Ökologische Flutungen und Integriertes Rheinprogramm IRP: Naturschutz & Hochwasserschutz & lokale Ängste


Veröffentlicht am 15.09.2025 in der Kategorie Wasser von Axel Mayer

Ökologische Flutungen und Integriertes Rheinprogramm IRP: Naturschutz & Hochwasserschutz & lokale Ängste


Aktueller Einschub:
Das Landratsamt Emmendingen hat im September 2025 "Grünes Licht für den seit vielen Jahren umstrittenen Polder Wyhl/Weisweil" gegeben, meldet die Badische Zeitung.
Jetzt wachsen Ängste und Zorn in einer Bevölkerung, die viele Jahrzehnte lang nur sehr einseitig und parteiisch informiert wurde.

Die klimabedingt immer stärker werdenden Extremwetterereignisse und Hochwasserkatastrophen der letzten Jahre zeigen, wie wichtig der Hochwasserschutz und die Renaturierung unserer Bäche und Flüsse, ist. Zumindest ein kleiner Teil des Hochwassers wurde durch schon bestehende Maßnahmen zurückgehalten und gebremst.

Es ist einfacher, einen Fluss und Natur zu zerstören, als die alten Fehler zu reparieren.


Eines der Hauptkonfliktfelder des Integrierten Rheinprogramms sind die Ökologischen Flutungen, ein zentraler Naturschutz-Aspekt des IRP. Die ökologisch beste Lösung wären die Dammrückverlegung und ungeregelte Flutungen ohne Einlass- und Auslassbauwerke. Im Bereich Wyhl-Weisweil ist diese optimale Lösung aus topografischen Gründen leider nicht realisierbar.

Ökologische Flutungen sind ein Kompromiss. Während die Experten von Alsace Nature, BUND, NABU, AK Wasser und die Fachleute des Aueninstituts diese Ausgleichsmaßnahmen als Kompromiss einhellig begrüßen, wird entlang des Rheins seit Jahrzehnten massiv Stimmung dagegen gemacht. Kiesindustrie & die Paten der Kiesindustrie in der Politik, Jogger, Landwirte, Sportvereine und andere Nutzer der Auen verstecken ihre Interessen hinter vorgeschobenen ökologischen Argumenten. Wir erleben es zurzeit immer öfter, dass Einzelpersonen, Naturnutzer und Gruppen in den großen Topf der Ökologie hineingreifen, sich eine einzelne Art herausholen und darauf ihre Argumentation aufbauen. Doch Ökologie ist mehr, Ökologie ist immer auch die Lehre von den Zusammenhängen. In einigen Gebieten am Rhein hat sich aus der Wechselwirkung zwischen örtlichen Bürgerinitiativen und Medien eine "lokale Insel-Wahrheit", ein undurchdringlicher "Echoraum" der eigenen Meinung herausgebildet.


Seit 1982(!)
begleiten der BUND und die großen Naturschutzverbände die Planungen zum IRP kritisch und konstruktiv. Lösungsansätze für die zunehmende Hochwassergefahr am Rhein werden seit über vier Jahrzehnten diskutiert und geplant, während gleichzeitig die Naturzerstörung und Gefährdung durch Hochwasser fortschreitet. Ein Ansatz, die Probleme ansatzweise in den Griff zu bekommen, ist das IRP - das "Integrierte Rheinprogramm". Ursprünglich atmete dieses Programm zur Hochwasserrückhaltung den technokratischen "Un"geist der sechziger Jahre. Die Fehlplanungen der Techniker und Ingenieure in der Vergangenheit sollten mit technischen Methoden und massiven Eingriffen in die Natur angegangen werden. Das bedeutete Planungen für gigantische, naturfeindliche, Rückhalteräume. Also Polder (Wasserrückhalteräume) mit großen Einstauhöhen und stehendem Wasser, technokratische, naturferne Lösungen mit viel Beton.

