Mais & Umwelt 2021: Vermaisung, Umwelt, Gift, Nitrat, Grundwasser & Globalisierung


Veröffentlicht am 04.04.2021 in der Kategorie Landwirtschaft von Axel Mayer

Mais, Umwelt, Gift, Nitrat, Grundwasser & Globalisierung


Nein,
es geht in diesem Beitrag nicht um ein Verbot von Mais. Wir brauchen Mais als Nahrungsmittel und eingeschränkt auch zur Rohstoff- und Energiegewinnung.
Es geht in dieser Kritik um die Auswüchse des Maisanbaus am Oberrhein und in Deutschland, um die "Vermaisung" der Landschaft, um die Folgen der Monokultur Mais auf Mensch, Grundwasser, Umwelt und Natur. Unsere Kritik wendet sich gegen die große globalisierte Agrarfabrik und ihre Folgen für Natur, Umwelt und kleine und mittlere landwirtschaftliche Betriebe.


Mais ist eine der bekanntesten
und wichtigsten Getreide-Nutzpflanzen der Welt. Ursprünglich kommt die Pflanze aus Mittelamerika, wo sie historisch als Nahrungspflanze genutzt wurde und ist damit ein der ältesten bekannten Kulturpflanzen. Mais gehört wie Zuckerrohr und Hirse zu den so genannten Hochleistungspflanzen (C-4-Pflanzen) und ist in der Lage bei warmem Klima und guter Sonneneinstrahlung besonders viel CO2 besonders in Kohlehydrate um zu wandeln.

Mais und Umwelt
Mais wird als Nutzpflanze vor allem zur Ernährung des Menschen und als Futterpflanze angebaut. Immer größer wird die Bedeutung von Mais als Energiepflanze zur Herstellung von Biokraftstoffen (Bioethanol) und als Energiemais zur Herstellung von Maissilage als Biogassubstrat.

Der zunehmende Maisanbau, Genmais und der mit der Monokultur verbundene Gift- und Düngemitteleinsatz führt allerdings auch zu massiven Problemen für Mensch, Natur und Umwelt.

Wir wollen hier einige wichtige Argumente zusammentragen:

- Mais erobert Wiesenstandorte
Mais verträgt mehr Feuchtigkeit als die traditionellen Getreidearten der Alten Welt. Darum erobern Maisäcker Standorte, die traditionell als Wiesen genutzt wurden, z.B. in Flußauen - mit katatstrophalen Folgen für Klima (Kohlenstofffreisetzung nach Grünlandumbruch), Artenvielfalt und Grundwasser (Dünger, Herbizide)

- Mais bedeutet Herbizideinsatz
Weil er sehr spät aufläuft, muss Mais sich gegen Beikräuter, die früher dran sind, durchsetzen. Dazu braucht er Unterstützung, und die bekommt er (außer im Bio-Anbau, wo mechanisch gearbeitet wird) durch Boden-Herbizide. Das hauptsächlich im Maisanbau eingesetzte und seit über 20 Jahren verbotene Atrazin ist immer noch im Grundwasser nachweisbar. Auch modernere Herbizide werden häufig im Grund- und Trinkwasser nachgewiesen

- Mais bedeutet hohe Stickstoffdüngung
Mais produziert in kurzer Zeit sehr viel Biomasse und braucht dafür sehr viel Stickstoff - mineralisch oder als Gülle. Obwohl Mais viel Stickstoff aufnehmen kann, geht bei der Düngung viel daneben. Die Nitrat-Berichte des Landwirtschaftsministeriums zeigen, dass Mais zu den Kulturen mit den höchsten Nitratgehalten im Boden/Grundwasser gehört.

- Mais auf Mais fördert Schädlinge und provoziert Insektizideinsatz
Enge Fruchtfolgen mit häufigem Maisanbau, insbesondere der jahrelange Anbau von Mais nach Mais, fördert Schadinsekten wie Maiszünsler und Fritfliege, in jüngster Zeit auch den eingeführten Maiswurzelbohrer. Die Folge ist der Einsatz von Insektiziden (als Spritz- oder Beizmittel) mit teilweise katatstrophalen Folgen für die Begleitfauna.

