Bauer Willi, Jutta Zeisset & Kritik: Agro-Chemie-Lobbyisten oder Bauernvertreter?


Veröffentlicht am 24.02.2021 in der Kategorie Landwirtschaft von Axel Mayer

Bauer Willi, Jutta Zeisset & Kritik: Agro-Chemie-Lobbyisten oder Bauernvertreter?


Die Ursachen für das große Artensterben und Insektensterben, für das Schwinden der bäuerlichen Betriebe, aber auch für den Klimawandel sind vielfältig und doch lassen sie sich zu einem Bild zusammen fügen. Wir leben in einer Endzeit exponentiellen wirtschaftlichen Wachstums im begrenzten System Erde und verwandeln die vielfältige Welt in eine große einheitliche Fabrik. In eine Agrarfabrik, eine Fabrik-Fabrik, eine Wohn-Fabrik und eine Konsum-Fabrik in der zunehmend übersättigte Menschen immer unzufriedener werden.

Bayer-Monsanto, Syngenta, Genlobby, die Spitzen von CDU, CSU, FDP & Bauernverbänden haben wenig Interesse an kleinen und mittleren landwirtschaftlichen Betrieben. Sie träumen und realisieren den zerstörerischen Traum von der großen, giftdominierten, global aufgestellten Agrarfabrik. Seit Mitte der 1990er-Jahre ist (zumeist unter CDU / CSU Agrarministern) die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland um die Hälfte zurückgegangen. Auch die AfD, die gerne bauernfreundlich tut, ist in der Realität eine wirtschaftsliberale Konzernpartei.

Die Zeiten in denen Bayer-Monsanto, Syngenta und die Gen-Tech-Konzerne selber für Agrargifte, Massentierhaltung und die große globale Agrar-Fabrik geworben haben sind vorbei.

Jetzt schicken die Konzerne Influencer wie "Bauer Willi" und Jutta Zeisset an die PR-Front oder finanzieren diese zumindest. Konzerne, Bauernverband und Agrarblogger gehen Hand in Hand, um Einfluss auf politische Entscheidungen zu nehmen.

Die Ängste der kleinen und mittleren Landwirtschaft vor einem Bauernsterben sind allerdings mehr als berechtigt. Die bäuerlichen landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland sind Globalisierungsverlierer, die großen, global agierenden Agrarfabriken sind (noch) Globalisierungsgewinner. Gezielt lenkt die gut organisierte Lobby mit Demos und "Grünen Kreuzen" von den tatsächlichen Ursachen von Bauernsterben & Insektensterben ab.

Für die Zukunft einer nachhaltigen, zukunftsfähigen Landwirtschaft muss gestritten werden. "Gute Nahrungsmittel, gesundes Brot, regionaler Wein UND Schmetterlinge für unsere Enkel!" sind eine gemeinsame Aufgabe für Landwirte und Umweltbewegung.


Landwirtschaftsinfluencer im Dienste der Agrarindustrie


»Warum ich diese Mail schreibe, dürfte klar geworden sein: Geld!«
Sie werben für »geile« Pestizidspritzmaschinen oder trommeln gegen das Insektenschutzgesetz: Blogger wie »Bauer Willi« machen ungeniert Lobbyarbeit – aber nicht unbedingt für die Bauern.

Jutta Zeisset, 40, hemdsärmlig, bodenständig, ist gelernte Gärtnerin, Cafébesitzerin, CDU-Mitglied und vor allem Bloggerin. »Ich liebe Landwirtschaft« heißt ihr Kanal, und sie lässt es richtig krachen. Mal lobt sie bei einem Messerundgang die »geile« Pestizidspritzmaschine eines Herstellers. Dann plauscht sie per Video mit dem Pflanzenschutz-Chef von Bayer. Und zwischendurch findet sie noch Zeit, Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) per Brief einzuhämmern, dem geplanten Insektenschutzgesetz »NICHT zuzustimmen«.

