thetext
druckenSeite zurück     druckenDiesen Artikel drucken (Druckansicht)

Axel Mayer, Endingen, persönlicher Rückblick: Die letzten 64 Jahre & der ganze Rest


Axel Mayer, Endingen, persönlicher Rückblick: Die letzten 64 Jahre & der ganze Rest
"Dass der Tod uns lebend findet & das Leben uns nicht tot!"


Ich erinnere mich:

  • an die ungeteerte Grünlestraße vor der Gemeindewohnung meines Elternhauses in Teningen und an "dä Nachtkrab wu im Keller wohnt"
  • an den Würfelzucker, den ich "für den Storch" vor´s Fenster legte und der zuverlässig jeden Morgen verschwunden war...
  • an den würfelzuckerfolgend angekündigten kleinen Bruder, der dann meine Schwester Andrea wurde und nicht sofort Fußball spielen konnte
  • an den Wunsch der Erzieherin, am ersten Tag im Kindergarten ein Lied vorzutragen. Mein Lied: „ Kinderschieler, Suppetrieler, nämm de Leffel mid-schbaziere“ war kein Erfolg
  • an Geschichten aus der Kindheit meines Vaters Alexander Mayer (1915-2009). Er hütete als bitterarmer Hütejunge im Schwarzwald die Kühe auf der Weide. Ganzjährig ohne Schuhe und im Winter mit den Füßen in den Kuhfladen, damit die Zehen nicht erfrieren
  • an eine Fehlinvestition meiner Eltern: „Schönschreibnachhilfe bei Frau Becker“
  • an die Cowboy- und Indianer-Filme meiner Kindheit. Ich wusste damals noch nicht, dass mit diesen Filmen ein Völkermord schöngefilmt wurde
  • an einen Besuch meiner Hauptschulabschlussklasse bei der Teninger Firma Tscheulin. Mein wiederholtes Nachfragen nach dem Gehalt der Tscheulin-Chefs wurde nicht beantwortet
  • an die nicht gesunde Aufbesserung meines Taschengeldes durch das Sammeln von Kupfer und Alu am Schuttloch Teningen
  • an die fast vollständig durchgelesene Teninger Pfarrbücherei. An Thor Hayerdal, Mühlenweg, an „die Höhlenkinder“, „Sieben Jahre in Tibet“ und an den „Gelben Stern“
  • an den ersten und an den zweiten Kuss
  • an eine lehrreiche Leerzeit mit Normschriftübungen auf dem Emmendinger Vermessungsamt. Die Lehrlingsausbilder waren alle in der CDU. Nur mein Ausbilder war nicht in der CDU. Er war "früher schon einmal in einer Partei" und er hat mir viel aus der BILD-Zeitung vorgelesen
  • an den alten Walt Disney Film „Unser Freund das Atom“ der zeigte, wie ein großes Schiff mit „drei Brikett Uran“ siebenmal um die Erde fahren konnte und an den ähnlichen Film aus dem Jahr 2016 "Thorium - Atomkraft ohne Risiko?"
  • an „Willi wählen“, Che-Plakate, an die Lehrlingshoffnung auf das chilenische Experiment und den ungesühnten Tod von Salvador Allende im Auftrag der US-Konzerne
  • an die im Stadion von Santiago de Chile gefangenen, gefolterten und ermordeten Chilenen und den Satz »Das Leben im Stadion ist bei sonnigem Wetter recht angenehm.« von Bruno Heck, Generalsekretär der CDU und an die Sympathie vieler CDU/CSU Politiker für das Apartheidsregime in Südafrika
  • an die sechziger Jahre mit Intoleranz, Kuppeleiparagraph, Hetze der Bild-Zeitung und an den "Deutschen Herbst". An liberalere, tolerantere und freier werdende Zeiten und an die aktuell wieder bedrohlich zunehmende Intoleranz, Dummheit & Bedrohung der Freiheit, nicht nur durch Trump, Erdogan, Orban, AfD & Co.
  • an eine lange, verregnete, erfolgreiche Bauplatzbesetzung 1974 in Schlamm und Kälte gegen das geplante Bleichemiewerk in Marckolsheim
  • an die Bewusstwerdung, wie schön und wichtig das Selbstverständliche ist: „Meine alemannische Sprache“
