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Greenwash, Kriegspropaganda, PR und neue Durchsetzungsstrategien für Umweltzerstörung, Atomkraftwerke und Krieg / Eine Hintergrundinformation

Akzeptanzforschung, Greenwash, PR und neue Durchsetzungsstrategien


Ein Phänomen wie Greenwash ist immer schneller als jede analysierende Enthüllung.


1975 endete der Vietnamkrieg und im gleichen Jahr besetzte im südbadischen Wyhl die Bevölkerung den Bauplatz eines AKW-Geländes und verhinderte so den Bau des Atomkraftwerks. Beide Vorgänge haben direkt nichts miteinander zu tun, und doch waren die Niederlage der Militärs in Vietnam und die der Atomindustrie in Wyhl der Beginn neuer, psychologisch geschickterer Durchsetzungsstrategien.


Gelogen wurde immer, aber die Lügen werden besser
Die offene und umfassende Berichterstattung in den Medien, der allabendliche Fernsehkrieg und die unzensierten Bilder über die Gräuel des Krieges in Vietnam hatten den Widerstand der Friedensbewegung weltweit angefacht, und dieser Widerstand war mit ein Grund für den Rückzug und die Niederlage der Amerikaner. Die Militärs haben ihre Lektion gelernt. Der nur scheinbar "klinisch saubere Hightechkrieg am Golf", den ausgewählte Journalisten der Öffentlichkeit zelebrierten, war nicht zuletzt das Ergebnis der verlorenen Medienschlacht in Vietnam.
Und auch die Niederlage der Atomindustrie im Wyhler Wald, das Erstarken des Bürgerprotestes, der Bürgerinitiativen, der Umweltverbände und des BUND wurden in den Chefetagen der Atomindustrie und der Wirtschaft sehr genau analysiert. Meinungsforschungsinstitute untersuchten den Widerstand und entwickelten neue, geschicktere Durchsetzungsstrategien. Akzeptanzforschung mit dem Ziel, Akzeptanz für gefährliche und umstrittene Anlagen und Technologien durchzusetzen, war angesagt.

Greenwash und Propaganda
Während ein Teil der Umweltbewegung heute noch in den Kategorien der "schönen alten Konflikte" von Wyhl und Wackersdorf denkt, sind wir in Wirklichkeit schon lange mit neuen Durchsetzungsstrategien konfrontiert: Mit "Greenwash", industriegesteuerten Scheinbürgerinitiativen, einer verharmlosenden Neusprache (Entsorgungspark...) und Alibibiotopen.
Die geschickte, stille Durchsetzung der atomaren Endlagerpläne in der Schweiz und die Versuche, bei der Durchsetzung der Gentechnik das Fiasko der Atomwirtschaft zu vermeiden, stehen exemplarisch für die Konflikte von heute. Konflikte, bei denen die alten Mechanismen der Umweltbewegung zumindest teilweise ins Leere laufen.

Wyhler Anfänge
Doch zurück zu den Anfängen, zurück zu Wyhl. In der heißen Phase dieses Konflikts analysierte das Battelle-Institut im Auftrag des Bundesministeriums für Forschung und Technologie den Widerstand. Die erste Studie hatte den Titel "Bürgerinitiativen im Bereich von Kernkraftwerken". Die Badenwerk AG beauftragte dann 1975 die Hamburger Werbeagentur Drews Verfahrensstrategien zu entwickeln, die eine zügige Überwindung des Widerstandes der Bevölkerung garantieren sollten. Das Manager Magazin und der Spiegel berichteten über die Vorschläge der Werbeagentur, die u.a. die folgenden Taktiken vorgeschlagen hatte:

  • "Negativtaktik: Dramatisierung aller Probleme, die durch den Nichtbau von Kernkraftwerken entstehen. Die Ängste der Gegenwart durch die Ängste der Zukunft überdecken.
  • Verschleierungstaktik: Herunterspielen der Probleme, die im Zusammenhang mit Kernkraftwerken in der Bevölkerung auftauchen. Die Ängste durch Verfremdung der Probleme verdrängen.
  • Verschönerungstaktik: Einseitige, positive Informationen über alle Fragen (fast alle) der Kernenergie. Die Ängste einfach negieren und ein positives Bild aufbauen."


Dieses Strategiepapier kommt einem angesichts mancher Argumente der Atomwirtschaft im Zusammenhang mit der aktuellen Atomausstiegsdebatte seltsam bekannt vor. Die alten Strategien werden heute noch verwendet, auch wenn es gilt die „Vorzüge“ des geplanten, neuen Europäischen Druckwasserreaktors zu preisen.