Quelle:Der Spiegel



Bei einem Abendspaziergang bin ich an einem der vielen grünen Kreuze vorbeigegangen,
die jetzt bundesweit überall in der Landschaft stehen. "Die grünen Kreuze sollen als Mahnmal auf die Folgen des neuen Agrarpakts der Bundesregierung, auf das Volksbegehren "Rettet die Bienen" und auf die allgemeine Lage der Landwirtschaft hinweisen." Ein am Kreuz angebrachter Text besagt, dass der von der Bundesregierung geplante Agrarpakt ein „kommendes Bauernsterben“ auslösen würde.Bayer/Monsanto, Syngenta, Gen-Lobby & Co. sehen ihre Profitinteressen durch das Agrarpaket massiv gefährdet. Sie treten aber psychologisch geschickt nicht selber auf sondern schicken gezielt -Bauer Willi-, Jutta Zeisset und kleine Bauern & Landfrauen vor. Hinter den vorgeschobenen Kreuzen steht eigentlich eine bundesweite Kampagne "Schützt die Bauern durch ein Ja zum Gift und zur Massentierhaltung". In manchen Medien wird unkritisch schon von einem "Kreuzzug auf dem Land" geschrieben und die Hintergründe und Inhalte des Agrarpakets werden nicht aufgezeigt. Die grünen Kreuze sind die bestorganisierte PR-Aktion für Agrargifte der letzten Jahrzehnte und die Mehrzahl der Medien lässt sich vorführen.

Nicht ein "Mangel an Gift, Nitrat & zu viele Vorschriften bei der Massentierhaltung" sind die Gründe für die massiven Probleme der Landwirtschaft, sondern der von Bauernverbänden, Agrarkonzernen, von FDP, CDU, CSU & AfD gewollte Zwang zur großen globalen Agrarfabrik, der unerfüllbare Traum vom ewigen Wachstum.

Organisiert und angestoßen wurde die bundesweite Grüne Kreuz-Kampagne auch von „Bauer Willi“
Was sich gegenüber den früheren Jahren geändert hat, sind die Durchsetzungs- und Propagandastrategien.
Die früheren Konflikte um Agrargifte, Atomkraft, Umweltschutz und Klimaschutz wurden noch zwischen UmweltschützerInnen und Konzernen ausgetragen und leider denkt und agiert die Umweltbewegung auch heute noch in den alten Denk- und Konfliktmustern. Heute werden die Konflikte "ausgelagert". Vorfeldorganisationen der Chemie-, Atom- und Kohlekonzerne, Stiftungen und industrienahe Einzelpersonen wie "Bauer" Willi, engagieren sich scheinbar unabhängig für Gift & Glyphosat.
Doch "Vorzeige"-Bauer Willi ist Mehrfachlobbyist. Selbstverständlich wettert er auch gegen „Ende Gelände“, und „Fridays for Future“.

Chemie-Bauer Willi & Kritik


"Der als unabhängiger Landwirt bekannte Blogger „Bauer Willi“ ist in Wirklichkeit Teil der Agrarchemiebranche. Wilhelm Kremer-Schillings fungiert laut Firmenangaben als Vize-Vorstandschef der Buir-Bliesheimer Agrargenossenschaft, die auch in erheblichem Umfang mit Pestiziden und Düngern handelt.
Vor seiner Zeit als Blogger war er als Projektmanager in der Chemiesparte des damaligen Schering-Konzerns zuständig für den vermutlich krebserregenden Unkrautvernichter Betanal, wie er der taz mitteilte. Bis zu seiner Pensionierung 2014 arbeitete er beim Zuckerhersteller Pfeifer & Langen, wo er Landwirten zu Pestiziden riet. Auf seiner Internetseite „Zur Person“ und in der Autorenbiografie seines Buches „Sauerei!“ fehlen diese Angaben."

Quelle:Die TAZ


Kernpunkte des von der Agrochemie-Lobby so massiv bekämpften, von der Bundesregierung geplanten Agrarpakets sind unter anderem das verspätete Aus für das Unkrautgift Glyphosat Ende 2023, endlich ein wenig mehr Schutz für Insekten und ein neues Tierwohl-Kennzeichen. In einer Zeit in der in Deutschland die Masse der Insekten teilweise um über 75% abgenommen hat ist das geplante Agrapaketchen eine kleiner Schritt in die richtige Richtung. Die bundesweite Kreuz-Aktion ist der verzweifelte Wunsch nach Beibehaltung des Sta­tus quo und das heißt Agrar-Gifte, Glyphosat, Massentierhaltung, Insektenvergiftung, Vogelsterben, CO2 Belastung und Nitrat im Grundwasser. Bayer/Monsanto, Syngenta, Gen-Lobby & Co. sehen ihre Profitinteressen durch das Agrarpakets massiv gefährdet. Sie treten allerdings psychologisch geschickt nicht selber auf sondern schicken gezielt die "kleinen Bauern, Bauer Willi & die Landfrauen" vor. Es ist erschreckend und beschämend, dass bundesweit tausende von Medienberichten über die "Grüne Kreuz-Aktion" diese Zusammenhänge nicht aufzeigen.

Ähnliche Bauern-Aktionen und die massive Agrar-Lobby in der Vergangenheit haben dazu geführt, dass wir in Deutschland massive Grundwasserprobleme mit Nitrat haben. Der Applaus vieler AfD, CDU, CSU und FDP-Politiker für die Grünen Kreuze passt eigentlich eher in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts und ist insbesondere für die Parteien mit dem C besonders peinlich.


