13.01.2012
Umweltpolitischer Jahresrückblick auf die Jahre
2011, 2010, 2009, 2008, 2007, 2006, 2005, 2004, 2003, 2002, 2001...,
am Oberrhein (Südbaden, Elsass, Oberrhein)

Hier finden Sie einen umfangreichen Beitrag zur Geschichte, Umweltgeschichte und Regionalgeschichte am Oberrhein in Südbaden, Elsass und Nordschweiz.
2011 - Mensch, Natur und Umwelt am Oberrhein
Ein kurzer Rückblick
Alle Jahre wieder: unser BUND-Rückblick auf das vergangene Jahr. Ein kurzer, zwangsläufig unvollständiger Überblick zu einigen Umwelt- und Naturschutzthemen, nicht nur aus dem Dreyeckland.
Eigentlich sollte der inhaltliche BUND-Schwerpunkt im Jahr 2011
das Themenfeld Flächenverbrauch, Zersiedelung und die zunehmende „Verscheußlichung“ am Oberrhein sein, doch dann kam der Supergau im fernen Fukushima und alles kam anders. Über Monate war im kleinen Freiburger BUND-Büro „die Hölle los“. Am schlimmsten Tag der Katastrophe in Japan wurden auf unserer regionalen Internetseite www.bund-freiburg.de 543.100 mal die Atom-Seiten aufgerufen und im ganzen Monat März gab´s 4.594.000 Seitenaufrufe.
Einen etwas makaberen Erfolg hat der Fukushima-Unfall
gebracht. Endlich hat das Regierungspräsidium Freiburg die alte BUND-Kritik am Fessenheimer „Kataströphchenschutzplan“ aufgegriffen und zumindest den viel zu kleinen Evakuierungsradius von 10 auf 25 Kilometer erweitert. Doch wir wollen nicht die Evakuierungszone erweitern, sondern das älteste französische AKW schnellstmöglich abstellen. Es ist ein nicht hinnehmbarer Skandal, dass „unsere“ EnBW weiterhin vom Fessenheimer Stromverkauf profitiert und die Baumaßnahmen zur Gefahrzeitverlängerung sogar noch mitfinanziert. Hier ist Grün-Rot gefordert, die von der Vorgängerregierung geerbte Fessenheimer Altlast schnell zu „entsorgen“. Die Abschaltung von Fessenheim ist und bleibt eines der zentralen Ziele unserer BUND-Arbeit. Info
Das „kleine Europa der Menschen“ wurde am Ober- und Hochrhein
im Jahr 2011 wieder mit einer Vielzahl von grenzüberschreitenden Aktionen, Demonstrationen und Brückenaktionen praktiziert. Anti-Atom-Demos u.a. in Beznau (CH), Strasbourg (F), Freiburg (D) und an fast allen Grenzübergängen der Region zeigten das gelebte Europa der Bürgerinnen und Bürger. Es gibt tatsächlich noch grenzüberschreitende Aktionen von Menschen, die ohne europäische Zuschüsse und ohne INTERREG-Gelder funktionieren. Das „große Europa“, das von der grenzüberschreitenden Umweltbewegung im Dreyeckland vor fast 4 Jahrzehnten mit Herzblut miterkämpft wurde, hat in diesem Jahr viele Enttäuschungen gebracht. Das offizielle „große Europa“ entpuppt sich immer mehr als das Europa der Konzerne, Banken und Habgierigen.
2011 mussten wir neue Wörter und Begriffe lernen.
Der uns unbekannte Ort Fukushima hat es zu trauriger Berühmtheit gebracht und wir wissen jetzt auch dass das japanische „atomare Dorf“ die undemokratische Verfilzung von Wirtschaft, Politik und Medien bedeutet. Die „kleinen atomaren Dörfer“ in Deutschland und der Schweiz haben in diesem Jahr staufensche Fassadenrisse bekommen. Der viel zu langsame schweizer-deutsche „Atomausstieg“ ist zumindest ein Schritt in die richtige Richtung und der Regierungswechsel in Baden Württemberg zeigt, dass Demokratie funktionieren kann. Nur der Immerschon-Atomlobbyist Oettinger hat die Zeichen der Zeit nicht verstanden. Unverständlich bleibt, warum das „Technikmuseum“ Beznau (CH), der älteste Druckwasserreaktor der Welt in der reichen Schweiz nicht sofort abgestellt wird. Die demokratiegefährdende Verfilzung im „atomaren“ Dorf in Frankreich zeigt zumindest Haarrisse, aber im Elsass nimmt der erfreulich parteiübergreifende Widerstand gegen das AKW Fessenheim zu.
Gut, dass Herr Gaddafi im Krieg 2011
über keine französischen Atomkraftwaffen verfügte. Schon am 11.12.2007 hatten die französische Umweltorganisation CSFR und der Bund für Umwelt und Naturschutz am Südlichen Oberrhein die gefährlichen Pläne des französischen Staatspräsidenten Sarkozy, Atomkraftwerke und damit Atomkraftwaffen nach Libyen zu exportieren, als Gefährdung des Weltfriedens scharf kritisiert. Die damalige Presseerklärung stieß in den meisten deutsch-französischen Medien auf „keine große Resonanz“, denn im Jahr 2007 war Herr Gaddafi gerade mal wieder ein „guter Diktator“ mit dem sich gute Geschäfte machen ließ. Im Libyen-Krieg 2011 wurde über dieses unangenehme alte Thema der Mantel des Schweigens gehängt. Info
In Freiburg war der Abriss der 33 Jahre jungen Uni-Bibliothek
der große „Hingucker“. 44 Millionen sollen die alten Bau- und Planungssünden, der so genannte „Umbau“ kosten. Nicht nur in Freiburg holen uns die teuren, politisch nie aufgearbeiteten Bausünden des letzten Jahrhunderts ein. Mehr als die Hälfte der Freiburger Brücken, Mauern und Tunnel sind so marode, dass sie dringend saniert werden müssen. Doch dafür fehlt das Geld. Um den weiteren Verfall zu verhindern, müssten jährlich sechs Millionen Euro investiert werden. Bislang sind pro Jahr jedoch nur 1,3 Millionen vorgesehen. Kurzlebige, teure Wegwerfgebäude sind nicht zukunftsfähig und „enkelgerecht“ und sie vergrößern den Schuldenberg. Langlebig, schön, nützlich, funktional und energiesparend muss nach unserer Ansicht gebaut werden. Info
Auch Stuttgart 21
war in Südbaden in diesem Jahr ein großes Thema und angesichts der öffentlich nie diskutierten finanziellen Macht der S21-Bau- und Immobilienlobby war das Abstimmungsergebnis in großen Teilen Südbadens höchst erfreulich. Auch für Bahnhöfe sollte gelten: „Erhalten statt wegwerfen“. Stuttgart 21 kostet „höchstens“ 4,5 Milliarden Euro, und das in einer Zeit, in der Deutschland mit über 2000 Milliarden Euro verschuldet ist. Staat und Bahn müssen in Zeiten knappen Geldes Prioritäten setzen. Und Priorität hat für uns die vernachlässigte Nord-Süd-Trasse am Oberrhein. An dieser zentralen europäischen Verkehrsachse rollen immer mehr Personen- und laut ratternde Güterzüge. Hier brauchen wir gute, menschenfreundliche Bahntrassen und Lärmschutz. Von der erwarteten S21-Kampagne von CDU und FDP war die Umweltbewegung weniger enttäuscht als von der bundesweit erstarkenden S21-Autobahnausbau-Flughafenausbau-Beton-Fraktion in der SPD. Was im Abstimmungskampf von den Medien nie thematisiert wurde, waren die ungleich langen Spieße der Befürworter und der Gegner. Wäre die direkte Demokratie ein Vogel, so könnte sich dieser nur hüpfend vorwärts bewegen, denn er hätte Geld in den Flügeln... Die nächsten Jahre werden zeigen, ob die versprochenen Baukosten in Stuttgart auch tatsächlich eingehalten werden, und hier werden wir die Lobbyisten an ihre Aussagen und Versprechen erinnern. Info
Jahrelang hatte der BUND am Oberrhein vergeblich gefordert, den Maiswurzelbohrer
mit der ökologisch und ökonomisch sinnvollen Fruchtfolge zu bekämpfen. Endlich, mit jahrelanger Verspätung wird diese alte BUND-Forderung jetzt Realität. Der massive Pestizideinsatz der letzten Jahre und die große Bienenvergiftung im Jahr 2008 wären wirklich nicht nötig gewesen. Info
Die massive Gefährdung der Landschaft und Natur
am Oberrhein wurde dann zum Ende des Fukushima-Jahres doch noch zum BUND-Thema. Während die Bevölkerung im Bundesgebiet abnimmt, boomt der Flächenverbrauch in Südbaden und insbesondere in der Rheinebene. „Flächen sparen“ wollen zwischenzeitlich die PolitikerInnen aller Parteien, doch die Realität sieht anders aus. Städte, Dörfer, Straßen und Einkaufsmärkte wuchern in die Landschaft, die Autobahn wird privatisiert und dreispurig ausgebaut und entlang der Vorbergzone wachsen die Gemeinden zu einem hässlichen Siedlungsbrei zusammen. Die Lebensqualität im immer mehr verbauten und verlärmten Transitland Oberrhein nimmt ab. Dort, wo mit einem neuen Nationalpark Nordschwarzwald Natur erhalten werden soll, wächst der Widerstand der Sägewerksbesitzer.
Das andere große, nicht regionale Thema im Jahr 2011
war die globale Krise. Es wird gesagt, die Griechen, Italiener und der Rest der Welt sollten so arbeiten und produzieren wie wir Deutschen, und die Weltprobleme wären gelöst. Doch trotz Wirtschaftswachstum und hoher Produktivität wuchs in Deutschland der gigantische staatliche Schuldenberg auch im Jahr 2011 weiter an. Nicht einmal Deutschland ist in der Lage "in guten Zeiten" den Schuldenberg abzutragen. Wenn "der Rest der Welt" so leben und produzieren würde wie die Deutschen, dann wären die globalen Rohstoffreserven in wenigen Jahren erschöpft, und wer sollte dann die ganzen Produkte eigentlich kaufen und konsumieren? Das Versprechen vom unbegrenzten Wachstum, in dem die Gier immer schneller wächst als die Menge der produzierten Produkte, ist eine Illusion und einer der nicht diskutierten Gründe für die global wachsende Krise. Wenn Menschen, Staat und Bahn mit Geld, das sie nicht haben, Dinge kaufen und bauen, die sie nicht brauchen, dann führt das zwangsläufig zum Kollaps. Info
Axel Mayer, Geschäftsführer
Nachtrag:
Das Jahr 2011 war das Jahr der Krisen: Wirtschaftskrise, Finanzkrise, Griechenlandkrise... Zu den Ursachen der Krisen gab es eine Vielzahl von Thesen und Überlegungen und dabei ist die Antwort auf die Frage nach den Krisenursachen so einfach. Es ist die Gier.
2010 - Mensch, Natur und Umwelt am Oberrhein
Ein kurzer Rückblick
An die Medien
Alle Jahre wieder: unser BUND-Rückblick auf das vergangene Jahr. Ein kurzer, zwangsläufig unvollständiger Überblick zu einigen Umwelt- und Naturschutzthemen, nicht nur aus dem Dreyeckland.
Umwelt- und Naturschutz in Zeiten der Habgier
Die Umweltsituation am Oberrhein kann nicht losgelöst von weltweiten Entwicklungen betrachtet werden. Global und regional gab es in Sachen Biodiversität und Klimaschutz im Jahr 2010 wenig Fortschritte.Wer sich auf den Internetseiten der deutschen Klimawandelleugner umschaut wird dort viele Argumente der reaktionären amerikanischen Tea Party- Bewegung finden. Die Krise scheint in Deutschland überwunden, aber das erwirtschaftete Geld fließt als Kredit an Länder, die diese Kredite vermutlich nicht zurückzahlen werden. Dauerhafte 3,5% Wachstum brächten über 20 Jahre gerechnet eine Verdoppelung des deutschen Bruttosozialprodukts. Die Verursacher der Weltwirtschaftskrise wurden belohnt, die Kosten tragen weltweit die ArbeitnehmerInnen. Das ist mit ein Grund, warum die sozialen Konflikte an Härte zunehmen. Der Unterschied zwischen Regierungsparteien und Regierungskonzernen verschwimmt nicht nur im Berlusconi-Italien. Die CDU - FDP Regierung schafft die Wehrpflicht ab und trifft in Sachen Bundeswehr Entscheidungen, die bei den gleichen Parteien einen Sturm der Entrüstung ausgelöst hätten, wenn sie in der Opposition wären. Im Golf von Mexiko, im Nigerdelta und an den Anzeigetafeln der Tankstellen zeigt sich die Gier der Ölkonzerne und die absehbare Endlichkeit der Ressourcen. In Korea droht ein Atomkrieg, eine Situation, wie sie auch in wenigen Jahren im Mittelmeerraum bedrohliche Realität werden könnte, wenn Herr Sarkozy Atomkraftwerke nach Libyen und in andere Spannungsgebiete liefert. Die Proteste gegen die Unterdrückung der Meinungsfreiheit in China nehmen zu und gleichzeitig ist Wikileaks und die Freiheit des Internets einem heftigen politischen Druck ausgesetzt. Die globalen Probleme und Konflikte nehmen an Heftigkeit zu und ökologische Konflikte stehen immer auch in einem engen Zusammenhang mit ökonomischen Entwicklungen.
