2024 / Kreisrat Axel Mayer: Rückblick auf 32 Jahre Kreistag im Landkreis Emmendingen


Veröffentlicht am 11.06.2024

Kreisrat Axel Mayer: Rückblick auf 32 Jahre Kreistag im Landkreis Emmendingen


(Dieser Text entsteht gerade und ist noch eine Baustelle)

Vorwort: Ich bin/war seit 1992 Kreisrat


  • 1992 lag die CO₂-Konzentration in der Atmosphäre bei 356 ppm. 2023 lag sie bei 419 ppm.
  • 1992 lag das deutsche Bruttosozialprodukt bei 1702 Milliarden Euro, 2023 bei 4121 Milliarden Euro. Der zunehmende Güterwohlstand hat uns Menschen nicht besser & glücklicher gemacht.
  • Der demokratiegefährdende Unterschied zwischen Arm und Reich ist massiv gewachsen.
  • Als ich mein Amt antrat, behaupteten die vier großen deutschen Energieversorger und Atomkonzerne in einer Anzeige in der Zeit: „Regenerative Energien wie Sonne, Wasser oder Wind können auch langfristig nicht mehr als 4 % unseres Strombedarfs decken“. Im Jahr 2023, 30 Jahre nach dieser Anzeige, hatten die erneuerbaren Energien einen Anteil von 59,7 Prozent an der Nettostromerzeugung erreicht.


Nein, ich bin bei den Kreistagswahlen 2024 nicht mehr angetreten.
Seit 1992, also 32 Jahre lang, habe ich den Nördlichen Kaiserstuhl im Kreistag vertreten. Joe Biden und der Papst sind in Sachen Lebensarbeitszeit keine Vorbilder für mich.

Ich habe mich im Emmendinger Kreistag für den Kaiserstuhl, für Mensch, Natur, Umwelt, Heimat, Demokratie, Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit engagiert.
Es gibt investigativen Journalismus. Und ich habe mit vielen Anfragen versucht, investigative Regionalpolitik zu betreiben.

Meinen größten Ärger hatte ich erstaunlicherweise bei einem putzigen Nebenthema, bei den gar nicht so "dummen Kindern" aus Biederbach. Ich hatte darauf hingewiesen, dass im langjährigen Mittel nur 3,1 % der Biederbacher SchülerInnen der direkte Übergang ans Gymnasium ermöglicht wurde. Selten habe ich für eine wichtige und richtige Anfrage so viel "Prügel" im Kreistag Emmendingen eingesteckt.

Was mich erstaunt: Ich habe in den vielen GRÜNEN Kreistagsfraktionen der letzten drei Jahrzehnte, trotz mancher unterschiedlichen Positionen, nie einen richtigen Streit erlebt.

Mehr Frauen würden dem Kreistag guttun (obwohl die GRÜNEN zumeist den höchsten Frauenanteil hatten).
Der Frauenanteil lag 2024 bei mageren 21 %, obwohl im Landkreis Emmendingen mit seinen 167.000 EinwohnerInnen 51 % Frauen leben. Von einer paritätischen Besetzung des Gremiums sind wir immer noch weit entfernt. Bei CDU und AfD liegt der Frauenanteil in den Fraktionen bei null.

Kreistagsarbeit lohnt sich, auch für die Menschen.
Hier ein wichtiges, lange vergessenes Beispiel:

Vor vielen Jahrzehnten hatte das Planungsbüro AEW-Plan (eng verbunden mit Firmen, die Müll-Öfen bauen) den beiden Kreisen Emmendingen und Ortenau den Bau eines Müll-Ofens für 360.000 Jahrestonnen empfohlen. Kosten 500 Millionen Euro. Die GRÜNEN, der BUND und einige Bürgerinitiativen wehrten sich gegen die überzogenen Verbrennungspläne. In den letzten Jahren lieferten die Menschen in beiden Landkreisen statt der geplanten 360.000 Jahrestonnen real aber nur noch 100.000 Tonnen Müll bei der Deponie Kahlenberg an. Mithilfe des ZAK-Verfahrens, einer Biologisch-Mechanischen-Abfallbehandlungsanlage, konnte der brennbare Müllrest massiv reduziert werden. Das ZAK-Verfahren ist ein ökologischer und ein ökonomischer Erfolg. Unser altes Nein zur Verbrennung hat den technischen Fortschritt beschleunigt und die Kosten gesenkt.


Kreistagsarbeit im Landkreis Emmendingen ist auch politisch spannend. Es wird mitgedacht, zugehört und manchmal gibt tatsächlich wechselnde Mehrheiten über die Fraktionen hinweg, auch wenn die größte Fraktion, die überparteiliche Bürgermeisterfraktion sehr stark ist.

In den beiden großen Krisen, die ich im Kreis erlebt habe (2015 Flüchtlingskrise / 2020 Corona) hat die Kreisverwaltung beeindruckend schnell, flexibel und konstruktiv reagiert. Die Menschen in den Ämtern haben ihr Ermessen klug und weit ausgelegt. Im weltweiten Vergleich sind wir mit unserer deutschen Bürokratie (bei aller notwendigen Detailkritik) ziemlich gut aufgestellt.

