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Mundologia Festival 2017 / 2018: Illusionsmaschine oder Ansporn zu handeln?


Mundologia Festival 2017 /2018:
Wunderschöne Bilder - Traurige Realität
Illusionsmaschine oder Ansporn zu handeln?



Das Freiburger Mundologia-Festival 2017 / 2018, ist das große Reportage-Festival in Mitteleuropa und allen BesucherInnen werden tief beeindruckende Bilder von Natur, Tieren und Landschaften gezeigt.

Doch während in atemberaubenden Bildern das Hohelied der Arten
und der globalen Natur gesungen wird, ist die globale und regionale Realität eine andere. Gezeigt werden Bilder von schöner, winziger, schwindender Rest-Natur und Rest-Vielfalt.

Der weltweite Verlust der Biodiversität,
der Vielfalt an Arten und Lebensräumen, steigt in Zeiten scheinbar unbegrenzten wirtschaftlichen Wachstums dramatisch. Durch Jagen, Fischen und den Verlust von Lebensraum ist die Zahl von Land-, Meeres- und Süßwassertieren in 40 Jahren um 52 Prozent zurückgegangen. Die Zahl der Land- und Meerestiere ging von 1970 bis 2010 um 39 Prozent zurück und die Zahl der Süßwasser-Tiere sogar um 76 Prozent, sagt eine Studie aus dem September 2014. Fünf Mal gab es in den vergangenen 540 Millionen Jahren gewaltige Artensterben, zeigen Fossilienfunde. Forscher sehen eine aktuelle, menschengemachte, sechste Welle im Zeitalter des Anthropozän in vollem Gange. Nach einem Bericht der Vereinten Nationen zur Artenvielfalt sterben bis zu 130 Tier- und Pflanzenarten täglich aus.

In den letzten Jahrzehnten
hat die Zahl der Schmetterlinge (nicht nur) am Oberrhein in Südbaden, im Elsass und in der Nordschweiz stark abgenommen. "Zwischen 1990 und 2011 brach die Population von 17 in der EU verbreiteten Schmetterlingsarten um rund die Hälfte ein", schreibt die Europäische Umweltagentur (EEA) 2013 in ihrem Bericht. Das deutet auch auf den Rückgang vieler anderer Insektenarten hin.

Auch Südbaden, Freiburg und insbesondere die Rheinebene
wird zunehmend scheußlich und Natur und naturnahe Gebiete schwinden! Die "Green" City Freiburg will 13 Hektar Mooswald abholzen. Am Rande der Vorbergzone entlang der B3 entsteht ein hässlicher Siedlungsbrei. Auf der Gesamtstrecke von 68 km zwischen Freiburg & Offenburg gibt es aktuell 50,3 km weiter wuchernde Siedlungsflächen und 17,7 km naturfernen "Freiraum". Immer mehr Beton ergießt sich auch in die Schwarzwaldtäler und rund um den Kaiserstuhl (wo selbst FFH-Gebiete bebaut werden sollen, wie der Konflikt um das Weingut Vogel zeigt). Die Regionalplanung wird von Bürgermeisterinteressen dominiert. Dazu kommen als Folge freien Handels und globaler Konkurrenz immer mehr landwirtschaftliche Monokulturen und die heftige Vermaisung der Rheinebene.

Mit dem neuen Parkhaus Feldberg, dem geplanten sechsspurigen Autobahnausbau und der Verwirklichung des Verkehrsdrehkreuzes Oberrhein werden weitere, kleine und große Schritte zur Entwertung unserer Landschaft, zum Verlust an Lebensqualität und hin zu mehr Klimawandel getan.

Es ist schön (und die -berühmte- kurze Rast im quellenkühlen Tal), sich an den wunderschönen Mundologia-Vorträgen & Bildern zu berauschen und es ist ebenso wichtig, sich für die verbliebenen schönen Restlandschaften, für Biodiversität & die Natur der Welt und am Oberrhein und gegen den Klimawandel zu engagieren. Ein kleiner regionaler Erfolg war der mühsam-erfolgreiche Kampf für den Nationalpark Nordschwarzwald. Wir wünschen den BesucherInnen des Festivals beeindruckende Bilder und den Veranstaltern viel Erfolg.

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer

Nachtrag
von Hans Magnus Enzensberger (der sich auch auf Fotografen übertragen lässt :
"Der Tourist zerstört das, was er sucht, indem er es findet"









  • Zur Homepage & zum Programm von Mundologia Hier
  • Vortrag Flächenverbrauch und Verscheußlichung am Oberrhein: Hier
  • Ein Gespräch zum Themenkomplex Mundologia & Naturrealität könnt Ihr bei Radio Dreckland hören








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Dieser Artikel wurde 840 mal gelesen und am 15.7.2017 zuletzt geändert.