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Trea Breisgau: Zwei Umwelt - Fragen zur Einweihung

05.11.2004
Nachtrag April 2010
Die Trea Breisgau, die zwischenzeitlich zum Atomkonzern E.ON gehört, versucht zwar intensiv ihre Abwärme anzubieten, hat aber bisher immer noch keinen Großabnehmer gefunden der die Abwärme auch konkret nutzt. Wir schreiben das Jahr 2010. Im Jahr 2004 ging die Anlage in Betrieb. Die seither verschwendeten Abwärmemengen sind gigantisch. Im Zeitalter schwindender Rohstoffreserven und des Klimawandels ist dies ein ökologischer Skandal.



An die Medien

Am 9.11.04 wird die Müllverbrennungsanlage (MVA) Trea Breisgau ihren Betrieb aufnehmen. Der BUND-Regionalverband hat die Pläne zur Errichtung der Anlage kritisch begleitet.

Noch 1990 wollten die beiden Landkreise Emmendingen und Ortenau, gegen den erbitterten Widerstand der Umweltbewegung, eine MVA für 360.000 Jahrestonnen Müll und den Preis von ca. einer Milliarde DM bauen. Wie vom BUND vorausgesagt, sind die Müllmengen zwischenzeitlich massiv zurückgegangen. Statt 360.000 Jahrestonnen zu verbrennen, liefern die beiden Landkreise in Zukunft nur noch 20.000-40.000 Jahrestonnen Abfälle, insbesondere aus dem Sperrmüll und der biologisch-mechanischen Abfallbehandlung, nach Bremgarten. Unser damaliger Widerstand hat mitgeholfen, Fehlinvestitionen in Milliardenhöhe zu verhindern. Auch der südbadische Thermoselect-Traum ist ausgeträumt. Die Größenverhältnisse der Trea sind realistischer als die alten Pläne.

Dennoch wollen wir vor der Inbetriebnahme nochmals zwei wichtige Fragen stellen:

1)Wieviel Prozent der nutzbaren Abwärmemenge werden jetzt und in Zukunft genutzt?

Bei der Inbetriebnahme werden die Betreiber eine absolute Selbstverständlichkeit, nämlich die Produktion von Strom, mit Sicherheit stark betonen, denn in Bremgarten sollen ca. 15 MW Strom erzeugt werden. Die Trea hat eine Bruttowärmeleistung von 60,1 MW. Davon könnten laut Genehmigungsantrag 50 MW an Fernwärme ausgekoppelt werden. (Kapitel 14, Seite 14-8) Unter 50 MW nutzbarer Abwärmeleistung kann sich niemand etwas vorstellen. Aber ein Megawatt Abwärmeleistung entspricht auf das Jahr gerechnet einer Energiemenge von ca. 870 000 Litern Erdöl/Jahr. (870 000 x 50 = 43 500 000 Liter Erdöl/Jahr!!! Die Anlage wird an ca. 7500 Stunden im Jahr laufen, das volle Jahr hat 8760 Stunden) Im ganzen Planungsverfahren hat der BUND auf eine möglichst optimale und umfassende Nutzung dieser gigantischen Abwärmemenge gedrängt. Eine 100% Nutzung ist sicher nicht möglich. Die im Genehmigungsverfahren durchgespielten Lastfälle hatten die nutzbare Abwärmemenge leider schon von vorne herein an einen angenommenen geringeren Bedarf angepasst. Bei einer reinen Verstromung hätte die Trea einen Wirkungsgrad von 25,5 %, bei einer Auskoppelung von 20 MW einen Gesamtwirkungsgrad von 51,7%. Die Betreiber der MVA haben erfreulicherweise Interesse am Thema gezeigt und u.a. auch ein Energiegutachten in Auftrag gegeben. Doch leider hat der politische Druck gefehlt und so ist die Verschwendung eines großen Teils der enormen Abwärmemenge zu befürchten. In Zeiten weltweiter Energie- und Klimaprobleme kann es nach Ansicht des BUND nicht darum gehen, nur einen kleinen Teil der Abwärme zu nutzen, sondern darum, die anfallende Wärmeenergie so umfassend als möglich zu verwerten.

Es geht hier nicht um "Peanuts", sondern um gigantische Energiemengen. Obwohl im interkommunalen Gewerbegebiet große Militärbrachen zu Verfügung stehen, versuchen beinahe alle Gemeinden, Gewerbe und Industrieansiedlung in die eigenen kommunalen Gewerbegebiete, auf die noch grüne Wiese, umzuleiten. Das bedeutet unnötigen Flächenverbrauch in der Region und verhindert die Abwärmenutzung im Gewerbepark Bremgarten.

Der BUND wird auch nach der Inbetriebnahme der Trea auf den Ausbau des Wärmenetzes drängen.

Die verschiedenen Erscheinungsformen von Energie (Wärme / Elektrizität) sind selbstverständlich verschieden universell nutzbar. Strom (u.a. aus Windrädern) ist ein Multitalent. Das ist bei Wärme anders. Die verschiedenen Energiearten haben also eine unterschiedliche Wertigkeit, die sich übrigens auch im Preis ausdrückt. Eine Kilowattstunde Strom ist wesentlich teurer als eine Kilowattstunde Wärme. Es ist aber nicht einzusehen, warum beispielsweise an vielen Stellen in Südbaden neue ölbeheizte Gewächshäuser entstehen, während in Bremgarten ein großer Teil der Abwärme ungenutzt verpufft.