  • an die Hoffnungslosigkeit angesichts von Konzern- und Staatsgewalt beim Beginn des Konflikts um das AKW Wyhl, an das selbstbewusste alemannische "Nai hämmer gsait" und an das Glücksgefühl, als am Tag der Bauplatzbesetzung die Polizei vom Wyhler Platz abgezogen wurde
  • an meine Mitarbeit und die Nachtwachen bei der lächerlich kleinen „größten Alternativenergieausstellung der Welt“, an die Sonnentage in Sasbach und an andere frühe (erfolgreiche!) Kämpfe für Windenergie, Solartechnik und Energiesparen
  • an die ungewöhnliche Entscheidung für ein Arbeiterkind „gegen die Sicherheit“ nicht Beamtenanwärter zu werden, sondern den zweiten Bildungsweg zu versuchen
  • an den behüteten pädagogischen Schonraum der evangelischen Fachhochschule in Freiburg
  • an Tage und Nächte auf den Bauplätzen in Wyhl, Gerstheim, Kaiseraugst, Heiteren und später im Gencamp in Buggingen und an Demos, Plakatieraktionen, den Gorleben Treck, den Volkszählungsboykott, Wackersdorf, die Freie Republik Wendland, die Friedensbewegung und die wilde Gründungsphase von Radio Dreyeckland
  • an den Brandanschlag auf das Freundschaftshaus unter dem besetzten Mast in Heiteren und die Ermordung einer Praktikantin vor unserer BUND-Ökostation im Seepark
  • an die Atomunfälle von Harrisburg, Tschernobyl und Fukushima, an die Chemieunfälle in Bhopal und Seveso und den chemisch gereinigten Rhein nach dem Sandozbrand in Schweizerhalle
  • an den üblen Zustand von begradigten Bächen und Flüssen, in denen heute wieder gebadet wird, die renaturiert werden und die an die mühsamen Kämpfe, die mit diesem Fortschritt verbunden waren
  • an die dummen, von Anfang an verlorenen & verlogenen Kriege in Afghanistan und im Irak, an Aufrüstung und an die wachsende Kriegsgefahr unter Präsident Trump
  • an die lange Fahrt mit dem ersten Hilfs-LKW nach Gomel im Gebiet von Tschernobyl
  • an eine verrückt-riskante Schmuggelfahrt mit Babs, durch die DDR und über die Grenze zur Sowjetunion, mit verbotener Ökoliteratur, Umweltanalysekoffern und Material für die noch verbotene Umweltbewegung in Estland, Lettland und Litauen
  • an die Gründung der GRÜNEN, basisdemokratisch, ökologisch und gewaltfrei... und an die "heutigen" GRÜNEN
  • an Bürgerinitiativen die noch nicht kleinlich, egoistisch und indutriegelenkt waren
  • an winterliche Sehnsuchtsträume über Landkarten, Reiseführern und google-earth
  • an´s Trampen, an verrückte „kreuz und quer durch Europa Interrailtouren“, an einen ungeplanten Trip durch den Iran zu Zeiten des Schah, an das alte Afghanistan, an die noch unzerstörten Buddhas von Bamian und an die lapislazuliblauen Seen von Bandi Amir
  • an die schönen Reste und Fragmente ehemaliger Flusslandschaften, an Wasser, Inseln und Bootstouren auf Allier, wilder Gutach, Loire, Thorneälf, Klarälf, Sun Kosi und an ein Kajak-Kindheitsbuch des weitsichtigen Herbert Rittlinger, der nach dem letzten Weltkrieg „Das baldverlorene Paradies“ der Flüsse beschrieben hatte
  • an weite, schöne, karge, stille Landschaften und lange, wunderschönmühsame Wanderungen. An Berge und Hochwüsten, an Kaiserstuhl, Schwarzwald, Vogesen, Korsika, Ätna, Abruzzen, Alpen, Himalaya, Pamir, Tien Shan, Altai, Tsambaragav... und an die Sehnsucht nach diesen längst verlorenen Landschaften
  • an Zeiten, in denen Micky Maus noch im Pariser und Ruster Käfig gefangen war, als der Taubergießen, der Feldberg, die Plitwitzer Seen, Les Baux, Tarn, Dordogne und Ardeche noch keine Naturrummelplätze waren
  • an die nicht vergnügungssteurpflichtige Arbeit als Kreisrat im Kreistag Emmendingen (seit dem 13.1.1992) und in der "letzten politischen Boygroup" im Zweckverband Kahlenberg




