Heckerlied & Badische Revolution / Wenn die Leute fragen / 1848


Veröffentlicht am 02.01.2021 in der Kategorie Kultur von Axel Mayer

Heckerlied & Badische Revolution / Wenn die Leute fragen (1848)

*1. Wenn die Leute fragen,
Lebt der Hecker noch,
Sollt ihr ihnen sagen,
Ja er lebet noch.
: Er hängt an keinem Baume,
Er hängt an keinem Strick,
Sondern an dem Traume
Der freien Republik

*2. Gebet nur ihr Großen,
Euren Purpur her
Das gibt rote Hosen
Für der Freiheit Heer
: Ja 33 Jahre
Währt die Sauerei,
Wir sind keine Knechte,
Wir sind alle frei

*3. An den Darm der Pfaffen
Hängt den Edelmann
Laßt ihn dran erschlaffen,
Hängt ihn drauf und dran
Ja 33 Jahre
Währt die Knechtschaft schon
Nieder mit den Hunden
Von der Reaktion!

*4. Schmiert die Guillotine
Mit Tyrannenfett
Reißt die Konkubine
Aus dem Pfaffenbett
Ja 33 Jahre
Währt die Knechtschaft schon
Nieder mit den Hunden
Von der Reaktion

*5. Fürstenblut muß fließen,
Muß fließen stiefeldick
Und daraus ersprießen
Die freie Republik
Ja 33 Jahre
Währt die Knechtschaft schon
Nieder mit den Hunden
Von der Reaktion!


Heckerlied: 1848 Badische Revolution und Heute?
Ein Plakat zur "Revolutionsfeier" -150 Jahre Badische Revolution-
Idee zur Collage und zum Plakat: Axel Mayer
Plakat und Zustimmung zur Collage: Friedrich Karl Waechter
Collage: Peter Hübner



Das Heckerlied ist eines von vielen Revolutionsliedern der Badischen Revolution von 1848/1849. Friedrich Hecker versuchte mit dem von Konstanz ausgehenden Heckerzug die Revolutionäre in Baden zu sammeln, um die Residenzstadt Karlsruhe einzunehmen und anschließend die großherzogliche Regierung absetzen zu können. Nachdem dieser Aufstand am 20. April 1848 von preußischen und hessischen Truppen niedergeschlagen worden war, musste Hecker mit den meisten Teilnehmern in die Schweiz fliehen. Er kehrte nicht mehr nach Baden zurück. Es gibt viele verschiedene Versionen des Liedes.


*hier finden Sie mehr Infos zur regionalen Geschichte und Umweltgeschichte am Oberrhein

Badische Fahne / Rote Fahne & eine Provinzposse
Karlsruher Schloss: Rote Hosen statt "Fahnatismus"



Ein Brief vom 5.7.2018 an
Herrn Direktor Prof. Dr. Eckart Köhne
Badisches Landesmuseum
Schlossbezirk 10
76131 Karlsruhe

Mit Interesse und Erstaunen verfolgen wir auch im südbadischen Landesteil die Karlsruher Fahnendebatte. Im Rahmen der aktuellen Revolutions-Ausstellung war eine rote Revolutionsfahne auf dem Schlossturm in Karlsruhe gehisst worden. Nach der Beschwerde eines Bürgers musste diese Fahne abgehängt werden, da das Museum ein Landesgebäude ist, und auf denen dürfen nur Landes-, Bundes- oder die Europafahnen wehen. Nun darf auch die Baden-Fahne nicht mehr gehisst werden, die jahrelang über dem Schloss flatterte, ohne dass sich jemand daran gestört hätte. Hintergrund ist eine scheinbar unüberwindbare Verwaltungsvorschrift.

Da sich diese Vorschrift nur auf das Thema „Fahnen“ bezieht, schlage ich das Hissen einer „roten Hose“ vor, denn eine Hosenvorschrift hat sich die Stuttgarter Bürokratie sicher noch nicht einfallen lassen.

Warum passt ein „rote Hose“ zu einer Revolutionsausstellung im Karlsruher Schloss?

In einem der wichtigsten Lieder zur Badischen Revolution von 1848, im Heckerlied, steht:

„Gebet nur ihr Großen,
Euren Purpur her
Das gibt rote Hosen
Für der Freiheit Heer“

Ein schöne flatternde rote Hose über dem Schloss in Karlsruhe... Das wäre doch eine „badische Lösung“ des Problems, ein schöner, kreativer, antibürokratischer Protest, der zur Revolutionsausstellung und zu Baden passen würde.

Und am Ende der Ausstellung im November erwarte ich von Herrn Kretschmann ein freundliches Machtwort in dieser Provinzposse. Auch für Baden-Württemberg gilt: „Einheit in Vielfalt“ und dazu kann auch die badische Fahne auf Amtsgebäuden im badischen Landesteil gehören. Und an einer württembergischen Fahne über einzelnen wichtigen Gebäuden in der fernen Landeshauptstadt würden ich mich auch nicht stören. Ich denke z. Bsp. an den auch aus Baden mitfinanzierten, uns allen so teuren, neuen Stuttgarter Hauptbahnhof.

Mit freundlichen Grüßen

Axel Mayer



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