Ich selber gehe nach 30 Jahren beim BUND und 32 Jahren in der Kreistagsfraktion wieder dorthin zurück, wo ich hergekommen bin. In diesen schwierigen Zeiten der Demokratiegefährdung, der wachsenden sozialen Ungleichheit, der Klimakatastrophe und der Artenausrottung engagiere ich mich wieder verstärkt in den sozialen Bewegungen, in der Mitwelt Stiftung Oberrhein und der Umweltbewegung.

Axel Mayer, Endingen
Hier noch ein "Zeugnis" meiner Arbeit: Herr Mayer hat sich stets bemüht

Nachtrag & Wunsch an die folgenden Damen & Herren Kreisräte


Wenn das letzte große Freiburger Baugebiet Dietenbach bebaut ist, ist Freiburg "voll". Dann wird sich die Entwicklung Freiburgs noch stärker und verheerender als bisher in den Landkreisen
Emmendingen und Breisgau-Hochschwarzwald abspielen. Schon jetzt sind entlang der Vorbergzone und in den Schwarzwaldtälern die Tendenzen zur Verbreiung und Verscheußlichung massiv.
Eine zentrale Aufgabe der Zukunft wird es sein, die Stadt und die beiden Kreise als planerische und raumordnerische Einheit auf Augenhöhe zu sehen. Lokalpatriotismus und Kantönlisgeist müssen überwunden werden, um weitere Fehlentwicklungen zu verhindern.



Kreistag im Landkreis Emmendingen: Ein kleiner, auszugsweiser Überblick über 32 Jahre Tätigkeit von Kreisrat Axel Mayer im Kreistag im Landkreis Emmendingen


Immer wieder gehe und fahre ich
durch diesen, an vielen Stellen immer noch schönen Landkreis Emmendingen. Ich kenne die sanften Kuppen des Kaiserstuhls, die steilen Wege auf unseren Hausberg, den Kandel, den Rheinwalddschungel des Wyhler Waldes. Die Dörfer, Städte und Gemeinden im Breisgau, insbesondere Teningen, Riegel und Endingen, sind meine Heimat. Ich vermisse die verloren gehende Stimme der ins Blau aufsteigenden Lerche. Immer öfter sehe ich auch neue Wunden, neue Schneisen der Zerstörung, Heimatverlust, Naturverlust, Kulturverlust, Artensterben, Bauernsterben, Dorfwirtschaftssterben, Verlust an Vielfalt … Aktuell leidet der Wald (nicht nur) im Landkreis unter einem extremen Waldsterben und der zunehmende Egoismus der Ichlinge zeigt sich in der Vermüllung der Landschaft und in der Verlärmung unserer Schwarzwaldtäler und Gemeinden.

Entlang der Bundesstraße 3 entsteht ein durchgängig-hässlicher Siedlungsbrei. Zwischen Offenburg und Freiburg gibt es noch einen minimalen Freiraum von 17,7 km und bandartig-hässliche Siedlungsstrukturen von 50,3 km. Hochstammbäume, Hecken, Insekten, Vögel und bezaubernde landschaftliche Vielfalt werden immer schneller dem (Alb-)Traum der großen globalen Agrarfabrik und der Globalisierung geopfert. Der Verkehrslärm im Transit-Landkreis Emmendingen nimmt zu. Das "Autobahnkreuz" an der B3 bei Denzlingen ist eines von vielen Beispielen für einen rückwärtsgewandten, zerstörerischen Fortschrittsglauben. Zerstörung bedeutet immer auch Kulturverlust und Innenweltverschmutzung. Heimat zerrinnt zwischen den Fingern. Und ich wundere mich, warum niemand schreit.



Einige Anfragen und Themen von Kreisrat Axel Mayer im Kreistag Emmendingen


Es gibt investigativen Journalismus. Und es gibt auch den Versuch von investigativer Regionalpolitik. So eine Auflistung beschreibt allerdings nur die Rosinen im Teig der manchmal mühsamen Kreistagsarbeit



  • Reden von Axel Mayer
  • Ein politischer & persönlicher Lebenslauf von Axel Mayer


Kreistag Emmendingen im Landkreis Emmendingen




Dank
Ohne das gute, bunt gemischte, kreative Team der GRÜNEN Kreistagsfraktion im Landkreis Emmendingen wäre diese Arbeit nicht möglich und nicht erträglich. Mein Dank geht aber auch an das verstorbene, ehemalige Mitglied des Bundestages Hans-Christian Ströbele. Seine Arbeit und sein unabhängiger, freier Geist hat mir manchmal geholfen, die GRÜNE Partei zu ertragen.





Kreistag der Gemeinden im Landkreis Emmendingen:
Bahlingen, Biederbach, Denzlingen, Elzach, Emmendingen, Endingen, Forchheim, Freiamt, Gutach, Herbolzheim, Kenzingen, Malterdingen, Reute, Rheinhausen, Riegel, Sasbach, Sexau, Simonswald, Teningen, Vörstetten, Waldkirch, Weisweil, Winden, Wyhl