Genmanipulierter Mais – Alternative zum Gift?
Monsanto und andere Saatgutkonzerne werben für genmanipulierten Mais mit dem Argument, dadurch lasse sich der Einsatz von Insektiziden vermeiden oder vermindern. In der EU ist die Sorte MON 810 zugelassen (in Deutschland, Frankreich und weiteren Staaten gelten jedoch derzeit nationale Verbote), weitere Zulassungsanträge sind gestellt. Diese genmanipulierten Maissorten produzieren in jeder Zelle Insektizide, die dann in Nahrungs- und Futtermitteln vorhanden sind. Diese Insektizide wirken nicht artspezifisch – was den Maiszünsler umbringen soll, tötet auch andere Schmetterlinge, was gegen den Maiswurzelbohrer gedacht ist, auch andere Käfer. Die Insektizidmenge, die ein GVO-Maisacker produziert, ist um ein Vielfaches höher als die, die ein Landwirt auf derselben Fläche spritzen dürfte. Und schließlich: Genveränderte Pflanzen führen dazu, dass die Ernährungsgrundlagen der Menschheit in den Händen weniger Konzerne monopolisiert werden.


Demo gegen Bienenvergiftung in Freiburg
Ein extremes Beispiel war das massive Bienensterben im Jahr 2008, ausgelöst durch die Bekämpfung des Maiswurzelbohrers mit der Saatgutbeize Poncho. Rund 11.500 Bienenvölker waren betroffen, das heißt, sie wurden durch das falsch angewendete Pflanzenschutzgift des Herstellers Bayer CropScience entweder dezimiert oder ganz vernichtet

Maiswurzelbohrer: Fruchtfolge statt Gift, Genmais, Bienensterben und Grundwasserbelastung
Seit Jahren haben wir in Europa massive Probleme mit dem aus den USA eingeschleppten Maiswurzelbohrer. Die Bekämpfung des eingeschleppten Schädlings führte 2008 zur massiven Bienvergiftung am Oberrhein. Die Problemgifte aus der Gruppe der Neonicotinoide führen auch heute noch zu einer schleichenden Bienen- und Umweltvergiftung. Bis vor Kurzem war der Maiswurzelbohrer ein EU-Quarantäneschädling, d.h., die vom BUND geforderte ökologisch und ökonomisch sinnvolle Fruchtfolge war vorgeschrieben. Seit 2014 ist der Maiswurzelbohrer kein EU-Quarantäneschädling mehr und darum wurde die Fruchtfolgeverpflichtung aufgehoben.

Wegfall der Fruchtfolge kann bedeuten:
Mehr Vermaisung, mehr Monokultur, mehr Maiswurzelbohrer, mehr Gift und Nitrat.

Nach Ansicht des BUND sollte nach dem Wegfall der EU-Quarantäneverordnung jetzt unbedingt die Möglichkeit genutzt werden, nach dem PflSchG im Maiswurzelbohrer-Befallsgebiet Fruchtfolgemaßnahmen auf Landesebene anzuordnen, auch ohne Verpflichtung durch die EU.

Die Vermaisung (für Biogasanlagen) könnte ein Ende haben
schrieb am 4.5.2012 Bernward Janzing in derTAZ."Biogas aus Wildpflanzen ist wirtschaftlich genauso attraktiv wie Biogas aus Mais. Der Einsatz von naturnahen Kulturen hätte auch ökologische Vorteile. Bereits im Jahr 2009 hatte die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim erste Versuchsflächen eingerichtet, auf denen eine Saatgutmischung aus 25 verschiedenen Pflanzenarten ausgebracht wurde. Im Jahr darauf ging es dann los: 25 Hektar in fünf verschiedenen Bundesländern wurden mit Wildblumen bestellt, im Jahr 2011 folgten weitere 200 Hektar in zwölf Bundesländern. Die Erfahrungen: Die Flächen lassen sich mit herkömmlicher Landtechnik bewirtschaften, und die Erträge der Blumenwiese erreichen 50 bis 70 Prozent des Referenzertrags eines Maisfeldes. Trotz des geringeren Ertrags sei die Blumenwiese dem Mais wirtschaftlich mindestens ebenbürtig, sagt Jochen Goedecke von der Modellprojekt Konstanz GmbH, die eines der Wildpflanzenprojekte in der Bodenseeregion betreut. Denn der geringeren Ausbeute pro Hektar stehen beträchtliche Einsparungen gegenüber: Zum einen werden die Pflanzen nur einmal ausgesät, ehe fünf Jahre lang geerntet wird – das spart Saatgut und Maschinenzeiten. Zum anderen entfallen die Kosten für Dünge- und Spritzmittel, weil die Wildpflanzen ohne Agrochemie auskommen."Zitatende

