thetext
druckenSeite zurück     druckenDiesen Artikel drucken (Druckansicht)

Kloster Tennenbach: Gefährdung des Tennenbacher Tals durch Strassenbau unten oder oben im Tal / Sind Kompromisse möglich?


Kloster Tennenbach: Gefährdung des Tennenbacher Tals durch Strassenbau unten oder oben im Tal / Sind Kompromisse möglich?


Gefährdete Klosterkapelle Tennenbach & Tennenbacher Tal: BUND sucht Kompromisse

  • Wenn es nach den ursprünglichen, alten Plänen der Kreisverwaltung im Landkreis Emmendingen geht, dann wird die Straße im Tennenbacher Tal massiv ausgebaut und PKW und LKW fahren zukünftig mit hoher Geschwindigkeit direkt an der schönen Kapelle vorbei.
  • Wenn es nach einer kleinen Gruppe um den Emmendinger Ex-Bürgermeister Uli Niemann ginge, dann würde an Stelle der bisherigen Straße eine naturzerstörende Straße am Waldrand gebaut. Dort wären Waldrandsaumgebiete, Quellgebiete, wertvolle Biotope und das Gasthaus Engel massiv betroffen. Eine Hangstraße kann nicht auf dem Fundament eines Feldweges gebaut werden.
  • Wie Intoleranz eine Bürgerinitiative "schrumpfen" lassen kann, zeigt der nachvollziehbare Rücktritt der Sprecherin des Bürgerforums Tennenbacher Tal.


Der BUND will für menschen-, landschafts- und naturgerechte Kompromisse in Sachen Tennenbacher Tal werben. Kompromisse, die den Menschen in Freiamt und den Straßenbenutzern nur wenige Sekunden Zeitverzögerung abverlangen, die gleichzeitig aber Respekt für Natur, Landschaft, Kapelle und eines der landschaftlich schönsten Täler in Südbaden aufzeigen.

Mehr Infos zur BUND-Initiative finden Sie unten auf dieser Seite.


Das Kloster Tennenbach war eine ehemalige Zisterzienserabtei,
gelegen bei Freiamt im Landkreis Emmendingen. Das Kloster existierte in der Zeit von 1160 bis 1807. Tennenbach war eines der bedeutendsten und größten Klöster im südwestdeutschen Raum. Nach dem Abriss sind die einzigen vorhandenen Reste der Chor der Hospitalkapelle und ein ehemaliges Ökonomiegebäude, das heutige Gasthaus Engel. Die hübsche, kleine, immer noch genutzte Kapelle liegt in einem der landschaftlich schönsten und reizvollsten Täler im Landkreis Emmendingen und ist in einer Zeit ungehemmten Flächenverbrauchs ein winziges, überig gebliebenes Fragment von Heimat.

Warum entzündet sich beim geplanten Straßenbau an dieser kleinen schönen Kapelle ein solcher Widerstand?
  • Weil in den letzten Jahrzehnten im Landkreis Emmendingen durch einen explodierenden Flächenverbrauch immer mehr schöne Gebiete und Naturgebiete zerstört wurden.
  • Weil die ursprünglichen, ersten Planungen für das Tennenbacher Tal noch sehr technokratisch und zerstörerisch waren.


Die Gefährdung der Kapelle
Die schöne, immer noch genutzte Kapelle hat Jahrhunderte überdauert, allerdings treten seit Jahren verstärkt Schäden auf. Es gibt Schäden im Gewölbebereich und Risse an den Fenstern. Die Schäden sind, gemessen am Alter der Kapelle, sehr neu. Zukünftig sollen jetzt PKW mit Tempo 100 direkt an der Kapelle vorbeifahren dürfen und die Straße wird für den Schwerlastverkehr geöffnet. Darum setzen wir uns auch für ein Tempolimit ein.