Seit September 2010
warnen Experten der französischen Bergbaubehörde, dass Giftmüll aus der "modernsten und sichersten", mittlerweile allerdings durch einen Brand zerstörten Giftmülldeponie Stocamine bei Mulhouse schon in 100 bis 150 Jahren das Grundwasser am Oberrhein vergiften könnte. Diese Nachricht war ein Schock für den BUND, denn gemeinsam mit Alsace Nature hatten wir lange und leider vergeblich gegen dieses Projekt gekämpft. Wir warnten vor den massiven Gefahren und vor Billiglösungen und organisierten Einsprachen und Proteste. Auf der anderen Seite gaben Behörden, Betreiber und „Experten“, wie immer bei solchen Projekten, Entwarnung. Es ist dieser eine Satz, den UmweltschützerInnen immer wieder hören und der in den Medien in solchen Zusammenhängen häufig zu lesen ist: „Nach übereinstimmender Ansicht der Experten gibt es keinerlei ernstzunehmende Gefahren“. Jetzt gefährdet der Brand von 45.000 Tonnen angeblich „nicht brennbaren“ hochgiftigen Giftmülls das Grundwasser vor unserer Tür und die Verantwortlichen werden (wieder einmal) nicht angemessen bestraft. Die Giftmülldeponie Stocamine und das Atommülllager Asse sind zwei Beispiele, die zeigen, wie unverantwortlich mit den giftigsten Giften des Industriezeitalters umgegangen und wie Zukunft gefährdet wird. Mit Sorge schauen wir auf die von Gewinninteressen geleitete Gefahrzeitverlängerung für AKW, auf das altersschwache Atomkraftwerk Fessenheim und auf die höchst umstrittenen geplanten Atommülllager in Gorleben und Benken / Schweiz; dort heißt es wieder einmal, dass „nach übereinstimmender Ansicht der Experten langfristig alles absolut sicher sein wird“. Was stets fehlt, ist der Zusatz: „Alle Angaben ohne Gewähr“. Info
Baden Württemberg
kann „auf keinen Fall“ den deutschen Atommüll endlagern, denn die Opalinustonschichten im Land sind viel zu dünn. Vergleichbar dünne Tonschichten in der Schweiz sind erstaunlicherweise ideal als Endlagerstätten für die eine Million Jahre strahlenden atomaren Abfälle. Info
Das Jahr 2010 war das Internationale Jahr der Biodiversität
Die Artenvielfalt ist nicht nur in weit entfernten, exotischen Ländern bedroht, sondern auch hier vor unserer Haustür, in Südbaden und im Elsass. Raubbau an Natur und Umwelt war und ist auch ein Thema in der so genannten „Ökoregion“ am Südlichen Oberrhein.
Wie immer haben wir uns im Jahr 2010 auch in Sachen Naturschutz engagiert:
- Für die durch Kalkabbau bedrohte Natur am Urberg bei Bollschweil.
- Für die letzten Wiesen in der Rheinebene, die immer stärker von der ausufernden Maissteppe bedroht werden.
- Für die ökologischen Aspekte des Integrierten Rheinprogramms, die Naturschutz, Hochwasser- und Menschenschutz verbinden. Wir waren die Ersten, die auf den massiven Druck der Kiesindustrie hingewiesen hatten und wurden durch die „Affäre Fleischer“ in unseren Befürchtungen bestätigt.
Wir haben das Internationale Jahr der Biodiversität genutzt, um die Naturschutzprobleme der Oberrheinregion in einem Infoblatt zusammenzutragen. Info
Die Laufzeitverlängerung (=Gefahrzeitverlängerung) für Atomkraftwerke
war überall in Deutschland und auch am Oberrhein ein beherrschendes Thema und wir haben uns mit Demonstrationen, Aktionen, Reden, Infoblättern, Veranstaltungen, Aufklebern, Kleinanzeigen und mit Bannern, die an vielen Balkonen hängen, intensiv eingebracht. Die Bundesregierung verlängerte die Laufzeiten der deutschen Atomkraftwerke um durchschnittlich 12 Jahre. Bleibt es bei dieser skandalösen Entscheidung, dann geht das letzte deutsche AKW frühestens 2040 vom Netz. Die Entscheidung bedeutet mehr Atommüllproduktion, mehr Kinderkrebs in der Umgebung von Atomkraftwerken und insbesondere ein höheres atomares Risiko durch überalterte Atomanlagen. Es bedeutet aber auch satte Profite für die Atomkonzerne auf Kosten der Allgemeinheit. Der riskante Betrieb von Atomkraftwerken funktioniert nur in Ländern, in denen die politisch Verantwortlichen nicht damit rechnen müssen, im Falle eines schweren Unfalls zur Rechenschaft gezogen zu werden. Info
Wenn in Stuttgart
Menschen und Naturschutzverbände wie BUND, NABU und Naturfreunde, Gewerkschaften (u.a. die lokale Gewerkschaft der Lokomotivführer) und Verkehrsverbände wie VCD, Pro-Bahn und ADFC für eine kluge, sparsame und ressourcenbewusst bescheidene Bahnhofslösung kämpfen, dann ist das auch ein Thema für den Oberrhein. Denn Gelder, die in Zeiten einer Staatsverschuldung von 1.712.986.500.980 Euro für teure Protzprojekte ausgegeben werden, fehlen der Bahn an anderen Stellen. Die erstaunliche Freundlichkeit, die Bahnchef Grube plötzlich in Sachen Bahnausbau am Oberrhein zeigt, hat viel mit dem Widerstand in Stuttgart zu tun. Auch zur geplanten Neubaustrecke am Oberrhein haben wir differenzierte Stellungnahmen abgegeben. Wir engagieren uns für Problemlösungen, die Menschen, Natur und BahnfahrerInnen nützen. Info
Das französische Atomkraftwerk Fessenheim
hat seit dem 1. September 2010 eine eigene, aus 38 Personen bestehende Polizeitruppe, „zum Schutz vor Katastrophen und Zwischenfällen“. Die Idee Atomanlagen mit Polizeitruppen zu schützen zu können, entspringt einem rückwärtsgewandten Sicherheitsdenken aus der Vor-AKW-Zeit. Die Polizisten sollen die Illusion von Sicherheit erzeugen. Vor den realen Gefahren des alternden AKW Fessenheim schützen sie die Bevölkerung aber nicht. Bei der so genannten „großen Fessenheiminspektion im Jahr 2010“ drängt sich immer mehr der Eindruck auf, dass es nicht um Kontrolle des alternden AKW, sondern um den Versuch der Akzeptanzbeschaffung für die von der EDF geplante Gefahrzeitverlängerung für das französische Atomkraftwerk geht. Info
In Offenburg wurde im Dezember
die Trinationale Metropolregion Oberrhein gegründet. „Eine Metropolregion ist eine stark verdichtete Großstadtregion von hoher internationaler Bedeutung.“ Quelle: Wikipedia. Eines der Ziele der Metropolregion Oberrhein ist eine rasche Verwirklichung der europäischen Verkehrsprojekte am Oberrhein (Verkehrsdrehkreuz Oberrhein). Die "Natur am Oberrhein" kommt als Feigenblatt zum Schluss und von Nachhaltigkeit kein Wort. "Fortschritt am Oberrhein" war bisher häufig die Metapher für Verkehrslärm, Flächenverbrauch, Zersiedelung, Zerstörung von Kultur, Natur und Lebensräumen. Info
Nicht nur Freiburgs Tunnel und Brücken bröckeln
Mehr als die Hälfte der Freiburger Brücken, Mauern und Tunnel sind so marode, dass sie dringend saniert werden müssen. Vermutlich ist sogar noch mehr kaputt, denn bislang hat die Stadtverwaltung erst rund ein Drittel aller Bauwerke untersucht. Um den weiteren Verfall zu verhindern, müssten jährlich sechs Millionen Euro investiert werden. Bislang sind pro Jahr jedoch nur 1,3 Millionen vorgesehen. Dabei gibt es schon jetzt einen Sanierungsstau von 20 Millionen Euro. Wir erleben nicht nur am Oberrhein und in Freiburg, wie das Land mit einer teuren Infrastruktur, mit Beton und Asphalt überzogen wird, wie der Flächenverbrauch anhält und Natur verschwindet, während gleichzeitig Städte, Land und Bund nicht in der Lage sind, die bestehende Infrastruktur zu unterhalten. Info
„Ökoregion“ Oberrhein und „Green City“ Freiburg
bedeuten noch lange nicht: "Vorwärts zu Ökologie und Nachhaltigkeit". Unter Mühen ist es regional gelungen, die weltweiten Zerstörungsprozesse etwas zu verlangsamen. Der Rohstoff- und Energieverbrauch, die Atommüll- und CO2- Produktion am Oberrhein ist auch nicht ansatzweise nachhaltig und zukunftsfähig und lässt sich keinesfalls auf den "Rest der Welt" übertragen.
Axel Mayer, Geschäftsführer

2010: Ölpest im Golf von Mexiko und im Nigerdelta

2010: Jahresrückblick - Mensch, Natur und Umwelt, nicht nur am Oberrhein
Jahresrückblick des BUND-Regionalverband Südlicher Oberrhein 2009: Mensch, Natur und Umwelt (nicht nur) am Oberrhein
An die Medien
alle Jahre wieder - unser BUND-Rückblick auf das vergangene Jahr. Ein kurzer, zwangsläufig unvollständiger Überblick zu einigen Umwelt- und Naturschutzthemen, nicht nur im Dreyeckland. Und auch - wie alle Jahre wieder - Informationen über Erfolge und Misserfolge.
Na endlich! Maiswurzelbohrer wird mit Fruchtfolge bekämpft
Seit der Maiswurzelbohrer erstmals am Oberrhein entdeckt wurde, wurde er wenig erfolgreich mit Gift bekämpft. Diese Giftstrategie in der „Maissteppe“ führte zu Fischvergiftungen im Elsass und im letzten Jahr zum Bienensterben am Oberrhein. „Alle Jahre wieder“ hatten wir gefordert und gedrängt, die Bekämpfung des Käfers mit Fruchtfolge durchzuführen und auf die Schweiz verwiesen, wo diese giftfreie Bekämpfung sehr erfolgreich praktiziert wird. Jetzt endlich will das baden-württembergische Landwirtschaftsministerium den Monokulturwurzelbohrer in den Landkreisen Ortenau und Emmendingen mit der Fruchtfolge bekämpfen. In diesem langjährigen Konflikt um eine giftfreie Bekämpfung des Schädlings waren wir die Lobbyisten von Mensch, Natur, Umwelt und „Trinkwassertrinkern“.
Erneut und zum wiederholten Mal
wurde 2009 im Rheintal gentechnisch verunreinigtes Maissaatgut gefunden. Die so genannte „Verwertung“ in Biogasanlagen kann nach BUND-Ansicht zu einer Auskreuzung der Pollen auf benachbarte Felder führen und ist nicht akzeptabel! Vor genau 10 Jahren hatte der BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein schon einmal einen vergleichbaren Fall mit gentechnisch verunreinigtem Saatgut der Firma Pionneer aufgedeckt und angezeigt. Seither treten solche „Verunreinigungen“ immer wieder auf. Gentechnisch verunreinigtes Saatgut ist kein Zufall, sondern eine „sanfte“ und perfide Durchsetzungsstrategie der Genlobby. Noch haben die Bürgerinnen und Bürger die Wahl zwischen gentechnikfreien und genmanipulierten Nahrungsmitteln. Diese freie Wahl soll durch eine gezielt herbeigeführte „leichte“ Verunreinigung aller Nahrungsmittel aufgehoben werden. Zukünftig sollen die VerbraucherInnen nur noch die „Wahl“ zwischen stark genmanipulierten und „leicht“ genveränderten Nahrungsmitteln haben. Auch so kann Resignation erreicht und Akzeptanz erzwungen werden. Die Menschen haben nach Ansicht des BUND ein Recht darauf, zwischen Genfood und sauberer Nahrung zu wählen. Eine gewollte, langsame und schleichende Vermischung wird vom BUND und den VerbraucherInnen abgelehnt.
Bahnausbau, Autobahnausbau, Lärm und Abgase im „Verkehrsdrehkreuz Oberrhein“
Auch in diesem Jahr haben wir uns wieder mit den zunehmenden Problemen beschäftigt, die uns das „Transitland Oberrhein“ beschert. Dazu gehören natürlich auch unsere Stellungnahmen zur Neubaustrecke der Bahn. Es gibt keine „guten Lösungen“ für die geschundene Landschaft und die lärmgeplagten Menschen dieser Region, sondern nur „unterschiedlich schlechte“ Lösungen. Der Verkehr auf Straßen und Schienen am Oberrhein nimmt zu. Südbaden wird in Sachen Verkehr immer stärker zur zentralen europäischen Nord-Süd-Achse mit zunehmend unerträglichen Abgas-, Lärm- und Flächenverbrauchsproblemen. In der öffentlichen Diskussion spielt dabei das Hauptproblem, der PKW- und LKW-Verkehr, der Ausbau der Straßen und insbesondere die Pläne, die teilprivatisierte Autobahn A5 sechsspurig auszubauen, leider eine untergeordnete Rolle.Viele Planer, Politiker und Teile der Wirtschaft wollen eine zukünftige Metropolregion Oberrhein, welche die rasanten Zerstörungsprozesse in unserer Heimat noch beschleunigen könnte. Eine rasche Verwirklichung der europäischen Verkehrsprojekte in unserer Region (Verkehrsdrehkreuz Oberrhein) ist ein zentrales Ziel der angedachten Metropolregion Oberrhein, die bisher nur „von oben nach unten“ diskutiert und geplant wird.
