2024 / Verschwörungstheorie Nr.1 / Unbegrenztes Wachstum im begrenzten System Erde / die Wachstumsreligion


Veröffentlicht am 28.05.2024 von Axel Mayer

Verschwörungstheorie Nr.1: Unbegrenztes Wachstum im begrenzten System Erde / Die Wachstumsreligion


Es gibt eine unglaubliche Zahl von Verschwörungstheorien (QAnon, Klimawandelleugnung,Chemtrails ...), die eigentlich Verschwörungsmythen heißen müssten. Die weltweit bedeutendste und verheerendste Verschwörungstheorie ist der giergetriebene, unwissenschaftliche Mythos vom unbegrenzten Wachstum im begrenzten System Erde. Auch der Traum vom „grünen Wachstum“ ist ein Mythos, wenn auch nicht ganz so zerstörerisch. Sie verschleiert, dass auch für grüne Technologien massiv Rohstoffe gebraucht werden.

Der religionsähnliche Wachstums-Mythos erinnert ein wenig an den mittelalterlichen Glauben von der »Erde als flache Scheibe«. Früher einmal »Stand des damaligen Wissens« ist der heutige Glaube an die »flache Erde« eine Verschwörungstheorie. Auch das falsche, geozentrischen Weltbild, nach dem die anderen Planeten und die Sonne die Erde umkreisen, war lange Stand des Wissens. Erst Kopernikus beschrieb die Umlaufbahnen der Planeten als Kreise, deren Mittelpunkt die Sonne ist und bekam für diese Berichtigung der alten Wahrheit ziemlich viel Ärger mit den damals Mächtigen. Die „kopernikanische Wende“ war eine der Zäsuren, die den Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit markieren.
In Sachen "unbegrenztes Wachstum" war der Bericht des Club of Rome die kopernikanische Wende. Spätestens seit dem Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit »Die Grenzen des Wachstums« aus dem Jahr 1972, sollte der falsche Wachstumsglaube eigentlich überwunden sein. Doch ähnlich wie im Jahr 1543 hält die Mehrzahl der Menschen am alten Glauben fest und die alten Eliten, die vom Wachstumssystem am meisten profitieren, machen immer noch viel Ärger. Wie im letzten großen Krieg behaupten sie mit technischen Wunderwaffen dauerhaftes Wuchern zu ermöglichen und den verloren gehenden Krieg gegen Mensch, Natur und Umwelt doch noch zu gewinnen.

Bei einem anhaltenden Wachstum
von 3 % verdoppelt sich das Bruttonationaleinkommen alle 23 Jahre, bei 5 % sogar bereits alle 14 Jahre. Und eine Menge, die exponentiell wächst, vertausendfacht sich jeweils nach der zehnfachen Verdopplungszeit. Dauerhaftes exponentielles Wachstum einer Wirtschaft ist nicht möglich und führt zwangsläufig zur Selbstzerstörung.


Wachstumskritik: Unbegrenztes Wachstum ist die Hauptursache für Artenausrottung, Klimakatastrophe, Weltvermüllung, Rohstoffverschwendung und Atommüllproduktion


Viele der aktuellen Krisen sind Symptome einer Krankheit die Wachstumszwang heißt.

[b]Etwa 5- bis 10 Millionen Menschen lebten vor 10 000 Jahren auf der Erde. Heute sind es 8 Milliarden Menschen die alle so verschwenderisch leben wollen wie wir.

"Ein Milliardär ist so klimaschädlich wie eine Million Menschen", sagt eineOxfam-Studie aus dem Jahr 2022. Millionäre wären gerne Milliardäre und Gutverdienende wollen Millionäre sein. Arme wäre gerne Gutverdienende und "der arme Rest der Welt" würde gerne so verschwenderisch leben wie wir. Das kann und wird nicht gutgehen.
Es ist nur logisch, dass dieses explosionsartige Wachstum für uns und andere Lebewesen Folgen hat. Kaum jemand bestreitet noch, dass derzeit auf der Welt ein gigantisches Massensterben läuft, ähnlich dem vor 66 Millionen Jahren, als die Dinosaurier von der Erdoberfläche verschwanden. Wir leben in einem System der globalisierten Gier, das scheinbar nur funktioniert, wenn es unbegrenzt wächst und dabei erstaunlicherweise die Menschen immer unzufriedener macht.

Es ist unbestritten, dass 8 Milliarden Menschen nicht so verschwenderisch leben können wie wir. Und es ist ebenfalls unbestritten, dass der arme Teil der Weltbevölkerung einen massiven Nachholbedarf an umweltgerechtem Wachstum hat. Wir leben in einer Zeit der Gier, in dem umweltzerstörende Milliardäre für viele Menschen "Vorbilder" sind. Doch Vorbild muss das gute Leben für alle sein und dafür braucht es immer auch soziale Gerechtigkeit. Wir hätten zwischenzeitlich sogar die gute, menschengerechte Technik für dieses gute Leben.

Das tief zerstörerische Wachstum des reichen einen Prozent der Weltbevölkerung muss gestoppt und umgekehrt werden. Wir müssen neu definieren, was Wohlstand bedeutet. Und ansonsten gilt immer noch der alte Satz von Mahatma Gandhi. „Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.“

Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein
Mehr Infos: Wachstumskritik



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