Kleine Erfolge des bisherigen Protestes
  • Bei den ursprünglichen Planungen des nicht ganz billigen Straßenausbaus wurden die Belange der Fußgänger überhaupt nicht berücksichtigt. Fußgänger, vom weit entfernten Parkplatz kommend, hätten auf einer "beschleunigten" Straße zwischen den Leitplanken zur Kapelle gehen müssen. Jetzt wird zumindest ein kleiner Fußweg vom Parkplatz zur Kapelle gebaut. Die Straßenbaubehörde im Landratsamt Emmendingen hat endlich gemerkt, dass es auch Fußgänger gibt und wird deren Belange jetzt berücksichtigen...
  • Die Straße wird zumindest auf einer Teilstrecke nicht ganz so hoch gebaut wie geplant, sondern abgesenkt.
  • In kleinen Teilbereichen wird auf eine Leitplanke verzichtet.


Straßenausbau und Verkehrssicherheit
Das Argument der Verkehrssicherheit auf der schmalen Straße wurde von den Befürwortern des Straßenausbaus immer wieder ins Gespräch gebracht. Doch bisher gab es sehr wenige, leichte Unfälle auf der kleinen Straße. Wir haben es im Landkreis Emmendingen immer wieder erlebt, dass Unfälle auf ausgebauten, beschleunigten, erhöhten und begradigten Straßen zugenommen und die Unfallfolgen sich verstärkt haben.

In Sachen Tennenbacher Tal müssten aufbauend auf der jetzt beschlossenen Variante immer noch kluge Kompromisse möglich sein, die neben dem Schutz der Kapelle und der Landschaft auch die Interessen der Menschen in Freiamt berücksichtigen.(siehe offener Brief unten im Text)

Axel Mayer, Kreisrat




BUND-Brief & Kompromissvorschlag


Tennenbacher Tal: Für kluge Kompromisse und gegen verhärtete Fronten

Der dauerhafte Konflikt um eines der schönsten Täler und eines der wertvollsten Baudenkmäler im Landkreis Emmendingen nimmt nach unserem Eindruck an kompromissloser Härte zu.

Da gibt es einerseits nur kleine Fortschritte und eine zunehmend verärgerte Verwaltung, die zu wenig Kompromisse eingehen will und und andererseits eine Bürgerinitiative, die statt der alten Talstraße eine neue Straße oben am Waldrand am Gasthaus Engel fordert. Dies wäre ein Projekt, das neue, andere ökologische Probleme bringen würde.

Eine Beteiligung des BUND und der Naturschutzverbände an diesem Verfahren (die wir immer noch einfordern) hätte hier auch Konflikte vermeiden können.

In einer Zeit, die zunehmend dadurch geprägt ist, dass auf den unterschiedlichsten politischen Ebenen immer alle alles fordern, möchte der Bund für Umwelt und Naturschutz einen Kompromissvorschlag in dieses verfahrene Thema einbringen:

In Sachen Tennenbacher Tal sollten kluge Kompromisse möglich sein, die neben dem Schutz der Kapelle und der Landschaft auch die Interessen der Menschen in Freiamt berücksichtigen.

  • Auch eine reparierte, leicht verbreiterte Straße sollte -wie bisher- in leichten Kurven und unbegradigt durchs Tal schwingen. Der Wunsch nach "der möglichst geraden Linie" ist Denken aus dem vorigen Jahrhundert.

  • Ein respektvoller Abstand der neuen Straße zur alten Kapelle wäre wichtig. Die Straßenachse bei der Kapelle könnte man ohne Weiteres um zwei Meter Richtung Süden verlegen. Ein noch größerer, respektvoller Abstand wäre wünschenswert.

  • Auch ein Tieferlegen der K 5138 bei der Kapelle um 60 cm wäre machbar.

  • Ein Tempolimit vor der Kapelle ist unabdingbar. Wenn die Kreisverwaltung sagt, das gehe aus formalen Gründen nicht, dann sollten einfach zwei Fußgängerüberwege installiert werden und dann haben wir den formalen Grund.
    (Wenn die Freiämter eine bessere Straße bekommen, dann ist ein Zeitverlust von wenigen Sekunden auch kein Problem, denn auch die Freiämter schätzen Kultur, Geschichte und Landschaft.)

  • Die Umgebung der Kapelle sollte so gestaltet werden, dass sie der Würde und dem Wert des Gebäudes entspricht.

