Fledermäuse Windenergie & Windräder 2020: Ursachen für das stille Sterben der Fledermäuse...


Veröffentlicht am 02.02.2020 in der Kategorie Natur & Naturschutz von Axel Mayer

Fledermäuse Windenergie & Windräder: Ursachen für das stille Sterben der Fledermäuse...



25 Fledermausarten kommen in Deutschland vor,
nur zwei davon gelten derzeit als ungefährdet. Die Tiere haben kaum natürliche Feinde. Doch sie leiden stark unter der intensiven Land- und Forstwirtschaft, die z.B. durch den Einsatz von Insektiziden ihre Nahrungsgrundlage vernichtet. Gleichzeitig verschwinden ihre Lebensräume, und viele traditionelle Quartiere fallen Säge und Gebäudesanierung zum Opfer. Auch giftige Holzschutzmittel haben schon ganze Fledermauskolonien ausgelöscht.

Auch Windräder töten Fledermäuse.
Das ist so und das wird in der Öffentlichkeit und den Medien heftig diskutiert und in einer Zeit, in der viele Fledermausarten bedroht sind, ist jede getötete Fledermaus (insbesondere die bedrohten Arten!) eine zu viel. Es ist aber erstaunlich, dass über Fledermäuse, die an Windrädern verunglücken so viel gesprochen wird und über die Hauptursachen für Fledermaustod gar nicht debattiert wird. Der Rückgang dieser Tierordnung ist gravierend; Fledermauspopulationen sind überall stark geschrumpft. Das liegt aber nicht nur an der Windenergie, sondern überwiegend an anderen Ursachen, die wir hier zusammen tragen.

Die Gefahren der Windenergie und Windräder für Fledermäuse,
sind unbestritten. Nach neuen Erkenntnissen wird geschätzt, dass im Durchschnitt an jeder der zurzeit ca. 22.000 in Deutschland betriebenen WEA 10 (9,5 in den Monaten Juli bis September) Fledermäuse pro Jahr getötet werden.

Inzwischen gibt es auch sinnvolle Projekte, die zeigen, dass durch gezielte Maßnahmen Fledermausschutz und Windenergie vereinbar ist. Konkret kann dies etwa bei Fledermäusen durch das Abschalten von Anlagen zu Zeiten erhöhter Fledermausaktivität geschehen. Beispiele für den Fledermausschutz an Windrädern liefert u.a. die Publikation "Praxisbeispiele Windenergie & Artenschutz - Erfolgreiche, Erfolg versprechende & innovative Ansätze".

Hauptbedrohungen für Fledermäuse: Das Insektensterben, Pestizide, Monokulturen...


Die Nahrungssuche wird für unsere heimischen Fledermäuse immer schwieriger. Sie ernähren sich grundsätzlich von Insekten.

"Unsere Fledermäuse haben einen riesigen Nahrungsbedarf. Bis zu einem Drittel ihres Körpergewichtes nehmen sie täglich auf. Die Zahlen, die dabei herauskommen, sind beachtlich: Eine einzige Zwergfledermaus kann pro Nacht 1000 bis 2000 Mücken vertilgen, eine Wasserfledermaus frisst von April bis Oktober über 60.000 Insekten!", so die BSKW.

Aktuelle Studien zeigen, dass die Gesamtbiomasse der Insekten in einigen Teilen Deutschlands um bis zu 80% zurückgegangen ist.

"Der Insektenmangel ist schon länger bekannt[.] […] Ihnen machen die Pestizide und der chemische Dünger in der Landwirtschaft zu schaffen.
Auch die Fledermäuse werden schleichend vergiftet, wenn sie die pestizidverseuchten Insekten fressen. Zudem verlieren die Fledermäuse ihre angestammten Lebensräume, weil Monokulturen die Landwirtschaft dominieren.", schreibt taz.de.

Unter dem bundesweiten (und vermutlich sogar globalen) Insektensterben leiden neben einigen Vogelarten auch ganz massiv die Fledermäuse. Wenn die Nahrungsgrundlage (in diesem Falle die Insekten) wegbricht, leiden viele weitere Glieder der Nahrungskette darunter, u.a. die Fledermäuse.


Tod durch Kollisionen mit glatten Fassaden
Eine aktuelle Studie zeigt, dass das Echolot, das raffinierte Echoortungs-System der Fledermäuse an glatten Fassaden (z.B. Glasfassaden) nicht funktioniert. Die Strukturen von glatten Fassaden lenken der Studie zufolge "die Ultraschalllaute der Fledermäuse so ab, dass sie diese nicht mehr hören. Erst kurz vor der Wand können ihre Ohren sie wieder empfangen – da kann es aber schon zu spät für ein Ausweichmanöver sein.", schreibt die Fachzeitschrift Bild der Wissenschaft.

