2023 / Überschallflugzeuge: Kritik am lauten Überschallflug in Zeiten des Klimawandels


Veröffentlicht am 07.03.2023 von Axel Mayer

Überschallflugzeuge: Kritik am lauten Überschallflug in Zeiten des Klimawandels


Aktueller Einschub:


Deutlich mehr CO2
«Derzeit gibt es keine internationalen Umweltstandards für solche Flugzeuge, die zuletzt 2003 geflogen sind», schreibt das ICCT in einer Studie. Die Politik habe nun die Wahl, entweder spezifische Regeln für die neuen Überschallflieger zu schaffen oder die Vorgaben anzuwenden, die für normale Jets gelten. Allerdings zeige die neue Untersuchung, «dass diese Flugzeuge die bestehenden Standards für Unterschallflugzeuge wahrscheinlich nicht erfüllen werden». Das gelte für Emissionen ebenso wie für den Lärmpegel.
Da noch keines der Flugzeuge in seiner endgültigen Konfiguration existiert, nutzten die Forscher öffentlich zugängliche Daten, vor allem von Boom. Sie entwarfen mithilfe eines Modells der Universität Stanford verschiedene Varianten künftiger Überschalljets. Das Ergebnis: Die wahrscheinlichste Konfiguration überschritt die Grenzwerte für Stickoxid um 40 Prozent und die für Kohlendioxid um 70 Prozent. Auch Lärmgrenzen bei Start und Landung dürfte ein solches Flugzeug laut der Untersuchung nicht einhalten können.
Fünf bis sieben Mal mehr Treibstoff
Im Durchschnitt würde der modellierte Überschallflieger «auf repräsentativen Strecken fünf bis sieben Mal so viel Treibstoff pro Passagier verbrauchen wie normale Jets», schreiben die Forscher.
Quelle: https://www.aerotelegraph.com/sind-neue-ueberschallflugzeuge-klimakiller


Während die Welt zunehmend unter den Folgen des Klimawandels leidet, während Menschen vor Trockenheit und zunehmender Hitze fliehen und die Artenausrottung sich beschleunigt, will eine egoistische, kleine, superreiche Minderheit in Überschallflugzeugen mit unglaublichem Lärm und einem skandalösen Energieverbrauch über den Atlantik fliegen. Während über Kurzstreckenflüge debattiert wird, schaffen Konzerne Fakten. Doch noch sind die Flugzeuge nicht gebaut, keine Landrechte erteilt, und eine selbstbewusste Umweltbewegung in Europa wird sich diese neue Form der Umweltzerstörung nicht gefallen lassen. Ein Ansatz zur Verhinderung der umweltzerstörenden Pläne ist der kampf um die Verhinderung der Landrechte.

Beim US-Start-up Boom Supersonic in Denver sind Anfang Juni 2021 15 Bestellungen für das geplante Überschallpassagierflugzeug Overture eingegangen. Die Vereinbarung mit der US-Fluggesellschaft United Airlines enthält zudem eine Kaufoption für 35 weitere Maschinen. Wenn die Overture-Jets von Boom die Prüfungen bestehen, ist geplant, dass sie 2025 auf den Markt kommen, 2026 fliegen und voraussichtlich 2029 Passagiere befördern. Im Jahr 2029 dürften die Folgen des Klimawandels noch deutlich katastrophaler sein als heute. Boom behauptet, dass seine Überschalljets dann in der Lage sein werden, von New York nach London – normalerweise ein siebenstündiger Flug – in nur 3,5 Stunden zu fliegen, oder von Los Angeles nach Sydney – normalerweise eine 15-stündige Reise – in sechs Stunden und 45 Minuten.

Wie immer, wenn heute umweltzerstörende Projekte angegangen werden, wird natürlich heftig Greenwash betrieben. Die überlauten Spritfresser sollen mit "nachhaltigen Flugkraftstoffen" betrieben und Entwicklung und Betrieb der Overture soll CO₂-neutral gestaltet werden. Richtig laut werden die Flugzeuge in der ersten Durchsetzungsphase nur über dem Meer. Mit diesem scheingrünen Tarnanstrich soll eine Debatte um den tatsächlichen zukünftigen Energieverbrauch und die Umweltfolgen verhindert werden. Erschreckend ist die einseitig positive Berichterstattung zu diesem Thema. Die Mehrzahl der Medienberichte ist geprägt von einem unkritisch-technikbesoffenen, rückwärtsgewandten Fortschrittsglauben. Auch der Wikipedia Beitrag zum Überschallflugzeug „Overture“ ist leider noch sehr unkritisch.