Drei Millionen Euro Landesgelder
für ein fragwürdiges Parkhausprojekt am Feldberg sind ein gutes Beispiel für den, an manchen Stellen immer noch nicht überwundenen, rückwärtsgewandten, umweltzerstörenden Fortschrittsglauben in Sachen Verkehr am Oberrhein. Bei der überraschenden Entscheidung der Landesregierung für das Parkhausprojekt ging es vor allem darum, Südbaden ruhig zu stellen und den am Tag danach folgenden Beschluss für das Milliardengrab Stuttgart 21 vorzubereiten: Drei Millionen für ein Parkhaus, während in der fernen Landeshauptstadt weit über vier Milliarden versenkt werden sollen.
Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke ist Gefahrzeitverlängerung
Dies gilt für die alternden AKW in Beznau und Fessenheim genau so wie für deutsche Atomkraftwerke. Deutlich wurde dies beim großen Ölunfall im altersschwachen AKW Fessenheim. Aus einem "gerade überprüften" Rohr liefen im "umweltzertifizierten" AKW Fessenheim 13 Tonnen Diesel nicht etwa in eine Auffangwanne, sondern ins Grundwasser... Gegen die atomaren Gefahren, nicht nur am Oberrhein, haben wir gemeinsam mit unseren französischen Freundinnen und Freunden im Oktober in Colmar friedlich, freundlich und selbstbewusst demonstriert. Im Vorfeld der Kundgebung haben französische Politiker versucht, die Bevölkerung grenzüberschreitend gegeneinander auszuspielen. Gerade für den BUND in der Region ist die gute Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg ein zentrales Anliegen und es ist uns gelungen diesen Zusammenhalt deutlich zu machen.
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Die Wildkatze ist wieder da
In einer Zeit, in der positive Meldungen aus dem Umwelt- und Naturschutzbereich eher Seltenheitswert haben, freut sich der BUND am Südlichen Oberrhein besonders über das im Februar 2009 endgültig bestätigte Vorkommen der Wildkatze in den Rheinauen und am Kaiserstuhl. Durch eine umfassende Untersuchung konnte nachgewiesen werden, dass die seit 1912 in Baden-Württemberg "ausgestorbenen" Wildkatzen wieder in den Wäldern des Landes umherstreifen.
Zu den ebenfalls positiven Meldungen im Jahr 2009
zählt auch der Baubeginn für das Integrierte Rheinprogramm im Bereich Hartheim. Leider werden in Sachen IRP die ökologischen Aspekte der Planung immer stärker zurückgedrängt.
Vom 7. bis 18. Dezember 2009 fand in Kopenhagen
die gescheiterte UN-Klimakonferenz statt. Das skandalöse Scheitern des Klimagipfels hat viel mit der "erfolgreichen" Arbeit der weltweit gut organisierten Klimawandelskeptiker zu tun. Die Strippenzieher der Öl-, Kohle-, und Autokonzerne haben insbesondere in den USA "gute Arbeit" geleistet.
Im EDF - EnBW AKW Fessenheim
wurde am 20.10.2009 festgestellt, dass gerade 20 000 Liter Dieselöl (für die Notstromaggregate) ausgelaufen waren. 14 000 Liter gingen direkt ins Grundwasser, auf dem eine 2 Zentimeter dicke Ölschicht schwimmt. Das korrodierte Rohr war im Rahmen der „großen Fessenheiminspektion“ erst wenige Wochen zuvor, am 28.9.09 “gründlich“ untersucht worden...
Die Katastrophe hat längst begonnen
Gerne wird in den Medien und der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert ob der Welt (und Südbaden) ökologische oder andere Katastrophen drohen. Doch Realität ist, dass diese Katastrophe schon stattfindet, nur eben bisher noch nicht bei uns am Oberrhein und vor allem gut verdrängt.
Seit 2008 stieg global die Zahl der chronisch hungernden Menschen von 850 Millionen auf über eine Milliarde. Dies ist eine unvorstellbare Katastrophe die u.a. ökologische und ökonomische Ursachen hat und es ist auch eine Verteilungsfrage.
Die Menschen der Umweltbewegung am Oberrhein haben viel erreicht.
Luft und Wasser sind tatsächlich sauberer geworden. Das bedeutet aber nicht mehr und nicht weniger, als dass die weltweiten Zerstörungsprozesse hier in unserer „Öko“-Region ein wenig langsamer ablaufen als anderswo. In einem Jahr verbrauchen wir gerade weltweit so viele fossile Rohstoffe, wie die Erde innerhalb einer Million Jahre herausgebildet hat. Gleichzeitig erzeugen wir in Fessenheim Atommüll, der eine Million Jahre sicher gelagert werden muss. Immer noch gehören auch wir am Oberrhein zu dem zumeist unzufrieden gehaltenen kleinen Teil der Menschheit, der den Großteil der Energie und Rohstoffe verschwendet und der damit für den Großteil der weltweiten Umweltverschmutzung verantwortlich ist. Und die restlichen 80% der Welt (insbesondere China und Indien) sind gerade dabei, unser zerstörerisches Modell einer Verschwendungswirtschaft nachzuahmen. Zur Umweltzerstörung kommt im Zeitalter der Globalisierung ein zunehmend ungehemmter Konsumismus, eine Gefährdung der Demokratie, eine erschreckende Zunahme des Fundamentalismus, Ungerechtigkeit, Sozialabbau und eine verstärkte Innenweltverschmutzung. Die Zukunftsaufgabe auch der regionalen Umweltbewegung wird es sein, aufzuzeigen, dass unbegrenztes Wachstum begrenzte Systeme zerstört. "Gut leben statt viel haben" ist die Zukunftsdevise. Es gilt, eine tatsächlich nachhaltige Entwicklung einzuleiten. Doch davon sind wir auch am Oberrhein und in der "Green" City Freiburg weit entfernt.
Axel Mayer / Regionalgeschäftsführer

BUND-Jahresrückblick 2009
2008 - Mensch, Natur und Umwelt im Dreyeckland
Ein kleiner umweltpolitischer Rückblick
An die Medien,
alle Jahre wieder - unser BUND-Rückblick auf das vergangene Jahr. Ein kurzer, zwangsläufig unvollständiger und subjektiver Überblick über einige wichtige Umwelt- und Naturschutzthemen, nicht nur im Dreyeckland. Und eben auch - wie alle Jahre wieder - Informationen über Erfolge und Misserfolge.
Nistkästen und Infoblätter
„Erfreulich unordentlich“ und gar nicht wie in einem Büro sah es in diesem Jahr manchmal bei uns in der Wilhelmstraße aus. Palettenweise kamen die Nistkästen aus der Behindertenwerkstatt in Neustadt und wurden von unseren Zivis an die fast 800 Kindergärten der Region ausgeliefert. Eine zweckgebundene Erbschaft an den BUND-Regionalverband hat uns diese schöne umweltpädagogische Aktion zum Thema Tier- und Artenschutz ermöglicht. Ja, und dann lagerte bei uns auch die unglaubliche Menge von 100 000 Infoblättern zum Thema Fessenheim. Fast 60.000 Stück wurden von aktiven Helfern und Helferinnen jeweils in ihrer Gemeinde oder Straße schon ausgeteilt.
Nistkästen und Infoblätter: Nichts zeigt das erfreulich breite Spektrum unserer Natur- und Umweltarbeit deutlicher als diese Mischung aus bewahrendem Naturschutz und engagiertem Umweltschutz.
Das Jahr 2008 war das Jahr der Finanz- und Wirtschaftskrise,
die auch eine ökologische Krise war und ist, die Krise einer weltweiten Verschwendungs- und Raubbauwirtschaft. „Immer mehr und immer dümmere Produkte kaufen mit Geld, das Mensch nicht hat“. Diese zentrale Grundidee des „American Way of Life" (an der auch Wahlen in den USA wenig ändern) stand am Beginn der US-Immobilienkrise. Wenn sich die Menschen vorstellen könnten, wie viel 500 Milliarden Euro sind, die alleine für die Bankenrettung zur Verfügung gestellt wurden, dann wäre die berechtigte Empörung noch größer. Ein Eindruck bleibt: So richtig verantwortlich war für diesen Zusammenbruch eigentlich niemand. Die Lobbyisten sind kurzfristig „in Deckung gegangen“, so wie die Atomlobbyisten nach der Tschernobyl-Katastrophe.
Bienenvergiftung am Oberrhein:
Eines der wichtigsten und traurigsten Themen im Jahr 2008 war das massive Bienensterben, ausgelöst durch eine verfehlte Bekämpfung des Maiswurzelbohrers mit der Saatgutbeize Poncho. Rund 11.500 Bienenvölker waren betroffen, das heißt, sie wurden durch das Pflanzenschutzgift des Herstellers Bayer CropScience entweder dezimiert oder ganz vernichtet. Gemeinsam mit den betroffenen Imkern hat der BUND vor dem Regierungspräsidium Freiburg eine kleine Kundgebung organisiert. Die zentrale Aussage des BUND ist und bleibt: Der Maiswurzelbohrer muss, wie es erfolgreich in der Schweiz geschieht, mit Fruchtfolge und nicht
mit Gift bekämpft werden.
Neue AKW Schweiz?
Gefährlich spät, um das Jahr 2020, gehen drei alte schweizer AKW vom Netz: Beznau I, Beznau II und Mühleberg. Zusammen haben sie eine Leistung von 1085 Megawatt. Sie liefern heute 15% der Stromversorgung in der Schweiz. Die jetzt neu geplanten Atomkraftwerke in Mühleberg, Beznau und Gösgen haben dereinst eine Gesamtleistung von 4800 Megawatt. Das ist kein Ersatz, sondern ein Atomausbau um fast das Fünffache.
Mit großer Wahrscheinlichkeit ist die beantragte Überkapazität ein psychologischer Trick. Kurz vor wichtigen Abstimmungen wird die Atomindustrie “großzügig” auf den Bau eines AKW verzichten um mit diesem Trick die Abstimmung zu gewinnen. Der grenzüberschreitende Widerstand gegen diese Pläne nimmt zu.
Unseren Protest gegen Flächenverbrauch, Zersiedelung
und die zunehmende Verscheußlichung der Landschaft am Oberrhein haben wir mit einer kleinen Aktion nach außen getragen. „Ohne Boden kein Leben“, das BUND-Banner war genau passend zur Tagung von Bürgermeistern, Kreis- und Gemeinderäten, zu der der neue Regierungspräsident Julian Würtenberger eingeladen hatte. Auch der Bahnausbau am Oberrhein und seine Folgen für Mensch, Natur und Umwelt sind ein BUND-Thema.
In diesem Jahr bekam die so genannte Kontrollkommission CLS
des französischen AKW Fessenheim einen neuen Vorsitzenden. Der bisherige Vorsitzende Pierre Schmitt wurde abgelöst durch den Bürgermeister von Ensisheim und Generalrat Michel Habig. "Herr" Habig ist ein vorbestrafter Brandstifter. Er hat die alte Geschichte der Pogrome am Oberrhein fortgesetzt und die Wohnwagen von Roma angezündet. Es ist eine Peinlichkeit, politische Dummheit und Blamage ersten Ranges, Herrn Habig weiterhin mit öffentlichen Ämtern zu betrauen.
Ein ungewollter “Erfolg” des Trinationalen Atomschutzverbandes TRAS
ist die zukünftige Beteiligung deutscher Regionalpolitiker an der so genannten Kontrollkommission CLS. Einige südbadischen Atomlobbyisten versuchen über die CLS die “Illusion von Beteiligung” zu wecken und dieses Gremium als Alternative zu TRAS aufzubauen. Dazu kommt ein neues badisches “Kontrollgremium” das nichts zu kontrollieren hat. Es ist ein Skandal: In der neuen “Begleitkommission” des RP sind Atomkritiker nicht vertreten. Der TRAS hat 2008 auch seine wichtige Klage gegen das marode AKW Fessenheim eingereicht.
Einen „Medienflop“ haben wir uns Anfang des Jahres geleistet:
Gemeinsam mit unseren elsässischen Freunden von der CSFR hatten wir in einer Medienmitteilung den französischen Staatspräsidenten Sarkozy kritisiert. Er versteht sich nicht nur als Staatspräsident, sondern auch als „Außendienstmitarbeiter der EDF“ und will Atomkraftwerke an den libyschen Staatspräsidenten Ghaddafi und auch in andere Spannungsgebiete verkaufen. Doch die Beispiele Pakistan, Nordkorea und evtl. auch Iran zeigen: Wer AKW hat, kann in Kürze auch Atomwaffen haben. So gefährdet Herr Sarkozy mit seinen atomaren Exportwünschen langfristig den Frieden auf diesem Planeten. Die meisten Medien hatten an dieser Meldung kein großes Interesse. Umso häufiger war er mit seiner damaligen Geliebten und jetzigen Frau Bruni in der Presse. Wir hatten der großen Illusionsmaschine das falsche Futter gegeben. Wer interessiert sich für langfristige Gefährdung von Umwelt und Frieden, wenn über hübsche Affären berichtet werden kann? Wir bedanken uns bei allen JournalistInnen die dieses “langweilige” Thema aufgegriffen haben.
