Rhein, Wasser & Wasserqualität: Lange Kämpfe für einen sauberen Rhein & Kläranlagen


Veröffentlicht am 04.03.2020 in der Kategorie Wasser von Axel Mayer

Rhein, Wasser & Wasserqualität: Ein Rückblick auf lange Kämpfe für einen sauberen Rhein & Kläranlagen


Die Kämpfe um die Wasserqualität des Rheins


Der Rhein, der noch in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts eine Kloake war, ist sauberer geworden, die Wasserqualität hat sich stark verbessert und die ersten Lachse steigen wieder in die Nebenflüsse des Rheins auf. Trotz der erfreulichen Reduzierung der Gewässerbelastung durch Haushalts- und Industrieabwässer transportiert der Rhein noch immer Plastik, Schwermetalle und Chemikalien wie Pestizide in Richtung Nordsee.
Wir wollen anhand von 3 regionalen Beispielen vom Oberrhein auch daran erinnern, dass diese Erfolge nicht vom Himmel gefallen sind, sondern teilweise hart erkämpft werden mussten.


1972


Aktive der Aktion Umweltschutz und des Schwarzwaldvereins verlangen die Abwassererklärung der Papierfabrik in Neustadt und die Beendigung der massiven Wasserverschmutzung der Wutach. Nach vielfältigen Aktionen wird eine Kläranlage eingebaut, ein weiterer Schritt zur Reinhaltung des Rheins.

1982


Erst im Jahr 1982 wurde die Kläranlage Basel für die kommunalen Abwässer, die ARA Chemie für die industriellen Abwässer und die Verbrennungsanlage für die Klärschlämme der beiden Kläranlagen eingeweiht und in Betrieb genommen.

1986


Sandozbrand (Basel/Schweizerhalle)und massive Rheinvergiftung durch auslaufende Pestizide. Protestdemonstrationen in der ganzen Region u. a. Menschenkette am Rhein. Die Wasserqualität des Rheins wird noch stärker zum Thema.
Hier finden Sie weitere Infos über den Sandoz-Unfall.

1994 bis 1996: Der Kampf um eine Kläranlage für die elsässische Papierfabrik Kaysersberg


Rot, blau, gelb...in allen Regenbogenfarben färbt sich, an einer einsamen Stelle, der Rhein unterhalb der beiden Rohre der elsässischen Papierfabrik Kaysersberg gegenüber von Breisach. Viele Millionen Menschen beziehen ihr Trinkwasser aus dem Uferfiltrat des Rheines. Eine erste Recherche ergab, dass hier tatsächlich die einzige Papierfabrik im Dreyeckland noch ohne Kläranlage arbeitet und seit Jahrzehnten mit Farben und Schwermetallen den Rhein vergiftet.

"Eine Kläranlage muss her", unter diesem Motto ging BUND-Geschäftsführer Axel Mayer das Problem an. Die klassische Umweltverschmutzung wurde mit den klassischen Methoden der Umweltverbände angegangen. Hier eine kurze Auflistung der wichtigsten Aktivitäten im Jahr 1994.


Im Februar 1995 zeichnete sich der Erfolg ab. Der elsässische Prefekt Cyrill Schott beantwortete eine BUND Anfrage und schrieb:


"Darüber hinaus informiere ich Sie, dass ich demnächst der Kaysersberg A.G. eine ergänzende Betriebsgenehmigung erteilen werde, mit dem Ziel das Abwasser zu klären. Ich werde den Betreiber bitten, innerhalb 6 Monaten die notwendigen Mittel zu beschreiben, die in den folgenden 12 Monaten angewendet werden müssen. Das Projekt einer Kläranlage ist schon in Planung" Sie wurde kurz nach dem Brief tatsächlich auch gebaut.


Rhein, Wasser & Wasserqualität: Das abgesägte Rohr der Papierfabrik Kaysersberg nach Einbau der Kläranlage
Die langfristigen Erfolge in Sachen Wasserqualität des Rhein sind beachtlich. Durch solche Aktionen wurde der Rhein wieder rein und auch der Lachs hatte im Rhein wieder eine Chance zu überleben. Jetzt kann sich der BUND neuen Themen zu wenden, beispielsweise der dringend nötigen Renaturierung der kanalisierten Flüsse und Bäche unserer Heimat. Und auch beim Grundwasser liegt noch vieles im Argen. Eine langfristige massive Bedrohung für die Wasserqualität des Rheins ist das geplante atomare Endlager der Schweiz in Benken, wenige hundert Meter vom Rheinfall entfernt. Auch in Sachen Salzeinleitung durch die elsässischen Kaliminen bleiben wir weiter am Ball.
Axel Mayer (Alt-) BUND-Geschäftsführer, Mitwelt Stiftung Oberrhein





Ein Beitrag und Rückblick zur Usine Kayserberg in der Badischen Zeitung vom 11. Juni 2016:



Breisach

Eine Papierfabrik leitet Dreck in den Rhein, das Wasser verfärbt sich. Naturschützer Axel Mayer schlägt Alarm und hat schließlich Erfolg. 20 Jahre ist das her. Nun blickt er auf seine Arbeit zurück. Kann man bei der Umweltverschmutzung Entwarnung geben?


