2022/2023 My Lai: Das ungesühnte amerikanische Massaker am 16. März 1968 im Vietnamkrieg & der Ukraine krieg


Veröffentlicht am 17.06.2022 in der Kategorie Krieg & Frieden von Axel Mayer

My Lai: Das ungesühnte amerikanische Massaker am 16. März 1968 im Vietnamkrieg und die Kriegsverbrechen im Ukrainekrieg


Krieg und Kriegsverbrechen sind untrennbar miteinander verwoben. Aktuell berichten unsere Medien fast täglich über russische Kriegsverbrechen im Ukraine Krieg und alle PolitikerInnen fordern übereinstimmend und zurecht die Bestrafung der mutmaßlichen Täter.


Alle Kriegsverbrechen und Kriegsverbrecher gehören bestraft. Immer, überall, weltweit!
Doch werden Kriegsverbrechen nur geahndet, wenn sie "im Auftrag" von Diktaturen ausgeführt werden? Wie ist es um den Zustand von Demokratien und deren Rechtssystem bestellt, wenn Massenmörder nicht bestraft werden? Wie demokratisch und rechtsstaatlich ist ein Land,⁣/url] in dem solchen entsetzlichen Verbrechen nicht bestraft werden?


Am 16. März 1968, tötete eine amerikanische Einheit im Vietnamkrieg 504 unbewaffnete Bewohner eines vietnamesischen Dorfes - alles unbewaffnete Zivilisten, Männer, Frauen, Alte, Kinder. Viele Frauen wurden vor ihrer Ermordung vergewaltigt. My Lai war eines der schlimmsten Kriegsverbrechen seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Täter wurden nie bestraft.

Erschreckend ist nicht alleine die Tatsache,
dass es im Krieg in einer "Demokratie" möglich ist, Morde, Massaker und Kriegsverbrechen zu planen und durchzuführen. Beunruhigend ist, dass es über 18 Monate lang möglich war, das Massaker geheim zu halten.
Unglaublich, ja verstörend ist die Tatsache, dass dieser Mord an über 500 unschuldigen Zivilisten nie gesühnt wurde.

Fast 200 Frauen mit ihren Kindern treiben die Soldaten der Charlie-Kompanie zu den Wassergräben. Die 84-jährige Pham Thi Thuan hat es noch heute vor Augen, als wäre es gestern:
"Wir mussten aufstehen und uns wieder setzen, aufstehen, setzen. Drei Mal. Dann haben sie geschossen. Auf den Kopf, den Bauch, überallhin. Alle sind umgefallen, in den Wassergraben. Viele Frauen hatten Kinder. Meine Schwester ist auf mich gefallen – deshalb habe ich überlebt. Ich dachte, ich wäre tödlich verletzt, weil da überall Blut war, so viel Blut – aber es war nicht meins. (...)
15 Frauen haben sie auf die Felder vor dem Dorf gezerrt – und sie vergewaltigt, bestimmt ein Dutzend Männer ist über sie hergefallen, ich höre noch heute die Schreie. Dann haben sie die auch getötet. Einer schwangeren Frau haben sie mit dem Bajonett den Bauch aufgeschlitzt."
Quelle: [url= http://www.deutschlandfunk.de/massaker-von-m-lai-ich-fuehle-noch-heute-den-horror-in-mir.799.de.html?dram:article_id=412584]Deutschlandfunk 10.3.2018


"Armee-Photoreporter Ronald Haeberle: "Die GI’s schossen einfach los mit dem M-16-Gewehr. Sie schossen auch mit M-79-Granatwerfern auf die Leute. Sie schossen einfach immer weiter auf die Leute. Ich erinnere mich deutlich an einen Mann, der in einem Arm ein kleines Kind hielt und in dem anderen Arm noch ein Kind, wie er auf uns zuging. Sie sahen uns und flehten um Gnade. Das kleine Mädchen sagte auf englisch: ‚Nein, nein.‘ Dann ganz plötzlich ein Feuerstoß, und sie waren niedergemäht. Ein GI schoß auf eine Frau, und dann zielten alle auf ihren Kopf und feuerten ebenfalls. Stück für Stück flogen die Knochensplitter durch die Luft."

