Werner Mildebrath / Solarpionier aus Sasbach am 18.9.2020 verstorben


Veröffentlicht am 01.10.2020 in der Kategorie Energie von Axel Mayer

Der Solarpionier Werner Mildebrath aus Sasbach ist am 18.9.2020 verstorben


In Zeiten des Klimawandels und Artensterbens gibt das Leben und Wirken von Werner Mildebrath ein wenig Hoffnung. Ein "kleiner Mensch und einfacher Handwerker" kann einen wichtigen Beitrag für die Zukunft und die Menschheit leisten.
Axel Mayer


Trauer um Solarpionier Werner Mildebrath: Solarpionier, Tüftler, BUND-Ehrenmitglied und Aktivist am 18.9.2020 verstorben


Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland trauert um sein verstorbenes Ehrenmitglied Werner Mildebrath aus Sasbach.
Der Solarpionier gehört zu den Ersten, die in Deutschland thermische Solaranlagen bauten. Der jetzt verstorbene Wyhl-Aktivist und Tüftler erhielt am 26.4.2008 bei der Landesdelegiertenversammlung des BUND in Bad Boll die Ehrenmitgliedschaft des BUND. Er war das erste Mitglied aus der Region am Südlichen Oberrhein, der diese Ehrung erhielt.



Werner Mildebrath war ab dem Jahr 1973 aktiv, als die Bevölkerung und die Badisch Elsässischen Bürgerinitiativen zuerst ein umweltbelastendes Bleichemiewerk im elsässischen Marckolsheim und später ein AKW in Wyhl verhinderte. Er war seit 1976 Mitglied des BUND. Werner Mildebrath führte damals mit seiner ebenso aktiven Frau Erika, ein kleines dörfliches Elektrogeschäft in Sasbach, einem kleinen Ort in nächster Nachbarschaft zu Marckolsheim und Wyhl.

Wie viele aus der dörflichen Bevölkerung war er fest eingebunden in den örtlichen AKW Wyhl - Widerstand, als Elektriker aber hatte er einige „besondere“ Aufgaben. Bei vielen Kundgebungen und Aktionen war er zuständig für die „Demo-Technik“. Er organisierte die Elektrik, die damals noch „exotische“ Videotechnik und die Lautsprecheranlagen und bediente diese. Im Wyhler Wald sorgte sein Aggregat bei Veranstaltungen für Strom. Bei vielen Aktionen, auch in späteren Jahren, war er wie selbstverständlich als für diesen Bereich „zuständiger“ Mann dabei, immer zuverlässig und engagiert, ohne viele Worte zu machen.

Alleine diese Aktivitäten waren schon Grund genug für eine Auszeichnung.Doch in erster Linie ging es dem BUND darum, den Solarpionier Werner Mildebrath zu ehren.

Durch die Volkshochschule Wyhler Wald war er sehr früh auf die damals absolut „exotische“ thermische Erwärmung von Wasser mit Hilfe der Sonne aufmerksam geworden.

Im Jahr 1975 baute der Elektriker, Tüftler und Handwerker für sein eigenes Haus eine sehr solide thermische Solaranlage die heute nicht nur immer noch existiert, sondern auch noch funktioniert. Es dürfte sich dabei um eine der ersten praxistauglichen Solaranlagen in Deutschland gehandelt haben. Diese Anlagen gehören langfristig in ein Museum.

Im Sommer 1976 veranstalteten einige Aktive der Badisch-Elsässischen BI´s und des damals frisch gegründeten Bund für Umwelt und Naturschutz (Aktion Umweltschutz) die weltweit erste große Ausstellung zu alternativen Energien in Sasbach am Kaiserstuhl. Der Widerstand gegen das im Nachbardorf Wyhl geplante AKW, das berühmte "Nai hämmer gsait" war den Aktiven des BUND und der BI´s nicht genug, es galt auch, Alternativen zur Atomenergie aufzuzeigen und neben das Nein zur Atomenergie das Ja zu den alternativen Energien zu stellen. Die Solaranlagen von Werner Mildebrath waren damals ein wichtiger Teil der Sasbacher Sonnentage.

Sonnentage in Sasbach: Die erste Solar-Ausstellung 1976

Entnommen aus "Solare Zeiten - die Karriere der Sonnenenergie" von Bernward Janzing

Gemessen an heutigen Ausstellungen alternativer Energien war es eine kleine, ja geradezu winzige Ausstellung. Über 12 000 BesucherInnen kamen 1976 zu diesen ersten "Sonnentagen" nach Sasbach. Es war tatsächlich eine „kleine, weltgrößte“ Ausstellung und es ist unglaublich und faszinierend, was sich aus diesen "Sonnentagen" entwickelt hat. Gerade dieser Vergleich zeigt den unglaublichen Erfolg der damaligen Idee und der umgesetzten Vision.