    Usine Kaisersberg am Rhein: Vor dem Konflikt noch ohne Kläranlage

    Usine Kaysersberg: Nach dem erfolgreichen Streit für eine Kläranlage














  • an die gute, wichtige, sinnvoll-mühsame Arbeit beim BUND (vom 1.12.1991 für die UNCED-Konferenz und ab dem 1.9.1992 als BUND-Regionalgeschäftsführer)
  • an gute Chefs, Vorstände, freundliche Teams, Mitarbeiter die Freunde sind und mühsam-gute Arbeit mit Karl, Luise, Jean Paul, an die Arbeit beim BUND und an erstaunlich kluge, freundliche Zivis & FÖJ-ler, von denen ich viel gelernt habe.
  • an verschwendete, selbstbetäubende Abende vor der Glotze nach mühsam-schweren Arbeitstagen
  • an Niederlagen: Nachrüstung, Asbest, den vorhergesagten Brand des nichtbrennbaren Giftmülls bei Stocamine, Säurefabrik Marckolsheim, Stuttgart 21 und die immer noch nicht abgestellten AKW in Fessenheim und Beznau, an wachsende soziale Ungleichheit, Cum-Ex, Unrecht und Kriege für Öl
  • an den letzten Kalten Krieg (den wir nur Dank vieler Zufälle überlebten) und an den beginnenden, wohl organisierten, neuen Kalten Krieg
  • an einen gesprayten Spruch am Dreisameck: "Dass der Tod uns lebend findet und das Leben uns nicht tot!"
  • an das noch unscharfe Gesicht des Todes auf einem winterlich-hohen Himalaya-Pass und auf einem OP-Tisch
  • an eine Tramptour vor meinem Zivildienst nach Palästina und Israel. Palästina wurde, seit ich denken kann, immer kleiner... Die Landwegnehmer und Kolonialisten im Westjordanland heißen Siedler und die Menschen, die sich gegen die Landwegnahme wehren heißen Terroristen
  • an die beinah inflationär häufige Benutzung des Begriffs Menschenrechte durch ein Land, das einen Verbrecher innerhalb eines Monats 183-mal dem berüchtigten Waterboarding unterzogen hat, einer Foltermethode, die Ertränken simuliert
  • an den zunehmenden Eindruck tiefgreifender Zerstörung von Heimat, Landschaft, Sprache, Städten und an Kulturverlust und Innenweltzerstörung
  • an konstruktive Konflikte, aber auch an Intrigen, Denunziationen, Intoleranz, Hassmails, Bedrohungen und an mühsame Kämpfe mit mächtigen Gegnern
  • an Erfolge: Wyhl, Kaiseraugst, Gerstheim, an die Realisierung unserer utopischen Alternativenergie-Vision der Sasbacher Sonnentage, an den „Knoten“ auf dem Abflussrohr der Usine Kaysersberg, an die gesparte Milliarde DM in Sachen Müllverbrennung Kahlenberg, an mühsam erkämpfte Wasserqualität und saubere Luft, an die erfolgreichen schönen Sommer im Bugginger Gencamp, an die Renaturierung der Elz und das knappe, erfolgreiche Endinger Nein zum Flächenverbrauch
  • an die winzigen Anfänge von www.bund-rvso.de & www.mitwelt.org und an die aktuellen 2 Millionen jährlichen NutzerInnen dieser Internetseiten
  • an das Wissen, dass das reichste Prozent der Weltbevölkerung (70 Millionen Menschen) über so viel Vermögen verfügt wie der ganze Rest (sieben Milliarden Menschen)
  • an das erstaunlich friedliche Ende des real existierenden Sozialismus und an viele Anzeichen, dass der enthemmte Kapitalismus, die weltweite Raubbauwirtschaft mit ihren Wachstumsträumen sich weniger friedlich zu Tode siegen könnte
  • an die vielen Kriege der letzten Jahrzehnte, bei denen ich vor Kriegsbeginn von Geheimdiensten, PR-Agenturen, demokratischen Regierungen und Medien in demokratischen Ländern eigentlich immer nur belogen und betrogen wurde
  • an Hölderlins These "Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch" und an die Realität, dass in Gefahr & Krise nicht etwa das Rettende, sondern das Neurotische, die Dummheit, die Intoleranz und die Nationalismen wachsen
  • An das zunehmende Wissen, dass ich mich wohl mit dem Versuch der „Entschleunigung der Zerstörung“ zufrieden geben muss, damit Ökotopia, Nachhaltigkeit und das vor uns liegende Zeitalter der Aufklärung zumindest eine kleine Chance haben
  • an Menschen: an Babs, Familie, Freunde, Mitstreiter, Wegbegleiter
  • an die Musik von Jim Morrison, Jimi Hendrix, Ian Anderson, Keith Jarret, Hanns Söllner, Hannes Wader, von meinem Freund Walter Mossman und an Bob Marleys: „Good friends we have had and good friends we have lost along the way,“