Weltweite Manipulationsmacht
Die Zeiten, in denen kleine Werbebüros solche PR Aufträge von der Industrie bekamen, sind vorbei. Die Akzeptanzerzwingungsstrategien der Gentech-Multis erarbeitet heute u.a. ein weltweit agierender Meinungsmacher-Multi: Burson-Marsteller heißt der Global Player in Sachen Public Relations. Aus einem internen Papier für den europäischen Gentechverband EuropaBio geht hervor, wie die Bevölkerung an die Gentechnik gewöhnt werden soll. Der Industrie wird empfohlen, Diskussionen über sogenannte "killing fields" (Schlachtfelder), den realen Umwelt- und Gesundheitsrisiken der Gentechnologie, zu vermeiden. Nicht die Gefahren, sondern nur die Chancen sollen diskutiert werden. Die Medien, vor allem die Privatsender, sollen regelrecht zu neuen Marketinginstrumenten umgeformt werden. Nach Ansicht der Fachjournalistin Ursel Fuchs bereiten die großen Genmultis mit einem Aufwand von mehreren Milliarden Dollar eine gigantische Gehirnwäsche mit Hilfe der Medien vor.

Greenpeace hat Auszüge aus dem weltweiten Wirken von Burson-Marsteller zusammengetragen:
Nach der Chemiekatastrophe in Bhopal im Jahr 1984, bei der ca. 2000 Menschen starben und 200 000 verletzt wurden, setzten sich B-M Mitarbeiter und die Verursacherfirmen Union Carbide zum Krisenmanagement zusammen und erarbeiteten Konzepte für die PR Strategie. B-M berät u.a. weltweit Diktaturen und führt Imagekampagnen durch, damit Staatsterror, Massaker und Gräueltaten nicht zu wirtschaftlichen Nachteilen und Sanktionen für die betreffenden Staaten führen. Dies geschah in der Vergangenheit u.a. in Osttimor (Indonensien) und Argentinien. 1990 wurde B-M für die amerikanische Firma Dow Corning aktiv, deren Silikon-Brustimplantate teilweise geplatzt waren und im Verdacht standen Brustkrebs auszulösen. Auch für britisches Rindfleisch in Zeiten von BSE entwirft die Firma Werbekampagnen.

Die Global News berichten,
dass B-M die nigerianische Regierung während des Biafra-Krieges beriet, um Berichten über Völkermord in den Medien entgegenzuwirken. Nach der Reaktorkatastrophe von Three Mile Island durfte die Agentur das angekratzte Image der Betreiberseite aufpolieren, und der Ölriese Exxon griff nach dem Tankerunglück vor Alaska auf die Dienste von Burson-Marsteller zurück.
Mit Burson-Marsteller ist also wirklich eine Firma mit "internationalen Erfahrungen" für die Gentechmultis aktiv. Die wenigen internen Papiere, die an die Öffentlichkeit gelangen, sind vermutlich nur die Spitze des Eisbergs der Manipulation und käuflichen Desinformation. B-M versteht "Kommunikation als Instrument, durch Überzeugung Verhaltensweisen herbeizuführen, die zum wirtschaftlichen Erfolg der Kunden führen" (Zitat aus der Selbstdarstellung). Kunde von B-M könnte selbstverständlich auch der BUND sein, wenn er so viel Geld hätte wie die Genlobby oder manche Diktatoren, die ein besseres Image brauchen. Meinung, Öffentlichkeit und Image sind, wie so vieles heute, käuflich.

„Es gibt keine Klimaveränderung und C02 ist kein Problem für die Atmosphäre“
war eine der vielen Werbebotschaften von Burson Marsteller. Um das Jahr 1990 lancierte das Werbeunternehmen die Anti – Klimaschutzkampagne im Auftrag von verschiedenen US-Ölfirmen wie Exxon, Texaco, Chevron. Auch die US - Autohersteller Ford und General Motors waren an der von Burson Marsteller geschaffenen Global Climate Coalition beteiligt. Diese industriegelenkte Scheinbürgerinitiative agierte als unabhängige Organisation im Stil einer nichtstaatlichen Organisation und hatte nur ein Ziel: Es ging darum die Gefahren der Klimaerwärmung herunterzuspielen. Wie Susanne Boos in der WOZ berichtete schaffte es diese Kampagne, eine erste Umweltsteuer, die der US-Präsident Bill Clinton einführen wollte, zu beerdigen. „Man trichterte der Bevölkerung ein: 1. Die Klimaerwärmung ist wissenschaftlich nicht belegt, 2. Massnahmen für den Klimaschutz schaden der Wirtschaft und erhöhen die Arbeitslosigkeit, 3. Die USA soll erst dann etwas für den Klimaschutz tun, wenn auch die Entwicklungsländer Massnahmen ergreifen. Erst im Jahr 2000 war es nicht mehr möglich diese Lügenmärchen zu verbreiten. Die großen Autohersteller verließen die Global Climate Coalition – und die Tarnorganisation verschwand.