Der 79-jährige Solarpionier Werner Mildebrath aus Sasbach
wurde, stellvertretend für viele andere, BUND-Ehrenmitglied. Der Umweltaktivist gehört zu den Ersten, die in Deutschland gut funktionierende thermische Solaranlagen bauten. Am Samstag, den 26.4.2008, erhielt er bei der Landesdelegiertenversammlung des BUND in Bad Boll die Ehrenmitgliedschaft. Er ist das erste Mitglied aus der Region am Südlichen Oberrhein, das diese Ehrung erhält. Wir sind stolz, dass BUND-Aktive wie Werner Mildebrath schon 1976 aufzeigten, dass die alternativen Energien gefördert werden müssen. Diejenigen, die damals mit ihren Visionen von Nachhaltigkeit häufig nicht ernst genommen wurden, heute zu ehren, ist uns eine Freude.
Traurige „Rechthaberei“
Dieses Jahr hat viele alte Aussagen und Thesen des BUND bestätigt. Wir hatten in der Vergangenheit immer gesagt, dass große Autos und Benzinschlucker nicht zukunftsfähig sind. Wir haben vor Cross Border Leasing gewarnt (hier geht unser Dank an Nikolaus Geiler vom AKW Wasser BBU!) und schon vor Jahrzehnten mit dem Club of Rome auf die Endlichkeit der Rohstoffe und der atomaren wie fossilen Energievorräte hingewiesen. Während die Endlichkeit von Gas und Erdöl zwischenzeitlich offen diskutiert und anerkannt wird, wird die Beschränktheit der Uranvorräte von den Konzernen und Lobbyisten (vorerst) mal wieder bestritten.
Klimaschutz
Auch in Sachen Klimaschutz waren die BUND-Aktiven 2008 engagiert. Auch wenn es nervt: Wir erinnern die Behörden und die Öffentlichkeit immer wieder daran, dass „unsere“ Müllverbrennungsanlage TREA in Bremgarten seit vier Jahren zwar Müll verbrennt und Strom erzeugt, dass das tägliche Wärmeäquivalent von
120 000 Litern Erdöl aber ungenutzt an die Umwelt abgegeben wird. Das neue Pelletswerk in Ettenheim wäre ein großer, ganzjähriger Wärmeabnehmer gewesen. Das Pelletswerk nicht in Bremgarten zu bauen, war eine Fehlplanung.
Diese kleine Auflistung von Themen
muss zwangsläufig stark verkürzt sein. Viele Infos, Newsletter und alle unsere Presseerklärungen finden Sie unter www.bund-freiburg.de. Unsere Internetseiten werden jetzt von ca. 1400 Menschen täglich besucht.
Mit freundlichen Grüßen
Axel Mayer / Regionalgeschäftsführer
Und der Regionalvorstand: Ellen Koppitsch, Frank Baum, Ilse Weghaupt, Silvia Wagner, Gerhard Völker und Roland Burkhart
Ausblick: Am 3. und 4. Oktober 2009 planen
die französischen Umweltschützer in Colmar große Demonstrationen gegen Atomenergie, gegen das AKW Fessenheim und zur Förderung des elsässischen Pressewesens. (nach großen, erfolgreichen Atom-Kundgebungen im Elsass schaltet die EDF gerne drei-bis vier ganzseitige Anzeigen in den regionalen Medien)
2007 - Mensch, Natur und Umwelt im Dreyeckland
Ein kleiner umweltpolitischer Rückblick
An die Medien,
alle Jahre wieder – unser umweltpolitischer BUND-Rückblick auf das vergangene Jahr. Ein kurzer, zwangsläufig unvollständiger Überblick über einige Umwelt- und Naturschutzthemen, nicht nur im Dreyeckland. Und eben auch - wie alle Jahre wieder - Informationen über Erfolge und Misserfolge.
- Nie waren die Schornsteine grüner als im Jahr 2007
Der menschengemachte Klimawandel ist ein ziemlich altes BUND-Thema. Dennoch waren auch die BUND-Aktiven in Freiburg überrascht, mit welcher Vehemenz der Klimaschutz zum zentralen umweltpolitischen Thema wurde. Je mehr der Klimawandel politisch in den Vordergrund rückte, desto „grüner“ wurden die Anzeigen der Kohle- und Atomkonzerne, insbesondere der EnBW. Die Forderung nach Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke dient auch der psychologischen Entlastung vieler Politiker der Atom- und Kohleparteien. Sie tragen die Hauptverantwortung für die bisherige und zukünftige Verschwendung von Energie, Rohstoffen und für die drohende Klimaveränderung. Die Werbeabteilungen der Atomkonzerne bieten ihnen jetzt eine schöne Illusion, mit der sie sich scheinbar aus der Verantwortung stehlen können.
http://vorort.bund.net/suedlicher-oberrhein/burson-marsteller-nuklearforum-schweiz.html
- Die Auseinadersetzung mit Greenwash beschäftigt
uns schon lange. Mit der Gründung des so genannten Umweltvereins "Au fil du Rhin" (dt.: "Am Rhein entlang") in Fessenheim versuchten die beiden AKW-Betreiber EDF und EnBW den Begriff der Nachhaltigkeit für sich zu besetzen und die Umweltbewegung nach amerikanischem Vorbild zu spalten und zu kaufen. Vier Jahre lang haben wir uns intensiv mit diesem Greenwash-Verein auseinander gesetzt und intensiv gegengehalten. Jetzt berichtete das Magazin der Süddeutschen Zeitung über das "Verschwinden von "Au fil du Rhin", das uns auch schon aufgefallen war. Wenn das stimmt, hat das viel mit unserer BUND-Arbeit und Gegeninformation (auch im Internet) zu tun.
http://vorort.bund.net/suedlicher-oberrhein/au-fil-du-rhin-greenwash.html
- Keine zweite Müllverbrennungsanlage und keine Müll(fern)transporte nach Bremgarten
Die unglaubliche Abwärmeverschwendung (nicht nur!)bei der bestehenden Müllverbrennungsanlage TREA im Gewerbepark Breisgau ist und bleibt ein wichtiges Thema unserer BUND-Umweltarbeit. 50 Megawatt Abwärme, d.h. täglich das Wärmeäquivalent von 120 000 Litern Erdöl, wird ungenutzt an die Umwelt abgegeben. 2007 war in Bremgarten eine zweite MVA in Planung, für die der Müll aus großer Entfernung herangekarrt worden wäre. Angesichts des drohenden Klimawandels dürfen nach unserer Ansicht zukünftig keine Kraftwerke und Großverbrennungsanlagen mehr ohne Abwärmenutzung gebaut werden. Unser Engagement bei der Verhinderung der zweiten Müllverbrennungsanlage in Bremgarten ist ein wichtiger Beitrag des BUND-Regionalverbandes zum Klimaschutz. Unser kontinuierlicher Druck zur Nutzung der Abwärme des bestehenden Müllofens wird nicht nachlassen.
http://vorort.bund.net/suedlicher-oberrhein/trea-pelletswerk-biogas-forchheim.html
- Auch im Breisgau müssen Pendler für Stuttgart 21 auf Zugverbindungen verzichten
„Stoppt das Milliardengrab Stuttgart 21!“ Mit dieser Forderung haben BUND-Aktive im Rahmen einer kleinen Aktion gegen die Zug-Streichungen im regionalen Bahnverkehr demonstriert. Unnötige, überdimensionierte Protzprojekte in der fernen Landeshauptstadt fressen die Gelder, die der ÖPNV am Oberrhein und der dringend benötigte Lärmschutz bei neuen Bahntrassen benötigen.
http://vorort.bund.net/suedlicher-oberrhein/verkehr-strassen-suedbaden.html
- Die geplante, problematische „Stinkefabrik“ (Auto-Schredderanlage) am Rhein bei Nambsheim (F) wird (vermutlich) nicht gebaut
Das Problem der geplanten 456 Hektar Industriezone nördlich von Fessenheim aber bleibt. Erstaunlich ist das geringe deutsche Medieninteresse an Planungen, die unsere Lebensqualität massiv bedrohen. Die neue französische Schwerindustriezone, aber auch die zunehmende Verscheußlichung der Landschaft und der Flächenverbrauch am Oberrhein sollten nach unserer Ansicht ein Schwerpunkt der Zusammenarbeit mit Alsace Nature werden. Was der BUND generell vermisst, ist eine inhaltliche Debatte um Vor- und Nachteile der geplanten Metropolregion Oberrhein, um Flächenverbrauch und Zersiedelung.
http://vorort.bund.net/suedlicher-oberrhein/gde-guy-dauphin-erfolg.html
- Über 1100 Menschen informieren sich zwischenzeitlich täglich
auf unserer regionalen BUND-Homepage www.bund-freiburg.de über Naturschutz und Umweltthemen am Oberrhein. Dort finden Sie auch einige Infos über unsere 35 BUND-Gruppen in der Region, die sich insbesondere im klassischen Naturschutz engagieren.
- Drei illegale Werbeschilder an der Autobahn wurden abgebaut
Unsere Initiative gegen die illegale „Verschilderung“ der Landschaft war erfolgreich. Auf Grund unserer Aktivitäten wurde das IKEA-Schild in Teningen und zwei große Werbebanner bei Hartheim an der Autobahn abgebaut. Bundesweit haben andere Umweltgruppen unsere Initiative aufgegriffen. Zwischenzeitlich finden sich gute Tipps und Gerichtsurteile gegen die „Verschilderung“ auf unserer Homepage www.bund-freiburg.de und werden rege nachgefragt. Werbeschilderreihen wie in Italien soll es in unserer Landschaft nicht geben.
http://vorort.bund.net/suedlicher-oberrhein/autobahn-werbung.html
- Ein großes und wichtiges BUND-Thema war in diesem Sommer der Maiswurzelbohrer
Der „Maiswurzelfiesling“ ist 2007 in unserer Region erstmals angekommen. Jetzt entscheidet sich, in welche Richtung sich die Landwirtschaft langfristig entwickeln wird. Wird der Monokulturwurzelbohrer mit Gift und Genmais oder mit ökologisch und ökonomisch sinnvollen Fruchtfolgen bekämpft? Das erste deutsche Befallsgebiet war bei uns am Südlichen Oberrhein. Jetzt wird er bundesweit an immer neuen Stellen gefunden. Wir haben das Thema intensiv aufgegriffen und mit der in der Schweiz praktizierten Fruchtfolge erfolgversprechende Alternativen zu Gifteinsatz und Genmais aufgezeigt. Grundwasserschutz hat hier am Oberrhein leider nur eine kleine Lobby...
http://vorort.bund.net/suedlicher-oberrhein/maiswurzelbohrer.html
- Das altersschwache AKW Fessenheim
ist und bleibt leider unser Dauerthema. In diesem Jahr rückte die Bedrohung des AKW durch Erdbeben und Terrorismus in den Vordergrund. Auf der ungesicherten Ostseite des Atomkraftwerks gibt es einen für jedermann nutzbaren Fahrweg mit „freiem Blick“ auf das Atomkraftwerk. Gemeinsam mit französischen Umweltgruppen engagieren wir uns für die Schließung des AKW. Solange es aber noch läuft, muss es „so sicher als möglich“ betrieben werden, d.h. der Fahrweg sollte gesperrt und gesichert werden.
http://vorort.bund.net/suedlicher-oberrhein/fessenheim-akw-terrorgefahr.html
- Teninger Schuttloch
Endlich wird eine der problematischsten Altlasten in Südbaden saniert: die ehemalige Teninger Müllkippe an der Autobahn. Die im Volksmund "Schuttloch" genannte Müllkippe zeigt exemplarisch, wie leichtfertig und verantwortungslos in der Vergangenheit mit gefährlichen Giften umgegangen wurde. Ärgerlich ist aber auch, dass wie so häufig die Allgemeinheit für die Kosten aufkommt. 5,2 Mio. Euro soll die jetzt geplante Sanierung kosten, für die das Land (zu 86,25%) und die Gemeinde - also immer wir SteuerzahlerInnen - zahlen müssen.
http://vorort.bund.net/suedlicher-oberrhein/teningen-altlast-frako-tscheulin.html
- Auch im „klassischen“ Naturschutz sind wir an vielen Stellen aktiv
Im Kappler Kleintal kümmert sich unser Arbeitskreis Naturschutz um den Amphibienschutz, und gerade im Naturschutz sind auch unsere Gruppen in den Gemeinden sehr aktiv. In einer Zeit, in der positive Meldungen aus dem Naturschutzbereich eher Seltenheitswert haben, freut sich der BUND-Regionalverband besonders über das jetzt bestätigte Vorkommen der bedrohten Wildkatze am Kaiserstuhl.
http://vorort.bund.net/suedlicher-oberrhein/bund-arbeitskreise.html
Axel Mayer / Regionalgeschäftsführer
Und der Regionalvorstand: Ellen Koppitsch, Frank Baum, Ilse Weghaupt, Silvia Wagner, Gerhard Völker und Roland Burkhart
2006 - Mensch, Natur und Umwelt im Dreyeckland
Ein kleiner umweltpolitischer Rückblick
An die Medien
Alle Jahre wieder - unser Rückblick auf das vergangene Jahr. Ein kurzer, zwangsläufig unvollständiger Überblick über einige wichtige Umwelt- und Naturschutzthemen nicht nur im Dreyeckland. Und eben auch Informationen über Erfolge und Misserfolge und die Bitte um journalistische Verwertung
Freiburg 19.12.2006
Das Jahr 2006 begann für den BUND mit einer freudigen Überraschung. Unsere langjährigen Kämpfe und Auseinandersetzungen um Wasserreinhaltung, Kläranlagen und um die Durchlässigkeit der Bäche und Flüsse bringt jetzt Erfolge für Mensch und Natur. Im Jahr 2005 gab es nach 50 Jahren den ersten Fund von Lachslaich in der Kinzig. 2006 fand sich nach über 100 Jahren wieder Lachslaich in der Murg. Wenn das Symboltier Lachs in seine alten Heimatgewässer zurückkehrt, wenn Menschen wieder in Bächen und Flüssen baden können, dann ist das auch mit ein Ergebnis unserer Natur- und Umweltarbeit der letzten Jahrzehnte. Jetzt muss sich der BUND verstärkt darum kümmern, dass aus den zu Kanälen geronnenen Gewässern wie Elz, Dreisam, Glotter und Kinzig wieder naturnahe Bäche und Flüsse werden. Beim Integrierten Rheinprogramm wurden 2006 die Aspekte des Naturschutzes leider immer mehr zurückgedrängt.
