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Weltraumtourismus, Kritik & Kosten 9/2018: Umwelt & Klima - Elitärer, umweltzerstörender Milliardärs - Weltraumtourismus


Weltraumtourismus, Kritik & Kosten 9/2018: Umwelt & Klima - Elitärer, umweltzerstörender Milliardärs - Weltraumtourismus.



Aktueller Einschub:


Der japanische Milliardär Yusaku Maezawa wird als erster Weltraumtourist des privaten Raumfahrtunternehmens SpaceX zum Mond fliegen. Der Flug mit dem Raumschiff Big Falcon Rocket werde ungefähr eine Woche dauern und solle im Jahr 2023 stattfinden, sagte SpaceX-Chef Elon Musk bei einer live übertragenen Rede am Montagabend (Ortszeit) im Hauptquartier der Firma in der Nähe von Los Angeles. Das 118 Meter lange Raumschiff werde um den Mond herumfliegen und sich ihm dabei auf etwa 200 Kilometer nähern...


Das US-Raumfahrtunternehmen SpaceX
hat für das Jahr 2018 eine Mondumrundung mit zahlenden Weltraumtouristen angekündigt. Die Mission biete Menschen die Gelegenheit, "erstmals seit 45 Jahren tief in den Weltraum zurückzukehren" sowie "schneller und weiter in das Sonnensystem zu reisen, als jemals zuvor", erklärte SpaceX-Chef Elon Musk im Februar 2017.
Die Berichterstattung über diese Pläne ist eine Mischung aus Technikbesoffenheit, Heldenverehrung und rückwärtsgewandtem Fortschrittsglauben. Es ist erstaunlich wie unkritisch die Mehrzahl der Medien den privaten Weltraumflug bejubelt und gleichzeitig den Klimawandel beklagt.

Experten schätzen den Ticketpreis
für den SpaceX-Flug auf 80 Millionen bis 100 Millionen Dollar. "Nur-Millionäre" können sich dies nicht leisten. Die Kosten entsprechen dem Preis, den die Nasa an die Russen zahlen muss, wenn ein US-Astronaut zur „ISS“ mitfliegt.

In Zeiten des Klimawandels, Artensterbens und der absehbaren Endlichkeit der Rohstoffe
ist elitärer, umweltzerstörender Milliardärs - Weltraumtourismus pervers, passt allerdings gut ins zerstörerische Zeitalter des Anthropozän! Weltraumtourismus zerstört die Umwelt und das Klima. Weltraumtourismus ist das zukünftige (endlich mal ungestörte) Hobby für das reichste Prozent der Weltbevölkerung (70 Millionen Menschen), das über so viel Vermögen verfügt wie der ganze Rest (sieben Milliarden Menschen) zusammen. In einer Zeit in der 815 Millionen Menschen auf der Welt nicht genug zu essen haben, stellt sich nicht nur beim Thema Weltraumtourismus die Frage, ob an den richtigen Themen geforscht wird. Doch in einer Zeit globaler Umweltzerstörung und wachsender weltweiter Gefährdungen haben Themen wie "Tourismus im All" auch etwas geschickt Ablenkendes. Je schneller die wirtschaftliche, finanzielle, ökologische und soziale Krise wächst, desto schneller dreht auch die große, perfekte Illusionsmaschine...

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer



Nachtrag:


Die Umweltbewegung muss sich in Sachen Klimaschutz fragen,
ob der bisherige, stark individuelle, appellierende Ansatz: "Du musst Energiesparen, stell dein Auto an der Ampel ab, du sollst weniger fliegen, dreh die Heizung runter..." tatsächlich zielführend ist. Alle diese Appelle sind hübsch, nutzen aber wenig. Denn gleichzeitig werden regional und weltweit neue Straßen, Großraumflugzeuge, Kohle- und Atomkraftwerke gebaut und China und Indien übernehmen mit rasender Geschwindigkeit unser wucherndes, zerstörerisches Verschwendungssystem. Dazu passt gut der gut organisierte Traum vom Weltraumtourismus. Im globalen Maßstab wachsen Ressourcenverschwendung und Umweltprobleme exponentiell. Wenn zum individuellen Ansatz nicht eine massive Veränderung der Politik und der Strukturen kommen, wenn Klimaschutz isoliert von den Problemen der Raubbauwirtschaft diskutiert wird, dann nützen die individuellen Ansätze wenig. Es muss darum gehen die Strukturen anzugehen, die Klimaschutz verhindern. (Weltraumtourismus, neue Straßen, viel zu billige Flugpreise...) Die Umweltbewegung muss wieder politischer werden und stärker global agieren, um echte Nachhaltigkeit zu erreichen. Weltraumtourismus und Klimawandel sind "nur" Symptome der globalen ökologischen Krise.