Für Werner Mildebrath war dies alles der Einstieg in die kleintechnische Produktion von Solaranlagen. Er gründete eine kleine Firma und baute in der ganzen Region seine Anlagen, die alle heute noch funktionieren.

Jahre danach hatte ihn das Schicksal vieler Pioniere ereilt. Was anfangs belächelt und sogar bekämpft wurde, wurde später von großen Firmen aufgegriffen, die großtechnisch einfach billiger produzieren konnten. Die Firma des verstorbenen Pioniers gibt es nicht mehr.

Dennoch braucht es diese Tüftler, Techniker und Pioniere, um zukunftsweisende, langlebige und nachhaltige Technologien auf den Weg zu bringen und der BUND ist stolz, solche Menschen in seinen Reihen gehabt zu haben.

Auf seinem Hausdach befinden sich alte und neue Solaranlagen. Die ältesten Solar-Anlagen Deutschlands sollten nicht in der Schrottpresse landen, sondern in einem Technikmuseum.
Wir werden Werner Mildebrath vermissen.

Dr. Brigitte Dahlbender BUND-Landesvorsitzende / Axel Mayer (Alt-) BUND Geschäftsführer



Hier gibt´s einen lesenswerten Nachruf für Werner Mildebrath in der Badischen Zeitung


Trauerrede für Werner Mildebrath


Liebe Erika,
liebe Trauerfamilie Mildebrath
liebe Freundinnen und Freunde von Werner, liebe Aktive
Liebe Trauergemeinde

Ich spreche heute hier, auf Einladung der Familie, als Freund und Mitstreiter von Werner und für den BUND und die Badisch-Elsässischen-Bürgerinitiativen

Schließt doch bitte alle einmal die Augen
Erinnert Euch an an eine Begebenheit, eine Begegnung mit Werner
an irgend ein Bild von Werner das in Euerm Kopf hängen geblieben ist
(...)
Bilder
Werner als Ehemann und Vater
Werner auf der Dach, wenn er eine Antenne baut
Werner im Elektromobil im Dorf
Werner bei der Wyhl-Marckolsheim Demo
Werner als Aussteller bei den Sonnentagen
Werner beim Vereinsfest, wenn er die Lautsprecheranlage installiert
Werner der immer half, wenn er gefragt wurde

Das "Werner-Bild" in meinem Kopf
Werner bei der Wyhl-Demo am Lautsprecher auf der Leiter, von hinten "gestibbert" von seiner Frau Erika

Werner war immer auch für andere aktiv

*für die Familie
*für die Vereine
*für die BI´s gegen Atom und Blei

*Menschen wie Werner haben wir es zu verdanken dass das Bleiwerk und das AKW nicht kamen
*Menschen wie Werner haben wir es zu verdanken dass Energie aus der Sonne heute billiger ist als Atomstrom

Was hat Werner alles für uns, für Euch getan?

Mein schlechtes Gewissen bleibt
Haben wir uns zu Lebzeiten genug bedankt (nicht nur bei Werner)?
Es freut mich, dass der BUND Werner zum Ehrenmitglied ernannt hat
zu Lebzeiten

Die Familie Mildebrath hatte es im Leben nicht einfach
Als Flüchtlinge nach dem Krieg zuerst am "Rande des Dorfes"
Ich glaube wir "Jungen" und Nachgeborenen können uns die Situation für Flüchtlinge "auf dem Dorf " nach dem Krieg nicht vorstellen

Und heute?
In der Chronik von Sasbach und Leiselheim bei Wikipedia gibt es berühmte Persönlichkeiten und zwei Visionäre und Pioniere.

*Carl Friedrich Meerwein (1737–1810), Baumeister und Konstrukteur eines Flugapparats aus Leiselheim
*Werner Mildbrath Solarpionier, Tüftler, BUND-Ehrenmitglied und Aktivist

Beide Pioniere haben Erfolge erlebt und Niederlagen erlitten
Beide Tüftler wurden verlacht, bekämpft und bewundert
Meerwein und Mildebrath können heute in einem Atemzug gemeinsam genannt werden
Jetzt (Jahre zu spät!) wäre es Zeit für die Gemeinde Sasbach, Werner Mildebrath mit einer Strassenbenennung zu ehren

Unser Werner Mildebrath hat gezeigt:
Man muss nicht Doktor oder Professor oder "studiert" sein um etwas für Alle Nützliches zu erreichen
Man muss nicht Doktor oder Professor oder "studiert" sein um den menschlichen Fortschritt zu dienen

In Zeiten des Klimawandels und Artensterbens gibt das Leben und Wirken von Werner Mildebrath ein wenig Hoffnung.
Ein "kleiner Mensch und einfacher Handwerker" kann einen wichtigen Beitrag für die Zukunft und die Menschheit leisten.

Dankscheen Werner

Axel Mayer



Hier noch ein schöner, von Georg Löser geschriebener Nachruf für Werner Mildebrath