Weltraumtourismus & Kritik: Umwelt, Klima, Klimawandel & Kosten - Elitärer, umweltzerstörender Milliardärs - Weltraumtourismus


Veröffentlicht am 10.10.2020 in der Kategorie Wachstumskritik von Axel Mayer

Weltraumtourismus & Kritik: Umwelt, Klima & Kosten - Elitärer, umweltzerstörender Milliardärs - Weltraumtourismus


In Zeiten des Klimawandels, Artensterbens und der absehbaren Endlichkeit der Rohstoffe
ist elitärer, umweltzerstörender Milliardärs - Weltraumtourismus pervers, passt allerdings gut ins zerstörerische Zeitalter des Anthropozän! Weltraumtourismus zerstört die Umwelt und das Klima. Weltraumtourismus ist das zukünftige (endlich mal ungestörte) Hobby für das reichste Prozent der Weltbevölkerung (70 Millionen Menschen), das über so viel Vermögen verfügt wie der ganze Rest (sieben Milliarden Menschen) zusammen. In einer Zeit in der 821 Millionen Menschen auf der Welt nicht genug zu essen haben, stellt sich nicht nur beim Thema Weltraumtourismus die Frage, ob an den richtigen Themen geforscht wird. Doch in einer Zeit globaler Umweltzerstörung und wachsender weltweiter Gefährdungen haben Themen wie "Tourismus im All" auch etwas geschickt Ablenkendes. Je schneller die wirtschaftliche, finanzielle, ökologische und soziale Krise wächst, desto schneller dreht auch die große, perfekte Illusionsmaschine...

Die unkritische Berichterstattung
über den Weltraumtourismus ist zumeist eine Mischung aus Technikbesoffenheit, Heldenverehrung und rückwärtsgewandtem Fortschrittsglauben. Es ist erstaunlich und erschreckend wie unkritisch Wikipedia und die Mehrzahl der Medien den privaten Weltraumflug bejubeln und gleichzeitig den Klimawandel beklagen. Auch das Internet ist voll mit einseitigen, unkritischen Jubelberichten zum Tourismus im All. Es ist ein gezielt ablenkender Traum: "Irgendwann mit Raumschiffen die zerstörte Welt hinter uns lassen und neuen, unverbrauchten Planeten und neuen Mythen entgegen fliegen..." Wenn Milliardäre es schaffen ihre umweltzerstörenden Aktivitäten zu Menschheitsträumen zu machen, dann haben sie gewonnen.

Die Umweltbewegung muss sich in Sachen Klimaschutz fragen,
ob der bisherige, stark individuelle, appellierende Ansatz: "Du musst Energiesparen, stell dein Auto an der Ampel ab, du sollst weniger fliegen, dreh die Heizung runter..." tatsächlich zielführend ist. Alle diese Appelle sind hübsch, nutzen aber wenig. Denn gleichzeitig werden regional und weltweit neue Straßen, Überschallflugzeuge, Kohle- und Atomkraftwerke gebaut und China und Indien übernehmen mit rasender Geschwindigkeit unser wucherndes, zerstörerisches Verschwendungssystem. Dazu passt gut der gut organisierte Traum vom Weltraumtourismus. Im globalen Maßstab wachsen Ressourcenverschwendung und Umweltprobleme exponentiell. Wenn zum individuellen Ansatz nicht eine massive Veränderung der Politik und der Strukturen kommen, wenn Klimaschutz isoliert von den Problemen der Raubbauwirtschaft diskutiert wird, dann nützen die individuellen Ansätze wenig. Es muss darum gehen die Strukturen anzugehen, die Klimaschutz verhindern. (Weltraumtourismus, neue Straßen, viel zu billige Flugpreise...) Die Umweltbewegung muss wieder politischer werden und stärker global agieren, um echte Nachhaltigkeit zu erreichen. Weltraumtourismus und Klimawandel sind "nur" Symptome der globalen ökologischen Krise.

Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein


Weltraumtourismus & Kritik: Umwelt, Klima & Kosten - Elitärer, umweltzerstörender Milliardärs - Weltraumtourismus


Nachtrag zum 50igsten Jahrestag der Mondlandung:
"...Um 3.51 Uhr deutscher Zeit, in den USA ist noch der Abend des 20. Juli, fliegt ein Müllsack auf den Mond. Darin Lebensmittelverpackungen, Urinbeutel und anderer Unrat. Was für ein Zeichen: Die Menschheit landet auf dem Mond. Doch noch bevor Menschen ihre ersten Fußabdrücke im Staub hinterlassen, ist der Müll schon da. Kurz darauf klettert Neil Armstrong etwas unbeholfen die Leitersprossen der Mondfähre hinunter..."
Quelle: Deutschlandfunk


Nachtrag:


Es gibt sie, die gute sinnvolle Technik die Mensch und Umwelt nützt. Der medizinische Fortschritt hat die Pocken ausgerottet. In wenigen Jahrzehnten hat es im Bereich Windendergie, Tiefengeothermie und Photovoltaik ungeheure Fortschritte gegeben, so dass die zukunftsfähigen Energien nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch kostengünstiger als die atomar-fossilen Energiequellen sind. Wir hätten das Wissen und die Technik um mit einem wesentlich verringerten Input von Energie, Rohstoffen und Arbeitszeit, allen Menschen der Welt ein gutes Leben zu ermöglichen. Es ist unsere Aufgabe Fortschritt und Zukunft menschengerecht zu gestalten. Dennoch gilt auch heute noch der Satz von Mahatma Ghandi: "Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier."






In einem Kommentar am 6. Juni 2018 setzt sich die Süddeutsche Zeitung kritisch mit der bemannten Raumfahrt auseinander

Hier ein kurzer Auszug:

"Astro-Alex" fasziniert viele, aber die Kosten bemannter Missionen sind irrwitzig hoch


(...) Bemannte Raumfahrt ist irrwitzig teuer. Mehr als einhundert Milliarden Euro hat die Internationale Raumstation bereits verschlungen, seit Ronald Reagan das Projekt in den 1980er-Jahren initiierte, damals noch mit militärischen Absichten.

Mit technologischem oder wissenschaftlichem (Erkenntnis-)Gewinn sind diese Ausgaben niemals zu rechtfertigen. Weniger als ein Zehntel der laufenden Kosten für die ISS fließen in die Forschungsexperimente an Bord. Und nüchtern betrachtet: Fast alles davon könnte genauso gut oder besser mit Satelliten, Automaten und Robotern erledigt werden.

So faszinierend es ist, Menschen ins All zu schicken, so wenig sinnvoll ist das unter rationalen Gesichtspunkten. Es klingt hämisch, stimmt aber, dass bemannte Raumfahrt vor allem dazu da ist, sich selbst zu erforschen. Also die Frage, wie Menschen im Weltraum überleben können. Der Zustand unseres Planeten, das Rätsel, wie einst Leben entstand, die Suche nach möglichen Rohstoffen im All und die Frage, ob es außerirdische Organismen gibt - all das hat nichts mit bemannter Raumfahrt zu tun. Astronauten fliegen ins All, weil es begeistert, weil es stolz macht, und weil mächtige Nationen anderen Nationen zeigen wollen, dass sie es können.





Kritische Internet Beiträge zum Thema Weltraumtourismus (Pro und Contra) sind eine Seltenheit und der Wikipedia-Beitrag zum Thema ist erschreckend einseitig.
Aus diesem Grund tragen wir hier einige wenige kritische Beiträge zusammen.



Weltraumtourismus und das Klima
Der Spiegel online Artikel "Ruß in der Atmosphäre-Weltraumtourismus wird Klima verändern" berichtet von den Auswirkungen des Weltraumtourismus auf das globale Klima. Geoforschern zufolge werde das Ruß der Raketentriebwerke das Klima weltweit beeinflussen:

"Eine Studie von drei amerikanischen Wissenschaftlern kommt nun zu dem Ergebnis, dass die Flüge mit "SpaceShipTwo" eine erstaunlich große Wirkung auf das Klima der Erde haben dürften. Michael Mills vom National Center for Atmospheric Research in Boulder (Colorado) und seine Kollegen sind dabei von 1000 Raketenstarts pro Jahr ausgegangen. Die größte Klimawirkung geht dabei nicht vom CO2 aus, sondern von dem Ruß, der von den Triebwerken unweigerlich mit ausgestoßen wird.

