Transhumanismus, künstliche Intelligenz & Todessehnsucht / Gefahren & Kritik


Veröffentlicht am 20.05.2021 in der Kategorie Wachstumskritik von Axel Mayer

Transhumanismus, künstliche Intelligenz & Todessehnsucht / Gefahren & Kritik


Transhumanismus: Die neue zerstörerische Weltreligion, der Wachstumsideologen, des Neoliberalismus und der Umweltzerstörung

Transhumanismus bedeutet „Jenseits des Menschlichen“, es geht um die Erschaffung eines "Über-Menschen". Den Menschen verbessern und optimieren" ist ein uralter Menschheitstraum. Die "Schaffung des neuen Menschen" führte in der Geschichte immer wieder zu Katastrophen und auch nach Auschwitz.

Es ist die Idee mit Hilfe von Technikoptimismus, libertärem und neoliberalem Denken, Gentechnik, Nanotechnologie, Eugenik und künstlicher Intelligenz den „alten Menschen“ abschaffen und einen „neuen Menschen“ schaffen. Mit Gehirnimplantaten und Gendoping soll der Mensch "optimiert" werden. Das Klonen von Primaten und die Möglichkeit, aus geklonten Embryonen Stammzellen zu gewinnen, bringt die Transhumanisten ihrem gefährlichen Traum vom ewigen Leben einen großen Schritt näher. Transhumanismus ist ein Krypto-Religion und Eliten-Ideologie.

Bereits jetzt kann die von Transhumanisten viel gelobte künstliche Intelligenzen vieles, was auch Menschen können. Doch was, wenn das "Ziel aller menschlichen Forschung" erreicht ist? Wenn die "generelle Künstliche Intelligenz keine Menschen mehr braucht, um Neues zu erlernen, sondern selbst alles verstehen und sich alles beibringen kann. Dann könnte der Mensch überflüssig werden.

Immer mehr Menschen verstehen sich selbst als Teil der transhumanistischen Bewegung, die den Menschen von seinen biologischen Schranken befreien will. Ich-schwache Menschen setzen auf die kommende technologische Singularität, den Zeitpunkt an dem künstliche Intelligenz die menschliche Intelligenz übertrifft. Von diesem Zeitpunkt wird die weitere Entwicklung hauptsächlich von der KI vorangetrieben und nicht mehr vom Menschen.

Der Transhumanismus wird zunehmend zur neuen, gefährlichen, technikbesoffenen Weltreligion der Umweltzerstörung und des Neoliberalismus. Die Umweltbewegung und die sozialen Bewegungen sollten sich endlich mit dieser zutiefst inhumanen Ideologie auseinander setzen.

Axel Mayer, (Alt-)BUND-Geschäftsführer, Kreisrat, Vizepräsident TRAS, Mitwelt Stiftung Oberrhein




Transhumanismus, künstliche Intelligenz & Westliche Werte



"Die Mystifizierung von elektronischen Schaltkreisen hat zum einen handfeste ökonomische Gründe. Um milliardenschwere Forschungsgelder und Subventionen sowie öffentliche Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, werden die Möglichkeiten von Rechenmaschinen maßlos übertrieben. Doch die Computermythologie reicht noch wesentlich tiefer, bis in die metaphysischen Fundamente der modernen Megamaschine. Einige federführende Akteure des Silicon Valley, darunter Googles Chefentwickler Ray Kurzweil, träumen seit Jahrzehnten davon, den biologischen Menschen abzuschaffen und sein Bewusstsein in ein Netz von Daten „upzuloaden“. Dieser „Transhumanismus“ ist weit verbreitet unter den Entwicklern künstlicher Intelligenz. Viele von ihnen erwarten sehnsüchtig in den nächsten Jahrzehnten die sogenannte Singularität: den Moment, wenn die Rechenleistungen von Computern die Denkleistungen von Menschen überschreiten sollen und die Automaten den körperlichen Menschen überflüssig machen. In dieser Vision verbinden sich die Geschäftsinteressen des Silicon Valley mit einer radikalen mechanistischen Ideologie: der Vorstellung, dass Lebewesen letztlich nur algorithmische Maschinen seien.

