"NAI HÄMMER GSAIT!" Kein AKW in Wyhl und Anderswo - Ein Anti-Atom-Plakat und eine selbstbewusste Umweltbewegung


Veröffentlicht am 14.03.2026 in der Kategorie Atomkraft von Axel Mayer

"NAI HÄMMER GSAIT!" Kein AKW in Wyhl & Anderswo - Ein Plakat und eine selbstbewusste Umweltbewegung


Nai hämmer gsait! Kein Atomkraftwerk in Wyhl und anderswo / 50 Jahre kein AKW in Wyhl


Dieser Satz und das alte Plakat
im Winter 1982 - 1983 (als der Bau des AKW wieder einmal kurz bevor stand) entworfen von Hubert Hoffmann, stehen für die erfolgreiche, selbstbewusst-alemannische, grenzüberschreitend-trinationale Umwelt- und Anti-Atombewegung im Dreyeckland, die in Wyhl (D), Kaiseraugst (CH) und Gerstheim (F) den Bau von drei Atomkraftwerken verhindert hat. Ursprünglich allerdings stammt das Motiv von einem Transparent der Bauplatzbesetzung 1974/75 in Marckolsheim die mit am Anfang der Klimaschutzbewegung steht. Das "awer" (siehe unten im Foto) im Ursprungstext zeigt deutlich, dass hier elsässische Transparentmaler am Werk waren und dass der grenzüberschreitend-gemeinsame Dialekt viele Variationen hat.


Als Plakatidee
hat Hubert Hoffmann den Satz des Marckolsheim-Transparents für die Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen aufgegriffen. Hubert war in der Zeit der Wyhl-Proteste ein vielbeschäftigter, niebezahlter Hobbygrafiker der Bürgerinitiativen und der Umweltbewegung. Auf vielen der alten Wyhl-, Fessenheim-, Waldsterben- und Dreyecklandplakaten findet sich irgendwo versteckt ein kleines Schneckensymol, das Zeichen, dass die Grafik von Hubert Hoffmann stammt. Von ihm kam die Idee des ersten NAI-Plakats und ich erinnere mich noch, wie schwierig es für mich war, die erste Ablehnung in den BI's für das Motiv zu überwinden und endlich in Druck zu gehen. Es war damals nicht anders als heute: Ein Plakatmotiv, drei Leute, vier Meinungen und viel Kritik ... Später wurde das anfänglich umstrittene und teilweise sogar abgelehnte Motiv zu dem Symbol des erfolgreichen Widerstands gegen das Atomkraftwerk Wyhl und heute ziert es im Wyhler Wald den Gedenkstein der Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen. Ich selber habe vor über 40 Jahren das Plakat vielhundertfach an Kaiserstühler Hoftore getackert.

Das Motiv "NAI HÄMMER GSAIT!" findet sich auch als "Widerstandskitsch",
beispielsweise auf kleinen Weingläsern, es wurde bei der Debatte um die Gefahrzeitverlängerung für AKW und nach dem GAU in Fukushima aber auch wieder politisch wichtig. "Atomausstieg jetzt" stand jetzt unter dem "Nai" auf 16.000 neuen BUND- und BI-Plakaten und auf vielen Aufklebern. Aus dem Fahnenmeer der gelben Anti-Atom-Sonnen leuchtet es als Fahne selbstbewusst-alemannisch bei den vielen Fukushima- und Fessenheim-Demos hervor (sogar bei einer Demo in Tokio) und Plakate und Fahnen hängen an vielen Balkonen am Oberrhein.


Fessene? Nai hämmer gsait!



Das vorletzte Motiv
stammt wieder aus der Zusammenarbeit von Hubert Hoffmann und Axel Mayer. Das "Nai hämmer gsait" steht jetzt etwas kleiner unter dem Plakat, das AKW-Motiv mit Kühlturm wurde durch ein Fessenheim-Foto ersetzt und oben am Plakat steht in großen Lettern "FESSENE?" So wurde trinational gemeinsam die Gefahrenquelle am Rhein angegangen.

