2022 / Amalie Struve 1848/1849: Demokratin, Frauenrechtlerin & aktive Revolutionärin der Badischen Revolution


Veröffentlicht am 22.04.2022 in der Kategorie Umweltgeschichte von Axel Mayer

Amalie Struve 1848 / 1849: Aktive Demokratin, Revolutionärin der Badischen Revolution und Frauenrechtlerin


Amalie Struve (1824-1862) war eine der ungewöhnlichsten Frauen der deutschen Demokratiegeschichte. Sie war die Tochter eines Sprachlehrers und selber zeitweise als Lehrerin berufstätig war - ein für ihre Zeit ungewöhnlicher Umstand. Sie heiratete 1845 den Demokraten Gustav Struve (1805-1870) und nahm an der Seite ihres Mannes am Heckerzug und am Aufstandsversuch im September 1848 teil. Von Anfang an war Amalie Struve an allen diesen Aktionen aktiv beteiligt. Der „Heckerzug“ mit Amalie Struve machte sich in Konstanz am Donnerstag, dem 13. April 1848 mit viel zu wenigen Mitstreitenden Richtung Rheinebene auf. Welch ein verzweifelter Mut muss es gewesen sein, mit 30 bis 50 schlecht bewaffneten Männern (und sehr wenigen Frauen) gegen die preußische Übermacht loszuziehen? Amalie Struve war dabei, als der Heckerzug am 20. April 1848 im Gefecht auf der Scheideck bei Kandern von regulärem Militär besiegt und aufgerieben wurde. Ihre ungewohnte Erscheinung - sie trug gelegentlich Hosen,- machte sie zur Zielscheibe sexistischen Spotts. Für ihre Versuche, die Frauen vor Ort zur Unterstützung der Revolution zu überreden, musste sie von September 1848 bis April 1849 in Freiburg ins Gefängnis. Nach ihrer Freilassung agitierte sie unter den Soldaten der Rastatter Garnison. Sie hatte ihre Teilnahme an der Badischen Revolution auch immer als einen Akt der Emanzipation und einen Beitrag zur Änderung der bestehenden Geschlechterrollen verstanden, die sie in der Verlängerung der Forderung nach Gleichheit und Freiheit mit verwirklichen wollte. Nach der Niederschlagung der badischen Revolution 1849 verließ sie mit ihrem Mann Europa und ging ins Exil in die USA. Dort war sie als Lehrerin und Romanschriftstellerin tätig. Ihre 1850 in Hamburg erschienenen Revolutionserinnerungen („Erinnerungen aus den badischen Freiheitskämpfen") widmete Amalie Struve, die 1862 an den Folgen einer Geburt starb, den deutschen Frauen.

Warum scheiterten der Heckerzug und die Badische Revolution?
Es gibt viele Gründe für das Scheitern, nicht nur der Badischen Revolution. Vermutlich ging es den badischen Revolutionären viel zu viel um Freiheit und Rechte und zu wenig um die Fleischtöpfe... Freiheit und Rechte werden mit gebührendem Abstand immer gerne als Revolutionsgründe genannt und gelobt. Doch damals wie heute führen Hunger, Armut, Ausbeutung, Not und die Hoffnung auf zukünftigen Wohlstand zu politischen Veränderungen. Mutige Menschen wie Amalie Struve, die für Freiheit und Rechte kämpfen, waren leider viel zu häufig in der Minderzahl und das hat sich bis heute nicht geändert.

Warum gibt es in Deutschland so wenig Amalie Struve-Straßen & und so viele Kaiser- & Fürsten-Straßen?


Es gibt im demokratischen Deutschland

Zur Straßensuchmaschine...

Die zumeist undemokratischen Feudalherren und Gegenspieler der Demokratie haben sich in den Straßennamen verewigt. Die Demokratinnen und Demokraten von 1848 fehlen auf den Straßenschildern. Wenn in Deiner Gemeinde neue Straßennamen vergeben werden, dann erinnere doch Du an Amalie Struve, Emma Herweg,Max Dortu, Friedrich Neff, Gebhard Kromer, Gustav Struve, oder an die damals Aktiven in Deiner Heimat.


Amalie Struve, 1848 / 1849 & Badische Revolution: Warum gibt es so wenig Amalie-Struve-Straßen & und so viele Kaiser-Straßen?

Es ist immer ein wenig peinlich,
dass auch auf dieser Mitwelt-Seite mit Amalie Struve und Emma Herwegh nur an die aktiven, beeindruckend engagierten Frauen "berühmter Männer" erinnert wird. Was war mit den nicht berühmten, viel zu wenigen anderen Revolutionärinnen in dieser Männerzeit? Der kluge Walter Mossman hat einer dieser unbekannten, "einfachen" Frauen und dem damaligen Zeitgefühl ein wunderbares musikalisches Denkmal gesetzt:

Einfach mal reinhören in die Romanze von der Johanna Arg, einem der schönsten Lieder meines Freundes Walter Mossmann.

Auszug:
"Achtzehn Jahr' lebt so Johanna in Paris ihr Auf und Nieder - Achtzehn Jahre Wetterleuchten,
bis der Blitz dann doch noch einschlägt!
Achtzehnachtundvierzig, heißt es, sei sie noch gesehen worden,
bei dem Heckerzug im Schwarzwald - Arm in Arm mit Emma Herwegh!

Doch wo sie aufgetaucht ist, gab's kein Lebehoch, kein Männerchor, kein Hosiannah
Und durch das Kreuz, das sie getragen hat, wird auch kein Mensch erlöst - Johanna!"


Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein