Kosten Afghanistan Krieg 25 Jahre nach Kriegsbeginn: 17,3 oder 47 Milliarden Euro? Wie viel hat der Afghanistan-Krieg gekostet?
Veröffentlicht am 27.09.2026 in der Kategorie Krieg und Frieden von Axel Mayer

Kosten Afghanistan Krieg 25 Jahre nach Kriegsbeginn: 17,3 oder 47 Milliarden Euro? Wie viel hat der Afghanistan-Krieg gekostet?
Der US-geführte Angriff auf Afghanistan begann am 7. Oktober 2001. Auch 25 Jahre nach dem verlorenen Krieg in Afghanistan gibt es keinerlei öffentliches und veröffentlichtes Interesse, ob uns in Deutschland der Krieg in Afghanistan 17,3 (Regierung) oder bis zu 47 Milliarden Euro (DIW und ZDF) gekostet hat. Auch der von mir 2021 angefragte Bundesrechnungshof (unten) weiß keine Antwort zum Unterschied von 30 Milliarden.
Alleine die deutschen Kriegskosten (siehe unten) belaufen sich auf 17,3 oder 47 Milliarden Euro. Eine Differenz von 30 Milliarden ... Genau wissen will das erschreckenderweise niemand in Deutschland.
Viele Milliarden Dollar an Entwicklungs- und Aufbauhilfe sind in Afghanistan an korrupte Politiker, Warlords aber auch wieder zurück in den Westen geflossen.
Laut dem "Costs of War Project" der Brown University hat der gesamte „Krieg gegen den Terror“, bei dem der Afghanistankrieg nur ein Teil war, seit dem Jahr 2001 schätzungsweise über 940.000 direkte Todesopfer und insgesamt bis zu 4,7 Millionen Tote gefordert.Auch die Frage nach den Menschen und Konzernen, die an diesem stark privatisierten Krieg viel Geld verdient haben, wird kaum gestellt.
20 teure afghanische Kriegsjahre lang wurde uns erzählt, die Menschen in diesem geschundenen Land stünden mehrheitlich hinter der den westlichen Besatzungstruppen und der von uns eingesetzten korrupten Regierung Karzai. Dann wurden unsere hochgerüsteten westlichen Armeen in wenigen Tagen verjagt. Afghanistan ist unser deutsches Vietnam. Heute wird uns erzählt, die NATO sei unterrüstet.
Eines der erstaunlichsten Phänome dieses Krieges war und ist das geringe öffentliche Interesse am Krieg, seinen Opfern, Folgen, Menschenrechtsverletzungen und an den den Kosten. Es gibt es bis heute keine allgemein akzeptierte Zahl für die tatsächlichen deutschen Gesamtkosten des Afghanistan-Krieges. 25 Jahre nach Kriegsbeginn wäre es Aufgabe der letzten Qualitätsmedien, der "vierten, kontrollierenden Gewalt", diese Kostenfrage gründlich zu recherchieren.
Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein
Sie finden hier:
- Die Anfrage an den Bundesrechnungshof aus dem Jahr 2021 und die Antwort
An den
Bundesrechnungshof
Herrn Präsident Kay Scheller
Adenauerallee 81
53113 Bonn
3.5.2021Kosten des Krieges in Afghanistan
Sehr geehrter Herr Präsident Kay Scheller,
ich wende mich an Sie und den Bundesrechnungshof mit einer sehr komplexen Frage:
Welche Kosten sind für mich und die anderen Steuerzahlenden durch den Krieg und die deutsche Kriegsbeteiligung in Afghanistan entstanden?
Spätestens am 11.9.2021 endet der verlorene Krieg in Afghanistan. Die Angaben zu den konkreten Kriegskosten in den deutschen Qualitätsmedien sind extrem unterschiedlich. Sie schwanken zwischen 12,5 Milliarden Euro in der Tagesschau und 47 Milliarden Euro in der ZDF-Dokumentation "Der Preis des Krieges“.
