Abriss, Neubau, Flachdach: Schneller bauen, schneller abreißen ... (Nachhaltiges Bauen)


Veröffentlicht am 08.03.2024 in der Kategorie Kreistag Emmendingen von Axel Mayer

Abriss, Neubau, Flachdach: Schneller bauen, schneller abreißen ... (Nachhaltiges Bauen)


Immer mehr Bauten der öffentlichen Hand müssen nach Jahrzehnten der teuren Dauersanierung abgerissen werden. Manchmal kann es durchaus sein, dass der Abriss die »kostengünstigste Lösung« ist. Dennoch fehlt die Debatte um den teuren Abriss vieler, relativ junger, öffentlicher Gebäude.

Als ich in Teningen zur Schule ging, gab es dort zwei Schulen. Die damals neue Schule im Oberdorf (die zwischenzeitlich für teures Geld immer wieder renoviert werden musste) und »meine Schule«, die Viktor-von-Scheffel-Schule im Unterdorf. Wenn die Gemeinde dieses alte Schulgebäude aus dem Jahr 1904(!) weiterhin pflegt, können dort noch viele Generationen von SchülerInnen unterrichtet werden. Ich erinnere mich an meine Lehrzeit im schönen, alten, langlebigen Gebäude des Emmendinger Vermessungsamtes und an meine Zeit als Zivi in der neuen Sonderschule Wasser und an Wassereimer im Gebäude bei Starkregen aufs ständig undichte Flachdach.

Es ist unglaublich, was uns Steuerzahlende das schlechte Bauen, die Phase des Brutalismus und die »Flachdachmode« der letzten Jahrzehnte gekostet hat und es wird auch nicht öffentlich diskutiert.
Der teure Neubau der Freiburger Universitätsbibliothek zeigt, wie schnell und wie teuer viele "relativ neue", öffentliche Bauwerke erneuert werden müssen. Bauwerke, die vor wenigen Jahrzehnten noch als „super-modern“ galten, bei deren Errichtung aber Nachhaltigkeit und Langlebigkeit offensichtlich kein Thema waren.

Es kann nicht darum gehen, heute so zu bauen wie vor 100 Jahren. Positive Entwicklungen wie Wärmeschutz, Schallschutz, Erdbebenschutz und Brandschutz waren nicht absehbar. Aber vor 50 Jahren, in einer Zeit, in der ständig alles Neue als technischer Fortschritt gepriesen wurde, hätte es dennoch möglich sein müssen, neue Gebäude langlebig, dauerhaft, flexibel-funktional und schön zu bauen.
In der Menschheitsgeschichte galt jahrtausendelang, dass Fortschritt neue Produkte und Gebäude besser, schöner, nützlicher und langlebiger macht. Dieses Menschheitsversprechen hat sich, nicht nur bei Gebäuden, in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts zum Teil in sein Gegenteil gedreht.

Aspekte der Nachhaltigkeit, Langlebigkeit und der Folgekosten haben bei vielen öffentlichen Bauten der letzten Jahrzehnte keine große Rolle gespielt und weil es keine Debatte dazu gab und gibt, ist dies auch heute teilweise noch so. Es fehlt eine kritische Fortschrittsdebatte, um Fortschritt nachhaltig und menschengerecht zu gestalten. Es ist erschreckend, wie unkritisch fortschrittsgläubig gerade die Lobbyisten in "konservativen" Parteien waren und sind.

Immer noch wird bei öffentlichen Planungen und Bauten hauptsächlich auf die aktuellen Baukosten und viel zu wenig auf Langlebigkeit und die künftig anfallenden Reparaturen geachtet. Ob es langfristig kostengünstig ist, bei öffentlichen Ausschreibungen den billigsten Anbieter nehmen zu müssen, bezweifle ich nach meiner langen Tätigkeit als Kreisrat immer stärker.

