Natur am Oberrhein
Bedrohte Vielfalt

Weidbuchen: Artenvielfalt & Biodiversität
Schwarzwald, Vogesen, Kaiserstuhl, Ried, Rheinauen...
Manche Gebiete am Oberrhein gehören zu den schönsten und wertvollsten Naturlandschaften Europas, mit einer faszinierenden, einzigartigen und reichhaltigen Flora und Fauna.
Die biologische Vielfalt, das Thema Biodiversität hat unsere Aufmerksamkeit auch bitter nötig: In Deutschland sind von etwa 16.000, auf ihre Gefährdung untersuchten Tierarten, über ein Drittel, und von rund 14.000 Pflanzen- und Pilzarten über ein Viertel bedroht. Mehr als zwei Drittel ihrer Lebensräume wie Moore, Auen, Wiesen und Buchenwälder sind durch Zersiedelung und intensive Forst- und Landwirtschaft gefährdet.
Die letzten Jahrzehnte waren keine gute Zeit für die Artenvielfalt am Oberrhein.
Die größten Zerstörungen gab und gibt es insbesondere in der Rheinebene. Die Naturflächen wurden kleiner, der Flächenverbrauch, die Zersiedelung und Verscheußlichung der Landschaft im Elsass und in Südbaden haben massiv zugenommen und gehen fast ungebremst weiter. Dazu kommen immer neue Straßen und auch die geplante neue Bahntrasse wird (wieder einmal) massive Naturverluste bringen, die auch durch Ausgleichsmaßnahmen nur unzureichend kompensiert werden können. Während an anderen Stellen der Republik die Bevölkerung bereits abnimmt, wächst der Flächenverbrauch in der Region zwischen Schwarzwald und Vogesen, die zusätzlich auch noch im europäischen Wachstumsgürtel, der sogenannten "blauen Banane", liegt. Wir wachsen auf Kosten der Gebiete im Osten der Republik. Gerade auch im Elsass sehen wir mit Sorgen die Pläne, die bestehenden umweltbelastenden Schwerindustriezonen auszubauen.
Auch in der Natur gilt: Die Vogelstimmen werden weniger - Die Handyklingeltöne nehmen zu
Die Tendenz zur industriellen Landwirtschaft in Südbaden
führt zu einer zunehmenden einheitlichen Maismonokultur. Wo früher artenreiche Wiesen und Streuobstwiesen waren, steht heute fast überall giftgeduschter Mais. Feldlerchen, einst häufige Bewohner der Wiesengebiete, sind in vielen Gebieten der Rheinebene bereits verschwunden. Der große Brachvogel und der Kiebitz stehen in der südbadischen Rheinebene unmittelbar vor dem Aussterben. Die monotone Maissteppe dringt immer stärker in die Seitentäler des Schwarzwaldes und des Kaiserstuhls vor. Die in der Landwirtschaft eingesetzten Spritzmittel wie Insektizide oder Fungizide sind der Hauptgrund für den massiven Rückgang der Artenvielfalt auf Ackerböden und deren Umgebung.
„Die wenigen erhalten gebliebenen, historischen Altstädte und die restlichen Naturschutzgebiete am Oberrhein verbindet eines: Sie sind zunehmend Inseln in einem Meer von Scheußlichkeit.“
Natürlich werden auch am Oberrhein neue Naturschutzgebiete ausgewiesen.
Doch während diese unter öffentlichem Beifall eingeweiht werden, verschwinden gleichzeitig wesentlich größere Flächen unter Beton und Asphalt. Gerade auch am Oberrhein gilt: "Der Naturschutz arbeitet am kleinen Detail, die Naturzerstörer arbeiten am großen Ganzen"

Elz, Dreisam, Kinzig & Glotter sind die gradgestreckten "Charakterflüsse"
unserer Heimat. Links und rechts der Damm und die Angst vor dem Hochwasser.
An wenigen Stellen gibt es positive Entwicklungen.
Viel zu zaghaft werden Naturschutzgebiete ausgewiesen und erste, winzige Teilstücke der kanalisierten Flüsse und Bäche unserer Heimat renaturiert. Das Integrierte Rheinprogramm könnte ein Mehr an Natur und an ökologischen Fortschritten bringen, doch gerade hier nimmt der Druck (nicht nur der Kiesindustrie und ihrer Paten in der Politik) auf die Naturschutzaspekte des IRP leider zu. Wir freuen uns über die Rückkehr der Lachse und über die Wildkatzen in den Rheinauen und am Kaiserstuhl.