Neue Überschallflugzeuge sind Klimaterror: Kritik, Umwelt, Klima & Milliardärsanbetung



Die hundert Dollar Lüge als Durchsetzungsstrategie
Eine Reise wie in der Concorde hat etwa 12'000 Dollar gekostet und war nicht kostendeckend. Im Gegensatz dazu will die Firma BOOM erreichen, «in vier Stunden für 100 Dollar an jeden Ort der Welt zu kommen». Dafür brauche das Unternehmen freilich noch Zeit – und etwa zwei bis drei Flugzeuggenerationen. So eine Aussage von Boom-CEO Blake Scholl im Gespräch mit dem US-Sender CNN, ist eine schlichte Propaganda-Lüge. In Zeiten explodierender Flugbenzin-Preise wird der Flug extrem teuer werden. Die Aussage zum zukünftigen Flugpreis sagt auch viel zu den "Ökoversprechen" von BOOM.

Pervers! "Bedarf" an 1300 Überschalljets


Interesse an neuen Überschallflugzeugen gibt es jedenfalls auf dem Markt, behauptet zumindest eine Studie des Beratungskonzerns «Boyd International Strategic Aviation Solution». Demnach gebe es quer durch alle Fluglinien einen geschätzten Bedarf an rund 1300 Flugzeugen im Wert von 260 Milliarden Dollar.
Quelle: aerotelegraph.com


Die Pro-Kopf-Emissionen der zum reichsten ein Prozent der Weltbevölkerung gehörenden Menschen werden laut einer Oxfam-Studie 2030 um ein 30-Faches über dem Wert liegen, der mit dem 1,5-Grad-Ziel verträglich sei. Damit schädigen die Superreichen das Klima mehr als die ärmsten 50 Prozent der Weltbevölkerung zusammen. Das reichste Prozent ist der Studie zufolge für 16 Prozent des CO₂-Ausstoßes weltweit verantwortlich.

Das reichste Prozent der Weltbevölkerung (70 Millionen Menschen)
das über so viel Vermögen verfügt wie der ganze Rest (sieben Milliarden Menschen) zusammen, möchte schnell und vor allem nicht von Normalbürgern gestört über den Atlantik fliegen. Am Flughafen werden sie dann von Flugtaxis abgeholt und in ihre gut bewachten Ghettos geflogen. Sieht so wirklich eine wünschenswerte Zukunft aus?
Die Pro-Kopf-Emissionen der zum reichsten ein Prozent der Weltbevölkerung gehörenden Menschen werden laut einer Oxfam-Studie 2030 um ein 30-Faches über dem Wert liegen, der mit dem 1,5-Grad-Ziel verträglich sei. Damit schädigen die Superreichen das Klima mehr als die ärmsten 50 Prozent der Weltbevölkerung zusammen. Das reichste Prozent ist der Studie zufolge für 16 Prozent des CO₂-Ausstoßes weltweit verantwortlich.



Ein Überschalljet benötigt im Vergleich zu einer konventionellen Maschine etwa das Fünf- bis Siebenfache an Kraftstoff pro Passagier.Die WissenschaftlerInnen des International Council on Clean Transportation (ICCT) zeigen in einer Studie die extrem negativen Umweltfolgen auf. "Nach ihren Berechnungen würden 2000 Überschallflugzeuge jährlich etwa 96 Millionen Tonnen Kohlendioxid emittieren. Das wäre ungefähr dreimal so viel CO2 wie alle Jets der Lufthansa Group - also der Fluglinien Lufthansa, Swiss, Austrian, Eurowings und Brussels Airlines - aktuell ausstoßen, wenn man die aktuellsten Daten des Jahres 2017 zugrunde legt." schreibt der Spiegel

Die beiden ersten Überschallflugzeuge Concorde und Tupolew Tu-144, werden heute gerne idealisiert und als "Traumflugzeuge" dargestellt. In Wahrheit waren sie teure, laute, spritfressende, umweltzerstörende Transportgeräte. Sie passten allerdings gut in das damalige, unkritische Zeitalter der Umweltzerstörung mit DDT, Contergan, Atomwaffentests, Nuklear-Euphorie, FCKW und heruntergespielten Asbest-Gefahren. Trotz enormer Ticketpreise ist die Concorde nie kostendeckend geflogen. Der schnelle Atlantik-Flug der Reichen wurde von den Steuerzahlenden finanziert.


Überschallflugzeug Overture und Kritik: Umwelt, Lärm, Spritverbrauch und Klimawandel



Die neu aufgelegten Überschall-Pläne und der extrem umweltzerstörende Weltraumtourismus zeigen, dass manche Konzerne unfähig sind, aus Fehlern zu lernen. Während es in Deutschland eine breite Debatte über den Sinn und ökologischen Unsinn von Kurzstreckenflügen gibt, werden jetzt in Zeiten des menschengemachten Klimawandels und der absehbaren Endlichkeit vieler Rohstoffe neue, schnelle, laute, spritfressende Überschallflugzeuge gebaut. Auch die Milliardärspläne für noch umweltzerstörenderen Weltraumtourismus passen gut zu den neuen fliegenden Spritfressern.

