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Genmais Buggingen - 1995: Beginn der Ackerbesetzung / Ein Rückblick

Genmais Buggingen 1995 - Beginn der Ackerbesetzung / Ein Rückblick



An die Bürgerinitiative gegen den Anbau genmanipulierter Pflanzen in Buggingen

Liebe Freundinnen und Freunde,


am 1. Juni 1995 begann die Ackerbesetzung in Buggingen.

Der gentechnische Freilandversuch der holländischen Firma van der Have in Buggingen wurde von 1995 bis 1997 durch vielfältige Aktionen von UmweltschützerInnen von BI, AGUS und BUND verhindert. Der Genmais mit Antibiotikagenen, der Mais gegen den Einsatz von Totalherbiziden resistent machen sollte, konnte nicht ausgesäht werden.

Wer hätte damals den (bisherigen) Erfolg für möglich gehalten. Wer hätte gedacht, dass es heute nicht nur am Oberrhein so viele Bündnisse gegen Gentechnik in der Landwirtschaft geben würde. Unsere damaligen Sorgen u.a. in Sachen Antibiotikaresistenz und Auskreuzung haben sich bestätigt. Es zeigt sich auch, dass die scheinökologischen Argumente der Genkonzerne Lug und Trug waren. Nicht weniger, sondern mehr Herbizide werden in der Genlandwirtschaft eingesetzt. Und selbst die VertreterInnen der konventionellen Landwirtschaft am Oberrhein freuen sich im Nachhinein über die damalige Besetzung. Durch die Aktivitäten der UmweltschützerInnen konnte die Auskreuzung von Genmaispollen auf die umliegenden Felder verhindert werden. Der Mais am Oberrhein ist gentechnikfrei und der Mais vom Oberrhein kann auf den Weltmärkten teurer verkauft werden.

Der BUND gratuliert den damals und heute Aktiven zu Ihrem (bisherigen) Erfolg.

(Bisheriger) Erfolg weil die argrochemische Industrie natürlich weiter auf die gewinnbringende Gentechnik in der Landwirtschaft setzt. Und manche Politiker wiederholen die alten falschen Argumente die schon vor 10 Jahren verwendet wurden und verkaufen die Gentechnik in der Landwirtschaft als Mittel gegen Arbeitslosigkeit. Dabei gibt es wenig Technologien die einen solchen Arbeitsplatzvernichtungs- und Rationalisierungseffekt haben wie die Gentechnik in der Landwirtschaft.
Axel Mayer
hier: Gentechnik - Genmais - Genfood- Information des BUND


Mit Langeweile gegen den Gen-Mais
Südbadische Öko-Initiative verhindert mit einem Feldcamp den Anbau manipulierten Saatgutes


Berliner Zeitung: 07.08.1995
Karl-Otto Sattler, Freiburg

Im südbadischen Buggingen verhindern seit Anfang Juni Öko-Gruppen mit einer "Ackerbesetzung" die Aussaat von genmanipuliertem Mais. Bis September müssen sie aushalten, dann ist die Schlacht für dieses Jahr gewonnen.

Richtig häuslich eingerichtet hat sich das Völkchen auf dem Feld bei der Markgräfler Gemeinde Buggingen am Oberrhein. In kleinen Rundzelten kriechen die Frauen und Männer nachts in ihre Schlafsäcke. Tagsüber versammeln sie sich im Schatten von Zeltvordächern an Tischen oder dösen gelangweilt in Liegestühlen vor sich hin. Immerhin sorgt mittlerweile ein von Solarzellen mit Strom gespeister Kühlschrank für erfrischende kalte Getränke in der Einöde. Mit Urlaubsspaß hat das nichts zu tun: Transparente machen deutlich, daß es um Politik geht - um eine Protestaktion gegen die Aussaat von genmanipuliertem Mais.

Erfolgreiche Wühlmäuse
Seit Anfang Juni dauert diese "Ackerbesetzung" bereits, organisiert von einer Bugginger Bürgerinitiative und unterstützt vom Regionalverband des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND). Abwechselnd schieben die Öko-Aktivisten Tag und Nacht Wache auf dem unbepflanzten "Gen-Camp" inmitten von weiten Maisfeldern. Mit einem Handy werden im Bedarfsfall die Sympathisanten mobilisiert.