Kleiner sind die NAI-Plakate geworden,
denn die Zeit der schönen, großen alten Holzhoftore ist vorbei. Es wird auch in den Städten immer schwieriger große Plakate aufzuhängen und so wurden die Plakate im Laufe der Jahre immer kleiner. Immer mehr tritt der Aufkleber oder der "Spucki" an Stelle des Plakats als Vermittler von politischen Botschaften.


Beznau Leibstadt: NÄI HÄMMER GSAIT
Ist es Ihnen aufgefallen? Aus dem badischen "NAI" wurde ein schweizerdeutsches "NÄI". Erst nach vielen Mails und einigen "interkulturellen Absprachen" (über die sich unsere hochdeutsch sprechende FÖJ-lerin krumm gelacht hat) wurden das Plakat und der Aufkleber grenzüberschreitend gemeinsam erstellt.


Ein Plakat muss plakativ sein
und die Aussage auf ein zentrales Motiv beschränken, alles andere wäre ein plakatives Flugblatt. Doch hinter dem gemeinsamen "NAI" der Menschen am Oberrhein zu den Todestechnologien stand immer auch ein vielstimmiges "JA". Da war das erst verlachte, bekämpfte und später viel kopierte "JA" zu den nachhaltigen, zukunftsfähigen alternativen Energien bei den Sonnentagen in Sasbach. Und dann natürlich der mühsam erkämpfte Traum, das "JA" zu einem grenzenlosen Europa der Menschen, nicht nur am Oberrhein, ausgedrückt im alten Lied unseres elsässischen Mitstreiters François Brumbt: "Mir keije mol d Gränze über de Hüfe und danze drum erum". Im heutigen Europa der ökonomisch-ökologischen Krisen und der Habgier ist die erkämpfte Realität der offenen Grenzen durch Intoleranz und (noch) kleine Nationalismen wieder einmal massiv gefährdet und braucht erneut die Kräfte der Zivilgesellschaft ...


NAI HÄMMER GSAIT - KEINE NEUEN ATOMKRAFTWERKE - 50 Jahre nach den Wyhl-Protesten

Über ein halbes Jahrhundert nach den Wyhl-Protesten und Jahrzehnte nach den schweren Atom-Katastrophen in Tschernobyl und Fukushima sind die AKW in Deutschland abgeschaltet und die Zahl der Atomkraftwerke nimmt weltweit ab. Strom aus Sonne und Wind ist schon lange viel kostengünstiger als Gefahrstrom aus Kohle und Atomkraft. Dennoch setzen eine marktradikale Atom-Lobby und die Atomparteien CDU, CSU, AfD und FDP immer noch auf die Hochrisikotechnologie und wollen neue kleine AKW bauen. Darum wurden 2026 (In Absprache mit dem Grafiker Hubert Hoffmann) von der Mitwelt Stiftung Oberrhein noch einmal 500 neue - alte NAI-Plakate gedruckt.


Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein, (Alt-)BUND-Geschäftsführer, ehemaliger Wyhl-Aktivist und "Plakatierer"



Ein lesenswerter Beitrag zum NAI-Plakat und zu Hubert Hoffmann in der Badischen Zeitung




Nai hämmer gsait: Das erste, elsässische Banner mit diesem Motiv bei der Bauplatzbesetzung in Marckolsheim 1974/75


Hier das erste Plakat von Hubert Hoffmann für die Badisch-Elsässischen-Bürgerinitiativen. Ich erinnere mich deutlich an die vielen anfangs sehr unterschiedlichen Meinungen in den Bürgerinitiativen zum Plakat. (Schrift zu groß / geht gar nicht ...) Viele Köche und Köchinnen verderben das Plakat ... Manchmal ist es gut einfach zu drucken.


