND zum Thema Grundwasserversalzung durch den Kaliabbau. Es ist unerklärlich warum diese gute Studie für 900 000 Euro von den Europäischen SteuerzahlerInnen finanziert wurde und nicht von der Firma Kali Salz AG und den französischen Kaliminen, den bekannten Verursachern der Versalzung. Warum wird bei großen, mächtigen Umweltverschmutzern das Verursacherprinzip nicht angewendet ? Es ist ein skandalöses Gerechtigkeitsdefizit, wenn das Verursacherprinzip stets nur bei kleinen Umweltsündern zum Zuge kommt.

    Sechs Atomtransporte
    aus dem havarierten Schweizer Kernkraftwerk Lucens rollten ins grenznahe Zwischenlager für Atommüll nach Würenlingen. Am 21.1.1969 hatte es im AKW Lucens einen schweren Reaktorunfall mit Kernschmelze gegeben. Seit diesem Schweizer Atomunfall ist die Atomlobby und die HSK (Hauptabteilung für die Sicherheit der Kernanlagen) bemüht die Erinnerung an dieses Ereignis zu löschen. Ein Schweizer Reaktorunfall, an den sich die Menschen erinnern, erschwert die Durchsetzung eines atomaren Endlagers, wie ihn die NAGRA in Benken am Rheinfall durchsetzen will. Jetzt besteht sogar die Gefahr, dass der gesamte Atommüll der Schweiz nach Benken kommt.

    Die geplante Neubaustrecke der Bahn
    ist eines der großen Umweltthemen am Oberrhein. Bei einer Kundgebung forderten 7000 Menschen von der Bahn einen Tunnel unter den Maisfeldern des Markgräflerlands. Die anschwellende Verkehrslawine im Transitland Oberrhein mit zunehmendem Autobahnlärm, Abgasen und Unfällen beschäftigt auch die Umweltverbände, die kritisieren, dass es eine kritische Diskussion bisher nur zu den Plänen der Bahn gibt.

    Erfolg und gleichzeitig Niederlage
    war der schweizerisch - deutsche Luftstreit um den Anflug auf den Flughafen Zürich. Alte und neue Nationalismen und traurige Feindbilder auf beiden Rheinseiten überlagerten den Europa / Regio / Dreyeckland Mythos. In diesem Konflikt und der Art wie er ausgetragen wurde, scheiterte auch ein kleines regionales Stück Europa. Trotz des Erfolges in der Sache ist dies ist für uns, die wir in der Tradition der grenzüberschreitenden Umweltbewegung tief verwurzelt sind, besonders schmerzlich.

    In der so genannten „Großen Politik
    haben im Jahr 2003 die ökonomischen Probleme die ökologischen Fragestellungen überlagert. Weder die Konzepte des Neoliberalismus, noch die Politik des Schuldenmachens gibt Antworten auf die drängenden Zukunftsfragen. Wenn wir die Politiker fast aller Richtungen richtig verstehen, dann sollen wir alle länger arbeiten um dann mehr unnötige, kurzlebige Produkte zu kaufen, die wir eigentlich nicht brauchen, um sie dann möglichst schnell weg zu werfen.... Der alte, falsche Mythos, begrenzte Systeme wie die Erde könnten unbegrenztes Wachstum dauerhaft verkraften, wird in Krisenzeiten ungeprüft nachgebetet. Lebensqualität, Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit wird mit dieser Politik nicht erreicht. Eine echte Reformdebatte anzustoßen, die diese zerstörerische Logik durchbricht, ist Aufgabe des BUND und der Umweltbewegung.




    2002 - Mensch, Natur und Umwelt im Dreyeckland
    Ein kleiner umweltpolitischer Rückblick



    An die südbadischen Medien

    Mit diesem Schreiben und dem zwangsläufig unvollständigen, kurzen Jahresbericht wollen wir noch einmal an einige wichtige regionale Umweltthemen des vergangenen Jahres erinnern. Einige dieser vom BUND aufgegriffenen Themen werden uns sicher auch in diesem Jahr beschäftigen.