Zwei Mal schon seit der ersten Platzbesetzung ging der Alarmruf rund, weil die holländische Saatgutfirma van der Have Traktoren schickte. Doch von der Polizei räumen läßt die Firma nicht. Die Umstehenden nicken, wenn BUND-Sprecher Axel Mayer sagt: "Wir halten bis September durch" - dann kann endgültig kein Mais mehr ausgesät werden.

Eine solch konsequente Widerstandsaktion wie im südbadischen Buggingen läuft nur noch im hessischen Wölfersheim, wo die Umweltinitiative "Wühlmäuse" ebenfalls seit Anfang Juni ein Versuchsfeld besetzt hält. Andernorts konnten Proteste die Freiluft-Gentests nicht verhindern - zum Beispiel im schwäbischen Renningen bei Böblingen, in Tarnow und Rukieten (Mecklenburg-Vorpommern). Alle Freilandversuche sind vom Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin genehmigt.

In Buggingen unternimmt van der Have schon seit langem Saatgutexperimente. Dieses Mal soll beim Mais das sogenannte Totalherbizid "Basta" getestet werden: Das Mittel tötet radikal alles Grünzeug ab, und eine Genmanipulation soll den Mais gegen "Basta" resistent machen - so können auf einfache und effiziente Weise Maisfelder von Unkraut "gereinigt" werden.

Was für Saatgutfirmen und Chemieunternehmen wie Hoechst lediglich eine methodische Ergänzung der normalen Pflanzenzüchtung ist, ruft hingegen Umweltschützer auf den Plan. Karl-Otto Nagel meint als Sprecher der Markgräfler Bürgerinitiative, daß über die Risiken der Genmanipulation, über die Wechselwirkung mit der Umwelt noch viel zuwenig bekannt sei. Es wird befürchtet, daß neue Substanzen entstehen, die Allergien oder Krebs auslösen. Kritiker warnen vor einer weiteren Industrialisierung der Landwirtschaft und wachsender Abhängigkeit der Bauern von Chemieunternehmen.

Gegen die Genehmigung des Bugginger Freilandversuchs durch das RKI haben Mitglieder der Bürgerinitiative Klage beim zuständigen Verwaltungsgericht in Berlin eingereicht. Beim RKI ist man indes überzeugt, diesen Prozeß zu gewinnen - wie schon alle anderen Rechtsstreitigkeiten dieser Art.

Debatte mit Manager
Wenn die südbadischen Protestler auch unbeugsam in ihrem Widerstand sind, so finden sie es doch gut, daß sich die Verantwortlichen bei van der Have immerhin der öffentlichen Diskussion stellen. Manager debattierten bereits auf dem besetzten Acker und äußerten sich auch bei einer Versammlung vor über 300 Gegnern.

Ackerbesetzung / Buggingen / Plakate



Plakat, Umwelt, Gentechnik: Aktionsbündnis / Zwei von vielen Plakaten der Ackerbesetzung gegen Gentechnik 1995 in Buggingen.


Plakat, Umwelt, Gentechnik: Buggingen / Eines von vielen Plakaten der Ackerbesetzung gegen Gentechnik 1995 in Buggingen.


Plakat, Umwelt, Gentechnik: Gen-food, Buggingen / Eines von vielen Plakaten der Ackerbesetzung gegen Gentechnik 1995 in Buggingen.


Plakat, Umwelt, Gentechnik: Gen-Mais / Eines von vielen Plakaten der Ackerbesetzung gegen Gentechnik 1995 in Buggingen.


Plakat, Umwelt, Gentechnik: Osterspaziergang / Eines von vielen Plakaten der Ackerbesetzung gegen Gentechnik 1995 in Buggingen.

















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  • 3) Im Zweifel ist die-Allgemeine Erklärung der Menschenrechte- immer noch eine gute Quelle zur Orientierung.

Axel Mayer

Getragen von der Hoffnung auf das vor uns liegende Zeitalter der Aufklärung (das nicht kommen wird die Morgenröte nach durchschlafner Nacht)






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Dieser Artikel wurde 2085 mal gelesen und am 17.3.2019 zuletzt geändert.