Froschschenkel essen / Tiere quälen / Malaria fördern


Veröffentlicht am 16.05.2020 in der Kategorie Natur & Naturschutz von Axel Mayer

Froschschenkel essen / Tiere quälen / Malaria fördern



Der Verzehr von Froschschenkeln ist eine Tierquälerei, fördert Malaria und ist ein Beitrag zur Ausbeutung der Dritten Welt

Es gibt im Bereich "Tierschutz / Artenschutz" Themen, die in der Öffentlichkeit nur noch ein müdes Gähnen auslösen. "Froschschenkel essen?" Das war doch einmal ein Thema in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts, meinen viele und liegen mit dieser Meinung ziemlich falsch.

Geben Sie einmal bei einer Suchmaschine die Begriffe "Froschschenkel kaufen", "Froschschenkel Rezept" oder "Froschschenkel bestellen" ein und Sie werden feststellen, wie aktuell dieses wichtige Tier- und Artenschutzthema auch heute noch ist.

Es ist erschreckend, an wie vielen Stellen auch in Deutschland zwischenzeitlich wieder Froschschenkel verkauft und in Lokalen zubereitet und gegessen werden. Während viele Artenschützer bei den jährlichen Amphibienwanderungen Frösche und Kröten retten, werden diese nebenan im Restaurant verzehrt.

Da in Europa viele Feuchtgebiete "verschwunden" sind und die stark bedrohten Amphibien bei uns unter Schutz stehen, wird der enorme Bedarf an Froschschenkeln durch Importe aus Asien bedient.

"Im Jahr 2015 importierte die Europäische Union 4234 Tonnen Froschbeine - was den Gliedmaßen von zwischen 84 und 200 Millionen Fröschen entspricht."schreibt die Deutsche Welle und berichtet weiter: "Nachdem Indien und Bangladesch den Export von Fröschen 1987 und 1989 verboten hatten, wurde Indonesien zum Hauptexporteur. Heute stammen mehr als zwei Drittel aller Froschschenkel in den Supermärkten weltweit von dort. Schon seit vielen Jahren warnen Naturschützer, dass der Handel nicht nachhaltig sein kann. Und es geht noch weiter: Einer neuen Studie nach sind viele Froschschenkel falsch gekennzeichnet."


Einen schönen Beitrag aus der SWR-Sendung "natürlich" vom 27. Juni 2017 finden Sie hier.


Bei der "Froschschenkel-Ernte" werden den Fröschen zumeist am Fangort die Hinterextremitäten bei lebendigem Leib vom Körper getrennt. Viele der importierten Froschschenkel stammen immer noch aus Wildfängen. Dies reduziert die bedrohten Tierarten und erhöht gleichzeitig das Malariarisiko. Gegen die Ausbreitung dieser Infektionskrankheit helfen vor allem Frösche. Das Essen von Froschschenkeln ist also nicht nur Tierquälerei, es gefährdet auch Menschenleben.

Um zu überprüfen, ob das Fleisch in Berliner Supermärkten von wildlebenden Fröschen oder von Farmen stammt, hat ein Forscherteam des Museums für Naturkunde Berlin im Jahr 2017 eine ungewöhnliche Methode angewandt.
"Mit Hilfe der Isotopenzusammensetzung stellten die Forscher fest, dass die Froschschenkel mit großer Wahrscheinlichkeit tatsächlich aus den angegebenen Ländern stammten, aber nur teilweise auch wirklich auf Farmen aufwuchsen. Etwa die Hälfte der Tiere wuchs unter natürlichen Bedingungen auf. Mit Hilfe genetischer Untersuchungen wurde auch festgestellt, dass die Artangaben auf den Verpackungen nicht immer korrekt waren."

Während unsere europäischen Amphibien zumindest vor dem Fang geschützt (aber immer noch massiv bedroht) sind, ist der Import von Froschschenkeln nach Deutschland und Europa eine legalisierte Form der Tierquälerei und eine Ausbeutung von armen Ländern wie Indonesien. Ein besonderer Skandal ist der unkontrollierte Import von Wildfängen, der nicht nur bedrohte Arten, sondern auch die ländliche Bevölkerung gefährdet, wenn durch das Fehlen der Frösche das Malariarisiko steigt.

Froschschenkel - Was tun?


Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein



Die Mitwelt Stiftung Oberrhein stellt hier einige Informationen zu diesem wichtigen, immer noch tagesaktuellen Thema zusammen.
Die abnehmende Zahl von aktuellen Medienberichten zeigt leider auch den Rückgang des öffentlichen Interesses an diesem wichtigen Natur-, Tier-, Artenschutz und Ausbeutungsthema.

Helfen Sie mit, dies zu ändern!
Unten im Text finden Sie eine Vorlage für ein Protestschreiben, wenn in Ihrem Umfeld Froschschenkel verkauft oder im Restaurant angeboten werden sollten. Gehen Sie davon aus, dass vielen Restaurantbesitzern, die diese makabere "Delikatesse" anbieten, und den meisten Froschschenkelessern diese wichtigen Zusammenhänge nicht bekannt sind. Argumentieren Sie also bitte freundlich. Informieren Sie über die Ergebnisse Ihrer Anfrage Ihren Freundeskreis und die Medien.

Aktuelle Quellen zum Thema:
*PETA: "Froschschenkel – Grausamkeit auf dem Teller", Februar 2016
*Deutschlandfunk: "Ökologische Folgen- Schäbiges Geschäft mit Froschschenkeln", 20.05.2016


Das Dokumentationszentrums für Artenschutz schreibt:
Quelle: Dokumentationszentrums für Artenschutz, 09.01.2013

Die Süddeutsche Zeitung über die tierquälerischen Hintergründe der Froschschenkelproduktion:
Quelle: Süddeutsche Zeitung

Auch der SPIEGEL 43/2000 informierte erfreulich kritisch:


Zum globalen Handel mit Froschschenkeln schreibt die Zeit:
Quelle: Die Zeit, 01.02.2011

Über Froschschenkel und die Zunahme von Schädlingen in Indonesien berichtet die FAZ am 04.03.2013 :
Quelle: FAZ, 04.03.2013







Froschschenkel - Was tun?


Muster für ein Protestschreiben


An die Geschäftsführung des "Hotels XXX"
(lässt sich problemlos auch auf Anschreiben an Geschäfte übertragen / Einfach Text kopieren und mit dem eigenen Briefkopf versenden)

Sehr geehrte Damen und Herren,

Sie bieten in Ihrem Angebot auch Froschschenkel an. Sind Sie und Ihre Kunden über den grausamen Hintergrund der "Froschschenkelproduktion" informiert?

Hier einige kurze Information:
Da in Europa die meisten Feuchtgebiete "verschwunden" sind und die stark bedrohten Amphibien bei uns unter Schutz stehen, wird der enorme Bedarf an Froschschenkeln insbesondere durch Importe aus Asien bedient.
Bei der "Froschschenkel-Ernte" werden den Fröschen zumeist am Fangort die Hinterextremitäten bei lebendigem Leib vom Körper getrennt. Die Mehrzahl der importierten Froschschenkel stammt immer noch aus Wildfängen. Dies reduziert die bedrohte Tierart und erhöht gleichzeitig das Malariarisiko in den Fanggebieten. Gegen die Ausbreitung dieser Infektionskrankheit helfen vor allem Frösche. Das Essen von Froschschenkeln ist also nicht nur Tierquälerei, es gefährdet auch Menschenleben.
Der Bund für Umwelt und Naturschutz am südlichen Oberrhein stellt im Internet unter www.bund-rvso.de/froschschenkel.html einige Informationen aus seriösen Quellen zu diesem wichtigen Thema zusammen.

Viele der in Deutschland verzehrten Froschschenkel wurden zur Haltbarmachung radioaktiv bestrahlt, informiert das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL).

Vielen Restaurantbesitzern, die diese makabere "Delikatesse" anbieten, und den meisten Froschschenkelessern sind diese wichtigen Zusammenhänge nicht bekannt.
Wir bitten Sie sehr, Froschschenkel zukünftig aus Ihrem Angebot zu nehmen und uns darüber zu informieren.

Sollten Sie weiterhin Froschschenkel anbieten, dann bitten wir Sie um die folgenden Informationen:
* Aus welchem Ursprungsland stammen diese?
* Können Sie durch Zertifikate nachweisen, dass die Froschschenkel nicht tierquälerisch "produziert" wurden?
* Können Sie durch Zertifikate nachweisen, dass die Froschschenkel nicht radioaktiv bestrahlt wurden?

