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Anfrage & Antwort zur Situation des Grundwassers im Landkreis Emmendingen


Anfrage & Antwort zur Situation des Grundwassers im Landkreis Emmendingen



Aktueller Einschub:


In Deutschland wird gegen EU-Auflagen zum Schutz von Gewässern verstoßen. Die Regierung habe zu wenig gegen Nitrate im Grundwasser unternommen, urteilte der Europäische Gerichtshof am 21.6.18 in Luxemburg. Ein Übermaß an Nitrat schadet der Umwelt und birgt Gesundheitsrisiken für Menschen. Wesentliche Quelle ist Dünger aus der Landwirtschaft. Diese Kritik gilt auch für den Oberrhein und den Landkreis Emmendingen


Axel Mayer, Kreisrat, Venusberg 4, 79346 Endingen

(Die Anfrage finden Sie unten auf dieser Seite)

An die Medien
22.6.18
Grundwasser im Landkreis Emmendingen: Landratsamt antwortet auf Anfrage
Wie ist die Situation des Grundwassers im Landkreis Emmendingen? Zu diesem wichtigen Thema habe ich in meiner Funktion als Kreisrat eine Anfrage ans Landratsamt gerichtet, die von Herrn Landrat Hurth umfangreich beantwortet wurde. Gerade nach dem Nitrat-Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 21.6.18 ist die Antwort lesenswert. Die lokale Argumentation ähnelt stark der Reaktion der Bundesregierung auf das Urteil. Wie zu erwarten gibt es zwei Sichtweisen auf das „Landkreis-Grundwasserglas“. „Halb voll“ meint der Landrat, „halb leer“ meine ich...

Trotz teilweiser Verbesserungen (Schnitt aller Messstellen), berichtet das Landratsamt auch von Rückschritten im Nitrat-Bereich (Wyhl, Weisweil, Mauracher Berg...).

Seit Jahrzehnten wird das Nitratproblem im Landkreis und am Nördlichen Kaiserstuhl diskutiert und Fortschritte wurden versprochen. Doch in Sachen Nitrat und Düngung gibt es, trotz aller Maßnahmen, sogar Rückschritte. Die am höchsten belastete Messstelle weist einen Wert von 101 mg/L auf. Wir haben diese Probleme, obwohl wir im Landkreis erfreulicherweise keine Massentierhaltung haben.

Fast alle Gemeinden im Kreis setzen auf die „Problemlösung“, wie sie jetzt auch in Wyhl umgesetzt wird. Wasser wird zugekauft, gemischt, verdünnt und neue Brunnen werden gebohrt, um nitratarmes Wasser zu erhalten, jedoch das Dünger-Grundproblem bleibt und der Grundwasserschaden wird nicht behoben. Doch das funktioniert nur, solange es noch Brunnenstandorte mit gutem Wasser gibt.

Das Grundwasser hat ein langes Gedächtnis. Das zeigen die hohen Belastungen mit längst verbotenen Agrargiften wie Atrazin (seit 1991 verboten) und Simazin (seit 2003 verboten).

Mit zugekauftem „gutem“ Wasser, mit Mischen, Verdünnen und neuen Brunnen wird das Grundproblem des zu großen Düngemitteleintrags in das Grundwasser nur verschoben und nicht gelöst. Nicht die Verursacher und die gut verdienenden Düngemittelkonzerne kommen für die Kosten auf, sondern die Verbraucher und Verbraucherinnen.

Herr Ackermann vom Landwirtschaftsamt und Herr Munding vom Amt für Wasserwirtschaft beschreiben in ihrem Aktenvermerk sehr umfangreich die wichtigen und sinnvollen Maßnahmen zum Schutz des Grundwassers. Doch diese Debatte führen wir schon seit Jahrzehnten und dennoch gibt es die beschriebenen Rückschritte beim Nitrat.

Es geht uns nicht um Kritik am Landratsamt. Es geht darum, die Behörden und Wasserversorger in Sachen Grundwasserschutz zu stärken und endlich, endlich Fortschritte beim Schutz unseres wichtigsten Nahrungsmittels zu erreichen.

