Zukünftiges Überschallflugzeug: Umwelt, Klimawandel & Kritik, nicht nur an der Concorde


Veröffentlicht am 08.08.2020

Zukünftige Überschallflugzeug: Umwelt, Klimawandel & Kritik, nicht nur an der Concorde


Die beiden ersten Überschallflugzeuge, die Concorde und die Tupolew Tu-144 werden heute gerne idealisiert und als "Traumflugzeuge" dargestellt. In Realität waren sie teure, laute, spritfressende, umweltzerstörende Transportgeräte. Sie passten allerdings gut in das das damalige, unkritische Zeitalter der Umweltzerstörung mit DDT, Contergan, Atomwaffentests, Nuklear-Euphorie, FCKW und herunter gespielten Asbest-Gefahren. Trotz enormer Ticketpreise waren bei der Concorde die Preise nie kostendeckend. Der schnelle Flug der Reichen wurde von den kleinen SteuerzahlerInnen finanziert.
Und die Menscheit ist unfähig aus Fehlern zu lernen. Auch heute, in Zeiten des menschengemachten Klimawandels und der absehbaren Endlichkeit vieler Rohstoffe gibt es Pläne neue spritfressende Reichenschleudern zu bauen.

"Concorde 4590, Sie haben Flammen hinter sich!".
Am 25. Juli 2000 stürzte das Überschallflugzeug in Paris ab - 113 Menschen starben in der Katastrophenmaschine. Bei dem Crash verglühte ein gezielt aufgebauter Mythos. Der Spiegel schrieb damals: "Der für unmöglich gehaltene Unfall des elegantesten, teuersten und schnellsten Passagierflugzeugs der Welt löste eine Schockwelle aus, die manche mit der Reaktion auf den Untergang der "Titanic" vergleichen. Eine Ikone, ein Symbol für die technische Machbarkeit menschlicher Träume hatte nach knapp einem Vierteljahrhundert plötzlich seine Unschuld verloren."
Der Überschallknall machte das Flugzeug extrem laut und es hatte für knapp 100 Passagiere einen unglaublich hohen Kraftstoffverbrauch von 25.680 Litern in der Stunde.
"Pro Passagier werden auf dem Überschall-Trip von Paris nach New York (Flugzeit: drei Stunden, 45 Minuten) 1200 Kilo Kerosin verfeuert -- viermal soviel wie für den Insassen einer Boeing 747 (Flugzeit: sieben Stunden, 55 Minuten)." schrieb der Spiegel.
Umweltzerstörende Überschallflugzeuge in Planung
Obwohl die Klimakatastrophe immer mehr zur globalen Realität wird, werden in den USA und Japan zivile, laute, spritfressende Überschallflugzeuge entwickelt Zukünftig, vermutlich ab dem Jahr 2026, ist regelmäßiger ziviler Überschallverkehr zu erwarten einer kleinen reichen Elite zu erwarten.
Das Umweltbundesamt schrieb dazu in der Studie "Umweltschonender Luftverkehr" im Jahr 2019:
"Eine Besonderheit beim Überschallflugverkehr liegt darin, dass nicht nur während der Start-und Landephase Fluglärmimmissionen in relevanter Pegelhöhe verursacht werden, sondern auch beim Reiseflug. Dabei treten Überschallknalle auf, die auch bei großen Flughöhen am Boden noch hörbar sind. (...) Während Unterschallflugverkehr zumeist in der Troposphäre bzw. der Tropopause stattfindet, ist damit zu rechnen, dass Überschallflüge auch in der Stratosphäre erfolgen werden. Triebwerksemissionen in dieser Luftschicht, vor allem der Eintrag von Wasserdampf, sind besonders problematisch, weil sie das Klima deutlich mehr beeinflussen als in tieferen Luftschichten. Darüber hinaus ist zu erwarten, dass Überschallflugzeuge durch die stabilere Bauweise und höhere Fluggeschwindigkeit trotz der größeren Flughöhe einen höheren spezifischen Kerosinverbrauch und damit höhere CO2-Emissionen haben werden. Der bisherige CO2-Standard gilt nur für Unterschallflugzeuge Überschallflugzeuge sollten aus Sicht des UBA nur dann zugelassen werden, wenn diese die gleichen Anforderungen wie Unterschallflugzeuge erfüllen."


Die WissenschaftlerInnen des International Council on Clean Transportation (ICCT) zeigen in einer Studie die extrem negativen Umweltfolgen auf. "Nach ihren Berechnungen würden 2000 Überschallflugzeuge jährlich etwa 96 Millionen Tonnen Kohlendioxid emittieren. Das wäre ungefähr drei Mal so viel CO2 wie alle Jets der Lufthansa Group - also die der Fluglinien Lufthansa, Swiss, Austrian, Eurowings und Brussels Airlines - aktuell ausstoßen, wenn man die aktuellsten Daten des Jahres 2017 zugrunde legt. Die Forscher verweisen zur Erklärung darauf, dass ein Überschalljet im Vergleich zu einer konventionellen Maschine etwa das Fünf- bis Siebenfache an Kraftstoff pro Passagier benötigt. Über eine 25-jährige Nutzungsdauer der Flugzeuge gerechnet, geht man beim ICCT von insgesamt 1,6 bis 2,4 Gigatonnen CO2-Emissionen durch die Hochgeschwindigkeitsmaschinen aus. Das ist zwar prozentual auf die Gesamtemissionen gesehen eine vergleichsweise kleine Zahl. Gleichzeitig muss die Menschheit ihren CO2-Ausstoß in den kommenden Jahrzehnten rasant senken bis auf effektiv Null - und dabei wäre es ziemlich ungeschickt, viel Geld ins CO2-Sparen zu investieren und zugleich eine neue teure Flugzeugtechnik einzuführen, die den CO2-Ausstoß je Passagier deutlich erhöht." Quelle: Der Spiegel


Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein
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