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Gerstheim Frankreich: Bauplatzbesetzung verhindert im Jahr 1977 ein französisches AKW


Gerstheim Frankreich: Bauplatzbesetzung verhindert AKW in Frankreich. Das Foto zeigt die "Freudentänze" nach der Ankündigung der EDF, das AKW doch nicht zu bauen und den Messmast zu entfernen.


Gerstheim — eine Bilderbuchplatzbesetzung


Text und Bilder von Gerhard Peringer ©

»Mir kejje mol d'Granze
üewer e Hüffe —
Un tanze drum erum.«

- Francois Brumbt

Dieses Zitat aus dem Dreyecklandlied von Francois Brumbt drückt aus, was ich empfinde, wenn ich an Gerstheim denke.
Die Platzbesetzung in Gerstheim kann mari, zumindest von der Erfüllung der Forderungen her gesehen, als die erfolgreichste in der bisherigen Anti-AKW-Geschichte — von Marckolsheim abgesehen; und Wyhl ist ja auch noch nicht ausgestanden ... — betrachten. Umso verwunderlicher ist es, daß, von den ganzen spektakulären Aktionen bislang, Gerstheim am wenigsten zum »Begriff« wurde. Wenn ich zum Beispiel in Hamburg, wo ich jetzt wohne, von unseren Aktionen im Dreyeckland berichte, schütteln selbst eingefleischte AKW-Gegner den Kopf: Marckolsheim, Wyhl, Kaiseraugst ja! Gerstheim? Nie gehört.«

Woran mag das liegen, daß Gerstheim im Bewußtsein der »Bewegung« kaum verankert ist? Sicher, die Platzbesetzung war nicht so spektakulär wie Wyhl oder Brokdorf. Es gab keine größeren Prügeleien, keine Räumung, keine große Presse, und doch war Gerstheim in vieler Hinsicht bemerkenswert.
Die Fakten sind schnell erzählt: Die Situation war vom Ausgangspunkt her ähnlich wie heute. Während alle Welt gespannt den WyhlProzeß in Herbolzheim verfolgte, ließ die EDF (Electricite de France — französische Elektrizitätsmonopolgesellschaft) im Dezember 76 einen siebzig Meter hohen Meßturm auf einem 180 Hektar großen Gelände, das als möglicher Standort für einen Nuklearpark mit Anreicherungsanlage vorgesehen war, errichten. Zum Bau des geplanten Zaunes um das Gelände kommt es nicht mehr. Die Bevölkerung der umliegenden Gemeinden organisiert sich blitzschnell, und 150 Umweltschützer besetzen am 26. Januar 1977 den Platz um den »Pylone« ; die Techniker der EDF ziehen nach einer längeren Diskussion frustriert ab. Vier Tage später demonstrieren schon 5 000 AKW-Gegner auf dem besetzten Bauplatz, auch viele rechtsrheinische Alemannen darunter.

Gleich zu Anfang tragen sich über fünfzig Gemeinden zur Platzwache ein, und diese massive Unterstützung hält bis zum Ende der Besetzung an. Der spätere »Schwur von Gerstheim« wird von Vertretern von mehr als sechzig Gemeinden und Vereinigungen unterstützt. Eine Umfrage in diesen umliegenden Gemeinden ergibt, daß 86 Prozent der Bevölkerung gegen ein Kernkraftwerk sind. Die EDF hat bald gemerkt, daß der »Platz des 26. Januar« eine Festung war, die, wenn versucht worden wäre sie einzunehmen, einen Sturm ausgelöst hätte, der so manchen Energieboß umblasen hätte können...

Gerschte 77
Im Frindschaftshüs vun Gerschte brennt e Fiirel in de Nacht
Mir sitze drum erum un einer spielt uf de Gitarr
In Gerschte werft e Fiirel sini Funke in de Wind
Höersch? ... er singt

De Räje wie e Trummel klopft sin Liedel uf'm Dach
Mir wärme-n-uns am Fiirel, vor de Tier steht einer Wach De
Räje wie e Harf Hirt sin Liedel in de Wind
Höersch? ... er singt

Im Jüli han mir gsunge un gedanzt am Sunnefescht Dass's
Bliemel nitt verwelikt un dass's Fiirel nitt verlescht Im Juli
han mir gsunge unsri Hoffnung in de Wind
Höersch? ... er singt

Vun hit ab awwer langt's, nein mir bliese nimmi stumm
Mir brenne hundert Fiirle un mir sitze drum erum
Dass hunderti vun Baim Widder blieje frej im Wind
Kumm! ... un sing

- Rene Egles

Das war dann auch der eigentliche Erfolg von Gerstheim: Der ungebrochene Widerstandswillen quer durch alle Schichten der Bewohner eines schönen Landstriches, der den Profitinteressen einer menschenverachtenden Energiepolitik geopfert werden soll. Als wär's die selbstverständlichste Sache der Welt, wurde die Platzbesetzung Bestandteil des täglichen Lebens der Anwohner und wird volle sieben Monate durchgezogen, ohne viel Aufhebens darum zu machen. Das ist vielleicht auch der Hauptgrund für die relative Unbekanntheit der Gerstheimer Platzbesetzung.
Überhaupt war dies in erster Linie eine Aktion der älteren Bewohner der Region. Im Verhältnis zur Anzahl der älteren Leute auf dem Platz waren die jungen Besetzer unterrepräsentiert. Die vielgeschmähten Polittouristen jener Zeit fehlten hier gänzlich, und ein Besetzer bemerkte einmal treffend: »Das Publikum ist hier viel besser durchwachsen.« Der Generationskonflikt blieb aus; ich (lange Haare, Bart und so weiter) habe davon jedenfalls nichts gespürt — im Gegenteil!

