Der Luchs am Oberrhein und in Baden-Württemberg


Veröffentlicht am 03.10.2016 in der Kategorie Natur & Naturschutz von Axel Mayer

Luchs & Wolf am Oberrhein und in Baden-Württemberg.
Unsere "badisches Nashörner" sind Luchs und Wolf!


"Der langsam zurückkehrende Luchs und auch der Wolf waren in Deutschland lange ausgestorben" steht immer wieder in den Medien.

"Ausgestorben" ist ein seltsam beschönigendesNeusprech-Wort. Es klingt nach "still von uns gegangen". Bekämpft, verfolgt, ausgerottet, ausgemerzt..., diese Begriffe beschreiben den Umstand des "Aussterbens" ein wenig treffender. Die erfolgreiche Wiederansiedelung der Luchse in Mittel- und Westeuropa kann leider noch nicht als völlig gesichert gelten, da sich erst erweisen muss, ob die etablierten Populationen langfristig überlebensfähig sind.

Jetzt kommen Luchs und Wolf langsam zurück und wie werden sie empfangen?
Wir zitieren aus einer Stellungnahme des BLHV „Badische Landwirtschaftliche Hauptverband e.V.“:
"Der Verbandsausschuss des BLHV beschloss am 16. September 2016 die Verbandsposition zu Luchs und Wolf. Der BLHV spricht sich gegen eine aktive Wiederansiedlung des Luchses unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen aus. (...) Der BLHV spricht sich gegen eine Wiederbesiedlung von Baden-Württemberg durch den Wolf aus. (...) Der BLHV kritisierte auch die verbreitete Willkommenskultur für den Wolf. Diese sei der ländlichen Bevölkerung und den Weidetierhaltern im Besonderen nicht zu vermitteln." Wenn der BLHV dann sogar schreibt, "dass Luchse, die sich auf landwirtschaftliche Nutztiere spezialisieren, problemlos der Natur entnommen werden können" dann sind wir wieder bei einem geschickt verharmlosenden Neusprechbegriff.

"In Zeiten eines, auch durch die industrielle Landwirtschaft ausgelösten Artensterbens haben wir gegenüber bedrohten Arten eine Bringschuld" meint BUND-Geschäftsführer Axel Mayer.

Fünf Mal gab es in den vergangenen 540 Millionen Jahren gewaltige Artensterben, zeigen Fossilienfunde. Forscher sehen eine aktuelle, menschengemachte, sechste Welle im Zeitalter des Anthropozän in vollem Gange. Nach einem Bericht der Vereinten Nationen zur Artenvielfalt sterben bis zu 130 Tier- und Pflanzenarten täglich aus.

Es ist gut und wichtig, dass sich Medien und Öffentlichkeit verstärkt mit Themen wie dem bedrohten Blauflossenthunfisch, dem gefährdeten Great Barrier Reef, der Abholzung des Dschungels in Amazonien und der Ausrottung der Nashörner in Afrika und Asien beschäftigen. Doch unsere "badischen Nashörner" sind Luchs, Wolf, Wildkatze und die bei uns bedrohten Schmetterlinge. Für sie tragen wir Verantwortung.

Die Rückkehr einzelner, überlebender Tierarten nach Baden ist leider immer noch keine Trendumkehr im anschwellenden globalen Artensterben. Sie wird im zunehmend natur- und wildtierfeindlichen Umfeld am Oberrhein auch nicht einfach und darf nicht idealisiert werden. (Neue Hochgeschwindigkeitstrasse der Bahn, Autobahnausbau, Industrialisierung der Landwirtschaft, zunehmende Verlärmung, Klimawandel...)

Wir sollten Mensch, Landwirtschaft und Luchs nicht gegeneinander ausspielen und Ängste schüren, sondern weiterhin gemeinsam nach guten, machbaren Lösungen suchen.