    Im Jahr 2002 stand das Umweltthema - trotz Hochwasser und Tankerunglück - nicht im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion. Umso mehr freuen wir uns über kleine und große Erfolge unserer Umwelt- und Naturschutzarbeit in der Regio.

    Gericht setzt in Sachen Kalihalde Buggingen das Verursacherprinzip durch

    Wer an einem kalten Wintertag Salz streut, muss mit einem hohen Bußgeld rechnen. Gleichzeitig versickern an der Abraumhalde, dem "Kalimandscharo" in Buggingen, jährlich etwa 4200 Tonnen Salz ins Grundwasser. Aus diesem Grund hat BUND Geschäftsführer Axel Mayer am 22.12.1997 Strafanzeige gegen den Großkonzern Kali Salz AG erstattet. "Es kann nicht angehen, dass kleine Umweltsünder bestraft werden und die großen Grundwasserverschmutzer ungestraft davonkommen" stand in der Begründung der BUND-Anzeige. Die Freiburger Staatsanwaltschaft ermittelte und die Ermittlungen führten zur größten Hausdurchsuchung und Beschlagnahmeaktion in der Geschichte des Freiburger Wirtschaftskontrolldienstes. Die Kali und Salz AG reagierte mit einer Gegenklage gegen die Behörden, welche die Ablagerungen genehmigt hatten. Im November 2002 setzte jetzt das Verwaltungsgericht Freiburg das Verursacherprinzip durch. Die Kosten für die Sanierung der Kalihalde in Buggingen hat die Kali und Salz AG zu tragen und nicht wir SteuerzahlerInnen.

    Giftmülldeponie Stocamine und Rhodia

    Eine Skandalgeschichte ohnegleichen hat sich im Jahr 2002 im Elsass abgespielt:

    Stocamine

    Im Jahr 1998 wurde gegen den heftigen Protest französischer Umweltschützer und des BUND die größte französische Giftmülldeponie Stocamine im elsässischen Wittelsheim in Betrieb genommen. Unsere damaligen Warnungen vor möglichen Wassereinbrüchen und Bränden wurden nicht ernst genommen, denn laut Betriebsleitung sollten ja nur absolut unbrennbare Gifte eingelagert werden.

    Im September 2002 bemerkten dann die Bergleute der benachbarten Kaligrube giftigen Rauch. Sie verließen das Bergwerk, das dann auch geschlossen werden musste, denn das "Unmögliche" war eingetreten. Der laut Werksleitung "absolut nicht brennbare Giftmüll" brannte über Wochen. Der BUND schenkte der Stocamine daraufhin in einer symbolischen Aktion einen Rauchmelder, denn solche Sicherheitsvorkehrungen waren in der größten Giftmüllgrube Frankreichs nicht vorgesehen.

    Rhodia

    Am 17.12.02 meldete der Chemiekonzern Rhodia in Chalampé, direkt neben der badischen Kleinstadt Neuenburg gelegen, den Behörden einen "kleinen" Störfall. Cyclohexan, ein Lösungsmittel, sei in kleinen Mengen ausgetreten. Ein Rhodia-Mitarbeiter meldete dann heimlich den Medien, 30 Tonnen seien versickert. Nach heftigen Reaktionen von BUND und französischen Umweltgruppen wurde nach und nach die unglaubliche Dimension des Skandals deutlich. Erst wurden 400 Tonnen zugegeben, später gingen die Behörden davon aus, dass 1200 Tonnen Cyclohexan ausgetreten waren. Das entspricht dem Inhalt der Kesselwagen eines 300 Meter langen Zuges. Und das in einem Betrieb, der stündlich 28 Tonnen Blausäure produziert. Ein Funke hätte zu einer Katastrophe führen können. Gemeinsam mit Alsace Nature verstärkten wir den Druck auf die Firmenleitung, um endlich Sicherheit für die Menschen der Umgebung zu erreichen. Nur durch solchen Druck wird bei Firmen wie der Rhodia der technische Fortschritt in Sachen Sicherheit beschleunigt. Erschreckend ist der harte Umgang der Behörden mit kleinen Umweltsündern und der freundliche Umgang mit Firmen wie Stocamine und Rhodia.