„Wegen der Klimaveränderung brauchen wir unbedingt mehr Atomkraftwerke“
ist erstaunlicherweise jetzt die gegensätzliche, neue Werbebotschaft von Burson Marsteller. „Wes Brot ich ess, dess Lied ich sing“ und dieses Lieder klingen doch recht unterschiedlich. Jetzt arbeitet Burson-Marsteller für die großen Atomkonzerne und singt laut, misstönend und für viel Geld das hohe Lied des Klimaschutzes und der „klimafreundlichen“ Atomenergie. So übernahm das Berner Büro von Burson-Marsteller die Geschäftsstelle des Schweizer Nuklearforums. Das Forum ist kein gewöhnlicher Verein, sondern die Lobbyorganisation der Schweizer Atomwirtschaft. Die geschickte Werbebotschaft der der AKW-Betreiber soll Akzeptanz für alte und neue AKW schaffen - ein spannendes Exempel für organisierte Desinformation.

Es ist faszinierend und gleichzeitig bedrohlich zu sehen wie erfolgreich die atomar – fossilen Energiekonzerne und ihre Lobby mit unglaublich viel Geld und mit sich widersprechenden PR Kampagnen sehr erfolgreich Desinformationskampagnen betreibt, denn die Bedrohung durch Klimaveränderung und durch Atomkraftwerke ist real und alte und neue AKW leisten keinen nachhaltigen Beitrag zum Klimaschutz.


Gerade die Energieversorgungsunternehmen,
denen die Umweltbewegung vor Jahren mit Demonstrationen und Aktionen die Rauchgasentschwefelungs- und Entstickungsanlagen aufprügeln mußten, versuchen heute, die Atomenergie als Rettungsmaßnahme gegen die Klimakatastrohe darzustellen und findet ihre willigen Helfer bei Public Relations Spezialisten wie Burson Marsteller.

Pro Atom, Pro-Gentechnik, Krieg und Privatisierung
gibt es immer mehr Leserbriefe, einseitige Meinungsumfragen und Wikipedia-Artikel, Jubel-Beiträge in Online-Foren und Blog-Beiträge. Wer hat sich nicht schon darüber geärgert und gewundert? Nicht immer stecken Einzelpersonen hinter solchen Meinungsäußerungen. So genannte verdeckte PR „no badge-Kampagnen“ gehören heute zum Manipulationsgeschäft der Konzerne und Umweltzerstörer. Ein „schönes“ Beispiel hat LobbyControl im Jahr 2009 aufgedeckt. Um die Bahnprivatisierung durchzusetzen hat die Bahn die „Denkfabrik“ berlinpolis e.V. mit verdeckten PR-Maßnahmen betraut und dafür 1,3 Mio. Euro bezahlt.

No badge-Aktivitäten bezeichnen Öffentlichkeitsmaßnahmen wie Meinungsumfragen, Leserbriefe, Beiträge in Online-Foren, vorproduzierte Medienbeiträge und Blog-Beiträge, bei denen Urheber oder Auftraggeber nicht erkennbar sind.



Als Journalisten getarnten Industrielobbyisten
Die als Journalisten getarnten Industrielobbyisten Maxeiner und Miersch sind gute Beispiele für die Kolonialisierung des Journalismus. Als "offizielle" Vertreter der Gen- und Atomindustrie würden die beiden gut getarnten Industrielobbyisten wesentlich weniger wahrgenommen. Beide hatten früher für die renommierte Zeitschrift Natur gearbeitet und verbreiten jetzt für die Industrie wirtschaftsfreundlichen neoliberalen "Ökooptimismus". Bei vielen aktuellen Artikeln und Beiträgen dieser "Journalisten" ist nicht deutlich, ob es sich um redaktionelle Beiträge oder oder um Freianzeigen der Atom- und Gentechindustrie handelt.