Soldat Butch Gruver: "Unser Auftrag lautete: ,Zerstört das Nest und vernichtet alle Einwohner!’ Zwei Kompanien umzingelten das Dorf, sodass die Charlie-Kompanie eindringen, die Häuser zerstören und die Einwohner töten konnte. Ich sehe noch einen kleinen Jungen vor mir, vielleicht drei oder vier Jahre alt, der eine Armwunde mit der Hand zuhielt. Ungläubig starrte er auf das Blut, das durch seine Finger sickerte. Mit weit aufgerissenen Augen blickte er um sich, als ob er es nicht begreifen könne. Dann durchschlug ihn eine Salve aus einer Maschinenpistole."
Gefreiter Michael Terry: "Zwanzig bis dreißig Einwohner mussten sich neben einem Drainagegraben aufstellen. Es war genauso, wie es die Nazis gemacht haben. Ein Offizier befahl einem von unseren Jungens, er solle alles mit der Maschinenpistole niedermähen; aber der warf die Maschinenpistole hin, und der Offizier nahm sie selber auf. Ich kann mich nicht erinnern, auch nur einen Mann in dem Graben gesehen zu haben; es waren meistens Frauen und Kinder."
Quelle: Die Zeit vom 28. November 1969


Es ist unglaublich:
Der am 8. Juni 1943 geborene Calley war der einzige Offizier aus der US-Armee, der wegen des Massakers vom 16. März 1968 zur Verantwortung gezogen wurde. Calley wurde der vorsätzlichen Tötung von 22 Zivilisten für schuldig befunden und am 31. März 1971 zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Einen Tag später wandelte Präsident Nixon die Strafe in Hausarrest um, bevor er Calley 1974 vollends begnadigte.

"Das alles war keine Einzeltat, wie die US-Regierung es hinstellte. Es gab Hunderte My Lais, akribisch festgehalten in den US-Militärakten."


schreibt die Süddeutsche Zeitung am 25./26. Juni 2022




My Lai, Kriegsverbrechen, Recht, Gerechtigkeit & Unrecht






Werden Kriegsverbrechen nur geahndet, wenn sie "im Auftrag" von Diktaturen ausgeführt werden? Wie ist es um den Zustand von Demokratien und deren Rechtssystem bestellt, wenn Massenmörder nicht bestraft werden? Wie demokratisch und rechtsstaatlich ist ein Land, in dem solche entsetzlichen Verbrechen nicht bestraft werden?


Die Verbrechen der Massaker in Lidice und Oradour wurden zu Recht bestraft. Warum gilt dies nicht für Morde, die Auftrag einer Demokratie ausgeführt wurden?

Kriegsverbrechen und Kriegsverbrecher gehören bestraft. Überall auf der Welt! Der Unterschied zwischen Diktaturen und Demokratien darf nicht darin bestehen, dass in der Demokratie "eigene Kriegsverbrechen" nicht bestraft werden. Und wir müssen immer wieder die schmerzhafte Frage stellen: Sind wir die Guten?

Was konnten wir von der Berichterstattung über "unseren Krieg" in Afghanistan oder den Krieg in Syrien glauben?
Die Kriege in Vietnam, Afghanistan, Syrien und dem Irak sind von der Dimension her noch nicht vergleichbar. Dennoch, die offene und umfassende Berichterstattung in den Medien, der allabendliche Fernsehkrieg und die unzensierten Bilder über die Gräuel des Krieges in Vietnam hatten 1968 den Widerstand der Friedensbewegung weltweit angefacht und dieser Widerstand war mit ein Grund für den Rückzug und die Niederlage der Amerikaner.

Die Militärs haben ihre Lektion aus dieser PR-Niederlage gelernt.
Die nur scheinbar sauberen, aktuellen, "eigenen" Fernsehkriege sind nicht zuletzt das Ergebnis der verlorenen Medienschlacht in Vietnam. Was können wir glauben, nachdem Kriege, wie der im Irak , mit Lügengeschichten begonnen wurden? Was können wir glauben, wenn heute Werbeagenturen Kriegsgründe erfinden, wie die unglaubliche Brutkastenlüge? Wie manipulativ, parteiisch und einseitig waren die Kriegsbilder und Kriegsberichte aus Syrien und dem Irak? Die aktuelle Trennung in der Berichterstattung zwischen guten-nützlichen und schlechten Diktaturen ist unsäglich. Was in Vietnam für die Zivilbevölkerung das hochgiftige Entlaubungsmittel Agent Orange war, ist in den heutigen Kriegen die umweltvergiftende Uran-Munition.