Unsere Kritik verbunden mit zunehmendem ökologischen Denken, nicht nur in der Verwaltung haben zu einer sanften aber nachhaltigen Veränderung und Verbesserung der ursprünglichen Pläne geführt. 13 Polder nördlich von Basel sollen Hochwasserrückhaltung mit Auenschutz, ja sogar mit Auenrenaturierung verbinden. Jetzt stehen, zumindest nach den offiziellen Planungen, Naturschutz und Hochwasserschutz gleichberechtigt nebeneinander. Das Abrücken der Behörden von den ursprünglichen technokratischen Plänen ist auch ein Erfolg der Naturschutzverbände. Ein Teilerfolg auch für die Menschen in den Gemeinden am Rhein.

Umso erschreckender ist der irrationale Zorn auf die Umwelt-Verbände, die diesen Fortschritt für Mensch und Umwelt erreicht haben. Zorn und Hass passen allerdings leider sehr gut in unsere verrückte Zeit.

Das Integrierte Rheinprogramm (IRP)
soll nicht nur dem Hochwasserschutz dienen, die Eingriffe müssen auch standortnah ausgeglichen werden. Der dringend notwendige Hochwasserschutz für die Menschen am Rhein soll mit großflächiger Auenrenaturierung verbunden werden und ist so eine kleine Chance für mehr Natur entlang des Rheins. Ein unerlässlicher Bestandteil zum Ausgleich der Eingriffe durch das IRP sind Ökologische Flutungen. Mit ihnen soll der dynamische Wechsel zwischen niedrigen und hohen Wasserständen in den ehemaligen Rheinauen zumindest ein Stück weit wieder hergestellt werden. Nur so können Flora und Fauna an kommende Hochwassersituationen angepasst werden. Doch seit einiger Zeit begleitet zunehmender Widerstand das Rheinprogramm und insbesondere die Ökologischen Flutungen. Überall, wo Polder geplant werden, und wo die Gemeinden viel zu nahe am Rhein Siedlungen gebaut haben, sind Bürgerinitiativen gegen die Planungen und vorwiegend gegen die Ökologischen Flutungen aktiv. Argumentiert wird "ökologisch". Doch die Angst vor nassen Kellern, vor Schnaken, Schlamm, “Unordnung“, vor temporären Einschränkungen beim Kiesabbau und vor Wildnis im Wald stehen im Hintergrund dieser Argumentation.

Über die Auswirkungen der Ökologischen Flutungen gibt es erschreckend viel Desinformationen:


  • Es heißt, Tigermücken würden sich in Restwasserlöchern und Pfützen im Polder massenhaft vermehren. Tatsächlich vermehrt sich die Tigermücke nicht draußen in der freien Natur, sondern in nicht abgedeckten Regentonnen in den Gärten der Hausbesitzer in Wyhl und Weisweil.
  • Beliebt in Leserbriefen und auf Facebook ist auch die Falschinformation, dass auf Grund der ÖF das Polderareal 60 Tage im Jahre von Anwohnern, Naherholungssuchenden und Touristen nicht mehr betreten werden kann. Im statistischen Durchschnitt wird es so sein, dass an 40 Tagen die ÖF weitgehend der Schlutenlösung gleichen werden, die von der BI und den Bürgermeistern gewünscht wird. Der Polder bleibt für alle Besucher offen. Nur an 20 Tagen im Jahr werden die Hochwasserstände im Rhein ausreichen, um das Polderareal flächig zu fluten. Aber auch dann wird es in aller Regel so sein, dass allenfalls die Hälfte des Polders unter Wasser stehen wird. Gleichwohl muss dann aus Sicherheitsgründen und zum Wohl der Tierwelt das Polderareal abgesperrt werden.
  • Viele Menschen rührt es das Herz, wenn sie auf Facebook KI-generierte Bilder sehen, wie sich ein Reh und sein Kitz auf einem winzig kleinen Hügel drängen, um den herum das Wasser im Polder ständig steigt. Der Vorwurf: Rehe, Wildschweine und Wildkatzen werden durch die ÖF jämmerlich ertrinken. Wie zuvor erläutert, wird diese Gefahr ohnehin nur an 20 Tagen im Jahr drohen. Und selbst hierfür haben die IRP-Planer Vorsorge getroffen. Es wird nicht nur Tierrettungshügel geben, sondern auch waldbestandene Fluchtwege über den Hochwasserdeich hinaus ins Binnenland. Das wird ein weiterer Grund sein, wegen dem das Polderareal für den "Publikumsverkehr" bei den wenigen hohen ÖF gesperrt wird: Die Tierwelt soll die Fluchtkorridore ungestört von neugierigen Menschen nutzen können. Apropos Tierrettungshügel: In unseren Rheinwäldern gab es früher viele viele Westwall-Bunker. Der BUND wehrte sich gegen die Entfernung dieser Bunker. Kostengünstig, mit ein wenig Erde zugeschüttet, wären sie nützliche Schutzinseln für das Wild bei Hochwasser gewesen.