  • Wenn sich die hässlichen Leitplanken aus Gründen des Trinkwasserschutzes tatsächlich nicht überall verhindern lassen, dann sollten sie zumindest dauerhaft durch "leitplankenhohe", kleine Hecken versteckt werden. (Der BUND steht für Denkmal- und Grundwasserschutz)

  • Nicht nur im direkten Umfeld der Kapelle müssen die Aspekte des Naturschutzes stärker als bisher berücksichtigt werden.

  • Ein großes Problem bleibt der Schwerlastverkehr. Hier sollten (menschenschonende) Ausweichrouten geprüft werden.



Mit freundlichen Grüßen
Axel Mayer, Regionalgeschäftsführer / Renate Hund, Kreisvorstand


Verteiler:
  • Frau Regierungspräsidentin Schäfer
  • Herrn Landrat Hurth,
  • Frau Bürgermeisterin Reinbold-Mench
  • Bürgerinitiative Tennenbacher Tal
  • Öffentlichkeit und Medien




BUND-Leserbrief TENNENBACHER TAL im "Sonntag, 26.2.17"


Zum Artikel „Verbote über Bord geworfen“in der Ausgabe vom 19.Februar im "Sonntag"

Eine „Niemann-Trasse“ im Wald lehnen wir ab
In dem Beitrag sagte Ex-Bürgermeister Niemann, dass der BUND „zum Befürworter des jetzt geplanten Ausbaus mutiert“ sei. Diese Aussage bietet eine gute Möglichkeit, einmal die unterschiedlichen Positionen in diesem Konflikt um eines der schönsten Täler im Landkreis zu verdeutlichen. Die Vorstände des BUND auf Kreis- und regionaler Ebene beschäftigen sich
schon lange mit der Bedrohung durch die ursprünglich sehr technokratischen Planungen. Gemeinsam mit vielen anderen Umweltverbänden haben wir uns des Themas angenommen, und der kontinuierliche Druck hat tatsächlich auch schon kleine Fortschritte gebracht. Die Forderung von Herrn Niemann, die alte Tal-Straße ganz zu entfernen und durch eine neue Straße im Wald zu ersetzen, wollen wir allerdings aus Naturschutzgründen nicht mittragen. Diese Maximalforderung und der menschliche Umgang haben nicht nur die ehemalige Sprecherin der Bürgerinitiative zum Rückzug aus der BI bewogen. Herr Niemann hat in den letzten Jahren leider immer mehr Gleichgesinnte vor den Kopf gestoßen. Eine lokale BI darf selbstverständlich auch die Forderung nach einem generellen Wegfall der Leitplanken im Wasserschutzgebiet stellen. Doch der BUND ist für Denkmalschutz und gleichzeitig auch für Grundwasserschutz. Wenn sich die hässlichen Leitplanken aus Gründen des Trinkwasserschutzes tatsächlich nicht verhindern lassen, dann sollten sie nach unserer Ansicht zumindest durch „leitplankenhohe“ kleine Hecken versteckt werden. Das wäre zwar „nur“ ein Kompromiss, aber Trinkwasserschutz ist uns wichtig. Als BUND sind wir es gewohnt, gut mit anderen Gruppen zusammen zu arbeiten, auch wenn die Wege zum Ziel manchmal unterschiedlich sind. Wenn unterschiedliche Wege zum Ziel aber sofort zu einem „Verrat“ umgedeutet werden, dann ist das nicht unser Stil. In Sachen Tennenbacher Tal stehen wir für kluge Kompromisse, die neben dem Schutz der Kapelle, des Grundwassers und der Landschaft auch die Interessen der Menschen in Freiamt berücksichtigen. Eine ganz neue Niemann-Trasse oben im Wald lehnen wir ab.

RENATE HUND, BUND-KREIS-VORSTAND EMMENDINGEN,
MARTIN BAYER, BUND-ORTSVEREIN VÖRSTETTEN





Richtig wichtig! Ihnen gefällt diese Seite? Legen Sie doch einen Link:
<a href="http://www.mitwelt.com/kloster-tennenbach.html">Kloster Tennenbach: Gefährdung des Tennenbacher Tals durch Strassenbau unten oder oben im Tal / Sind Kompromisse möglich?</a>

Weitersagen
Delicious Twitter Facebook StudiVZ

Dieser Artikel wurde 6713 mal gelesen und am 22.3.2017 zuletzt geändert.