[...] Ruß besteht hauptsächlich aus Kohlenstoff und entsteht als unerwünschtes Nebenprodukt in Verbrennungsmotoren.

"Die Reaktion des Klimasystems auf die relativ kleine Ruß-Menge ist überraschend", sagt Mills. [...]

Die Rußpartikel in der Stratosphäre absorbieren Sonnenstrahlen, die ansonsten tiefere Schichten und die Erdoberfläche erreichen würden. Dies verändert wiederum die komplexen Zirkulationsvorgänge in der Luftschicht und somit auch das Klima."


Die Gefahren des Weltraumtourismus
In dem Beitrag "Virgin Galactic und die Toten im Namen des Weltraumtourismus" auf scienceblogs.de werden die Gefahren des Weltraumtourismus ziemlich deutlich erläutert. Bei dem nicht-staatlichen Unternehmen Virgin Galactic, das mit dem SpaceShipOne berühmt wurde, kam es schon zu zwei Unfällen mit Todesfällen. 2007 starben drei Menschen bei einem Test des Oxidatortank des Raketentriebwerks. 2014 zerbrach der Prototyp des neuen SpaceShipTwo in der Luft. Dabei kam der Copilot ums Leben, der Pilot überlebte nur knapp. Zu dem zweiten Unfall schreibt scienceblogs.de:

"Das bringt uns nun zum Absturz von SpaceShipTwo. Wie schon der Vorgänger sollte das Raketenflugzeug in große Höhe aufsteigen, dort die große Tragfläche umklappen und so bei der Rückkehr in die Atmosphäre wie ein Federball automatisch in eine stabile aerodynamische Lage kommen. Andere Raketenflugzeuge wie die X-15 benutzten stattdessen kleine Raketentriebwerke um außerhalb der Atmosphäre ihre Lage kontrollieren zu können.

Die Konstruktion ist fraglos eine gute Idee. Allerdings bringt sie auch mögliche Gefahren mit sich. Im ersten Teil des Fluges, wenn das Flugzeug vom Raketentriebwerk beschleunigt wird, sollte man den Klappmechanismus zum Beispiel nicht benutzen. Genau das ist aber geschehen. Die Aerodynamik führte dabei dazu, dass sich der Rumpf des Flugzeugs quer zur Flugrichtung nach oben aufrichtete, während die Flügel wie eine Fahne im Wind in Flugrichtung verharrten.

Der Rumpf zerbrach dabei durch die aerodynamischen Kräfte. Der Pilot hatte dabei großes Glück. Der Rumpf zerbrach um ihn herum und er wurde vergleichsweise leicht verletzt in seinem Sitz aus den Trümmern heraus geschleudert. (Es war kein Schleudersitz!) Er konnte sich aus den Gurten befreien und sich mit seinem Fallschirm retten. Der Kopilot hatte weniger Glück. "


Zusammenfassend, ist dieser Satz am Ende des Artikels sehr passend:

"Ohne gravierende Änderungen in der Firmenkultur, kann man angehenden Weltraumtouristen wohl nur noch von dieser Firma abraten."


Es gibt leider viel zu wenig kritische Artikel über Weltraumtourismus.
Dabei können von solch einem Ausflug nur Menschen profitieren, die einen Preis von $200.000 pro Person zahlen können.
Allen anderen Menschen (wie den Unfalltoten), der Umwelt und dem Klima scheint der Weltraumtourimus nur zu schaden.
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Weltraumtourismus Umwelt & Kritik: Elitärer, umweltzerstörender Millionärs - Weltraumtourismus







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  • 3) Im Zweifel ist die -Allgemeine Erklärung der Menschenrechte- immer noch eine gute Quelle zur Orientierung.
  • Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein

Getragen von der Hoffnung auf das vor uns liegende Zeitalter der Aufklärung (das nicht kommen wird wie die Morgenröte nach durchschlafner Nacht)




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