Erleweiher - Erletal & Erleloch in Endingen 2020: Badeweiher, Allee, Natur, Kinderabenteuer & ein Stück sommerlicher Lebensqualität am Kaiserstuhl


Veröffentlicht am 10.04.2020 in der Kategorie Kaiserstuhl von Axel Mayer

Erleweiher - Erletal & Erleloch in Endingen: Badeweiher, Allee, Natur, Kinderabenteuer & ein Stück sommerlicher Lebensqualität am Kaiserstuhl



An die kleine, immer noch schöne Altstadt von Endingen grenzt im Süden ein hübsches Tal am Nordhang des Kaiserstuhls. Neben dem Erletal-Stadion gibt es dort einen wunderschönen, aus der Zeit gefallenen Badeteich, ein wichtiges, kleines Stück Restnatur und mit dem geheimnisvollen Erleloch auch ein großes Kinderabenteuer.


Erleweiher


Der Erleweiher ist ein Endinger Stück sommerlicher Lebensqualität, ein idyllisch gelegener, aus der Zeit gefallener, naturtrüber Badesee, mit Liegewiese, Nichtschwimmerbecken, Umkleidekabinen, Dusche, Kiosk, Minigolfanlage, Toiletten, Wassertretanlage und dem durchaus reizvollen Charme eines Strandbades aus den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts. "De Weiher", wie er in Endingen liebevoll genannt wird, könnte durchaus auch in "Bullerbü" der alten Kinderbuchreihe der schwedischen Autorin Astrid Lindgren vorkommen. Das naturtrübe Wasser und die "abschreckend-entsetzlich-großen" Fische und Schildkröten im Weiher bringen den ortskundigen Badenden große Vorteile. Alle Menschen, die lieber in genormten, quadratischen Becken mit gechlortem Wasser (oder im Baggersee) baden, scheuen den Endinger Weiher wie der Teufel das Weihwasser (und das ist gut so!).

An einem heißen Sommertag ist es manchmal so laut, wie sich das für eine kinderfreundliche Gemeinde gehört. Manchmal kommt eine Gruppe aus dem Kindergarten vorbei und die Kinder planschen in der Wassertretstelle. Frühmorgens und abends ist es angenehm still und idyllisch im Erletal, im Herbst spielen die Nebel über´m See und in den leider wenigen, richtig kalten Wintern, lohnt es sich, die Schlittschuhe auszupacken.
Ein Problem für den Weiher könnten die Blaualgen und der kommende Klimawandel am Kaiserstuhl im jetzt schon heißen Kaiserstuhl werden. (siehe unten im Text)

Seit einigen, warmen Sommern gibt´s im Erleweiher eine neue Tierart: Die Süßwassermeduse, eine kleine, wunderschöne, ungiftige Qualle.
Sie ist die einzige Meduse, die in Mitteleuropa im Süßwasser vorkommt, ungefähr so groß wie eine Ein-Euro Münze und besteht selbst zu 99,3 Prozent aus Wasser. Damit ist die Süßwassermeduse die Tierart mit dem höchsten Wassergehalt. Die Medusen wurden aus Asien eingeschleppt und kommen, außer in der Antarktis, weltweit vor. Diese Süßwasserqualle ist für den Menschen absolut harmlos und sie ist zugegeben wunderschön & exotisch. Ein Wesen, "nicht von dieser Welt".
Zur Nahrung der Süßwasserqualle zählen Kleinkrebse, Rädertierchen und Einzeller. Die längste Zeit ihres Lebens überdauert die Meduse jedoch nicht als schirmartig geformtes Tier, sondern als Polyp, der das ganze Jahr über am Boden von stehenden oder langsam fließenden Gewässern vorkommt. Wahrscheinlich schleppten Wasservögel die Polypen in den Endinger Erle-Weiher ein.

Diese besonderen Tiere haben keinen großen ökologischen Einfluss auf heimische Tier- und Pflanzenarten und sind für den Menschen harmlos. Das Vorkommen spricht für eine gute Wasserqualität, allerdings auch für zu warmes Wasser.

Hier geht´s zu einem Medusen-Video...


Die Allee


Wer den Begriff "Allee" hört, denkt beinah automatisch an Straßen und Straßenbegleitgrün. Doch durch das Erletal führt oberhalb des Weihers eine schöne, schmale Kastanienallee nur für Fußgänger fast bis zum Erleloch. Wie viele Kastanien leiden auch die Endinger Alleebäume leider unter der Miniermotte...