Axel Mayer
Getragen von der kleiner werdenden Hoffnung auf das vor uns liegende Zeitalter der Aufklärung



Hier:





Zeugnis Axel Mayer: Herr Mayer hat sich stets bemüht...



Herr Mayer ist seit 1974 im Umwelt- und Naturschutz aktiv und seit dem 1.12.1991 als Geschäftsführer beim BUND-Regionalverband beschäftigt. Zum Jahresende 2019 kehrt er vom Hauptamt zurück ins ehrenamtliche Engagement und geht in Rente.

Bei seinem Bewerbungsgespräch stand der Vertreter des BUND-Landesverbandes seiner Bewerbung eher ablehnend gegenüber, denn Herr Mayer war damals Mitglied einer „kleinen radikalen Partei“. Diese Partei stellt heute in Baden-Württemberg den Ministerpräsidenten und ein kleiner Hauch Radikalität würde ihr gut anstehen.

Es gab bei der Einstellung auch die Vermutung, ein so politischer Geschäftsführer würde den Regionalverband schnell wirtschaftlich zugrunde richten. Er hinterlässt einen finanziell gut aufgestellten BUND-Regionalverband.

Herr Mayer hatte stets die allerbesten Voraussetzungen für eine gute und erfolgreiche Arbeit. Sie lag in einer für Zentraleuropa erstaunlich langen Zwischenkriegszeit. Alle Erfolge wurden gemeinsam in sehr guten, freundlichen Teams erreicht. Es gab eine lange Reihe von unglaublich engagierten Vorständen und das gute, eigenständige Team der BUND-Ökostation mit Ralf, Ute, Heide und Svenja. Da waren Brigitte, Jean-Paul, Ellen & Stefan als direkte Mitarbeitende in der Geschäftsstelle in vielen Jahren. Und dann noch unglaublich tolle Zivis und FÖJ-Aktive, die ihn ein wenig vor Erstarrung bewahrten. Die vielen BUND-Mitglieder, Unterstützer, Spender & Newsletter-Bezieher in der Region, aber auch die Spitzen des BUND-Landesverbandes haben seine pointierte Tätigkeit tapfer und mit großer Freundlichkeit ertragen.
Der BUND bot ihm in seinen Tätigkeiten ein heutzutage unglaubliches Maß an Freiheit.

