Piepsende, laute, schrille S-Bahn-Türen: Unnötiger Lärm & & falsch ausgelegte EU-Vorschriften


Veröffentlicht am 04.03.2024 in der Kategorie Kreistag Emmendingen von Axel Mayer

Piepsende, laute, schrille S-Bahn-Türen & falsch ausgelegte EU-Vorschriften



Die Breisgau-S-Bahn 2020 ist ein Projekt zur Einrichtung eines S-Bahn-Systems im Großraum Freiburg. Das Projekt wurde vom Zweckverband Regio-Nahverkehr Freiburg (ZRF) ins Leben gerufen und der Betrieb in einer ersten Ausbaustufe im Fahrplanjahr 2020 aufgenommen.
Neben einem unerträglichen Chaos mit massiven Zugausfällen und Verspätungen bringen die ansonsten leisen neuen Züge ein massives Lärmproblem für die Bahnreisenden.

Die schönen, neuen Züge der S-Bahn bringen ein unerträgliches Lärmproblem. Es ist wie ein extrem lauter Dauertinnitus. Viele Reisende sind von den extrem lauten und schrillen Piepstönen bei jeder der vielen Haltestellen genervt. Es ist für viele Menschen tatsächlich fast unerträglich. Da werden überall entlang der Bahnstrecken Lärmschutzwände gebaut und dann werden die Bahnfahrenden zugelärmt.

Andere wichtige Signale werden übertönt
Die neuen Türsignale ertönen immer dann, wenn sich die Zugtüren öffnen oder schliessen. Auf einem Bahnhof mit viel Verkehr ergibt das eine imposante Geräuschkulisse. Für Blinde sei das definitiv zu viel des Guten, sagt Maridor im SRF-Konsumentenmagazin «Espresso»: «Für uns ist es wichtig, dass wir die Zugtüren rasch finden, um einzusteigen. Wenn es im ganzen Bahnhof laut piepst, können wir uns nicht mehr orientieren».
«Espresso» konfrontiert die SBB und andere Bahnen mit der Kritik, die lauten Warnsignale seien für blinde Personen kontraproduktiv. Der Tenor: Die Warntöne seien verbindlich – gemäss EU-Normen und Verordnungen.
Quelle: SRF



Aus diesem Grund hatte ich als bahnfahrender Kreisrat eine Anfrage (unten auf dieser Seite) an den Landrat und Vorsitzenden des Zweckverbandes Regio-Nahverkehr Freiburg (ZRF), Herrn Hurth gestellt und auch dazu geschrieben:

"Mit einer Antwort: „Der Lärm entspricht einer EU-Norm, da können wir nichts machen“ wäre ich äußerst unzufrieden."

Doch genau diese Antwort kam vom antwortenden ZRF-Geschäftsführer Uwe Schade.

Hier sehen Sie die Antwort-Grafik: Die Türsignale sind Teil der Fahrzeugzulassung und darum nicht beeinflußbar...

Im Gegensatz zum Zweckverband Regio-Nahverkehr hat allerdings die Badische Zeitung auch tatsächlich recherchiert und kommt zu einem anderen Ergebnis:


"Was Bahn und Zughersteller sagen
Die Warntöne gehen auf eine EU-Verordnung zurück, die Menschen mit Behinderung Mobilität im Zugverkehr erleichtern soll, heißt es aus den Pressestellen der Bahn und des Zugherstellers Alstom. Die Vorschrift trägt den Titel: "EU-Verordnung über die technischen Spezifikationen für die Interoperabilität bezüglich der Zugänglichkeit des Eisenbahnsystems der Union für Menschen mit Behinderungen und Menschen mit eingeschränkter Mobilität (TSI PRM 2014)". Die Töne sollen zum einen helfen, die Türen zu finden und davor warnen, wenn die Türen sich öffnen und schließen.

Und die EU-Richtlinie schreibt vor, wie laut die Türen warnen sollen, nämlich mit 70 bis 76 Dezibel. Auch die Frequenz ist festgeschrieben, die Töne sollen zwischen 2200 und 1760 Herz liegen. Bei der Lautstärke sind die Züge nach Aussage des Herstellers Alstom bereits auf die unterste Grenze, also 70 Dezibel, eingestellt.
(...)
Die EU widerspricht
Bei der EU-Kommission sieht man das allerdings anders. Die Verordnung lasse verschiedene Systeme zu, wie Türen warnen. Die eine Variante sei die, die Bahn und Alstom gewählt hätten. Ein starres System, das immer in derselben Lautstärke warnt. Doch es gebe auch eine andere Variante. Die Töne können auch an die Umgebungslautstärke angepasst werden. Dann müssen die Signale mindestens fünf Dezibel lauter sein als die Umgebungsgeräusche. "Die technischen Vorgaben lassen diese Flexibilität zu", sagt Steffen Schulz, Pressesprecher der EU-Kommission in Deutschland. Dabei liegt die maximale Lautstärke bei 70 Dezibel, also das, was in der anderen Variante als Minimalwert definiert ist. Die Antwort der EU kam am Mittwoch. Auf Rückfrage bei der Bahn in Stuttgart kam bis Donnerstagnachmittag keine Antwort auf die Frage, warum für die Züge der Region das starre System gewählt wurde."