Ordnung & Sauberkeit contra „wilde“ Natur
Bei vielen großen Konfliktthemen im Naturschutz am Oberrhein und im Schwarzwald schimmert immer wieder eine deutsche Urangst hervor. Es ist die große Angst vor Veränderung und Unordnung. Das beginnt im Kleinen, beim sauber auf- und ausgeräumten Garten, in dem kein Vogel mehr einen Brutplatz findet. Es geht weiter mit der auf- und ausgeräumten Kulturlandschaft, wo Hochstammbäume und Hecken in der Maissteppe nichts mehr zu suchen haben. Doch auch die großen Konflikte um den Nationalpark Nordschwarzwald oder um die Ökologischen Flutungen beim Integrierten Rheinprogramm sind von solchen Ängsten geprägt. Ein Wald, der sich „ungeplant und nicht von Menschen gesteuert“ verändert, eine neu entstandene Kiesbank nach einem Hochwasser im Taubergießen … Solche Veränderungen oder gar „Wildnis“ lösen tief sitzende Ängste aus.
Hier könnten die örtlichen Medien aufklären, doch häufig verstärken sie die geschickt geschürten Ängste vor Veränderung und Natur.

Dort, wo die ersten Polder schon realisiert sind
(zum Beispiel in Altenheim), sorgen leistungsstarke Pumpen dafür, dass das Grundwasser nicht steigt. Schäden bei heutigen Hochwässern sind "höhere Gewalt", das heißt, wenn entgegen allen Annahmen in Zukunft Schäden auftreten, dann müsste der Staat die Folgekosten tragen und nicht die Anwohner. Wirtschaftliche Interessen stecken leider auch häufig hinter den Widerständen. Die Kieswirtschaft und ihre Paten in der Politik befürchten durch die Ökologischen Flutungen im zerstörerischen Kiesabbau entlang des Rheins eingeschränkt zu werden. Der Widerstand der Kiesindustrie gegen die Ökologischen Flutungen war bisher noch kein Thema in den örtlichen Medien

Ökologische Schlutenlösung
Manche Bürgerinitiativen bringen als Alternative zu den Ökologischen Flutungen eine "Ökologische Schlutenlösung" ins Gespräch. Die ehemaligen, teilweise trocken liegenden, alten Rheinarme sollen ausgebaggert und zu ständig fließenden Bächle werden. Angedacht ist die Erweiterung der bereits vorhandenen Schluten und Öffnung und Durchflutung früherer Altrheinarme. Info der BI Breisach. Doch bei der Schlutenlösung fehlt leider die Wirkung in der Fläche. In den nicht überfluteten Flächen gibt es dann keine Anpassung der Natur an die kommenden Hochwässer. Die Naturschutzverbände haben dennoch gerade auch beim Polder Breisach darauf gedrängt, dass die Schlutenlösung von den Behörden ernsthaft geprüft werden sollte. Wenn entgegen der Erwartungen der Fachleute der Schlutentest in Breisach-Burkheim bewirkt, dass hochwassertolerantere Lebensgemeinschaften in der Fläche entstehen, dann würde sich das nachträglich auch auf Wyhl-Weisweil auswirken.