Das Nitrat-Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 21.6.18 wird den Grundwasserschutz stärken. Noch mehr Fortschritt brächte eine Änderung und ökologische Ausrichtung der europäischen Agrarsubventionen.

Axel Mayer, Kreisrat




Herrn
Landrat Hurth
Landratsamt
79312 Emmendingen

16.1.18

Sehr geehrter Herr Landrat Hurth,
ich schreibe Sie im Auftrag der Fraktion an. Wir beantragen das Thema „Grundwassersituation im Landkreis Emmendingen“ in einer der nächsten AUT-Sitzungen auf die Tagesordnung zu setzen.
Hintergrund dieser Bitte ist (stellvertretend) die Situation der Gemeinde Wyhl.
Die Gemeinde Wyhl hat ein großes Nitratproblem und der Gemeinderat hat eine Entscheidung getroffen. Der Gemeinderat stimmte im Dezember 2017 dem Liefervertrag mit dem Wasserversorgungsverband Sasbach-Endingen einstimmig zu. Ab 2019 sollen die Menschen in Wyhl mit dem Wasser aus dem Sasbacher Tiefbrunnen Rheinmatten versorgt werden.

Dies ist auch für unsere Fraktion eine nachvollziehbare "gute" schlechte Entscheidung.

  • Eine "gute" Entscheidung
    Endlich bekommen die Menschen in Wyhl besseres Trinkwasser. Kleinkinder sollten aus Gesundheitsgründen das Wyhler Leitungswasser nicht trinken, denn der Grenzwert für Nitrat im Trinkwasser von 50 Milligramm Nitrat pro Liter (mg/l) ist überschritten. Das Trinkwasser in Wyhl weist zunehmend hohe Nitratwerte auf. Auch bei der Messung im November 2016 wurde ein Nitratwert von 55 Milligramm pro Liter festgestellt.

  • Eine schlechte Entscheidung
    Die gute Entscheidung für die Menschen in Wyhl ist allerdings gleichzeitig eine schlechte Entscheidung für´s Grundwasser, denn nicht das Grundproblem wird behoben und das Grundwasser saniert, sondern der Grundwasserverschmutzung wird ausgewichen. Wir freuen uns, dass Wyhl und der Landkreis den bestehenden Tiefbrunnen nicht aufgeben sondern sanieren wollen. Ebenfalls erfreulich ist, dass das Wasserschutzgebiet nicht aufgegeben wird. In der Vergangenheit hat sich aber häufig gezeigt, dass der teure Anschluss an gutes Wasser der Nachbargemeinde zur Mischung unter den Grenzwert, oder irgendwann zur Schließung der eigenen Brunnen führt.


Seit Jahrzehnten wird das Nitratproblem nicht nur am Nördlichen Kaiserstuhl diskutiert. Schon als vor Jahrzehnten der Bürgermeister der Wyhler Nachbargemeinde Weisweil, Karl Nicola ab 1972 Mitglied des Landtages von Baden-Württemberg und dort Vorsitzender des Ausschusses für den Ländlichen Raum war, gab es Untersuchungen und Versuche, das Dünger-Nitratproblem in seinem Wahlkreis zu lösen. Doch in Sachen Düngung gab es (nicht nur in Wyhl) nur minimale Fortschritte.

Fast alle Gemeinden im Kreis setzen auf die „Problemlösung“, wie sie jetzt auch in Wyhl beschlossen wurde. Wasser wird zugekauft, gemischt, verdünnt und neue Brunnen werden gebohrt, um nitratarmes Wasser zu erhalten, jedoch das Düngerproblem bleibt. Doch das funktioniert nur, solange es noch Brunnenstandorte mit gutem Wasser gibt.

Mit zugekauftem „guten“ Wasser, mit mischen, verdünnen und neuen Brunnen wird das Grundproblem des zu großen Düngemitteleintrags in das Grundwasser nur verschoben und nicht gelöst. Nicht die Verursacher und die gut verdienenden Düngemittelkonzerne kommen für die Kosten auf, sondern die Verbraucher und Verbraucherinnen.

Aus diesen Gründen sollte das Thema „Grundwassersituation im Landkreis Emmendingen“ in einer der nächsten AUT-Sitzungen auf die Tagesordnung gesetzt werden.

