Klimawandel & Wetter am Kaiserstuhl


Veröffentlicht am 09.05.2020

Klimawandel & Wetter am Kaiserstuhl



Die Jahre 2018 und 2019 am Kaiserstuhl waren geprägt von Hitzephasen, massiven Temperaturschwankungen, viel zu warmen Wintern, Trockenheit und der Wald stirbt. Auch der Winter und Frühling 2019/2020 war warm und extrem trocken.


Im Zeitalter des Klimawandels beginnen sich die bisherigen klimatischen Begünstigungen und Standortvorteile des Kaiserstuhls und des Oberrheingrabens (Toskana Deutschlands, Weinanbau, Tourismus, Landwirtschaft...) zu Nachteilen und Risiken zu entwickeln.


Klimatische Voraussetzungen am Kaiserstuhl
Der Kaiserstuhl ist eine Wärmeinsel mit zum Teil mediterranem, trocken-heißem Charakter. Die klimatischen Voraussetzungen in diesem kleinen Vulkangebirge, das im Oberrheingraben liegt, werden zum einen von den Vogesen in Frankreich geprägt, die die von Westen kommenden Wetterfronten "abfangen" und so dafür sorgen, dass der Kaiserstuhl oft im Regenschatten liegt und so weniger Regen erhält als das Gebiet westlich der Vogesen und zudem von warmen Fallwinden und viel Sonnenstunden profitiert. Der mittlere Jahresniederschlag liegt am Kaiserstuhl bei circa 600-700mm, was im Vergleich zum restlichen Oberrheingraben und zu anderen Weinanbauregionen Deutschlands verhältnismäßig viel, aber im Vergleich zu der Region westlich der Vogesen wenig ist. Zudem steht der Kaiserstuhl im Einfluss des Rhônetals und der burgundischen Pforte, die dafür sorgen, dass mediterrane Warmluft in die Ebene einströmen kann. Er gilt als eines von Deutschlands sonnenreichsten und wärmsten Gebieten mit für Mitteleuropa vergleichsweise milden Wintern und warmen Sommern, die zum Teil im Juli und August sogar Durchschnittstemperaturen von über 20°C aufweisen können. Mit 1720 Sonnenstunden ist die jährliche Sonnenscheindauer am Kaiserstuhl sehr hoch und noch mal 40 Sonnenstunden über der durchschnittlichen Sonnenscheindauer des ohnehin schon „sonnenreichen“ Oberrheingrabens. Durch die klimatischen Bedingungen und die mit Löss bedeckten vulkanischen Böden ist der Kaiserstuhl bisher ein sehr gutes Weinanbaugebiet.

Hitzesommer 2003
Im Hitzesommer 2003, der europaweit bis zu 70.000 Menschen das Leben gekostet hat, wurden in Deutschland Temperaturextrema von bis zu 40,2°C in den vier Städten Karlsruhe, Mannheim, March und Freiburg gemessen, die alle im Südwesten Deutschlands im Gebiet des Oberrheingrabens liegen und zum Teil nicht weit vom Kaiserstuhl entfernt sind (March, Freiburg).

Das Wetter der letzten Jahrzehnte brachte eine Vorahnung des Klimawandels am Oberrhein in Südbaden & Freiburg und war geprägt von vielen Extremwetterereignissen. Große Hitze, drückende Schwüle, heftige Gewitter, Starkregen, lange Trockenphasen, Temperaturschwankungen... brachten Mensch und Natur in Stress und Einbußen in der Landwirtschaft.

In Baden-Württemberg sind die Durchschnittstemperaturen seit Beginn des Industriezeitalters um 1 Grad gestiegen, am Oberrhein sogar schon um 2 Grad!

Das Zwei-Grad-Ziel ist der verzweifelte Versuch, die globale Erwärmung auf weniger als zwei Grad Celsius gegenüber dem Niveau vor Beginn der Industrialisierung zu begrenzen. Am Kaiserstuhl wurde diese Zwei-Grad-Marke also schon überschritten.

Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass aus zukünftigen globalen 2 Grad mehr, 4 Grad zusätzlich am Kaiserstuhl werden. Die Hoffnung auf ein Erreichen des gewünschten globalen 2-Grad-Ziels ist in einer Welt die auf "unbegrenztes Wachstum" setzt und in der selbst in der "Ökoregion Oberrhein" die Autobahn sechsspurig ausgebaut werden soll, äußerst unwahrscheinlich.

In der schwül-heißen Rheinebene hat sich die Anzahl der Sommertage, also der Tage mit über 25 Grad, etwa in Karlsruhe von rund 30 auf heute 60 verdoppelt und wird weiter ansteigen.
Die nächsten Jahrzehnte in Südbaden und am Kaiserstuhl werden spannend und heiß.

Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein in Endingen

Hitzesommer & Klimawandel 2018: Menschensterben - Fischsterben - Ausfälle in der Landwirtschaft...
Im Jahr 2018 erleiden wir erneut einen Hitzesommer, einen "Jahrhundertsommer", wie wir ihn zwischenzeitlich auf Grund des Klimawandels in immer kürzeren Abständen erleben. Der Sommer 2018 ist nicht nur ungewöhnlich warm, sondern auch extrem trocken. Für den Zeitraum April bis Juli wurde seit Beginn der Aufzeichnungen 1881 in Deutschland noch nie so ein großes Niederschlagsdefizit gemessen, berichtet der Deutsche Wetterdienst. Ein Ende der Hitze ist zwar absehbar, aber dennoch sind die bisherigen Hitzefolgen schon verheerend.