Da sind zuerst die menschlichen, schwer in Zahlen messbaren Kriegsopfer und das unglaubliche Leid, das ein Krieg über die Menschen bringt.
Die konkreten finanziellen Aufwendungen sind zwar messbar, aber auch geschickt interpretierbar.
- Sind die Kriegskosten nur die Gelder für Soldatengehälter, Kriegsgerät, Munition, Transport- und Logistikkosten?
- Oder zählen zu den Kriegskosten auch die Hinterbliebenenrenten, die Kosten für den temporären zivilen Aufbau, die Zahlungen an mörderische Warlords, das unglaublich viel "versickerte" Geld, das Afghanistan zu einem der korruptesten Länder der Welt gemacht hat?
Ich würde gerne wissen, was uns dieser verlorene Krieg in seiner Gesamtheit gekostet hat, bin mir aber auch im Klaren darüber, dass in einer Zeit massiver deutscher Aufrüstung kein großes Regierungsinteresse besteht, diese Zahlen objektiv zu benennen.
Nach einer Analyse des Watson Institute of International and Public Affairs der Brown Universität haben die US-Kriege in Afghanistan, Irak, Syrien und Pakistan den US-Steuerzahler seit ihrem Beginn im Jahr 2001 insgesamt 6,4 Billionen Dollar gekostet.
(Eine Billion sind tausend Milliarden, eine Milliarde sind tausend Millionen...)
Da erscheinen die rund 12,5 Milliarden Euro deutscher Kriegskosten, welche die Bundesregierung zugibt, doch "erstaunlich" günstig.Zitate aus Qualitätsmedien zu den Kriegskosten in Afghanistan:
- Die deutschen Steuerzahler haben für die Beteiligung der Bundeswehr an dem internationalen Militäreinsatz in Afghanistan bislang rund 12,5 Milliarden Euro aufgewendet. Das bestätigte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums dem ARD-Hauptstadtstudio.
Tagesschau, 17.04.2021 https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/verteidigung-kosten-101.html- Das deutsche Engagement in Afghanistan inklusive des Bundeswehr-Einsatzes hat seit 2001 rund 16,4 Milliarden Euro gekostet.
Hannoversche Allgemeine, 18.04.2019 https://www.haz.de/Nachrichten/Politik/Deutschland-Welt/So-viel-hat-das-deutsche-Afghanistan-Engagement-bislang-gekostet- "Der deutsche Afghanistan-Einsatz ist wahrscheinlich teurer als von der Regierung angegeben. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung schätzt die Ausgaben auf bis zu 47 Milliarden Euro. (...) Selbst im Falle eines frühzeitigen Abzugs schon im Jahr 2011 würde der Einsatz insgesamt zwischen 18 und 33 Milliarden Euro kosten, ermittelte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), in Berlin auf der Basis vorläufiger Schätzungen, schon im Jahr 2010. Jedes weitere Jahr koste etwa drei Milliarden Euro, obwohl das Budget im Bundeshaushalt dafür nur rund ein Drittel davon betrage.
Bleibe die Bundeswehr noch einige Jahre in dem Land am Hindukusch, dann sei sogar von Gesamtkosten zwischen 26 und 47 Milliarden Euro auszugehen."Die Welt, 26.05.2010 https://www.welt.de/politik/deutschland/article7793359/Afghanistan-Einsatz-kostet-bis-zu-47-Milliarden-Euro.html- Nach Berechnungen der Berliner Forscher, die manager magazin exklusiv in seiner am Freitag (21. Mai ) erscheinenden Juni-Ausgabe veröffentlicht, kostet die Fortsetzung des Bundeswehr-Einsatzes in Afghanistan Deutschland rund drei Milliarden Euro pro Jahr. Dieser Betrag steht in deutlichem Gegensatz zu den Angaben des Bundesverteidigungsministeriums, das die deutschen Einsatzkosten in Afghanistan für das laufende Jahr auf gut eine Milliarde Euro beziffert.