Mit dieser Aufnahme belegte Axel Mayer 1994, dass die Abwässer der Papierfabrik Kaysersberg ungeklärt in den Rhein geführt wurden. Foto: Privat

22 Jahre ist es her, dass Axel Mayer auf einer Rhein-Exkursion bei Breisach auf die Abwasserrohre der Papierfabrik Kaysersberg gestoßen ist und feststellen musste, dass sich dort das Wasser des Flusses auf eine Länge von bis zu 500 Metern verfärbte. Nach zähem Kampf des BUND-Regionalverbands südlicher Oberrhein, dessen Geschäftsführer Mayer ist, erhält zwei Jahre später die Papierfabrik als letzte Industrieanlage am Oberrhein eine Kläranlage. Das ist jetzt 20 Jahre her.

Ökologische Zeitenwende
"Das war damals schon so etwas wie eine ökologische Zeitenwende in unserer Region", sagt Mayer rückblickend. Seit 25 Jahren ist er jetzt BUND-Geschäftsführer. Sein Büro im Seitenflügel eines Altbaus in der Freiburger Wilhelmstraße erinnert ein bisschen an eine Museumsstube, in der Plakate, Flyer, Bücher und Buttons fast lückenlos die Chronik des Öko-Protests in der Region zeigen.

Zeitenwende? Ja, sagt Mayer, mit dem Kampf für den Bau der Kläranlage der Papierfabrik Kaysersberg sei am Oberrhein die Ära der "alten, offen sichtbaren Umweltverschmutzung" zu Ende gegangen.

Die vorangegangenen Auseinandersetzungen um FCKW und Ozonloch, Waldsterben und Luftverschmutzung waren ausgetragen. Geendet hatten sie überwiegend mit Erfolgen der Umweltbewegung. An deren Widerstand war in den frühen 1970er Jahren im elsässischen Marckolsheim der Bau eines Bleichemiewerks gescheitert. In Wyhl mussten wenig später auf Grund massiver Proteste, die zum Teil auch von konservativen Kreisen mitgetragen wurden, die Pläne für die Errichtung eines Kernkraftwerks begraben werden.

Wachsamkeit der Umweltschützer
In den darauffolgenden Jahren sanken bis 1995 die SO2-Emissionen in Baden-Württemberg um 80 Prozent, so Mayer. Die Wachsamkeit der Umweltschützer, ihre Öffentlichkeitsarbeit und Protestkundgebungen zeigten Wirkung und führten nach und nach zu erheblichen Verbesserungen der Umweltsituation, vor allem aber auch zu einer beträchtlichen Zunahme des Umweltbewusstseins.

Die Gesetzgebung wurde verschärft, der Pkw-Katalysator gegen die Widerstände der Autobauer eingeführt und verbleites Benzin verboten. Entschwefelt, entstickt und teilweise auch technisch sicherer wurden Kraftwerke und Industrieanlagen.

Axel Mayer verweist aber noch auf einen zweiten Aspekt der vielen regionalen Umweltschutzaktionen, an denen er in den letzten vier Jahrzehnten meist als treibende Kraft beteiligt war.

"Wir haben eine hohe Sensibilisierung für dieses Thema erreicht", stellt er fest. Dass der Pseudokrupp bei Kindern auf die Müllverbrennungsanlagen zurückging und in den Fließgewässern Flora und Fauna starben, habe die Menschen alarmiert. Heute, so der BUND-Geschäftsführer, seien die Anlagen zur Müllverbrennung längst keine Dioxin-Schleudern mehr und in den Flüssen stellten allein noch die Mikroplastikteilchen ein bislang unlösbares Problem dar.

Kann man also in Sachen Umweltverschmutzung Entwarnung geben? Keineswegs, sagt Mayer, nach wie vor gebe es Probleme. "Nur heute sind die differenzierter, nicht mehr so einfach ersichtlich und aufspürbar wie früher." Entsprechend schwieriger sei es, sie aufzudecken. Trotzdem ist er ganz zufrieden mit der Entwicklung. Die Umweltschutzbewegung habe viel erreicht. Was ihn nach wie vor stört, ist, dass auf neue Forderungen immer noch oft mit Ablehnung, Unverständnis oder Skepsis reagiert werde.