Der Hitzesommer 2018 erinnert in vielen Details an den Extremsommer 2003.[/b] Mit geschätzten 70.000 Todesopfern in Europa und einem volkswirtschaftlichen Schaden in Höhe von ca. 13 Milliarden US-Dollar, gehörte der Sommer 2003 zu den opferreichsten Naturkatastrophen der letzten 40 Jahre weltweit. Die damalige Hitze war eine der schwersten Naturkatastrophen Europas der letzten 100 Jahre und wohl das schlimmste Unwetterereignis in Europa seit Beginn der modernen Geschichtsschreibung. Die ganze erschreckende Dimension der Hitzefolgen und des Klimawandels war auch im Jahr 2003 selber noch kein Groß-Thema und wurde es auch nicht. Erdbeben, Waldbrände, Terroranschläge und Überschwemmungen liefern einfach beeindruckendere Bilder als viele, viele "vereinzelte" Hitzetote in den Krankenhäusern.

Auch wenn die Hitze und ihre Auswirkungen in Deutschland aktuell noch nicht an das Jahr 2003 heranreichen, sterben auch im Jahr 2018, auf Grund der Hitze, Menschen (nicht nur) in Alten- und Pflegeheimen und doch ist das menschliche Leid bisher (fast) kein Thema für die Medien. Kleinwüchsige Maispflanzen und tote Fische lassen sich einfach besser fotografieren als das stille Sterben in den Altersheimen.

Ein einzelner Hitzesommer ist Wetter, viele Hitzesommer und die kontinuierliche menschengemachte Erderwärmung ist Klimawandel.

Die globale Erwärmung ist medial und in der Politik auch nur dann präsent, wenn das "eigene Land" gerade unter besonderen Extremen wie Hitze zu leiden hat. Kommt wieder ein relativ kalter Winter, spricht in Medien und Politik lange keiner mehr über den Klimawandel.

Es gibt eine erstaunliche Scheu, über die menschlichen Opfer des Klimawandels bei uns, insbesondere aber auch über die Opfer in Asien und Afrika, zu berichten und zu reden. Wie viele zusätzliche Hitze-Tote wird die Regentschaft des präsidentgewordenen Kohle- und Öllobbyisten Trump kurz- und langfristig verursachen? Wie viele Opfer bringt die jahrzehntelange,industriegelenkte Leugnung des Klimawandels?

Und das Problem ist nicht nur der weit entfernte Präsident und Klimawandelleugner Trump. Der bundesweite, gut organisierte und erfolgreiche Kampf der Öl- und Kohlelobby und ihrer Tarnorganisationen gegen die Energiewende und gegen alternative zukunftsfähige Energieerzeugungsanlagen verlängert die Laufzeit der klimaschädlichen Kohlekraftwerke und vergrößert die Konzerngewinne. Die AFD-Politikerin Beatrix von Storch twitterte im heißen Sommer: „Diese hysterische Klimakrisen-Gekreische der Klimanazis ist wirklich unerträglich.“
Die professionelle Leugnung von Umweltgefahren hat eine lange, makaber erfolgreiche Tradition, nicht nur in Deutschland. Wir erinnern an die jahrzehntelang herunter gespielten Gefahren von Asbest, Zigaretten, Neonicotinoiden, Atomkraftwerken, Dieselabgasen und Holzschutzmitteln und an die vielen menschlichen Opfer dieser Leugnungs-Kampagnen.

Die Umweltbewegung muss sich in Sachen Klimaschutz fragen, ob der bisherige, stark individuelle, appellierende Ansatz: "Du musst Energie sparen, kauf ein kleineres Auto, du sollst weniger fliegen, dreh die Heizung runter..." tatsächlich zielführend ist. Alle diese Appelle sind sinnvoll und hübsch, nutzen aber wenig. Wer ein schlechtes Gewissen hat wehrt sich nicht gegen die die industriegelenkte Laufzeitverlängerung für Kohlekraftwerke. Denn aktuell werden klimafeindliche Strukturen geschaffen, regional und weltweit neue Straßen, Großraumflugzeuge gebaut und SUV´s gekauft und China und Indien übernehmen mit rasender Geschwindigkeit unser wucherndes, zerstörerisches Verschwendungssystem. [link=http://www.bund-rvso.de/wachstumskritik.html][title=Unbegrenztes Wachstum][/link] zerstört begrenzte Systeme.

Die Politik hat die Dimension der vor uns liegenden Probleme auch nicht ansatzweise erfasst. Nicht nur in Hitzesommern sollten wir fragen, warum der Kohleausstieg so langsam geht und CO2 nicht angemessen besteuert wird, warum Flugpreise so billig und die Dieselsubventionen noch nicht abgeschafft sind und warum mit neuen Autobahnen und Landebahnen dauerhaft klimafeindliche Strukturen geschaffen werden. Warum soll die Energiewende nichts kosten, während fast unwidersprochen die Kampagne für eine Verdoppelung der Rüstungsausgaben auf jährlich 80 Milliarden Euro (80.000.000.000) läuft?

Angesichts des menschlichen Leids und der massiven Folgen für Mensch, Natur und Landwirtschaft (in dieser Reihenfolge!), die der Klimawandel bringt, ist die Umweltbewegung viel zu bürokratisch-brav. Eigentlich müssten wir in Hitzesommern wie nach der Sandoz-Katastrophe und wie nach Tschernobyl und Fukushima den Protest organisieren und auf die Straßen gehen, die Opfer beklagen und die Energiewende verteidigen.

Axel Mayer,









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