AKW Wyhl Plakate & Regionalkultur: Das politische & ökologische Plakat
Veröffentlicht am 19.03.2026 in der Kategorie Umweltgeschichte von Axel Mayer
AKW Wyhl-Plakate & Regionalkultur: Das politische & ökologische Plakat
Das Plakat war und ist eine von vielen Möglichkeiten kritische, politische und ökologische Inhalte zu transportieren. Politische Plakate waren historisch ein wichtiges Massenkommunikationsmittel, das zur Mobilisierung und politischen Auseinandersetzung diente. Gerade auch im Zusammenhang mit dem geplanten und verhinderten AKW Wyhl ist eine unglaublich kreative Vielzahl von Plakaten entstanden.
Ein politisches Plakat ist manchmal auch ein Schrei, denn Betroffenheit, Zorn, Trauer und Wut sind häufig auch Motive, Plakate zu entwerfen, zu drucken und zu plakatieren. Und darum gehören in eine Wyhler Plakatsammlung auch die plakativen Klischees, der städtisch-idealisierte „knollennasige Kaiserstühler Bauer“ und der „böse, knüppelschwingende” Polizist. Wer wütend ist, übertreibt plakativ. Der Inhalt sollte sich den Menschen im Handumdrehen erschließen. Bild und Wort sollten, wenn möglich, eine Einheit bilden. Wyhl-Plakate sollten inhaltlich informieren und für Anti-Atom-Demos, Aktionen und Veranstaltungen der Volkshochschule Wyhler Wald werben. Meinung sollte gebildet, Handeln beeinflusst, Nachrichten und Informationen verbreitet werden.
Auf dem „frisch besetzten“ Platz im September 1974 im Wyhler Wald lag ein Stapel Plakate, verbunden mit der Bitte diese weiterzuverbreiten. Als junger Besetzer habe ich mich bedient, mir einen Tacker angeschafft und begonnen, Plakate an Kaiserstühler Hoftoren zu befestigen. Im Laufe des Wyhl-Protestes wurden tausende Schriftplakate, Bildplakate und Schrift-Bild-Plakate getackert und geklebt. Von mir wurde sicher mindestens ein Kilo Tacker-Munition „verschossen“ und ich kannte viele der Hoftorbesitzer, die alle gegen Atomkraft waren.
Von jedem Plakat habe ich einige Exemplare aufgehoben. In diesen frühen Anfängen 1974 liegen die Wurzeln einer umfangreichen Plakatsammlung, die weit über Wyhl-Plakate hinausgeht. Zwischenzeitlich liegt von jedem Plakat-Motiv (1466 unterschiedliche Plakate) und von jedem Aufkleber ( 835 unterschiedliche Aufkleber) zumindest ein Exemplar im Archiv des Badischen Landesmuseums, aber auch die Archive des Haus der Geschichte in Baden-Württemberg, der Bürgerinitiativen in Weisweil, das Heimatmuseum in Wyhl, das Archiv Soziale Bewegung und das Archiv Deutsches Atomerbe wurden beliefert. Im Deutschen Historischen Museum in Berlin hängt das berühmte „Nai hämmer gsait“ Plakat in der Dauerausstellung und in manchen Ausstellungen zu „500 Jahren Bauernkrieg“ im Jahr 1995 waren Wyhl-Plakate mit Bauernkriegsbezug zu sehen.
Das Motiv „HEUTE TANNEN-MORGEN WIR“ zeigt den Übergang von der Anti-Atom-Bewegung zum Kampf gegen das Waldsterben 1.0. Um das Fessenheim-Plakat „Darum Katastrophenschutzplan“ wurde viel diskutiert. Viele Aktive wollten die sofortige Abschaltung und keinen Katastrophenschutz. Das grafisch hervorragende Plakat erschien politisch zu defensiv. Es gab frühe, schlichte Schablonenmotive, es gab die inhaltlich wichtigen „Erklärungen der Bürgerinitiativen“ und Plakate im Stil chinesischer Wandzeitungen. Das Landtagswahlplakat von Herrn Dr. Schött brachte den BI-Aktiven und Endinger Apotheker lange vor der Gründung der GRÜNEN in den Landtag, obwohl kein Partei-Logo darauf zu sehen ist. Die alten Wyhl-Plakate sind heute Teil der Regionalkultur, kulturelles Erbe von unten und sie sind, was damals niemand gedacht hätte, „museumswürdig“.