Die großen Naturschutzverbände haben Kompromisse akzeptiert, um den dringend notwendigen, schnellen Hochwasserschutz nicht zu behindern.[/quote]

Alsace Nature,
die große elsässische Dachorganisation steht voll und ganz hinter dem Konzept der Ökologischen Flutungen, wie Daniel Reininger, Präsident von Alsace Nature bei einer Tagung im Januar 2017 in Breisach erklärt hat.

Auch das Bundesamt für Naturschutz
schrieb in einer Presseerklärung am 1. Oktober 2003: "Auetypische Flutungen am Oberrhein sind notwendig" und weiter: “Die Hochwasservorsorge darf nicht vernachlässigt werden. Das Bundesamt für Naturschutz begrüßt deshalb, dass Länder wie Baden-Württemberg mit dem “Integrierten Rheinprogramm“ (IRP) zum Hochwasserschutz beitragen“, sagte der Präsident des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), Professor Dr. Hartmut Vogtmann. Das BfN unterstützt das IRP stromabwärts von Breisach im Hinblick auf eine naturverträgliche Hochwasservorsorge. Insbesondere werden "ökologische Flutungen im natürlichen Wechsel mit anhaltend niedrigen Wasserständen" als Voraussetzung für einen naturverträglichen Hochwasserschutz vom BfN befürwortet. Nur naturnahe Hoch- und Niedrigwasserstände vermögen in den Auen wieder die natürlichen Bedingungen für eine auetypische Tier- und Pflanzenwelt zu schaffen. Naturnahe Überflutungsauen sind auch am besten geeignet, hohe Abflüsse zu verzögern, großräumig abzusenken und so Menschen vor Schäden zu bewahren". Zitatende

Auch BUND, NABU, LNV, AK-Wasser und Aueninstitut
stehen dazu, dass beim IRP Hochwasserschutz und Naturschutz verbunden werden müssen. Und als Ausgleich für die Eingriffe braucht es die Ökologischen Flutungen, wenn Dammrückverlegungen wegen örtlichem Widerstand nicht möglich sind. Besonders wichtig ist dabei die Meinung von Experten wie Emil Dister, dem ehemaligen Leiter des Aueninstituts. Er hat über viele Jahrzehnte Auenforschung in Europa, Südamerika, Westafrika und an verschiedenen Flüssen wie z.B. Rhein, Loire, Elbe, Oder, Rio Magdalena, March und Donau betrieben.

Nochmal: Es ist einfacher einen Fluss und Natur zu zerstören, als diese zu renaturieren.

Am 19. September 2014 hat das Bundesverwaltungsgericht die Rechtmäßigkeit von Ökologischen Flutungen beim IRP bestätigt.







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Klimawandel,Feuer, Waldbraende, Artensterben,Windenergie
Immer mehr Klimawandelleugner und Energiewendegegner argumentieren mit gezielt vorgeschobenen "Artenschutz-Argumenten" gegen Energie aus Wind & Sonne. Bei den großen, klimawandelbedingten Bränden sterben Milliarden Tiere auf eine entsetzliche Art und Weise. Die menschengemachte Klimakatastrophe wird die globale Artenausrottung und das Waldsterben massiv beschleunigen. Diese Fakten müssen, auch wenn's uns Naturschützern manchmal schwerfällt, bei allen regionalen Planungsvorhaben in die immer notwendige Artenschutz-Betrachtung einbezogen werden.

Genau in dieser Frage unterscheiden sich gemeinwohlorientierte Naturschutzverbände von egoistischen Bürgerinitiativen.










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  • 3) Im Zweifel, gerade in Kriegszeiten, ist die -Allgemeine Erklärung der Menschenrechte- immer noch eine gute Quelle zur Orientierung.

Axel Mayer Mitwelt Stiftung Oberrhein
Mit Zorn und Zärtlichkeit auf Seiten von Mensch, Natur, Umwelt & Gerechtigkeit.


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