Volkshochschule Wyhler Wald: Lernen im AKW - Widerstand


Veröffentlicht am 01.11.2019 in der Kategorie Umweltgeschichte von Axel Mayer

Volkshochschule Wyhler Wald: Lernen im AKW - Widerstand



Volkshochschule Wyhler Wald: Eine von vielen Veranstaltungen auf dem besetzten Platz in Wyhl. Im Bild u.a. Frank Baum, Heinz Siefritz, Brunhilde Hils, Ursula Göpper, Annemarie Sacherer, Walter Tittmann...
(Eine Aufführung des Freiburger Wallgraben-Theaters im Freundschaftshaus. "Die Gewehre der Frau Carrar" von Brecht am 17. August 1975. Die Veranstaltung stand nicht im gedruckten Programm und wurde ziemlich kurzfristig mit Hilfe von Walter Mossmann organisiert.)


Volkshochschule Wyhler Wald - Lernen im Widerstand


Am Sonntag, den 23. Februar 1975 besetzten 28.000 Menschen den Wyhler Wald, das Gelände auf dem die Badenwerk AG zwei Atomkraftwerke bauen wollte. Das Gelände war jetzt dauerhaft besetzt. Nun galt es Menschen zu informieren und noch mehr Menschen dazu zu bewegen immer wieder auf den besetzten Bauplatz zu kommen. Einige Aktive gründeten aus diesem Grund die Volkshochschule Wyhler Wald, eine alternative Bildungseinrichtung. Ich selber erinnere mich an Vorträge, Konzerte, Lesungen, Diskussionsrunden und viele, viele spannende Veranstaltungen...
Mein Dank geht stellvertretend für viele Aktive an Frank Baum, Irmgard Schneider und den leider früh verstorbenen Uli Beller vom Team der VHS Wyhler Wald.
Axel Mayer



Links zur VHS Wyhler Wald:
*Badische Zeitung, 24. Januar 1983: Dokumentiert: Dieter Hildebrandt mit der VHS Wyhler Wald in der Endinger Stadthalle



Vor "gefühlt 100 Jahren" habe ich im Sommersemester 1982 meine Diplomarbeit an der ev. Fachhochschule für Sozialwesen in Freiburg geschrieben.
Das Thema war: "Politisches Lernen und politische Sozialisation. Dargestellt am Beispiel der Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen"
Zwei Semester hatte ich dafür Zeit und eines davon wandernd im Himalaya verbracht... Mit dem zeitlichen Abstand gewinnt mensch auch ein wenig "Abstand zum Werk" und schmunzelt über manche jugendbewegte Textteile. Ich habe die Arbeit bei Herrn Konrad Maier geschrieben. Herr Maier (damals noch nicht Doktor) war ein kluger, konservativer Fachhochschuldozent mit dem ich während meines Studiums inhaltlich heftig gerungen und gestritten habe. Ich wollte meine Arbeit allerdings von einem klugen Fachmann bewertet wissen und nicht von Menschen meiner Meinung (wenn diese fachlich weniger wissen als der konservative Fachmann). Die beiden politisch so unterschiedlichen Mayer/Maier sind mit einander ausgekommen...

Mein Dank geht an Dr. Konrad Maier, Politikwissenschaftler,auch Germanist, Soziologie, Philosoph und Theologe der im Jahr 2010 verstarb.
Axel Mayer

Politisches Lernen und politische Sozialisation. Dargestellt am Beispiel der Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen
Hier die Kapitel zur Volkshochschule Wyhler Wald





Axel Mayer
Diplomarbeit an der ev. Fachhochschule für Sozialwesen in Freiburg 1982. Thema: "Politisches Lernen und politische Sozialisation. Dargestellt am Beispiel der Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen"
(Die Arbeit war natürlich mit der Schreibmaschine geschrieben. Ich bitte Übertragungsfehler zu entschuldigen)




Volkshochschule Wyhler Wald: Lernen im Widerstand


Volkshochschule Wyhler Wald: Lernen im Widerstand


Volkshochschule Wyhler Wald: Lernen im Widerstand


Volkshochschule Wyhler Wald: Lernen im Widerstand




Auszug aus dem Text "Die Lernbewegung einer sozialen Bewegung ab 1957 von den 'Göttinger 18' in den 'Wyhler Wald'"
1975 entstand auf dem von den badisch-elsässischen Bürgerinitiativen besetzten Bauplatz für das Atomkraftwerk Wyhl die VHS Wyhler Wald. Veranstaltungsort war, solange die Besetzung anhielt, das auf dem Platz stehende Freundschaftshaus, danach noch über elf Jahre lang waren es Gasthöfe in unterschiedlichen Orten der Region rund um den Kaiserstuhl. In der Hochzeit fanden bis zu vier Veranstaltungen pro Woche statt, später wöchentlich eine.
Das inhaltliche Angebot umfasste vier Bereiche:



Lernprojekte in sozialen Bewegungen
Die Volkshochschule Wyhler Wald war Sinnbild für die unauflösbare Verknüpfung zwischen ökologisch-politischem Lernen und einem zivilgesellschaftlichen Widerstand sozialer Bewegungen gegen Umweltzerstörung und Friedensbedrohung. Sie war auch ein Vorbild für eine Reihe von Projekten, die Ende der 1970er bis Mitte der 1980er Jahre gegründet wurden und dort, wo sie den Schritt von der Initiative zur selbstorganisierten Einrichtung erfolgreich gegangen sind, heute noch erfolgreich arbeiten.