Das Warten auf den Moment, da der Mensch endlich als körperliches und fühlendes Wesen ausgelöscht werden kann, ist symptomatisch für eine technokratische Männerwelt, die von ihrer eigenen Innenwelt so weit abgespalten ist, dass sie Denken, Fühlen und Wahrnehmen von Rechnen – das Einzige, was Rechner können – nicht mehr unterscheiden kann. Es ist der Endpunkt einer Unterwerfung des Menschen unter die Maschinenlogik. Der Versuch, Menschen in einen Datensatz zu verwandeln, ist Teil einer Kultur des Todes, die alles, was Leben ausmacht – Spontaneität, fühlendes Erleben, Selbstorganisation und Kreativität –, durch Abstraktion und Berechnung ersetzt. Ihr Fluchtpunkt ist ein wüstenartiger Planet, auf dem einsam im dunklen Weltall ein blinkender Riesenrechner steht, der anzeigt, wie viel Geld er gerade verdient."


Quelle: "Die große Trennung" Die Geburt der technokratischen Weltsicht und die planetarische Krise von Fabian Scheidler
Der Beitrag in den Blättern basiert auf „Der Stoff, aus dem wir sind. Warum wir Natur und Gesellschaft neu denken müssen“, dem jüngsten Buch von Fabian Scheidler, das im Piper Verlag erschienen ist.


Ein Gespenst geht um, nicht nur in Europa – das Gespenst des Transhumanismus.


Seine Priester und Auguren haben bereits prominente Forschungslaboratorien, Universitäten, globale Unternehmen und politische Institutionen besetzt.

Transhumanismus betrachtet den Menschen mit negativer Skepsis, kombiniert mit einer techno-wissenschaftlichen Vision, wie er verbessert werden könne. Er lässt sich am blinden Vertrauen in wissenschaftliche Heilsversprechen erkennen und an einer empathielosen Verachtung derjenigen Eigenschaften, die uns als Menschen auszeichnen: unserer Verwundbarkeit, unserer Sterblichkeit, unseres Empfindungsvermögens, unserer Selbstwahrnehmung und unseres Bewusstseins, leibhaftige Personen (und nicht Objekte) zu sein.

Transhumanisten verwechseln Emotionalität mit Irrationalität, ruhende Potenziale mit Beschränktheit und Gebrechlichkeit mit Entsorgbarkeit. Im Gefolge dieser Verwechslung propagieren und forcieren sie rücksichtslos die Heraufkunft einer neuen, vermeintlich schöneren Welt: einer Welt allgegenwärtiger Vernetzung, genetischer und nanotechnologischer Perfektionierung und computergenerierter Kommunikation, in der fehlbare Individuen manipuliert und optimiert werden mithilfe einer vermeintlich kontrollierbaren, ethisch kalibrierten, robotergesteuerten Maschinerie, von der man sich den nächsten Emergenzsprung in der Evolutionsgeschichte verspricht.
Auszug aus einem klugen Kommentar der NZZ





Der Wunsch nach Selbstauslöschung



Der Philosoph Günther Anders schrieb bereits in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts unter dem Eindruck von Hiroshima und Auschwitz in der „Antiquiertheit des Menschen“ von einer „prometheischen Scham“. Diese sei der Anlass, den im Vergleich zu Maschinen imperfekten menschlichen Körper gezielten Veränderungs- und Optimierungsmaßnahmen zu unterwerfen. Anders vermutete „nicht mehr verwendbare Energie-Reste puritanischen Leibhasses“ hinter diesem Verhalten.13
Aber mit einem Leibhass hat man es beim Transhumanismus nicht zu tun. Der Hass richtet sich vielmehr auf die menschliche Gattung als solche. Im Transhumanismus kommt der phantasmatische Wunsch nach Selbstauslöschung zum Ausdruck. Die menschliche Gattung soll zugunsten einer von ihr geschaffenen neuen Intelligenz, einer neuen Spezies abdanken. Dass Kurzweil das Klonen von Menschen befürwortet, darf in diesem Zusammenhang nicht weiter verwundern.
Im Transhumanismus werden Natur und Mensch als Maschine, als Computer oder als Programm konstruiert, um beides um so effizienter ausbeuten und unterwerfen zu können. Der Wunsch nach künstlicher Intelligenz, das Phantasma des Verschmelzens mit der Maschine, um durch Technologie den Tod zugunsten der Unsterblichkeit zu überwinden, ist Ausdruck einer tiefsitzenden „Verachtung für das Leben“.14 Die unmittelbare Verschmelzung des Menschen mit Informationstechnologien - wie bei Google Glass - offenbart den nekrophilen Kern einer sterilen Unkultur. Denn Informationen und Computer sind das Leblose, das Tote schlechthin. Das besinnungs- und geistlose Erzeugen solcher und anderer, immer neuer „Innovationen“ darf nicht mit schöpferischer Kraft, Phantasie oder gar Intelligenz verwechselt werden.