Kaiserstuhl: Fragmente von Biodiversität
Noch gehören manche Gebiete in Südbaden und im Elsass
tatsächlich zu den schönsten und wertvollsten Naturlandschaften Europas, mit einer faszinierenden, einzigartigen und reichhaltigen Flora und Fauna. Dass Storch, Wiedehopf, Smaragdeidechse und Küchenschelle am Oberrhein noch vorkommen, ist oft der Verdienst ehrenamtlichen Engagements und einer engagierten, politisch aber geschwächten Naturschutzverwaltung. Jahr für Jahr kommen tausende Menschen an den Kaiserstuhl, um den farbenprächtigen Bienenfresser, die Gottesanbeterin und seltene Orchideen zu bewundern. Doch es scheint weltweit ein Nivellierungsprinzip zu geben, nach dem die wertvollen, einzigartigen Landschaften so lange vermarktet werden, bis aus Schönheit Mittelmaß (oder weniger) wird.
Wir wollen aufzeigen, dass Artenvielfalt und Schutz der Natur immer auch dem Menschen nutzt. Zersiedlung, Flächenverbrauch, Verlärmung, Monokulturen und Natur- und Umweltzerstörung bedeuten eben nicht nur Verlust von Artenvielfalt, sondern immer auch Verlust von Lebensqualität. Vielfalt statt Einfalt und Biodiversität statt Monokultur: Der Naturschutz (nicht nur in Baden und im Elsass) muss kämpferischer werden!
Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer, Kreisrat
Nachträge:
Rote Listen der in Deutschland bedrohten Arten:
Bedrohte Artenvielfalt: Anteile der Gefährdungskategorien der Schmetterlinge in Baden-Württemberg

Weitere Informationen finden Sie bei der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz.
Das Artensterben kann nicht losgelöst von unserer globalen Raubbauwirtschaft betrachtet werden
Die Menschen der Umweltbewegung am Oberrhein (Südbaden, Elsass, Nordschweiz) haben viel erreicht. Luft und Wasser sind tatsächlich sauberer geworden. Das bedeutet aber nicht mehr und nicht weniger, als dass die weltweiten Zerstörungsprozesse hier in unserer Region ein wenig langsamer ablaufen als anderswo. "In einem Jahr verbrauchen wir gerade weltweit so viele fossile Rohstoffe, wie die Erde innerhalb einer Million Jahre herausgebildet hat." Quelle: Zukunftsfähiges Deutschland 2008. Gleichzeitig erzeugen wir Atommüll der eine Million Jahre sicher gelagert werden muss. Immer noch gehören auch wir am Oberrhein zu den, zumeist unzufrieden gehaltenen, 20% der Menschheit, die 80% der Energie und Rohstoffe verschwendet und die damit für den Großteil der weltweiten Umweltverschmutzung verantwortlich sind. Und die restlichen 80% der Welt (insbesondere China und Indien) sind gerade dabei unser zerstörerisches Modell einer Raubbauwirtschaft nachzuahmen. Zur Umweltzerstörung kommt im Zeitalter der Globalisierung ein zunehmend ungehemmter Konsumismus, eine Gefährdung der Demokratie, Ungerechtigkeit und Sozialabbau und eine verstärkte Innenweltverschmutzung. Hundertfünfzig Jahre Industrialisierung haben dazu geführt, dass die in vielen Millionen Jahren geschaffenen Energievorräte und die Rohstoffreserven der Welt zu Neige gehen und gleichzeitig haben wir u.a. mit Atommüll Gifte produziert, die über eine Million Jahre sicher gelagert werden müssen. Das menschengemachte Artensterben
und der Klimawandel nehmen zu und eine Milliarde Menschen hungert. Die nachfolgenden Generationen werden unser Zeitalter eine Zeit des Raubbaus und der Barbarei nennen. Die Zukunftsaufgabe auch der regionalen Umweltbewegung wird es sein, aufzuzeigen, dass unbegrenztes Wachstum begrenzte Systeme zerstört. "Gut leben statt viel haben" ist die Zukunftsdevise. Es gilt, eine tatsächlich nachhaltige Entwicklung einzuleiten.
Axel Mayer
Biodiversität / Artenvielfalt in Baden, im Elsass und am Oberrhein: Biologische Vielfalt statt menschlicher Einfalt