Keine Brennelementefabrik BBR in Heitersheim


Veröffentlicht am 14.01.2021 von Axel Mayer

Keine Brennelementefabrik BBR in Heitersheim


Wenn heute an Atomprotest am Oberrhein erinnert wird, dann gilt dieses Erinnern zumeist dem erfolgreichen Fessenheim-Protest oder den durch Bauplatzbesetzungen verhinderten AKW in Wyhl und Kaiseraugst(CH). Die erfolgreichen Proteste gegen das französische AKW in Gerstheim bei Strasbourg, und gegen das geplante Hochrhein-AKW in Schwörstadt werden meist vergessen. Auch in Breisach am Kaiserstuhl war 1971 der Bau eines der größten AKW-Standorte der Welt (mehrere Reaktorböcke mit insgesamt 4000 MW!) geplant.

Häufig ganz vergessen wird der erfolgreiche Protest 1973 gegen die Brennelementefabrik BBR in Heitersheim




Von 1962 bis 1973 profitierte die Wirtschaft in Heitersheim von Schacht III des Kalibergwerks Buggingen mit vielen Arbeitsplätzen. Als 1973 das Kalibergwerk in Heitersheim seinen Betrieb einstellte, sollte dort eine Brennelementefabrik angesiedelt werden. Es begannen nicht öffentliche, geheime Verhandlungen zur Ansiedlung einer Brennelementfabrik. Im Herbst 1974 wurden diese Gespräche durch Whistleblower öffentlich. Es wird wird nun öffentlich bekannt, dass beim gerade erst stillgelegten'Schacht 3' der Kalisalz-Grube Buggingen, eine Brennelementefabrik geplant ist, die nicht nur Uran, sondern auch Plutonium verarbeiten soll.

Der giftigste Stoff der Welt
"Plutonium - sinnigerweise benannt nach Pluto, dem griechischen Gott des Totenreiches - ist der giftigste Stoff, den es gibt. Seine kurzreichende Alpha-Strahlung reißt gewissermassen tiefe Schneisen in jedes lebende Gewebe und zerstört es. Dabei kann es nur schwer oder gar nicht ausgeschieden werden. Es setzt sich fest, reichert sich sogar an, die Strahlung ist bei einer Halbwertszeit von 24000 Jahren faktisch dauerhaft vorhanden. Bereits wenige Millionstel Gramm (Mikrogramm) können sofort, sogar nur etliche Milliardstel Gramm (Nanogramm) langfristig tödlich wirken ..." Zitat Frankfurter Rundschau


Schon vor dem Bekanntwerden dieser Pläne gab es wenige Kilometer von Heitersheim entfernt, in Fessenheim und Breisach massive Proteste gegen geplante Atomanlagen. So kam es am nahen Kaiserstuhl, im September 1972, zur erste große Kaiserstühler Treckerdemo mit 560 landwirtschaftlichen Fahrzeugen.

Die BBR-Nein-Gruppe in Heitersheim / Baden war ab 1973 aktiv, um die geplante Plutoniumfabrik, welche für das Atomkraftwerk Mühlheim-Kärlich Plutonium-Brennelemente produzieren sollte, zu verhindern. Der BBR-Nein-Gruppe gelang es im Zusammenspiel mit einer erwachenden Umweltbewegung am Oberrhein, eine große Mehrheit gegen die Ansiedlung der Fabrik zu organisieren. Sie veröffentlichte u.a. die Broschüre "Die BBR in Heitersheim". Vom AK Umweltschutz der Uni Freiburg erschien 1975 die Broschüre "Kein Plutonium nach Heitersheim". Die Stimmung in der Bevölkerung wendete sich ab 1975 gegen die planende Betreiber-Firma. Vor Ort nahm allerdings der Druck auf GegnerInnen der Brennelementefabrik massiv zu, nachdem auf einer Bürgerversammlung von der Gruppe 'BBR Nein' zwei Korruptionsfälle aufgedeckt wurden. Die frisch gegründete AGUS (Arbeitsgemeinschaft Umweltschutz Markgräflerland) half politisch und juristisch diese Anzeigen niederzuschlagen.

Die Brennelementfabrik in Heitersheim war politisch nicht durchsetzbar
Diese frühen, verzweifelt-hoffnungsfrohen, grenzüberschreitenden, ökologischen Konflikte im Dreyeckland (Heitersheim, Marckolsheim, Wyhl, Kaiseraugst, Gerstheim...) brachen erstmals mit der vorherrschenden Nachkriegslogik der Gier, des Wachstumszwangs und der Zerstörung. Sie waren erste Zeichen der Hoffnung mit Fernwirkung und haben die globalen Zerstörungsprozesse entschleunigt.

Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein

"Eine Brennelementefabrik ist eine kerntechnische Anlage zur Herstellung von Brennelementen für Kernkraftwerke. Die Brennelemente besitzen je nach dem Reaktortyp, in dem sie eingesetzt werden, unterschiedliche Zusammensetzung und Gestalt: Meist enthalten sie als Kernbrennstoff Uran in oxidischer Form (z. B. in Leicht- und Schwerwasserreaktoren) oder in metallischer Form (Magnox-Reaktoren). Manche Brennelemente enthalten als Spaltmaterial jedoch auch Thorium (z. B. bei Hochtemperaturreaktoren) oder Uran-Plutonium-Mischoxid (siehe auch MOX). Letzteres wird in Brutreaktoren als auch in Leichtwasserreaktoren eingesetzt. "
Quelle: Wikipedia






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  • Axel Mayer, Mitwelt Oberrhein

Getragen von der Hoffnung auf das vor uns liegende Zeitalter der Aufklärung (das nicht kommen wird wie die Morgenröte nach durchschlafner Nacht)




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