Wir behalten uns die Möglichkeit vor, Ihre Kunden und die Öffentlichkeit über Ihre Antwort oder über eine Nichtantwort zu informieren.

Mit freundlichen Grüßen




Infos & Links zum Thema Froschschenkel:





Infos zum Schmetterlingssterben / Insektensterben / Artensterben




Aktuell:


Insektenrückgang weltweit - in Deutschland besonders stark


Eine Analyse weltweiter Langzeitstudien im Jahr 2020 zeigt, dass die Zahl landlebender Insekten zurückgeht. Sie sank in 30 Jahren um fast ein Viertel. Zu diesen Ergebnissen kommt die bislang umfassendste Meta-Analyse von Insektenbeständen an 1676 Orten weltweit. Die Studieist in der jüngsten Ausgabe der Fachzeitschrift "Science" erschienen.
Ein internationales Forscherteam stellte Daten aus 166 Langzeitstudien an weltweit 1676 Orten zusammen, um Veränderungen der Insektenzahlen (Individuen, nicht Arten) zu untersuchen. Diese Daten wurden im Zeitraum zwischen 1925 und 2018 erhoben. Die komplexe Analyse offenbarte große Unterschiede in den lokalen Trends - selbst zwischen nahe gelegenen Orten. So gab es in Ländern mit vielen Langzeitstudien wie Deutschland, Großbritannien oder den USA sowohl Orte mit Rückgängen als auch Orte mit wenig Veränderungen oder sogar Zunahmen. 
Im globalen Durchschnitt gingen landlebende Insekten wie Schmetterlinge, Heuschrecken oder Ameisen um 0,92 % pro Jahr zurück.
Erstautor Dr. Roel van Klink, der bei iDiv und der UL forscht, sagt: "0,92 Prozent klingt vielleicht nicht nach viel, aber es bedeutet 24 Prozent weniger Insekten über 30 Jahre und sogar eine Halbierung über 75 Jahre. Der Rückzug der Insekten findet leise statt - in nur einem Jahr bemerken wir das nicht. Es ist wie wenn man an den Ort zurückkehrt, wo man aufgewachsen ist. Nur wenn man jahrelang nicht dort war, bemerkt man, wie viel sich tatsächlich verändert hat - leider oft zum Schlechteren."
Die Insekten-Rückgänge waren in Teilen der USA sowie in Europa, insbesondere in Deutschland, am stärksten. In Europa verstärkten sich die negativen Trends in den letzten Jahren - die größten Rückgänge wurden seit 2005 beobachtet.
Quelle: www.sonnenseite.com



Linkliste:




Axel Mayer, BUND-Regionalgeschäftsführer








Mitwelt-Warnungen 2020 & Hinweise zu diesen Seiten...


  • 1) Diese Internetseiten der Mitwelt Stiftung Oberrhein sind "altmodisch-textorientiert" und manchmal lang. Wir bieten keine modischen Infohäppchen, sondern wenden uns an die kleine Minderheit, die noch in der Lage ist längere Texte zu lesen und zu erfassen.
  • 2) Wenn Sie hier "Die Wahrheit" suchen, werden Sie sie nicht finden. Es gibt sie nicht, "Die Wahrheit", sondern immer nur Annäherungen daran, Wahrheitsfragmente. Es wird Ihnen nichts übrigbleiben, als sich mit den "anderen Wahrheiten" auseinander zu setzen, um zu einer eigenen Meinung zu kommen. Verlassen Sie auch einmal den engen "Echoraum" der eigenen Meinung im Internet. Misstrauen Sie Wahrheitsverkündern. Haben Sie Mut Ihren eigenen Verstand zu gebrauchen.
  • 3) Im Zweifel ist die -Allgemeine Erklärung der Menschenrechte- immer noch eine gute Quelle zur Orientierung.
  • Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein


Getragen von der Hoffnung auf das vor uns liegende Zeitalter der Aufklärung (das nicht kommen wird wie die Morgenröte nach durchschlafner Nacht)




Nachtrag


Freiheit für die Menschen in Hongkong & Tibet... Aber auch für Julian Assange, Chelsea Manning, Edward Snowden und die katalanischen, gewaltfreien, politischen Gefangenen in Spanien! Für einen unteilbaren, globalen Freiheitsbegriff!