Das ikonische "Nai hämmer gsait" Motiv war anfangs durchaus umstritten. Als Plakatidee hat Hubert Hoffmann den Satz eines elsässischen Marckolsheim-Transparents (Jetzt awer langts. Nai hanmer g`sait) aufgegriffen. Mein Freund Hubert war in der Zeit der Wyhl-Proteste ein viel beschäftigter, nie bezahlter Hobbygrafiker der Bürgerinitiativen und der Umweltbewegung. Auf vielen der alten Wyhl-, Fessenheim-, Waldsterben- und Dreyecklandplakaten findet sich irgendwo versteckt ein kleines Schneckensymol, das Zeichen, dass die Grafik von Hubert Hoffmann stammt. Von ihm kam die Idee des ersten NAI-Plakats und ich erinnere mich noch, wie schwierig es für mich war, die erste Ablehnung in den BI’s für das Motiv zu überwinden und endlich in Druck zu gehen. Es war damals nicht anders als heute: Ein Plakatmotiv, drei Leute, vier Meinungen und viel Kritik … Später wurde das anfänglich umstrittene und teilweise sogar abgelehnte Motiv zu dem Symbol des erfolgreichen Widerstands gegen das Atomkraftwerk Wyhl und heute ziert es im Wyhler Wald den Gedenkstein der Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen.
Vom Plakat zum Aufkleber Längliche gelbe Plakate der Bewegung gegen das Waldsterben 1.0 waren zum Tackern an absterbenden Bäumen und für Telegraphenmasten gedacht. Die Nutzung bestimmt das Format. Große Plakate sind schnell „aus der Mode“ gekommen. Die alten, vernarbten Kaiserstühler Hoftore wurden weniger oder aufgehübscht. Die Möglichkeiten große Plakate zu befestigen, wurden weniger. Zuerst führte das dazu, dass die Drucke kleinformatiger wurden, dann kam der "Spucki" (ein Papieraufkleber, der von hinten befeuchtet werden musste) und heute ist häufig der politische Aufkleber an die Stelle des Plakates getreten.
Dennoch gibt es auch heute noch politische Plakate und Umwelt-Plakate, zum Beispiel als Werbung für Fridays for Future Demos. Durch die Möglichkeiten des Internets und durch Bildbearbeitungsprogramme sind allerdings die künstlerischen Einflüsse bei der Motiv-Gestaltung leider geringer geworden. Eine sehr persönliche Variante und Fortsetzung der alten Idee sind die Mitwelt-Kleinanzeigen.
Das politische und ökologische Plakat ist heute größtenteils aus der Öffentlichkeit verschwunden und ins Internet gewandert. Es war einmal ein Teil des öffentlichen Meinungsstreits und wichtiger Bestandteil der politischen Kultur. Mal schauen, was kommt.
Axel Mayer, ehemaliger Bauplatzbesetzer und Plakatierer in Wyhl, Mitwelt Stiftung Oberrhein (mit einem herzlichen Dank an die Frauen und Männer, die Plakate für Demokratie, Umwelt und Frieden entworfen, finanziert, gedruckt und plakatiert haben und auch an die, die dies heute noch tun)
Hiergeht's zum umfangreichen inhaltlichen Hauptbeitrag zum AKW Wyhl
Umwelt-Plakate, Friedens-Plakate, Naturschutz-Plakate und Plakate der sozialen Bewegungen: Hier finden Sie eine kleine Auswahl aus der Plakatsammlung Axel Mayer. Zwischenzeitlich liegt von jedem Plakat-Motiv (1466 unterschiedliche Plakate) und von jedem Aufkleber (835 unterschiedliche Aufkleber) zumindest ein Exemplar im Archiv des Badischen Landesmuseums, aber auch die Archive des Haus der Geschichte in Baden-Württemberg, der Bürgerinitiativen in Weisweil, das Heimatmuseum in Wyhl, das Archiv Soziale Bewegung und das Archiv Deutsches Atomerbe wurden beliefert.
Hier finden Sie die Plakate zum Thema Atomkraft, AKW, Fessenheim
Hier finden Sie die Plakate zum Thema Atomkraft, AKW, Wyhl und eine umfassende Hintergrundinformation zum "Politischen Plakat"
Hier finden Sie die Plakate zum Thema Atomkraft, AKW, Oberrhein
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Hier finden Sie die Plakate zum Thema Natur, Naturschutz, Oberrhein
Plakat AKW Wyhl: Nai hämmer gsait / Das wohl bekannteste Wyhl-Plakat von Hubert Hoffmann. Aus diesem Motiv wurde eine Vielzahl weiterer Plakate entwickelt. Hier finden Sie mehr Infos zu diesem Plakat.
Plakat AKW Wyhl: Eberle, CDU / Dieses Schablonen-Plakat entstand am Tag der Bauplatzbesetzung im Wyhler Wald. Es war die damals schnellste Methode Plakate zu erstellen.