Manager Magazin, 20.05.2010 https://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/a-695419.html- Die aktuelle ZDF-Dokumentation "Der Preis des Krieges: Afghanistan" nennt die Zahl von 47 Milliarden Euro
ZDF, 23.12.2020 https://www.zdf.de/dokumentation/zdfinfo-doku/der-preis-des-krieges--afghanistan-100.html
Die Medien haben die sehr unterschiedlichen Angaben zu den Kosten des Krieges nicht erfunden, sondern sie zitieren unterschiedliche Quellen. Vorzuwerfen ist ihnen das erschreckend geringe Interesse an einer Analyse der Quellen.
Angesichts dieser extrem unterschiedlichen Angaben liegt meine Hoffnung auf eine objektive Antwort auf meine Frage nach den Kriegskosten beim Bundesrechnungshof.
Ich denke, dass nicht nur ich ein Interesse an der Beantwortung dieser Fragen habe.
Mit freundlichen Grüßen
Axel Mayer, Kreisrat
Bundesrechnungshof • Postfach 12 06 03 • 53048 Bonn
(Erstmals veröffentlicht am 12.7.2021)
Herrn
Kreisrat Axel Mayer
Venusberg 4
79346 Endingen
Ausschließlich per E-Mail
Bonn, den 19. Mai 2021
Unser Zeichen, unsere Nachricht vom
IV 1 - 05 20 35 - 6993/2021
Ihr Schreiben vom 3. Mai 2021
Sehr geehrter Herr Mayer,
für Ihr Schreiben vom 3. Mai 2021, in dem Sie die Frage der Kosten des Einsatzes der Bundeswehr in Afghanistan ansprechen, bedanke ich mich.
Der Bundesrechnungshof prüft die Wirtschaftlichkeit und die Ordnungsmäßigkeit der Haushalts- und Wirtschaftsführung des Bundes. Prüfungserkenntnisse zu den Gesamtkosten des
deutschen Engagements in Afghanistan hat der Bundesrechnunghof nicht.
Wie Sie in Ihrem Schreiben zutreffend feststellen, ist die Ermittlung der Kosten des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan seit seinem Beginn im Jahr 2001 komplex. Eine allgemeingültige
Definition von „Einsatzkosten“ besteht nicht. Die Kosten sind abhängig von der Bewertung, welche Ausgaben aus dem Bundeshaushalt der Afghanistan-Einsatz unmittelbar oder auch nur mittelbar verursacht hat. Sie nennen in Ihrem Schreiben einige Beispiele für Positionen, die bei der Ermittlung herangezogen werden können. Betrachtet man nicht nur die Einsatzkosten, sondern die Kosten des deutschen Engagements in Afghanistan, kommen zu den Ausgaben, die aus dem Verteidigungshaushalt geleistet werden, weitere Ausgaben aus anderen Bereichen des Bundeshaushalts hinzu, wie dem Haushalt des Auswärtigen Amtes, des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat oder des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung.
Der von Ihnen zitierte WELT-Artikel bezieht sich auf das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Er zählt neben der Ausbildung und den Bezügen der Soldatinnen
und Soldaten sowie für die Polizeimission unter anderem auch die Wertminderung des Materials zu den Einsatzkosten.
Vor diesem Hintergrund kann ich Ihnen keine allgemein akzeptierte Zahl zu den Kosten des Afghanistan-Einsatzes nennen. Die Ausgaben für Auslandseinsätze sind in jedem Jahr Gegenstand der Verhandlungen über den Bundeshaushalt. Der Bundesrechnungshof unterstützt die politischen Entscheidungsträger in diesem Verfahren mit den Erkenntnissen aus seinen Prüfungen der Haushalts- und Wirtschaftsführung des Bundes. Er trägt hierdurch zu einem wirtschaftlichen Einsatz der Haushaltsmittel bei.
Für Ihr Interesse an der Kontrolle der öffentlichen Finanzen danke ich Ihnen.
Mit freundlichen Grüßen
Dilger

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- 3) Im Zweifel, gerade in Kriegszeiten, ist die -Allgemeine Erklärung der Menschenrechte- immer noch eine gute Quelle zur Orientierung.
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