2) Wird der Kostenrahmen eingehalten?

Nach der bisherigen Berichterstattung gehen wir davon aus, dass der Kostenrahmen eingehalten wird. Wenn dem so wäre, dann wäre das ein überregionaler Skandal. Ein Skandal nicht für die Menschen im Breisgau, wohl aber für die Menschen in Ulm, Augsburg und anderswo, wo vor über einem Jahrzehnt unglaublich teure MVA`s gebaut wurden.

Hier unser Kostenvergleich:

Trea Bremgarten:

-150 000 Jahrestonnen, Kosten ca. 160 Mio DM (80 Millionen Euro)

Die (alte) MVA Ulm:

-101 000 Jahrestonnen, Kosten 400 Mio DM

Noch schlimmer kam es bei der MVA Augsburg, die inkl. Sortieranlage und Kompostwerk bei 225 000 Jahrestonnen 940 Mio DM gekostet hat.

Es ist erfreulich, wenn manche Dinge auf dem Markt besser und gleichzeitig trotz Inflation auch noch preisgünstiger werden. Die unglaublichen Preisunterschiede bei den Müllverbrennungsanlagen sind aber nach BUND-Ansicht nicht zu erklären.

Unabhängig von diesen beiden Fragenkomplexen wollen wir zur Inbetriebnahme auch noch einen Aspekt in die Diskussion bringen, der bei der bisherigen Debatte um die Trea völlig gefehlt hat. Es besteht kein Zweifel, dass dieser Planet nur dann eine Zukunft haben wird, wenn es uns gelingt, den Energie- und Rohstoffverbrauch in Zukunft massiv zu senken. Langlebige, reparaturfähige und dauerhafte Güter sind zukunftsfähig, ressourcenschonend und verringern das Müllvolumen. Auch "bessere MVA´s" wie die Trea schreiben unser nicht nachhaltiges, zerstörerisches Konsumverhalten für Jahrzehnte fest und weisen so in die falsche Richtung.

(auf Wunsch faxen wir Ihnen gerne die 4 Seiten des Energiekonzepts aus dem Genehmigungsantrag)









Ein kleiner, auszugsweiser Überblick über die Tätigkeit von Kreisrat Axel Mayer im Kreistag im Landkreis Emmendingen



Immer wieder gehe und fahre ich auch im Jahr 2018
durch diesen, an vielen Stellen immer noch schönen Landkreis Emmendingen. Ich kenne die sanften Kuppen des Kaiserstuhls, die steilen Wege auf unseren Hausberg den Kandel, den Rheinwalddschungel des Wyhler Waldes. Die Dörfer, Städte und Gemeinden im Breisgau, insbesondere Teningen, Riegel und Endingen, sind meine Heimat. Immer öfter aber sehe ich auch neue Wunden, neue Schneisen der Zerstörung, neue Verluste.

Entlang der Bundesstraße 3 entsteht ein hässlicher Siedlungsbrei. Zwischen Offenburg und Freiburg gibt es noch einen minimalen Freiraum von 17,7 km und bandartige Siedlungsstrukturen von 50,3 km. Der Verkehrslärm im Transit-Landkreis Emmendingen nimmt zu. Das "Autobahnkreuz" an der B3 bei Denzlingen ist eines von vielen Beispielen für einen rückwärtsgewandten, zerstörerischen Fortschrittsglauben. Zerstörung bedeutet immer auch Kulturverlust und Innenweltverschmutzung. Heimat zerrinnt zwischen den Fingern. Und ich wundere mich warum niemand schreit.
Axel Mayer, Kreisrat, Endingen






Kreistag Emmendingen im Landkreis Emmendingen




Dank
Ohne das gute, bunt gemischte, kreative Team der GRÜNEN Kreistagsfraktion im Landkreis Emmendingen wäre diese Arbeit nicht möglich und nicht erträglich. Ich danke Stefan Bilharz, Irene Kunst-Woestmann, Alexander Schoch, Martina Balzer, Uwe Bauer, Rüdiger Tonojan, Susanne Wienecke, Barbara Schuler (und früher Angelika Schwarz-Marstaller) für die langjährige, mehr als erfreuliche Zusammenarbeit.

Mein Dank geht aber auch an das ehemalige Mitglied des Bundestages Hans-Christian Ströbele. Seine Arbeit und sein unabhängiger, freier Geist hat mir manchmal geholfen die GRÜNE Partei zu ertragen.







Gemeinden im Landkreis Emmendingen:
Bahlingen, Biederbach, Denzlingen, Elzach, Emmendingen, Endingen, Forchheim, Freiamt, Gutach, Herbolzheim, Kenzingen, Malterdingen, Reute, Rheinhausen, Riegel, Sasbach, Sexau, Simonswald, Teningen, Vörstetten, Waldkirch, Weisweil, Winden, Wyhl






Eine Presseerklärung des BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein, Wilhelmstraße 24a, 79098 Freiburg

www.bund-freiburg.de

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Dieser Artikel wurde 5817 mal gelesen und am 23.11.2017 zuletzt geändert.