Klimaveränderung? Alles Lüge
Es gibt eine Vielzahl von Kohle-, Öl-, Auto- und Atomkonzernen, die ein massives Interesse daran haben den menschengemachten Klimawandel zu leugnen, zu verharmlosen und herunterzuspielen. Diese aggressive Lobby hat (nicht nur) in den USA jahrelang Kampagnen organisiert, kritische WissenschaftlerInnen bekämpft und verleumdet und Klimaschutzgesetze verhindert. Diese Lobby ist weltweit auch heute aktiv. Wenn die Erderwärmung, die Zahl der Klimaflüchtlinge und Klimaopfer zunehmen, dann sind diese Konzerne und ihre Lobbyisten dafür mitverantwortlich.
Die Kohle-, Öl- und Atomlobbyisten behindern mit ihren aggressiven Kampagnen und Totschlagargumenten leider auch eine qualifizierte Diskussion zu tatsächlich diskussionswürdigen Aspekten und offenen Fragen des Klimawandels.

EnBW und EDF schminken AKW Fessenheim grün!
Im ältesten und marodesten Atomkraftwerk Frankreichs in Fessenheim nehmen die technischen Probleme und die Gefahren für die Umwelt zu. Gleichzeitig könnte Fessenheim Standort für den neuen Siemens Euroreaktor werden. Kein Wunder, dass EDF und EnBW auf Greenwash und Propaganda setzen.

„Umweltzertifikat“ für KKW Fessenheim
Viele Umweltschützer waren erstaunt als das französische Atomkraftwerk Fessenheim in Paris die „Umweltzertifizierung“ nach ISO 14001 erhielt. Ein sogenannter Umweltpreis für den Schutz von Fauna, Flora und Orchideen um das Kernkraftwerk, für Mülltrennung und für einen Umweltschutz-Notfallwagen bei nichtnuklearen Betriebsunfällen.
Das alles ist zwar erfreulich, aber umweltfreundliches Papier benutzen, Wasser sparen, Orchideen schützen und Energiesparlampen verwenden, sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Ein solches „Umweltzertifikat“ für ein Atomkraftwerk ist vor allem Greenwash, der Versuch, durch die Überbetonung von umweltschützerischen Selbstverständlichkeiten von den Gefahren der Anlage abzulenken.
Mit den menschengefährdenden Problemen des Kernkraftwerks, d.h. mit den Fragen der atomaren Sicherheit, mit den Fragen der Sicherheit vor Flugzeugabstürzen, der Versprödung des Reaktordruckgefäßes, der ungeklärten Atommüllfrage und der ungeklärten Frage der Erdbebensicherheit beschäftigte sich die Zertifzierung nach ISO 14001 nicht.
Die "schützenswerten Orchideen" stehen auf dem bestbewachten Biotop der Regio. Wo irgendwann zwei neue Euroreaktoren von EDF und EnBW gebaut werden sollen, ist auf dem festungsartig eingezäunten Gelände für diese zwei weiteren AKWs ein wunderbares, gut bewachtes Biotop entstanden. Von der Hausmülltrennung und dem Orchideenschutz auf dem Werksgelände soll ein postiver Imagetransfer auf das ganze AKW ausgehen. So dient die ISO 14001 der Desinformation und Akzeptanzbeschaffung.

Hier einige exemplarische Beispiele für umweltgefährdende Firmen, die nach ISO 14001 zertifiziert wurden:
  • Cogema - la Hague (F) Atommüll Aufarbeitung
  • Fessenheim (F) AKW
  • Isar 1 und 2 (D) AKW
  • Beznau (CH) AKW
  • Stracel (F) umweltbelastende Papierfabrik
  • EnBW umweltgefährdenter Atomkonzern


Der Atomkonzern EnBW Energie Baden-Württemberg AG, der Millionen Menschen mit seinen altersschwachen Atomkraftwerken gefährdet, hat - als erster großer Atomkonzern in Deutschland - sein Umweltmanagementsystem nach dem internationalen Standard ISO 14001 zertifizieren lassen.

Es ist schier unglaublich, dass Isar 1 und Isar 2, die Atomkraftwerke der Energiekonzerns E.ON, schon 1999 als erste deutsche Kerkraftwerke sogar mit dem Umweltzertifikat EMAS ausgezeichnet worden ist.

Umweltzertifikate wie ISO 14001 und EMAS,
werden durch einen solchen gezielten Missbrauch diskreditiert und stellen sich selbst und die damit verbundene, auswuchernde Bürokratie in Frage.
Wenn in den AKWs Tschernobyl und Harrisburg und in den Chemieanlagen von Union Carbide in Bhopal und Ciba in Seveso der Müll sauber getrennt, Orchideen gepflegt und ein Umweltmangagement erstellt worden wäre, hätte einer Zertifizierung nach ISO 14001 oder EMAS sicher nichts im Wege gestanden.