Der Atomkonzern EnBW schmückt sich seit diesem Jahr mit dem "Umwelt"zertifikat nach ISO 14001. Der Konzern, der seinen Strom u.a. aus überalterten, umweltbelastenden und gefährlichen Atomanlagen bezieht, versucht sich so ein grünes Image zu geben.
Die chemische Vergiftung unserer Gewässer wurde erfolgreich bekämpft und darüber haben wir die thermische und radiologische Belastung ein wenig aus den Augen verloren. Das französische AKW Fessenheim hat keine Kühltürme und setzt zu hundert Prozent auf die für die Betreiber EDF und EnBW profitable, für den Rhein aber höchst problematische Flusswasserkühlung. Im warmen Frühsommer 2006 wurde die kritische Hitzemarke beinah erreicht. Der Rhein darf durch die beiden Kraftwerksblöcke im Juni, Juli und August um skandalöse 4 °C und im September, Oktober, November, März, April und Mai um 6,5 °C erwärmt werden. Im Dezember, Januar und Februar darf der Rhein sogar um 7 °C wärmer werden. Bis auf 30 °C darf das Atomkraftwerk den Rhein aufheizen. Wenn alle Kraftwerke am Rhein auf Kühltürme verzichtet hätten, wäre der Rhein biologisch tot. Zusätzlich zur Erwärmung des Rheins kommt noch die radioaktive Verschmutzung. Alle Atomkraftwerke belasten, auch im so genannten Normalbetrieb, die Flüsse mit radioaktivem Tritium. Der Grenzwert für erlaubte Radioaktivitätsabgabe in den Rhein liegt in Fessenheim bei 74.000 Milliarden Becquerel im Jahr. Hier wird sich der BUND in Zukunft verstärkt engagieren.
Ein weiteres wichtiges Thema für uns ist die zunehmende Zersiedelung, Verscheußlichung und Verlärmung unserer Heimat am Oberrhein. Am Beispiel des geplanten Bahnausbaus wird deutlich, was es bedeutet in einem europäischen Transitraum zu leben. Wir brauchen das dritte und vierte Gleis. Das "Schutzgut Mensch" muss aber bei allen Planungen im Mittelpunkt stehen.
Zu Beginn des Jahres 2006 lag die Staatsverschuldung in Deutschland bei ca. 1469 Milliarden Euro und die Neuverschuldung nimmt weiter zu. Die Verschuldung pro Kopf der Bevölkerung beträgt etwa 17.000 EURO. In einer Zeit, in der die bestehende Infrastruktur in Deutschland fast nicht mehr unterhalten werden kann, fordern auch südbadische Politiker immer noch unsinnige neue, teure und klimaschädliche Projekte (Parkhaus am Feldberg, neue Straßen, Ausbau Flugplatz Lahr...) "Stuttgart 21" ist überall, auch in Südbaden. Wenn diese mit Schulden gebauten Projekte dann irgendwann endlich abgezahlt sind, haben die teuren Reparaturen schon längst begonnen. Eine der Ursachen des Freiburger Schuldenberges ist das nicht nachhaltige "billige" Bauen der letzten Jahrzehnte. Diese Analyse war in der hitzigen Freiburger Debatte nicht gefragt. Kritische Analysen waren 2006 generell wenig gefragt.
Eine sinnvolle Investition war die Entgiftung der Straßburger Hausmüllverbrennungsanlage. Nach jahrzehntelangen Protesten von Umweltschützern auf beiden Seiten des Rheins wurden 35,8 Millionen Euro in die absolut notwendige Entgiftung der alten Dioxinschleuder gesteckt. Luftreinhaltung, technischer Fortschritt und bessere Umweltgesetze fallen nicht vom Himmel, sie wurden und werden immer auch von UmweltschützerInnen erstritten.
Im Elsass haben 110 gewählte Abgeordnete verschiedener Parteien und verschiedener politischer Ebenen die Stilllegung des Atomkraftwerks Fessenheim gefordert. Die teilweise mit großer Heftigkeit geführte Debatte in Südbaden um den Trinationalen Atomschutzverband TRAS zeigt, dass dieser Verband von den Atomkraftwerksbetreibern und ihren Lobbyisten in der südbadischen Politik sehr ernst genommen wird. Der BUND-Regionalverband prüft gerade, ob wir gemeinsam mit TRAS gegen das altersschwache und zunehmend gefährlicher werdende AKW Fessenheim klagen können.
Anfang des Jahres hat das Amtsgericht Mulhouse (F) ein skandalöses Urteil in Sachen Umwelt verkündet. Hintergrund war die gravierende Grundwasserverschmutzung vom Jahreswechsel 2002 – 2003 bei der Rhodia in Chalampé. Unbemerkt war damals die unglaubliche Menge von 1200 Tonnen (!) Cyclohexan "ausgetreten" und teilweise ins Grundwasser versickert. Nur 7500 Euro Bußgeld für 1200 Tonnen Cyclohexan im Grundwasser muss die Firma Rhodia in Chalampé jetzt zahlen. Der BUND wird 2007 weiter gegen derartige Ungerechtigkeiten angehen.
Das gleiche gilt auch für unser altes Dauerthema Grundwasserversalzung. Eine Million Tonnen Salz sind auf der Fessenheimer Rheininsel "einfach so" ins Grundwasser versickert. Wenige Kilometer unterhalb der Fessenheimer Rheininsel finden sich auch in Südbaden bereits jetzt bis zu 50 Gramm Salz in einem Liter Grundwasser - Meerwasser enthält im Schnitt nur 35 Gramm! Diese Salzlauge fließt ca. 100 Meter unterhalb der Geländeoberkante langsam nach Norden. Die verdünnte Spitze der Salzfahne bereitet der Wasserversorgung in Breisach Probleme.
Der BUND hat vor Jahren die Verursacher dieser größten Umweltverschmutzung am Oberrhein angezeigt, um das Verursacherprinzip durchzusetzen. Wir begrüßen alle Untersuchungen und alle sinnvollen Maßnahmen zur Gefahrenabwehr. Mit 260 000 Euro der Steuerzahler fördert die EU auch dieses Jahr wieder Untersuchungen der Grundwasserversalzung. Warum zahlen wir Steuerzahler und nicht die Verursacher der Verschmutzung, die "Mines de Potasse d`Alsace"? Die Folgekosten, beispielsweise die Verlegung der Breisacher Brunnen und alle teuren Untersuchungen zahlten in der Vergangenheit stets die Verbraucher- und SteuerzahlerInnen auf beiden Rheinseiten. Wenn der Verursacher einer Umweltbelastung zweifelsfrei feststeht, dann muss dieser bestraft werden und die Sanierungs- und Untersuchungskosten tragen. Doch dieses Prinzip wird allzu häufig nur bei kleinen Umweltsündern angewandt. Gegen diese Ungerechtigkeit anzugehen wird eines der wichtigen Themen des BUND im Jahr 2007.
Beinahe hätten wir in diesem Jahr eines der schönsten und wichtigsten regionalen BUND-Jubiläen verpasst. Im Sommer vor 30 Jahren veranstalteten einige Aktive des damals frisch gegründeten Bund für Umwelt und Naturschutz die weltweit erste Ausstellung zu alternativen Energien in Sasbach am Kaiserstuhl. Der Widerstand gegen das im Nachbardorf Wyhl geplante AKW, das berühmte "Nai hämmer gsaid", war uns BUND-Aktiven nicht genug, es galt auch Alternativen zur Atomenergie aufzuzeigen. Aus heutiger Sicht war es eine kleine, ja geradezu winzige Ausstellung alternativer Energien. Aber gerade dieses "aus heutiger Sicht" zeigt den unglaublichen Erfolg der damaligen Idee und der umgesetzten Vision. Es ist unglaublich und faszinierend, was sich in 30 Jahren aus diesen "Sonnentagen" entwickelt hat. Umweltprodukte und Umweltideen haben längst die kleinen Nischen verlassen. Ökoprodukte und Umwelttechnik, die vor 30 Jahren in Sasbach noch bestaunte Sensationen waren, gibt es heute häufig im Baumarkt um die Ecke.
Geheimgehaltene Genmaisverursuchen am Oberrhein hat die Genlobby von 1999 bis 2004 durchgeführt. Dies wurde 2006 bekannt. Ein (nie zugegebenes ) Ziel solcher Versuche ist es, eine Kontamination der umliegenden Felder zu erreichen. Inseln gentechnikfreier Nahrungsproduktion stören die Gewinninteressen der Industrie und ihrer Lobby in den Parlamenten. Irgendwann sollen die VerbraucherInnen nur noch die Wahl zwischen stark und leicht gentechnisch veränderten Nahrungs-mitteln haben. So soll Zwangsakzeptanz für Genfood geschaffen werden.
Die Wälder am Oberrhein und im Schwarzwald sind auf Grund der Trockenheit, des Klimawandels und der Luftschadstoffe in einem verheerenden Zustand. Das öffentliche und veröffentlichte Interesse am Thema ist minimal.
Einen geheimen Brief der Umweltverbände in Sachen "Schutz des AKW Fessenheim vor Terrorgefahren" wurde von Behördenvertretern leider veröffentlicht. Der BUND und die grenzüberschreitenden Umweltverbände wollen die Schließung eines Dammweges beim AKW Fessenheim. Von diesem Weg aus trennt nur noch der Seitenkanal des Rheins, ein lächerlich niedriger Zaun und dünner Beton einen möglichen Angreifer vom radioaktiven Reaktorkern und vom noch schlechter geschützten Zwischenlager für Atommüll. Erschreckend ist die Tatsache, dass überall der Überwachungsstaat ausgebaut und BürgerInnenrechte eingeschränkt werden. Dort wo allerdings konkrete Gefahren bestehen, schlafen AKW Betreiber, Behörden und Politik.
In Sachen Mensch, Natur, Umwelt, Atomgefahren, Klimaschutz und echter Nachhaltigkeit gibt es für den BUND im Jahr 2007 genug zu tun. Träume von einem Ende der aktuellen regionalen und weltweiten Raubbauwirtschaft und von einer zukunftsfähigen, nachhaltigen Welt müssen aktiv angegangen und umgesetzt werden. In den örtlichen BUND-Gruppen der Region, im BUND-Regionalverband und bei "Friends of the earth", dem weltumspannenden Netzwerk von Umweltgruppen, in dem wir aktiv mitarbeiten.
Axel Mayer / Geschäftsführer
2005 - Mensch, Natur und Umwelt im Dreyeckland
Ein kleiner umweltpolitischer Rückblick
An die südbadischen Medien
Alle Jahre wieder - unser Rückblick auf das vergangene Jahr. Ein kurzer, zwangsläufig unvollständiger Überblick über einige Umwelt- und Naturschutzthemen nicht nur im Dreyeckland. Und eben auch - wie alle Jahre wieder - Informationen über Erfolge und Misserfolge. Für den BUND und die Umweltbewegung war das Jahr 2005 auch ein Jahr der makaberen "Rechthaberei". Nicht nur in Sachen Klimaänderung, Verknappung und Verteuerung der Energie wurden und werden alte Prognosen der UmweltschützerInnen immer mehr zur Realität.
Januar 2005
Nach über 50 Jahren laicht zum ersten Mal wieder ein Lachs in der Kinzig. So wurden auch unsere langjährigen, mühsamen Kämpfe um saubere Bäche und Flüsse (Usine Kaysersberg!) mit einem weiteren Erfolg gekrönt.