Erleloch / Endingen: Finschder isch´s im Erleloch...(Blick nach Westen)


Am Ende der Allee und nur ein kleines Stück abseits des Kaiserstuhlpfades, findet sich das Erleloch, ein dunkler, geheimnisvoller, ca. 100 Meter langer gemauerter Stollen durch den Löss des Brüstleberges. Als in früheren Jahrhunderten die Versorgung der Stadt Endingen mit Trinkwasser durch die Quellen im Erletal nicht mehr ausreichte, wurde 1788 diese Leitung mit der begehbaren Lößhöhle gegraben, damit Quellen aus dem Riedbachtal genutzt werden konnten.

Ein Gang durch das Erleloch ohne Taschenlampe ist (nicht nur) für Kinder ein spannendes Erlebnis und eine Mutprobe, denn das helle Ende des Tunnels wird erst ab der Mitte des Ganges sichtbar.


Erleloch / Endingen: Finschder isch´s im Erleloch...(Blick nach Osten)



Natur im Erletal


Das oberhalb des Weihers und des Sportplatzes gelegene Schutzgebiet, größtenteils umgeben von Wald und Reben, ist mit seinen Feuchtwiesen im Kaiserstuhl das letzte noch erhaltene Gebiet dieser Art. Die Streuobstwiese wird von den Aktiven des BUND Nördlicher Kaiserstuhl gepflegt. Das angrenzende Naturschutzgebiet ist Heimat zahlreicher geschützter Tier- und Pflanzenarten und sollte nicht betreten werden. Im Gebiet findet sich ein kleinflächiges Mosaik aus Feucht- und Trockenwiesen, Streuwiesen, Kleinseggenrieden und Großseggenrieden, Schilfröhrichte, Hochstaudenfluren, Ufergehölzen und Bachvegetation.

Davalls Segge (Carex davalliana), weibliche Blütenähren
Im Kaiserstuhl findet sich an dieser Stelle das einzige Davall-Seggen-Quellmoor (Caricetum davallianae). Es wird aus der namengebenden Davalls Segge gebildet. Die Davalls Segge erreicht Wuchshöhen zwischen 10 und 25 Zentimetern. Die Gesellschaft enthält unter anderem auch das auf der Roten Liste stehende Breitblättrige Wollgras. Beide Pflanzen sind in der Rheinebene und im Kaiserstuhl vom Aussterben bedroht.
Die gemähten Wiesen weisen ein außergewöhnliches hohes Aufkommen diverser Orchideen auf, auffallend sind z. B. der Reichtum des Breitblättrigen Knabenkrauts und der Sumpf-Stendelwurz. Vertreten sind auch der sonst im Kaiserstuhl selten vorkommende Große Wiesenknopf, die Kohldistel und der Wald-Engelwurz. Des Weiteren findet sich hier auch noch die in Deutschland gefährdete Prachtnelke.
Auf den Halbtrockenrasen wachsen die Aufrechte Trespe, die Bunte Kronwicke, die Dornige Hauhechel und aus der Familie der Orchideen der Hundswurz. Eine weitere Orchidee, die Mücken-Händelwurz gedeiht auch auf feuchteren Standorten, ebenso die Blaugrüne Segge aus der Familie der Sauergrasgewächse.
Auf den nicht oder nur unregelmäßig gemähten Wiesen kommen in den Hochstaudenfluren aus der Reihe der eher hochwachsenden Gewächse der Gewöhnliche Gilbweiderich, die Riesen-Goldrute und der Wasserdost vor.

Das Naturschutzgebiet ist in Verbindung mit seiner Umgebung ein Biotop zahlreicher Vögel, der Pirol und die Turteltaube sind häufige Gäste. Ihren Lebensraum finden hier z. B. der aus der Familie der Finken stammende Stieglitz, der Hänfling und der Girlitz. Aus der Reihe der Insekten ist die Sumpfschrecke vertreten, da diese Feucht- und Nasswiesen bevorzugt. Schmetterlinge finden in den Hochstaudenfluren ihr wichtiges Nahrungshabitat. (Quelle für diesen Abschnitt: teilweise Wikipedia)

Das Erletal ist ein gefährdetes, aber tatsächlich noch wunderschönes Stück Endingen.

Axel Mayer, Kreisrat, Mitwelt Stiftung Oberrhein, (Alt-)BUND-Geschäftsführer, Kreisrat & Badender, Endingen,




Leider wichtiger Nachtrag


Die wenigen erhalten gebliebenen, historischen Altstädte und die restlichen Naturschutzgebiete am Oberrhein verbindet eines: Sie sind zunehmend Inseln in einem Meer von Scheußlichkeit.