Der atomare Umweltclub von EDF und EnBW
Mit der Gründung des so genannten Umweltvereins "Au fil du Rhin" (dt.: "Am Rhein entlang") in Fessenheim versuchen die beiden AKW Betreiber EDF und EnBW den Begriff der Nachhaltigkeit für sich zu besetzen und die Umweltbewegung zu spalten. Auch die Kampagne für den Euroreaktor EPR, der von Siemens und Framatome in Frankreich und bei einem Regierungswechsel auch in Deutschland gebaut werden soll, läuft genau wie „Au fil du Rhin“ unter dem Deckmäntelchen der Nachhaltigkeit. Die „Nachhaltige Kernenergie“ ist das Motto der neuen Atomkampagne. Mit Lockvogelangeboten und viel Geld sollen regionale Umweltorganisationen in diesen „neuen Umweltverband“ gelockt werden, doch BUND und Alsace Nature lehnen die Mitgliedschaft in einer solchen Tarnorganisation der Atomindustrie ab. Mit derartigen Desinformationskampagnen gefährden die Atomstromproduzenten auch die Demokratie.

Leuchtpol, ANU (Arbeitsgemeinschaft Natur und Umweltbildung) und Atomgeld


Die Umweltbewegung einfach kaufen
und sich so ein grünes Image schaffen. Während dieser Ansatz der Atom- und Kohlekonzerne bei den Umweltverbänden bisher gescheitert ist, ( sie „au fil du rhin“) hat zumindest die ANU (Arbeitsgemeinschaft Natur und Umweltbildung) der Verlockung des großen Geldes nicht stand gehalten. Mit einer Summe von 27 Mio. Euro sponsert der Atom- und Kohlekonzern E.ON das so genannte Leuchtpol „Umweltbildungsprojekt“ der ANU. Ein erfolgreiches Beispiel für Greenwash ist das Projekt Leuchtpol auf jeden Fall.
  • Wie empört wäre die Umweltbewegung, wenn die Atomparteien FDP, CDU und CSU sich offiziell ein "Projekt" mit 27 Mio. Euro von E.ON sponsern lassen würden?
  • Wie still ist die Umweltbewegung, wenn sich ein Umweltbildungsverband von E.ON mit 27 Mio. Euro sponsern lässt?

Die 27 Millionen Euro für Leuchtpol entsprechen in etwa dem Zusatzgewinn, den E.ON innerhalb von 27 Tagen für ein einziges gefahrzeitverlängertes 1.000-Megawatt-AKW erzielt. Das Leuchtpol-Projekt wendet sich insbesondere an Kindergartenkinder. Kindergartenkinder in der Nähe von Atomanlagen sind von der Strahlung der AKW besonders betroffen. Aus einer Studie, die das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) veröffentlichte, geht hervor, dass die Häufigkeit von Krebserkrankungen bei Kindern unter fünf Jahren mit der Nähe zum Reaktorstandort deutlich zunimmt. ANU; Leuchtpol-Info

Und wir?
Manche Probleme in der täglichen Arbeit der Umweltverbände haben ihre Wurzeln in den neuen Strategien und Werbemethoden der Industrie. Viele Aktive des BUND und der Umweltbewegung, auch in den kleinen Gruppen vor Ort, legen sich mit mächtigen Gegnern an. Bei AKWs, Müllverbrennungsanlagen, gentechnischen Freisetzungsversuchen und Straßenbauprojekten geht es nicht nur um die Umwelt, sondern stets auch um viel Geld. Gerade vor Ort ist manche Aktion die am Vorabend in kleiner Runde ausgedacht wurde, dennoch sehr erfolgreich, auch wenn die Aktiven vor Ort nicht über das Geld und den Apparat der Multis verfügen.
Dennoch müssen sich BUND, Umweltbewegung, Friedensbewegung und Menschenrechtsgruppen verstärkt und kritisch mit Greenwash, Akzeptanzforschung und den Strategien von Meinungsmultis wie Burson-Marsteller auseinandersetzen ohne sie zu imitieren. Wir müssen weiterhin die Probleme thematisieren, die uns wichtig sind, auch wenn uns die Werbestrategen gerne die Felder vorgeben würden, die wir diskutieren "dürfen". Es geht dabei nicht nur um Natur und Umwelt, sondern auch um Demokratie.

Axel Mayer

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Dieser Artikel wurde 6785 mal gelesen und am 21.11.2010 zuletzt geändert.