Schottergarten 2020: Kiesgarten, Steingarten & Kritik - Versteinerte Gärten


Veröffentlicht am 12.04.2019 in der Kategorie Natur & Naturschutz von Axel Mayer

Schottergarten, Kiesgarten, Steingarten & Kritik: Versteinerte Gärten


Es ist erstaunlich:
In Zeiten des Klimawandels werden die Autos größer und spritfressender und während intensiv über das große Insektensterben diskutiert wird, nimmt die Verödung der Vorgärten zu.

Viele Jahrtausende sind Menschen über Äcker gegangen und haben Steine gelesen und zu Haufen geschichtet, um Felder fruchtbar zu machen. Das hat unsere Landwirtschaft und Kultur geprägt. Die beeindruckenden Lesesteinhaufen und Steinmauern der Schwäbischen Alb, von Südfrankreich bis Tibet, wurden über Generationen hinweg an den Rändern der Äcker, Wiesen und Wälder gebildet und zugleich als Abgrenzung der Flächen genutzt.
Heute erleben wir, wie ein neuer Gartentrend dafür sorgt, dass Schotter und Kies in Vorgärten gekippt wird und sich Vorgärten in "Gärten des Grauens" verwandeln. Schon der Begriff "Garten" ist falsch. Ein Schottergarten ist nicht einmal eine Wüste, denn die Wüste lebt.

"Pflegeleicht" ist das Stichwort für diesen insekten- und naturfeindlichen, trostlosen Gartentrend, doch pflegeleicht sind solche Schottergärten und Kiesgärten meist nur für kurze Zeit. Nach wenigen Jahren sammelt sich schwer entfernbares Laub und das aufkommende, unvermeidbare Grün wird häufig mit umweltfeindlichen Herbiziden bekämpft. Und haben Sie schon einmal versucht, eine zerdepperte Bierflasche aus einem "pflegeleichten" Schottergarten zu entfernen?

So besteht durchaus Hoffnung, dass dieser Modetrend kippt und in einigen Jahren die Versteinerung der Vorgärten endet.

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer


Einen klugen Beitrag zu diesem Thema finden Sie hier.

Schottergärten verbieten?
Schottergärten & Kiesgärten sind naturfremd und unökologisch. Aber sollten wir sie verbieten? Ich selber bin dafür Verbote als Ultima Ratio, als letztes Mittel bei wirklich großen Umweltgefahren einzusetzen. Es war gut, wichtig und richtig Asbest, DDT und FCKW´s zu verbieten. Es ist nötig menschengefährdende Atomkraftwerke und Atomwaffen, insektenmordende Neonicotinoide, klimagefährdende Kraftwerke, Agrargifte in Gärten, unsoziale CUM-EX-Geschäfte, Antibiotika in der Tiermast und Patente auf Leben zu verbieten.
Wir sollten uns auf beim Thema Verbote auf die wirklich großen Gefahren und die großen Umweltvergifter konzentrieren. Wir schwer das fällt zeigt eine der größten Niederlagen der Umweltbewegung, das viel zu spät gekommene Asbest-Verbot. Das industriegelenkt-verspätete Asbest-Verbort hat hunderttausende von Opfern gekostet und die heute immer noch eingesetzte Antibiotika in der Tiermast könnte ähnlich verheerende Folgen haben.
Bei Themen wir Schottergärten sollten wir erst einmal versuchen mit Vernunft zu argumentieren. Schottergärten sind scheußlich, es geht aber keine Gefahr von ihnen aus. Bei "Kleinthemen" lassen sich Verbote viel schneller umsetzen als dort, wo wir Verbote gegen die Mächtigen durchsetzen müssen, doch es ist nicht unsere Aufgabe den einfacheren Weg zu gehen.
Axel Mayer


Infosammlung 2020: Natur, Naturschutz & Naturgebiete, in Südbaden, im Elsass und am Oberrhein



Aktuell & wichtig!


Flächendeckend stirbt der Wald. Wer da noch von "Waldumbau" redet, der verharmlost und lügt. Wir erleben aktuell ein Waldsterben 2.0 welches das Waldsterben in den 80er Jahren des letzten Jahrhundert bei weitem übertrifft. In den 80er Jahren gab es massive Aktionen, Demos & Proteste der Umweltbewegung. Doch wo ist die Protestbewegung gegen das Waldsterben 2.0? Angesichts der Dimension der Schäden genügt es nicht die Proteste an Fridays for Future zu delegieren!" Angesichts von Waldsterben und Artenausrottung ist die Naturschutzbewegung erschreckend brav.
Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein











Infos zum Schmetterlingssterben / Insektensterben / Artensterben




Aktuell:


Insektenrückgang weltweit - in Deutschland besonders stark


Eine Analyse weltweiter Langzeitstudien im Jahr 2020 zeigt, dass die Zahl landlebender Insekten zurückgeht. Sie sank in 30 Jahren um fast ein Viertel. Zu diesen Ergebnissen kommt die bislang umfassendste Meta-Analyse von Insektenbeständen an 1676 Orten weltweit. Die Studieist in der jüngsten Ausgabe der Fachzeitschrift "Science" erschienen.
Ein internationales Forscherteam stellte Daten aus 166 Langzeitstudien an weltweit 1676 Orten zusammen, um Veränderungen der Insektenzahlen (Individuen, nicht Arten) zu untersuchen. Diese Daten wurden im Zeitraum zwischen 1925 und 2018 erhoben. Die komplexe Analyse offenbarte große Unterschiede in den lokalen Trends - selbst zwischen nahe gelegenen Orten. So gab es in Ländern mit vielen Langzeitstudien wie Deutschland, Großbritannien oder den USA sowohl Orte mit Rückgängen als auch Orte mit wenig Veränderungen oder sogar Zunahmen. 
Im globalen Durchschnitt gingen landlebende Insekten wie Schmetterlinge, Heuschrecken oder Ameisen um 0,92 % pro Jahr zurück.
Erstautor Dr. Roel van Klink, der bei iDiv und der UL forscht, sagt: "0,92 Prozent klingt vielleicht nicht nach viel, aber es bedeutet 24 Prozent weniger Insekten über 30 Jahre und sogar eine Halbierung über 75 Jahre. Der Rückzug der Insekten findet leise statt - in nur einem Jahr bemerken wir das nicht. Es ist wie wenn man an den Ort zurückkehrt, wo man aufgewachsen ist. Nur wenn man jahrelang nicht dort war, bemerkt man, wie viel sich tatsächlich verändert hat - leider oft zum Schlechteren."
Die Insekten-Rückgänge waren in Teilen der USA sowie in Europa, insbesondere in Deutschland, am stärksten. In Europa verstärkten sich die negativen Trends in den letzten Jahren - die größten Rückgänge wurden seit 2005 beobachtet.
Quelle: www.sonnenseite.com



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Axel Mayer, BUND-Regionalgeschäftsführer