In einem Kommentar am 6. Juni 2018 setzt sich die Süddeutsche Zeitung kritisch mit der bemannten Raumfahrt auseinander

Hier ein kurzer Auszug:

"Astro-Alex" fasziniert viele, aber die Kosten bemannter Missionen sind irrwitzig hoch


(...) Bemannte Raumfahrt ist irrwitzig teuer. Mehr als einhundert Milliarden Euro hat die Internationale Raumstation bereits verschlungen, seit Ronald Reagan das Projekt in den 1980er-Jahren initiierte, damals noch mit militärischen Absichten.

Mit technologischem oder wissenschaftlichem (Erkenntnis-)Gewinn sind diese Ausgaben niemals zu rechtfertigen. Weniger als ein Zehntel der laufenden Kosten für die ISS fließen in die Forschungsexperimente an Bord. Und nüchtern betrachtet: Fast alles davon könnte genauso gut oder besser mit Satelliten, Automaten und Robotern erledigt werden.

So faszinierend es ist, Menschen ins All zu schicken, so wenig sinnvoll ist das unter rationalen Gesichtspunkten. Es klingt hämisch, stimmt aber, dass bemannte Raumfahrt vor allem dazu da ist, sich selbst zu erforschen. Also die Frage, wie Menschen im Weltraum überleben können. Der Zustand unseres Planeten, das Rätsel, wie einst Leben entstand, die Suche nach möglichen Rohstoffen im All und die Frage, ob es außerirdische Organismen gibt - all das hat nichts mit bemannter Raumfahrt zu tun. Astronauten fliegen ins All, weil es begeistert, weil es stolz macht, und weil mächtige Nationen anderen Nationen zeigen wollen, dass sie es können.







Kritische Internet Beiträge zum Thema Weltraumtourismus (Pro und Contra) sind eine Seltenheit und der Wikipedia-Beitrag zum Thema ist erschreckend einseitig.
Aus diesem Grund tragen wir hier einige wenige kritische Beiträge zusammen.



Weltraumtourismus und das Klima
Der Spiegel online Artikel "Ruß in der Atmosphäre-Weltraumtourismus wird Klima verändern" berichtet von den Auswirkungen des Weltraumtourismus auf das globale Klima. Geoforschern zufolge werde das Ruß der Raketentriebwerke das Klima weltweit beeinflussen:


"Eine Studie von drei amerikanischen Wissenschaftlern kommt nun zu dem Ergebnis, dass die Flüge mit "SpaceShipTwo" eine erstaunlich große Wirkung auf das Klima der Erde haben dürften. Michael Mills vom National Center for Atmospheric Research in Boulder (Colorado) und seine Kollegen sind dabei von 1000 Raketenstarts pro Jahr ausgegangen. Die größte Klimawirkung geht dabei nicht vom CO2 aus, sondern von dem Ruß, der von den Triebwerken unweigerlich mit ausgestoßen wird.

[...] Ruß besteht hauptsächlich aus Kohlenstoff und entsteht als unerwünschtes Nebenprodukt in Verbrennungsmotoren.

"Die Reaktion des Klimasystems auf die relativ kleine Ruß-Menge ist überraschend", sagt Mills. [...]

Die Rußpartikel in der Stratosphäre absorbieren Sonnenstrahlen, die ansonsten tiefere Schichten und die Erdoberfläche erreichen würden. Dies verändert wiederum die komplexen Zirkulationsvorgänge in der Luftschicht und somit auch das Klima."


Die Gefahren des Weltraumtourismus
In dem Beitrag "Virgin Galactic und die Toten im Namen des Weltraumtourismus" auf scienceblogs.de werden die Gefahren des Weltraumtourismus ziemlich deutlich erläutert. Bei dem nicht-staatlichen Unternehmen Virgin Galactic, das mit dem SpaceShipOne berühmt wurde, kam es schon zu zwei Unfällen mit Todesfällen. 2007 starben drei Menschen bei einem Test des Oxidatortank des Raketentriebwerks. 2014 zerbrach der Prototyp des neuen SpaceShipTwo in der Luft. Dabei kam der Copilot ums Leben, der Pilot überlebte nur knapp. Zu dem zweiten Unfall schreibt scienceblogs.de:


"Das bringt uns nun zum Absturz von SpaceShipTwo. Wie schon der Vorgänger sollte das Raketenflugzeug in große Höhe aufsteigen, dort die große Tragfläche umklappen und so bei der Rückkehr in die Atmosphäre wie ein Federball automatisch in eine stabile aerodynamische Lage kommen. Andere Raketenflugzeuge wie die X-15 benutzten stattdessen kleine Raketentriebwerke um außerhalb der Atmosphäre ihre Lage kontrollieren zu können.

