Breisach: Rede zum Katastrophenschutz Fessenheim bei der Anti-Atom-Mahnwache


Veröffentlicht am 15.07.2012 in der Kategorie Atomkraft von Axel Mayer

Fessenheim Protest in Breisach am Kaiserstuhl



Rede zum Katastrophenschutz bei der Anti-Atom-Mahnwache am 9. Juli 2012 in Breisach



Liebe Breisacher, liebe Kaiserstühler (mit bester Sicht auf das AKW Fessenheim)

Herzlichen Dank für die Einladung,
Herzlichen Dank für die Möglichkeit, heute hier reden zu dürfen

Erst einmal möchte ich meine Bewunderung ausdrücken
Bewunderung, weil Ihr seit Fukushima hier so dauerhaft demonstriert

Der Atomprotest, der Fessenheimprotest ist seit Fukushima wieder da wo er hingehört
in Fessenheim, im Markgräflerland und in Breisach am Kaiserstuhl

Ich möchte aber auch denen in Breisach danken, die vor Fukushima hier über Jahrzehnte die Anti-Fessenheim-Fahne hochgehalten haben

Mein heutiges Thema ist ein uraltes Thema

das Thema Katastrophenschutz oder sollte ich sagen Kataströphchenschutz?

Doch bevor ich darauf eingehe noch ein anderes wichtiges Breisacher Umweltthema, die Breisacher Wasserversalzung

Es gibt zwei wichtige Gründe warum heute immer noch AKW betrieben werden


Breisach hat hohe Salzwerte im Trinkwasser

Die Ursache ist eindeutig

Auf der Fessenheimer Rheininsel sind eine Million Tonnen Salz versickert
Wir haben 50 Gramm Salz im Liter Grundwasser

Verursacher sind die Mines de Potasse

Wer trägt die Kosten für Versalzung, für neue Leitungen, Brunnen, für Lochfrass in Breisach?

Die Menschen in Breisach

Warum wird nicht das Verursacherprinzip angewandt?
Wenn das Verursacherprinzip angewandt würde und Umweltvergifter bestraft würden würden keine AKW mehr betrieben

Hier gilt es für die Stadt Breisach das Verursacherprinzip (auch mit einer Klage) durch zu setzen

Doch zurück zum Hauptthema zum Kataströphchenschutz

Es ist wirklich ein uraltes Thema

1977 war der Katastrophenschutzplan noch absolut geheim
1977 haben wir Umweltschützer den Katastrophenschutzplan im RP „entliehen“ und veröffentlicht...

Doch weg von der Nostalgie:

Es war gut und richtig, auf Sarkozy und die französischen Atompolitiker zu schimpfen

Es ist gut und richtig, auf die französische EDF zu schimpfen

Es ist gut und richtig, von Herrn Hollande die schnelle Abschaltung von Fessenheim zu fordern

und doch müssen wir vor dem erhobenen deutschen Zeigefinger warnen

Denn wir haben auch in Deutschland die Hausaufgaben nicht gemacht

An den Katastrophenschutzbroschüren hat immer die Atomlobby mitgeschrieben

Wer finanziert den Druck der Fessenheim-Katastrophenschutzbroschüren des RP?
Werili werili werili?

Die EDF

Das merkt man auch an der Sprache
Früher hieß das ganze noch Katastrophenschutz

was für ein beunruhigendes, garstiges Wort
Heute heißt die Broschüre „Notfallschutzbroschüre“



Die schweren Reaktorkatastrophen in Tschernobyl und Fukushima
hatten bei aller Unterschiedlichkeit ein gemeinsames Element.

Betreiber, Techniker, Politik, Medien und Öffentlichkeit waren auf den Unfall und seine Folgen nicht vorbereitet. Der Katastrophenschutz, der immer Menschenschutz sein sollte, versagte kläglich.

Günter Anders hat dieses Versagen mit dem Begriff der Apokalypseblindheit beschrieben.




Der schwere Unfall bei der Love Parade liegt zwei Jahre zurück und die Behörden haben schnell Konsequenzen gezogen
(das erleben gerade die Festorganisatoren in Freiburg)

der Atomunfall in Tschernobyl liegt 26 Jahre und der in Fukushima über 1 Jahr zurück

Doch in Sachen Katastrophenschutz hat sich nichts getan

Am 9. Juni 2011 stand die Informationen in der Badischen Zeitung, dass das zuständige Regierungspräsidium Freiburg den alten Katastrophenschutz überarbeitet

Geplant sei eine Erweiterung der Evakuierungszone auf 25 Kilometer

Wir hofften, aus dem Kataströphchenschutz würde endlich etwas mehr Katastrophenschutz

Doch seit einem Jahr hat sich nichts getan

Darum haben BUND, NABU, LNV und viele andere jetzt einen Brief ans RP geschrieben.

Heute liegt dieser Brief hier auch aus

Wann kommt endlich der Druck von Gemeinden, Feuerwehren, Katastrophenschutz, vom Breisacher Gemeinderat in Sachen Katastrophenschutz Fessenheim?

Ich komme zum Schluss

Richtiger Katatstrophenschutz und Menschenschutz ist gut
und er muss gegen die Interessen der Atomlobby politisch durchgesetzt werden

Der beste Katastrophenschutz
lieber Herr Hollande, liebe Freundinnen und Freunde
ist die schnelle Abschaltung von Fessenheim

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer


Infos:
AKW Fessenheim: hier
Katastrophenschutz für AKW: hier
Grundwasserversalzung: hier





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