Sollten diese Flugzeuge gegen jede ökologische Vernunft gebaut werden, dann dürfen sie in Europa keine Landerechte bekommen. Ansonsten bekommt die Umwelt- und Klimaschutzbewegung eine neue, wichtige Aufgabe.

Axel Mayer, Mitwelt am Oberrhein. Der Autor war 30 Jahre BUND-Geschäftsführer in Freiburg







Überschallflugzeug „Overture“: Umwelt, Klimawandel & Kritik (Keine Landerechte für reiche Umweltzerstörer)


Mehr Infos:


Das Umweltbundesamt schrieb dazu in der Studie "Umweltschonender Luftverkehr" im Jahr 2019:
"Eine Besonderheit beim Überschallflugverkehr liegt darin, dass nicht nur während der Start-und Landephase Fluglärmimmissionen in relevanter Pegelhöhe verursacht werden, sondern auch beim Reiseflug. Dabei treten Überschallknalle auf, die auch bei großen Flughöhen am Boden noch hörbar sind. (...) Während Unterschallflugverkehr zumeist in der Troposphäre bzw. der Tropopause stattfindet, ist damit zu rechnen, dass Überschallflüge auch in der Stratosphäre erfolgen werden. Triebwerksemissionen in dieser Luftschicht, vor allem der Eintrag von Wasserdampf, sind besonders problematisch, weil sie das Klima deutlich mehr beeinflussen als in tieferen Luftschichten. Darüber hinaus ist zu erwarten, dass Überschallflugzeuge durch die stabilere Bauweise und höhere Fluggeschwindigkeit trotz der größeren Flughöhe einen höheren spezifischen Kerosinverbrauch und damit höhere CO2-Emissionen haben werden. Der bisherige CO2-Standard gilt nur für Unterschallflugzeuge Überschallflugzeuge sollten aus Sicht des UBA nur dann zugelassen werden, wenn diese die gleichen Anforderungen wie Unterschallflugzeuge erfüllen."

Die WissenschaftlerInnen des International Council on Clean Transportation (ICCT) zeigen in einer Studie die extrem negativen Umweltfolgen auf. "Nach ihren Berechnungen würden 2000 Überschallflugzeuge jährlich etwa 96 Millionen Tonnen Kohlendioxid emittieren. Das wäre ungefähr dreimal so viel CO2 wie alle Jets der Lufthansa Group - also die der Fluglinien Lufthansa, Swiss, Austrian, Eurowings und Brussels Airlines - aktuell ausstoßen, wenn man die aktuellsten Daten des Jahres 2017 zugrunde legt. Die Forscher verweisen zur Erklärung darauf, dass ein Überschalljet im Vergleich zu einer konventionellen Maschine etwa das Fünf- bis Siebenfache an Kraftstoff pro Passagier benötigt. Über eine 25-jährige Nutzungsdauer der Flugzeuge gerechnet, geht man beim ICCT von insgesamt 1,6 bis 2,4 Gigatonnen CO2-Emissionen durch die Hochgeschwindigkeitsmaschinen aus. Das ist zwar prozentual auf die Gesamtemissionen gesehen eine vergleichsweise kleine Zahl. Gleichzeitig muss die Menschheit ihren CO2-Ausstoß in den kommenden Jahrzehnten rasant senken bis auf effektiv Null - und dabei wäre es ziemlich ungeschickt, viel Geld ins CO2-Sparen zu investieren und zugleich eine neue teure Flugzeugtechnik einzuführen, die den CO2-Ausstoß je Passagier deutlich erhöht." Quelle: Der Spiegel

"Concorde 4590, Sie haben Flammen hinter sich!".
Am 25. Juli 2000 stürzte das Überschallflugzeug in Paris ab - 113 Menschen starben in der Katastrophenmaschine. Bei dem Crash verglühte ein gezielt aufgebauter Mythos. Der Spiegel schrieb damals: "Der für unmöglich gehaltene Unfall des elegantesten, teuersten und schnellsten Passagierflugzeugs der Welt löste eine Schockwelle aus, die manche mit der Reaktion auf den Untergang der "Titanic" vergleichen. Eine Ikone, ein Symbol für die technische Machbarkeit menschlicher Träume hatte nach knapp einem Vierteljahrhundert plötzlich seine Unschuld verloren."
Der Überschallknall machte das Flugzeug extrem laut und es hatte für knapp 100 Passagiere einen unglaublich hohen Kraftstoffverbrauch von 25.680 Litern in der Stunde.
"Pro Passagier werden auf dem Überschall-Trip von Paris nach New York (Flugzeit: drei Stunden, 45 Minuten) 1200 Kilo Kerosin verfeuert -- viermal so viel wie für den Insassen einer Boeing 747 (Flugzeit: sieben Stunden, 55 Minuten)." schrieb der Spiegel.





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Axel Mayer



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