Frage:


Welche politische Farbe hatte die Mehrzahl der Bundes-Landwirtschaftsminister, als bundesweit innerhalb der letzten 17 Jahre 42 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe starben? Und welche politische Farbe haben die Parteien, die aktuell für einen ungeregelten Freihandel die Landwirtschaft bedingungslos opfern? Und welche Parteien spielen sich jetzt als Bauernretter auf?


Woher kommen die Nöte der kleinen und mittleren landwirtschaftlichen Betriebe?


  • Weil zumeist unter CDU- & CSU-Landwirtschaftsminister, politisch gewollt, seit 1949 in Baden-Württemberg 75 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe verschwunden. Bundesweit gab es einen Rückgang von 42 Prozent innerhalb der letzten 17 Jahre
  • Weil z. Bsp. billige, umweltschädlich erzeugte Kirschen aus der Türkei nach Deutschland importiert werden, unsere Landwirtschaft & Landschaft zerstören, und weil genau diese ungeregelte Form der Globalisierung von CDU, CDU & FDP gewollt ist
  • Weil aktuell die deutsche Landwirtschaft auf dem Altar eines nicht umwelt- und menschengerechten Freihandels (Mercosur) geopfert wird


Die Naturschutzbewegung und die Umweltverbände
sind nicht die Feinde der Landwirtschaft, sondern potentiell Verbündete einer insektenfreundlichen, grundwasserfreundlichen, naturnäheren, giftärmeren, nachhaltigen und somit auch moderneren und zukunftsorientierten Landwirtschaft. Wir müssen den Wachstumswahn brechen und die Globalisierung menschengerecht und nachhaltig gestalten. Dazu braucht es eine andere Agrar- und Subventionspolitik als die von CDU, CSU, FDP und der Europäischen Kommission. Und die Landwirtschaft braucht endlich auch gute Preise für gute, umweltschonend erzeugte Produkte.

Axel Mayer, Mitwelt am Oberrhein, (Alt-) BUND-Geschäftsführer


Bauer Willi, Agro-Chemie-Lobby, Gift, Glyphosat & Grüne Kreuze



Nachträge


Bauernsterben
Seit 1949 sind in Baden-Württemberg 75 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe aus der Land- und Forstwirtschaft verschwunden. Bundesweit gab es einen Rückgang von 196.568 Betrieben oder 42 Prozent innerhalb der letzten 17 Jahren. Und mit den kleinen und mittleren Betrieben sterben auf größer werdenden Äckern auch Bäume, Hecken, Insekten, Vögel und jede Art von biologischer Vielfalt. Die Landwirtschaft in Baden-Württemberg konkurriert auf einem weltweiten Agrarmarkt im Rahmen der Globalisierung und des Freihandels mit Ländern wie Kanada. Unsere in kleinen Teilen immer noch erfreulich kleinräumige Landwirtschaft (insbesondere in Südbaden) verkauft teilweise auf dem gleichen Markt wie die giftdominierte großindustrielle Landwirtschaft in den USA. Auch in Nord- und Ostdeutschland dominiert eine politisch gewollte, industrielle, massiv umweltzerstörende Landwirtschaft. Wir sind auf dem Weg zur großen, globalen Agrarfabrik mit Gift und Gentechnik und gefährden Mensch und Natur. Wenn nur noch der Preis und der „freie Markt“ zählen, wenn eine verfehlte EU-Agrarpolitik nur die großindustrielle Landwirtschaft und Agrarfabriken unterstützt, wenn die Bauernverbände in Baden-Württemberg diese Zusammenhänge nicht erkennen wollen, dann haben Insekten, Vögel, Hecken, Grundwasser, aber auch die Mehrzahl der Landwirte in Baden-Württemberg selbst keine Chancen.

Massentierhaltung
Bundesweit geht der Trend zu immer größeren Beständen, vor allem in der Massentierhaltung. Bei Masthühnern wurden 1999 pro Betrieb durchschnittlich 4147 Tiere gehalten, 2016 waren es schon 28.166. Ähnlich dramatisch ist die Entwicklung bei Schweinen. Heute hält jeder Hof im Schnitt 695 Tiere – das sind drei Mal so viele wie 1999.


Bauernsterben - Insektensterben - Rettet die Bienen & Bauern!




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  • 3) Im Zweifel ist die -Allgemeine Erklärung der Menschenrechte- immer noch eine gute Quelle zur Orientierung.

Axel Mayer,Mitwelt am Oberrhein

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