2024 / Broken Arrows: Atomwaffen-Unfälle & Beinah-Katastrophen / Knapp daneben: Britische Test-Atomrakete versenkt beinahe britisches Atom-U-Boot


Veröffentlicht am 27.02.2024 in der Kategorie Krieg & Frieden von Axel Mayer

Broken Arrows: Atomwaffen-Unfälle & Beinahe-Katastrophen /Knapp daneben: Britische Test-Atomrakete versenkt beinahe britisches Atom-U-Boot


Aktueller Einschub 27.2.2024


Knapp daneben: Britische Test-Atomrakete versenkt beinahe britisches Atom-U-Boot


Die Liste von Unfällen und Beinahe-Katastrophen mit Atomwaffen, Atom-U-Booten und fehlerhaften Warnsystemen ist in allen Atomwaffenstaaten erschreckend lang und unvollständig. Allein die USA "vermissen" aktuell immer noch mindestens acht voll explosionsfähige, verlorene Bomben. Sogenannte Broken Arrow-Vorfälle führten in den USA, in Spanien und Grönland zu massiven radioaktiven Verseuchungen. Die USA geben 32 solcher schweren Unfälle bis 1980 öffentlich zu. Eine inoffizielle Liste spricht von über 1.000. Die tatsächliche Zahl an Bränden, Fehlzündungen oder Abstürzen atomar bestückter Flieger/Flugzeuge dürfte weit größer sein. Im Jahr 1980 stand die Welt „Zwanzig Minuten am Rand eines Atomkriegs“. Ein fehlerhafter Computer hatte verrückt gespielt und einen sowjetischen Angriff gemeldet. 20 Minuten dauerte es, bis alle Atombomber-Triebwerke wieder abgestellt, bis die Raketen-Mannschaften wieder auf normale Alarmbereitschaft zurückbeordert waren.

Am 30.1.2024 stürzte jetzt eine Test-Atomrakete ab und verfehlte das abfeuernde britisches Atom-U-Boot um wenige Meter. Im U-Boot, der HMS Vanguard, hielt sich zu diesem Zeitpunkt der britische Verteidigungsminister Shapps und der Chef der britischen Kriegsmarine, Admiral Sir Ben Key auf. Zum Glück waren die atomaren Sprengköpfe der 58 Tonnen schweren Rakete nur Attrappe. Aber das Ganze hätte leicht das Atom-U-Boot versenken können. Neben einem hoch radioaktiven Druckwasserreaktor verfügt das U-Boot über 16 Trident-Raketen. Jede einzelne dieser Raketen ist mit 40 nuklearen Sprengköpfen bestückt, von denen jeder die sechsfache Kraft der Hiroshima-Bombe haben soll. Ein versehentlicher Treffer hätte nicht unbedingt eine Atomexplosion ausgelöst, wohl aber zu einer massiven radioaktiven Verseuchung geführt.
Drei Wochen lang wurde der Vorfall vor der Küste Floridas geheim gehalten. Auch in Demokratien gilt beim Militär: Was sich verheimlichen lässt, wird verheimlicht, was sich nicht verheimlichen lässt, wird verharmlost und heruntergespielt. Nur Dank kritischen Journalismus wurde der hochriskante Unfall und die Beinahe-Katastrophe jetzt bekannt. Das Militär versucht, den gefährlichen Unfall als Patzer herunterzuspielen.
Der aktuelle Unfall erinnert an den letzten britischen Atomraketentest im Jahr 2016. Er endete in einem Fiasko, das zu einem Atomkrieg hätte führen können. Damals war geplant gewesen, dass das U-Boot HMS Vengeance eine Rakete von einer Unterwasser-Position im Nordatlantik Tausende von Kilometer weit in den Südatlantik schießen sollte. Kaum aus dem Ozean aufgetaucht, änderte die Rakete aber den ihr vorgegebenen Kurs. Statt in Richtung Süden begann sie nach Westen, zur nahen US-Küste hin, zu fliegen. Die USA mögen es überhaupt nicht, wenn Raketen in ihre Richtung fliegen. Noch im Flug wurde sie in aller Eile gesprengt.

Der Unfall und die Beinahe-Katastrophe werfen ein grelles Licht auf die aktuelle Debatte um mehr Atomwaffen für Europa und zeigen das mörderische Risiko dieser Technologie. Mit unglaublich viel Glück haben wir die Broken Arrow-Unfälle und Beinahe-Katastrophen der letzten Jahrzehnte überlebt. Mit den heute vorhandenen Atomwaffen lässt sich die Menschheit mehrfach vernichten und dafür braucht es keinen Krieg. Ein dummer menschlicher oder technischer Fehler genügt.

Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein


Am 11. Januar 1985 kam es auf der Waldheide im Heilbronner Stadtwald zu einem schweren Unfall mit amerikanischen Atomwaffen. Zunächst beteuerten die amerikanischen Militärs Gefahr habe nie bestanden, es habe "ein wenig" gebrannt. Auch das Interesse der deutschen Medien war mitten im Kalten Krieg und in der Zeit einer erstarkenden Friedensbewegung erschreckend gering. Bald wurde klar: Das Triebwerk einer amerikanischen Pershing II Atomrakete war explodiert, drei Soldaten sind ums Leben gekommen, der nukleare Gefechtskopf aber war mit viel Glück heil geblieben. Eine Freisetzung von Radioaktivität wäre auch ohne Atomexplosion eine Katastrophe für Heilbronn gewesen und nicht nur das rund fünfzig Kilometer entfernte Stuttgart wäre schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Es ist erschreckend, wie das gut organisierte "öffentliche Interesse" immer erst Jahrzehnte nach solchen Unfällen erwacht.

Broken Arrow, gebrochener Pfeil, lautet das Codewort des US-Militärs für Unfälle mit Atomwaffen.


Die Liste mit Unfällen und Beinahe-Katastrophen mit Atomwaffen ist in allen Atomwaffenstaaten erschreckend lang und unvollständig. Allein die USA "vermissen" aktuell immer noch mindestens acht voll explosionsfähige, verlorene Bomben. Außerdem weitere neun, die zwar nicht mit dem Spaltstoff Plutonium geladen waren, wohl aber andere radioaktive Substanzen enthielten. Die USA geben öffentlich 32 solcher schweren Unfälle bis 1980 zu. Die tatsächliche Zahl an Bränden, Fehlzündungen oder Abstürzen atomar bestückter Flieger dürfte weit größer sein. Ein fallengelassener Schraubenzieher reichte einmal bei einer Kontrolle aus, um eine konventionelle Explosion in einem Atomraketen-Silo auszulösen. Die thermonukleare Reaktion gab es bloß deshalb nicht, weil das radioaktive Material zu dem Zeitpunkt getrennt gelagert wurde. Dutzende Menschen starben bei vergleichbaren Unfällen.

Das Buch „Command and Control“ berichtet über den schweren Unfall im Raketensilo 374-7 bei Little Rock in Arkansas. Dort explodierte eine 31 Meter hohe Titan-II-Rakete am 19. September 1980, weil einem 19-jährigen Soldaten bei der Wartung ein schweres Werkzeug nach unten fiel und eine Treibstoffleitung leckschlug.
Stundenlang mühte sich die Mannschaft des Silos mit Heldenmut, aber mit unzureichenden Gerätschaften und wirren Befehlsketten, der sich anbahnenden Katastrophe Herr zu werden – vergebens. Der explosive Raketentreibstoff flog schließlich in die Luft. Der Kopf der Rakete trug die Wasserstoffbombe W53 mit einer Sprengkraft von 9 Millionen Tonnen TNT – das ist dreimal mehr als alle Bomben des Zweiten Weltkriegs zusammen; die stärkste Bombe, die die USA je auf Raketen montiert haben.
Quelle:TAZ


Bekannt gegeben werden von den US-Militärs immer nur die mindestens 50 Jahre zurückliegenden Unfälle. Was sich so lange verheimlichen lässt, wird verheimlicht, was sich nicht verheimlichen lässt, wird verharmlost und heruntergespielt. Im letzten Kalten Krieg wurden auch die Menschen in den Demokratien des Westens belogen und betrogen. Was im aktuellen,neuen Kalten Krieggeschieht, können wir nur vermuten.

Ebenso wenig wissen wir von den Unfällen der anderen Atomwaffenstaaten. Die mörderischsten aller Waffen besitzen die USA, Russland, Großbritannien, Frankreich und die Volksrepublik China, ferner Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea und selbstverständlich gab und gibt es auch dort verheimlichte Unfälle.