Zur weiteren Entwicklung wäre noch zu sagen, daß natürlich ein Freundschaftshaus gebaut wurde, das bei den obligatorischen Sonntagsveranstaltungen immer gefüllt war. Informationsveranstaltungen wechselten sich mit kulturellen ab : Ausstellungen mit Theaterinszenierungen (es spielte unter anderem das Münchner Theaterkollektiv »Rote Rübe« sein Antirepressionsstück »Paranoia«), Vorträge mit Musikveranstaltungen — neben Gruppen wie »Follig de la rue des dentelles«; die fast schon zu Dauerbesetzern wurden, spielten viele Liedermacher (Francois Brumbt, Francis Keck, Roger Siffer, Roland Engel, Buki und einige andere) meist mehrmals auf dem Platz.

Zahlreiche Petitionen und Aufforderungen an die EDF und die Präfektur zur Stellungnahme und zum Abbau. des Meßturms wurden begleitet von Demonstrationen und Aktionen, beispielsweise beim Besuch des damaligen französischen Premierministers Barre in Straßburg, und führten letztendlich auch zum Erfolg. Nachdem der Sprecher der EDF noch am 15. Februar trotzig erklärt hatte: »Der Meßturm wird nicht abgebaut. Nicht in einem halben Jahr, nicht in zwei Jahren!«, ließ die Präfektur im August 1977 bekanntgeben, daß die »Wetterbeobachtungsanlage« von Gerstheim entfernt werde.


Schwur von Gerstheim


Am 24. August 1977 konnte die Generalversammlung des Organisationskomitees der Gerstheimer Platzbesetzung (CODSEG) einen Sieg verkünden, der durch den sogenannten »Schwur von Gerstheim« besiegelt wurde, in dem, neben der Einschätzung der gesamten Aktion und nochmaliger Darstellung der Forderungen, die Wachsamkeit gegenüber der EDF zum obersten Gebot erklärt wurde; wo man das alles doch viel kürzer und schöner hätte sagen können: »Mir sin eifach wieder do ... !«


Gerstheim Frankreich: Bauplatzbesetzung verhindert AKW



Mein Dank geht an meinen Freund & "Gerstheimer Alt-Platzbesetzer" Gerhard Peringer© von dem Text & Bilder stammen....
Axel Mayer

(Einen aktuellen Rückblick auf den Wyhl-Konflikt und eine umfangreiche Wyhl-Chronik finden Sie hier)













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Axel Mayer

Getragen von der Hoffnung auf das vor uns liegende Zeitalter der Aufklärung (das nicht kommen wird die Morgenröte nach durchschlafner Nacht)


Artenausrottung in Deutschland 2019: Neue Studien


Während bundesweit Landwirte mit Grünen Kreuzen & Demos für Agrargifte & Glyphosat demonstrierten, gab es 2019 neue, erschreckende Studien zum Artensterben in Deutschland:

  • Vogelsterben


    "Die Fachgruppe „Vögel der Agrarlandschaft“ der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft hat ermittelt, dass die Zahl der abnehmenden und stark abnehmenden Arten von 55 Prozent auf 68 Prozent gestiegen ist. Die Bestandsrückgänge von Rebhuhn (89 Prozent seit 1992), Kiebitz (88 Prozent seit 1992), Feldlerche (45 Prozent seit 1992) und vieler weiterer Arten halten nicht nur an, sie haben sich sogar noch beschleunigt. Als wesentliche Ursache für die Bestandsrückgänge sehen die Fachleute die fortschreitende Intensivierung der Landwirtschaft, insbesondere durch Pestizideinsatz, starke Düngung, den Verlust von Landschaftselementen wie Ackerbrachen und die Einengung der Fruchtfolgen.
    Quelle: Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) e.V.

  • Insektensterben / Insektenausrottung


    Der Rückgang der Insekten und Spinnen in Deutschland reicht weiter, als bislang angenommen. Seit 2009 ist etwa ein Drittel aller Arten aus Wiesen und Wäldern verschwunden. Die Auswertung ergab insgesamt: Sowohl die Zahl der Insektenarten nahm massiv ab wie auch die Biomasse – allein auf den Wiesen um mehr als zwei Drittel. Der Insektenschwund war überall dort besonders stark, wo die Wiesen von Ackerland umgeben waren. Damit weist das Forscherteam um den Ökologen Sebastian Seibold darauf hin, dass die Hauptursache in der Landwirtschaft zu finden ist.
    Quelle: Studie der TU München

  • Lügen und Realitätsverdrängung


    Der Bauernbund bezeichnet das Insektensterben als „Agrarlüge“
    Landwirte sollen ein Mitschuld am Insektensterben haben? Davon will der Bauernbund nichts wissen. Geschäftsführer Reinhard Jung spricht von der „größten Agrarlüge seit BSE“... Landwirte tragen aus Sicht des Brandenburger Bauernbunds gar keine Mitschuld am Insektensterben. „Die Behauptung des Nabu, in den letzten 25 Jahren sei die Masse der Insekten um mehr als 70 Prozent zurückgegangen, können wir nicht nachvollziehen“, sagte Bauernbund-Vorstand Thomas Kiesel. „Fest steht allerdings, dass sich auf landwirtschaftlicher Seite die Lebensbedingungen für Insekten in den letzten 25 Jahren nicht verschlechtert haben.“
    Quelle: Märkische Allgemeine vom 25.3.2019


Mehr Infos: Insektensterben, Ursachen & Studien











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Dieser Artikel wurde 3621 mal gelesen und am 17.3.2019 zuletzt geändert.