8. März 2005
Ein enttäuschendes VGH-Urteil in Sachen Bugginger Grundwasserversalzung bestätigt wieder einmal die Erfahrung, dass in Sachen Umwelt zumeist nur die "kleinen Sünder" bestraft werden. Wer sich als Umweltverschmutzer teure Anwälte leisten kann (wie die Kali und Salz AG) kommt meistens ungeschoren davon. Die Sanierung der Altlast "Abraumhalde Buggingen" wird durch dieses Urteil der Allgemeinheit aufgebürdet und das Verursacherprinzip ausgehebelt.
29. April 2005
Die Umweltverbände am Oberrhein und auch der BUND fordern in Sachen Neukonzessionierung des Kraftwerks Kembs mehr Wasser in den Restrhein zu leiten. Das älteste, südlichste Wasserkraftwerk am Oberrhein bei Kembs befindet sich im Besitz der EDF und die Konzession läuft im Jahr 2007 aus. Damit die Ziele internationaler Programme wie "Rhein 2020" (aus dem Rhein einen Fluss voller Lachse zu machen), die Ziele der Wasserrahmenrichtlinie und des Hochwasserschutzprogramms der IKSR erreicht werden können, fordern die Umweltorganisationen, dass der Mindestabfluss im Restrhein 100m3/s beträgt und die Abflüsse das ganze Jahr über an die Abflüsse z.B. am Pegel bei Basel oder Rheinfelden angepasst werden (naturnahe statt konstante Abflüsse). Aus dem "Restrhein" muss wieder ein naturnaher Fluss für Mensch, Lachs, Kormoran und Eisvogel werden.
11. Mai 2005
Der "Ausstiegs"beschluss der rot-grünen Bundesregierung führt zur Abschaltung des Atomkraftwerk Obrigheim. Fast gleichzeitig wird ein schwerer Atomunfall in der britischen Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield bekannt. Das Regierungspräsidium Freiburg und der Regionalverband Südlicher Oberrhein verstärken ihre Verhinderungsplanung gegen Windräder in Südbaden und setzen so die politischen Vorgaben der Stuttgarter Atomparteien um. In den letzten 10 Jahren haben sich die Preise für atomar-fossile Energien mehr als verdoppelt, während sie sich für erneuerbare Energien halbiert haben.
Juni 2005
Der Benzinpreis erreicht auch in Südbaden mit Preisen von bis zu 1,25 Euro/Liter Superbenzin seinen bisherigen Höchststand. Das weltweit knapper werdende Öl löst beim abhängigen Patienten Mensch klassische Suchtsymptome aus. Statt Energie zu sparen und Alternativen zu fördern rufen wachstumsgläubige Politiker nach einer intensiveren Ölförderung und nach der noch härteren Energiedroge Atomenergie.
17. Juni 2005
Der Trinationale Atom-Schutzverband der Bevölkerung um das AKW Fessenheim (TRAS) wird von Vertretern aus Frankreich, Deutschland und aus der Schweiz in Basel gegründet. Das AKW Fessenheim fällt auch im Jahr 2005 wieder mit Pleiten, Pech und Pannen auf. Bei allen französischen AKW der 900 MW-Klasse gibt es Probleme mit den Kühlwasserpumpen.
September 2005
Der Bundestagswahlkampf steuert mit Getöse seinem Höhepunkt entgegen. "Unbegrenztes Wachstum ist dauerhaft möglich und die einzige Lösung aller Probleme" ist die nicht hinterfragte, zentrale Botschaft von FDP und CDU, aber auch fast aller anderen Parteien. Der BUND Regionalverband kritisiert die Mythen vom unbegrenzten Wachstum in einem Thesenpapier. Bei einem anhaltenden Wachstum von 3% verdoppelt sich das Bruttosozialprodukt alle 23 Jahre, bei 5% sogar bereits alle 14 Jahre. Und eine Menge, die exponentiell wächst, vertausendfacht sich jeweils nach der zehnfachen Verdoppelungszeit. Dauerhaftes, exponentielles Wachstum einer Wirtschaft ist nicht möglich und führt zwangsläufig zur Selbstzerstörung. Eine erfreuliche, intensive Debatte im Internet beginnt.
November 2005
In den Vorstädten Frankreichs, in Paris, aber auch im Elsass, in Straßburg und Mulhouse brennen Autos. Zur Umweltverschmutzung kommt immer auch die Innenweltverschmutzung. In trostlosen Vorstädten mit fehlgeplanter Massenmenschhaltung kumuliert eine verfehlte Einwanderungspolitik und eine ungerechte Verteilung von Chancen und Arbeit zu massiven Jugendkrawallen. Die Krawalle sind auch ein Menetekel zukünftiger sozialer Entwicklung.
10. Dezember 2005
Der Friedensnobelpreis wird im Rathaus von Oslo an die IAEO/IAEA verliehen. Eine Initiative des BUND Regionalverband löst eine weltweite Protestkampagne gegen diese Fehlentscheidung des Nobelpreiskomitees aus. An der Kampagne, die den Zusammenhang von Atomkraftwerken und Atomwaffen aufzeigt, beteiligen sich 135 weltweite Umwelt- und Friedensgruppen und 250 Einzelpersonen. Mit dem Friedensnobelpreis für die IAEA wird der atomare Bock zum Gärtner gemacht.
Dezember 2005
Nach der öffentlichen Auflage des Entsorgungsnachweises für ein politisch gewolltes, geologisch schlechtes Atommüllendlager am Rheinfall gehen rund 3800 Stellungnahmen ein. Die vielen Einsprüche sind ein gutes Beispiel für die Zusammenarbeit der Umweltorganisationen im Dreyeckland.
Axel Mayer
Absolut notwendiger Nachtrag, der manche der oben geschilderten wichtigen Themen und Probleme relativiert:
Der Hunger tötet weit mehr Menschen als jeder gegenwärtig geführte Krieg oder Terroranschlag. Jean Ziegler, UNO-Berichterstatter für das Recht auf Nahrung, schreibt 2005 in einem Bericht für die UNO, dass täglich 100 000 Menschen wegen fehlender Nahrung sterben. Im Jahr 2004 stirbt jede Sekunde ein Kind unter fünf Jahren an den Folgen des Hungers. Im Jahr 2004 litten gemäß Ziegler 842 Millionen Menschen an chronischer Unterernährung. Die Tendenz ist steigend: Zwei Jahre zuvor waren es noch 826 Millionen Menschen gewesen. Diese gerne verdrängte Katastrophe muss auch die Arbeit der Umweltbewegung am Oberrhein in Zukunft stärker beeinflussen. Ökologie und Gerechtigkeit sind die Schlüssel für Nachhaltigkeit.
Zu fast allen oben aufgeführten Themen finden Sie im Internet unter www.bund-freiburg.de umfangreiche Hintergrundinformationen und Presseerklärungen
2004 - Mensch, Natur und Umwelt im Dreyeckland
Ein kleiner umweltpolitischer Rückblick
An die Medien
Jahresbeginn 2004
Der schweizerisch-deutsche Luftstreit um den Anflug auf den Flughafen Zürich nimmt an Heftigkeit zu. Alte Nationalismen und traurige Feindbilder auf beiden Rheinseiten werden geschickt genutzt und überlagern den Regio- / Dreyeckland-Mythos. Nicht nur in diesem grenzüberschreitenden Konflikt und der Art, wie er ausgetragen wird, scheitert ein kleines regionales Stück Europa. Auch in den Konflikten um das Atommülllager Benken, die zollfreie Straße und das AKW Fessenheim werden Nationalismen gerne und geschickt genutzt um wirtschaftliche und politische Interessen durchzusetzen. Politiker, die deutsche AKW loben und gleichzeitig Fessenheim abstellen wollen sind zurecht unglaubwürdig.
16. Januar 2004
Auch die Landesregierung lehnt die geplante Skihalle in Sasbachwalden wegen negativer Umweltfolgen ab.
24. Januar 2004
Premiere in Fessenheim: Bei einem weltweit bisher einmaligen Störfall gelangen 300 Liter Harz in den Primärkreislauf des Atomkraftwerks. In den folgenden Tagen werden zwölf Mitarbeiter des AKW leicht verstrahlt. Für das AKW Fessenheim beginnt ein gefährliches Jahr mit Pleiten, Pech und Pannen. Eine Serie kleiner und mittlerer Erdbeben erinnert am Oberrhein an die Gefährdung des unsäglichen AKW-Standorts. Viele badische Städte und Gemeinden sprechen sich in Resolutionen für die Abschaltung des AKW und gegen den Neubau von Reaktoren aus.
24. April 2004
Über 2000 Menschen aus Frankreich, Deutschland und der Schweiz demonstrieren in Breisach und Fessenheim gegen das marode EDF- / EnBW-Kernkraftwerk und gegen den geplanten europäischen Druckwasserreaktor von Siemens.
Sommer 2004
Nach dem Hitze- und Dürrejahr 2003 leidet insbesondere der Schwarzwald unter einem massiven Baumsterben. Weltweit machen sich die Auswirkungen des Klimawandels bemerkbar.
Sommer 2004
Der Streit um die zollfreie Straße bei Basel eskaliert. Mit einer Besetzung versuchen Menschen des Großraumes Basel den unnötigen Straßenbau durch das wertvolle Naturgebiet zu verhindern.
12. September 2004
Weit über 1000 Menschen demonstrieren in Benken (CH) gegen die Gefährdung der Umwelt und des Rheins durch ein geplantes Atommülllager. Kurz nach der Kundgebung erklärt die NAGRA, dass auch der leicht- und mittelaktive Atommüll ins Grenzgebiet am Rheinfall, in die viel zu dünne Schicht Opalinuston kommen könnte. Der Hochrhein würde dann endgültig zum Atomklo. Auch wenn der geologische Untergrund am Rheinfall denkbar ungeeignet ist, so sind zumindest die neuen Durchsetzungsstrategien der NAGRA perfekt. Es beginnt die Phase, in der sich die Atommüllplaner ihre Pläne öffentlich von scheinbar neutralen Pro-Atom-Organisationen loben lassen.
November 2004
Die Trea Breisgau, die regionale Müllverbrennungsanlage im Gewerbepark Bremgarten geht hochgelobt von den Medien in Betrieb, verschwendet aber unglaubliche Abwärmemengen. 50 Megawatt nutzbarer Abwärme werden in Zeiten weltweiter Klimaveränderungen in die Umwelt geblasen. Täglich wird eine Abwärmemenge entsprechend 119178 Liter Erdöl ungenutzt in die Umwelt abgegeben. 50 MW Abwärme entsprechen dem Wärmebedarf von 52.083 Niedrigenergie-Wohnhäusern. Erstaunlich ist das geringe öffentliche Interesse an diesem Skandal und an den unglaublichen Preisunterschieden zwischen den Müllverbrennungsanlagen in Baden-Württemberg. Der BUND wird sich auch in Zukunft gegen die Energieverschwendung in Bremgarten engagieren und den Druck auf die Entscheidungsträger verstärken.
Naturschutz
Mit einem schönen Faltblatt macht der BUND auf den Wert alter Obstbäume, nicht nur am Kaiserstuhl, aufmerksam. BUND und NABU sprechen sich gemeinsam gegen den Herbizideinsatz im Naturschutz aus und engagieren sich auch gemeinsam für die ökologischen Aspekte des Integrierten Rheinprogramm BUND-Aktive engagieren sich überall in der Region im klassischen Natur-, Amphibien- und Vogelschutz.
Im Jahr 2004
treibt Greenwash, der Versuch umweltschädliche Planungen und Projekte mit einem verlogenen Umweltimage zu versehen, seltene Blüten am Oberrhein. Das AKW Fessenheim wirbt mit dem scheinökologischen Umweltzertifikat ISO 14001 und EDF und EnBW lassen ihre Tarnorganisation, den "Umweltverein" "au fil du rhin" für sich arbeiten. Mit vorgeschobenen, nur scheinbar ökologischen Argumenten wird insbesondere in Breisach gegen die Umweltaspekte des Integrierten Rheinprogramms (IRP) gekämpft, und so eines der wichtigsten Hochwasser- und Naturschutz-projekte am Oberrhein gefährdet.
"Vorwärts in die 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts"
war nicht nur im Dreyeckland, in Sachen Umwelt, das Motto des Jahres 2004. In den USA wurde mit Georg Bush ein Lobbyist der Umweltverschmutzer, ein Mann, der Verbrecher mit Verbrechen bekämpft und dabei gegen die Menschenrechte verstößt, erneut zum Präsidenten gewählt. Und auch in Deutschland wurde mit Michael Schuhmacher ein Vertreter der Automobilanbetung zum Sportler des Jahres und des Jahrhunderts gewählt, ein "Motorsportler", der seine Steuern lieber in der Schweiz als in Deutschland zahlt. In Zeiten der Globalisierung könnte in Zukunft nach dem Sozialen wohl auch die Umwelt auf der Strecke bleiben. Den falschen Mythos der 60er Jahre, unbegrenztes Wachstum sei im begrenzten System Erde dauerhaft möglich, tragen Politik und Medien wie eine Monstranz vor sich her und beklagen die zu geringe Verschwendungssucht und den mangelhaften Konsum der Bevölkerung. Die Frage, was denn passiert, wenn eine Milliarde Chinesen unser zerstörerisches Wachstumsmodell übernehmen, wird öffentlich lieber nicht gestellt. Der ökologisch und ökonomisch unsinnige Druck, mehr zu kaufen und zu konsumieren nimmt zu. Die Auseinandersetzungen in Sachen Umwelt-, Natur-, und Menschenschutz werden in den kommenden Jahren an Härte zunehmen.