Quelle:Badische Zeitung


Ich werde also noch einmal anfragen müssen...
Axel Mayer, Kreisrat


Herrn
Landrat Hurth
Landratsamt
79312 Emmendingen

12.1.19

Unerträglicher Lärm beim Schließen und Öffnen der Türen der neuen Regio-S-Bahn
Sehr geehrter Herr Landrat und Vorsitzender des Zweckverbandes Regio-Nahverkehr Freiburg (ZRF),


herzlichen Dank für Ihre aktuellen, schriftlichen Informationen zu den massiven Problemen der S-Bahn-Linie 1. Als regelmäßiger Nutzer der Linie von Endingen nach Freiburg zähle ich selber zu den vielen Betroffenen und Verärgerten.

Das aktuelle Trauerspiel gibt einen kleinen Vorgeschmack auf die vor uns liegenden Probleme nach der Einweihung des viel zu kleinen und zu eng getakteten, falsch geplanten und überteuerten Bahnhofs in Stuttgart.

Einen umfangreichen Sachstandsbericht zur Breisgau-S-Bahn-Linie 1 erhalten wir in der Kreistagssitzung am Montag, 27. Januar 2020 durch den ZRF- Geschäftsführer Uwe Schade.

Ich bitte Sie, dass Herr Schade nicht nur zu den Problemlösungen bei den Fahrplanproblemen berichtet, sondern auch zu einem anderen wichtigen Thema und Problem Stellung bezieht.

Die schönen, neuen Züge haben ein unerträgliches Lärmproblem. Nicht nur ich, sondern auch viele andere Reisende sind von den extrem lauten und schrillen Piepstönen bei jeder der vielen Haltestellen genervt. Es ist tatsächlich unerträglich.

Mit einer Antwort: „Der Lärm entspricht einer EU-Norm, da können wir nichts machen“ wäre ich äußerst unzufrieden.

Ich vermute, dass der extrem schrille Piepston Sehbehinderten erleichtern soll, die Tür zum Ausstieg zu finden und für diese Menschen auch die Sicherheit erhöhen soll.

Doch da sollten sich, in enger Absprache mit den Verbänden der Sehbehinderten Lösungen finden lassen, welche die täglichen Bahn-NutzerInnen nicht quälen.

In einem Artikel der Frankfurter Rundschau findet sich zu diesem Problem auch ein spannendes Zitat.
„Pro-Bahn-Sprecher Wilfried Staub stellt jetzt in den Raum, dass es sich um ein Missverständnis handeln könnte oder vielleicht auch um einen Übersetzungsfehler. „Die Vorschrift ist ganz offensichtlich für Eisenbahnwaggons gedacht, die zwei vom Fahrgastraum abgetrennte Einstiegsbereiche aufweisen“, sagt Staub der Frankfurter Rundschau. Also um Schnellzüge, die im Schnitt lediglich einmal pro Stunde halten.“

Ich bitte Sie Herr Landrat, darauf hinzuwirken, dass schnellstmöglich das Piepsen auf den niedrigsten möglichen Level und auf eine erträgliche Frequenz eingestellt wird.

Meine konkreten Fragen:


Auch manche gut gemeinten, schlecht gemachten EU-Vorschriften sind nicht in Stein gemeißelte Wahrheiten.

Wir brauchen gute Lösungen, die dem Sicherheitsbedürfnis der Sehbehinderten entgegen kommen und die die Lebensqualität der Bahnfahrenden nicht zu sehr einschränken.

Wir brauchen einen qualitativ hochwertigen, pünktlichen, lärmarmen ÖPNV. Die neue Regio-S-Bahn ist ein stolpernder, wichtiger Schritt in die richtige Richtung, doch in Sachen Pünktlichkeit und Lärmvermeidung gibt es noch viel zu tun.
Mit freundlichen Grüßen

Axel Mayer, Kreisrat

Piepsende, laute, schrille S-Bahn-Türen & falsch ausgelegte EU-Vorschriften