Plakat AKW Wyhl: 3 Plakate
Plakat AKW Wyhl: 15 Jahre
Plakat AKW Wyhl: Aktionstag
Plakat AKW Wyhl: Bauernoper, VHS Wyhler Wald
Plakat AKW Wyhl: Bauernkrieg, Bauplatzbesetzung
Plakat AKW Wyhl: Der Widerstand geht weiter
Plakat AKW Wyhl: Filbinger, Montage
Plakat AKW Wyhl: Foto, Protest
Plakat AKW Wyhl: Gorleben, Fotos
Plakat AKW Wyhl: Jetzt - Stilllegung alles Atomanlagen
Plakat AKW Wyhl: Katastrophenschutzplan
Plakat AKW Wyhl: KKW nein
Plakat AKW Wyhl: Menzenschwand, Gorleben
Plakat AKW Wyhl: Natorampe 2.2.1976
Plakat AKW Wyhl: Stop KKW, Schablonen
Plakat AKW Wyhl: VHS Wyhler Wald, Atomstaat
Plakat AKW Wyhl: Volkshochschule Wyhler Wald, 1975-1979
Plakat AKW Wyhl: Volkshochschule Wyhler Wald, 1975-1980
Plakat AKW Wyhl: Wache im Wyhler Wald, 23.11.-06.12.
Plakat AKW Wyhl: Waldsterben
Plakat AKW Wyhl: Wandzeitung, Fotos
Plakat AKW Wyhl: Wandzeitung
Plakat AKW Wyhl: 10 Jahre. Das Plakat "Wyhl - 10 Jahre danach" zeigt verschiedene Fotos von Protestveranstaltungen und Demonstrationen der Anti-Atomkraft-Bewegung. Darauf montiert wurde die Darstellung des Bannerträgers aus der Flugschrift von Thomas Murner "Von dem großen lutherischen Narren" aus dem Jahre 1522. Das Motiv des Holzschnitts von 1522, der "Bannenträger der Freiheit", mit der geänderten Fahnen-Aufschrift, stellt die Kernkraftgegner in die Tradition der Bauern und Bürger, die bereits vor 500 Jahren im "Bundschuh" und im "Bauernkrieg" gegen ihre Obrigkeiten revoltiert hatten. Das Gleiche gilt für das folgende "Whyl - 15 Jahre danach"-Plakat.
Plakat AKW Wyhl: 15 Jahre danach.
Plakat AKW Wyhl: 1978
Plakat AKW Wyhl: Kernenergie Dialog
Plakat AKW Wyhl: Programm, Volkshochschule, Wyhler Wald
Plakat AKW Wyhl: Wandzeitung, Das KKW wird nicht gebaut
Plakat AKW Wyhl: Widerstand
Plakat AKW Wyhl: CWM, Marckolsheim, Chanson Alsaciennes et Badoises
Plakat AKW Wyhl: Parkplatzwegweiser
Plakat AKW Wyhl: 2. Jahrestag, Besetzung
Plakat AKW Wyhl: CDU, Demokratie
Plakat AKW Wyhl: Mensch, Natur
Plakat AKW Wyhl: Widerstand lebt
Plakat AKW Wyhl: 3 Jahre Widerstand
AKW Wyhl und Filbinger: Eine Montage vom Wyhler Platz
NAI HÄMMER GSAIT - KEINE NEUEN ATOMKRAFTWERKE - 50 Jahre nach den Wyhl-Protesten
Über ein halbes Jahrhundert nach den Wyhl-Protesten und Jahrzehnte nach den schweren Atom-Katastrophen in Tschernobyl und Fukushima sind die AKW in Deutschland abgeschaltet und die Zahl der Atomkraftwerke nimmt weltweit ab. Strom aus Sonne und Wind ist schon lange viel kostengünstiger als Gefahrstrom aus Kohle und Atomkraft. Dennoch setzen eine marktradikale Atom-Lobby und die Atomparteien CDU, CSU, AfD und FDP immer noch auf die Hochrisikotechnologie und wollen neue kleine AKW bauen. Darum wurden 2026 (In Absprache mit dem Grafiker Hubert Hoffmann) von der Mitwelt Stiftung Oberrhein noch einmal 500 neue - alte NAI-Plakate gedruckt.
"Atome für den Frieden" / Zum Schluss noch ein "wunderbares" altes Pro-Atom-Plakat Dass bei der Werbung "Atome für den Frieden" ausgerechnet ein waffenstarrendes Atom-U-Boot gezeigt wird ist mehr als peinlich.