    Abwärmenutzung bei der Müllverbrennung Bremgarten (TREA Breisgau)

    Am 25. September war offizieller erster Spatenstich bei der Müllverbrennungsanlage in Bremgarten, obwohl noch kein Konzept für die Abwärmenutzung vorlag.

    Bei dieser MVA fallen ca. 60 Megawatt Abwärme pro Jahr an. Das Problem ist wohl, dass sich unter 60 MW niemand etwas vorstellen kann. Ein einziges MW entspricht 870 000 Litern Heizöl (!). Mit offenen Briefen an die zuständigen Behörden und mit Pressearbeit haben wir versucht, Öffentlichkeit herzustellen, um die gigantische Abwärmeverschwendung zu verhindern. In unseren Stellungnahmen zur MVA haben wir viele Aspekte kritisiert. Eine Müllverbrennung ohne Wärmenutzung im "um-weltbewussten Breisgau" aber wäre nach unserer Ansicht tatsächlich ein Rückfall in die umweltpoli-tische Steinzeit. Nach vielfältigen Aktionen haben wir jetzt den Eindruck, dass sich langsam etwas tut in Sachen Abwärmenutzung Bremgarten. Wir werden uns in dieser Sache weiter engagieren.

    Atommüll am Rheinfall

    Zum Jahresende 2002 legte sich die NAGRA auf den Standort Benken am Rheinfall fest. Nachdem die Atomlobby im Kanton Nidwalden eine Abfuhr erhalten hatte und dort keinen Müll lagern darf, besteht jetzt die Gefahr, dass der gesamte Atommüll der Schweiz tatsächlich in einer nur 120 Meter (dünnen) Schicht Opalinuston für eine Million Jahre gelagert werden soll. Nach Ansicht kritischer Geologen eine Gefahrenquelle für Mensch und Natur und alle Rheinanlieger. Doch am Hochrhein und Bodensee regt sich der Widerstand. Eine Dachorganisation der Kritiker wurde gegründet, wohl auch ein Erfolg vieler BUND Veranstaltungen in der Region.

    Plenum Gebiet Kaiserstuhl

    Der Kaiserstuhl wurde Plenum Gebiet. Plenum steht für "Programm zur Erhaltung und Entwicklung von Natur und Umwelt". Fünf mal 400.000 Euro wird alleine das Land beisteuern und fünf mal 200.000 Euro sollen aus der Region kommen. In der Planungsphase war die Einbeziehung der Umweltverbände und der Bio-Landwirtschaft "vorsichtig ausgedrückt" nicht optimal. Ob sich dies in der Umsetzungsphase ändert, ist offen. Kritiker meinen, Plenum sei ein "Projekt des Landes zur Umverteilung von Naturschutzgeldern für die notleitende konventionelle Landwirtschaft, die Wirtschaftsförderung und den Tourismus". Plenum könnte eine Chance für die Natur am Kaiserstuhl sein. Was aus Plenum wird, liegt auch in unseren Händen.

    Wir haben uns natürlich auch mit vielen anderen regionalen Themen beschäftigt, u.a. mit der Neubautrasse der Bahn, wo wir uns für flächensparende Varianten engagieren. Auch die Themen

    Fessenheim, Katastrophenschutz, Dampferzeugeraustausch, Integriertes Rheinprogramm, Hochwasserschutz, Flächenverbrauch und die "Verscheußlichung" des Breisgaus standen auf unserer Tagesordnung.

    Axel Mayer





    2001 - Mensch, Natur und Umwelt im Dreyeckland
    Ein kleiner umweltpolitischer Rückblick



    25 Jahre "Kein AKW in Wyhl!"
    In alter Verbundenheit haben wir die Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen bei der Vorbereitung und Durchführung der Veranstaltungen zum fünfundzwanzigjährigen Jubiläum der Bauplatzbesetzung in Wyhl unterstützt. Eine schöne, nicht nur nostalgische Veranstaltung mit einem großen überregionalen Medienecho. Es ist erstaunlich, dass das Medieninteresse an Themen der Vergangenheit größer ist als an manchen, drängend aktuellen Atomthemen.

