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Mais, Fruchtfolge & Maiswurzelbohrer: Zunehmende Vermaisung durch Wegfall der Fruchtfolge für Mais?


Landkreis Emmendingen: Zunehmende Vermaisung durch Wegfall der Fruchtfolge für Mais?

Sehr geehrte Damen und Herren in den Medien im Landkreis Emmendingen,

in der vorletzten Kreistagssitzung hatte ich eine mündliche Anfrage zum Themenkomplex: „Zunehmende Vermaisung durch Wegfall der Fruchtfolge?“ eingebracht, die jetzt vom ersten Landesbeamten, von Herrn Hinrich Ohlenroth beantwortet wurde (siehe Textblock unten).

Seit Jahren haben wir auch im Landkreis Emmendingen massive Probleme mit dem Maiswurzelbohrer. Die Bekämpfung des eingeschleppten Schädlings führte 2008 zur massiven Bienvergiftung am Oberrhein. Die Problemgifte aus der Gruppe der Neonicotinoide führen auch heute noch zu einer schleichenden Bienen- und Umweltvergiftung. Bis vor Kurzem war der Maiswurzelbohrer ein EU-Quarantäneschädling, d.h., die von den Umweltverbänden geforderte ökologisch und ökonomisch sinnvolle Fruchtfolge war vorgeschrieben. Seit diesem Jahr ist der Maiswurzelbohrer kein EU-Quarantäneschädling mehr und darum wurde die Fruchtfolge aufgehoben.

Dies kann bedeuten: keine Fruchtfolge, mehr Vermaisung, mehr Monokultur, mehr Maiswurzelbohrer, mehr Gift und Nitrat.

Nach Ansicht von Herrn Ohlenroth lässt sich derzeit noch nicht zuverlässig abschätzen, welche Auswirkungen die Aufhebung der betreffenden Allgemeinverfügung hat. Er setzt in seiner Antwort große Hoffnungen in das „Greening“ durch die EU-Agrarreform. Doch die Fruchtfolgeregelung im Greening können wir leider weitgehend vergessen - sie lässt auch bei größeren Betrieben 75% Mais zu. Nach Ansicht der GRÜNEN-Kreistagsfraktion sollte nach dem Wegfall der EU-Quarantäneverordnung jetzt unbedingt die Möglichkeit genutzt werden, nach dem PflSchG im Maiswurzelbohrer-Befallsgebiet Fruchtfolgemaßnahmen auf Landesebene anzuordnen, auch ohne Verpflichtung durch die EU.

Wir werden jetzt und vor allem im nächsten Jahr die Entwicklung des Maiswurzelbohrers und der Maisanbauflächen im Kreis kritisch beobachten und begleiten. Mehr Maisflächen und mehr Gift wäre der falsche Weg.

Axel Mayer, Kreisrat


Mehr Infos:



Hinrich Ohlenroth, Erster Landesbeamter im Landkreis Emmendingen


Sehr geehrter Herr Kreisrat Mayer,

in der Sitzung des Kreistags vom 30.06.2014 haben Sie sich nach den Auswirkungen der Aufhebung der Allgemeinverfügung über Maßnahmen zur Bekämpfung des Westlichen Maiswurzelbohrers erkundigt.

In der Allgemeinverfügung war als zentrale Bekämpfungsmaßnahme eine Fruchtfolgeregelung vorgesehen. Danach durfte Mais in der Fruchtfolge maximal zweimal auf einem Schlag in Folge angebaut werden, d.h. spätestens nach zwei Jahren Maisanbau durfte auf einem Schlag im Folgejahr kein Mais angebaut werden. Als Folge dieser Regelung ging der Anbau von Mais deutlich zurück. Anstatt Mais wurden vermehrt Getreide, insbesondere Winterweizen, angebaut. Außerdem wurde 2011 erstmals Hirse als Alternative zu Mais ausgesät.

Die Allgemeinverfügung erging auf der Grundlage einer Verordnung des Bundeslandwirtschaftsministeriums, die wiederum auf europarechtlichen Regelungen beruhte. Die Europäische Kommission hat die betreffenden europarechtlichen Regelungen - für uns überraschend - im Februar 2014 aufgehoben. Daraufhin hat das Bundeslandwirtschaftsministerium, ebenfalls im Februar 2014, eine Verordnung erlassen, wonach die die Fruchtfolgeregelung vorgebende Verordnung nicht mehr anzuwenden ist. Das Regierungspräsidium Freiburg hat uns sodann gebeten, die betreffende Allgemeinverfügung aufzuheben. Dem sind wir durch unsere Aufhebungsverfügung vom März 2014 nachgekommen.

Welche Auswirkungen die Aufhebung der betreffenden Allgemeinverfügung hat, kann derzeit noch nicht zuverlässig abgeschätzt werden. Die Zahlen über den diesjährigen Anbau der verschiedenen Kulturen im Landkreis Emmendingen liegen aktuell noch nicht vor. Auch hat das Monitoring zur Entwicklung des Maiswurzelbohrers erst Anfang Juni 2014 begonnen, weil erst dann der Käferflug begonnen hat und die betreffenden Käfer durch entsprechende Fallen zahlenmäßig erfasst werden können. Der Käferflug endet Ende August/Anfang September. Ende September 2014 müssten dann aktuelle Zahlen über die Entwicklung des Maiswurzelbohrers in diesem Jahr vorliegen.

Da die Aufhebung der betreffenden europarechtlichen Regelungen für alle Beteiligten überraschend erfolgte, ist derzeit davon auszugehen, dass die Fruchtfolgeregelung in diesem Jahr de facto von der Landwirtschaft noch beachtet wurde, weil für dieses Jahr die Aussaat bereits mit Blick auf die Fruchtfolgeregelung vorgenommen wurde. Erst mit der Aussaat für das nächste Jahr könnte die Landwirtschaft auf die Aufhebung der Fruchtfolgeregelung praktisch reagieren. Allerdings gehen wir derzeit davon aus, dass sich der Maisanbau auch in Zukunft in Grenzen halten wird. So ist es beim Mais aufgrund des milden Winters infolge anderer Schädlinge (vor allem Raupen der Wintersaaleule und anderer Eulenfalterarten) zu größeren Schäden gekommen. Außerdem wird 2015 die EU-Agrarreform umgesetzt, so dass bei der Inanspruchnahme der landwirtschaftlichen Betriebsprämie ökologische Auflagen ("Greening") zu befolgen sind. Für Ackerbaubetriebe bedeutet dies, dass ab 10 ha Ackerfläche im Betrieb Mais nur noch zu 75 % der Ackerfläche angebaut werden darf und auf der übrigen Fläche mindestens eine andere Kultur stehen muss. Ab 30 ha Ackerfläche müssen auf 25 % der Ackerfläche mindestens zwei andere Kulturen ausgesät werden. Nur Betriebe mit weniger als 10 ha Ackerfläche sind von dieser sogenannten Anbaudiversifizierung ausgenommen.

Mit freundlichen Grüßen
gez.
Hinrich Ohlenroth, Erster Landesbeamter im Landkreis Emmendingen





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Dieser Artikel wurde 1746 mal gelesen und am 23.11.2016 zuletzt geändert.