Eine Möglichkeit die massiven Folgeschäden des Maisanbaus
zumindest zu verringern wäre eine konsequente Fruchtfolge. Leider hat die "Verordnung zur Nichtanwendung der Verordnung zur Bekämpfung des Westlichen Maiswurzelbohrers" (ein unglaubliches Wortungetüm) des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft vom 24.02.2014 dazu geführt, dass die ökonomisch und ökologisch sinnvolle Fruchtfolge für den Mais nicht mehr vorgeschrieben ist.
Jetzt wird der Maiswurzelbohrer wieder zunehmen, die Agrar-Lobby wird nach mehr Gift schreien und wenn das Kind wieder im (vergifteten) Brunnen liegt, kommt die dringend notwendige Fruchtfolge mit der ortsüblichen Verspätung.


Bauernsterben, Insektensterben & Artensterben / Grüne Kreuze, Mahnfeuer & Bauerndemos, Land schafft Verbindung

Die bundesweite Bauern-Kampagne Land schafft Verbindung" mit grünen Kreuzen, Mahnfeuern & Bauerndemos in Berlin hat die Zielrichtung: "Rettet die Bauern durch ein Ja zu Agrargiften, Glyphosat und Massentierhaltung". Die tatsächliche Not der kleinen und mittleren Landwirtschaft hat andere Ursachen und sie wird von Lobbyisten gerade gezielt missbraucht. Die Ausrichtung der Kampagne nützt den Agrochemiekonzernen und den giftdominierten Agrarfabriken und schadet Mensch, Natur, Grundwasser und Umwelt und sie schadet auch den letzten kleinen und mittleren landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland. Die von CDU, CSU und von der FDP politisch gewollten Agrarfabriken brauchen keine Bauern sondern "landwirtschaftliche Fachangestellte". Gemeinsam Lösungen finden die Artenvielfalt, aber auch die Vielfalt echter bäuerlicher Betriebe erhält, wäre eine gemeinsame Aufgabe für Umweltverbände und Landwirtschaft. Hier versagen die lobbygelenkten alten Bauernverbände total.

Vielen kleinen und mittleren landwirtschaftlichen Betrieben geht es tatsächlich mehr als schlecht. Doch mit der Zielrichtung der aktuellen Kampagnen werden die tatsächlichen Ursachen des Bauernsterbens gezielt verschleiert und falsche Fronten aufgebaut. Der Hauptgrund für die Misere ist nicht ein Mangel an Gift, sondern die politisch gewollte Globalisierung und die "große, globale Agrarfabrik" die keine Bauern mehr bracht, sondern "landwirtschaftliche Fachangestellte" von Agrar-Konzernen.

"You can fool some farmers sometimes
But you can't fool all the farmers all the time"
ziemlich frei nach Bob Marley...



Axel Mayer, (Alt-) BUND-Geschäftsführer, Mitwelt-Stiftung Oberrhein




Mais, Landwirtschaft, Nitrat und Grundwasser am Oberrhein


Dank!


Mein Dank geht an meinen BUND-Kollegen Gottfried May-Stürmer. Seit Jahrzehnten arbeitet er klug, engagiert und mit Biss für eine umweltfreundliche, nachhaltige Landwirtschaft.




Landwirtschaft 2021: Bauernsterben, Grüne, Kreuze, Mais, Vermaisung, Gift, Grundwasser, Gentechnik, Grüne Kreuze & Maiswurzelbohrer auf Mitwelt.org

Aktuell


Corona-Virus, Massentierhaltung und Antibiotikaresistenz: Was lernen wir aus der Pandemie?

Sehenswert:


Nicht ein "Mangel an Gift, Nitrat & zu viele Vorschriften bei der Massentierhaltung" sind die Gründe für die massiven Probleme der Landwirtschaft, sondern der von Bauernverbänden, Agrarkonzernen, von FDP, CDU, CSU & AfD gewollte Zwang zur großen globalen Agrarfabrik, der unerfüllbare Traum vom ewigen Wachstum.




Landwirtschaft, Landschaft, biologische Vielfalt: Globalisierungsverlierer




Mais, Umwelt, Gift & Grundwasser