AKW / KKW Lucens: Der kleine, ganz große Atomunfall der Schweiz


Veröffentlicht am 10.01.2020 in der Kategorie Atomkraft von Axel Mayer

AKW / KKW Lucens: Der kleine, ganz große Atomunfall der Schweiz


Am 21.01.2019 jährte sich einer der bestverdrängten Atomunfälle der Welt zum fünfzigsten mal



Wer an schwere Atomunfälle, an Kernschmelzen und an den größten anzunehmenden Unfall (GAU) denkt, der denkt an Fukushima, Tschernobyl und Harrisburg. Aus dem kollektiven Gedächtnis (fast) erfolgreich gelöscht wurde der schwere Atomunfall im Versuchsreaktor Lucens in der Schweiz am 21. Januar 1969.

Nichts auf der Homepage der kleinen Gemeinde Lucens (CH) lässt erahnen, daß dieser Ort in der Liste der schweren Unfälle in kerntechnischen Anlagen aufgeführt ist. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs träumten auch in der Schweiz einige konservative schweizer Atom-Lobbyisten einen doppelten Traum. Den Traum vom "ewigen Strom durch Atom" und von der "eigenen, schweizer Atombombe". Aus diesen beiden Gründen wurde in der kleinen schweizer Gemeinde Lucens ein neuer Reaktortyp realisiert, eine schweizerische Eigenentwicklung. In einer Felskaverne, 100m in den Berg getrieben, entstand ein kleiner Natururan-Reaktor, in dem auch Plutonium erzeugt werden sollte, um die Atombombe zu bauen. Die Inbetriebnahme verzögerte sich wegen technischer Probleme immer wieder, aber am am 10. Mai 1968 wurde der Betrieb des "Kleinst-AKW" im Berg aufgenommen. Am 21. Januar 1969 kam es durch eine Störung im Kühlsystem zum teilweisem Schmelzen eines Brennelementes, was das Bersten des Druckrohres und schwere Schäden im Reaktorkern zur Folge hatte.


Bei diesem schweren Schweizer Atomunfall (GAU)
wurde ein Brennelement überhitzt und zerstört. In der Folge kam es zu einem Brand und einer Explosion, bei der der Druckbehälter weggesprengt wurde. Dabei entwichen radioaktive Gase u.a. in die Kaverne, die daraufhin so stark verseucht war, daß sie für Jahre zugemauert werden musste. Neben Tschernobyl, Sellafield und Harrisburg war dieser Atomunfall in einem Schweizer AKW einer der großen Atomunfälle in der Geschichte der Atomindustrie. Er führte nur deshalb nicht zu einer großen Katastrophe, weil der Versuchsreaktor sehr klein und in eine Felskaverne eingebaut war. Das radioaktive Potential war noch nicht so groß, weil der kleine Versuchsreaktor bereits kurz nach der Inbetriebnahme und nach wenigen Probeläufen durchbrannte.

Seit 1969 versucht die Schweizer Atomlobby die Erinnerung an diesen Unfall in der "sicheren und sauberen" Schweiz zu löschen. Atomunfälle und Kernschmelzen, das gibt es im Bewusstsein der Menschen auch in Deutschland doch nur im "unsicheren Russland oder im fernen Japan". Die schweren Unfälle in Sellafield, Harrisburg und Lucens wurden und werden auch in Deutschland gerne verdrängt.

Mit der Zwischenlagerung der "atomaren Reste des Versuchs" in der grenznahen Würenlinger ZWILAG ist das Kapitel Lucens nun aber keinesfalls endgültig abgeschlossen. Der radioaktive Schrott des durchgebrannten Brennelements wird noch eine Million Jahre weiter strahlen. Ein vergleichbarer Unfall in einem anderen, großen AKW der Schweiz könnte diese auf Dauer unbewohnbar machen. Dass aus der beinahe- Katastrophe nichts gelernt wurde, zeigt die Tatsache, dass im schweizerischen Beznau das älteste und eines der gefährlichsten AKW der Welt betrieben wird. Und jedes weitere Land das mit Hilfe der "friedlichen" Nutzung der Atomkraft zu Atomwaffen kommt, ist eine Katastrophe für den Frieden und die Welt.

Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein





Atommüll und Atomschrott aus Lucens: Unsicherheit für eine Million Jahre
Im kleinen Schweizer Dorf Benken, direkt am Rheinfall und der Grenze gelegen, könnte das Schweizer Endlager für hochradioaktiven Atommüll entstehen, denn Benken ist bisher der „beste“ aller geologisch schlechten Standorte in der Schweiz. Ebenfalls im Gespräch und Auswahlverfahren sind neben Benken im Zürcher Weinland auch die Gebiete Nördlich Lägern und Bözberg in denen das zwischenzeitlich von der Nagra bevorzugte Wirtgestein – der Opalinuston vorkommt. Der gefährliche Atommüll muss eine Million Jahre sicher gelagert werden. Der hochradioaktive schweizer Müll soll in Opalinuston gelagert werden, denn Salz und Granit kommen in der Schweiz nicht als Endlagermedium in Frage. Das verschwiegene Problem ist die Tatsache, dass die schweizer Opalinustonschichten im internationalen Vergleich extrem dünn sind. Diesen, für Sicherheitsfragen so wichtigen, internationalen Vergleich scheut die Schweizer Atomlobby und die NAGRA wie der Teufel das Weihwasser. Geschickt haben die Durchsetzungsstrategen des Atomlagers diese zentrale Sicherheitsfrage bisher aus der (veröffentlichten) Diskussion herausgehalten. Meidet die "Killing Fields" der öffentlichen Debatte nennen die PR-Agenturen der Schweizer Atomlobby (Burson Marsteller) eine solche Strategie. Die Durchsetzungsstrategien für ein Endlager sind perfekt, die Geologie der Schweiz ist leider schlecht. hier


Wenn Sie diese Atom-Infos lesen, sich heftig über die Atomkonzerne und die Atomparteien ärgern, "die Faust im Sack ballen", nachts mit den Zähnen knirschen, aber ansonsten nichts tun, dann nützt das recht wenig.

Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein



Das AKW / KKW Lucens und der Schweizer Traum von der Atombombe


Aktueller Einschub:



Aktuelle Einschübe:


  • Massive sicherheitsrelevante technische Probleme in französischen Atomkraftwerken in einer Phase intensiver Pro-Atompropaganda in Frankreich und der Schweiz!
  • Laufzeitverlängerung für Schweizer AKW auf 60 Jahre?

  • 2017 stimmte das Schweizer Volk dafür, keine neuen AKW mehr zu bauen. Jetzt bringen die politisch-wirtschaftlichen Seilschaften des Schweizer "atomaren Dorfes" eine Gefahrzeitverlängerung für die vier Atomkraftwerke ins Gespräch. 60 Jahren sollen die Hochrisikoanlagen in Beznau, Gösgen und Leibstadt laufen. Treibender Grund für diese zutiefst verantwortungslosen Überlegungen ist wirtschaftsliberale Gier.

  • AKW-Leibstadt: Vom Umgang mit Sicherheit
  • "Ein Mitarbeiter im Kernkraftwerk Leibstadt hatte in ca. 200 Fällen Strahlenmessgeräte nicht kalibriert, statt dessen Fantasiezahlen eingetragen und wurde dafür nun verurteilt. Das Strafmaß: 3000 CHF Strafe plus 1000 CHF Prozesskosten. Wäre der Mitarbeiter in einer Schweizer 30er-Zone mit dem Auto einmalig 20-24 km/h zu schnell gefahren, wäre das Strafmaß 30 Tagessätze gewesen, zusätzlich 1 Monat Fahrverbot – also ungefähr die gleiche Geldsumme. Gleiche Strafe = gleiche Schwere des Vergehens? Begründet wird dieses erschreckendes mildes Urteil damit, dass das Vergehen untergeordnete Bedeutung habe, weil die Messgeräte äußerst robust wären – also genau so, wie wenn Autofahrer behaupten, sie wären äußerst gute Fahrer bzw. ihr ABS System wäre besonders gut. Außerdem zeigten die Geräte (zufällig?) zu viel statt zu wenig Strahlung an. Hat der Mitarbeiter (scheinbar ein Strahlenschutzfachmann) das wirklich gewusst? Oder ist es Zufall? Weiter wird begründet, die Vergehen hätten "keinen direkten Einfluss auf die nukleare Sicherheit" gehabt. Lässt sich das auch aufs Verkehrsrecht übertragen? Dann wäre Geschwindigkeitsüberschreitung, Rotlichtverstoß usw. erst strafbar, wenn es zu Unfall oder Gefährdung kommt. Wusste der Mitarbeiter, dass seine Fälschung nicht sicherheitsrelevant war? Hätte er auch in sicherheitsrelevanten Dingen gefälscht? Kann eine Kalibrierstelle für Strahlungsmessung überhaupt unwichtig sein? Zum Bescheißen braucht es immer zwei: Einen der bescheißt, und einen der sich bescheißen lässt. Der Mitarbeiter arbeitet nun woanders. Der «beschissene» und in dieser Sache nicht verurteilte Arbeitgeber darf so weitermachen wie bisher. Vertrauensbildende Maßnahmen in die umstrittene Kernenergie sehen für mich anders aus!" Quelle: Martin Künstle, Staufen




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Axel Mayer,Mitwelt am Oberrhein

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