Herr Mayer hat sich stets bemüht, doch leider fiel seine Tätigkeit in eine zerstörerische, regionale & globale Endphase unbegrenzten Wachstums. Sein Arbeitsbeginn war auch der Beginn des neoliberalen Zeitalters aus dem soziale Ungleichheit, globale Gier, Demokratiegefährdung und Illiberalismus wurde. Massive wachstumsbedingte Verluste an Vielfalt und eine zunehmende Verscheußlichung sind überall in der Region am Oberrhein erkennbar. Die Stadt Freiburg wuchert ins Umland und es entsteht ein durchgängiger, gesichtsloser Siedlungsbrei. Auf beiden Rheinseiten wuchern die hässlichen, neonschrillen Ortseinfahrten, Gewerbesteppen und die Billigbauten der Hypermarche-Kultur.

In den knapp 3 Jahrzehnten seiner Tätigkeit nahm der CO2-Gehalt der Atmosphäre zu und die Zahl der Insekten, Amphibien und Vögel am Oberrhein nahm massiv ab. Schon die nächste Generation wird diesen stillen Schwund nicht mehr bemerken, denn bereits heute kennen die wenigsten jungen Menschen noch die Stimme der ins Blau aufsteigenden Lerche. Auch die Durchsetzungsstrategien der Umweltzerstörer haben sich massiv geändert. Häufig treten sie auch am Oberrhein als gut getarnte Bürgerinitiativen auf. So ist es Herrn Mayer nicht immer gelungen, seinen eigenen Ansprüchen gerecht zu werden.

Dem Freiburger BUND-Team in der Ökostation und im Regionalverband sind auch Katastrophen nicht erspart geblieben. Der unaufgeklärte Mordversuch an einer Praktikantin und der Mord an unserer Mitarbeiterin Eva-Maria Christof am 29. November 1995 vor der Ökostation liegen verschorft unter der Oberfläche des Bewusstseins und sind nicht verarbeitbar.

Herr Mayer hat sich in seiner Tätigkeit als BUND-Regionalgeschäftsführer stets bemüht, den ihm übertragen Aufgaben nachzukommen...

Die ersten Jahre seiner Tätigkeit fielen noch in die Zeit der „guten, alten, offenen, sichtbaren" Umweltverschmutzung. Einer seiner größten persönlichen Erfolge war es, der extrem wasserverschmutzenden Papierfabrik Kaysersberg am Rhein eine Kläranlage aufzuzwingen. Nicht nur der Konflikt um die fehlende Entstickung der Flachglasfabrik Hombourg war erfolgreich. Aus dem jahrzehntelangen Kampf vieler Menschen für saubere Luft und gegen das Waldsterben und den Klimawandel wurde 2019 mit "Fridays for Future" endlich erfolgreich Bewegung, mit 30.000 Demonstrierenden in Freiburg.

Der BUND Landesverband hat äußerst umfangreiche Tätigkeitslisten für Geschäftsführende erstellt. In zwei Sommern hat die Freiburger Regionalgeschäftsstelle diese Aufgabenliste fast vollständig ignoriert und die Herren Lacôte und Mayer haben lieber monatelang in Buggingen gezeltet, anstatt ihren vorgegebenen Aufgaben nachzukommen. Durch das Gen-Camp in Buggingen konnte in Südbaden die Aussaat von gentechnisch verändertem Mais erfolgreich verhindert werden.

Wenn im Jahr 2020 (hoffentlich) die beiden Fessenheimer Reaktoren abgestellt werden, dann hat das auch ein wenig mit den Tätigkeiten des BUND am Oberrhein in der grenzüberschreitenden Umweltbewegung zu tun. Hunderttausende von BUND-Infoblättern wurden gedruckt und die Zahl der BUND-Plakate, Banner, Anstecker, Aufkleber, Mails, Aktionen & Demos ist unermesslich. Die Medien wurden fast drei Jahrzehnte lang mit viel zu vielen Presseerklärungen gequält.