Schärfere Gesetze
Für Mayer steht fest: "Der Rhein wäre heute eine Kloake, wenn man nicht gegen seine Verschmutzung durch Industrieabwässer gekämpft hätte." Ausschlaggebend dafür sei vorrangig der Leidensdruck der Menschen gewesen. Das habe nach und nach zur Verschärfung der Umweltgesetzgebung geführt. Heute sei für Unternehmen am Rhein umweltbewusstes Handeln längst zu einer Imagefrage geworden. Denn Betriebe, die den Umweltschutz nicht ernst nehmen, könnten daraus keinen Wettbewerbsvorteil mehr ziehen, hätten dafür aber massive Nachteile in der öffentlichen Wahrnehmung zu befürchten. Das könne sich kein Unternehmen leisten, sagt Axel Mayer.

Dicke Bretter bohren
Dass in Sachen Umweltschutz nach wie vor dicke Bretter gebohrt werden müssen, ist für ihn beruflicher Alltag. Dies gelte auch für das AKW Fessenheim. Meyer ist überzeugt, dass nach einer Abschaltung des Reaktors und der thermischen Renaturierung des Flussgewässers der Rhein ziemlich schnell gesunden und der Fischbestand wachsen könnte.

"Vielleicht muss die Gesellschaft ein gewisses Maß an Wohlstand erreicht haben, um für die Umweltproblematik sensibilisiert zu werden", lautet sein nachdenkliches Fazit. Angesichts der Umweltkatastrophen, die sich vor allem in ärmeren Regionen der Welt immer wieder ereignen, könne man am Oberrhein mit dem Erreichten also ganz zufrieden sein.

Quelle: Badische Zeitung


Übersicht 2020: Wasser, Grundwasser, Trinkwasser, Wasserverschmutzung und Rhein auf Mitwelt.org


Aktueller Einschub:


In vielen Bereichen hat die Umweltbewegung Erfolge erzielt. Nur im Bereich der Grundwasserbelastung mit Nitrat hat sich in den vergangenen Jahrzehnten immer die Agro-Chemie-Lobby und die Landwirtschaft durchgesetzt. Aktuell wird überall in Deutschland mit "Grünen Kreuzen" für eine Weiterführung der Grundwasserbelastung demonstriert. Leider schaden sich die existenziell bedrohten kleinen und mittleren Landwirte mit dieser Kampagne selber, denn sie nützt nur der politisch gewollten "großen Agrarfabrik".










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  • 3) Im Zweifel ist die -Allgemeine Erklärung der Menschenrechte- immer noch eine gute Quelle zur Orientierung.

Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein

Getragen von der Hoffnung auf das vor uns liegende Zeitalter der Aufklärung (das nicht kommen wird wie die Morgenröte nach durchschlafner Nacht)




Nachtrag 1: Aktueller Corona-Einschub


Leider irrte Hölderlin als er schrieb:
"Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch" Neben dem "Rettenden" wächst leider auch das Neurotische, die Gier & die Dummheit, Sündenbocksuche, private & staatliche Verschwörungstheorien und Sündenbocksuche (Trump, Murdoch, Bild-Zeitung...), Blockwart-Mentalität & die kleinen & großen Nationalismen...
Umso wichtiger ist der Dank an die vielen engagierten, solidarischen, helfenden Menschen, die in Corona-Zeiten nicht in mittelalterliches Denken & Handeln zurückfallen.
Corona zeigt auch die massiven Probleme von Gesellschaftssystemen, in denen die Gesundheitssysteme privatem Profitstreben unterworfen sind. Experten rechnen bis Ende Juli mit fast 150.000 Corona-Tote in den USA. Das libertäre amerikanische System der organisierten Gier versagt in Corona-Zeiten.

Nachtrag : iHuman - Ziemlich wichtiger Arte-Film


Seit Jahren beschäftigt und beunruhigt mich das Thema Transhumanismus, der organisierte Traum den menschlichen Menschen zu überwinden. Es ist die Idee mit Hilfe von Technikoptimismus, libertärem und neoliberalem Denken, Gentechnik, Nanotechnologie, Eugenik und künstlicher Intelligenz den „alten Menschen“ abschaffen und einen „neuen Menschen“ schaffen.
Der Film „iHuman“ von Tonje Hessen Schei zeigt, was Anhänger der künstlichen Intelligenz erträumen. Es ist eine nahe Zukunft, in der die Macht Maschinen gehört. Ein Albtraum und ein Thema, das die Umweltbewegung bisher verdrängt...
Hier geht´s zum Arte- Film iHuman verfügbar vom 20/04/2020 bis 19/07/2020