    Atomklo Hochrhein
    Still und heimlich und mit vielen Tricks will die Schweizer Atomlobby ihre Pläne für ein atomares Endlager am Rheinfall bei Schaffhausen durchsetzen. Für die "sanfte Durchsetzung" des Gorleben am Hochrhein gibt die Atomindustrie viele Millionen Franken aus. Dem haben wir unser Engagement und viel Medienarbeit entgegengesetzt. Es ist uns und den direkt betroffenen Menschen am Hochrhein noch nicht gelungen, die gefährlichen Anlagen zu verhindern. Aber wir konnten mit Informationen, Flugblättern und überregionaler Medienarbeit die Menschen auf dieses große Problem aufmerksam machen. Und wir werden uns weiter engagieren, denn nur der, der die Gefahren kennt, kann sie abwehren.

    Zersiedelung und Flächenverbrauch
    waren auch im Jahr 2000 wichtige Umweltthemen im Dreyeckland.. 263 Hektar will die ehemalige Ökohauptstadt Freiburg jetzt zusätzlich bebauen. Dies ist die Fläche von 500 Fußballplätzen oder mehr als die fünffache Fläche der Altstadt. Für einen Skandal hält der BUND die Tatsache, dass 150 Hektar aus bestehenden Natur- und Landschaftsschutzgebieten herausgeschnitten werden sollen. "Breiburg im Breisgau", das steht für den hässlichen Siedlungsbrei, der in und um Freiburg entsteht. Bürgermeister der Freiburger Umlandgemeinden befürchten ein "Ruhrgebiet am Oberrhein", wenn Freiburg an seinen Flächenverbrauchsplänen festhält. Aber gerade auch das Freiburger Umland, die Toscana Deutschlands, die wunderschöne Kultur- und Naturlandschaft am Oberrhein, ist mit Vehemenz dabei, das, was ihren Reiz ausmacht, selbst zu zerstören. Freiburg wuchert in die Schwarzwaldtäler und entlang der Regio S-Bahn ins Umland - entsprechendes gilt für die Mehrzahl der Dörfer und Städte im Oberrheingraben. Obwohl die Bevölkerungszahlen im Bundesgebiet massiv zurückgehen und in den neuen Bundesländern teilweise bis zu 30% der Wohnungen leerstehen, nimmt die Tendenz zu einer scheußlichen, zersiedelten Bandstadt am Oberrhein massiv zu.
    Viele neue landschaftszerschneidende Straßenbauprojekte, die Gefahr, mit dem sechspurigen Autobahnausbau endgültige zur europäischen Nord-Süd-Trasse zu werden, die Nichtarchitektur der neuen Gewerbegebiete, der Wegfall von regionalen Grünzügen und Siedlungszäsuren, die Maissteppe der Ebene, die neonschrillen Ortseinfahrten der Dörfer, der Verlust an Natur- und Erholungsflächen.... viele dieser Puzzlesteine ergeben im Zusammenhang gesehen ein Bild großflächiger Zerstörung, verbunden mit einem enormen Verlust an Lebensqualität. Dennoch wird beinahe jede neue Landschaftszerstörung, jede neue Straße von der Mehrzahl der südbadischen Lokalpolitiker bejubelt. Die Bandstadt am Oberrhein und die weitere Zersiedelung und Verscheußlichung der Landschaft in Freiburg und am Oberrhein zu verhindern ist eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben des BUND.