"Letztlich haben Fledermäuse somit ein ähnliches Problem mit glatten Fassaden wie Vögel mit durchsichtigen Glasflächen: Sie erkennen diese unnatürlichen Hindernisse oft zu spät. Dies erklärt, warum neben Vögeln auch viele tote Fledermäuse an den für sie problematischen Gebäudeelementen gefunden werden. Die Forscher setzen sich deshalb nun für eine systematische Erfassung verletzter oder toter Fledermäuse ein, damit sich besser einschätzen lässt, wie viele Tiere bei solchen Kollisionen zu Schaden kommen. Möglicherweise lassen sich dann auch Maßnahmen entwickeln, mit denen Kollisionen zumindest an Gebäuden eingeschränkt werden können, die auf viel beflogenen Zugrouten von Fledermäusen liegen, sagen die Biologen."
Quelle: Bild der Wissenschaft: "Fledermaus-Echolot versagt an glatten Fassaden"
Zur Studie geht es hier.


Auch Straßen
stellen für Fledermäuse eine Bedrohung dar. Das Freiburger Institut für angewandte Tierökologie schildert die Problematik so: "Straßen und Bahntrassen können auch für Fledermäuse Barrieren z.B. zwischen ihren Quartieren und Jagdhabitaten darstellen. Die Barrierewirkung kann dadurch entstehen, dass Fledermäuse beim Versuch Straßen zu überqueren durch Kollisionen mit Fahrzeugen verunglücken; zum Teil wird die Querung von Verkehrstrassen jedoch auch völlig gemieden oder es werden große Umwege zur Erreichung der Lebensräume jenseits der Trasse in Kauf genommen."

Auch die Seite www.fledermausschutz.de sieht den Straßenverkehr als Bedrohung für Fledermäuse an "Ein bislang unterschätzter Gefährdungsfaktor ist der Straßenverkehr. Gerade an Landstraßen, die durch nahrungsreiche Gebiete, wie zum Beispiel Wälder, entlang von Gewässern oder Wiesenlandschaften führen, verunglücken zahlreiche Fledermäuse. Untersuchungen haben ergeben, daß insbesondere Autos, die zwischen 70 und 100 km/h schnell fahren, von den Fledermäusen nicht mehr rechtzeitig wahrgenommen werden können und es zu Zusammenstößen kommt. […]"

Verschiedenen Quellen zufolge
sind die meisten Aussagen zum Vogelschlag (zum Beispiel an Eisenbahnzügen) auch auf Fledermäuse zu erweitern.

Über die von Windrädern getöteten Fledermäuse wird Kohle-Interessengeleitet viel diskutiert,
denn jede privat gebaute Energieerzeugungsanlage bedroht das wankende Monopol der alten Energieversorger und der Kohlelobby. Die wichtigen anderen Faktoren wie das Insektensterben, Agrargifte, Lebensraumverlust, Glasscheiben usw. spielen in der veröffentlichten Meinung fast keine Rolle.
Obwohl die Ausräumung der Landschaft und die industrialisierte Landwirtschaft den Rotmilan am stärksten gefährden ist bei der Bebilderung des Wikipedia-Beitrages selbstverständlich ein Windradbild zu sehen.

Das Thema Fledermaus- und Artengefährdung
sollte nicht nur in der Nische der Windräder geführt werden, die nur für einen kleinen Teil des "Fledermaussterbens" verantwortlich ist. Wer mit der Lösung eines Problems nur in der Nische ansetzt, kann keine echten Fortschritte erzielen. Dennoch ist gerade bei seltenen Fledermäusen jedes getötete Tier eines zu viel und darum wird der BUND aus Gründen des Artenschutzes auch in Zukunft nicht jeder Windradplanung zustimmen. Die erfreulichen Fortschritte und Erkenntnisse, die bei der Gefahrenminimierung für Fledermäuse bei Windrädern erreicht wurden, sollten aber auch beispielsweise auf den Fledermausschlag an glatten Fassaden übertragen werden.

Axel Mayer, (Alt-) BUND-Geschäftsführer, Mitwelt Stiftung Oberrhein

Fledermäuse Windenergie & Windräder 2017: Ursachen für das stille Sterben der Fledermäuse...







Infosammlung 2020: Natur, Naturschutz & Naturgebiete, in Südbaden, im Elsass und am Oberrhein



Aktuell & wichtig!