Das Motiv, später als BUND-Plakat in der Zeit der von schwarz-gelb geplanten Laufzeitverlängerung für AKW.



"Nai hämmer gsait" als hundertfach gezeigte Fahne nach dem Atomunfall in Fukushima.


"Nai hämmer gsait" Das Motiv als kleines Din A1 Banner.



"Nai hämmer gsait" Das Motiv als Längs-Banner.


"Nai hämmer gsait" exotisch: Die Fahne bei einer Fukushima-Demo von Friends of the Earth Japan in Tokio


"Nai hämmer gsait"Fessenheim-Demo in Breisach


Der Begriff "Nai hämmer gsait" wird bei GOOGLE zwischenzeitlich über 3000-mal gefunden ...


Umweltgeschichte, Regionalgeschichte, Geschichte: Baden - Elsass - Nordschweiz - Oberrhein - Dreyeckland auf Mitwelt.org


Aktuell:




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Aktueller Einschub 13.8.26



Atomkraftwerke, Hitze & Quallen: abgeschaltete AKW im Hitzesommer (nicht nur) 2026 / AKW Beznau, Bugey, Gravelines, Paks, Cernavodă, Golfech, Nogent-sur-Seine, Saint-Alban, Blayais ...

Flusswassergekühlte Atomkraftwerke sind extrem große Tauchsieder. Nach dem derzeitigen Stand (13. August 2026) sind in Europa mehrere Atomkraftwerke wegen der anhaltenden Hitzewelle, hoher Flusstemperaturen oder extrem niedriger Wasserstände gedrosselt oder zeitweise abgeschaltet.
Ein massiver, hitzebedingter Quallenschwarm hat im französischen Atomkraftwerk Gravelines bei Dünkirchen die Kühlwasserpumpen verstopft. Daher mussten mehrere Reaktoren des größten westeuropäischen AKW heruntergefahren werden.





Umwelt-Plakate, Friedens-Plakate, Naturschutz-Plakate und Plakate der sozialen Bewegungen:
Hier finden Sie eine kleine Auswahl aus der Plakatsammlung Axel Mayer. Zwischenzeitlich liegt von jedem Plakat-Motiv (1466 unterschiedliche Plakate) und von jedem Aufkleber (835 unterschiedliche Aufkleber) zumindest ein Exemplar im Archiv des Badischen Landesmuseums, aber auch die Archive des Haus der Geschichte in Baden-Württemberg, der Bürgerinitiativen in Weisweil, das Heimatmuseum in Wyhl, das Archiv Soziale Bewegung und das Archiv Deutsches Atomerbe wurden beliefert.
  • Hier finden Sie die Plakate zum Thema Atomkraft, AKW, Fessenheim
  • Hier finden Sie die Plakate zum Thema Atomkraft, AKW, Wyhl und eine umfassende Hintergrundinformation zum "Politischen Plakat"
  • Hier finden Sie die Plakate zum Thema Atomkraft, AKW, Oberrhein
  • Hier finden Sie die Plakate zum Thema Atomkraft, AKW, Schweiz
  • Hier finden Sie die Plakate zum Thema Umwelt, Frieden, Demokratie am Oberrhein
  • Hier finden Sie die Plakate zum Thema Natur, Naturschutz, Oberrhein




Mitwelt Stiftung Oberrhein: Warnungen & Hinweise zu diesen Mitwelt-Seiten

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  • 3) Im Zweifel, gerade in Kriegszeiten, ist die -Allgemeine Erklärung der Menschenrechte- immer noch eine gute Quelle zur Orientierung.

Axel Mayer Mitwelt Stiftung Oberrhein
Mit Zorn und Zärtlichkeit auf Seiten von Mensch, Natur, Umwelt & Gerechtigkeit.


Getragen von der kleinen Hoffnung auf das vor uns liegende Zeitalter der Aufklärung (das nicht kommen wird wie die Morgenröte nach durchschlafner Nacht)



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