Emma Herwegh 1848: Zu wenige Emma-Herwegh-Straßen & und zu viele Kaiser-Wilhelm-Straßen!


Veröffentlicht am 06.01.2026 in der Kategorie Umweltgeschichte von Axel Mayer

Emma Herwegh & unvollendete Badische Revolution: Warum gibt es so wenig Emma-Herwegh-Straßen & und so viele Kaiser-Straßen?



Eine radikale Demokratin


„Jeder Mensch sollte ein Flügel seiner Zeit werden, aber die meisten sind Blei.“ Die Übersetzerin und Schriftstellerin Emma Herwegh engagiert sich stets für Menschenrechte und eine freiheitliche Demokratie.

Die am 10. Mai 1817 in Magdeburg geborene Tochter eines reichen Kaufmanns ist umfassend gebildet. Emma Siegmund spricht mehrere Sprachen, übersetzt Lyrik und diskutiert gern im Berliner Salon der Eltern über Politik. Sie interessiert sich für die Julirevolution 1830 in Frankreich und sympathisiert mit polnischen Freiheitskämpfern. In den „Gedichten eines Lebendigen“ von Georg Herwegh sieht sie eine „heilige Waffe gegen innere und äußere Sklaverei“. Als der Dichter im Herbst 1842 nach Preußen kommt, lädt sie ihn ein. Nach einer Woche mit langen Gesprächen verloben sich die 25-Jährigen. Emma schreibt an Georg: „Du bist mir das verkörperte Bild der Freiheit, nach der ich, solange ich lebe, mich gesehnt.“ Ihre 1843 geschlossene Ehe versteht sie als gemeinsamen Kampf für politischen Fortschritt. An diesem Ideal hält sie fest, auch wenn Georg Herwegh Liebesbeziehungen zu anderen Frauen sucht.

Die Mitgift erlaubt einen mondänen Lebensstil in Paris. Den Salon von Emma Herwegh besuchen Karl Marx, Michail Bakunin und Iwan Turgenjew. Schon im Vormärz wird sie politisch aktiv. In Berlin findet im Herbst 1847 der Prozess gegen die Teilnehmer eines geplanten polnischen Aufstandes statt. Emma Herwegh reist in ihre Heimatstadt und erwirkt die Erlaubnis zum Besuch der Gefangenen in Moabit. Sie setzt sich für bessere Haftbedingungen ein und übermittelt Nachrichten zwischen den Angeklagten und deren Angehörigen in Paris. Ebenso entschlossen kämpft Emma Herwegh für die „Europäische Republik“, als sich nach Beginn der Februarrevolution 1848 in Paris auch in der badischen Grenzregion die Gelegenheit hierfür bietet. Wiederholt versucht die Kurierin der „deutschen demokratischen Legion“ Friedrich Hecker vom vereinten Kampf für die Republik zu überzeugen.

Als die Presse die politische Rolle der Herweghs verzerrt darstellt, schaltet sie sich in den Deutungsstreit ein und bietet mit der Schrift „Zur Geschichte der deutschen demokratischen Legion aus Paris, von einer Hochverraeterin“ 1849 ihre Darstellung der Geschehnisse, die indes sofort verboten wird. Sie endet mit der Parole: „Vive la République démocratique et sociale!“

In den 1850er-Jahren unterstützt Emma Herwegh die italienischen Freiheitskämpfer um Giuseppe Garibaldi und freundet sich eng mit Felice Orsini an. Ihr Salon in Zürich ist ein europäischer Mikrokosmos, in dem auch Spenden für Garibaldi gesammelt werden. Ihrem Freund Orsini schickt Emma Herwegh 1856 Bücher mit eingebundenen Sägeblättern ins Gefängnis und verhilft ihm so zur Flucht.

Nach dem Tod von Georg Herwegh veranlasst sie die Herausgabe seiner „Neuen Gedichte“ durch Ludwig Pfau. Über 25 Jahre lang lebt sie in Paris in billigen Studentenzimmern und verdient ihren Unterhalt mit Unterricht und Übersetzungen. Emma Herwegh stirbt am 24. März 1904 in Paris. Das Grab der Kämpferin für Menschenrechte liegt in Liestal im Kanton Basel-Land.
Ein Beitrag von Dr. Sabrina Müller in Momente 1|2017


Emma Herwegh 1848: Zu wenige Emma-Herwegh-Straßen & und zu viele Kaiser-Wilhelm-Straßen!


Warum scheiterten der Heckerzug und die Badische Revolution?
Es gibt viele Gründe für das Scheitern, nicht nur der Badischen Revolution. Vermutlich ging es den badischen Revolutionären viel zu viel um Freiheit, Demokratie und Rechte und zu wenig um die Fleischtöpfe... Freiheit und Rechte werden mit gebührendem Abstand immer gerne als Revolutionsgründe genannt und gelobt. Doch damals wie heute führen Hunger, Armut, Ausbeutung, Not und die Hoffnung auf zukünftigen Wohlstand zu politischen Veränderungen. Die Menschen, die für Freiheit, echte Demokratie und Rechte kämpfen, waren leider viel zu häufig in der Minderzahl und das hat sich bis heute nicht geändert.