Herr Mayer war und ist ein wenig altmodisch. Naturliebend, weltoffen-regional verwurzelt, freiheitsliberal, im epplerschen Sinne bewahrend wertkonservativ und gleichzeitig links, wird er als letzter BUND-Geschäftsführer ohne Handy in die BUND-Geschichte eingehen. Ein wenig verzagt kämpft & hofft er immer noch auf das vor uns liegende Zeitalter der Aufklärung.

Gegen das moderne Denken der Werbeabteilungen setzt er altbacken auf Text, Grafik und Inhalt statt auf geschmeidige Form.
Die regionalen BUND-Internetseiten sind bisher noch "altmodisch-textorientiert" und manchmal schrecklich lang. Gegen jeden modischen Trend bieten sie keine Infohäppchen, sondern wenden sich an die kleiner werdende Minderheit, die noch in der Lage ist längere Texte zu lesen und zu erfassen. Erstaunlicherweise wurden die altmodischen Internet-Seiten in den letzten Jahren ca. 20 Millionen mal aufgerufen. Selbst ein breites Spektrum alemannischer Texte und Gedichte ist zu finden, denn nicht nur Arten gehen verloren.

Dem BUND am Oberrhein eilt der Ruf politisch pointierter Inhalte voraus. Dennoch sitzen, entgegen dem politischen Ruf, in der Freiburger Geschäftsstelle die großen BUND-Nistkastendealer. Fast 20.000 Kästen mit Bausätzen wurden in den letzten Jahren verschickt.

Herr Mayer war und bleibt unbequem, kritisch, aber kein Querulant. Er war unbequem für Umweltzerstörer und hat sich die richtigen Freunde und Feinde gemacht. Er sieht und benennt die Stärken, aber auch die Gefahren und Schwächen der Umweltbewegung angesichts mächtiger werdender Gegner und sich massiv zuspitzender Konflikte. Wenn "die andere Seite" im Konflikt "besser war", hat das Herrn Mayer immer saumäßig geärgert.

In der unmenschlichen Flut von Themen, Mails und Aufgaben musste Herr Mayer lernen, häufig auch Nein zu sagen. Er hat den machbaren Teil der regionalen Themen und Anfrageflut aufgegriffen. Manchmal ist er auch tief verzweifelt in notwendige, scheinbar nicht lösbare Konflikte mit mächtigen Gegnern gegangen.

Doch wer hätte zu Beginn der Bugginger Ackerbesetzung an den kommenden Erfolg geglaubt, wer an den knappen temporären Sieg beim Bürgerentscheid Flächenverbrauch in Endingen, wer an den Atom- und Kohleausstieg und an die immer bedrohten Erfolge der zukunftsfähigen Energien?

Der Geschäftsführer wird Ende 2019, hoffentlich fast zeitgleich mit dem ersten Reaktorblock seines "Lieblingsatomkraftwerks" in Rente gehen. Rente ist Übergang und heißt, dass er wieder ins Ehrenamt als Umwelt- und Naturschützer zurückkehrt. Er hofft auf weniger Bürokratie und Anfragen, auf mehr Freiheit und Freizeit und freut sich auf Zeit für Inhalte, Analyse & Texte und die zukünftige „Mitwelt Stiftung Oberrhein“. Er ist und bleibt aktiver Teil und Berater des BUND und der Umweltbewegung.

Das Freiburger Team, die Mitarbeitenden, die Vorstände und die Aktiven haben in einer Zeit massiver globaler und regionaler Zerstörung in den letzten knapp 3 Jahrzehnten in Südbaden für Mensch, Natur & Umwelt unglaublich viel erreicht. Es ist ihnen gemeinsam mit dem Alt-Geschäftsführer gelungen regional und bundesweit Themen und Inhalte zu setzen. Im global-eskalierenden Krieg gegen Mensch und Natur wurden kleine Siege der Nachhaltigkeit erzielt.