Wir bitten die Verwaltung uns einmal einen Überblick über die Gesamtsituation im Kreis zu geben und dabei nicht nur den Blick auf die durch Zusammenlegung reduzierten Zahl der „noch nutzbaren“ Brunnen zu legen.

  • Wie ist die aktuelle und langfristige Entwicklung der Grundwassersituation im Kreis? (Nitrat, Pestizide, PCB´s und andere Schadstoffe)
  • Wie ist insbesondere die Entwicklung beim Thema Nitrat? Diese Frage könnte exemplarisch am oben aufgeführten Beispiel Wyhl dargestellt werden.
  • Was tut das Landratsamt und andere staatliche Stellen, um (neben Verdünnen und Fernversorgung) eine echte langfristige Sanierung des Grundwassers zu erreichen?


Seit vielen Jahrzehnten sind die Grundwasser- und Nitrat-Probleme im Landkreis bekannt, aber die erzielten Fortschritte in unserer „Ökoregion“ sind leider klein.
Die GRÜNE Kreistagsfraktion wünscht sich (nicht nur) beim Nitrat einen stärkeren Schutz der Trinkwassertrinker und ein konsequenteres Vorgehen der Behörden.

Mit freundlichen Grüßen
Für die Fraktion
Axel Mayer


Ein kleiner, auszugsweiser Überblick über die Tätigkeit von Kreisrat Axel Mayer im Kreistag im Landkreis Emmendingen



Immer wieder gehe und fahre ich auch im Jahr 2018
durch diesen, an vielen Stellen immer noch schönen Landkreis Emmendingen. Ich kenne die sanften Kuppen des Kaiserstuhls, die steilen Wege auf unseren Hausberg den Kandel, den Rheinwalddschungel des Wyhler Waldes. Die Dörfer, Städte und Gemeinden im Breisgau, insbesondere Teningen, Riegel und Endingen, sind meine Heimat. Immer öfter aber sehe ich auch neue Wunden, neue Schneisen der Zerstörung, neue Verluste.

Entlang der Bundesstraße 3 entsteht ein hässlicher Siedlungsbrei. Zwischen Offenburg und Freiburg gibt es noch einen minimalen Freiraum von 17,7 km und bandartige Siedlungsstrukturen von 50,3 km. Der Verkehrslärm im Transit-Landkreis Emmendingen nimmt zu. Das "Autobahnkreuz" an der B3 bei Denzlingen ist eines von vielen Beispielen für einen rückwärtsgewandten, zerstörerischen Fortschrittsglauben. Zerstörung bedeutet immer auch Kulturverlust und Innenweltverschmutzung. Heimat zerrinnt zwischen den Fingern. Und ich wundere mich warum niemand schreit.
Axel Mayer, Kreisrat, Endingen






Kreistag Emmendingen im Landkreis Emmendingen




Dank
Ohne das gute, bunt gemischte, kreative Team der GRÜNEN Kreistagsfraktion im Landkreis Emmendingen wäre diese Arbeit nicht möglich und nicht erträglich. Ich danke Stefan Bilharz, Irene Kunst-Woestmann, Alexander Schoch, Martina Balzer, Uwe Bauer, Rüdiger Tonojan, Susanne Wienecke, Barbara Schuler (und früher Angelika Schwarz-Marstaller) für die langjährige, mehr als erfreuliche Zusammenarbeit.

Mein Dank geht aber auch an das ehemalige Mitglied des Bundestages Hans-Christian Ströbele. Seine Arbeit und sein unabhängiger, freier Geist hat mir manchmal geholfen die GRÜNE Partei zu ertragen.







Gemeinden im Landkreis Emmendingen:
Bahlingen, Biederbach, Denzlingen, Elzach, Emmendingen, Endingen, Forchheim, Freiamt, Gutach, Herbolzheim, Kenzingen, Malterdingen, Reute, Rheinhausen, Riegel, Sasbach, Sexau, Simonswald, Teningen, Vörstetten, Waldkirch, Weisweil, Winden, Wyhl









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Dieser Artikel wurde 512 mal gelesen und am 22.6.2018 zuletzt geändert.