André Weckmann: Autor, Dichter, Europäer, Elsässer, Humanist & weltoffener Regionalist / 100 Jahre (30.11.1924 - 30.11.2024)


Veröffentlicht am 30.05.2024 in der Kategorie Kultur von Axel Mayer


André Weckmann: Autor, Dichter, Europäer, Elsässer, Humanist & Regionalist / 100 Jahre (30.11.1924 - 30.11.2024)


Am 30. November 1924, vor hundert Jahren, wurde André Weckmann, der große elsässische Autor, Dichter, Europäer und weltoffene Regionalist André Weckmann geboren. Vor einem halben Jahrhundert, in den großen ökologischen Konflikten am Oberrhein, in Marckolsheim, Wyhl und Gerstheim war er eine der wichtigen, kämpferischen Stimmen der alemannischen Regionalkultur. Er stand stets auf der Seite der Menschen und der Umwelt und für einen klugen, selbstbewussten, toleranten, weltoffenen Heimatbegriff.
Axel Mayer


Nachruf für André Weckmann


BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland

C.S.F.R
Comité de Sauvegarde de Fessenheim et de la plaine du Rhin

André Weckmann: Ein Nachruf


Auch die grenzüberschreitende Umweltbewegung am Oberrhein trauert um André Weckmann. Der „große, alte Mann“ der Literatur im Elsass und am Oberrhein, der uns in unseren frühen Konflikten für die Umwelt und für ein Europa der Menschen begleitet hat, ist am 30. Juli 2012 im Alter von 88 Jahren gestorben.

Seine Bücher und Gedichte in elsässerditsch, französisch und hochdeutsch waren und sind - vergleichbar mit der Literatur von René Schickele - ein wichtiges Bindeglied über den Rhein.

Geprägt hat ihn seine Jugend im Krieg: 1943 wurde der Zwanzigjährige zwangsrekrutiert für die deutsche Wehrmacht. Dann kamen Verwundung, Heimaturlaub, Desertion, und zum Glück ist er keinem deutschen Kriegsgericht in die Hände gefallen.

Wer Menschen und Landschaft am Rhein, insbesondere aber die Geschichte, die Badener und Elsässer, Deutsche und Franzosen früher trennte und heute verbindet, verstehen will, der sollte unbedingt Weckmanns elsässisch-badischen Schlüsselroman „Wie die Würfel fallen“ lesen.

Andre Weckmann, der sensible Sprachkünstler, der von sich selbst sagte, er sei "kein Herdenmensch“, hat sich gleichwohl in einem wichtigen historischen Moment auf die beginnende ökologische Bewegung am Oberrhein eingelassen und ist aufgetreten in den Freundschaftshäusern von Marckolsheim, Wyhl, Gerstheim, er hat sich als Künstler engagiert. Wir verdanken ihm großartige kraftvolle Gedichte in elsässischer Sprache, die man hüben und drüben versteht. Ihm war von Beginn an klar, dass auf den besetzten Plätzen der 70er Jahre mehr entzündet wurde als ein Strohfeuer: «En Marckelse hets aangfange».

André Weckmann’s Gedichte haben viele regionale Liedermacher zu Vertonungen inspiriert. Sein „Alienation“-Gedicht ist zur Zeit der Platzbesetzungen von Marckolsheim und Wyhl entstanden und wurde als „Hankeni uff“(Hängt Euch auf!) über Jahre hinaus zur einer Durchhalteparole im Umweltschutzwiderstand im Dreyeckland. Der Kaiserstühler Liedermacher Buki(Roland Burkhart) hat es mit diesem herben Dialekt-Titel damals unter die Leute gebracht und singt es noch heute. Ebenso zu einem regionalen Gassenhauer wurde Weckmanns „Rhingold“, dessen Liedversion „Es hocke drej Herre am Rhin“ von Buki stammt und noch heute mit weiteren anderen Weckmann-Gedichten zum Repertoire der elsässische Gruppe „La Manivelle“ (LiselotteHamm/Jean-Marie Hummel) gehört. Fast seine ganze Schallplatte „Umesunscht?“ hat der Straßburger Liedermacher René Egles mit Vertonungen von Weckmann-Gedichten gefüllt, z.B. Schang d’Sunn schint schun lang u.a.
André Weckmann wollte eine Verbindung von Heimat und Globalem, von Überlieferung und Moderne, von Natur und Mensch. In einem seiner programmatischen Texte stellt er die Frage:
"Was ist nun diese "Alemannische Internationale"? Eine Idee, die es uns erlaubt, aus unserer Eingeengtheit herauszubrechen, ohne aber deshalb einer entwurzelnden Globalisierung zu verfallen."
André Weckmann war vor allem immer auch ein großer Europäer. Sein und unser Europa war immer das Europa der Menschen, nicht das Europa der Konzerne, der Bürokraten und vor allem nicht das der „Festung Europa“.