Axel Mayer / Geschäftsführer
2003 - Mensch, Natur und Umwelt im Dreyeckland
Ein kleiner umweltpolitischer Rückblick
An die Medien am Oberrhein
Mit einem richtigen „Knaller“
eröffnete der Chemiekonzern Rhodia in Chalampé (F) das Internationale Jahr des Süßwassers. Kurz vor dem Jahreswechsel meldete die Rhodia den Behörden einen „kleinen“ Störfall. Cyclohexan, ein Lösungsmittel, sei in kleinen Mengen ausgetreten. Die Bevölkerung wurde nicht informiert. Ein Rhodia-Mitarbeiter meldete dann heimlich den Medien, 30 Tonnen seien versickert. Nach heftigen Reaktionen von BUND und Alsace Nature wurde nach und nach die unglaubliche Dimension des Skandals deutlich. Erst wurden 400 Tonnen zugegeben, später gingen die Behörden davon aus, dass bis zu 1200 Tonnen Cyclohexan unbemerkt (!) ausgetreten waren. Das entspricht dem Inhalt der Kesselwagen eines 300 Meter langen Zuges. Und das in einem Betrieb, der stündlich 28 Tonnen Blausäure produziert. 4 Millionen Euro wird der Unfall die Rhodia nach eigenen Angaben kosten. Im Gegensatz zu allen Aussagen der Firmenleitung hätte ein Funke zu einer Katastrophe führen können. Gemeinsam mit Alsace Nature verstärkten wir den Druck auf die Firmenleitung, um endlich Sicherheit für die Menschen der Umgebung zu erreichen. Nur durch solchen Druck wird bei Firmen wie Rhodia der technische Fortschritt in Sachen Sicherheit beschleunigt. Erschreckend ist der harte Umgang der Behörden mit kleinen Umweltsündern und der freundliche Umgang mit Rhodia. Auch im Internationalen Jahr des Süßwassers bleibt die Wasser-, Grundwasser- und Trinkwassersituation im Rheingraben mehr als problematisch. An beinahe der Hälfte der Wasserpegel am Südlichen Oberrhein sind ein oder mehrere Grenzwerte für Trinkwasser (Salz, Nitrat, Atrazin,...) überschritten.
Die vom BUND und Alsace Nature lange geforderte Stilllegung der Giftmülldeponie Stocamine (F) wurde im Jahr 2003 Realität. Ein Erfolg über den wir uns nach dem großen unterirdischen Brand der “nicht brennbaren“ Gifte nicht so richtig freuen können.
Die regionalen Proteste gegen den Irak Krieg
wurden auch vom BUND unterstützt. Der Irak-Krieg war für die Umweltbewegung auch ein Zeichen für die Zuspitzung der weltweiten Kämpfe um Ressourcen. Als der irakische Diktator seine schlimmsten Verbrechen beging, war er noch ein Partner der USA und wurde von dort mit Waffen beliefert. Es gab und gibt für uns keine „guten Diktaturen“. Unsere Befürchtungen zu Beginn des Krieges haben sich eigentlich alle bestätigt. Die Kriegsgründe (Massenvernichtungswaffen) waren vorgeschoben. Wie ist es in Demokratien möglich, dass bei zentralen Entscheidungen über Krieg und Frieden die Menschen so belogen werden?
Der Euroreaktor EPR,
die neue Reaktorlinie die von der EnBW und EDF finanziert und von Siemens gebaut werden soll wirft ihre Schatten voraus. Angela Merkel und Ministerpräsident Teufel haben in diesem Jahr die CDU als Atompartei in Wartestellung geoutet. Auch das Rot-GRÜNE Rumgeeiere um den Export der Plutoniumfabrik nach China und die Siemens Lieferungen für den EPR in Finnland zeigt die Gefahren einer Wiederbelebung der Atomindustrie. Wer, wie Siemens, neue Atomkraftwerke bauen und exportieren will, sorgt damit auch für die Verbreitung von Atomwaffen. Regional lief eine gut gemachte, verlogene Werbekampagne für das AKW Fessenheim an. Fessenheim wäre aus Sicht von EnBW und EDF ein idealer Standort für neue AKWs, wenn nur die Umweltschützer nicht wären. So erhielt das Atomkraftwerk Fessenheim für „Schutz von Fauna, Flora und Orchideen um das Kernkraftwerk, für Mülltrennung, u.a.“ die Umweltzertifizierung nach ISO 14001. Ein „schönes“ Beispiel für Greenwash in der Region. Mit der Gründung des so genannten Umweltvereins „Au fil du Rhin“ (dt.: „Entlang des Rheins“) in Fessenheim durch EnBW und EDF, versuchen die beiden AKW Betreiber den Begriff der Nachhaltigkeit für sich zu besetzen und die Umweltbewegung zu spalten. Auch die Kampagne für den Euroreaktor EPR, der von Siemens und Framatome irgendwann in Fessenheim gebaut werden soll, läuft unter dem Deckmäntelchen der Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes.
Kontrovers diskutiert
werden in der Regio die neuen Windräder, insbesondere am Schauinsland. Die umweltfreundliche Form der Energieerzeugung steht im Konflikt mit dem Landschaftsschutz. Auch zu diesem Thema erarbeitete der BUND ein differenziertes Positionspapier, mit deutlicher Sympathie für Windenergie und Landschaft.
Der Maiswurzelbohrer,
ein amerikanischer Maisschädling, wurde im August 2003 erstmals im Elsass und im Baselland gefunden. Die gefunden 4 Exemplare von „Diabrotica virgifera“ wurden mit einer heftigen Giftdusche empfangen. 1,5 Tonnen Insektizide wurden in einer umweltgefährdenden Hubschrauberaktion alleine im Elsass ausgebracht. 250 Menschen demonstrierten bei einer Regenschirmdemo in Hegenheim (F). Nur in der Schweiz wird der Maiswurzelkäfer kostengünstig und umweltfreundlich mit Fruchtfolgen bekämpft. Jahrzehntelanger Maisanbau auf den gleichen Flächen ist schädlich für das Grundwasser und hat seine deutlichen Nitrat-Spuren hinterlassen. Doch für die Landwirte, die im Rahmen der Globalisierung in direkter Konkurrenz mit riesigen Maisanbauflächen in den USA stehen, ist Maisanbau eine Möglichkeit zum wirtschaftlichen Überleben in Zeiten der Globalisierung. Breitet der Maiswurzelbohrer sich 2004 am Oberrhein aus, dann gibt es zwei Möglichkeiten: Ökologisch sinnvolle Fruchtfolgen wie in der Schweiz, oder heftiger Insektizideinsatz wie im Elsass. Die Folgen intensiver Landwirtschaft aufs Grundwasser wurden im Jahr 2003 am Nördlichen Kaiserstuhl deutlich. Nach Sasbach musste auch die Stadt Endingen am Kaiserstuhl und die Gemeinde Weisweil einen millionenschweren neuen Brunnen bohren.
Eine hervorragende neue Studie
bestätigte die alten Argumente des BUND zum Thema Grundwasserversalzung durch den Kaliabbau. Es ist unerklärlich warum diese gute Studie für 900 000 Euro von den Europäischen SteuerzahlerInnen finanziert wurde und nicht von der Firma Kali Salz AG und den französischen Kaliminen, den bekannten Verursachern der Versalzung. Warum wird bei großen, mächtigen Umweltverschmutzern das Verursacherprinzip nicht angewendet ? Es ist ein skandalöses Gerechtigkeitsdefizit, wenn das Verursacherprinzip stets nur bei kleinen Umweltsündern zum Zuge kommt.
Sechs Atomtransporte
aus dem havarierten Schweizer Kernkraftwerk Lucens rollten ins grenznahe Zwischenlager für Atommüll nach Würenlingen. Am 21.1.1969 hatte es im AKW Lucens einen schweren Reaktorunfall mit Kernschmelze gegeben. Seit diesem Schweizer Atomunfall ist die Atomlobby und die HSK (Hauptabteilung für die Sicherheit der Kernanlagen) bemüht die Erinnerung an dieses Ereignis zu löschen. Ein Schweizer Reaktorunfall, an den sich die Menschen erinnern, erschwert die Durchsetzung eines atomaren Endlagers, wie ihn die NAGRA in Benken am Rheinfall durchsetzen will. Jetzt besteht sogar die Gefahr, dass der gesamte Atommüll der Schweiz nach Benken kommt.
Die geplante Neubaustrecke der Bahn
ist eines der großen Umweltthemen am Oberrhein. Bei einer Kundgebung forderten 7000 Menschen von der Bahn einen Tunnel unter den Maisfeldern des Markgräflerlands. Die anschwellende Verkehrslawine im Transitland Oberrhein mit zunehmendem Autobahnlärm, Abgasen und Unfällen beschäftigt auch die Umweltverbände, die kritisieren, dass es eine kritische Diskussion bisher nur zu den Plänen der Bahn gibt.
Erfolg und gleichzeitig Niederlage
war der schweizerisch - deutsche Luftstreit um den Anflug auf den Flughafen Zürich. Alte und neue Nationalismen und traurige Feindbilder auf beiden Rheinseiten überlagerten den Europa / Regio / Dreyeckland Mythos. In diesem Konflikt und der Art wie er ausgetragen wurde, scheiterte auch ein kleines regionales Stück Europa. Trotz des Erfolges in der Sache ist dies ist für uns, die wir in der Tradition der grenzüberschreitenden Umweltbewegung tief verwurzelt sind, besonders schmerzlich.
In der so genannten „Großen Politik“
haben im Jahr 2003 die ökonomischen Probleme die ökologischen Fragestellungen überlagert. Weder die Konzepte des Neoliberalismus, noch die Politik des Schuldenmachens gibt Antworten auf die drängenden Zukunftsfragen. Wenn wir die Politiker fast aller Richtungen richtig verstehen, dann sollen wir alle länger arbeiten um dann mehr unnötige, kurzlebige Produkte zu kaufen, die wir eigentlich nicht brauchen, um sie dann möglichst schnell weg zu werfen.... Der alte, falsche Mythos, begrenzte Systeme wie die Erde könnten unbegrenztes Wachstum dauerhaft verkraften, wird in Krisenzeiten ungeprüft nachgebetet. Lebensqualität, Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit wird mit dieser Politik nicht erreicht. Eine echte Reformdebatte anzustoßen, die diese zerstörerische Logik durchbricht, ist Aufgabe des BUND und der Umweltbewegung.
2002 - Mensch, Natur und Umwelt im Dreyeckland
Ein kleiner umweltpolitischer Rückblick
An die südbadischen Medien
Mit diesem Schreiben und dem zwangsläufig unvollständigen, kurzen Jahresbericht wollen wir noch einmal an einige wichtige regionale Umweltthemen des vergangenen Jahres erinnern. Einige dieser vom BUND aufgegriffenen Themen werden uns sicher auch in diesem Jahr beschäftigen.
Im Jahr 2002 stand das Umweltthema - trotz Hochwasser und Tankerunglück - nicht im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion. Umso mehr freuen wir uns über kleine und große Erfolge unserer Umwelt- und Naturschutzarbeit in der Regio.
Gericht setzt in Sachen Kalihalde Buggingen das Verursacherprinzip durch
Wer an einem kalten Wintertag Salz streut, muss mit einem hohen Bußgeld rechnen. Gleichzeitig versickern an der Abraumhalde, dem "Kalimandscharo" in Buggingen, jährlich etwa 4200 Tonnen Salz ins Grundwasser. Aus diesem Grund hat BUND Geschäftsführer Axel Mayer am 22.12.1997 Strafanzeige gegen den Großkonzern Kali Salz AG erstattet. "Es kann nicht angehen, dass kleine Umweltsünder bestraft werden und die großen Grundwasserverschmutzer ungestraft davonkommen" stand in der Begründung der BUND-Anzeige. Die Freiburger Staatsanwaltschaft ermittelte und die Ermittlungen führten zur größten Hausdurchsuchung und Beschlagnahmeaktion in der Geschichte des Freiburger Wirtschaftskontrolldienstes. Die Kali und Salz AG reagierte mit einer Gegenklage gegen die Behörden, welche die Ablagerungen genehmigt hatten. Im November 2002 setzte jetzt das Verwaltungsgericht Freiburg das Verursacherprinzip durch. Die Kosten für die Sanierung der Kalihalde in Buggingen hat die Kali und Salz AG zu tragen und nicht wir SteuerzahlerInnen.
Giftmülldeponie Stocamine und Rhodia
Eine Skandalgeschichte ohnegleichen hat sich im Jahr 2002 im Elsass abgespielt:
Stocamine
Im Jahr 1998 wurde gegen den heftigen Protest französischer Umweltschützer und des BUND die größte französische Giftmülldeponie Stocamine im elsässischen Wittelsheim in Betrieb genommen. Unsere damaligen Warnungen vor möglichen Wassereinbrüchen und Bränden wurden nicht ernst genommen, denn laut Betriebsleitung sollten ja nur absolut unbrennbare Gifte eingelagert werden.
