Insektensterben, Ursachen, Fakten & Studien: Warum die Insekten sterben
Veröffentlicht am 21.08.2026 in der Kategorie Natur & Naturschutz von Axel Mayer
Insektensterben, Ursachen, Fakten & Studien: Warum die Insekten sterben
Vorwort: Der Mensch ist der Natur ein Mensch
Die Debatte um das globale und bundesweite Insektensterben und seine Ursachen führt an einer Stelle in die Irre. Wir diskutieren das große Sterben als ein Phänomen der letzten 30 Jahre. Doch das Sterben hat mit DDT, E 605 und anderen brutalen Agrargiften und dem daraus folgenden Insektenschwund schon viel früher begonnen. Das aktuelle Insektensterben ist "nur" die beschleunigte Ausrottung des verbliebenen Rests im Zeitalter der "Großen Beschleunigung". Das gilt nicht nur für die Insekten sondern auch für das eng damit verbundenen Sterben der Vögel und für das große globale Artensterben. Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein
Die Krefelder Studie der Insektenforscher aus Krefeld zählt zu den wichtigsten wissenschaftlichen Untersuchungen zum Rückgang der Insekten in Deutschland. Sie basiert auf langfristigen Messungen in insgesamt 63 Schutzgebieten, die über viele Jahre hinweg mit standardisierten Fallen durchgeführt wurden. Dabei wurde insbesondere die sogenannte Biomasse fliegender Insekten erfasst, also das Gesamtgewicht aller gefangenen Insektenarten.
Die Ergebnisse sind alarmierend: Zwischen 1989 und 2016 nahm die Insektenbiomasse im Durchschnitt um etwa 76 Prozent ab. Besonders deutlich zeigte sich der Rückgang in den Sommermonaten, in denen die Aktivität der Insekten normalerweise am höchsten ist. Hier wurden sogar Verluste von bis zu 82 Prozent festgestellt. Diese Zahlen bedeuten, dass heute nur noch ein Bruchteil der früheren Insektenmenge in den untersuchten Gebieten vorhanden ist.
Die Studie machte erstmals in dieser Deutlichkeit sichtbar, dass es sich nicht um lokale Einzelfälle handelt, sondern um einen großflächigen und langfristigen Trend. Insekten spielen jedoch eine zentrale Rolle in Ökosystemen: Sie bestäuben Pflanzen, dienen als Nahrung für viele andere Tiere und tragen zur Zersetzung organischer Stoffe bei. Ihr Rückgang hat daher weitreichende Folgen für die biologische Vielfalt und die Stabilität von Lebensräumen.
Als Ursachen werden unter anderem der Einsatz von Pestiziden, der Verlust von Lebensräumen durch intensive Landwirtschaft, der Rückgang blütenreicher Flächen sowie der Klimawandel diskutiert. Die Krefelder Studie hat weltweit große Aufmerksamkeit erregt und gilt als wichtiger wissenschaftlicher Weckruf für den Naturschutz und die Agrarpolitik.
Insektensterben Ursachen (Kurzversion) Die Ursachen des massiven Insektensterbens sind vielfältig. Es gibt Hauptgründe und Nebengründe für den massiven Rückgang der Arten und es gibt ein massives ökonomisches Interesse der Agrochemielobby und ihrer PR-Agenturen dieses Thema gezielt nur in den kleinen Nischen und Randbereichen zu diskutieren.
Die Hauptursache für das Sterben von Insekten wie Schmetterlingen und Bienen ist die industrielle Landwirtschaft mit ihren Giften (Neonicotinoide...), Herbiziden (Glyphosat...), Überdüngung und die „pflegeleichte“ ausgeräumte, monotone Agrar-Landschaft. Ein besonders bedrückendes Phänomen ist die Fernwirkung der Gifte und Düngemittel selbst in weit entfernte Naturschutzgebiete.