Die Konstruktion ist fraglos eine gute Idee. Allerdings bringt sie auch mögliche Gefahren mit sich. Im ersten Teil des Fluges, wenn das Flugzeug vom Raketentriebwerk beschleunigt wird, sollte man den Klappmechanismus zum Beispiel nicht benutzen. Genau das ist aber geschehen. Die Aerodynamik führte dabei dazu, dass sich der Rumpf des Flugzeugs quer zur Flugrichtung nach oben aufrichtete, während die Flügel wie eine Fahne im Wind in Flugrichtung verharrten.

Der Rumpf zerbrach dabei durch die aerodynamischen Kräfte. Der Pilot hatte dabei großes Glück. Der Rumpf zerbrach um ihn herum und er wurde vergleichsweise leicht verletzt in seinem Sitz aus den Trümmern heraus geschleudert. (Es war kein Schleudersitz!) Er konnte sich aus den Gurten befreien und sich mit seinem Fallschirm retten. Der Kopilot hatte weniger Glück. "


Zusammenfassend, ist dieser Satz am Ende des Artikels sehr passend:

"Ohne gravierende Änderungen in der Firmenkultur, kann man angehenden Weltraumtouristen wohl nur noch von dieser Firma abraten."


Es gibt leider viel zu wenig kritische Artikel über Weltraumtourismus.
Dabei können von solch einem Ausflug nur Menschen profitieren, die einen Preis von $200.000 pro Person zahlen können.
Allen anderen Menschen (wie den Unfalltoten), der Umwelt und dem Klima scheint der Weltraumtourimus nur zu schaden.





Weltraumtourismus Umwelt & Kritik: Elitärer, umweltzerstörender Millionärs - Weltraumtourismus





Unfälle & Katastrophen der bemannten Raumfahrt



  • 27. Januar 1967: An Bord von Apollo 1 bricht ein Feuer aus, alle drei US-Astronauten kommen ums Leben.
  • 24. April 1967: Bei der Landung einer russischen Sojus-Kapsel öffnen sich die Fallschirme nicht richtig. Ein Kosmonaut kommt ums Leben.
  • 30. Juni 1971: An Bord einer Sojus-Kapsel öffnet sich ein Druckventil. Alle drei Kosmonauten kommen ums Leben.
  • 28. Januar 1986: Die Raumfähre "Challenger" explodiert 73 Sekunden nach dem Start. Alle sieben Astronauten werden getötet.
  • 1. Februar 2003: Die NASA verliert den Kontakt zur Raumfähre "Columbia", als diese in einer Höhe von rund 60.000 Metern fliegt. An Bord sterben sieben Astronauten.





Hambacher Forst: Wald retten! Kohle, Klimawandel & schwarz-gelb-rot-braunen Kohlefilz stoppen!



Demo am 06. Oktober 2018 (geänderter Termin!):

Umweltverbände & mitwelt.org rufen zu Protest gegen die Rodungspläne von RWE für den Hambacher Wald auf


Mit einem massiven Polizeiaufgebot und einer irrwitzigen Begründung haben die Behörden im Braunkohlerevier Hambacher Forst am 13.9. damit begonnen, die Baumhäuser der Umweltaktivisten zu räumen um die Rodung vorzubereiten. Über die Zulässigkeit dieser Rodung wird aber aktuell wegen einer Klage des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) vor dem Oberverwaltungsgericht verhandelt. Vor der gerichtlichen Entscheidung Fakten zu schaffen, ist eine weitere Provokation von RWE. Auf Druck des Gerichtes hat RWE erklärt, nicht vor dem 14. Oktober 2018 mit den Rodungen zu beginnen. Der BUND, Campact, Greenpeace und die Naturfreunde Deutschlands rufen deshalb zu einer gewaltfreien Demonstration am 06. Oktober am Hambacher Wald auf, um RWE und dem politischen Kohlefilz in NRW ein klares Stopp-Signal zu senden.


Wer nicht in den Wald bei Hambach kommen kann, sollte sich endlich um die bedrohte Energiewende zu Hause kümmern. Industriegelenkte und industrienahe Klimawandelleugner & Bürgerinitiativen und Stiftungen bekämpfen überall in Deutschland die umweltfreundlichen, zukunftsfähigen Energien. Jedes verhinderte Windrad verlängert die Gefahrzeit von Kohle- und Atomkraftwerken und vergrößert die Gewinne von RWE & Co.

Hier gibt´s Klimaschutzbanner für Demo & Balkon.




Wichtige Links: Klima, Klimawandel, Klimawandelleugner, Kohle & Atomkraft




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Dieser Artikel wurde 1144 mal gelesen und am 18.9.2018 zuletzt geändert.