    Der Überbringer der schlechten Botschaft
    bekommt den Ärger und nicht etwa der Verursacher des Übels. Zweimal mussten wir das im Jahr 2000 erfahren. Nach einer Störfallserie bei der Rhodia in Chalampe und einem Unfall mit der Freisetzung von 15 kg Blausäure hatten wir in Erfahrung gebracht ,dass schräg gegenüber von Neuenburg stündlich 26 Tonnen (!!!!) Blausäure produziert werden. Doch Bürgermeister Schuster aus Neuenburg reagierte nicht nachdenklich sondern eher verharmlosend, so, wie man es eher von einem Pressesprecher der Firma Rhodia erwarten würde.
    Ähnlich ging es uns mit Herrn Bürgermeister Vonarb aus Breisach. Dort ist zwischenzeitlich die Spitze der Grundwasserversalzung angekommen, nachdem auf der Fessenheimer Rheininsel eine Million Tonnen Salz aus Zwischenlagern ins Grundwasser versickert sind. Ein wissenschaftlich bestätigter Hinweis auf die Gefahr von Leitungskorrosion durch Salz wurde heftig zurückgewiesen. Das Problem wird ausgesessen und verdrängt, und der BUND als Überbringer der schlechten Botschaft bekommt die Hiebe.

    Einen guten Vorstand
    brachten die Wahlen zum BUND-Regionalvorstand. Da Thomas Landsberg aus gesundheitlichen Gründen ausscheiden musste und Renate Ellenberg wegen Umzugsplänen nicht mehr aktiv sein kann (Danke für die langjährige und gute Arbeit!!!), wurde neu gewählt. Mit Carla Vollmer, Heike Holtgrewe, Manfred Öhm und Frieder Gauger ist jetzt verstärkt auch die jüngere Generation aus der ehemaligen BUND-Jugend im Vorstand vertreten. Dazu kommen die "Alten Hasen" Frank Baum, Reinhold Hämmerle und Roland Burkhart (Buki) mit ihren regionalen Erfahrungen in Sachen Umwelt- und Naturschutz.. Ein gutes Team, dem auch in den nächsten Jahren die Arbeit nicht ausgehen wird. Mit einer eigenständigen,
    selbstbewussten Arbeit, räumlich und inhaltlich näher an Straßburg und Basel als an Stuttgart, werden wir auch in Zukunft die landes- und bundesweite Vielfalt des BUND ergänzen und bereichern. In einem Umweltverband ist es wie in der Natur. Er lebt von der Vielfalt.

    Es gäbe noch viel
    zu berichten von der erfolgreichen Arbeit der Orts- und Kreisgruppen des BUND (Kein Genmais in Endingen. Von der Rettung eines wertvollen Naturgebietes vor Golfplatzplänen in Bahlingen......). Vom Umzug der BUND Landesgeschäftsstelle nach Stuttgart, der hier in der Region so viel verständlichen Ärger gebracht hat. Vom viel zu frühen Tod von Uli Brinkmann (MdL), einem alten BUND Mitstreiter. Von guten, motivierten, alten und neuen Zivildienstleistenden, die immer wieder neue Impulse bringen. Vom erfolgreichen Team in der BUND-Ökostation. Von unserer neuen Homepage (www.bund-freiburg.de), die im Jahr 2000 über 3000 Zugriffe hatte, von Erfolgen und Niederlagen, Stress und Freude, Innenweltverschmutzung und Rechtsradikalismus, Klimaveränderungen und egoistischen Kampagnen gegen die Ökosteuer, Castortransporten, zunehmenden Alterungsproblemen im AKW Fessenheim, BSE, Miniermotten und neuen Durchsetzungsstrategien der Gen- und Atomlobby ...
    Für einen großen Jahresbericht hat die Zeit leider nicht gereicht, denn mit der geplanten Müllverbrennung in Bremgarten, den Atomplänen am Hochrhein und dem Integrierten Rheinprogramm steht wie immer viel zu viel aktuelles Unerledigtes auf der Tagesordnung. Doch ohne ehrenamtliche Mitstreiter, ohne Mitglieder und BUND-Paten, ohne Spender und Spenderinnen und manche kleine Ermutigung wäre unsere Arbeit nicht möglich.

    Axel Mayer, Geschäftsführer







    Eine Presseerklärung des BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein, Wilhelmstraße 24a, 79098 Freiburg

    www.bund-freiburg.de
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    Dieser Artikel wurde 2605 mal gelesen und am 14.3.2017 zuletzt geändert.