Zu den weiteren Ursachen des Rückgangs zählen Biotopverluste bei Pflanzen aufgrund erhöhten Stickstoffgehalts im Boden. Aus zweimal gemähten artenreichen Wiesen wurden stark gedüngte artenarme Produktionsflächen für Biogasanlagen und Hochleistungskühe. Die Giftorgien in Privatgärten, aktuell bei der Bekämpfung des Buchsbaumzünslers, dürfen bei der Ursachenanalyse nicht außer Acht gelassen werden. Als weitere mögliche Ursachen gelten Klimawandel, Flächenverbrauch und Bebauung, der zunehmend beschleunigte Verkehr, Lichtverschmutzung und die massenhafte Tötung von Insekten an Lichtquellen. Ein weiterer Hauptgrund des Insektensterbens wird von Naturschützern gerne übersehen. Unsere Landwirtschaft konkurriert auf einem globalisierten Agrarmarkt im Rahmen des Freihandels mit Ländern wie Kanada. Eine immer noch erfreulich kleinräumige Landwirtschaft z.B. in Südbaden, verkauft auf dem gleichen Markt wie die giftdominierte großindustrielle Landwirtschaft in den USA. Wenn nur noch der Preis und die Ideologie des „freien Marktes“ zählt, dann haben Insekten, Vögel, Hecken aber auch die Mehrzahl der Landwirte selber keine Chancen. Die Naturschutzbewegung ist nicht der Feind der Landwirtschaft, sondern der potentiell Verbündete einer naturnäheren, giftärmeren, nachhaltigen und somit auch moderneren und zukunftsorientierten Landwirtschaft. Das Insektensterben kann nicht losgelöst vom generellen, globalen Artensterben gesehen werden. Doch Monotonie breitet sich nicht nur in der Natur aus. So gibt es (um nur ein Beispiel zu nennen) weltweit noch 6.500 Sprachen, doch die Hälfte ist vom Aussterben bedroht. Was wir erleben ist die logische Folge unbegrenzten Wirtschaftswachstums im begrenzten System Erde. Und in den schnell wuchernden Metastasen unseres Industriesystems, in Asien und Afrika, laufen die Zerstörungsprozesse noch schneller ab. Notwendige Ursachenforschung zum Insektensterben und ihre Probleme. Während das Insektensterben als solches nur noch von industrienahen Insektensterbenleugnern bestritten wird, gibt es bei der Ursachenforschung, insbesondere bei der Fernwirkung der Gifte noch einen großen Forschungsbedarf. Wir sehen dies, sind aber gebrannte Kinder. Bei Themen wie Klimawandel, Holzschutzmittelgifte, Contergan und Asbest waren die Ursachen teilweise jahrzehntelang bekannt und eine industriegelenkte Ursachenforschung, verbunden mit Verharmlosungs-Kampagnen hat Maßnahmen zur Schadensbegrenzung jahrelang verzögert und verhindert. Dies hat bei Holzschutzmittelgiften, Contergan und Asbest zu Krankheit und Tod vieler Menschen geführt. Der organisierte Kampf der Klimawandelleugner wird weltweit noch größere Opfer fordern.
Die Forderung nach einer industrieunabhängigen Erforschung der Ursachen des Insektensterbens und der Fernwirkung der Gifte, erscheint angesichts der Macht von Bayer, Monsanto und Syngenta und Co. beinahe unrealistisch, muss aber angegangen werden und darf nicht zu einer Verzögerung bei der Bekämpfung des Insektensterbens führen.
Insektensterben, Artenausrottung: Die zentrale Ursache ist die "Große Beschleunigung"
Es gibt eine Vielzahl von Ursachen für das große Insektensterben. Das Grundproblem hinter all diesen Detailproblemen ist das Phänomen der "Großen Beschleunigung", die aktuell gerade in eine Phase der zutiefst zerstörerischen Turbo-Beschleunigung übergeht.
Etwa 5 bis 10 Million Menschen lebten vor 10 000 Jahren auf der Erde. Heute sind es 7,8 Milliarden. Eigentlich ist es nur logisch, dass dieses explosionsartige Wachstum für andere Lebewesen Folgen hat. Kaum jemand bestreitet noch, dass derzeit auf der Welt ein gigantisches Massensterben läuft, ähnlich dem vor 66 Millionen Jahren, als die Dinosaurier von der Erdoberfläche verschwanden. Ob Insekten davon stärker betroffen sind als andere Tiere ist unklar, obwohl sich mittlerweile viele Forschergruppen mit dem Phänomen des Insektensterbens beschäftigen. In der aktuellen Ausgabe des Fachjournals PNAS fassen jetzt 56 Wissenschaftler in elf Studien zusammen, was man bislang über den Schwund der Insekten weiß - und was nicht.
Die Häufigen werden selten. Anders als bei vielen anderen Tieren schwinden bei den Insekten nicht vor allem seltene Arten, sondern auch solche, die früher stark verbreitet waren. Ein Beispiel dafür sind die Schmetterlinge in Europa, wie ein Team um Martin Warren von der Butterfly Conservation Europe im britischen Dorset in einer der PNAS-Studien schreibt. Demnach ist die Zahl aller Schmetterlinge in Großbritannien seit 1976 um die Hälfte zurückgegangen. In den Niederlanden sind mittlerweile 20 Prozent der ehemals dort lebenden Arten ausgestorben. Und im belgischen Flandern ist die Zahl der Schmetterlinge allein zwischen 1992 und 2007 um 30 Prozent zurückgegangen. Auch die Krefelder Studie aus dem Jahr 2017, durch die das Insektensterben überhaupt erst ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gekommen ist, deutet darauf hin: Demnach ist die Biomasse aller fliegenden Insekten in weiten Teilen Deutschlands innerhalb von 27 Jahren um 76 Prozent zurückgegangen.
Das große Ganze ist gefährdet. Der Schwund der Insekten quer über alle Arten hinweg kann nach Meinung mehrerer an dem Schwerpunkt beteiligten Autoren ganze Ökosysteme aus dem Gleichgewicht bringen, aus verschiedenen Gründen: Zum einen sind Insekten Nahrungsgrundlage für viele andere Tiere, deren Überleben ebenfalls gefährdet ist, wenn sie nicht mehr genug zu fressen finden. Zum anderen spielen Insekten eine essenzielle Rolle dabei, dass die Böden fruchtbar und das Wasser sauber bleiben. Ohne sie würden die Stoffkreisläufe in der Natur zusammenbrechen. Ein Beispiel dafür sind im Boden lebende Insekten, die dazu beitragen, dass Blätter und Holz kompostiert und der Dung anderer Tiere entfernt wird. Die Ernährung des Menschen könnte durch den massenhaften Schwund von Insekten gefährdet werden, die Obst- und Nussbäume sowie Gemüse bestäuben.
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