Neue, öffentliche Gebäude sollten funktional, schön, energiesparend, ressourcenschonend und dauerhaft-langlebig gebaut werden. Der Staat, der Kreis und die Stadt haben nicht genug Geld, um sich billiges Bauen leisten zu können.


Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein, Kreisrat, (alt-)BUND-Geschäftsführer


Axel Mayer (Alt-) Kreisrat


Kreistag im Landkreis Emmendingen: Ein kleiner, auszugsweiser Überblick über 32 Jahre Tätigkeit von Kreisrat Axel Mayer im Kreistag im Landkreis Emmendingen


Immer wieder gehe und fahre ich
durch diesen, an vielen Stellen immer noch schönen Landkreis Emmendingen. Ich kenne die sanften Kuppen des Kaiserstuhls, die steilen Wege auf unseren Hausberg, den Kandel, den Rheinwalddschungel des Wyhler Waldes. Die Dörfer, Städte und Gemeinden im Breisgau, insbesondere Teningen, Riegel und Endingen, sind meine Heimat. Ich vermisse die verloren gehende Stimme der ins Blau aufsteigenden Lerche. Immer öfter sehe ich auch neue Wunden, neue Schneisen der Zerstörung, Heimatverlust, Naturverlust, Kulturverlust, Artensterben, Bauernsterben, Dorfwirtschaftssterben, Verlust an Vielfalt … Aktuell leidet der Wald (nicht nur) im Landkreis unter einem extremen Waldsterben und der zunehmende Egoismus der Ichlinge zeigt sich in der Vermüllung der Landschaft und in der Verlärmung unserer Schwarzwaldtäler und Gemeinden.

Entlang der Bundesstraße 3 entsteht ein durchgängig-hässlicher Siedlungsbrei. Zwischen Offenburg und Freiburg gibt es noch einen minimalen Freiraum von 17,7 km und bandartig-hässliche Siedlungsstrukturen von 50,3 km. Hochstammbäume, Hecken, Insekten, Vögel und bezaubernde landschaftliche Vielfalt werden immer schneller dem (Alb-)Traum der großen globalen Agrarfabrik und der Globalisierung geopfert. Der Verkehrslärm im Transit-Landkreis Emmendingen nimmt zu. Das "Autobahnkreuz" an der B3 bei Denzlingen ist eines von vielen Beispielen für einen rückwärtsgewandten, zerstörerischen Fortschrittsglauben. Zerstörung bedeutet immer auch Kulturverlust und Innenweltverschmutzung. Heimat zerrinnt zwischen den Fingern. Und ich wundere mich, warum niemand schreit.



Einige Anfragen und Themen von (Alt-) Kreisrat Axel Mayer im Kreistag Emmendingen


Es gibt investigativen Journalismus. Und es gibt auch den Versuch von investigativer Regionalpolitik. So eine Auflistung beschreibt allerdings nur die Rosinen im Teig der manchmal mühsamen Kreistagsarbeit



  • Reden von Axel Mayer
  • Ein politischer & persönlicher Lebenslauf von Axel Mayer


Kreistag Emmendingen im Landkreis Emmendingen




Dank
Ohne das gute, bunt gemischte, kreative Team der GRÜNEN Kreistagsfraktion im Landkreis Emmendingen wäre diese Arbeit nicht möglich und nicht erträglich. Mein Dank geht aber auch an das verstorbene, ehemalige Mitglied des Bundestages Hans-Christian Ströbele. Seine Arbeit und sein unabhängiger, freier Geist hat mir manchmal geholfen, die GRÜNE Partei zu ertragen.





Kreistag der Gemeinden im Landkreis Emmendingen:
Bahlingen, Biederbach, Denzlingen, Elzach, Emmendingen, Endingen, Forchheim, Freiamt, Gutach, Herbolzheim, Kenzingen, Malterdingen, Reute, Rheinhausen, Riegel, Sasbach, Sexau, Simonswald, Teningen, Vörstetten, Waldkirch, Weisweil, Winden, Wyhl