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer



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Aktueller Einschub:
Alle Infos zur Gefährdung und Unterschriftenaktion zur Rettung des Windgfällweihers im Schwarzwald




Klimawandel,Feuer, Waldbraende, Artensterben,Windenergie
Immer mehr Klimawandelleugner und Energiewendegegner argumentieren mit gezielt vorgeschobenen "Artenschutz-Argumenten" gegen Energie aus Wind & Sonne. Bei den großen Bränden in Australien und in Amazonien sind Milliarden Tiere auf eine entsetzliche Art und Weise gestorben. Die menschengemachte Klimakatastrophe wird die globale Artenausrottung und das Waldsterben massiv beschleunigen. Diese Fakten müssen, auch wenn's uns Naturschützern manchmal schwerfällt, bei allen regionalen Planungsvorhaben in die immer notwendige Artenschutz-Betrachtung einbezogen werden.

Genau in dieser Frage unterscheiden sich gemeinwohlorientierte Naturschutzverbände von egoistischen Bürgerinitiativen.





Infos zum Schmetterlingssterben / Insektensterben / Artensterben




Aktuell:


Neonicotinoide: Besonders mörderisch für Insekten
Neonicotinoide, kurz Neonics, sind extrem schädlich für Insekten, die Bodenlebewesen und damit auch für Vögel. Die Ultra-Gifte sind als umwelt- und gewässergefährdend eingestuft und giftig für Wild- und Honigbienen. Aus gutem Grund hat die Europäische Union daher die Mittel 2018 verboten. Ein Hintertürchen wurde allerdings gezielt offen gehalten – die Notfallzulassung. Nur knapp ein halbes Jahr nach Verabschiedung des Biodiversitätsstärkungsgesetzes in Baden-Württemberg hat der Agrochemielobbyist und Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) die Notfallzulassung beim Bund beantragt und erhalten.

Kurz vor den Wahlen in Baden-Württemberg ist dies ein Angriff auf die Natur, aber auch Teil einer Kampagne gegen Ministerpräsident Kretschmann.

Insektenrückgang weltweit - in Deutschland besonders stark


Eine Analyse weltweiter Langzeitstudien im Jahr 2020 zeigt, dass die Zahl landlebender Insekten zurückgeht. Sie sank in 30 Jahren um fast ein Viertel. Zu diesen Ergebnissen kommt die bislang umfassendste Meta-Analyse von Insektenbeständen an 1676 Orten weltweit. Die Studieist in der jüngsten Ausgabe der Fachzeitschrift "Science" erschienen.
Ein internationales Forscherteam stellte Daten aus 166 Langzeitstudien an weltweit 1676 Orten zusammen, um Veränderungen der Insektenzahlen (Individuen, nicht Arten) zu untersuchen. Diese Daten wurden im Zeitraum zwischen 1925 und 2018 erhoben. Die komplexe Analyse offenbarte große Unterschiede in den lokalen Trends - selbst zwischen nahe gelegenen Orten. So gab es in Ländern mit vielen Langzeitstudien wie Deutschland, Großbritannien oder den USA sowohl Orte mit Rückgängen als auch Orte mit wenig Veränderungen oder sogar Zunahmen. 
Im globalen Durchschnitt gingen landlebende Insekten wie Schmetterlinge, Heuschrecken oder Ameisen um 0,92 % pro Jahr zurück.
Erstautor Dr. Roel van Klink, der bei iDiv und der UL forscht, sagt: "0,92 Prozent klingt vielleicht nicht nach viel, aber es bedeutet 24 Prozent weniger Insekten über 30 Jahre und sogar eine Halbierung über 75 Jahre. Der Rückzug der Insekten findet leise statt - in nur einem Jahr bemerken wir das nicht. Es ist wie wenn man an den Ort zurückkehrt, wo man aufgewachsen ist. Nur wenn man jahrelang nicht dort war, bemerkt man, wie viel sich tatsächlich verändert hat - leider oft zum Schlechteren."
Die Insekten-Rückgänge waren in Teilen der USA sowie in Europa, insbesondere in Deutschland, am stärksten. In Europa verstärkten sich die negativen Trends in den letzten Jahren - die größten Rückgänge wurden seit 2005 beobachtet.
Quelle: www.sonnenseite.com



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