Flächendeckend stirbt der Wald. Wer da noch von "Waldumbau" redet, der verharmlost und lügt. Wir erleben aktuell ein Waldsterben 2.0 welches das Waldsterben in den 80er Jahren des letzten Jahrhundert bei weitem übertrifft. In den 80er Jahren gab es massive Aktionen, Demos & Proteste der Umweltbewegung. Doch wo ist die Protestbewegung gegen das Waldsterben 2.0? Angesichts der Dimension der Schäden genügt es nicht die Proteste an Fridays for Future zu delegieren!" Angesichts von Waldsterben und Artenausrottung ist die Naturschutzbewegung erschreckend brav.
Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein











Infos zum Schmetterlingssterben / Insektensterben / Artensterben




Aktuell:


Insektenrückgang weltweit - in Deutschland besonders stark


Eine Analyse weltweiter Langzeitstudien im Jahr 2020 zeigt, dass die Zahl landlebender Insekten zurückgeht. Sie sank in 30 Jahren um fast ein Viertel. Zu diesen Ergebnissen kommt die bislang umfassendste Meta-Analyse von Insektenbeständen an 1676 Orten weltweit. Die Studieist in der jüngsten Ausgabe der Fachzeitschrift "Science" erschienen.
Ein internationales Forscherteam stellte Daten aus 166 Langzeitstudien an weltweit 1676 Orten zusammen, um Veränderungen der Insektenzahlen (Individuen, nicht Arten) zu untersuchen. Diese Daten wurden im Zeitraum zwischen 1925 und 2018 erhoben. Die komplexe Analyse offenbarte große Unterschiede in den lokalen Trends - selbst zwischen nahe gelegenen Orten. So gab es in Ländern mit vielen Langzeitstudien wie Deutschland, Großbritannien oder den USA sowohl Orte mit Rückgängen als auch Orte mit wenig Veränderungen oder sogar Zunahmen. 
Im globalen Durchschnitt gingen landlebende Insekten wie Schmetterlinge, Heuschrecken oder Ameisen um 0,92 % pro Jahr zurück.
Erstautor Dr. Roel van Klink, der bei iDiv und der UL forscht, sagt: "0,92 Prozent klingt vielleicht nicht nach viel, aber es bedeutet 24 Prozent weniger Insekten über 30 Jahre und sogar eine Halbierung über 75 Jahre. Der Rückzug der Insekten findet leise statt - in nur einem Jahr bemerken wir das nicht. Es ist wie wenn man an den Ort zurückkehrt, wo man aufgewachsen ist. Nur wenn man jahrelang nicht dort war, bemerkt man, wie viel sich tatsächlich verändert hat - leider oft zum Schlechteren."
Die Insekten-Rückgänge waren in Teilen der USA sowie in Europa, insbesondere in Deutschland, am stärksten. In Europa verstärkten sich die negativen Trends in den letzten Jahren - die größten Rückgänge wurden seit 2005 beobachtet.
Quelle: www.sonnenseite.com



Linkliste:




Axel Mayer, BUND-Regionalgeschäftsführer








Mitwelt-Warnungen 2020 & Hinweise zu diesen Seiten...


  • 1) Diese Internetseiten der Mitwelt Stiftung Oberrhein sind "altmodisch-textorientiert" und manchmal lang. Wir bieten keine modischen Infohäppchen, sondern wenden uns an die kleine Minderheit, die noch in der Lage ist längere Texte zu lesen und zu erfassen.
  • 2) Wenn Sie hier "Die Wahrheit" suchen, werden Sie sie nicht finden. Es gibt sie nicht, "Die Wahrheit", sondern immer nur Annäherungen daran, Wahrheitsfragmente. Es wird Ihnen nichts übrigbleiben, als sich mit den "anderen Wahrheiten" auseinander zu setzen, um zu einer eigenen Meinung zu kommen. Verlassen Sie auch einmal den engen "Echoraum" der eigenen Meinung im Internet. Misstrauen Sie Wahrheitsverkündern. Haben Sie Mut Ihren eigenen Verstand zu gebrauchen.
  • 3) Im Zweifel ist die -Allgemeine Erklärung der Menschenrechte- immer noch eine gute Quelle zur Orientierung.
  • Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein


Getragen von der Hoffnung auf das vor uns liegende Zeitalter der Aufklärung (das nicht kommen wird wie die Morgenröte nach durchschlafner Nacht)




Nachtrag


Freiheit für die Menschen in Hongkong & Tibet... Aber auch für Julian Assange, Chelsea Manning, Edward Snowden und die katalanischen, gewaltfreien, politischen Gefangenen in Spanien! Für einen unteilbaren, globalen Freiheitsbegriff!