Im September 2002 bemerkten dann die Bergleute der benachbarten Kaligrube giftigen Rauch. Sie verließen das Bergwerk, das dann auch geschlossen werden musste, denn das "Unmögliche" war eingetreten. Der laut Werksleitung "absolut nicht brennbare Giftmüll" brannte über Wochen. Der BUND schenkte der Stocamine daraufhin in einer symbolischen Aktion einen Rauchmelder, denn solche Sicherheitsvorkehrungen waren in der größten Giftmüllgrube Frankreichs nicht vorgesehen.
Rhodia
Am 17.12.02 meldete der Chemiekonzern Rhodia in Chalampé, direkt neben der badischen Kleinstadt Neuenburg gelegen, den Behörden einen "kleinen" Störfall. Cyclohexan, ein Lösungsmittel, sei in kleinen Mengen ausgetreten. Ein Rhodia-Mitarbeiter meldete dann heimlich den Medien, 30 Tonnen seien versickert. Nach heftigen Reaktionen von BUND und französischen Umweltgruppen wurde nach und nach die unglaubliche Dimension des Skandals deutlich. Erst wurden 400 Tonnen zugegeben, später gingen die Behörden davon aus, dass 1200 Tonnen Cyclohexan ausgetreten waren. Das entspricht dem Inhalt der Kesselwagen eines 300 Meter langen Zuges. Und das in einem Betrieb, der stündlich 28 Tonnen Blausäure produziert. Ein Funke hätte zu einer Katastrophe führen können. Gemeinsam mit Alsace Nature verstärkten wir den Druck auf die Firmenleitung, um endlich Sicherheit für die Menschen der Umgebung zu erreichen. Nur durch solchen Druck wird bei Firmen wie der Rhodia der technische Fortschritt in Sachen Sicherheit beschleunigt. Erschreckend ist der harte Umgang der Behörden mit kleinen Umweltsündern und der freundliche Umgang mit Firmen wie Stocamine und Rhodia.
Abwärmenutzung bei der Müllverbrennung Bremgarten (TREA Breisgau)
Am 25 September war offizieller erster Spatenstich bei der Müllverbrennungsanlage in Bremgarten, obwohl noch kein Konzept für die Abwärmenutzung vorlag.
Bei dieser MVA fallen ca. 60 Megawatt Abwärme pro Jahr an. Das Problem ist wohl, dass sich unter 60 MW niemand etwas vorstellen kann. Ein einziges MW entspricht 870 000 Litern Heizöl (!). Mit offenen Briefen an die zuständigen Behörden und mit Pressearbeit haben wir versucht, Öffentlichkeit herzustellen, um die gigantische Abwärmeverschwendung zu verhindern. In unseren Stellungnahmen zur MVA haben wir viele Aspekte kritisiert. Eine Müllverbrennung ohne Wärmenutzung im "um-weltbewussten Breisgau" aber wäre nach unserer Ansicht tatsächlich ein Rückfall in die umweltpoli-tische Steinzeit. Nach vielfältigen Aktionen haben wir jetzt den Eindruck, dass sich langsam etwas tut in Sachen Abwärmenutzung Bremgarten. Wir werden uns in dieser Sache weiter engagieren.
Atommüll am Rheinfall
Zum Jahresende 2002 legte sich die NAGRA auf den Standort Benken am Rheinfall fest. Nachdem die Atomlobby im Kanton Nidwalden eine Abfuhr erhalten hatte und dort keinen Müll lagern darf, besteht jetzt die Gefahr, dass der gesamte Atommüll der Schweiz tatsächlich in einer nur 120 Meter (dünnen) Schicht Opalinuston für eine Million Jahre gelagert werden soll. Nach Ansicht kritischer Geologen eine Gefahrenquelle für Mensch und Natur und alle Rheinanlieger. Doch am Hochrhein und Bodensee regt sich der Widerstand. Eine Dachorganisation der Kritiker wurde gegründet, wohl auch ein Erfolg vieler BUND Veranstaltungen in der Region.
Plenum Gebiet Kaiserstuhl
Der Kaiserstuhl wurde Plenum Gebiet. Plenum steht für "Programm zur Erhaltung und Entwicklung von Natur und Umwelt". Fünf mal 400.000 Euro wird alleine das Land beisteuern und fünf mal 200.000 Euro sollen aus der Region kommen. In der Planungsphase war die Einbeziehung der Umweltverbände und der Bio-Landwirtschaft "vorsichtig ausgedrückt" nicht optimal. Ob sich dies in der Umsetzungsphase ändert, ist offen. Kritiker meinen, Plenum sei ein "Projekt des Landes zur Umverteilung von Naturschutzgeldern für die notleitende konventionelle Landwirtschaft, die Wirtschaftsförderung und den Tourismus". Plenum könnte eine Chance für die Natur am Kaiserstuhl sein. Was aus Plenum wird, liegt auch in unseren Händen.
Wir haben uns natürlich auch mit vielen anderen regionalen Themen beschäftigt, u.a. mit der Neubautrasse der Bahn, wo wir uns für flächensparende Varianten engagieren. Auch die Themen
Fessenheim, Katastrophenschutz, Dampferzeugeraustausch, Integriertes Rheinprogramm, Hochwasserschutz, Flächenverbrauch und die "Verscheußlichung" des Breisgaus standen auf unserer Tagesordnung.
Axel Mayer
2001 - Mensch, Natur und Umwelt im Dreyeckland
Ein kleiner umweltpolitischer Rückblick
25 Jahre "Kein AKW in Wyhl!"
In alter Verbundenheit haben wir die Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen bei der Vorbereitung und Durchführung der Veranstaltungen zum fünfundzwanzigjährigen Jubiläum der Bauplatzbesetzung in Wyhl unterstützt. Eine schöne, nicht nur nostalgische Veranstaltung mit einem großen überregionalen Medienecho. Es ist erstaunlich, dass das Medieninteresse an Themen der Vergangenheit größer ist als an manchen, drängend aktuellen Atomthemen.
Atomklo Hochrhein
Still und heimlich und mit vielen Tricks will die Schweizer Atomlobby ihre Pläne für ein atomares Endlager am Rheinfall bei Schaffhausen durchsetzen. Für die "sanfte Durchsetzung" des Gorleben am Hochrhein gibt die Atomindustrie viele Millionen Franken aus. Dem haben wir unser Engagement und viel Medienarbeit entgegengesetzt. Es ist uns und den direkt betroffenen Menschen am Hochrhein noch nicht gelungen, die gefährlichen Anlagen zu verhindern. Aber wir konnten mit Informationen, Flugblättern und überregionaler Medienarbeit die Menschen auf dieses große Problem aufmerksam machen. Und wir werden uns weiter engagieren, denn nur der, der die Gefahren kennt, kann sie abwehren.
Zersiedelung und Flächenverbrauch
waren auch im Jahr 2000 wichtige Umweltthemen im Dreyeckland.. 263 Hektar will die ehemalige Ökohauptstadt Freiburg jetzt zusätzlich bebauen. Dies ist die Fläche von 500 Fußballplätzen oder mehr als die fünffache Fläche der Altstadt. Für einen Skandal hält der BUND die Tatsache, dass 150 Hektar aus bestehenden Natur- und Landschaftsschutzgebieten herausgeschnitten werden sollen. "Breiburg im Breisgau", das steht für den hässlichen Siedlungsbrei, der in und um Freiburg entsteht. Bürgermeister der Freiburger Umlandgemeinden befürchten ein "Ruhrgebiet am Oberrhein", wenn Freiburg an seinen Flächenverbrauchsplänen festhält. Aber gerade auch das Freiburger Umland, die Toscana Deutschlands, die wunderschöne Kultur- und Naturlandschaft am Oberrhein, ist mit Vehemenz dabei, das, was ihren Reiz ausmacht, selbst zu zerstören. Freiburg wuchert in die Schwarzwaldtäler und entlang der Regio S-Bahn ins Umland - entsprechendes gilt für die Mehrzahl der Dörfer und Städte im Oberrheingraben. Obwohl die Bevölkerungszahlen im Bundesgebiet massiv zurückgehen und in den neuen Bundesländern teilweise bis zu 30% der Wohnungen leerstehen, nimmt die Tendenz zu einer scheußlichen, zersiedelten Bandstadt am Oberrhein massiv zu.
Viele neue landschaftszerschneidende Straßenbauprojekte, die Gefahr, mit dem sechspurigen Autobahnausbau endgültige zur europäischen Nord-Süd-Trasse zu werden, die Nichtarchitektur der neuen Gewerbegebiete, der Wegfall von regionalen Grünzügen und Siedlungszäsuren, die Maissteppe der Ebene, die neonschrillen Ortseinfahrten der Dörfer, der Verlust an Natur- und Erholungsflächen.... viele dieser Puzzlesteine ergeben im Zusammenhang gesehen ein Bild großflächiger Zerstörung, verbunden mit einem enormen Verlust an Lebensqualität. Dennoch wird beinahe jede neue Landschaftszerstörung, jede neue Straße von der Mehrzahl der südbadischen Lokalpolitiker bejubelt. Die Bandstadt am Oberrhein und die weitere Zersiedelung und Verscheußlichung der Landschaft in Freiburg und am Oberrhein zu verhindern ist eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben des BUND.
Der Überbringer der schlechten Botschaft
bekommt den Ärger und nicht etwa der Verursacher des Übels. Zweimal mussten wir das im Jahr 2000 erfahren. Nach einer Störfallserie bei der Rhodia in Chalampe und einem Unfall mit der Freisetzung von 15 kg Blausäure hatten wir in Erfahrung gebracht ,dass schräg gegenüber von Neuenburg stündlich 26 Tonnen (!!!!) Blausäure produziert werden. Doch Bürgermeister Schuster aus Neuenburg reagierte nicht nachdenklich sondern eher verharmlosend, so, wie man es eher von einem Pressesprecher der Firma Rhodia erwarten würde.
Ähnlich ging es uns mit Herrn Bürgermeister Vonarb aus Breisach. Dort ist zwischenzeitlich die Spitze der Grundwasserversalzung angekommen, nachdem auf der Fessenheimer Rheininsel eine Million Tonnen Salz aus Zwischenlagern ins Grundwasser versickert sind. Ein wissenschaftlich bestätigter Hinweis auf die Gefahr von Leitungskorrosion durch Salz wurde heftig zurückgewiesen. Das Problem wird ausgesessen und verdrängt, und der BUND als Überbringer der schlechten Botschaft bekommt die Hiebe.
Einen guten Vorstand
brachten die Wahlen zum BUND-Regionalvorstand. Da Thomas Landsberg aus gesundheitlichen Gründen ausscheiden musste und Renate Ellenberg wegen Umzugsplänen nicht mehr aktiv sein kann (Danke für die langjährige und gute Arbeit!!!), wurde neu gewählt. Mit Carla Vollmer, Heike Holtgrewe, Manfred Öhm und Frieder Gauger ist jetzt verstärkt auch die jüngere Generation aus der ehemaligen BUND-Jugend im Vorstand vertreten. Dazu kommen die "Alten Hasen" Frank Baum, Reinhold Hämmerle und Roland Burkhart (Buki) mit ihren regionalen Erfahrungen in Sachen Umwelt- und Naturschutz.. Ein gutes Team, dem auch in den nächsten Jahren die Arbeit nicht ausgehen wird. Mit einer eigenständigen,
selbstbewussten Arbeit, räumlich und inhaltlich näher an Straßburg und Basel als an Stuttgart, werden wir auch in Zukunft die landes- und bundesweite Vielfalt des BUND ergänzen und bereichern. In einem Umweltverband ist es wie in der Natur. Er lebt von der Vielfalt.
Es gäbe noch viel
zu berichten von der erfolgreichen Arbeit der Orts- und Kreisgruppen des BUND (Kein Genmais in Endingen. Von der Rettung eines wertvollen Naturgebietes vor Golfplatzplänen in Bahlingen......). Vom Umzug der BUND Landesgeschäftsstelle nach Stuttgart, der hier in der Region so viel verständlichen Ärger gebracht hat. Vom viel zu frühen Tod von Uli Brinkmann (MdL), einem alten BUND Mitstreiter. Von guten, motivierten, alten und neuen Zivildienstleistenden, die immer wieder neue Impulse bringen. Vom erfolgreichen Team in der BUND-Ökostation. Von unserer neuen Homepage (www.bund-freiburg.de), die im Jahr 2000 über 3000 Zugriffe hatte, von Erfolgen und Niederlagen, Stress und Freude, Innenweltverschmutzung und Rechtsradikalismus, Klimaveränderungen und egoistischen Kampagnen gegen die Ökosteuer, Castortransporten, zunehmenden Alterungsproblemen im AKW Fessenheim, BSE, Miniermotten und neuen Durchsetzungsstrategien der Gen- und Atomlobby ...
Für einen großen Jahresbericht hat die Zeit leider nicht gereicht, denn mit der geplanten Müllverbrennung in Bremgarten, den Atomplänen am Hochrhein und dem Integrierten Rheinprogramm steht wie immer viel zu viel aktuelles Unerledigtes auf der Tagesordnung. Doch ohne ehrenamtliche Mitstreiter, ohne Mitglieder und BUND-Paten, ohne Spender und Spenderinnen und manche kleine Ermutigung wäre unsere Arbeit nicht möglich.
Axel Mayer, Geschäftsführer
Eine Presseerklärung des BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein, Wilhelmstraße 24a, 79098 Freiburg
www.bund-freiburg.de