Kreistag Emmendingen und die etwas peinliche (Nicht-) Nutzung des Intranets...


Veröffentlicht am 03.10.2017 in der Kategorie Kreistag Emmendingen von Axel Mayer

Kreistag Emmendingen und die etwas peinliche (Nicht-) Nutzung des Intranets...



Als Kreisrat ich hatte ich im Sommer 2017 nach der Nutzung des Intranets des Kreistags durch uns Kreisräte gefragt und die folgende Antwort erhalten.

„Wir haben für die ersten drei Monate (Mai bis Juli) der neuen Internetseite die allgemeinen Nutzerzahlen ausgewertet: Auf das Kreisräte-Portal (das nur den Kreisräten mit Passwort zugänglich ist) gab es in diesem Zeitraum 6 Zugriffe.“

Ich stelle als Information meinen Brief an Herrn Landrat hier in´s Netz...

Mit freundlichen Grüßen
Axel Mayer,Kreisrat




Herrn Landrat Hurth, Landratsamt Emmendingen, Bahnhofstraße 2-4; 79312 Emmendingen
11.9.2017

Wir Kreisräte und die Nichtnutzung des Intranets



Sehr geehrter Herr Landrat Hurth,

ganz herzlichen Dank an Herrn Spitzmüller für die freundliche Beantwortung meiner mündlichen Anfrage zur Nutzung des Intranets durch uns Kreisräte. In der Vergangenheit waren meine Anfragen zumeist auf Behördenhandeln ausgerichtet, jetzt ging es eher um uns Kreisräte selber.

Hintergrund dieser Anfrage war mein eigenes und unser gemeinsames „Kreistags-Nutzungsverhalten“ dieses schönen Angebots des Landratsamtes.
Zu Beginn der Sitzungen lag früher immer das Protokoll der letzten Sitzung aus und wenn möglich habe ich es mit Interesse gelesen, insbesondere wenn ich einmal an einer Sitzung nicht teilnehmen konnte.
Mir war aufgefallen, dass ich mir zwar immer vorgenommen hatte, das jetzt nur noch im Intranet befindliche Protokoll zu lesen, aber der gute Vorsatz immer an Termindruck und anderen Dingen scheiterte. Ich wollte mit meiner Anfrage klären, ob zumindest meine Mitkreisrätinnen und Räte ein wenig „fleißiger“ wären als ich und wie effektiv wir die neuen technischen Möglichkeiten nutzen.
Ich hatte mit einem geringen Nutzungsverhalten gerechnet, so mit 50 bis 100 monatlichen Seitenaufrufen...

Herr Spitzmüller hat mir jetzt die folgenden Infos geschickt:
„Wir haben für die ersten drei Monate (Mai bis Juli) der neuen Internetseite die allgemeinen Nutzerzahlen ausgewertet: Auf das Kreisräte-Portal (das nur den Kreisräten mit Passwort zugänglich ist) gab es in diesem Zeitraum 6 Zugriffe.“


Wenn das 80 Zugriffe gewesen wären, dann könnte ich ja frech vermuten, dass zumindest wir GRÜNEN... Aber bei 52 Kreisräten und nur 2 Zugriffen im Monat? Da bekleckern wir uns alle nicht mit Ruhm.

Als erstes fiel mir ein, dass ich mich bei allen entschuldigen möchte, die wichtige Protokolle schreiben, die von mir/uns nicht gelesen werden und bei den MitarbeiterInnen, die das Intranet pflegen...

Wenn wir Kreisräte einen Bus organisieren und mit Kreismitteln finanzieren würden, um 52 Menschen monatlich zwei bis dreimal von a nach b zu bringen und nach drei Monaten hätten wir eine Nutzerzahl von zwei, dann würden wir den Bus aus Kostengründen vermutlich einstellen...

Beim Intranet geht das wohl nicht, weil wir ja alle sehr modern sein wollen, aber auch Modernität und Fortschritt muss immer wieder kritisch hinterfragt werden.

Wie weiter?
Nach der ernüchternden Antwort auf meine Anfrage werde natürlich nicht nur ich mir fest vornehmen, ab sofort häufiger ins Intranet zu schauen, aber ob´s nicht nur bei den guten Vorsätzen bleibt?

Für mich gilt, dass ich ab sofort das wichtige Kreistagsprotokoll gerne wieder in der schönen, altbackenen Papierform (oder als Mail) bekommen würde.

