Kosten, Opfer & Fragen: Afghanistan-Krieg


Veröffentlicht am 06.06.2020

Kosten & Opfer: Afghanistan Krieg


Die aktuellen Verhandlungen zwischen den USA und den Taliban zeigen, dass der von Anfang an nicht gewinnbare Afghanistan-Krieg endgültig verloren ist. Amerika und seine Hilfstruppen verlassen das geschundene Land und nichts ist gewonnen. Nach mehr als 17 Jahren blutiger Kämpfe räumen die USA das Feld für jene Islamisten, gegen die sie einst in den Krieg zogen. Schon vor der amerikanischen Kapitulation ist Afghanistan eines der korruptesten Länder der Welt in dem Menschenrechtsverletzungen (nicht nur der Taliban!) an der Tagesordnung sind.

Auf der Seite Afghanistan-Krieg beschäftige ich mich seit Kriegsbeginn kritisch mit diesem, auch deutschen Krieg, den wir alle so unglaublich gut verdrängt haben. Wir führen seit fast 20 Jahren Krieg, aber keiner merkt´s.

Erstaunlich und erschreckend ist die perfekte Verdrängung des Krieges in den Köpfen und den Medien und noch erschreckender ist das Fehlen an Informationen zu Kosten und Opfern.

* Warum sind die Zahlen von Kosten und Opfern des Afghanistan-Kriegs bei Wikipedia so schrecklich unaktuell?
* Warum ergibt eine Medien-Recherche bei Google so wenig Medieninteresse an diesem wichtigen Thema?
* Warum sind die Medien-Angaben zu den Kriegskosten so extrem unterschiedlich und unterscheiden sich teilweise um tausende von Millionen Euro und Dollar?

Ich beginne am 10.4.20 mit der Recherche. Noch ist diese Seite eine unvollständige Textbaustelle

Wichtig:


Der Mangel an Empörung ergibt sich auch aus der Tatsache, dass wir uns unter "einer Million" noch etwas vorstellen können. Milliarden und 3- bis 6 Billionen Dollar Kriegskosten übersteigen unser Vorstellungsvermögen:
*Das Wort Milliarde steht für die 1.000.000.000. Eine Milliarde ist gleich tausend Millionen.
*Eine Billion ist tausend Mal größer als eine Milliarde und ist ein Eins mit 12 Nullen. Eine Billion sind also tausend Milliarden, d.h. eine Million Millionen.

Arbeitsthese:
Mit dem Geld, dass dieser Krieg gekostet hat, ließe sich für jede afghanische Familie ein "westliches" Einfamilienhaus bauen.

Gesamtkosten & Opferzahlen:


Der Berliner Tagesspiegel schrieb schon am 29.06.2011 von 3,2 Billionen Dollar Kriegskosten. "Die Schätzungen der Regierung von Präsident Barack Obama von rund einer Billion Dollar – eine Zahl mit zwölf Nullen – seien deutlich zu niedrig angesetzt, so das Ergebnis der am Mittwoch veröffentlichten Studie mit dem Namen „Costs of War“ (Kriegskosten) des Watson Instituts für Internationale Studien der Brown University (http://www.costsofwar.org). Die Rechnung für die Kriege belaufe sich schon jetzt auf mindestens 3,2 bis 4,0 Billionen Dollar (2,2 bis 2,8 Billionen Euro), Tendenz steigend, so das Ergebnis der Studie." (...)
"Die Experten – ein Team aus Ökonomen, Anthropologen, Politikwissenschaftlern, Rechtsexperten und Ärzten – befassten sich auch mit der Zahl der Kriegsopfer. Ihren Schätzungen zufolge kamen in diesen Kriegen mehr als 360 000 Menschen ums Leben, darunter 225 000 Soldaten und 137 000 Zivilisten. Fast acht Millionen wurden zudem vertrieben. " (Zitatende)
Auch bei diesem alten Bericht bleibt die Frage: Wie konnte sich die Obama-Regierung um über 2 Billionen Dollar verrechnen?

Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/kriegskosten-3-2-billionen-dollar/4339124.html

Deutsche Kosten & Opferzahlen


Die seriöse Quelle " Zeit Online" schrieb am 30. Januar 2019: "Mehr als 6000 Tage Krieg; zeitweilig mehr als 50 beteiligte Nationen; bis zu 700 Militärbasen im Land; mehr als 150.000 Tote auf allen Seiten; 25.000 bei der Anti-Taliban-Allianz (davon 53 Bundeswehrsoldaten); in 17 Jahren 975 Milliarden US-Dollar Kriegskosten allein für das US-Kontingent (Deutschland: mehr als 10 Milliarden Euro). " (Zitatende)

Eine parlamentarische Anfrage sprach kurz danach von 16,4 Milliarden Euro deutschen Kosten und auch die Angaben zu den "975 Milliarden US-Dollar Kriegskosten allein für das US-Kontingent" erscheinen sehr niedrig.