Die weltweiten Zerstörungsprozesse konnten in der Region ein wenig verlangsamt werden. Das entspricht nicht den Zielvorgaben des Verbandes und nicht den selbst gesteckten Erwartungen von Herrn Mayer, ist aber, angesichts des Zustandes der Welt, auch kein ganz schlechtes Ergebnis langer Arbeit.

Herr Mayer hat sich stets bemüht. Er wird sich auch in Zukunft engagieren, denn es gibt noch viel zu tun.
Axel Mayer (Alt-) BUND-Geschäftsführer









Axel Mayer: Kurzfassung - Leben und so...


  • 1955, geboren in einer Teninger Arbeiterfamilie
  • seit der Bauplatzbesetzung im elsässischen Marckolsheim 1974 aktiv im regionalen, grenzüberschreitenden Natur- und Umweltschutz und der Friedensbewegung im Dreyeckland
  • langjähriger Sprecher der Bürgerinitiative Riegel, einer der Badisch - Elsässischen Bürgerinitiativen (Wyhl)
  • in der "wilden" Gründungsphase Mitstreiter von Radio Dreyeckland, heute nur noch Mitglied
  • BUND - Regionalgeschäftsführer für die Region Südlicher Oberrhein (beim BUND seit dem 1.12.91 beruflich aktiv)
  • Vizepräsident im „Trinationalen Atom-Schutzverband der Bevölkerung um das Atomkraftwerk Fessenheim“ (TRAS)
  • nach einigen Jahren in Teningen und Riegel heute in Endingen wohnend
  • Vermessungstechniker, Sozialarbeiter und jetzt BUND-Regionalgeschäftsführer für die Region Südlicher Oberrhein
  • seit dem 13.1.1992 Kreisrat im Kreistag Emmendingen, gewähltes Mitglied im Zweckverband Kahlenberg und im Innovationsfond der Badennova
  • Engagement in Sachen Umwelt, Natur, Frieden, Nachhaltigkeit, Demokratie, sozialer Gerechtigkeit
  • fasziniert von manchen Menschen, großen weiten Landschaften und alemannischer Regionalkultur
  • erschreckt über die mich umgebende Umwelt- und Innenweltverschmutzung, die fortschreitende Zerstörung meiner Heimat am Oberrhein und die Manipulierbarkeit der Menschen
  • getragen von der Hoffnung auf das vor uns liegende Zeitalter der Aufklärung, das nicht von selber kommen wird wie die Morgenröte nach durchschlafener Nacht





Eine kleine Auswahl: Reden von Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer, Kreisrat, Vizepräsident TRAS



2020: Eine kleine Auswahl: Reden von Axel Mayer, (Alt-) BUND-Geschäftsführer, Kreisrat, Vizepräsident TRAS


Die alemannischen Redebeiträge und die Vorträge finden Sie unten auf dieser Seite




















Hier einige Infos zur Person Axel Mayer





Axel Mayer (links) & Meinrad Schwörer & das AKW Wyhl





Nachtrag:
Über Hass & Intoleranz im "Meins-Zeitalter"


"Hass ist ein „intensives Gefühl der Abneigung gegen eine Person oder eine Gruppe von Personen“ und kann zu aggressiven Handlungen gegenüber den Hassobjekten führen. Ursache ist meist die Bedrohung oder Kränkung des eigenen Selbstwertgefühls." beschreibt Wikipedia den Hass