Nach den notwendigen Aufregungen des Wahlkampfes sollten wir Kreisräte und die Verwaltung gemeinsam überlegen, wie wir die Nutzung des Intranets verbessern könnten und ansonsten Konsequenzen ziehen. Evtl. lassen sich Anlaufschwierigkeiten auch überwinden.

Ein aufwändig gepflegtes, nicht genutztes Intranet wäre, wenn sich das Zugriffsverhalten nicht ändert, bei aller Modernität verschwendetes Geld und verschwendete Lebensarbeitszeit. Ich vermute stark, dass viele andere Institutionen ähnliche Probleme haben. Wir müssen uns selber und unser Verhalten immer wieder kritisch hinterfragen.

Ernüchternd, aber vermutlich realistisch ist das geringe öffentliche Interesse an unserer Arbeit, das sich in nur 14 Zugriffen von Mai bis Juli auf die öffentlich zugängliche Kreistagsseite widerspiegelt.

Erfreulich sind zumindest die Zugriffszahlen der Bürgerinnen und Bürger auf die sonstigen Kreis-Internet-Seiten.

Mit freundlichen Grüßen
Axel Mayer,Kreisrat



Kreistag im Landkreis Emmendingen 2020: Ein kleiner, auszugsweiser Überblick über die Tätigkeit von Kreisrat Axel Mayer im Kreistag im Landkreis Emmendingen
Einige Anfragen und Themen von Kreisrat Axel Mayer im Kreistag Emmendingen finden Sie Hier


(So eine Auflistung beschreibt nur die Rosinen im Teig der manchmal mühsamen Kreistagsarbeit)

Immer wieder gehe und fahre ich auch im Jahr 2020
durch diesen, an vielen Stellen immer noch schönen Landkreis Emmendingen. Ich kenne die sanften Kuppen des Kaiserstuhls, die steilen Wege auf unseren Hausberg den Kandel, den Rheinwalddschungel des Wyhler Waldes. Die Dörfer, Städte und Gemeinden im Breisgau, insbesondere Teningen, Riegel und Endingen, sind meine Heimat. Ich vermisse die verloren gehende Stimme der ins Blau aufsteigenden Lerche. Immer öfter sehe ich auch neue Wunden, neue Schneisen der Zerstörung, Heimatverlust, Naturverlust, Kulturverlust, Artensterben, Bauernsterben, grüne Kreuze, Dorfwirtschaftssterben, Verlust an Vielfalt... Aktuell leidet der Wald (nicht nur) im Landkreis unter einem extremen Waldsterben und der zunehmende Egoismus zeigt sich in der Verlärmung unserer Schwarzwaldtäler und Gemeinden.

Entlang der Bundesstraße 3 entsteht ein durchgängig-hässlicher Siedlungsbrei. Zwischen Offenburg und Freiburg gibt es noch einen minimalen Freiraum von 17,7 km und bandartig-hässliche Siedlungsstrukturen von 50,3 km. Hochstammbäume, Hecken, Insekten, Vögel und bezaubernde landschaftliche Vielfalt werden immer schneller dem (Alp-)Traum der großen globalen Agrarfabrik und der Globalisierung geopfert. Der Verkehrslärm im Transit-Landkreis Emmendingen nimmt zu. Das "Autobahnkreuz" an der B3 bei Denzlingen ist eines von vielen Beispielen für einen rückwärtsgewandten, zerstörerischen Fortschrittsglauben. Zerstörung bedeutet immer auch Kulturverlust und Innenweltverschmutzung. Heimat zerrinnt zwischen den Fingern. Und ich wundere mich warum niemand schreit.
Axel Mayer, Kreisrat, Endingen


Gemeinden im Landkreis Emmendingen:
Bahlingen, Biederbach, Denzlingen, Elzach, Emmendingen, Endingen, Forchheim, Freiamt, Gutach, Herbolzheim, Kenzingen, Malterdingen, Reute, Rheinhausen, Riegel, Sasbach, Sexau, Simonswald, Teningen, Vörstetten, Waldkirch, Weisweil, Winden, Wyhl


Nachtrag:


Warum "meine" viel zu braven, wirtschaftsliberalen GRÜNEN die Welt nicht retten werden. Eine traurig-kluge Analyse in der ZEIT.