Quelle: https://www.zeit.de/2019/06/afghanistan-usa-taliban-abkommen-verhandlung-krieg

"Der deutsche Afghanistan-Einsatz ist wahrscheinlich teurer als von der Regierung angegeben. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung schätzt die Ausgaben auf bis zu 47 Milliarden Euro. (...) Selbst im Falle eines frühzeitigen Abzugs schon im Jahr 2011 würde der Einsatz insgesamt zwischen 18 und 33 Milliarden Euro kosten, ermittelte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), in Berlin auf der Basis vorläufiger Schätzungen, schon im Jahr 2010. Jedes weitere Jahr koste etwa drei Milliarden Euro, obwohl das Budget im Bundeshaushalt dafür nur rund ein Drittel davon betrage.
Bleibe die Bundeswehr noch einige Jahre in dem Land am Hindukusch, dann sei sogar von Gesamtkosten zwischen 26 und 47 Milliarden Euro auszugehen."
Quelle: Die Welt https://www.welt.de/politik/deutschland/article7793359/Afghanistan-Einsatz-kostet-bis-zu-47-Milliarden-Euro.html
10 Jahre nach dieser Studie müssten wir also "irgendwo über 60 Milliarden liegen". Das unterscheidet sich doch stark von den aktuellen Antworten der Bundesregierung auf parlamentarische Anfragen. Was stimmt? Und warum haben die Medien kein Interesse an der seriösen Recherche dieses spannenden Themas?


Auf eine spannende Informationsquelle verweist ausgerechnet das Bundeswehrjournal vom 25.11.2017:
"Langzeitprojekt „Costs of War“ des Watson Instituts
Ein neuer Bericht des Instituts erschien jetzt vor wenigen Tagen. Neta Crawford, Professorin für Politikwissenschaft an der Bostoner Universität und Leiterin des Projekts, fasst zusammen: „Die US-Kriege im Irak, in Syrien, Afghanistan und Pakistan sowie die erhöhten Ausgaben für den Staat beziehungsweise für die Ministerien für Verteidigung, Innere Sicherheit und Kriegsveteranentum haben seit den Anschlägen vom 11. September 2001 bis hin zum Fiskaljahr 2017 mehr als 4,3 Billionen Dollar gekostet.“ Damit nicht genug. Die Wissenschaftlerin ergänzt: „Addiert man die wahrscheinlichen Kosten für das Fiskaljahr 2018 und die geschätzten zukünftigen Verpflichtungen für die Veteranenpflege hinzu, werden die ,Kosten des Krieges‘ die wohl exorbitante Höhe von mehr als 5,6 Billionen Dollar erreichen.“

Der „durchschnittliche amerikanische Steuerzahler“ habe seit 2001 insgesamt 23.386 Dollar für die Kriege der Vereinigten Staaten aufgebracht, veranschaulicht Crawford. Sie warnte vor einer verengten Sichtweise: „Kriegskosten sind weit mehr als das, was wir in einem Jahr für das sogenannte ,spitze Ende des Speers‘ ausgeben. Hinter der Speerspitze lauern noch eine Menge anderer Kosten – wenn wir den Speer benutzen, müssen wir also mit massiven Konsequenzen rechnen.“ (Zitatende)
Quelle: http://www.bundeswehr-journal.de/2017/exorbitante-kriegskosten-muehlstein-am-hals-der-nation/

Gehen wir also zum Watson Institute for International and Public Affairs der amerkanischen Brown University
Hier geht es allerdings nicht nur um die Kosten & Opfer des Afghanistan Krieges sondern um "alle" amerikanischen Kriege "gegen den Terror" der letzten 20 Jahre.
Die USA haben seit 2001 insgesamt 6,4 Billionen Dollar für die Kriege im Nahen Osten und Asien ausgegeben: 6'400'000'000'000 USD. Laut Analyse des Watson Institute of International and Public Affairs der Brown Universität haben die US-Kriege in Afghanistan, Irak, Syrien und Pakistan den US-Steuerzahler seit ihrem Beginn im Jahr 2001 insgesamt 6,4 Billionen Dollar gekostet – in amerikanischer Zahlensprache «6,4 Trillion Dollar».