Auszug aus Der Google-Mensch
von Markus Jansen




Links, Zitate, Quellen zum Thema Transhumanismus



Artikel vom 14. November 2016 aus dem Feuilleton der Zeitung "Die Tagespost": "Wenn der Mensch sich zum Erlöser der Schöpfung macht"
"[...] Dass es sich beim Transhumanismus nicht um reine Wissenschaft, sondern um eine fanatische Religion handelt, lässt sich kaum leugnen. [...]
So offenbart sich der Transhumanismus schon jetzt als eine Sammlung menschlicher Allmachtsphantasien aus Angst vor dem Tod. [...]
Der Transhumanismus ist nicht mehr als eine weitere Sackgasse des Materialismus. Er wird – wie alle ideologischen Allmachtsphantasien – an der Realität scheitern."
Hier geht´s zum vollständigen Artikel.




Artikel aus "The European": Der neue Mensch › Transhumanismus und die Gefahr der Optimierung › Über Menschen, vom 26. April 2013:

" [...] Der technologische Wandel stellt unser bisheriges Selbstverständnis als Menschen nicht mehr nur peripher, sondern mittlerweile substanziell zur Disposition. Was wir bisher als menschliche Identität, als Conditio humana, begriffen haben, wird zunehmend in Frage gestellt. Die neueste Generation von Neurotechnologie zum Beispiel setzt darauf, die Freiheit des Menschen zu steigern, indem sie in unseren Körper eindringt, um dessen Grenzen zu überwinden. [...]

Niemand weiß jedoch, was das mit dem Menschen und seinem Selbstbild macht, wenn wir uns derart unserer physischen und physiologischen Grenzen entledigen. Denn die Verschmelzung von menschlichem Bewusstsein und Technologie verändert sowohl die Technologie als auch den Menschen. Die Frage ist, ob dabei die Technologie menschlicher oder der Mensch technischer wird.[...]

Viele Menschen setzen große Hoffnungen in diese Entwicklungen. Doch viele Menschen haben zu Recht auch Angst vor einer solchen Zukunft. Die Implikation: Bisherige Kulturleistungen werden abgewertet und in Frage gestellt. Kulturgeschichte, Literatur, Kunst, Religionen und Philosophien erscheinen lediglich als künstliche Sinngebungen in der Epoche des alten „natürlichen“ Menschen. Der neue Mensch wird sie nicht mehr brauchen. Er wird Kultur immer stärker durch Technologie ersetzen, wie bereits heute in den neuen Kommunikationstechnologien ersichtlich, sich damit global angleichen und entnationalisieren, aber auch bisherige Sinnentwürfe und Ethiken des Zusammenlebens über Bord werfen.[...]

Damit verändert sich alles: nicht nur das grundlegende Bild des Menschen von sich selbst, das stets für seine Gegenwart und Zukunft ausschlaggebend war, sondern auch das, was wir bisher als Zivilisation bezeichnet haben.[...]

Wir müssen unser Selbstverständnis daher bis auf Weiteres zumindest in gewissen Grenzen vor dem Zugriff der Technologie schützen.[...] "

Den vollständigen Beitrag finden Sie: hier




Aktuelle Beiträge zum Thema
*Humanistischer Pressedienst: "Transhumanismus: Ist der Mensch sich selbst ausgeliefert?", 27.04.2016
*FAZ Feuilleton: "Transhumanismus und die Folgen - Blutdurst", 07.08.2016


Kritik:


Wissenschaft:

Selbstdarstellung und Information bez. Transhumanismus:








Transhumanismus: Die neue Weltreligion des Neoliberalismus und der Umweltzerstörung