Im Lauf meiner Tätigkeit war ich immer wieder mit Wut und Hass konfrontiert. Das zeigte sich in bitterbösen Mails und Briefen, in hasserfüllten Botschaften und manchmal in Bedrohungen. Viele dieser teilweise anonymen Botschaften kamen aus rechten Kreisen, von Chemtrail-Gläubigen, Atomkraft-Befürworten, Klimawandelleugnern, Windkraftgegnern und teilweise waren sie auch nicht zuzuordnen.
Erschreckend empfand ich solche Nachrichten immer dann, wenn sie aus der "eigenen" Szene kamen. Die Haltung "Mein Thema und meine Meinung sind das wichtigste der Welt und Abweichungen davon sind nicht erlaubt" nimmt in unserer Gier-Gesellschaft überall zu. Es gibt auch in unseren Reihen zunehmende Intoleranz und immer wieder Menschen die jeden, der ihre Haltung, Meinung und Ansicht nicht teilt, für einen Feind und Verräter halten. Der Umgang mit diesem Hass fällt mir zunehmend schwer.
Was wir brauchen ist der kluge, differenzierte Streit um Inhalte und unsere humanistischen Ziele müssen den Weg zum Ziel bestimmen.
Ich habe kein Problem mit gerechtem, reflektiertem Zorn, den wir in diesen Zeiten dringen brauchen.
Axel Mayer








Mitwelt-Warnungen 2019 & Hinweise zu diesen Seiten...


  • 1) Diese Mitwelt-Internetseiten der Mitwelt Stiftung Oberrhein sind "altmodisch-textorientiert" und manchmal lang. Wir bieten keine modischen Infohäppchen, sondern wenden uns an die kleine Minderheit, die noch in der Lage ist längere Texte zu lesen und zu erfassen.
  • 2) Wenn Sie hier "Die Wahrheit" suchen, werden Sie sie nicht finden. Es gibt sie nicht, "Die Wahrheit", sondern immer nur Annäherungen daran, Wahrheitsfragmente. Es wird Ihnen nichts übrigbleiben, als sich mit den "anderen Wahrheiten" auseinander zu setzen, um zu einer eigenen Meinung zu kommen. Verlassen Sie auch einmal den engen "Echoraum" der eigenen Meinung im Internet. Misstrauen Sie Wahrheitsverkündern. Haben Sie Mut Ihren eigenen Verstand zu gebrauchen.
  • 3) Im Zweifel ist die -Allgemeine Erklärung der Menschenrechte- immer noch eine gute Quelle zur Orientierung.

Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein


Getragen von der Hoffnung auf das vor uns liegende Zeitalter der Aufklärung (das nicht kommen wird die Morgenröte nach durchschlafner Nacht)





Aktueller Nachtrag:
Bauernsterben, Insektensterben & Artensterben / Grüne Kreuze, Mahnfeuer & Bauerndemos in Berlin


Die aktuelle, bundesweite Bauern-Kampagne mit grünen Kreuzen, Mahnfeuern & Bauerndemos hat die Zielrichtung: "Rettet die Bauern durch ein Ja zu Agrargiften, Glyphosat und Massentierhaltung". Die tatsächliche Not der kleinen und mittleren Landwirtschaft hat andere Ursachen und sie wird von Lobbyisten gerade gezielt missbraucht. Die Ausrichtung der Kampagne nützt den Agrochemiekonzernen und den giftdominierten, großen Agrarfabriken und schadet Mensch, Natur, Grundwasser und Umwelt und sie schadet auch den letzten kleinen und mittleren landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland. Die von CDU, CSU und von der FDP politisch gewollten Agrarfabriken brauchen keine Bauern sondern "landwirtschaftliche Fachangestellte". Gemeinsam Lösungen finden die Artenvielfalt, aber auch die Vielfalt echter bäuerlicher Betriebe erhält, wäre eine gemeinsame Aufgabe für Umweltverbände und Landwirtschaft. Hier versagen die lobbygelenkten alten Bauernverbände total.
Die Groß-Demo Agrarwende anpacken, Klima schützen am Samstag 18.1. in Berlin kämpft für Bauern und Umwelt!
Mehr Infos: Bauernsterben-Artensterben












Richtig wichtig! Ihnen gefällt diese Seite? Legen Sie doch einen Link:
<a href="http://www.mitwelt.com/axel-mayer.html">Axel Mayer, Endingen, persönlicher Rückblick: Die letzten 64 Jahre & der ganze Rest</a>

Teilen über:
Twitter Facebook

Dieser Artikel wurde 17475 mal gelesen und am 24.12.2019 zuletzt geändert.