Summary
* Over 801,000 people have died due to direct war violence, and several times as many indirectly
* Over 335,000 civilians have been killed as a result of the fighting
* 21 million — the number of war refugees and displaced persons
* The US federal price tag for the post-9/11 wars is over $6.4 trillion dollars (Eine amerikanische trillion entspricht der deutschen Billion)
* The US government is conducting counterterror activities in 80 countries
* The wars have been accompanied by violations of human rights and civil liberties, in the US and abroad

Quelle: https://watson.brown.edu/costsofwar/

Meine Arbeitsthese "Mit dem Geld, dass dieser Krieg gekostet hat, ließe sich für jede afghanische Familie ein "westliches" Einfamilienhaus bauen." entspricht so ziemlich der Realität.
Wer genauere, aktuelle, belegbare Zahlen zum Afghanistan Krieg hat, möchte mich bitte informieren mitwelt.stiftung (at) gmx.net


Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein


Hier finden Sie eine umfassende Übersicht und eine Vielzahl von Beiträgen: Krieg und Frieden auf Mitwelt.org (Iran, Afghanistan, Irak, Syrien, Aufrüstung...)


Aktuell & Wichtig:


US-Präsident und Rüstungslobbyist Donald Trump
will Deutschland mit dem Abzug von fast 11.800 Soldaten "bestrafen", weil wir zu wenig Geld für Rüstung ausgeben. Von den insgesamt ca. 35.000 Soldaten sollen 6.400 in die USA zurück verlegt werden, 5.400 werden innerhalb Europas verlegt.

Herr Trump soll endlich die amerikanischen Atomwaffen in Büchel mitnehmen und auch die militärische Infrastruktur, mit der von deutschem Boden aus weltweit Kriegsverbrechen begangen werden. Die aktuelle Debatte zu diesem Thema wird gerade von allen deutschen Parteien mit großer Unterwürfigkeit geführt. Wir Deutschen neigen einerseits zu entsetzlichem Nationalismus, andererseits aber auch zu peinlicher Unterwürfigkeit. Kluge, differenzierte Souveränität scheint es nicht zu geben. Fast 80 Jahre nach Kriegsende sollten die fremden Truppen endlich abziehen.

Massive Aufrüstung in Deutschland 2020 / Rüstungsausgaben NATO - Russland
Insgesamt lagen die Militärausgaben der 29 NATO-Mitgliedsstaaten 2019 bei etwa 1.035 Milliarden US-Dollar (circa 958 Milliarden Euro). Zum Vergleich: Russlands Ausgaben lagen im selben Jahr bei 65,1 Milliarden US-Dollar.
2019 gab es laut dem internationalen Friedensforschungsinstitut in Stockholm den höchsten Anstieg der weltweiten Militärausgaben seit 2010 auf weltweit 1.917 Milliarden US-Dollar. Das sind sind 2,2 Prozent des globalen Bruttosozialprodukts oder rund 2.400 Dollar pro Kopf der Erdbevölkerung. Mit einer Steigerungsrate der Militärausgaben von über 10 Prozent gegenüber 2018 ist Deutschland der aktuelle Aufrüstungsweltmeister.
Die Rüstungsausgaben der Bundesrepublik stiegen unter den größten 15 Rüstungsnationen weltweit innerhalb der Jahresfrist am meisten: Von 2018 bis 2019 um rund zehn Prozent auf 49,3 Milliarden Dollar.
Mit den zusätzlichen Rüstungskosten in einem einzigen Jahr ließe sich die Grundrente fast drei Jahre finanzieren. Aber für die Grundrente ist "kein Geld" da, sagen Konservative & Liberale.
Mehr Infos: Aufrüstung







Mitwelt-Warnungen 2020 & Hinweise zu diesen Seiten...


  • 1) Diese Internetseiten der Mitwelt Stiftung Oberrhein sind "altmodisch-textorientiert" und manchmal lang. Wir bieten keine modischen Infohäppchen, sondern wenden uns an die kleine Minderheit, die noch in der Lage ist längere Texte zu lesen und zu erfassen.
  • 2) Wenn Sie hier "Die Wahrheit" suchen, werden Sie sie nicht finden. Es gibt sie nicht, "Die Wahrheit", sondern immer nur Annäherungen daran, Wahrheitsfragmente. Es wird Ihnen nichts übrigbleiben, als sich mit den "anderen Wahrheiten" auseinander zu setzen, um zu einer eigenen Meinung zu kommen. Verlassen Sie auch einmal den engen "Echoraum" der eigenen Meinung im Internet. Misstrauen Sie Wahrheitsverkündern. Haben Sie Mut Ihren eigenen Verstand zu gebrauchen.
  • 3) Im Zweifel ist die -Allgemeine Erklärung der Menschenrechte- immer noch eine gute Quelle zur Orientierung.
  • Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein


Getragen von der Hoffnung auf das vor uns liegende Zeitalter der Aufklärung (das nicht kommen wird wie die Morgenröte nach durchschlafner Nacht)