Auszug aus dem Text "Die Lernbewegung einer sozialen Bewegung ab 1957 von den 'Göttinger 18' in den 'Wyhler Wald'" von Wolfgang Beer





DIETER HILDEBRANDT AM KAISERSTUHL
So steht es fettgedruckt auf der Eintrittskarte vom 22. Januar 1983 für eine Veranstaltung der Volkshochschule Wyhlerwald. Ort: die Stadthalle Endingen. Kaum hingen die Plakate, waren auch schon die 2.000 Tickets ausverkauft. So voll war die Stadthalle seit ihrer Eröffnung noch nie gewesen. «Dieter Hildebrandt am Kaiserstuhl» – das war damals eben eine Sensation. Und diese Sensation war dem VGH Mannheim geschuldet, der kürzlich alle Klagen gegen den Bau des AKW Wyhl abgeschmettert hatte. Seither hing ein Damokles-Schwert über den Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen. Niemand wusste, wann und mit welcher Streitmacht die Stuttgarter Regierung nun den Bau würde durchsetzen wollen. Aber bevor Filbingers Nachfolger Lothar Späth einmarschieren konnte, kam eben dieser Dieter Hildebrandt, er hatte es uns versprochen.

Im Februar 1980 – der Mannheimer Prozess war schon in vollem Gange – hatten wir zu viert, zusammen mit Wolf Biermann und Hanns Dieter Hüsch, auf dem Stuttgarter Killesberg ein Benefizkonzert für die Familie Dutschke absolviert, und ich hatte zwischen den Liedern (u.a. «Krönungszug Lothars des Erstbesten») darüber gesprochen, dass wir nach dem Mannheimer Prozess ganz neue Widerstandformen finden müssten. Das hat Dieter Hildebrandt interessiert. Keine Selbstverständlichkeit für einen Sozialdemokraten, denn seine SPD brauchte noch fünf weitere Jahre, um sich von der Atompolitik zu verabschieden. «Wie kann ich euch helfen?» – «Komm halt bei uns vorbei, ich ruf Dich an, wenn es so weit ist!».

Zwei Jahre später war es dann soweit, ich habe angerufen, er hat sofort zugesagt, ganz selbstverständlich, und ohne Gage, wie die anderen Beteiligten auch. Die Volkshochschule Wyhlerwald organisierte ein Programm, das disparater nicht sein konnte, mit Annemarie Sacherer, Ernst Schillinger, Buki und d'Jokili-Brünnler vom Kaiserstuhl und den jungen Kabarettisten des Ensembles Schmeißfliege aus Freiburg und eben dem berühmten Gast und Zuschauermagneten Dieter Hildebrandt. Die Endinger Blasmusik gab das Startsignal mit «Ein Prosit der Gemütlichkeit!». Wolfgang Prosinger zwei Tage später in der Badischen Zeitung: «Gemütlichkeit und Dieter Hildebrandt? Das schließt sich aus. Drei Stunden später ist der Berichterstatter eines Besseren belehrt. Die vielen Köche haben den Brei nicht verdorben. Warum? Weil niemand versuchte, das Unvereinbare zu vereinen. Da stand Stück für Stück nebeneinander, kantig, auch klotzig, aber immer unverwechselbar, authentisch, kompromisslos...» Und ganz nebenbei haben wir auch an diesem Abend in einem satirischen Sketch mit einer neuen Widerstandform gedroht – Grenzverstopfung auf allen Brücken zwischen Straßburg und Basel. Auch diese Idee hat Dieter Hildebrandt außerordentlich gefallen und er hat sie lustvoll mitpropagiert.

Seit gestern konnten wir zahlreiche Nachrufe lesen, voller Bewunderung, Respekt, Begeisterung, Zuneigung, und alle haben sie Recht, die Nachrufer, keine Frage. Zusätzlich möchte ich nur auch daran erinnern, wie uns dieser großartige Kabarettist geholfen hat in einer Situation, als es noch kein Politikziel «Energiewende» gab und als wir noch keineswegs wissen konnten, wie die Wyhlgeschichte einmal ausgehen würde – grand merci! Und die Biermösel mögen ihm ein schönes Ständchen blasen, mit denen zusammen und mit ihrer schrägen Volksmusik hat Dieter Hildebrandt nämlich just ebenfalls in den frühen 80ern (zum Schrecken der CSU) begonnen, in manchen bayrischen Dörfern sein Unwesen zu treiben.
(vgl. auch Badische Zeitung vom 24.1.1983 «Notizen in der Provinz» von Wolfgang Prosinger, mit einem Bühnenfoto)

© Walter Mossmann 2013.




Volkshochschule Wyhler Wald: Lernen & Widerstand












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  • Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein

Getragen von der Hoffnung auf das vor uns liegende Zeitalter der Aufklärung (das nicht kommen wird wie die Morgenröte nach durchschlafner Nacht)




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