Jean Jacques Rettig (CSFR), Axel Mayer (BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein)





MARCKELSE



en Marckelse hets aangfange
Marckelse lejt am Rhin

en Marckelse han mer s guldene kalb gstoche
en Marckelse han mer d demokratie entdeckt
en Marckelse han mer d granze gsprangt
en Marckolse sen mer majorann worre

en Marckolse hets aangfange
Marckelse em Elsass

(André Weckmann)




aliénation


(andré weckmann)

lon d walder åbholze
lon d acker betoniëre
lon d båch grådstrecke
lon d vogese verböjje
lon d låndschåft verhunze
lon de rhin verrecke
lon d kåminer géft kotze
un sejje gedrôscht:
es måcht si ållewil ainer e båtze gald debî
Loni uf d zeh dratte
loni uf d nås spitze
loni s mül züehewwe
loni d kåpp ewer d äuje zejje
loni d wurzle åbschnîde
loni d sprôch verwurje
un sejje gedrôscht:
es verdiënt si ållewil ainer e rôts reckel debî
un jetz
gehn haim
wascheni d hand
setzeni vor d télé
loni met kitsch stopfe
loni s hérn ufwaiche
loni d seel plåttwålze
un
wann de speaker bonsoir het gsait
hankeni uf


André Weckmann: eine kleine Auswahl



Andre Weckmann: "Wie die Würfel fallen" Der große Elsass Roman


Es gibt tausende von Büchern über das Elsass. Reiseführer, Bildbände, Literatur und Gedichtbände. Und es gibt das Buch "Wie die Würfel fallen". Geschrieben hat es der große elsässische Autor und Dichter Andre Weckmann.
Er hat es verstanden, Menschen, Kultur und elsässische Regionalgeschichte in einem grandiosen, mehr als lesenswerten Werk zusammenzufügen. Vor vierzig Jahren war sein Buch ein zeitgenössischer Roman aus dem Elsass. Doch noch jetzt beschreibt es treffsicher die elsässischen Dörfer zwischen Romantik und Zerstörung und den schleichenden Niedergang von regionaler Kultur.
Wer das Elsass, seine Menschen, seine Geschichte und den elsässischen Dialekt zumindest ansatzweise verstehen will, sollte dieses Buch (das es leider nur noch antiquarisch gibt) gelesen haben.


Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein


Im Netz vollständig lesbar: Wie die Würfel fallen


Alemannisch, Badisch, Elsässisch, Schweizerdeutsch, Dialekt & "Hoch"deutsch:
Kritische Texte und Gedichte aus Südbaden, Elsass, Nordschweiz und dem Rest der Welt


In diesen Zeiten von Barbarei, Gier, Krieg und Gewalt stärkt Dummheit Dummheit und Intoleranz verstärkt Intoleranz. In diesen Jahren der Umwelt- und Innenweltverschmutzung stehen nicht nur Tiere und Pflanzen, sondern auch Sprachen und Dialekte auf der Liste der bedrohten Arten. Der Facebook-Chef Mark Zuckerberg, der an einem altsprachlichen Eliteinternat Latein lernte und gerade seine undemokratischen Weltmachtträume realisiert, hält Sprache für eine veraltete Software, die schon bald obsolet sein wird. Mehr als die Hälfte aller weltweit gesprochenen Sprachen drohen in naher Zukunft zu verschwinden – und damit ein wertvoller Teil unseres kulturellen Gedächtnisses. Allein 600 dieser insgesamt rund 3.660 gefährdeten Sprachen könnten sogar schon in wenigen Jahren vollständig ausgestorben sein.
Darum finden Sie auf mitwelt.org kritische und engagierte Texte, alemannisch, schwyzerdütsch, elsässisch und hochdeutsch. Doch wir wissen, dass bedrohte Tierarten nicht in der Genbank und bedrohte Sprachen nicht im Museum und im Internet überleben.
Menschen, die neue Straßen, Überschallflugzeuge, unbegrenztes Wachstum, Atomenergie, Agrargifte, Freihandel und Weltraumtourismus für Fortschritt und die Hitparade der Volksmusik für Kultur halten, die Gedichte über das "Blümelein", das "Bächelein" und das "Brünnelein" suchen, wird diese Seite nicht gefallen.

Dialekt ist bunte, kluge, kulturelle Vielfalt und nicht monokulturelle Einfalt. Dialekt ist immer auch „regionale Identität“ und steht gegen die „Kolonisierung der Lebensweltin der Megamaschine“ und gegen die zunehmende Kommerzialisierung aller Lebensbereiche.

Wir danken den vielen Autorinnen & Autoren, die uns schon erlaubt haben, Texte hier einzustellen. Auf Wunsch löschen wir Texte aber auch sofort.

Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein




Kein Gedicht:Elsass / Baden & die verloren gehende Vielfalt am Oberrhein






Textsammlung: Wichtige Texte der Menschheit





Alemannische Reden von Axel Mayer


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