Im Vietnamkrieg
wurden die zivilen Opfer (in My Lai mit Verspätung) im Fernsehen noch gezeigt. Die Opfer des Drohnenkrieges in Afghanistan wurden in den deutschen Nachrichten und Medien nicht gezeigt. Wenn seit dem Vietnamkrieg die Zensur und Selbstzensur "besser" wurde, spricht das nicht für eine Weiterentwicklung unserer Demokratie.

Die Aufklärung des My Lai Verbrechen verdanken wir den Recherchen des investigativen Journalisten Seymour Hersh. In der heutigen Zeit bräuchten wir wieder dringend Journalisten wie ihn und mutige Medien.Julian Assange, Chelsea Manning und Edward Snowden, die ähnlich kritisch wie Seymour Hersh agierten, werden verfolgt oder sitzen im Gefängnis. Woher kommt das Nicht-Interesse unserer Medien an den Foltergefängnissen Bagram, Kandahar, Abu Ghraib und allen voran Guantánamo. Namenlos geblieben sind ungezählte «black sites», Geheimgefängnisse in Bulgarien, Mazedonien, Polen, Rumänien, Pakistan, Usbekistan, in der Ukraine sowie im Kosovo und im Norden Afrikas, die von lokalen Behörden im Auftrag der CIA geführt werden.

My Lai: Das ungesühnte amerikanische Massaker am 16. März 1968 im Vietnamkrieg
Wir müssen den Kampf um "Westliche Werte" endlich auch im Westen führen


Axel Mayer / Ein (ziemlich verzweifelter) persönlicher Meinungsbeitrag









My Lai 16.3.1968 : Das ungesühnte Massaker im Vietnamkrieg / Das amerikanische Lidice und Oradour





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Der bei gutem Willen verhinderbar gewesene, dumme, unnötige und völkerrechtswidrige Angriffskrieg Russlands, unter dem die Menschen in der Ukraine so schrecklich leiden, führt dazu, dass die globalen Ausgaben zur Kriegsvorbereitung massiv steigen. Alleine Deutschland will 100 Milliarden Euro zusätzlich für die Kriegsvorbereitung ausgeben. (Eine Milliarde sind tausend Millionen)
Doch schon vor dem Ukraine-Krieg lagen die Rüstungskosten der NATO bei 1100 Milliarden Dollar, die Russlands bei 61 Milliarden Dollar. Westliche "Unterrüstung" war also nicht der Auslöser dieses Krieges. Der Impuls jetzt noch viel mehr Geld ins Militär zu stecken, geht an den tatsächlichen Ursachen des Krieges vorbei.
Zu den größten Problemen der Menschheit zählt die Apokalypse-Blindheit und die Unfähigkeit, aus vergangenen Kriegen und menschengemachten Katastrophen zu lernen. Kriegszeiten sind Zeiten größtmöglicher Dummheit, Irrationalität und selektiver Wahrnehmung, in denen menschliches Denken und Handeln und die Berichterstattung in den Medien von stammesgeschichtlich erklärbaren, steinzeitlichen Reflexen geprägt ist. In Kriegszeiten spielen Fakten keine Rolle.

Während in der Ukraine Bomben explodieren und 15 alte, marode ukrainische AKW die Gefahren immens steigern, knallen bei Rüstungs- und Fracking-Gas-Lobbyisten die Champagnerkorken und der Atom-Lobbyist Günther Oettinger nutzt den Krieg, um für die Gefahrzeitverlängerung von AKW zu werben.









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  • 3) Im Zweifel, gerade in Kriegszeiten, ist die -Allgemeine Erklärung der Menschenrechte- immer noch eine gute Quelle zur Orientierung.

Axel Mayer,Mitwelt am Oberrhein

Getragen von der kleinen Hoffnung auf das vor uns liegende Zeitalter der Aufklärung (das nicht kommen wird wie die Morgenröte nach durchschlafner Nacht)


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