Einschub 2016:
Leider wurde der Erleweiher im heißen Sommer 2016 von der Realität des Klimawandels eingeholt.
Blaualgen wurden im Erleweiher gefunden. Blaualgen sind keine Algen sondern Cyano-Bakterien. Bei hohen Wassertemperaturen vermehren sich die Bakterien. Die Giftstoffe der Cyano-Bakterien können Hautreizungen, Übelkeit und Durchfall verursachen, in schlimmen Fällen auch zu Lebervergiftungen führen und neurotoxische Wirkungen entfalten. Während Tiere, wie zum Beispiel Hunde, nach dem Trinken von belastetem Wasser sterben können, sind solche Fälle bei Menschen bislang nicht bekannt. (aber gsund isch´s nid) Es war ein Glück, dass der Befall so spät im Jahr auftrat und die Nächte nicht mehr so warm waren.

Ein Problem für den Weiher könnte der zu erwartende Klimawandel am Oberrhein und jetzt schon heißen Kaiserstuhl werden.
In Baden-Württemberg sind die Durchschnittstemperaturen seit Beginn des Industriezeitalters um 1 Grad gestiegen, am Oberrhein sogar schon um 2 Grad! Es besteht also durchaus die Möglichkeit, dass aus zukünftigen globalen 2 Grad mehr, 4 Grad zusätzlich am Kaiserstuhl und in Endingen werden. Info

Eventuell wäre ein "Bypass" eine Lösung
Es sollte weniger Wasser durch den oberen See fließen (wo es sich erwärmt). Der obere See sollte weniger Frischwasser und der Badesee mehr Frischwasser bekommen.





1.8.2017

Ein "Bypass" für den Erleweiher?


Sehr geehrter Herr Bürgermeister Schwarz,
im vergangenen heißen Sommer 2016 wurde unser Erleweiher von der Realität des Klimawandels eingeholt.
Blaualgen wurden im Erleweiher gefunden. Blaualgen sind keine Algen sondern Cyano-Bakterien. Bei hohen Wassertemperaturen vermehren sich die Bakterien. Die Giftstoffe der Cyano-Bakterien können Hautreizungen, Übelkeit und Durchfall verursachen, in schlimmen Fällen auch zu Lebervergiftungen führen und neurotoxische Wirkungen entfalten. Während Tiere, wie zum Beispiel Hunde, nach dem Trinken von belastetem Wasser sterben können, sind solche Fälle bei Menschen bislang nicht bekannt. (aber gsund isch´s nid) Es war ein Glück, dass der Befall so spät im Jahr auftrat und die Nächte nicht mehr so warm waren.
Bisher sind im heißen Sommer 2017 (noch) keine Blaualgen aufgetreten. Das Wasser hat sich allerdings schon stark eingetrübt, Algen nehmen zu und die Zahl der Badenden nimmt trotz Hitze ab. Die weitere Entwicklung ist stark wetter- und temperaturabhängig.
Die Stadt sollt unabhängig von einem konkreten Blaualgenbefall versuchen die Wasser- und Badequalität zu verbessern.
Ein Problem (nicht nur) für den Weiher könnte der zu erwartende Klimawandel am Kaiserstuhl werden. In Baden-Württemberg sind die Durchschnittstemperaturen seit Beginn des Industriezeitalters um 1 Grad gestiegen, am Oberrhein sogar schon um 2 Grad! Es besteht also durchaus die Möglichkeit, dass aus zukünftigen globalen 2 Grad mehr, 4 Grad zusätzlich am Kaiserstuhl und in Endingen werden.

Eventuell wäre ein "Bypass für den Weiher" eine kostengünstige Lösung. Es sollte weniger Wasser durch den oberen See fließen (wo es sich erwärmt). Der obere See sollte weniger Frischwasser und der Badesee mehr Frischwasser bekommen.

Der Erleweiher ist nicht nur für mich ein großes Stück sommerlicher Lebensqualität, mit dem durchaus reizvollen Charme eines Strandbades aus den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts. Wir sollten versuchen diese Lebensqualität auch für die Zukunft zu erhalten.
Mit freundlichen Grüßen
Axel Mayer








Erleweiher-Endingen: Ein durch den Klimawandel gefährdetes Stück sommerlicher Lebensqualität am Kaiserstuhl
Mehr Infos zum Klimawandel am Oberrhein:hier