Auch in Büchel in Deutschland
werden die völkerrechtswidrigen Waffen gelagert. Im Kriegsfall müssen die "Teilhabe"-Staaten Nuklearwaffen unter US-amerikanischer Kontrolle einsetzen. Das Konzept der nuklearen Teilhabe sieht vor, dass die in den nichtnuklearen Staaten gelagerten Nuklearwaffen im Frieden stets unter US-Hoheit bleiben sollen und dass dies auch im Kriegsfall bis zu ihrer Zündung der Fall sein soll. Über die nötigen Codes verfügt demnach nur die US-Führung; sie unterliegen strengster Geheimhaltung. Das, was uns in Orwellschem Neusprech als nukleare Teilhabe verkauft wird, ist ein mörderischer Dienstbotenjob!

"Zufällige" Atom-Explosionen gab es bisher noch nicht.
Doch führten Broken Arrow Unfälle in den USA, in Spanien und Grönland zu massiven radioaktiven Verseuchungen. Eine Broken Arrow Katastrophe könnte eine Großstadt oder eine Region auslöschen und doch gibt es (abgesehen von einem Atomkrieg) noch größere Schreckensszenarien.

Falscher Atomalarm: Atomkrieg durch technisches Versagen.
Im Jahr 1980 stand die Welt „Zwanzig Minuten am Rand eines Atomkriegs“. Ein fehlerhafter Computer hatte verrückt gespielt und einen sowjetischen Angriff gemeldet. 20 Minuten dauerte es, bis alle Atombomber-Triebwerke wieder abgestellt, bis die Raketen-Mannschaften wieder auf normale Alarmbereitschaft zurückbeordert waren.
1983 meldete ein sowjetischer Satellit fälschlicherweise den Start einer US-Rakete. Doch der damalige Soldat Stanislaw Petrow verhielt sich vorschriftswidrig und verhinderte einen Atomkrieg. Das gut verdrängte Risiko eines versehentlich ausgelösten Atomkrieges ist heute ähnlich hoch wie im Kalten Krieg.



Alle Atomwaffen gefährden den Frieden.
Weltweit gab es im Jahr 2023 noch rund 12512 Atomwaffen, ein Potenzial mit dem sich die Menschheit ausrotten lässt. Mit dem Glück der Dummen sind wir bisher an der globalen Katastrophe vorbeigeschlittert. Atomwaffen sind ein Dorn im Fleisch unseres Landes. Der Dorn muss gezogen werden. Die Friedensbewegung muss aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen. Wenn gegen den Mehrheits-Willen der Menschen in Deutschland immer noch US-Atomwaffen in Büchel gelagert werden, dann stellt sich tatsächlich die Frage, ob Deutschland ein souveräner Staat ist.



Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein



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Abnutzungskrieg Russland Ukraine: Wer oder was wird abgenutzt?

Der bei gutem Willen verhinderbar gewesene, dumme, unnötige und völkerrechtswidrige Angriffskrieg Russlands, unter dem die Menschen in der Ukraine so schrecklich leiden, führt dazu, dass die globalen Ausgaben zur Kriegsvorbereitung massiv steigen. Alleine Deutschland wird 100 Milliarden Euro zusätzlich für die Kriegsvorbereitung ausgeben. (Eine Milliarde sind tausend Millionen)
Was in der gut gelenkten Aufrüstungsdebatte fehlt, ist der Hinweis darauf, dass die Rüstungsausgaben der NATO das 14-Fache der Rüstungsausgaben Russlands betragen. Auch ohne die Militärausgaben der USA gab die NATO im Jahr 1922 355 Milliarden Dollar für die Rüstung aus und Russland 86,4 Milliarden.
Zu den größten Problemen der Menschheit zählt die Apokalypse-Blindheit und die Unfähigkeit, aus vergangenen Kriegen und menschengemachten Katastrophen zu lernen. Kriegszeiten sind Zeiten größtmöglicher Dummheit, Irrationalität und selektiver Wahrnehmung, in denen menschliches Denken und Handeln und die Berichterstattung in den Medien von stammesgeschichtlich erklärbaren, steinzeitlichen Reflexen geprägt ist. In Kriegszeiten spielen Fakten keine Rolle.









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  • 3) Im Zweifel, gerade in Kriegszeiten, ist die -Allgemeine Erklärung der Menschenrechte- immer noch eine gute Quelle zur Orientierung.

Axel Mayer Mitwelt Stiftung Oberrhein
Mit Zorn und Zärtlichkeit auf Seiten von Mensch, Natur, Umwelt & Gerechtigkeit.


Getragen von der kleinen Hoffnung auf das vor uns liegende Zeitalter der Aufklärung (das nicht kommen wird wie die Morgenröte nach durchschlafner Nacht)



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