Es ist immer ein wenig peinlich,
dass auch auf dieser Seite mit Emma Herwegh und Amalie Struve nur an die aktiven, beeindruckend engagierten Frauen "berühmter" Männer erinnert wird. Was war mit den nicht berühmten, wenigen anderen Revolutionärinnen in dieser Männerzeit? Mein Freund, der kluge Walter Mossman hat einer dieser unbekannten, "einfachen" Frauen ein wunderbares musikalisches Denkmal gesetzt:
Einfach mal reinhören in die Romanze von der Johanna Arg, einem der schönsten Lieder meines Freundes Walter Mossmann.

Auszug:
"Achtzehn Jahr' lebt so Johanna
In Paris ihr Auf und Nieder -
Achtzehn Jahre Wetterleuchten
Bis der Blitz dann doch noch einschlägt!
Achtzehnachtundvierzig, heißt es
Sei sie noch gesehen worden
Bei dem Heckerzug im Schwarzwald
Arm in Arm mit Emma Herwegh!

Doch wo sie aufgetaucht ist, gab's
Kein Lebehoch, kein Männerchor
Kein Hosiannah
Und durch das Kreuz, das sie getragen hat
Wird auch kein Mensch erlöst -
Johanna!"

Warum gibt es so wenig Emma-Herwegh-Straßen & und so viele Kaiser- & Fürsten-Straßen?


Es gibt im demokratischen Deutschland

Quelle: Die ehemalige Straßensuchmaschine der ZEIT[/url]

Die zumeist undemokratischen Feudalherren und Gegenspieler der Demokratie haben sich in den Straßennamen verewigt. Die Demokratinnen und Demokraten von 1848 fehlen auf den Straßenschildern. Wenn in Deiner Gemeinde neue Straßennamen vergeben werden, dann erinnere doch Du an Emma Herweg, Max Dortu, Friedrich Neff, Gebhard Kromer, Gustav Struve, oder an die damals Aktiven in Deiner Heimat.

Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein



Emma Herwegh, 1848/1849 & unvollendete Badische Revolution vor 175 Jahren: Warum gibt es so wenig Emma-Herwegh-Straßen & und so viele Kaiser-Straßen?


Informationen zu 175 Jahre unvollendete Badische Revolution / Märzrevolution von 1848





Emma Herwegh, 1848 / 1849, Frauen in der Badische Revolution: Warum gibt es so wenig Emma-Herwegh-Straßen & und so viele Kaiser-Straßen?


Hecker-Straße Herwegh-Straße ... Straßen endlich nach Demokraten & Demokratinnen der Revolution von 1848 benennen


Vorschlag zur Benennung der neuen Straße im Endinger „Radacker“

Die Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen des Endinger Gemeinderats bedankt sich für die Möglichkeit, einen Vorschlag für die Benennung der neu anzulegenden Straße im Radacker einzubringen.
Wir möchten einen Vorschlag aufgreifen, den der langjährige Kreisrat Axel Mayer aus Endingen bereits geäußert hat und schlagen vor, die entsprechende Straße Emma-Herwegh-Straße zu nennen.

Es folgt eine kurze Begründung:

Emma Charlotte Herwegh, geborene Emma Siegmund (* 10. Mai 1817 in Magdeburg, nach anderen Quellen in Berlin; † 24. März 1904 in Paris), war eine deutsche Revolutionärin während der Erhebungen von 1848/49 in Frankreich und dem deutschsprachigen Raum und eine frühe Vorkämpferin der Frauenrechtsbewegung.1

Durch ihr mutiges Handeln und das Nutzen ihrer Privilegien als gut gebildete Tochter wohlhabender Eltern, hat Emma Herwegh einen großen Beitrag zur Revolution 1848/1849 geleistet. Leider ist ihr Name dennoch nicht allzu präsent.

Das folgende Zitat zeigt die Relevanz ihres Handels für die Region Baden:

„Als 1848 in deutschen Landen die Märzrevolution begann, drängten Emma Herwegh und einige hundert Exilanten, die Aufständischen zu unterstützen. In geheimer Mission reiste sie nach Baden, verhandelte mit Friedrich Hecker – doch als die Revolutionäre aus Paris endlich die deutsche Grenze überschritten, waren Hecker und seine Männer bereits vom preußischen Militär geschlagen.“

Gerade in Zeiten, wie den heutigen, in denen die Demokratie in der Welt und auch nicht hier bei uns als selbstverständliches Gut gelten kann, scheint es uns ein sinnvolles Zeichen, diese Straße nach einer Vorkämpferin für die Demokratie Deutschlands zu benennen. Zumal bei Betrachtung der Benennung der Straßen Endingens eine deutliche Unterrepräsentierung bedeutender Frauen auffällt.
In direkter „Nachbarschaft“ zur August-Bebel-Straße wäre die Benennung dieser Straße nach Emma Herwegh ein starkes Zeichen als Zugeständnis zu Demokratie und Grundgesetz.
Das folgende Zitat Emma Herweghs unterstreicht nochmals ihre Beweggründe und das Streben ihres politischen Handelns:

„Es gibt noch ein anderes Deutschland, als das zu Frankfurt verratene, ein anderes, als das, welches ... zum Henker oder Spießgesellen an allen nach Freiheit ringenden Völkern geworden ist, und seine besten Kinder im Exil oder in schmählichen Banden hält. Es gibt ein junges, demokratisches Deutschland!“